»Im Innersten des bundesdeutschen Elends«

Sezession: Sehr geehrter Herr Dr. Dr. v. Waldstein, Ihr Sammelband Die entfesselte Freiheit ist ausweislich des Untertitels »wider die liberalistische Lagevergessenheit« gerichtet.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Sezes­si­on: Sehr geehr­ter Herr Dr. Dr. v. Wald­stein, Ihr Sam­mel­band Die ent­fes­sel­te Frei­heit ist aus­weis­lich des Unter­ti­tels »wider die libe­ra­lis­ti­sche Lage­ver­ges­sen­heit« gerichtet.

Die Beru­fung auf »die Lage« als Fun­da­ment poli­ti­schen Den­kens und Han­delns fin­det sich bei Gott­fried Benn, fin­det sich auch in der Arbeit des Poli­to­lo­gen Hans-Joa­chim Arndt, der sich um eine Rück­be­sin­nung der Deut­schen auf ihre Eigen­in­ter­es­sen bemüh­te und dem Sie ein Por­trät gewid­met haben, schlu­ßend­lich fin­det er sich aus­drück­lich in Ihrem kapla­ken-Band Meta­po­li­tik.

Wor­in unter­schei­det sich die­se »poli­ti­sche Lage­ana­ly­se« vom Prag­ma­tis­mus, der Han­deln und Zie­le je nach Tages­form wech­selt, um das Risi­ko eines Mißer­folgs zu minimieren?

v. Wald­stein: Die Deut­schen wer­den in der Sphä­re des Poli­ti­schen nur bestehen kön­nen, wenn es ihnen gelingt, ihre viel­fach beschä­dig­te Iden­ti­tät als Volk zurückzugewinnen.

Eine poli­ti­sche Lage­ana­ly­se, die nicht nur an den Sym­pto­men her­um­dok­tert, son­dern Roß und Rei­ter benen­nen will, wird nicht umhin kom­men, sich mit den tie­fer­lie­gen­den Ursa­chen der deut­schen Tragi­mi­se­re zu befas­sen. Umge­kehrt kenn­zeich­net es die seit 1949 eta­blier­ten poli­ti­schen Kräf­te, daß sie das Wahl­volk eben­so plan­mä­ßig wie erfolg­reich davon abge­hal­ten haben, sich über die Lage der Nati­on im kla­ren zu werden.

Die­se Ver­hält­nis­se schei­nen auf­grund der his­to­ri­schen Umbrü­che, deren Zeu­ge wir sind, der­zeit ins Rut­schen zu gera­ten, was man nur begrü­ßen kann. Gleich­wohl ste­hen wir erst am Anfang einer ehr­li­chen Diagnose.

Wie es im Inners­ten des mit kon­su­mis­ti­schem Flit­ter­gold nur müh­sam bedeck­ten, bun­des­deut­schen Elends tat­säch­lich aus­sieht, ent­zieht sich nach wie vor dem Vor­stel­lungs­ver­mö­gen der meis­ten Akteu­re, lei­der auch vie­ler wider­stän­di­ger Kräf­te. Für die­se nun anste­hen­den, wenig erbau­li­chen, aber unum­gäng­li­chen Detail­ana­ly­sen ver­sucht mein Buch einen ers­ten Ori­en­tie­rungs­rah­men zu geben.

Daß in der Tages­po­li­tik prag­ma­ti­sche Schach­zü­ge von­nö­ten sein kön­nen, die ent­spre­chend den wech­seln­den Gege­ben­hei­ten der Situa­ti­on vari­ie­ren (müs­sen), ist unstrei­tig. Über „die Kunst, aus Gele­gen­hei­ten Ereig­nis­se zu machen“ (Poli­tik­de­fi­ni­ti­on von Hel­muth Pless­ner), ver­fügt aber nur der­je­ni­ge, der genau weiß, wohin er will.

Es gehört zu dem Schick­sal Deutsch­lands, daß seit dem Abgang Bis­marcks – mit weni­gen Aus­nah­men – Poli­ti­ker die Sze­ne bestim­men, denen sol­che Zie­le feh­len, an denen sich der vor­zi­tier­te Prag­ma­tis­mus aus­rich­ten könnte.

Wer die­se Din­ge per­ma­nent durch­ein­an­der bringt, endet in dem Muddling-Through, von dem der BRD-Poli­tik­be­trieb, dem Trei­ben in einem Hüh­ner­stall nicht unähn­lich, unver­än­dert gekenn­zeich­net ist.

Sezes­si­on: Die Lage der Par­tei­po­li­tik hat sich in Deutsch­land mit der Wahl am 24. Sep­tem­ber von Grund auf geän­dert. Nicht nur haben wir jetzt das größ­te Par­la­ment in der Nach­kriegs­ge­schich­te; mit der AfD hat auch eine neue, gera­de ein­mal vier­ein­halb Jah­re alte Par­tei das bun­des­po­li­ti­sche Par­kett betre­ten, die aus­drück­lich mit dem Anspruch ange­tre­ten ist, das Estab­lish­ment durcheinanderzuwirbeln.

Nun haben Sie im Lau­fe Ihrer eige­nen meta­po­li­ti­schen Arbeit vie­le neue, dis­si­den­te Par­tei­en kom­men und gehen sehen – wie schät­zen Sie die neue Situa­ti­on ein? Kann die­se Par­tei eben­falls ihr Scherf­lein zu einer Abkehr von der »libe­ra­lis­ti­schen Lage­ver­ges­sen­heit« beitragen?

v. Wald­stein: Die poli­ti­schen Par­tei­en, zu deren gesetz­li­chen Auf­ga­ben es u.a. gehö­ren wür­de, „für eine stän­di­ge leben­di­ge Ver­bin­dung zwi­schen dem Volk und den Staats­or­ga­nen (zu) sor­gen“ (§ 1 Abs. 2 Par­tei­en­gesetz), sind in den blei­er­ner Jahr­zehn­ten der BRD zu mono­li­thi­schen Macht­blö­cken geron­nen, die sich sys­te­ma­tisch gegen fri­schen Wind von außen abge­schirmt haben und die es seit lan­gem gewohnt sind, unter­ein­an­der die Beu­te zu teilen.

Die Reprä­sen­tan­ten die­ser Par­tei­en sind nicht sel­ten geprägt von Per­sön­lich­keits­de­for­ma­tio­nen und sons­ti­gen olig­ar­chi­schen Abschleif­ef­fek­ten, die den schö­nen Cha­rak­ter­zü­gen des Men­schen­ge­schlechts eher abträg­lich sind.

Das Spin­nen von Intri­gen, das Aus­le­ben von Gel­tungs­sucht und die Pfle­ge der satt­sa­men Seil­schaf­ten bestim­men viel mehr den Poli­ti­ker­all­tag als alles ande­re. Im Lich­te die­ser struk­tu­rel­len Ver­krus­tung und per­so­nel­len Nega­tiv­aus­le­se ist das Bild einer „flüs­si­gen Demo­kra­tie“, die durch einen (teil­wei­sen) poli­ti­schen Ölwech­sel von innen her­aus gerei­nigt wer­den könn­te, wenig realitätsbezogen.

Die Leu­te, die solch‘ rüh­ren­de Gemein­schafts­kun­de­ly­rik unter’s Volk brin­gen, haben von den fili­gra­nen Macht­struk­tu­ren in der BRD kei­ne Ahnung. Wie alle alt­ein­ge­ses­se­nen Eli­ten wird sich auch das hie­si­ge Amal­gam aus strip­pen­zie­hen­den Poli­ti­kern und macht­ver­lieb­ten Jour­na­lis­ten mit allen zu Gebo­te ste­hen­den Mit­teln der eige­nen Ver­ab­schie­dung entgegenstemmen.

Man­ches spricht indes für den erfreu­li­chen Befund, daß die­se Behar­rungs­kräf­te eines obs­zö­nen selbst­re­fe­ren­ti­el­len Sys­tems ange­sichts der schon beschrie­be­nen his­to­ri­schen Umbruch­si­tua­ti­on mehr und mehr schwinden.

