Sezession
10. November 2017

Die Verewigung der Vergangenheit

Gastbeitrag / 59 Kommentare

Gefürchtet, gehaßt, geliebt – ohne Nazikeule ist eine lebendige politische Debatte heutzutage nahezu undenkbar, ja fast unerwartbar. Aber das nicht nur in Deutschland. Auch im Ausland wird immer dann der „Nazi-Joker“ gezogen, wenn die sachliche Auseinandersetzung eine gewisse Emotionalität erreicht hat und das rationale Denken einen akuten Mangel an Argumenten anmeldet.

So ist es bisweilen absurd, wenn in den USA oder in Großbritannien, die als Alliierte gegen Hitler ins Feld zogen von „Nazis“ innerhalb der eigenen Bevölkerung gesprochen wird. Aber auch in Schweden, Frankreich und vielen anderen Ländern hat die Nazikeule ihren Einzug gehalten. So betitelt die Antifa in Kanada selbst Juden als „Nazis“.

Eine Vermengung zweier offensichtlich nicht vereinbarer Begrifflichkeiten, wenn man von einer omnipräsent angeführten Trennung von Tätern und Opfern ausgeht. Ergo: Wenn die Nazikeule selbst über den Nachfahren der Opfer geschwungen wird, so kann mit Sicherheit von keiner „Schuld“ die Rede sein.

Aber wenn es nicht um Schuld geht, um was geht es dann? Die Antwort ist schlicht und ergreifend: Macht. Die Gegenseite soll zum Schweigen gebracht werden. Die Dynamik hierbei will ich hier kurz erörtern, um einen möglichen Umgang damit zu skizzieren.

Interessanterweise zeigen bundesdeutsche Politiker mit ihren Äußerungen zur deutschen Vergangenheit auf der Zeitachse der letzten 50 Jahre, daß für sie die Uhren stehen geblieben sind: Es gibt mehr oder weniger keine signifikanten Veränderungen in den „Schuld“-Bekenntnissen, es ist immer dasselbe und wirkt wie eine Kopie einer Kopie einer Kopie einer ...

Genau an diesem Punkt werfen Rechte nun begründetermaßen ein, daß eine „Erb-Schuld“ in den Bereich des Religiösen gehöre und im Weltlichen nichts zu suchen habe. Schuld könne nicht vererbt werden, alles andere sei schließlich Sippenhaft und demnach besonders für den „ethischen Kodex“ der BRD unzulänglich, da diese sich den „Auschwitz-Mythos“ als Gründungsphantasie auserkoren habe. Ebenso könne man ja auch keinem Schweden vorwerfen, daß er dafür verantwortlich sei, daß sein Volk im Dreißigjährigen Krieg im heutigen Mitteldeutschland geplündert und gemordet habe.

Wozu auch?

Und genau hier beginnt der Dreh- und Angelpunkt dysfunktionaler Kommunikation. Es werden zwei Komponenten durcheinandergebracht: die Sachebene und die Sozialebene.

Da „Schuldkult“ die Existenz von (offensichtlich nichtvorhandener) Schuld voraussetzt, dem Empfänger der Botschaft der logische Widerspruch auffällt und er diesen mit rationalen Argumenten zu widerlegen versucht, entsteht eine Auseinandersetzung, bei der ein Part seine Nicht-Schuld herbeizuargumentieren versucht (... wirkt übrigens für Außenstehende wie bei einem Ertappten, der seine Schuld „wegreden“ will) und einem zweiten Part, der immer wieder zwei Komponenten auf der sozialen Ebene ins Spiel bringt: Ohnmacht.

a.) Ich kann dich so oft herabsetzen wie ich will und du kannst nichts dagegen tun.

b.) Ich verhindere die Sachdebatte, denn die darf nicht stattfinden.

Und die Debatte soll am besten auch gar nicht stattfinden, denn:

  1. Rechte argumentieren aktuell hauptsächlich auf der Sachebene, Linke hingegen auf der Moralebene. Moral schlägt immer Sachlichkeit (Ben Shapiro), da Emotionen tiefer sitzen als der Verstand. Von daher erklärt sich die Diskurs-Herrschaft der Linken, die einen Teufel tun werden, sich korrekt auf eine Sachdebatte einzulassen, sie würden nur verlieren: sowohl Macht riskieren als auch Ansehen in den eigenen Reihen potentiell einbüßen.
  2. Es wäre Energie-Verschwendung für die linke Seite. Von der kognitiven Dissonanz mal abgesehen, würde immer wieder die Un-Sachlichkeit der Linken hervortreten, was in der Öffentlichkeit dann noch mehr zur Ernüchterung bei „Unentschlossenen“ über die Weltfremdheit der Multikulturalisten führen könnte.

Es geht also nicht um Schuld, sonst wäre dieses Phänomen konkret begrenzt. Denn Schuld bezieht sich immer auf etwas, was man getan hat, und besser nicht hätte tun sollen oder aber etwas, das man nicht getan hat und hätte besser tun sollen. Es gibt also ein klar definiertes Defizit bzw. Delikt, welches jemandem konkret zurechenbar ist.


