Das war’s. Diesmal mit: Narren, Närrinnen und Süßigkeiten

11. 11. 17 -- Man bräuchte schon ordentlich Langeweile, um etwas nahtloser zu verfolgen, was „die Leute“ so schreiben.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Heu­te weh­te mir ein neu­es Fund­stück­chen auf den Bild­schirm, und weil heu­te um elf Uhr elf AUFTAKT!!! SESSION!! ist (gemäß Pla­kat am Stra­ßen­rand, ich hat­te kurz „Sezes­si­on“ gele­sen), will ich gern ein paar Nar­re­tei­en zum Bes­ten geben.

Es geht um eine Stu­die, die wun­der­schön „Die Natur des rechts­ex­tre­mis­ti­schen Lebens­stils“ titelt. Um „uns“ geht es hier mal nicht. Es geht im Wesent­li­chen um Bom­ber­ja­cken­trä­ger, Skin­heads, die NS-Geschich­te von Hugo Boss, die „Iden­tiä­ren“ [sic] und die Zeit­schrift Umwelt & Aktiv.

Ver­faßt hat das hübsch durch­ein­an­de­re Pam­phlet ein „Nils Fran­ke, Wis­sen­schaft­li­ches [huch!] Büro Leip­zig“. Eben vor­ge­stellt wur­de es von der rhein­land-pfäl­zi­schen Minis­te­rin für Umwelt, Ener­gie, Ernäh­rung und Fors­ten, Frau Höf­ken. Frau Höf­ken lobt vor­ab zwei älte­re Publi­ka­tio­nen, die unter ihrer Ägi­de mit ähn­lich famo­sen Titeln („Natur­schutz gegen Rechts­ex­tre­mis­mus“ und „Klar­text gegen rechts­ex­tre­me Öko­sprü­che“) ent­stan­den und „bun­des­weit ‘ange­kom­men’“ seien.

Rela­tiv über­gangs­los fährt Frau Höf­ken fort:

Wir stel­len fest: Out­fit, Musik und Sym­bo­le rechts­ex­tre­mis­ti­scher Akteu­rin­nen und Akteu­re [hol­la, da fehlt was, gell? Diver­ses?] zei­gen nicht zufäl­lig den Bezug zu Natur. [sic] Er wird gesucht. [sic]

Gut, stei­gen wir ein ins Werk des minis­te­ri­ell bezahl­ten Nils Fran­ke. Mot­to: „Gib uns Schman­kerl!“ Herr Fran­ke wirft die Kamel­len wild nach allen Sei­ten – ganz wie die Fun­ken­ma­rie­chen. Hier mal eines, das wir auf­he­ben wollen:

„Blut und Boden“ ist ein Schlag­wort, das die Natio­nal­so­zia­lis­ten ver­tra­ten, die heu­te in klas­si­scher Form [sic] kaum noch auf­tre­ten. Auch in rechts­ex­tre­mis­ti­schen Krei­sen wird der Aus­druck wenig benutzt. Doch der Inhalt ist tat­säch­lich noch in vie­len Berei­chen vor­han­den und äußert sich auch in ver­schie­de­nen Aus­drucks­for­men des rechts­ex­tre­mis­ti­schen Lebens­stils. Die­se Aus­drucks­for­men sind wahr­nehm­bar. Ähn­lich wie bei James Bond und sei­nen unver­meid­li­chen Attri­bu­ten wie schnel­le Autos oder „Hand­lungs­fel­dern“, denen er ger­ne Auf­merk­sam­keit wid­met, wie schö­nen Frau­en, so fin­den sich bei Rechts­ex­tre­mis­ten immer wie­der­keh­ren­de Objek­te, Akti­ons- oder The­men­fel­der, die sie inter­es­sie­ren und die sie aus ihrer Ideo­lo­gie her­aus gestal­ten. Sie bil­den die rechts­ex­tre­mis­ti­sche Lebenswelt.

Okay. Wie schla­gen wir jetzt den Bogen zum Umwelt­mi­nis­te­ri­um? So:

Natur wird dabei zu einem Ort der eige­nen kör­per­li­chen Ertüch­ti­gung z. B. durch Box­trai­ning, des gemein­sa­men Erle­bens zur Stär­kung des Gemein­schafts­ge­fühls in Zelt­la­gern (…). Zusam­men­ge­fasst: Der Lebens­stil­be­griff im Kon­text mit dem Natur­be­griff eig­net sich sehr gut für die Ana­ly­se der rechts­ex­tre­men Lebens­welt. Erst die­se Ver­bin­dung macht Idee und Aus­drucks­for­men die­ser Ideo­lo­gie ver­ständ­lich. Natur war ein Schlüs­sel­be­griff im Natio­nal­so­zia­lis­mus und ist es in der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Welt­an­schau­ung heu­te geblieben.