In die­ser Lage ist es m.E. nicht Auf­ga­be der AfD, ein abge­wirt­schaf­te­tes und deut­sche Inter­es­sen mit Füßen tre­ten­des Par­tei­en­sys­tem zu erneu­ern; vor­nehms­tes Ziel soll­te es statt­des­sen sein, auf der Basis einer stol­zen zwei­hun­dert­jäh­ri­gen deut­schen Demo­kra­tie­tra­di­ti­on erst wie­der die Vor­aus­set­zun­gen für eine ech­te Volks­herr­schaft auf deut­schem Boden zu schaffen.

Die – im Ver­gleich zur FPÖ, die hof­fent­lich aus ihren Feh­lern von 1999 gelernt hat – benei­dens­wer­te Lage der AfD als Oppo­si­ti­ons­par­tei erlaubt einen bein­har­ten Kon­fron­ta­ti­ons­kurs gegen die­je­ni­gen, die danach trach­ten, den Aus­ver­kauf Deutsch­lands auch nach der Bun­des­tags­wahl 2017 fortzusetzen.

Getreu dem römi­schen Mot­to for­ti­ter in re, sua­vi­ter in modo (Bestimmt in der Sache, umgäng­lich im Ton) müs­sen die Über­le­bens­fra­gen der deut­schen Nati­on wie­der und wie­der in das Zen­trum der poli­ti­schen Debat­te gelenkt wer­den. Will die AfD das Schick­sal von DRP, NPD, Repu­bli­ka­nern, Schill-Par­tei, Bund frei­er Bür­ger usw. usf. ver­mei­den, muß die Par­tei unbe­dingt ihren Glut­kern bewahren.

Zu kei­nem Zeit­punkt dür­fen die AfD-Man­da­ta­re ver­ges­sen, wer sie war­um gewählt hat. Das schließt die wei­te­re Ver­pflich­tung ein, sich von den Ver­lo­ckun­gen auf eine har­mo­nie­se­li­ge und finan­zi­ell schmack­haft gemach­te „Teil­ha­be“ an den Trö­gen der Macht kon­se­quent fernzuhalten.

Das ist und bleibt die Gret­chen-Fra­ge des poli­ti­schen Diens­tes an einem Volk, an des­sen „grau­en­haf­ter Anpas­sungs­fä­hig­keit“ (Ernst Kan­to­ro­wicz) und lebens­ge­fähr­li­cher Kon­sens­sehn­sucht man gele­gent­lich ver­zwei­feln könn­te. Ist die­se Gefahr eines par­tei­po­li­ti­schen Wär­me­tods gebannt und scheut man sich auch nicht, da, wo nötig, mit der erfor­der­li­chen Unver­söhn­lich­keit dem anci­en regime gegen­über­zu­tre­ten, lau­fen die Din­ge fast auto­ma­tisch auf einen wei­te­ren, womög­lich sogar stür­mi­sche­ren Stim­men­zu­wachs für die Par­tei zu.

Nach­dem die AfD mit dem Lucke-Abtritt 2015 und der Petry-Selbst­de­mon­ta­ge 2017 zwei wich­ti­ge posi­ti­ve Häu­tun­gen voll­zo­gen hat, soll­te jetzt die Zeit gekom­men sein, auf den neu­ge­won­ne­nen par­la­men­ta­ri­schen Büh­nen den Deutsch­land­ab­schaf­fern auf allen Fel­dern in die Para­de zu fahren.

Sezes­si­on: Sie wid­men sowohl dem bereits genann­ten Hans-Joa­chim Arndt als auch dem Phi­lo­so­phen Ber­nard Will­ms, der einer Ihrer bei­den Dok­tor­vä­ter war, jeweils ein Porträt.

Nimmt man noch den Erlan­ger His­to­ri­ker Hell­mut Diwald hin­zu, so las­sen sich die­se Wis­sen­schaft­ler als das Drei­ge­stirn einer Ende der 1970er auf­kei­men­den und in den 1980ern für Furo­re sor­gen­den natio­na­len deut­schen Geis­tes­wis­sen­schaft bezeich­nen. Alle drei sind mitt­ler­wei­le ver­stor­ben; an den Uni­ver­si­tä­ten scheint nie­mand ihr Erbe ange­tre­ten zu haben.

Wie schät­zen Sie – vom meta­po­li­ti­schen Stand­punkt aus – den Stel­len­wert und die Chan­cen einer Rena­tio­na­li­sie­rung der Aca­de­mia ein? Kann von dort noch­mals ein prä­gen­der Ein­fluß auf die Gesell­schaft aus­ge­hen, wie dies vor fünf­zig Jah­ren der Fall war? Oder ist der uni­ver­si­tä­re Betrieb inzwi­schen selbst ganz den Markt­ge­set­zen unterworfen?

v. Wald­stein: Das natio­na­le Renou­veau Ende der 1970er Jah­re war ein zar­tes Pflänz­chen, das schon damals nur zum Teil auf uni­ver­si­tä­rem Humus auf­keim­te. Den von Ihnen genann­ten drei Per­so­nen wür­de ich ger­ne noch die Namen Hans-Diet­rich San­der und Hein­rich Jor­dis von Lohau­sen zurechnen.

Von die­sen fünf Män­nern hat­te allein Arndt ein voll­wer­ti­ges C4-Ordi­na­ri­at (in Hei­del­berg). Will­ms und Diwald hat­ten wacke­li­ge, San­der und von Lohau­sen über­haupt kei­ne uni­ver­si­tä­ren Wir­kungs­mög­lich­kei­ten (mehr).

Den­noch gelang es die­sen Patrio­ten, im Ver­ein mit muti­gen Publi­zis­ten bemer­kens­wer­te Schnei­sen in ein dama­li­ges Mei­nungs­kli­ma zu schla­gen, in dem die deut­sche Tei­lung als „Garant des Frie­dens in Euro­pa“ abge­fei­ert wur­de. Ich erin­ne­re nur an den groß­ar­ti­gen, von Wolf­gang Ven­ohr 1982 her­aus­ge­ge­be­nen Band Die deut­sche Ein­heit kommt bestimmt, der im Estab­lish­ment für eini­ge Unru­he sorgte.

Die Lage der deut­schen Uni­ver­si­tät des Jah­res 2017 ist eine ganz ande­re: Von deren Vor­le­sungs­sä­len und/oder Cam­pus­fel­dern geht alles aus, nur nicht eine „Rena­tio­na­li­sie­rung“. Nicht erst seit der Bolo­gna-Reform fin­det dort – ins­be­son­de­re an den sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tä­ten – ein geis­ti­ger Nie­der­gang statt, der his­to­risch ohne Bei­spiel ist.

Allen­falls 40 Pro­zent der Erst­se­mes­ter sind über­haupt stu­dier­fä­hig. Anstatt von Hum­boldt­schen Idea­len ist die heu­ti­ge deut­sche Uni­ver­si­tät erfüllt von kon­for­mis­ti­schen Turn­übun­gen, Denun­zi­an­ten­tum und einem wirk­lich unfaß­ba­ren Gen­der-Gaga.

Gegen die Vor­teils­ver­lo­gen­heit, die dort tag­täg­lich unter dem Ban­ner der angeb­li­chen Frei­heit der Wis­sen­schaft zele­briert wird, erscheint Hein­rich Manns Unter­tan noch als wah­rer Wut­bür­ger. Abge­run­det wird die­ses Bild durch „Juni­or-Pro­fes­so­ren“, die vor lau­ter Dritt­mit­tel­jagd kaum mehr Zeit für wis­sen­schaft­li­ches Arbei­ten haben.

Ange­sichts die­ser Zustän­de kom­men einem als Steu­er­zah­ler die Trä­nen; als Bür­ger über­kommt einen die Wut über den Ver­rat an den geis­ti­gen Poten­tia­len der deut­schen Jugend. Nein, Herr Weg­ner, ich bedau­re: ein „natio­na­les 1968“ an den deut­schen Hoch­schu­len hal­te ich lei­der für gänz­lich ausgeschlossen.