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Kommentare (59)

Franz Bettinger
10. November 2017 10:51

Die Sachdebatte wird nicht verhindert, wenn man das Schmähwort Nazi zum Schein für sich gelten lässt - was beim Gegenüber Empathie herstellt - dann aber dessen Bedeutung nicht akzeptiert. "Ja, kann sein, dass ich ein Nazi bin," könnte man antworten: "Es kommt halt darauf an, was Sie darunter verstehen." Und schon sitzt der Linke in der Falle. Er muss jetzt definieren und begründen, was ER i.d.R. nicht kann. Und wenn er es doch, etwa mit Worten wie Rassismus, versucht, kann man ihn nett auseinander nehmen und locker nachweisen, dass distinktiver Rassismus allgegenwärtig ist. Und so kann man von Wort zu Wort, bzw. von Hülse zu Hülse springen, bis die Luft ganz und gar aus dem Linken Ballon entwichen ist. Ich habe mit der Taktik eigentlich nie ein Problem.

An wahrer Schuld trägt man am schwersten, und auch an Scham. Beidem liegen wirkliche Vergehen zugrunde, die der Schuldige selbst und allein zu verantworten hat. Eine Lösung? Die gibt es nicht. Es sollte sie auch nicht geben. "Die Lösung liegt in der Reflexion?" Projektion vielleicht sogar? Psychologische Tricks? Mein Gott, nein! Schuld und Scham sind mit einem Dauerschmerz verbunden, der verdient ist und den es auszuhalten gilt, bis zum letzten Tag. Das ist okay. Früher nannte man es Sünde, und mit seinen Sünden trat man vor den letzten Richter, basta. Schau halt, dass es wenige sind. Danke, Herr Gastautor, dass Sie klargestellt haben, wieso es sich nicht um einen Schuldkult, sondern nur um einen Schamkult handeln kann, unter den man uns zwingen will.

Der_Jürgen
10. November 2017 11:21

Obwohl man ohne zu zögern jedes Wort unterschreiben kann, überkommt einen bei der Lektüre solcher Artikel eine gewisse Müdigkeit, wenn nicht gar Resignation. Die Crux an der ganzen Sache ist doch, dass man zuerst die historischen Fakten so genau in Erfahrung bringen müsste, wie es möglich ist, ehe man moralische Werturteile über eine Epoche, ein Regime, gewisse Politiker und das Verhalten eines Volkes während besagter Epoche fällt. Genau dies ist aber in alllen deutschsprachigen Staaten und einer Reihe anderer europäischer Länder de facto verboten. Somit ist die ganze Debatte über die "Vergangenheitsbewältigung" letzten Endes ein Tanz um den heissen Brei. Oder, um ein bekanntes Bild zu verwenden: Im Zimmer ist ein riesiger Elefant, aber man muss so tun, als sähe man ihn nicht.

Stefanie
10. November 2017 11:23

Zur Scham erzieht man über Konditionierung: kleine Kinder, ab einem gewissen Alter, erfahren Ablehnung, Ekel und vorwurfsvolle Gesichter von ihren nächsten Bezugspersonen, wenn sie zur Sauberkeit erzogen werden. Wenn sie etwas größer sind, schauen sie sich Filme im Unterricht an, in denen abwechselnd alte weiße Männer zu sehen sind, die schnarrend ins Mikrofon brüllen, über die Größe Deutschlands und seinen Auftrag in der Welt reden und in schnellen Schnitten dazu historisches Bildmaterial von nackten Leichen, brennenden Städten und wandelnden Skelletten. (Nazideutschland= Horrorfilm) Die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus findet in weiten Teilen über die moralisch-emotionale Ebene statt. Jetzt versuchen Sie mal ein rationales Gespräch mit einer beliebigen Person über die eigenen Körperausscheidungen zu führen ... es wird sehr widerwillig und emotional sein. Keiner, der es nicht aus beruflichen oder persönlichen Gründen muß, schneidet öffentlich dieses Thema an. Dito beim Thema Holocaust. Sicher gibt es nicht wenige,  die auf "Geschichtspornos" stehen (wahrscheinlich mehr als auf dss andere Thema), doch in der breiten Öffentlichkeit will sich eigentlich keiner über ein paar Bekenntnisse hinaus damit befassen.  Im weitesten Sinne sind diese Shiboleths für die Stützen der Gesellschaft, die auch ein gewisses Sozialprestige mitbringen. Die geforderte differenzierte Haltung setzt eine Beschäftigung mit dem Thema voraus, die die meisten aus oben genannten Gründen nicht von sich aus anfangen werden.  Diejenigen, die trotzig die Richtigkeit des damaligen Handelns verteidigen, (also die klassischen Neonazis ), tun es meistens aus gezielter Tabuverletzung heraus.  Für jemanden, der sich in gezielte Opposition zur Gesellschaft stellen will, gibt es keine bessere Provokation : Raub, Vandalismus, ( macht kaputt, was euch kaputt macht), abweichendes Sexualverhalten sind alles mehr oder weniger akzeptierte Formen der Rebellion, die man gerne auch der Gesellschaft selber anlastet, sie psychologisiert oder gar für normal erklärt. Jemand der in einer Kirche auf den Altar kackt (Entschuldigung ), kann sicher mit mehr Nachsicht rechnen,  als einer der ein Hakenkreuz drauf malt. Wer den Holocaust leugnet, begeht sicher keine Halbheit (ihm sind die historischen Tatsachen im Großen und Ganzen wahrscheinlich auch egal), sondern stellt sich bewusst außerhalb der Gesellschaft. Leugnen oder Bejahen des Armeniermordes dagegen ist sozialkonformes Verhalten.

 

Valjean72
10. November 2017 11:55

"Das unterscheidet die neurechte Bewegung eben auch von der Alten Rechten. Es ist Unsinn, schlechte Taten zu guten zu erklären, nur weil sie von den eigenen Vorfahren begangen wurden."