Wie geht ein Tusch zur Büt­ten­re­de in Mainz? Duff-dä?

Duff-dä, duff-dä!

Herr Fran­ke schreibt noch eini­ges über James Bond und des­sen „Stil­merk­ma­le“ und baut dann in sei­nem eige­nen unver­gleich­li­chen Schreib­stil ein Brückchen:

Auch Rechts­ex­tre­mis­ten besit­zen [!] einen Lebens­stil und haben sehr kon­kre­te Vor­stel­lun­gen, wie sie ihr Leben füh­ren wol­len. Die dahin­ter ste­hen­de Idee heißt: Men­schen sind ungleichwertig.

Zum Lebens­stil der strikt natur­ver­bun­de­nen Rechts­ex­tre­mis­ten gehö­ren laut Wis­sen­schaft­li­chem Büro Fran­ke nicht nur Sprin­ger­stie­fel und Bom­ber­ja­cken, son­dern unbe­dingt die Far­be Schwarz:

Schwarz herrscht als Sze­ne­far­be ein­deu­tig vor. Das kann als Hin­weis auf die schwar­zen Uni­for­men der SS gedeu­tet wer­den, aber auch nur vom lin­ken „Schwar­zen Block“ ent­lie­hen sein bzw. auch ganz prak­ti­sche Grün­de in Bezug auf Nacht­ak­tio­nen haben.

Ergän­ze: oder auf eine grund­los depri­mier­te Haupt­stim­mung hin­wei­sen oder mit CDU/CSU oder gar mit Zau­be­rern oder Toll­kir­schen in Ver­bin­dung ste­hen oder auch übri­gens meis­tens gar nicht zutref­fen. Duff-dä!

Es fällt Nils Fran­ke in sei­ner Büt­ten­re­de bzw. Stu­die zuneh­mend schwer, eine Ver­bin­dung zur „Natur“ her­zu­stel­len, die er doch als Haupt­kampf­platz der Fein­de aus­ge­macht hat.

Er versucht‘s am Ende mal so: Nicht nur „in die Par­la­men­te der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gewähl­ten Par­tei­en“, son­dern sogar „inter­na­tio­na­le Groß­kon­zer­ne“ und die „inten­si­ve Land­wirt­schaft“ gerie­ten den Rech­ten „ins Visir.“ [sic]

Wie arg, die­ser Quark. Das sol­len sie mal lesen, die­se Bösen.

Nar­hal­la lebt, helau!

– – –

12. 11. 17 – Herz für Kin­der! Küß­chen für eine Spezielle!

Heu­te besu­chen wir eine Hl. Mes­se aus­wärts. Ich hab den Kin­dern die Nach­mes­sen­kri­tik ver­bo­ten. Das bringt ähn­lich viel wie ande­re Ver­bo­te. Zumal, wenn die Eltern sich auf­grund eige­ner Emp­find­lich­kei­ten selbst nicht immer kon­se­quent dran halten.

Es war schon schön wür­dig. Mitt­ler­wei­le sin­ge ich auch „Neu­es Geist­li­ches Lied“ mit; manch­mal wenigs­tens, und nur sehr lei­se. Heu­te: „Mein ver­lor­nes Zutraun, mei­ne Ängst­lich­keit // brin­ge ich vor dich. Wand­le sie in Wär­me, Herr, erbar­me dich“ usw.

Kleins­te Toch­ter mit Herz stößt mich an. Ich beu­ge mich run­ter. „Kit­schig, gell“, flüs­tert sie. „Wie­so?“ flüs­te­re ich zurück (rhe­to­ri­sche Fra­ge, klar). Ant­wort: „Merkt man doch schon an der Melodie.“

Hin­ter­her gibt sie mir noch einen Trick preis: Unterm Lied ste­he doch immer ein Jahr, ob ich das mal bemerkt habe? Sie habe her­aus­ge­fun­den, je älter, des­to schö­ner. „Also meistens.“

– – –

13. 11. 17 – Wir haben seit lan­gem Begrif­fe für „Dis­kri­mi­nie­rung“ qua Haut­far­be (Ras­sis­mus), qua Geschlecht (Sexis­mus), qua Aus­se­hen (Loo­kis­mus), usw. usf, aber was ist denen, die sich durch unan­ge­mes­se­ne Iden­ti­fi­ka­ti­on ihrer Stim­me auf den Schlips getre­ten fühlen?