Die Lebens­lü­gen der BRD wer­den in den kom­men­den Jah­ren nicht in einem uni­ver­si­tä­ren, auf Gleich­schal­tung dres­sier­ten Bin­nen­kli­ma ver­ab­schie­det wer­den, son­dern auf Stra­ßen, Plät­zen und ande­ren Orten, an denen das freie Wort nach Deutsch­land zurückkehrt.

Sezes­si­on: Zwei län­ge­re Tex­te in Ihrem Buch schei­nen in unmit­tel­ba­rer Bezie­hung zuein­an­der zu ste­hen: »Seit wann wird Deutsch­land BRDigt?« und »Deut­sche Ent­schei­dun­gen im asia­ti­schen Jahrhundert«.

Bei­de arbei­ten die spe­zi­fisch deut­sche Lage­ver­ges­sen­heit trenn­scharf her­aus, sowohl im innen‑, geschichts- und kul­tur­po­li­ti­schen Bereich wie auch vor allem auf geo­po­li­ti­scher Ebe­ne; ein enorm wich­ti­ges The­men­feld, dem sich viel­leicht ein­zig hier­zu­lan­de aller­dings aus einer his­to­risch kon­no­tier­ten Büßer­men­ta­li­tät ver­wei­gert wird.

Nun schei­nen seit eini­gen Jah­ren natio­na­le bis natio­na­lis­ti­sche und ins­be­son­de­re antiglo­ba­lis­ti­sche Bewe­gun­gen und Par­tei­en in der gan­zen west­li­chen Welt im Auf­wind zu sein; ins­be­son­de­re die Wahl Donald Trumps zum 45. US-Prä­si­den­ten voll­zog sich unter bei­na­he schon iso­la­tio­nis­ti­scher Rhe­to­rik, die der Neo­con-Poli­tik einer Welt­be­glü­ckung durch Demo­cra­cy Absa­ge um Absa­ge erteilte.

Bis­lang hat sich die Lage als sol­che gleich­wohl nicht spür­bar ver­scho­ben – wie ist Ihre Mei­nung dazu, gera­de im Ange­sicht welt­wirt­schaft­li­cher Sze­na­ri­en wie der Auf­zeh­rung fos­si­ler Brenn­stof­fe, die das gan­ze Glo­ba­li­sie­rungs­ge­fü­ge zusam­men­bre­chen las­sen könnten?

Die klas­si­sche und viel­be­schwo­re­ne Mit­tel­la­ge Deutsch­lands in einem sich zuneh­mend pola­ri­sie­ren­den Euro­pa in Rech­nung gestellt – wie sähe ein Mit­tel­weg zwi­schen Ame­ri­ka und Ruß­land aus? Oder geht es nicht ohne eine von bei­den Mäch­ten? Oder doch China?

v. Wald­stein: Vor­aus­sa­gen über kon­kre­te poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen sind schon in natio­nal­staat­li­chen Rah­men schwie­rig; auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne hal­te ich sie für schlicht unmöglich.

Eine seriö­se Poli­tik­be­ob­ach­tung muß sich daher dar­auf beschrän­ken, wich­ti­ge Ten­den­zen und ent­ste­hen­de neue Macht­po­ten­tia­le so früh wie mög­lich zu erfas­sen und zu beschreiben.

Nach mei­ner Über­zeu­gung wird das Schick­sal Euro­pas und Deutsch­lands bis zur Mit­te des 21. Jahr­hun­derts u.a. von zwei Fak­to­ren wesent­lich bestimmt wer­den: Von dem (wei­te­ren) explo­si­ons­ar­ti­gen Anstieg der afri­ka­ni­schen Bevöl­ke­rung, die der­zeit täg­lich (!) net­to um ca. 110 000 Men­schen wächst (1900: 200 Mio.; 2000: 1,2 Mrd.; und nach vor­sich­ti­gen Schät­zun­gen: 2050: 2,5 Mrd.; 2100: 5 Mrd. = Wachs­tum um das 25fache in 200 Jahren).

Und außer­dem von dem (wei­ter) wach­sen­den glo­ba­len Macht­an­spruch Asi­ens, ins­be­son­de­re Chi­nas, und der damit ver­bun­de­nen, all­mäh­li­chen Auf­lö­sung der pax ame­ri­ca­na.

Hin­sicht­lich des ers­ten The­mas haben die Euro­pä­er die Wahl, sich nach der unga­ri­schen Blau­pau­se voll­stän­dig gegen die in Gang befind­li­che und von den Fein­den der euro­päi­schen Völ­ker befeu­er­te Inva­si­on aus Afri­ka abzu­schot­ten oder unter­zu­ge­hen. Ein Mit­tel­weg ist nicht denkbar.

Bei dem zwei­ten The­ma brau­chen Sie nur einen Blick auf das Süd­chi­ne­si­sche Meer wer­fen, um zu sehen, wie sich die Chi­ne­sen dort nach und nach ihren geo­po­li­ti­schen Vor­hof zurück­ho­len. Man­ches spricht dafür, daß sich in die­sen Jah­ren die Völ­ker­recht­li­che Groß­raum­ord­nung mit Inter­ven­ti­ons­ver­bot für raum­frem­de Mäch­te her­aus­bil­det, die Carl Schmitt schon in sei­ner gleich­na­mi­gen Schrift im April 1939 skiz­ziert hatte.

Eine sol­che Auf­tei­lung des Glo­bus in vier oder fünf sol­cher Groß­räu­me wür­de auch auf der Ebe­ne der poli­ti­schen Inhal­te neu­en, klein­tei­li­ge­ren Kon­zep­ten jen­seits von One-World-Ideo­lo­gien den Weg bahnen.

Für Deutsch­land böte eine sol­che Neu­ord­nung die Chan­ce, sich des alten geo­po­li­ti­schen Wider­la­gers im Osten zurück­zu­er­in­nern und zusam­men mit den Rus­sen eine euro­päi­sche Poli­tik zu rekon­stru­ie­ren, die sich von den trans­at­lan­ti­schen Fes­seln befreit hat und aus eige­ner Macht­voll­kom­men­heit für die Sicher­heit des Kon­ti­nents Ver­ant­wor­tung trägt.

–––––

Thor v. Wald­stein: Die ent­fes­sel­te Frei­heit. Vor­trä­ge und Auf­sät­ze wider die libe­ra­lis­ti­sche Lage­ver­ges­sen­heit, Schnell­ro­da 2017. 287 S., 22 € – hier ein­se­hen und bestellen!

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (34)

Heinrich Brück

6. November 2017 13:33

Die AfD sollte aufhören in Sachen Einwanderungsgesetz die Wähler zu veräppeln. Wir brauchen keine Einwanderung.

S.J.

6. November 2017 15:38

Hier kann man es kurz halten: Ich habe diesen Band regelrecht verschlungen. Sprachlich voller Finessen, inhaltlich eine Pflichtlektüre.

Dieter Rose

6. November 2017 15:58

Betriftt auch das Schicksal eines Landes, Plutatarch zitiert: "Lykurg wies alle, die aus keinem triftigen Grund ins Land kamen, wieder aus, damit sie nicht als Lehrmeister des Schlechteren wirken konnten. Denn mit fremden Menschen kommen notwendig fremde Gedanken herein. Fremde Gedanken führen zu neuen Werturteilen, aus denen neue Begierden und neue Zielsetzungen entspringen, die nicht im Einklang sind mit dem bestehenden Staate." Das sollten mal die Verfechter der griechischen Ursprünge Europas verinnerlichen!

Coriolan

6. November 2017 16:41

Daß ein Mann wie Dr. Dr. Thor v. Waldstein in der Bundesrepublik Deutschland von jeder ehrlichen politischen Teilhabe ausgeschlossen und gesellschaftlich geächtet ist, sagt alles über die Verfassung unseres Staates aus.

Selbstdenker

6. November 2017 17:58

Dieses grandiose Buch muss man gelesen haben, kann es nur empfehlen. Solche Leute gehören normal an die Spitze unseres Landes. In der BRD leider nicht möglich, noch nicht!