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Die intellektuellen Köpfe der "alten Rechten" heissen in der Regel mitnichten den Deutschen zugeschriebene Verbrechen gut, sie zweifeln schlicht an der Richtigkeit der offiziellen Geschichtsschreibung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Kein deutscher Rechter vom alten Schlag hat wohl jemals gutgeissen, wenn es hiess deutsche Soldaten hätten im Ersten Weltkrieg belgischen Kindern die Hände abgehackt oder Nonnen ans Kreuz genagelt, wie es vor allen Dingen britische Zeitungen berichteten.

Solch ein aufrechter Altrechter sagte wohl damals wie heute: Das stimmt nicht und es ist eine unverfrorene und charakterlose Unanständigkeit so etwas zu behaupten!

Immerhin, dieses Propaganda-Stück'l aus dem Ersten Weltkrieg wurde zwischenzeitlich auch von offzieller Seite widerlegt.

 

 

 

 

 

 

 

Valjean72
10. November 2017 12:38

"Genau an diesem Punkt werfen Rechte nun begründetermaßen ein, daß eine „Erb-Schuld“ in den Bereich des Religiösen gehöre und im Weltlichen nichts zu suchen habe."

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Und hier tritt der Kernpunkt meines Unbehagens in Bezug auf die mosaischen Religionen zutage.

Implementierte Ängste und Schuldgefühle sind probate Mittel, um Völker zu führen (bzw. zu knechten)

Wie sah es bis vor einigen Jahrzehnten in den hiesigen Breiten aus?

Der neugeborene Mensch war zum Zeitpunkt der Geburt bereits mit einer ererbten Schuld belastet und konnte diese nur durch Taufe und ein gottgefälliges Leben abtragen. Wie solch ein gottgefälliges Leben auszusehen hatte, legten wiederum kirchliche Hohepriester fest, die dadurch Macht auf sich vereinigten und auch ausübten.

Der Einfluss der christlichen Kirchen in den industrialisierten Ländern ist zunehmend weniger im Volke verankert und damit auch das Prinzip der klassischen „Erbschuld“.

Uns Deutschen wurde als Ersten im großen Stil eine neue Version dieser Schuld (quasi eine Erbschuld 2.0) eingetrichtert. Die Schlüsselaspekte dieser Schuldversion brauch ich hier nicht näher zu erläutern.

Seit einiger Zeit sehen sich auch andere Völker, bzw. weiße Menschen insgesamt, mit solch einer Erbschuld 2.0 konfrontiert. Kerninhalte sind: Kolonialismus, Sklaverei und wirtschaftliche Ausbeutung gegenüber der "nicht-weissen" Welt.

Den vermeintlich menschgemachten Klimawandel ordne ich als eine weitere Version dieser neuen Erbschuld ein. 

nom de guerre
10. November 2017 14:15

@ Valjean72 Man muss kein „Alter Rechter“ sein, um diese Geschichten mit den Kindern und den Nonnen im Ersten Weltkrieg schlicht und ergreifend nicht zu glauben. Warum sollte man auch? Es gab damals viele solche Berichte über angebliche Gräueltaten deutscher Soldaten und gerade das entlarvt sie als üble Propaganda, um den deutschen Gegner zu entmenschlichen. Denn auch wenn man davon ausgeht, dass einzelne Exzesse vermutlich in jedem Krieg möglich sind, ist es abwegig, so etwas in einer disziplinierten Armee wie der des Kaiserreichs ohne Hinzutreten ungewöhnlicher Bedingungen für die Regel zu halten. Das erscheint mir offensichtlich, egal ob nun heute Forscher sich freundlicherweise dann doch mal die Mühe machen, ein paar dreiste Lügen zu widerlegen.

Etwas ganz anderes sind dagegen bestimmte Geschehnisse des Zweitens Weltkriegs, bei denen es sich gerade nicht um einzelne Exzesse handelte, sondern um eine gezielte und belegte Vernichtungspolitik. Hierfür kann man sich als Nachgeborener in der Tat auch heute noch schämen, auch wenn man (wie im Artikel zutreffend beschrieben), natürlich keine Schuld für diese Taten trägt – schließlich waren die meisten der heute Lebenden nicht dabei und um mich in irgendeiner Form schuldig zu machen, muss ich an einem Geschehen beteiligt bzw. in der Lage gewesen sein, es zu beeinflussen. Trotz dieser Schuldlosigkeit würde ich aber zum Beispiel nicht nach Israel fahren und dort irgendjemandem erklären, ich sei stolz auf meinen schwer kriegsversehrten Großvater. Ich schäme mich zwar nicht für ihn persönlich (wieso auch? Wehrdienst verweigern ging damals nun mal nicht und hätte er, wie ich weiß, auch abwegig gefunden), aber sehr wohl für das „große Ganze“, an dem er nolens volens beteiligt war. Jedoch hat diese vergangenheitsbezogene Scham für mich nicht das Geringste mit der Frage zu tun, ob wir Deutsche uns gegen die Preisgabe unserer Kultur wie auch unseres bis dato einigermaßen funktionierenden Staatswesens verteidigen dürfen und sollten. Falls es zu der bizarren Entwicklung kommen sollte, dass wir in ein paar Jahrzehnten ein Kalifat mit ein paar versprengten, sich duckenden Deutschen, ohne vernünftiges Schulsystem und eine geregelte Müllabfuhr haben werden, ändert das an dem, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist, gar nichts, zumal diejenigen, die heute bei uns einwandern, ethnisch und religiös mit den damaligen Opfern nichts gemein haben. Im Ergebnis gibt es daher heute m.E. keinen Grund mehr, sich auf eine Nazidebatte überhaupt einzulassen.