Ich lau­sche heu­te kurz und zufäl­lig einem Radio­talk über das drit­te, also Inter- oder Diver­se-Geschlecht. Klar, als kon­ser­va­ti­ve Stim­me ist der gute alte Dr. Nor­bert Geis von der CSU zu hören, den die Medi­en­leu­te gern ein­la­den, um wun­der­bar und fugen­los demons­trie­ren zu kön­nen, daß Nicht­lin­ke intel­lek­tu­ell völ­lig unter­be­lich­tet sind.

Mir fällt ein lin­ker Gesprächs­gast auf, der – ich den­ke: typisch männ­lich – extrem breit macht. Mann, ist der auf­ge­regt und wich­tig! Und wie er dau­ernd ande­ren ins Wort fällt! Der Kerl redet sogar dann, wenn der Mode­ra­tor dezi­diert eine wei­te­re Talk­part­ne­rin anspricht. Wie pene­trant der Typ ist!

Ha, am Ende krieg ich‘ s raus, die­ser Herr ist in Wahr­heit … ein Mensch. Heißt: Er klingt nur wie ein Mann, „er“ hat sich längst von sol­cher Zuschrei­bung ver­ab­schie­det. Nennt sich „Kim“.

Noch tol­ler wird´s, als Chris­tel mit einer Hör­er­mei­nung anruft. Chris­tel (ver­mu­te, schreibt sich „Krys­tal“ oder so) hat einen extre­men Brumm­baß. Der hoch­ge­schlech­ter­sen­si­ble Mode­ra­tor tappt ins akus­ti­sche Fett­näpf­chen und redet Chris­tel, die ganz dezi­diert nicht als Mann gel­ten will, wie­der­holt als „Herr B.“ an.

Herr­lich! Die Bäu­me sind kahl mitt­ler­wei­le, und doch ist alles soo schön bunt!

Ellen Kositz­as gesam­mel­te Wochen­rück­bli­cke der Jah­re 2014–2016 sind in Buch­form erhält­lich! Ellen Kositza: Das war’s. Dies­mal mit: Kin­dern, Küche, Kri­tik, Schnell­ro­da 2017. Hier ein­se­hen und bestellen!

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (27)

Tacitus

14. November 2017 13:30

Schwarz als Kleiderfarbe erinnert mich spontan an die Lützower Jäger - Befreiungskriege und so, also uralter Tobak - andersfarbige Kleidung ließ sich leichter in schwarz als in weiß umfärben. Diese Erklärung soll natürlich nur die wahren Absichten der Lützower verschleiern - als Avantgarde der SS aufzutreten. Sollte man dem guten Nils Franke mal stecken...

RMH

14. November 2017 15:06

1. Geistliches Liedgut neueren Datums hat durchaus seine Höhepunkte, das genannte/zitierte Lied ("Meine engen Grenzen") ist einer davon, insbesondere, wenn es einen Vorbeter/-Singer gibt und die Gemeinde als Chor die Wiederholungszeile singt, hat es seine Stärken.

Es es musikalisch schlicht, reduziert und enthält auch tiefgründige Botschaften. Was ist bspw. an der Strophe

"Meine tiefe Sehnsucht, nach Geborgenheit, bringe ich vor Dich. Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich."

jetzt kitschiger als bspw. an einem "Großer Gott, wir loben Dich?", welches (je nach Darbietung) zudem die Tendenz zum Pathetischen haben kann?

Wie so oft, eine Frage des Geschmacks, aber wer sich in eine (ihm fremde) Herde begibt, braucht sich nicht darüber zu wundern, wenn der dortige Schäfer den Ton angibt. 

Im Übrigen schätze ich persönlich beide genannten Kirchenlieder.

2. Schwarz war früher einmal in Europa die Farbe der Trauer. Bomberjacken, die nun gar nichts mit "Öko" oder "Landleben" zu tun haben, sollten originalerweiße außen oliv und innen Signalorange sein und wenn Herr Franke aus seinem Satz:  "Die dahinter stehende Idee heißt: Menschen sind ungleichwertig" das "-wertig" streicht, hat er mit diesem Satz gar nicht mal so unrecht.

H. M. Richter

14. November 2017 15:38

Unter der vielsagenden Adresse

https://www.rechercheauftrag.de/

findet sich nicht etwa das Büro einer florienden Privatdedektei oder der Zusammenschluß ehemaliger MfS-Mitarbeiter, nein dies ist die Seite von Nils Franke, genauer gesagt PD Dr. Nils M. Franke, der als "Dientsleistung" nicht nur die Antwort auf die Frage "Was ist Wissenschaft?" verspricht, sondern noch auf ganz andere. Zahlender Kunde, versteht sich, möchte man allerdings schon sein, - man ist ja schließlich nur Privatdozent.