Maiordomus

6. November 2017 19:26

Im Wikipiediaartikel zur "Vorstellung" der Person Thor von Waldstein kommt der Begriff "rechtsextrem" 14mal vor, in Worten vierzehn, ausserdem einmal rechtsradikal und noch ein rundes halbes Dutzend Mal die Qualifikation "neue Rechte". Meines Erachtens, wenn ich mich nicht täusche, für die Charakterisierung eines einzigen Autors wohl annähernd ein Rekord. Selbstverständlich geht natürlich die Erwähnung von Carl Schmitt bei Thor von Waldstein im Wikipedia-Artikel über den Autor bei Sezession, als der er übrigens ausdrücklich genannt ist,  nicht ohne das Attribut "Kronjurist des Dritten Reiches" ab. Würde indes den oben stehenden Artikel des in der Tat maximal ausgegrenzten politischen Autors Dr.Dr. Thor von Waldstein  nicht überschätzen, hoffe gern, dass sein von @Selbstdenker als "grandios" bezeichnetes Buch noch mehr in die Tiefe geht. Gewiss muss indes der Aussage von Thor von Waldstein recht gegeben werden, dass wohl nicht mehr als 40% der heutigen Hochschulstudenten als hochschulreif eingeschätzt werden könnten. Dies bestätigte sich mir dieser Tage bei der Lektüre von drei neueren Masterarbeiten über Katalonien, durchwegs von Deutschmuttersprachlichen, die bereits formal völlig ungenügend waren. Zum Beispiel wurde bei einer sprachpädagogischen Arbeit die Sprachbezeichnung "kastillisch" statt "kastilisch" um die die drei Dutzend Mal falsch geschrieben, zu schweigen davon, dass auch selbst in einer sehr umfangreichen Arbeit über den Spanischen Bürgerkrieg in Katalonien das Buch von George Orwell zu diesem Thema, ohne das man schlicht uninformiert ist, nie auch nur erwähnt wurde, im Gegensatz zu teils drittklassiger Tendenzliteratur. Selbst noch in einer fast tausendseitigen neueren Dissertation über den Sozialismus und Anarchismus in Katalonien wird Orwell nicht erwähnt, obwohl er immerhin als Linker dortselbst am Spanischen Bürgerkrieg teilnahm und mit "Mein Katalonien" das wohl bis heute analytisch beste Buch über jenen Krieg geschrieben hat, an Tiefenschärfe wohl auch Carl Schmitt überlegen. Keiner hat besser nachgewiesen, am Ende ohne Parteiabsicht, dass es beim Spanischen Bürgerkrieg nie um die Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Diktatur gegangen ist, sondern um die Konkurrenz von zwei beziehungsweise dreier Konzepte der Diktatur, nämlich der autoritär-faschistischen, der kommunistischen und der anarchistischen Diktatur. Meines Erachtens ist übrigens Juan Donoso Cortes, der Theoretiker der Diktatur der Regierung contra Diktatur der Empörung, nebst Thomas Hobbes der wohl bedeutendste Vorläufer von Carl Schmitt, als Schriftsteller dem letzteren wohl noch überlegen.

PS. Betr. Thor von Waldstein und Wikipedia. Es wäre noch interessant zu untersuchen, ob bei Artikeln im weiland "Stürmer" auf je einer Seite einer polemischen Hetzdarstellung einer Person das Attribut "jüdisch" vergleichbar häufig wiederholt wird wie bei Wikipedia "rechtsextrem" oder ob vielleicht nicht doch der als Hetze gemeinte Wertungskoeffizient der schlimmstmöglichen gesellschaftspolitischen Positionierung bei Wikipedia die entsprechende Abqualififizierung als Feind der Menschheit die Sprachintensität bei Julius Streicher ev. sogar noch übertrifft. Wenn aber nun mal nicht weniger als vierzehnmal "rechtsextrem" steht, wird nun aber hoffentlich niemand mehr annehmen, dass gemäss Wikipedia-Regeln politische Neutralität oder gar Objektivität angestrebt ist. Wie bei "pädophil" hätte eigentlich bei "rechtsextrem" im Prinzip schon eine einmalige Abqualifizierung mit dieser Wertung den gewünschten Effekt in Richtung Rufmord sowie geistig-gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Wahrheitssucher

6. November 2017 20:37

@ Maiordomus

Hätten Sie es geschafft, in dem zur Verfügung gestellten Rahmen "noch mehr in die Tiefe" zu gehen? Wäre doch einen Versuch wert...

Maiordomus

6. November 2017 21:55

@ Wahrheitssucher. Ich gestehe, dass ich die Artikel von SiN auch schon im Vergleich zu dem von mir abonnierten Heft Sezession in nicht wenigen Fällen weniger überzeugend finde als was in der gedruckten Ausgabe steht, zu schweigen von den Aussagen in Buchform, etwa "Tristesse droite", oder von den Publikationen Sieferles, von denen ich das bloss vermeintliche Skandalbuch "Finis Germania" eher weniger gut finde als die Bücher, die sich direkt mit der Migrationsfrage beschäftigen. Kolumnen sind und bleiben nun mal eher Kurzfutter. Ob Waldstein so bedeutend ist, wie er von seinen Hassern in der veröffentlichten Meinung, wozu natürlich Wikipedia gehört, konnte ich bis jetzt noch nicht durch die Lektüre eines seiner Bücher überprüfen. Vorher nehme ich mir aber noch einen ganz dicken Schunken von einem unserer aktivsten Foristen vor, wo im Zusammenhang mit dem sog. Volkstod und seinen Hintergründen ein absoluter Hauptkriegsschauplatz betreten wird. Es wäre auch in diesem Fall schrecklich, sich nur über das Netz über den Autor zu erkundigen, in diesem Fall würde nicht einmal ich ein solches Buch lesen. Im Allgemeinen diskutieren wir hier fast allzu sehr auf Informationsebenen, die allzu sehr nach Informationen aus dem Netz orientiert scheinen. Dies genügt nun mal nicht, was man im Sinne der von Ihnen ebenfalls angesprochenen Vertiefung als Argument für fleissigere Buchlektüre, auch vom Antaios-Verlag, nehmen sollte. Nicht zu vergessen auch die Klassiker-Lektüre, warum nicht Denker, die noch rechts von den Rechten stehen, wie Donoso Cortes, Joseph de Maistre, Louis de Bonald, Edmund Burke und noch andere. Von denjenigen, die unsere Situation noch selber miterlebt haben, finde ich Sieferle in der Tat als einen der Besten.  Für die Wahrheit, falls man sie wirklich sucht, muss man tiefer bohren.

Selbstdenker

6. November 2017 22:12

@Maiordomus

ich empfehle Ihnen das Buch zu lesen.

Wahrheitssucher

7. November 2017 00:38

@ Maiordomus

"Für die Wahrheit, falls man sie wirklich sucht, muss man tiefer bohren."

Diesem Satz kann man kaum widersprechen. Aber "tiefer" ist ein Komparativ. Tiefer als was? Geht es immer einher mit länger? Habe häufig die Erfahrung gemacht, sei es bei Wortbeiträgen oder bei Schriften: Wesentliche Dinge lassen sich eigentlich auch oder vielleicht sogar nur kurz sagen... (Kürze statt "Kurzfutter"!)

Linkerhand

7. November 2017 00:59

Die deutsche Teilung wurde in beiden deutschen Staaten als "Garant des Friedens in Europa" abgefeiert. Beide Siegermächte haben wohl auch in Europa ihre zweite rechtmäßige Beute gesehen. Wie ein solches Unrecht zu einem dauerhaften und vor allem ehrlichen Frieden in Europa führen soll, war schon damals mehr als schleierhaft. Im Übrigen wird heute der Euro als "Garant des Friedens in Europa" ( "Scheitert der Euro, scheitert Europa" A. Merkel ) gehandelt. Möchte mich mal als Kassandra betätigen: Wie Teilung Deutschlands und die Spaltung Europas überwunden wurde, wird auch der Euro verschwinden. Und wie Talleyrand zu Napoleon schon zu sagen pflegte: Das ist schlimmer als ein Verbrechen, Majestät, das ist eine Dummheit!