Monika L.
10. November 2017 17:01

Nur ein paar Anmerkungen zum Thema Schuld

1. Erbsünde und Kollektivschuld sind zwei verschiedene Dinge. Die Bibel kennt keine Kollektivschuld. Schon im Alten Testament heißt es in Ezechiel 18,20:

" Ein Sohn soll nicht die Schuld seines Vaters tragen und ein Vater nicht die Schuld seines Sohnes"

2. Aus christlicher Sicht hat Romano Guardini Wesentliches zur Deutschen Schuld gesagt. Ich verweise auf seine Rede: " Verantwortung. Gedanken zur jüdischen Frage" , gehalten 1952 vor Tübinger Studenten. Den Text findet man in dem Buch: Freiheit und Verantwortung - Die weiße Rose - Zum Widerstand im Dritten Reich. Guardini hält das Wort Kollektivschuld für sinnlos, weil es vor wirklicher Verantwortung ablenkt.

3. Unabhängig von der Schuldfrage stellt sich die Frage: Wem dient der ' Schuldkult'. Der italienische, linke Philosoph Diego Fusaro spricht vom " ideologischen Missbrauch der deutschen Schuld" durch die Amerikaner:

https://m.youtube.com/watch?v=o6SPZZJ6588

4. Die postmodernste Antwort auf den "Schuldkult" ( jenseits von Gut und Böse) findet man in dem Roman "Faber - Der Zerstörer" des französische Philosophen und Schriftstellers Tristan Garcia. Der Vollwaise Medhi Faber, hochintelligent und chaotisch, zerstört den obligatorischen Schulvortrag zur Konzentrationslagerliteratur, gehalten von einem ehemaligen Widerstandskämpfer. Man liest : " Die meisten Schüler waren aufmerksam aus Gewohnheit oder Abstumpfung: Sie wußten, dass man sich betreten geben musste, wenn derart gravierende Themen angeschnitten wurden. " Noch härter: " Einmal hatte Faber behauptet, die einzige Freiheit der Geschichte bestehe darin, dass jede Generation das Recht habe, die gleichen Fehler zu machen wie jede vorhergegangene." Woher rührt der jugendliche Überdruss an der Erinnerungskultur ? Man liest in dem Buch: Was wollte Faber erreichen ? " Er beabsichtigte, einen guten Menschen zu diskreditieren, jegliche Autorität außer der eigenen anzuzweifeln und gegen die Last einer Vergangenheit zu protestieren, die wir nicht erlebt haben, aber die die Ältesten uns aufbürden wollten, damit die Geschichte den Sinn bekam, dem sie ihr Leben geopfert haben."

So kann man es also auch sehen .

Klaus D.
10. November 2017 17:06

Schamkult und psychologische Zusammenhänge - wichtige Erkenntnisse zum Reden ( oder auch Nichtreden) mit Linken, wie ich finde.  ... Juden als "Nazis" ... Der Begriff "Nazi" im linken Antifa-Sprech hat also mit dem ursprünglichen Nationalsozialisten im 3. Reich nun wirrklich nichts mehr gemein. Mal ein nicht so ernster Vergleich: So ähnlich wie in Bayern, wo der "Saupreiß" mit dem ursprünglichen Preußen auch nichts mehr zu tun hat. Ja und das Allerschlimmste, was man sich in Bayern vorstellen kann, ist ein japanischer Saupreiß ...

Neffe Mannheims
10. November 2017 18:39

Nach dem Sündenstolz könnte man nun noch den Schamstolz offiziell einführen:

Ich bin stolz darauf, mich zu schämen ein Deutscher zu sein! ;-)

Im gutmenschigen Teil meines Bekanntenkreises gibt es Leute, die es lieben, sich voller Inbrust für andere Deutsche schämen (Touristen im Ausland, "ewig Gestrige", "dumme Unterschichtler" zum Beispiel). Das bereitet ihnen Lust, macht sie richtig geil.

S.J.
10. November 2017 22:28

 

Schuld und Scham sind miteinander so eng verbunden, dass eine Unterscheidung zwischen einem Schuld- oder einem Schamkult in den Auswirkungen keine großen Unterschiede bringt. In dem Zusammenhang gibt es eine gute Nachricht: In vielen Gesprächen mit jungen Heranwachsenden zeigt sich ausgesprochen mehrheitlich eine vernünftige, pragmatische Haltung. Die Geschehnisse der „12 Jahre“ will selbstverständlich niemand vergessen und betrachtet es als Aufgabe, die Erinnerung wachzuhalten und wachsam zu bleiben, lehnt es aber ab, aus Gründen des gesunden Menschenverstandes eine persönliche Schuld oder Scham zu verspüren (man wurde schließlich weit danach geboren!) und daraus folgend eine weitere Verantwortung in unmittelbarer politischer oder finanzieller Hinsicht zu tragen. Klar formuliert: Es ist zu bezweifeln, dass eine Mehrheit der Heranwachsenden sich mit dem Verweis auf die Ereignisse von damals einspannen ließe, auf sich in der Gegenwart entwickelnde Ereignisse, die die politische Linke beunruhigen mögen, mehrheitlich so zu reagieren, als trügen sie eine persönliche Schuld und müssten auf der Strafbank eine Zeitstrafe absitzen. Eher täte diese Generation es, weil sie durch One-World-Ideologeme oder Toleranz-Appelle geprägt wird.  

Herr K.
11. November 2017 00:24

@SJ

Dann bitte ich Sie zu bedenken, weshalb auch die unsinnigsten Toleranzapelle so beflissentlich befolgt werden.