Auf dieser Seite finden sich - so viel sei versprochen ! - Schmankerl von einer Güte, die nicht allzu häufig ist. Man kommt gewissermaßen aus dem Duff-dä, Duff-dä gar nicht mehr heraus.

Dabei - man kann beruhigt sein - orientieren sich "seine [Frankes, d.V.] Publikationen, Vorträge und Workshops [...] an der aktuellen Relevanz historischen Wissens." Kann es da verwundern, daß "er über ein umfangreiches Netzwerk zu Ministerien, Stiftungen und Personen des öffentlichen Lebens verfügt" ?

In der Stadt, in der Frankes "Wissenschftliches Büro" angesiedelt worden ist, hat man von jeher einen passendes Satz, wenn derartiges geschieht: "Sowas kannste nich erfinden."

Doch: https://www.rechercheauftrag.de bleibt keine Antwort schuldig, selbst wenn es um Wildscheine in Berlin, Füchse in Zürich oder Naturschutz an NS-Großanlagen geht.

Und dies alles unter dem Generalmotto der Seiten-Titelzeile: "Erfolgreich argumentieren gegen Rechts."

Darauf ein Duffdä, Duffdä und - Duffdä !

John Haase

14. November 2017 16:45

Mann, diese "Studie". Wie kann man in so einem Stil schreiben? Das ist wirklich nur noch Gedankensimulation. 

Man spricht ja oft von Leuten, "die in jedem System zurecht kämen", aber in der BRD kommen zunehmend Leute nach vorne, die ihrem Schöpfer auf Knien danken müßten, in diesen Staat geboren zu sein, weil sie außer absoluter Konformität wirklich gar nichts mitbringen und das hat bisher in keinem einzigen anderen deutschen Staat gereicht. Zumindest ein bißchen Talent brauchte man bisher schon.

Herr K.

14. November 2017 17:26

Ganz klar ist die Natur voll Nazi, Erde ist ja auch braun...logisch, oder?

Aber gut so, sollen mal immer mehr merken, dass echte Arbeit wahrscheinlich psychisch gesünder ist....Magischer Konstruktivismus vom Feinsten.

Maiordomus

14. November 2017 18:01

Viel schlechter als die ganz oben via Netz abrufbare sog. Analyse der rechtsextremen Kulturtendenzen geht wohl kaum, intellektuell war das Niveau des Hexenhammers, den ich als Quelle keineswegs unterschätzen würde, mit Gewissheit höher.

Fräulein von Trense

14. November 2017 19:49

Mir ging es als Kind genauso wie der kleinen Tochter des Hauses. Schon im frühen Grundschulalter merkte ich, daß alles Gotteslobliedgut ab, sagen wir, 1970 und aufwärts der reinste Schrott ist und später - im späten Grundschulalter - kamen auch noch die Lieder von KomponistINNen oder DichterINNen auf diesen persönlichen Index, weil sie auch viel schwurbelig-psychodöhnsiges an sich hatten, selbst wenn es sich um kirchenlieddichtende Nonnen oder VerbandskatholikINNen aus der Jugendbewegung, den 30er oder so gehandelt hat. Ich habe als Kind bei solchen Liedern nie mitgesungen und seit meinen frühen Teenagerjahren singe ich gar nichts mehr, weil es seitdem mit Konzilskirche und mir aus ist.

Und überhaupt das deutsche Kirchenlied - ich dachte immer, ich hätte in dieser Hinsicht eine Art Dachschaden, weil ich es mich nicht so in Trance versetzt wie viele andere gute und anständige Leute, aber seitdem ich Martin Mosebachs Anmerkungen dazu gelesen habe, bin ich wieder etwas beruhigt: man muß es wirklich nicht soooo toll finden, dieses Produkt der sogn. Reformation. Viele durchaus ehrbare Völker kommen ganz wunderbar ohne Volkslieder zu liturgischen Zwecken aus (zB orthodoxe Russen; die machen sich nach ein paar Gläschen über diese ganzen "Wander- und Schlaflieder" in der Liturgie bei den Deutschen sogar lustig).

Stresemann

14. November 2017 20:47

Mmmh. Schwarz. Trägt unser Kantor gerne zum Dirigieren bei Aufführungen... Ist auch ziemlich, also wie soll ich sagen? Bedrohlich. Und dann dieses Herumgefuchtel mit dem Stock. Und die eindringlichen Blicke. Das Alles ist doch wohl dazu angetan, einzuschüchtern! Und auch zutiefst undemokratisch! Wehret den Anfängen!