Solution

7. November 2017 07:54

Das Buch gehört zu den besten von Antaios, genau wie der Verfasser einer unserer besten Denker ist, besonders im Bereich der Verknüpfung von Praxis und Theorie. Ich lernte ihn bereits Anfang/Mitte der 80er kennen und schätzen, als er noch ein ganz junger Mann war.

@ Heinrich Brück

Genau. Leider ist die AfD immer noch eine Partei der Befürwortung von Einwanderung nach Kriterien, die die Einwanderer etweder als tatsächliche Asylanten, usw. oder aber unter wirtschaftlichen Aspekten hereinlassen will. Wenn ein Schwarzafrikaner oder ein Chinese ins Schema passt, wird auch der genommen. Damit wird die Auflösung unseres Volkes lediglich verzögert. 

Andrenio

7. November 2017 09:24

@ maiordomus

Das Bessere ist des Guten Feind und oft kann das Aktuelle dem Überlieferten nicht das Wasser reichen. Sie erwähnen geistige Titanen aus der Vergangenheit, denen gegenüber sich ein Autorwie Thor von Waldstein ohne Probleme in Demut gegenüber verneigt. Warum man allerdings einen hervorragenden Analytiker wie von Waldstein mit einer Invektive herabsetzen muss, das ist wenig verständlich. Fehlt es hier an der Bescheidenheit, die eigentlich immer die großen Geister auszeichnet? Spontan fällt mir Caspar Freiherr von Schrenck-Notzing ein, der diesbezüglich ein Musterbeispiel war.

Maiordomus

7. November 2017 10:06

@ Ich gebe Ihnen grundsätzlich recht, Wahrheitssucher, aber die Textsorte Kolumne, besonders Online-Kolumne, hat nun mal ihre Einschränkung und Beschränktheit. Ehrlich gesagt lese ich die Kolumnen zwar gerne und nicht selten mit Zustimmung, aber ich lese sie eigentlich eher wegen der anschliessenden Foristendebatte, bin vielleicht in dieser Haltung und Einschätzung nicht mal der einzige. Ich bestelle die wichtigeren Bücher des Antaiosverlages regelmässig und gebe auch zum gedruckten Heft "Sezession" immer wieder mal Rückmeldungen. Was die Kürze betrifft, so erreichen wenige das Niveau von Lichtenberg, und zumal gibt es Kolumnenbeiträge, nicht nur im Spiegel, die nicht viel mehr sind als Lagerbekenntnisse. Bei Lichtmesz, Kubitschek und Kositza zum Beispiel geht es regelmässig darüber hinaus, zumal auch, weil sie immer wieder auch die Psychologie des Gegners nicht unklug in die Perspektive bringen. "Mit Linken leben" scheint mir tatsächlich eine echte Herausforderung auch zur Selbstorientierung zu sein. Dabei möchte ich auch wieder nicht sagen, dass die Buchlektüre es immer bringe. Zum Beispiel vermochten die von mir bestellten drei Bände Lisson den darin gestellten hohen philosophischen Ansprüchen nicht zu genügen. Und Sellner würde aus meiner Sicht statt ständig Videos abzusondern wohl besser mal drei Jahre schweigen und grundlegend bis zum Abschluss studieren, um am Ende endlich kraft Begabung, Temperament und Sensibilität als Rechtsintellektueller durchgehen zu können.

Maiordomus

7. November 2017 11:39

@Andrenio. Habe das Buch "Die entfesselte Freiheit", auf dessen Lektüre ich als täglicher Bücherleser neugierig bin, heute früh umgehend bestellt. Was wollen Sie mehr? Die höchste kollegiale Achtung vor einem Autor besteht darin, dass man sein Buch zum Ladenpreis einkauft.

Maiordomus

7. November 2017 12:39

@Brück/Solution. Mit fundamentalistischem Nullprozent bei der Einwanderung bestätigten Sie die Dummeinschätzung seitens der Gegnerschaft, bei welchen man den Unterschied zwischen Bewässerung und Überschwemmung nicht mehr realisiert. Natürlich weiss man, was zum Beispiel die George und Fontane und Chamisso samt den Heines und Rudolf Borchardts zur deutschen Kultur beigetragen haben, was kein vernünftiger Mensch mit Merkels verantwortungsfreier Politik von 2015 verwechseln wird. Auch hat Antaios an der Buchmesse einen Autor auch mit physischer Präsenz vorgestellt, den ich hier beim besten Willen nicht nennen will, weil ich weder seinen Vornamen noch seinen Familiennamen auswendig korrekt schreiben kann, lese ihn auch bis auf weiteres nicht, weil er nun mal das Niveau der oben genannten Migrationshintergründler wohl noch nicht ganz erreicht hat und weil ich als Leser bis Ende Jahr wirklich ausgebucht bin.   

Solution

7. November 2017 13:31

@ Maiordomus

Erzählen Sie das mal den Japanern.

Wahrheitssucher

7. November 2017 14:23

@ Maiordomus

Noch einmal zur Bekräftigung meines Standpunktes: Warum schätzen wir zum Beispiel eigentlich die Aphorismen des Nicolas Gomez Davila so sehr? (zumindest mit Herrn Lichtmesz weiß ich mich darin einig) Weil in einem seiner Sätze oft mehr Wahrheit liegt als in ellenlangen Abhandlungen anderer... Und zur Einwanderung: Sind wir denn nun lediglich bewässert oder doch schon überschwemmt? Ziemlich feucht ist es auf jeden Fall... Und ist Herr von Waldstein nicht eigentlich einfach nur brillant? Selbst wer seinen Ausführungen nicht zu folgen vermag, muß doch allein schon seinem Sprachvermögen Hochachtung zollen!

P.S. Im übrigen gehöre zu denjenigen, die Ihnen zustimmen ich in der häufigen Bevorzugung der Foristenbeiträge gegenüber den Hauptbeiträgen!

nom de guerre

7. November 2017 15:08

Von Thor von Waldstein habe ich bisher nichts gelesen (werde ich aber vielleicht nächstes Jahr machen), daher kann ich mich zu der Tiefe seiner Werke nicht äußern, allerdings finde ich seinen Vortragsstil sehr anstrengend, was ich an dieser Stelle als konstruktiv gemeinte Kritik einmal anmerken möchte. Eigentlich hatte ich den festen Vorsatz, mir das hier vor einigen Wochen eingestellte Video von seinem Vortrag zum Parteienstaat anzuschauen. Die gesamte Präsentation war jedoch dermaßen altväterlich und gerade auch aufgrund der für die gesprochene Sprache eher ungeeigneten zahlreichen Schachtelsätze ermüdend, dass ich es trotz echten Interesses nach ca. 10 Minuten aufgegeben habe. Meine eigene Studienzeit liegt nun schon einige Jahre zurück und selbst damals hat jeder einzelne meiner Professoren (an einer konservativen Uni in einem nicht gerade „neumodischen“ Fach), die z.T. über 20 Jahre älter gewesen sein dürften als Herr von Waldstein, lebendiger und gewinnender vorgetragen, als es bei dieser Veranstaltung der Fall war. Selbstverständlich handelt es sich hierbei nur um meinen persönlichen Eindruck, dennoch wäre eine etwas zuhörerfreundlichere „Performance“ vielleicht eine gute Idee, um ein breiteres Publikum anzusprechen.