Heinrich Brück
11. November 2017 02:24

"Falls es zu der bizarren Entwicklung kommen sollte, dass wir in ein paar Jahrzehnten ein Kalifat mit ein paar versprengten, sich duckenden Deutschen, ohne vernünftiges Schulsystem und eine geregelte Müllabfuhr haben werden, ändert das an dem, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist, gar nichts,"

Es ändert alles.

Franz Bettinger
11. November 2017 04:53

@ S.J. 

Wenn mir das "Fremdschämen" nicht zuwider wäre, könnte ich mich - nein, nicht über die Generation meiner Eltern und Vorfahren, wie billig! -  allenfalls über meine eigene und die nach mir geborenen Generationen schämen. Doch es ist eigentlich kein Schämen, sondern eine Entrüstung, die darin gründet, irgendwie, zu recht oder zu unrecht, in die Reihe dieser Versager gestellt zu werden, die das Heiligste untergehen lassen, ohne vermutlich auch nur einen Schuss abgeben zu wollen, eines Volkes ohne Stauffenbergs. Jedes gesunde Empfinden scheint in diesem Volk erstickt worden zu sein. Wie erbärmlich! (Ja, löschen Sie's ruhig wieder; ich versteh es ja, kann oder will mich aber nicht anders ausdrücken.)

Valjean72
11. November 2017 13:35

@Monika L: "Nur ein paar Anmerkungen zum Thema Schuld 1. Erbsünde und Kollektivschuld sind zwei verschiedene Dinge. Die Bibel kennt keine Kollektivschuld."

---

Aber ist es nicht bemerkenswert, dass das einzige Hochtechnologie-Land, welches nicht maßgeblich vom Christentum geprägt wurde, auch das einzige Hochtechnologie-Land ist, welches sich bis dato gegen das Dogma der Vorzüge einer multikulturellen Gesellschaft und folglich auch gegen Masseneinwanderung sperrt? Die Rede ist natürlich von Japan.

Tony
11. November 2017 13:51

"Die Deutschen haben oft den Fehler begangen, sich durch Schicksalsschläge beirren zu lassen. Einzelwesen müssen sich in ihr Schicksal ergeben; Nationen niemals." 

Mme de Staël: "De l'Allemagne"

 

Selbstdenker
11. November 2017 14:27

bei mir persönlich ist dieser Schuld oder Schamkult völlig abgeprallt muss ich sagen.  Ich habe auch nie dieser Kriegsgenaration  einen Vorwurf gemacht, weil das für mich nicht wichtig war. Ich kann desshalb auch nicht verstehen, wie das heute noch Menschen vom rationalen Denken abhält.

S.J.
11. November 2017 14:53

@ Herr K., Franz Bettinger

Mir ist völlig klar, was Sie meinen und ich hielte mich hier nicht auf, wenn ich nicht im Großen und Ganzen wie Sie dächte; bestehende Unterschiede und die verschiedenen Gepflogenheiten im Sprachgebrauch sind normal und begrüßenswert.

Natürlich leisten eine Reihe von Faktoren ganze Arbeit, um das zu formen und zu erhalten, was man als Mainstream bezeichnen könnte. Der Druck ist groß. Es ist aber gut zu wissen, wie sehr sich manche der Mittel abgestumpft haben (das bringt die Moralpolizei ja so in Rage) und die heutige Jugend die von mir beschriebene Haltung einnimmt. Aber lassen wir mal die "Zwölf Jahre" beiseite; darüber wurde schon genug gesprochen und jeder gebildete Mensch kennt seine Aufgaben.

Wenn es etwas gibt, was in der Gesellschaft dringend diskutiert werden müsste, dann ist es die Tatsache, dass Gesellschaften Eigenverantwortung tragen für die Zustände vor Ort. Es ist beunruhigend zu wissen, wie viele Leute Kinderarmut oder marode Schulgebäude in Deutschland irgendwie übersehen und beim Gedanken kaum noch in ihren bundesrepublikanischen Betten schlafen können, dass in den USA ein Donald Trump seit einem Jahr Präsident ist; ganz so, als wären 250 Millionen Amerikaner und ein paar Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen nicht völlig ausreichend, dieses Problem zu lösen. 

Monika L.
11. November 2017 14:58

@Valjean72 

Ja, warum wohl ? Ich habe zwar keine Ahnung von japanischer Kultur, aber mit Schuld scheint man da eher locker umzugehen. Gegen die japanischen Menschenexperimente wirkt ein " Josef Mengele fast wie ein Schulbube" :

http://www.deutschlandfunkkultur.de/japan-ist-eine-kultur-der-schande-der-scham.954.de.html?dram:article_id=146828

 

nom de guerre
11. November 2017 15:34

@ Heinrich Brück >>Es ändert alles.<<

 Ja, natürlich ändert es alles - auf die Zukunft bezogen. Aber das Geschehenlassen dieser Entwicklung ändert aus offensichtlichen Gründen nichts an der Vergangenheit. Und deshalb taugt diese Vergangenheit nicht als Argument dafür, dieses Geschehenlassen einzufordern bzw. die Gefahr zu leugnen.

@ Monika L. >>Die Bibel kennt keine Kollektivschuld.<< Was die Bibel aber sehr wohl kennt, ist die Kollektivbestrafung, denn es gibt bekanntlich im Alten Testament mehrere Stellen, an denen Orte oder Völker mit Kind und Kegel ausgelöscht werden, weil sich Teile dieser Gruppe irgendwie schuldig gemacht haben. Ich glaube schon, dass diese Vorstellung vom (aus Sicht der Gläubigen legitimen) Zorn Gottes die von der christlichen Kultur geprägte Psyche dahingehend beeinflusst hat, dass viele von uns vielleicht eher bereit sind, schädliche Entwicklungen als eine kollektive Bestrafung anzunehmen, wenn uns jemand sagt, dies stehe bspw. mit einem Vergehen unserer Vorfahren in Verbindung.