Urwinkel

14. November 2017 21:12

"Wir stellen fest: Outfit, Musik und Symbole rechtsextremistischer Akteurinnen und Akteure [holla, da fehlt was, gell? Diverses?] zeigen nicht zufällig den Bezug zu Natur. [sic] Er wird gesucht. [sic]" (Höfken-Zitat)

Ein "r" wird noch gesucht im Zitat. Aber Nebenbeispaß weggelegt: Musik zwischen "Outfit" und "Symbole" platziert, symbolisiert verhausschweinte Unwissenheit. Solchen Schreibern fehlts oft an Natuerlebnissen. Kurz rübergesehen: Während sie sich bei Deppenautoradio zu unfreiwilligen Ekelsubjekten machen und das bei Gelegenheit rauströten, erkunde ich den Wald.

Die Filmmusik dazu liefert das Unschlagerprojekt ART ABSCONS:

Unververbindliche Hörempfehlung via Bandcamp:

https://artabscons.bandcamp.com/album/the-separate-republic

deutscheridentitärer

14. November 2017 23:17

""Die dahinter stehende Idee heißt: Menschen sind ungleichwertig" das "-wertig" streicht, hat er mit diesem Satz gar nicht mal so unrecht."

Dieses verbreitete Argumentationsmuster "ungleich aber nicht ungleichwertig" ist mEn fehlerhaft.

Ungleichwertigkeit braucht ein Kriterium, anhand dessen der Wert bestimmt wird. Ungleichheit in Bezug auf ein bestimmtes Kriterium hat also sehr wohl Ungleichwertigkeit in eben dieser Hinsicht zur Folge. Nun ist eine große Anzahl mehr oder weniger sinnvoller Kriterien zur Wertestimmung denkbar, bspw. im athletischen, intellektuellen, spirituellen Bereich.

Soweit ich die Argumentation verstehe ist damit aber meist in etwa gemeint, dass die Menschen trotz ihrer Ungleichheit (und damit Ungleichwertigkeit) in diesen  diversen Teilbereichen menschlicher Existenz in Hinblick auf ihren grundsätzlichen personalen Geltungswert gleich sind.

Das erscheint grundsätzlich vernünftig, erscheint es doch schwer nachvollziehbar, etwa einem herausragenden Sportler als an sich wertvolleren Menschen zu betrachten. Allerdings schleichen sich mir schon während ich diesen Satz geschrieben habe Zweifel an, ob das wirklich so abwegig wäre.

Ist es denn nicht im Gegenteil geradezu auf den ersten Blick plausibel etwa einem Lance Armstrong aufgrund seiner sportlichen Leistung, die bezeichnenderweise gerne als übermenschlich attributiert wird, einen grundsätzlich höheren Rang in seiner Eigenschaft als menschliches Wesen zuzusprechen als der menschlichen Durchschnittsexistenz?

Eindeutig abseitig wird obige Argumentation wenn wir als Kriterium den Grad der Ethik veranschlagen, die ein Mensch durch seinen Lebenswandel verkörpert. Wer würde etwa bezweifeln, dass ein Arzt mehr wert ist als ein Serienmörer o.ä.?

Franz Bettinger

15. November 2017 00:25

@ Kositza: "Auch Rechte haben Vorstellungen, wie sie ihr Leben führen wollen. Sie meinen, die Menschen seien nicht gleichwertig."

Ja. So ähnlich sagte das auch die Linke am Wahlkampf-Stand der Grünen, den ich im Herbst aufsuchte, um wie üblich ein bisschen Dampf zu machen. [...]

Kositza: Agent provocateur, hm? Es muß Ihnen doch klar sein, daß ich sowas nicht freischalte.

S.J.

15. November 2017 12:04

Ich habe in die besagte Broschüre über den Rechtsextremismus hineingeschaut, musste dann aber abbrechen. Es ist sowieso nicht mein Umfeld und erinnerte mich dann schnell an den berühmt-berüchtigten Besinnungsaufsatz, den der Dorfschullehrer den Schülern in Großmutters Zeiten aufgebrummt hatte. 

Hartwig aus LG8

15. November 2017 12:08

Wer das "ungleich" bzw. "ungleichwertig" als auch die entsprechenden Negierungen "gleich" und "gleichwertig" übernimmt, ist dem politischen Gegner schon auf den Leim gegangen.

Gleichheit vor dem Gesetz ... und, so zumindest unsere Vorstellung, Gleichheit vor Gott. Die allgemeine Erhabenheit, Mensch zu sein, ist mit letzterem vollständig abgedeckt.

Alles darunter darf wertend, auf- und abwertend sein. Das ist so auf dem Arbeitsmarkt, und das ist so auf dem Heiratsmarkt, und das ist so auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Auch Gruppenbezogenheiten sind voll und ganz zulässig,. Wer sich einreden lässt, die Bevorzugung und besondere Wertschätzung/Ablehnung bestimmter Gruppen sei nicht legitim, ist auf dem linken Holzweg.