Ferner möchte ich aufgrund der obigen Diskussion @ Maiordomus eine Lanze für Akif Pirincci (schreibe ich jetzt auswendig, ist hoffentlich richtig) brechen. Sein Auftritt auf der Buchmesse hat mir sehr gut gefallen, wobei dieser auch den Vorteil hatte, dass er im Vergleich zu den übrigen Lesungen relativ störungsfrei verlief (seine Reaktion auf die Frau, die immer wieder „such dir einen Therapeuten!“ rief, fand ich nebenbei bemerkt sehr souverän). Zum Niveau seiner aktuellen Bücher (die man m.E. nicht mit Chamisso, Fontane oder den anderen genannten „Migrationshintergrund-Autoren“ vergleichen kann, das ist einfach etwas völlig anderes) nur Folgendes: Sein Stil ist in der Tat gewöhnungsbedürftig, allerdings kann (nicht muss) man das auch als ein künstlerisches Ausagieren der von ihm wahrgenommenen gegenwärtigen Lage interpretieren, als ggf. für den Autor die einzig passende Art, wie das, was derzeit in unserer Gesellschaft passiert, zum Ausdruck gebracht werden kann. Anders formuliert, wenn jemand dabei zuschauen muss, wie Deutschland, sein Deutschland, das er (ich glaube, das ist für das Verständnis Pirinccis von größter Bedeutung) als eingewanderter Türke als seine Heimat angenommen hat, vor die Hunde geht, weil es sich sehenden oder auch aus reiner Ignoranz nicht sehenden Auges in die Scheiße reitet (darf man das hier so schreiben? naja, ich wird’s merken), kann er durchaus der Ansicht sein, dass sich dies nur in einer genau an dieser hässlichen Zukunftsvision, also letztlich an Dreck orientierten Sprache ausdrücken lässt. Natürlich müssen einem seine Bücher trotzdem nicht gefallen (wobei ich sagen muss, dass ich Umvolkung und Übergang in wenigen Tagen verschlungen habe), jedoch erscheint es mir verfehlt, Pirincci für einen unintelligenten oder schlechten Autor zu halten.

Utz

7. November 2017 15:18

Und Sellner würde aus meiner Sicht statt ständig Videos abzusondern wohl besser mal drei Jahre schweigen und grundlegend bis zum Abschluss studieren, um am Ende endlich kraft Begabung, Temperament und Sensibilität als Rechtsintellektueller durchgehen zu können.

Oha! Muß er überhaupt als der Intellektuellste der Intellektuellen durchgehen? Ich glaube, viele können das gar nicht abschätzen, was Sellner dadurch bewirkt, daß er "Videos absondert". Diese Arbeit ist unermeßlich wichtig. Das verdient auch soviel Hochachtung (ich zumindest sehe das so), daß ich nicht auf die Idee käme, ihm Ratschläge geben zu wollen.

Heinrich Brück

7. November 2017 15:19

@ Maiordomus

Merkel ist eine schlechte Schauspielerin, zu ihren Gunsten ausgelegt, viel schlechter als Schröder. 2015 wäre auch ohne Merkel durchgezogen worden. Merkel Macht zu unterstellen, verantwortungsfreie Politik zu konstatieren, gibt dem vorgegebenen Rahmen der Gehirnwäsche ein Gesicht. Eine Manipulationstechnik aus der Matrix, den Deutschen die Bewässerung als Problemlösung gegen Überschwemmung zu verkaufen. Große Konzerne entscheiden dann, nicht irgendwelche Politiker. Diese dürfen verwaltungstechnisch die Gehirnwäsche bedienen. Die Menschen sind nicht rational.

Sie wollen ein Einwanderungsgesetz? Wollen die Grünen auch. Kommen dann weniger Asylanten? Regierungspartei und Oppositionspartei spielen mit verteilten Rollen, innerhalb der Rahmenhandlung auch eine rechte Oppositionspartei mitspielen darf. Fontane und Heine als Beruhigungspillen, auch nicht schlecht.

Akzeptiert die AfD den vorgegebenen Rahmen, wird sie noch einige transatlantische Lehrgänge absolvieren müssen, bis die angestrebte Regierungsverantwortung in Erfüllung gehen kann.

Maiordomus

7. November 2017 19:05

@Brück. Ein Einwanderungsgesetz dürfte unter einer Jamaica-Koalition wohl kaum in befriedigender Form ausfallen. Dafür müsste die Opposition gewiss keine Verantwortung übernehmen. Die Metapher der Überschwemmung ist klar gegen die Ideologie der sogenannten offenen Grenzen gerichtet. Überschwemmungsgegner sind so wenig Wasserfeinde wie Apologeten von Grenzen, das nun einfach mal keiner illegal in ein Land reinkommen darf, als Fremdenfeinde abzuqualifizieren sind.

@ nom de guerre. Schön, dass Sie Akif Pirincci richtig schreiben können, dessen Auftritte gewiss unterhaltsam sind und der mit seiner ganzen Existenz indirekt beweist, dass die Bekämpfung der Überschwemmung nicht der Ablehnung des Wassertropfens gelten kann.

Maiordomus

7. November 2017 19:11

@ nom de guerre. Schön, dass Sie Akif Pirincci richtig schreiben können, dessen Auftritte gewiss unterhaltsam sind und der mit seiner ganzen Existenz indirekt beweist, dass die Bekämpfung der Überschwemmung nicht der Ablehnung des Wassertropfens gelten kann.

Ralf Kaiser

7. November 2017 20:59

@ Maiordomus, 06. November, 18.26 Uhr

Eine besonders herrliche Verdichtung des Anprangerungsvokabulars finden Sie auf Wikipedia in folgender Charakterisierung:

"Der Bund Deutscher Unitarier  -  Religionsgemeinschaft europäischen Geistes e. V. (BDU) ist eine extrem rechte religiös-weltanschauliche Gemeinschaft, die einen pantheistischen und zugleich völkisch geprägten Unitarismus vertritt. Neben der rechtsextremen Vordenkerin der Neuen Rechten Sigrid Hunke gehören auch weitere neurechte bzw. nationalrevolutionäre Autoren wie Peter Bahn dem BDU an."

 

Thomas Martini

7. November 2017 21:47

@nom de guerre

Vielleicht könnten Sie Dr. Dr. von Waldsteins Vortrag beizeiten noch einmal in Ruhe anhören? Selbst nach über 10 Minuten, empfand ich seinen Vortragstil nicht anstrengend, sondern überaus wohltuend und interessant. 

Bei einem Satz musste man zu Beginn konzentriert zuhören, dabei drehte es sich um ein Zitat von Gottfried Benn, aus dem Jahre 1948 - eine Zeit, die mich brennend interessiert -, und das aus Herr von Waldsteins Sicht als Motto genommen gut gegen die Ignoranz der "Pseudo-Eliten" hilft:

*Ich möchte niemandem die Augen öffnen, ich möchte sie lieber einigen Leuten schließen.*

Bin recht froh, selbst zu der Erkenntnis gekommen zu sein, daß es Zeitverschwendung ist, Menschen "aufwecken" zu wollen, die nicht "wach" werden wollen. Nicht umsonst gehören heute in Deutschland Serien wie "The walking dead" zu den Kassenschlagern der liberalen Kulturindustrie. Sie sind ein Spiegelbild. Wer einen typischen Bundesdeutschen seelisch ungeschminkt sehen will, könnte sich die Zombies aus den amerikanischen Serien vor Augen halten. 

Das Matrix-Thema bietet sich für Neurechte noch an, wie auf den T-Shirts bei KontreKulture, bevor das Spiel mit der roten und blauen Pille auch zu einem Klischee verkommen wird. Zu leeren Begriffshülsen, die einen Großteil des BRD-Neusprechs ausmachen; eine einzige Litanei. Das Revolutionäre dahinter aufgeweicht und lächerlich gemacht, im liberalen Diskurs der demokratischen Meinungswächter. 

Dr. Dr. Thor von Waldstein kommt in seinen Vorträgen und Schriften gänzlich ohne einen Sprach- und Schreibstil aus, der mit bundesdeutschem Lug und Trug bekleckert ist. Schaffen die "lebendiger und gewinnender" vortragenden BRD-Professoren das auch? Wäre die schleichend verlaufende Misere dann eigentlich vorstellbar?

Mir ist von Waldsteins ruhiger und sicherer Vortragsstil sympathisch. Ich frage mich mehr und mehr, ob Herr von Waldstein sich ein Beispiel am wirkmächtigen Understatement der Angelsachsen nimmt. Nebendem hat der Herr eine Biografie, die mir den höchsten - the utmost - Respekt abnötigt. 