Leser
11. November 2017 15:47

Guten Tag!

Nach 40 Jahren Ostzone rauschen ideologische Etiketten leider an mir vorbei und das Interesse an der jüngeren deutschen Geschichte führt eher zu Sachfragen, über die auch antaios wichtiges veröffentlicht hat. Statt Beispielen: Solange die beachtliche Liste der kriegs-initiierenden Mächte / Politiker und deren Kriegsverbrechen nicht öffentlich kommuniziert wird, kann man die deutsche Rolle überhaupt nicht vernünftig "einsortierten".

 Angenehmes Wochenende!

Der_Jürgen
11. November 2017 16:15

@Monika @Valjean72

Zu Ihrer Diskussion: Valjean - mit dessen sonstigen Kommentaren ich übereinstimme - versucht wie viele deutsche Rechte, das Christentum für den Verzicht der meisten Deutschen auf Verteidigung ihrer Identität, ja Existenz verantwortlich zu machen. Bis zum Exzess wird diese These insbesondere von den Neuheiden verteidigt, z. B. vom Thule-Zirkel um Pierre Krebs (den ich als gebildeten und idealistischen Mann durchaus schätze, dessen Verblendung in diesem Punkt mich jedoch nervt). Gewöhnlich verfechten diese Gegner des Christentums auch die Ansicht, dieses sei die schärfste Waffe des altbösen Feindes Europas, um die abendländischen Völker wehrlos gegen ihre geplante Zerstörung zu machen. 

Diese "Das Christentum ist schuld an unserem ethnischen Untergang"-Theoretiker mögen doch bitte einfache und klare Antworten auf folgende einfachen und klaren Fragen erteilen:

1) Unter dem Christentum blühte West- und Mitteleuropa, seit seinem Abfall geht es radikal mit ihm rapid abwärts. Ist das bloss ein bedauerlicher Zufall?

2) Wenn das Christentum die Waffe des altbösen Feindes Europas ist, wieso hat dieser denn vor allem die katholische Kirche mit beispielloser Verbissenheit bekämpft, bis es ihm ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts gelang, sie schrittweise von innen her zu unterwandern?

3) Wie kommt es, dass das immer noch sehr katholische Polen unbeirrt für seine Identität kämpft, keine muslimischen und afrikanischen Kulturbereicherer ins Land lässt, seine Grenze mit Rosenkranzgebeten schützt und sich keinen Pfifferling um das multikulturelle Geschwätz des mittelmässigen Papstdarstellers aus Argentinien schert? Wo bleibt denn da der den Polen "vom Christentum eingeimpfte Schuldkomplex"?

All dies wurde schon X mal gesagt, auch auf diesem Blog. Es verdriesst einen mächtig, dass dermassen offenkundig falsche Behauptungen anscheinend nicht totzukriegen sind. Wir orten die faktenresistenten Dickköpfe immer nur im linken Lager, obwohl auch die Rechte reichlich mit solchen Scheuklappenträgern gesegnet ist.

Obwohl es nicht meine Aufgabe ist, hier Bücher zu bewerben, möchte ich doch jedem, den diese Diskussion interessiert, die Lektüre von Lichtmesz' "Kann nur ein Gott uns retten?" aufs eindringlichste ans Herz legen, sofern er es noch nicht gelesen hat. Es gibt einige Bücher, die ich als "Pflichtlektüre für intelligente Rechte" bezeichnen würde, und dieses gehört auf jeden Fall dazu. Ebenso wie Raspails "Heerlager des Heiligen", dessen Autor, obgleich gläubiger Katholik, offenbar ganz und gar nicht unter Schuldkomplexen und manischer europäischer Todessehnsucht leidet.

quarz
11. November 2017 17:36

@Valjean

Auch Südkorea ist ethnisch sehr homogen, obwohl etwa ein Drittel der Südkoreaner Christen sind. Vielleicht hilft aber auch der Umstand, dass die ostasiatischen Staaten die höchsten Durchschnitts-IQs der Welt haben bei der rationalen Einschätzung des Migrationsgeschehens. Jedenfalls ist es wahrscheinlich, dass diese Region das Rückzugsgebiet der Zivilisation wird, falls wir es in der westlichen Kultur vergeigen und an unserem Weltrettungsfanatismus zugrunde gehen.

Solution
11. November 2017 18:43

@quarz

China z.B. hat drei große Fehler gemacht:

1. hat das Nichtgelten der 1-Kind-Politik die "Minderheiten" (180.000.000?) gestärkt.

2. wurde der Islam, der sich zunehmend dort terroristisch betätigt, nicht Ernst genug genommen.

3. gibt es eine farbige Dritte-Welt-Einwanderung, z.B. von schwarzen Afrikanern, die in einigen Städten schon beachtliche Kleinkolonien bilden.

Alle homogenen Völker sind bedroht.

Japan macht es da von allen intelligenten Völkern am besten. Fragt sich, wie lange noch.

Valjean72
11. November 2017 19:25

@Der_Jürgen: "3) Wie kommt es, dass das immer noch sehr katholische Polen unbeirrt für seine Identität kämpft, ..."

---

Das ist jetzt nicht Ort und Gelegenheit für einen Grundsatzdiskussion, darüber hinaus sehe ich mich auch nicht in kompletter Opposition zum Christentum.