Ähnlich bei Frauen und Männern. Sie sind ungleich und ungleichwertig. Wer wollte den Wert der Frauen für die Fortpflanzung des Volkes gegen den Wert der Männer für den Schutz des Volkes gegenrechnen? - und dann bei plus/minus Null landen? Eine rein akademische Betrachtung.

Fast 75 Jahre Frieden führen uns dazu, über solch einen Quatsch zu diskutieren.

Der Feinsinnige

16. November 2017 21:18

 

„Schwarz ... als Szenefarbe“, so, so. Sicher, es gibt den „schwarzen Block“ auf Demos seit Jahrzehnten, ursprünglich ja wohl der „linksautonomen“ Seite zuzuordnen, später durchaus anderweitig kopiert. Bislang bin ich jedoch davon ausgegangen, daß schwarz – neben seiner traditionellen Funktion als Farbe der Feierlichkeit und Farbe der Trauer sowie als Farbe bestimmter Berufsgruppen vom Schornsteinfeger über den Pfarrer bis zum Richter - besonders unter vielen Künstlern und Intellektuellen fern jeder Politik als schick gilt und gerade nicht einer bestimmten Szene zugeordnet werden kann. Ab jetzt heißt wohl die Devise: Man kleide sich zukünftig bunt - „gegen rechts“! :)

Weiß ist übrigens – das ist nichts Neues - auch verdächtig:

https://www.n-tv.de/politik/Uni-Professor-fordert-weisses-Europa-article20136956.html

Hier baut sich offenbar der nächste Medienaufreger „gegen rechts“ auf. Der verlinkte Artikel über Prof. Rauscher ist nur einer unter diversen. Vielleicht wäre dies auch ein Fall für eine fundierte Stellungnahme nebst Diskussion in diesem Block?

 

Ellen Kositza

16. November 2017 22:20

Noch zwei Fundstücke zur "Szenefarbe Schwarz":

1. Im SPIEGEL las ich grad über den frühverstorbenen Die Linke-Politiker Dominic Heilig, daß er sich stets "ganz existenzialistisch schwarz" gekleidet habe. Die Bewertung von schwarzer Klamotte scheint also arg kontextabhängig zu sein...

2. Aus einem Artikel von Stefan Scheil, der in der Dezemberausgabe der Sezession erscheinen wird: "In den Washingtoner Führungszirkeln wurde das Deutsche Reich als der eigentliche Unruheherd des Weltpolitik und als dunkle Bedrohung des eigenen Anspruchs als einzige Weltmacht empfunden. [...] Der finsteren Thematik entsprechend hatte man Deutschland deshalb in den US-Militärakten schon kurz nach der jahrhundertwende den Code-Namen "Black" gegeben und damit begonnen, den "Black-Plan" zu entwickeln, jenen für den kommenden Krieg gegen Deutschland."

Monika L.

16. November 2017 22:37

Edelkoort: Das könnte einer der Gründe sein, aber eigentlich ist das Comeback von Braun eher ein Problem von Schwarz. Schwarz wurde von vielen Marken regelrecht missbraucht und überall eingesetzt. Schwarz wirkt deshalb derzeit altbacken. Dabei war es einmal aufregend. In den Achtzigerjahren gab Karl Lagerfeldeinmal eine Party, zu der man schwarz gekleidet erscheinen sollte. Man kann es kaum glauben, aber es war sehr schwierig, dafür ein cooles Outfit in dieser Farbe zu finden. Heute sieht Schwarz nur noch gut aus, wenn der Stoff eine Textur hat. Dazu kommt, dass Braun etwas Erdiges an sich hat, und der Wunsch nach Erdverbundenheit in diesen Zeiten ist groß. Ein schönes Braun hat zudem etwas sehr Appetitliches.

LiLLliLLi eLi Edelkoort, Trendforscherin im Juni 17 

S.J.

16. November 2017 22:42

"Black", ein "Black-Plan"? Das wusste ich noch nicht. Dass die Antifa vor diesem Hintergrund - natürlich unbewusst, aber sie wird es gerne aufgreifen - eine nahezu grotesk anmutende Monstrosität assoziieren lässt, gibt der Gegenwart eine scheußliche Würze. 

Valjean72

17. November 2017 09:39

@Ellen Kositza: "... , den "Black-Plan" zu entwickeln, jenen für den kommenden Krieg gegen Deutschland."

---

 

Für den kommenden zweiten Dreißigjährigen Krieg gegen Deutschland, bin ich geneigt hinzuzufügen.