Hier noch einmal Herr von Waldsteins Vortrag zum Thema Macht und Öffentlichkeit:

Thor v. Waldstein – Macht und Öffentlichkeit

Cacatum non est pictum

7. November 2017 22:15

@Maiordomus

Vorher nehme ich mir aber noch einen ganz dicken Schunken von einem unserer aktivsten Foristen vor, wo im Zusammenhang mit dem sog. Volkstod und seinen Hintergründen ein absoluter Hauptkriegsschauplatz betreten wird.

Darf ich fragen, um welches Werk es sich dabei handelt?

@nom de guerre

Von Thor von Waldstein habe ich bisher nichts gelesen (werde ich aber vielleicht nächstes Jahr machen), daher kann ich mich zu der Tiefe seiner Werke nicht äußern, allerdings finde ich seinen Vortragsstil sehr anstrengend, was ich an dieser Stelle als konstruktiv gemeinte Kritik einmal anmerken möchte.

Sie sollten ihn unbedingt lesen. Er ist ein messerscharfer Analytiker und sieht die Gegenwart und die Zukunft unseres Landes durch eine glasklare Brille. Von ihm kann man politisch einiges lernen.

Eigentlich hatte ich den festen Vorsatz, mir das hier vor einigen Wochen eingestellte Video von seinem Vortrag zum Parteienstaat anzuschauen. Die gesamte Präsentation war jedoch dermaßen altväterlich und gerade auch aufgrund der für die gesprochene Sprache eher ungeeigneten zahlreichen Schachtelsätze ermüdend, dass ich es trotz echten Interesses nach ca. 10 Minuten aufgegeben habe.

Herr von Waldstein kann eben den Juristen in ihm nicht ganz verbergen. Wenn Sie Fachliteratur der Rechtswissenschaft lesen, werden Sie feststellen, daß dieser gedrechselte Duktus dort gang und gäbe ist. Das hat sicher auch mit den vielen Abstraktionen zu tun, die Juristen in ihren Texten verwerten müssen. Und nicht jedem ist die Stilistik eines Poeten in die Wiege gelegt. Dennoch: Den roten Faden und den klaren Gedanken verliert Herr von Waldstein nie. Das ist immerhin ein Qualitätsmerkmal, denn längst nicht jede Koryphäe einer Disziplin - und sei sie ein klassicher Philosoph - kann das von sich behaupten.

Jürg_Jenatsch

7. November 2017 22:24

@ Maiordomus Mit fundamentalistischem Nullprozent bei der Einwanderung bestätigten Sie die Dummeinschätzung seitens der Gegnerschaft, bei welchen man den Unterschied zwischen Bewässerung und Überschwemmung nicht mehr realisiert.

Trotz Ihrer außerordentlichen Belesenheit, für die ich Ihnen uneingeschränkt und ohne Hintersinn Bewunderung zuteil werden lasse, so finde ich diese Aussage unpassend. Erstens ist es taktisch unklug, dem Gegner ohne dessen Konzessionen bereits vorab Zugeständnisse zu machen. Zweitens ist es nach Jahrzehnten ungehemmter Masseneinwanderung nicht der Augenblick weiterer Einwanderung das Wort zu reden. Jetzt müßte über Remigration gesprochen werden, nicht über ein Einwanderungsgesetz. Drehhofer wäre glaubwürdiger gewesen und hätte einen Pflock eingehauen, wenn er statt plus 200.000 über die Abschiebung von mindestens 200.000 Illegalen pro Jahr gesprochen hätte. Drittens ist es auch historisch falsch, die Masseneinwanderung der letzten Jahrzehnte mit der klugen Bevölkerungspolitik brandenburgisch/preußischer Kurfürsten zu vergleichen. Holländer, die damals besten Deichbauer Europas wurden zur Entwässerung und Melioration des Oderbruches angeworben, die hochqualifizierten Hugenotten für technische und akademische Berufe (plus Kapital) und die protestantischen Salzburger zur partiellen Neubesiedlung der durch Krieg und Seuchen teilweise entvölkerten Provinz Ostpreußen. Viertens wenn man Kinder hat, dann ist einen die Situation an den Schulen vielleicht geläufiger, als wenn man mit diesem Problem nicht konfrontiert wird. Selbst in vielen Mittelstädten sehen sich die Deutschen in der Grundschule mittlerweile einer soliden Mehrheit ausländischer Kinder gegenüber und an den Haupt/Mittelschulen schaut es eher noch düsterer aus. Dort sitzen mancherorts 2-3 deutsche Kinder mit 20 und mehr Ausländern in einer Klasse. Was soll hier noch bewässert werden? Mittlerweile ist bereits der Keller und das Untergeschoß überschwemmt und binnen Kürze wird auch der 1. Stock nicht mehr trocken bleiben. Sollen wir warten bis auch die Beletage überläuft, oder jetzt schon nach der Feuerwehr und den Pumpen rufen?

nom de guerre

7. November 2017 23:44

@ Cacatum non est pictum Wie gesagt, ich beziehe mich wirklich nur auf Herrn von Waldsteins Vortragsstil, die Schärfe seiner Gedankengänge bestreite ich nicht (kann ich gar nicht und ich sehe auch keinen Grund dafür). Wenn er in seinen Ausführungen den roten Faden nie verliert, ist das bei seiner Redeweise (ewig lange Sätze mit vielen eingeschobenen Zitaten) definitiv eine enorme Leistung, aber es ist aus meiner naturgemäß subjektiven Sicht eben auch sehr anstrengend, ihm zuzuhören. Seine Bücher können selbstverständlich ganz unabhängig davon brillant sein - momentan hat mein Stapel ungelesener Bücher allerdings einen bedenklichen Umfang erreicht, weshalb ich das hier besprochene Buch erstmal nicht guten Gewissens hinzufügen kann. Sie dürfen aber davon ausgehen, dass ich mich ein kleines bisschen mit juristischer Fachliteratur auskenne.

@ Maiordomus >>[...] der mit seiner ganzen Existenz indirekt beweist, dass die Bekämpfung der Überschwemmung nicht der Ablehnung des Wassertropfens gelten kann.<< Das sehe ich auch so. Einwanderung komplett abzulehnen, halte ich für lebensfremd, aber ich kann diese Sichtweise in der derzeitigen Situation zumindest nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile.

Maiordomus

8. November 2017 00:27

@Cacatum non est pictum. Es ist hier weder üblich noch angemessen, dass Debattenteilnehmer mit Klarnamen geoutet werden, es sei denn, sie tun es selber. @Jürg Jenatsch. Ich schliesse nicht aus, dass sie von praktischer Politik wohl nichts oder wenigstens sehr wenig verstehen und sich selber nie konkret um Problemlösungen bemüht haben. Sage ich als jemand mit 50 Jahren Erfahrung mit der Einwanderungspolitik in meinem Land (auch der Heimat des historischen Jenatsch) einschliesslich direkter Kontakte mit fast allen bedeutenden Protagonisten auf diesem Gebiet, auch aus praktischen Erfahrungen mit Schulen und Schulsozialarbeit sowie Forschungen über die Hugenotteneinwanderung, über die ich meinerseits publiziert habe.  Sie müssen mir den Unterschied der Hugenotten im Vergleich zur afrikanischen Schleppereinwanderung nicht erklären, siehe das von mir 1999 in einem Buch publizierte Sonett eines Hugenotten von 1690, dass man lieber hungern wolle, als dem Gastland nicht alles auf Heller und Pfennig entschädigen. Ebenfalls habe ich schon 1985 über die Schweizer Einwanderung in die Mark Brandenburg publiziert, forschte und forsche ausserdem über die Besiedlung der Krim durch Schweizer und Schwaben im 19. Jahrhundert sowie über die Grundsätze der Asyltradition im 19. Jahrhundert. In diesem Sinn wäre zum Beispiel der Katalane Puidgemont, wie das auch ein Schweizer SVP-Nationalrat sieht, ein klassischer Asylbewerber (trotz der Schwierigkeiten, die man politisch mit ihm kriegen könnte), der kaum in den Verdacht mangelnden Heimkehrwillens geraten könnte, so wenig man Lenin den mangelnden Willen, nach Russland zurückzukehren, unterstellen konnte. Lenin wurde in der Schweiz natürlich nicht staatlich unterstützt, ärgerte sich aber darüber, dass die Schweizer Sozialisten ihm in den Lokalen der Stadt Zürich nicht mal die Zeche bezahlt haben.    