Aber auf einen Aspekt will ich doch eingehen, da Sie Polen und Osteuropa insgesamt ins Feld geführt haben, indem Sie äusserten, dass es dort keine kulturelle Selbstverleugnung geben würde, demnach der - von mir zwischen den Zeilen vorgebrachte- Einwand eines Zusammenhangs zwischen Christentum und multikultureller Selbstauflösung in den westlichen Industriestaaten, beiseite gewischt wäre.

Nun, die osteuropäischen Staaten - allen voran Polen - haben gegenüber den westeuropäischem Staaten - und hier allen voran Deutschland - den unbeschreiblichen Vorteil, in der offiziellen Geschichtsschreibung ungleich besser wegzukommen.

Wenn wir nun das europäische Völkerpaar Polen/Deutschland in der Geschichtsschreibung und in der medialen Darstellung näher betrachten, dann haben wir auf der einen Seite das "absolute" Tätervolk und auf der anderen Seite der moralischen Bewertungsskala das Opfervolk, gleichsam einen "Christus unter den Nationen" (A. Mickiewicz)

Die Ausgangssituationen sind also grundverschieden, ja diametral entgegen gesetzt und folglich kann es nicht verwundern, dass der seelische Zustand beider Völker ein gänzlich anderer ist.

Japan ist mE ein gutes Bespiel, da dieses Land wie Deutschland total besiegt und auch in der Geschichtsschreibung in den schwärzesten Farben geschildert wird.

Aber im Gegensatz zu Deutschland hält man an den überlieferten Tradtionen, am überliefertem Volkstum fest und sperrt sich den Forderungen der Globalisten, das Land für kulturfremde Einwanderer weit zu öffnen.

Unlängst wurde auf ZEIT-Online eine Kölner Pastorin vorgestellt und der Artikel mit einem Zitat dieser Frau als Titel versehen:

"Wer sagt denn, das Deutschland den Deutschen gehört?"

 

Monika L.
11. November 2017 19:34

" Diese "Das Christentum ist schuld an unserem ethnischen Untergang" Theoretiker ....

@Der Jürgen

Danke, es ist so ungeheuer langweilig, immer wieder diese alte heidnische Leier zu hören !

Wie schreibt Theodor Haecker in den "Tag- und Nachtbüchern" :

" Die deutsche Hergottreligion verheißt nicht ein ewiges Leben oder gar eine Auferstehung des Fleisches. Das steht fest. Sie scheint aber zu verheißen den ewigen Bestand des deutschen Volkes.,Das ist natürlich ein platter Unsinn. Dieser Planet hat einmal angefangen, so wird er auch einmal aufhören. Es ist erstaunlich, daß die Deutschen, so stolz auf ihre Wissenschaft, einen solchen Unsinn hinnehmen. Ich kann etwas glauben, dessen letzter Sinn mir verhüllt ist. Und das tue ich als Christ. Ich kann aber nicht etwas glauben, was überhaupt keinen Sinn hat." ( 1940)

Im Rückblick kann man sagen, dass die von Haecker sog. " Herrgottreligion" den  ethnischen Untergang unseres Volkes herbeigeführt hat. Das von den übriggebliebenen Deutschen hervorgebrachte Wirtschaftswunder scheint mir keine Kulturleistung zu sein. 

Schade, es hötte sich eine interessante Diskussion entwickeln können. 

Valjean72
11. November 2017 19:50

@quarz:

Mein Hauptinteresse, also das, was mich antreibt, ist nicht der Fortbestand der sogenannten westlichen Zivilisation, sondern der Fortbestand meines Volkes in Freiheit.

Was interessieren mich "konsumistisches Flittergold", "Ehe für alle" oder nun offiziell ein "neues drittes Geschlecht", wenn sich der Untergang des deutschen Volkes am Horizont abzuzeichnen beginnt?

Dieser Schmonzenz kann meinethalben untergehen und soll sogar untergehen, wenn dies die Voraussetzung für die notwendige Kehrtwende ist.

 

 

Der Feinsinnige
11. November 2017 21:12

 

@ nom de guerre

„Jedoch hat diese vergangenheitsbezogene Scham für mich nicht das Geringste mit der Frage zu tun, ob wir Deutsche uns gegen die Preisgabe unserer Kultur wie auch unseres bis dato einigermaßen funktionierenden Staatswesens verteidigen dürfen und sollten.“

Dies ist der ganz entscheidende Punkt, den es immer und immer wieder zu betonen gilt und der nach und nach auch in die veröffentlichte Diskussion vordringen muß.

Mit den Worten von Peter Sloterdijk:

„Es gibt schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.“

https://www.cicero.de/innenpolitik/peter-sloterdijk-ueber-merkel-und-die-fluechtlingskrise-es-gibt-keine-moralische

Götz Kubitschek hat am Ende seiner Pegida-Rede vom 10.4.2017, in diesem Block abgedruckt, gesagt, es bedürfe „einer erinnerungs- und geschichtspolitischen Wende, aber nicht einer, die etwas von dem aussparte, was geschah, sondern einer, die sich reif, aussöhnend, aushaltend, einordnend erinnert, und die aus dieser Erinnerung keine Keulen gegen politische Gegner schnitzt.“

https://sezession.de/57211/?komplettansicht=1

In diesem Sinne Sinne gilt es, die „Vergangenheitsbewältigung“ nicht frontal zu bekämpfen (was taktisch und inhaltlich in die Sackgasse führen würde), sondern ihre Protagonisten mit ihren tagespolitischen Zielen und ihren Moral-Keulen oder auch „Nazi-Keulen“ souverän ins Leere laufen zu lassen.