 

Von Lord Balfour ist folgendes Zitat aus dem Jahr 1907 überliefert:

 

„Wir sind wahrscheinlich Narren, dass wir keinen Grund finden, um Deutschland einen Krieg zu erklären, bevor es zu viele Schiffe baut und uns unseren Handel wegnimmt.“

 

(Quelle: Allan Nevins, „Henry White – Thirty Years of American Diplomacy"; New York: Harper Bros., 1930, S. 257)

 

Philipp Scheidemann äußerte sich in der Nationalversammlung vom 12. Mai 1919 folgendermaßen über den Kerninhalt des Versailler Vertrages:

 

"Ich will Ihnen nicht alle die großen und kleinen Schlingen nachweisen, in deren Gesamtheit sich ein großes Volk zu Tode verstricken soll, getreu dem Worte der „Times“:

 

>Wenn Deutschland in den nächsten 50 Jahren wieder Handel zu treiben beginnt, ist dieser Krieg umsonst geführt worden!<“

 

Tja, Deutschland begann wieder Handel zu führen ...

Stil-Blüte

17. November 2017 10:07

Das kleine Schwarze...

 

 

Valjean72

17. November 2017 13:01

Nun, mein Kommentar, in welchem ich folgende Passage aus Ellen Kositzas Beitrag aufgriff:

"... , den "Black-Plan" zu entwickeln, jenen für den kommenden Krieg gegen Deutschland"

wurde nicht veröffentlicht. Ich würde mir schon wünschen, dass die Neurechten die offizielle Geschichtsschreibung in Bezug auf das frühe 20. Jahrhundert, den Ersten Weltkrieg (selbstverständlich auch darüber hinaus) und im besonderen das schwarze Bild, welches darin Deutschland einnahm, und auch nach wie vor einnimmt, einer kritischen Betrachtung unterziehen. Oder ist das zu toxisch?

Zum Black Plan passt auch die Black Legend, so bezeichnet man die propagandistische Diffamierung und moralische Herabsetzung Spaniens und der Spanier seitens der Angelsachsen vom 16. bis zum späten 19. Jahrhundert.

Valjean72

17. November 2017 14:08

Mein Kommentar wurde also doch veröffentlicht, vielen Dank dafür.  Meine Bemerkung kam demnach allzu vorschnell, ich bitte dies mir nachzusehen.

Eine grundsätzliche Frage technischer Natur hätte ich noch: Ich schreibe mitunter Texte zuerst in Word und kopiere dann den Inhalt aus Word in das Kommentarfeld.

Nach der Veröffentlichung stelle ich dann immer wieder fest, dass die Formatierung des Textes geändert hat, dass insbesondere die Zeilenabstände grösser geworden sind.

Gibt es auf meiner Seite etwas zu beachten, bzw. zu befolgen , um diese Umformatierung zu vermeiden?

Kositza: Zum Glück gibts bald ein "update", und dann wird "alles wieder gut!" d.h. wie früher, nur besser...

t.gygax

18. November 2017 11:41

" der ministeriell bezahlte Nils Franke"

EK hat einen trockenen, geradezu subtilen Humor...aber eigentlich ist das gar nicht lustig.  Dieser Mann wird von den Steuergeldern der ausgebeuteteten Deutschen bezahlt. Ich war letzte Woche mal wieder in einer süddeutschen Großstadt und aß ein bescheidenes Mittagessen in einem sogenannten "start up" Zentrum, das auch von Steuergeldern finanziert, eine Cafeteria besitzt.

Dort lagen auf jedem Tisch riesige Mengen staatlich finanzierten Propagandamaterials " Woche der Willkommenskultur" mit Angeboten wie " Ablehnung des Asybescheides-wie können wir helfen" oder " Rechte Sprüche am Arbeitsplatz-wie können wir uns schützen und was können wir dagegen unternehmen", Projektanbieter die Antonio Amadeo Stiftung, dann noch üppige Podiumsdiskussionen mit Landräten, Oberbürgermeistern, Abteilungsleitern für Soziales, Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt  etc.... Da sind locker 20 Leute im Öffentlichen Dienst nur mit diesem Zeug beschäftigt, und es werden türkische Psychologen und Berater aus Berlin-Neukölln (!) eingeflogen, die in einem workshop "Gelungene Integrationskonzepte" vorstellen, eine gigantische Geldverschwendung ...und als ich nachher durch das historische Industrieviertel dieser Stadt am Hafen lief, sah ich die deutschen Rentner , die Flaschen sammelten und große Mengen von Kulturbereicherern, die umherflanierten und mit ihren smartphones kommunizierten.