Cacatum non est pictum

8. November 2017 13:49

@nom de guerre

Sie dürfen aber davon ausgehen, dass ich mich ein kleines bisschen mit juristischer Fachliteratur auskenne.

Das ist gut. Dann wissen Sie ja, was ich meine. Obwohl es natürlich noch schlimmere Sünder gibt als die Juristen: Soziologen etwa, deren Deutsch bisweilen über die ästhetischen Schmerzgrenzen weit hinausgeht.

@Maiordomus

Es ist hier weder üblich noch angemessen, dass Debattenteilnehmer mit Klarnamen geoutet werden, es sei denn, sie tun es selber.

In Ordnung. Es hätte ja sein können, daß der Betreffende mit der Nennung seiner Publikation einverstanden ist. Ich frage mich allerdings, warum Sie das (nicht benannte) Werk dann überhaupt erwähnen. Immerhin deuten Sie ja an, worum es in dem Buch geht, und weisen darauf hin, daß sein Verfasser einer der aktivsten Forumsteilnehmer hier ist. Diese genannten Parameter erhöhen die Gefahr einer Enttarnung. Wozu also der Hinweis?

Thomas Hellmig

8. November 2017 18:40

Zitat: "Wie es im Innersten des mit konsumistischem Flittergold nur mühsam bedeckten, bundesdeutschen Elends tatsächlich aussieht, entzieht sich nach wie vor dem Vorstellungsvermögen der meisten Akteure, leider auch vieler widerständiger Kräfte."

Bei solchen Sätzen bekomme ich einfach nur eine Gänsehaut, weil sie wahr sind. Das Elend wird jetzt immer sichtbarer. Man kann praktisch live miterleben, wie ein Staat kapituliert.

Was mir persönlich zu denken gibt, ist die zunehmende Falschheit bzw. Feigheit, etwas dagegen bzw. dafür zu tun. Ach Deutschland, was sind wir  feige geworden. Danke an diesen digitalen und nicht menschenfeindlichen Ort, um wieder etwas zur Besinnung zu kommen. (einfach leben - erhaben denken)

Ulfilas

10. November 2017 06:00

Am Buch Waldstein ist vehement zu kritisieren, dass er im Buch den Islam total verharmlost.  Waldstein sollte sich einmal intensiv mit dem Koran und der Sunna und der Geschichte des Islam beschäftigen. Solange er die Gefahr des Islam für Deutschland nicht erkannt hat, müsste er hinsichtlich einer Kritik an der muslimischen Einwanderung zwangsläufig weitgehend ethnisch argumentieren - was er jedoch vermeidet - . Von daher ist kein Wunder, dass er das größte Problem - die muslimische Einwanderung - kaum behandelt.  Das islamisch-kulturelle Problem ist viel zu gross bzw. wahrlich gross genug. Sofern es daher wirklich ein ethnisches Problem gibt oder gäbe, ist oder wäre es zur heutigen Zeit (2017) zweit- oder drittrangig und der umerzogenen und der an Wissen mangelnden Bevölkerung nur sehr schwer zu vermitteln. Das Tabu Islam zu brechen, ist schon schwer genug! Ansonsten ist sein Buch lesenswert, sofern der Leser die Islam-Problematik und die politische Reaktion darauf ständig im Gehirn parat hat. Ein solcher Leser war bzw. bin ich.

   

Cacatum non est pictum

10. November 2017 17:20

@Ulfilas

Am Buch Waldstein ist vehement zu kritisieren, dass er im Buch den Islam total verharmlost.  Waldstein sollte sich einmal intensiv mit dem Koran und der Sunna und der Geschichte des Islam beschäftigen.

Dieses Thema hat viele Facetten und wird hier bei SiN regelmäßig in der einen oder anderen Form diskutiert: liberale Islamkritik versus fundamentale Einwanderungskritik. Thor von Waldstein beurteilt das Phänomen der Masseneinwanderung - soweit ich ihn richtig verstehe - von innen heraus und sieht es als Symptom unseres erodierenden Gemeinwesens an, das sich nach und nach von jedem Konsens und von jeder Gewissheit losgesagt hat, das nun folgerichtig im schwerelosen Kosmos der Beliebigkeit dahingleitet und das keiner ernsthaften Erschütterung mehr standhält. Mit anderen Worten: Wären wir noch eine stolze Nation und ein Volk, das sich wenigstens darin einig ist, als Volk weiterexistieren zu wollen, dann hätte es diese beispiellose Masseneinwanderung nach Deutschland (und in viele unserer Nachbarstaaten) nie gegeben, auch keine solche islamischer Prägung. Wenn wir uns noch einmal behaupten und diese riesige Lawine stoppen wollen, dann müssen wir tiefer ansetzen als beim Islam - nämlich bei uns selbst. Alles weitere wird sich dann fügen.

Manfred Kleine-Hartlage, der ja eine profunde soziologische Analyse zum Islam erstellt hat (Das Dschihadsystem) und sich selbst als Islamkritiker tituliert, sagt zu unserem Thema folgendes (Quelle: Interview aus Heft 40 der Sezession, 2011):

Ich halte beide Positionen für gleichermaßen naiv: Es stimmt schon, daß Masseneinwanderung, auch wenn sie nicht muslimisch ist, auf die Dauer die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft auflöst – das muß man der liberalen Islamkritik entgegenhalten. Es ist aber – und das geht an die Adresse der Nur-Immigrationskritiker – ein großer Unterschied, ob man etwas in Wasser auflöst oder in Salzsäure. Der Islam ist die Salzsäure.

Kleine-Hartlage besitzt die Fähigkeit, mit wenigen Worten viel auszudrücken. Auch diese Aussage bringt es auf den Punkt. Aber genau hier will ich einhaken und fragen, warum wir die Salzsäure so scheuen. Wenn wir unser Volk, unser Gemeinwesen, unsere Kultur und unser Erbe doch ohnehin aufgeben, wieso wollen wir all das langsam und seicht absterben lassen - und nicht in einem beschleunigten, schmerzhaften Prozeß, der uns unseren Untergang so richtig deutlich vor Augen führt? Nein, ich wünsche mir mehr Salzsäure herbei, damit niemand später sagen kann, er habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt; damit jeder, der an diesen Zuständen mitgewirkt hat, die wir heute beklagen, daran gemessen werden kann, ob er sich wenigstens in der finalen Phase auf die richtige Seite geschlagen und für die Zukunft seiner Nachkommen gekämpft hat. Wer die Salzsäure meidet, aber die Dinge ihren Lauf nehmen läßt, der ist bloß froh, daß die ganz schlimmen Folgen auf kommende Generationen abgewälzt werden. Das ist ein feiges Motiv.

Und zu guter Letzt bin ich beim Thema Islamkritik deshalb vorsichtig, weil ich den Eindruck habe, daß von interessierten Kreisen ganz bewußt der Konflikt zwischen Westen und Islam geschürt und herbeigeredet wird (siehe Samuel Huntington) - mit dem absehbaren Ergebnis, daß sich die vermeintlichen Kontrahenten gegenseitig bis ins Mark schwächen und Dritte profitieren werden. Diese Dritten sind es, die ich für wahrlich gefährlich halte - und die uns ja die islamische Masseneinwanderung zu einem guten Teil eingebrockt haben.

 

Ulfilas

14. November 2017 03:02

Bitte um Beantwortung der folgenden Frage: Warum wurde mein 2. Kommentar zu Waldstein und auch zu Cacatum hier nicht veröffentlicht Ich habe doch nur erwähnt, dass die jahrzehntelange mediale und politische Verharmlung des Islam und der Kriminalität muslimischer Migranten der These widerspricht, führende Eliten  würden bzw. wollten einen BÜRGERKrieg zwischen Deutschen und Muslimen provozieren. Gerade dieser Sachverhalt bedarf einer intensiven Diskussion!

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