@ S.J.:

Gerade aus den eben genannten Gründen machen Ihre Beobachtungen bezüglich der vernünftigen, pragmatischen Haltung vieler Heranwachsender Hoffnung.

Selbst wenn diese Art Diskussion gerade hier schon x-mal geführt worden ist, sie ist und bleibt wichtig und zum Schärfen der eigenen Argumentationslinie nützlich.

Gustav Grambauer
11. November 2017 21:40

Ein kurzes Reinhören / Reinschauen für eine halbe Minute in jede beliebige Stelle einer jeden beliebigen Umerziehungs-Reportage im BRD-Gehirnwasch-Fernsehen, nur als ein Beispiel unter Tausenden sei empfohlen:

https://www.youtube.com/watch?v=dhCtLBufAOM

offenbart die ganze Hohlheit des Schuld-Scham-Kultes. Es ist reine Götzenbeschwörung, schon der Titel sagt es ja, und diese Götzen sollen nach 80 Jahren noch aus dem Beton herausgeaugt werden wie das allerletzte armselige Tröpflein Saft aus der vertrockneten Zitronenschale, was aber für das geübte Ohr und Auge nur grotesk und lächerlich wirkt. Habe irgendwann aufgehört, die selbstverständlich dokumentaristisch-neutral und versachlichend gemeinten (har ...) Worte "dunkel", "finster", "böse" usw. zu zählen, das augurenhafte Heben und Senken der Stimme dabei hat mir schon genügt. Oder man könnte sagen, es soll beim Zuschauer der Eindruck einer Eingeweide-Schau durch fachkundige Schamanen entstehen - das Problem ist nur, daß außer Knochen gar nichts mehr da ist. Es fällt wieder mal der notorische blasiert-näselnde Tonfall auf, der intellektuelle Distanz suggerieren und damit den Le-Bon-Nimbus akademischer Gediegenheit erzeugen soll, was aber zumindest bei mir mißlingt; außerdem die langen Kunstpausen sogar innerhalb der einzelnen Sätze sowie die verschrobene (Chomskyanisch: "modulare") Syntax des Satzbaus ('Objekt - Imperativ - Verb - Kunstpause - Substantiv' / 'In Prora sollen sie anlegen - Kunstpause - die KdF-Schiffe' oder zumindest 'Subjekt - Kunstpause - subjektbezogenes Personalpronomen - Verb - Objekt'). Zur Untermalung gibt es wieder diese Hollywood-Grusel-Musik, bei deren Ertönen man schon weiß, daß gleich wieder erinnerungskulturelle Erwachsenenpädagogik kommen wird. Die ganze Reportage ist von der ersten bis zur letzten Sekunde nur ein einziger lächerlicher, aufgeblasener (dramatisierender), wichtigtuerischer und hochgradig irrationaler Budenzauber - wobei der Clou der bizarre Kontrast der Aussage dieses APO-Opas dazu ist: "... weil ich so einen ungebändigten Glauben an die Vernunft im Menschen habe" (bei 22:07), und der dann völlig ironiefrei und gänzlich untotalitär auch noch sagt, er hätte gern in Prora "Architektur von Liebeskind und den anderen Großen - Weltarchitekten" (sic!!!).

Wie kann man nur auf so eine billige Masche hereinfallen, die aber eben nur pars pro toto für das insgesamte Niveau und die insgesamte Substanzlosigkeit der BRD-Umerziehungspropaganda auf allen Kanälen steht!

(Nebenbei gesagt sehe ich ein, daß totalitäre Systeme mit häßlicher Architektur suggestiv arbeiten, klar. Das gilt dann aber auch für Liebeskind selbst, und zwar in ganz besonderem Maße, zumal er genau wie kaum ein anderer weiß, was er in der Hinsicht anrichtet und dies auch anrichten will. Und zwar hier und heute. Systematisch und methodisch.)

... wann kommt die Aufarbeitung der Aufarbeitung?! In diesem Sinne ... 

- G. G.

Dodecan
11. November 2017 22:39

In der Kette Schuld - Geschichte - Wissenschaft – Wahrheit kommt man schnell an den Punkt der Wissenschaftstheorie und dann aber auch in den Glauben (ich glaube z.B. an Popper hinsichtlich – aber auch nur dort – des empirischen Falsifikationsprinzips vs Positivismus).

Zum Positivismus schreibt Danisch heute sehr gut:

„Nun gibt es ja unter Geisteswissenschaftlern die Ansicht, dass man seine Behauptungen nicht belegen, beweisen, herleiten müsse (und könne, Stichwort Positivismus), sondern dass Wissenschaft wäre, einfach zu behaupten, was einem in den Kram passt, und es dann die Aufgabe des Publikums wäre, das zu widerlegen. Und wenn gerade keiner kommt, der es widerlegt, dann hat man Glück gehabt, ist Wissenschaftler und wird Professor.

Kommt dann doch einer, dann muss man den einfach bekämpfen oder unglaubwürdig machen, und dann ist man auch Wissenschaftler und wird Professor. Der Vorteil der Geisteswissenschaften ist, dass es auf den Inhalt überhaupt nicht ankommt, man nur ab und zu mal einen abmurksen und die Menge durch Drohung zum Schweigen bringen muss. Wissenschaft kann so einfach sein. “

Insofern ist mein Gefühl des "Unschuldigseins" ein Glaube, solange mir die Möglichkeiten einer wissenschaftlichen Analyse der Geschichte verwehrt sind.

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