Mit diesen trüben Eindrücken möchte ich mich aus diesem Forum verabschieden; ich habe hier sehr interessante Mitforisten erlebt,  dachte mich in schwindererregende intellektuelle Höhen ein, wobei besonders der Schweizer Großphilosoph uns immer höher in diese eisigen Weiten seines olympischen Gletscherblicks entführte ( glücklich der Mann, der in der freien Schweiz sein Leben verbringen darf...obwohl auch dort die Kräfte der Zerstörung unablässig am Werke sind, wie überall) , aber insgesamt kam mir manches auch wie eine Flucht in abstrakte-philosophische Konstrukte vor, und die tragen im Leben wirklich nicht.

Ein großer norwegischer Erzähler, der für seine aufrechte Haltung und seinen "Mannesmut vor Fürstenthronen" ( Friedrich von Schiller) teuer bezahlen musste, fasste einmal ein Bild unseres Lebens in einigen Zeilen zusammen:

"Aber sanfte Augenblicke, die haben alle. Ein Gefangener sitzt auf einem Karren und wird zum Schafott gefahren, ein Nagel scheuert ihn, er rückt zur Seite und empfindet es als angenehmer."

Knut Hamsun

Es kam mir oft vor, als sitzen wir auf dem Karren und versuchen verzweifelt, den Nägeln auszuweichen, wir fliehen in Gedanken und Theoriesysteme, um das Unerträgliche erträglicher zu machen. Das ist sicher auch ein Weg des Überlebens, ich möchte das nicht herabsetzen!

Aber es sollte eigentlich dran sein, von diesem Karren abzuspringen, auszusteigen, solange das noch geht. Und noch besser wäre es, diejenigen, die den Karren konstruiert haben, die die Peitsche schwingen und die Zugtiere antreiben, anzugehen. Und das bedeutet Konfrontation, Kampf, möglicherweise auch die eigene Niederlage, weil die andere Seite viel stärker ist.

Aber- um C.S.Lewis zu zitieren- : auch " die böse Macht" ( sehr lesenswerter philosophischer sf-Roman ) zerstörte sich letztendlich selbst, und in dem unheimlich-tiefgründigen deutschen Märchen vom Rumpelstilzchen ist dessen Macht in dem Moment gebrochen, als er mit seinem wahren Namen benannt wird.

"ein Wörtlein kann ihn fällen" so hieß es bei Martin Luther. Dahingestellt, ob das Wirklichkeit oder Träumerei ist.

Ich bedanke mich vor allem bei dem Mitforisten @der Jürgen, bei dessen Beiträgen ich oft das Gefühl hatte, hier ist jemand der Wahrheit sehr nahe und geht bis an die Grenzen des Sagbaren.

Und  Dank an EK, dass in all den Jahren nur zwei Kommentare von mir nicht veröffentlicht wurden, [Kositza: danke, dabei bin ich gar nicht die Hauptfreischalterin bzw. "Zensorin]

dieser blog ist wirklich ein weites Feld.

viele Grüße     t.gygax

Lotta Vorbeck

19. November 2017 06:03
@t.gygax - 18. November 2017 - 10:41 AM

"... Mit diesen trüben Eindrücken möchte ich mich aus diesem Forum verabschieden; ..."

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Schade, daß Sie gehen, Lotta Vorbeck hatte Ihre Wortmeldungen geschätzt.

Valjean72

20. November 2017 12:50

@t. gygax:

Schliesse mich Lotta Vorbeck an!

Und über die Tiefgründigkeit des Rumpelstilzchen-Märchens hatte ich auch schon gegrübelt und sinniert.

Stil-Blüte

20. November 2017 15:11

@ t.gygax

Jammerschade, daß Sie das Weite suchen, obwohl doch hier, wie Sie selbst sagen das wunderbare Fontane-Feld, eben das Motto 'das ist ein weites Feld' für alle Platz bietet. Ist Ihnen Ihr Feldrain zu klein geworden?

Kommen Sie uns, wie Raskolnikow, hin und wieder besuchen. Wir werden Sie gastlich empfangen.

Leben Sie wohl!

H. M. Richter

20. November 2017 20:29

@t.gygax

Die Verluste unter den Kommentatoren waren in den letzten Monaten bereits von einer derart schmerzlichen Intensität - es sei hier nur der Name Winston Smith 78700 genannt -, daß die Bitte, bei uns zu bleiben, wohl ebenso erlaubt wie verständlich ist und - hoffentlich - nicht unerhört bleibt.

Thomas Wawerka

21. November 2017 17:22

"Meine engen Grenzen" halte ich für ein sehr gutes Lied, eine Perle unter den neuen Liedern. Es ist glaubwürdig seelsorgerlich formuliert und ein echtes Gebet. Melodie und Inhalt harmonieren. Ich hab das Lied sehr gern. 

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