26. Dezember 2017

Elend und Ende des Deutschen Konservatismus

Johannes Poensgen / 13 Kommentare

Die "Gesellschaft für deutsche Sprache" hat letztens "Jamaika-Aus" zum Wort des Jahres gekürt. Uns wird nicht dieser Umstand, sondern das politische Desaster dahinter in Erinnerung bleiben.

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

  • Bis zuletzt hatte die Kanzlerin darum gekämpft, die Parteien einer ihrer berüchtigten gemeinsamen Lösungen zuzuführen. Unerwartet kam, daß es diesmal nicht klappen wollte und so Angela Merkels Kanzlerschaft ausgerechnet infolge der Bundestagswahl zu verenden droht, in der nichts sicherer erschien, außer der Fortführung ebendieser Kanzlerschaft.

    Die Krisendiagnose der inhaltlich ausgehöhlten und personell von allen auch nur halbgefährlichen Köpfen gesäuberten Merkel-Union ist freilich seit Jahren immer lauter geworden und so scheint nur das Unerwartete, wenn auch nicht Überraschende schließlich eingetreten zu sein. Wenn nicht die SPD doch wieder in die Bresche springt …

    Der deutsche Konservatismus liegt in den letzten Zügen. Die Substanz ist aufgebraucht. Kürzlich fiel mir die Novemberausgabe der Clubzeitschrift von Rotary in die Hände. Verfaßt nach der Bundestagswahl, lautet das Titelthema: „Herbst einer Volkspartei, Zur Krise der deutschen Christdemokratie“.

    Die Rotarier, das muß der Neid ihnen lassen, geben eine hervorragende Zeitschrift heraus. Den Vereinsteil kann man ja überlesen, dann übersteigt die Qualität der Themenbeiträge deutlich die des größten Teils der am Kiosk erhältlichen Konkurrenz. Wenn man die Intelligenz der konservativen bürgerlichen Mitte sucht, so findet man sie hier. Die durch die Aufsätze hinweg lesbare Erosion des Vertrauens ist mit Händen zu greifen, nicht nur in die C-Parteien, sondern in das ganze Konzept des deutschen Konservatismus seit Beginn der Bundesrepublik.

    Die Problemanalysen sind ausgiebig und weitgehend treffend, die wenigen Lösungs- und Verbesserungsvorschläge, wirken einsam, an den Haaren herbeigezogen, manchmal grotesk. Ein Prof. Dr. Franz Walter, bis vor kurzem Leiter des Göttinger Zentrums für Demokratieforschung, schlägt etwa vor, die Union solle sich ein Vorbild an der Winzerzunft nehmen:

    Ökologie, Regionalkultur, Geschichte und darin eingebundene Innovationsfreude durchaus eigensinniger wie experimentierfreudiger Winzerfamilien als konservativen Erzählstrang aufzunehmen und in eine mineralisch frische Überzeugungssprache zu überführen.

    Mit dieser Kabarettnummer endet ein aufschlußreicher Aufsatz über die Auswirkungen der Milieuverschiebungen, die Deutschland seit den 50er Jahren erlebt hat und die zur mehrfachen Spaltung des bürgerlichen Lagers führten. Neben den traditionellen Kleinbürgern bildete sich erst ein Linksbürgertum im Gefolge der Werterevolution der 60er, dann „hochagile, oft nun religions-, heimat- und familienlose junge Wirtschaftsbürger“, zuletzt eine „neue Wutbürgerlichkeit […] mit neonationalen Einstellungen“.

    Angesichts der so entstandenen Heterogenitäten aber scheut die CDU entscheidungsorientierte Diskussionen über die konstitutiven und hochumstrittenen Wertfragen von Politik und Gesellschaft. Sie fürchtet die Sprengkraft, wenn sich Konservative und Liberale, Traditionalisten und Modernisierer, Globalisierer und Heimatmenschen, Verlierer und Gewinner im Klein- und Großbürgertum über Normen und Ethiken des künftigen Zusammenlebens, also gleichsam auf ein Sinnmenü einigen müssten.

    Die Kernfäule des deutschen Konservatismus läßt sich am Eindringlichsten am Beispiel des Beitrags von Prof. Dr. Andreas Rödder, Professor für Neueste Geschichte zu Mainz, aufzeigen. Seine Krisendiagnose ist auf den ersten Blick vollkommen richtig. Als die Union sich unter Merkel an die vom akademischen postmodernen Dekonstruktivismus ausgehende „Kultur des Regenbogens“ anpaßte, verlor sie die Fähigkeit zur inhaltlichen Debattenführung. Die Reaktion auf diese Regenbogenkultur trifft sie nun völlig unvorbereitet.

    Nur wenn man seinen Text genauer liest – und vor allem liest was dort nicht geschrieben steht! – dann fällt einem auf, daß Rödder die Ideologie des „anything goes“ soweit internalisiert hat, daß ihm politische und gesellschaftliche Trends nichts als Moden sind, die irgendwelche gesellschaftlichen Wünsche ausdrücken, aber ohne größere Konsequenzen bleiben. „Die Kultur des Regenbogens“ kann für ihn negative Folgen haben, etwa wenn eine „kinderlose Unternehmertochter aus München-Bogenhausen“ aufgrund der Frauenquote bei der Besetzung von Aufsichtsräten einem „vierfachen Familienvater aus einer Einwandererfamilie in Berlin-Neukölln“ vorgezogen wird.

    Und freilich kann sie eine Gegenbewegung provozieren, die sich auf die Themenfelder stellt, „auf denen der postmoderne Dekonstruktivismus die kulturelle Hegemonie des Regenbogens bereitet hat“. Es liegt jedoch außerhalb des Vorstellungsvermögens Herrn Prof. Dr. Rödders, daß die Kultur des Regenbogens dem deutschen Staat und Volk an die Substanz gehen könnte. Sein Vorwurf an die Merkel-Union lautet eigentlich auch nicht Anpasserei, sondern, daß sie sich so weit an den Regenbogen angepaßt habe, daß sie zur Anpassung in die andere Richtung nicht mehr fähig sei.

    Dahinter steht jener Konservatismus, der politische Verantwortung gemäß dem Sprichwort auffaßt: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.“ Es kommt hier gar nicht auf die Inhalte politischer Auseinandersetzungen an, sondern nur darauf, daß das Ergebnis ordnungsgemäß und ohne zu abrupte Verschiebungen umgesetzt wird.

    Norbert Lammert brachte dies in der Wahlnacht unfreiwillig komisch zum Ausdruck. Den Einzug der AfD kommentierte er mit dem Satz: „Der Domestizierungseffekt des deutschen Parlaments ist beachtlich.“ Er habe schließlich auch den Grünen einmal zugerufen: „Am Ende hat der deutsche Parlamentarismus euch mehr verändert als ihr den deutschen Parlamentarismus.“

    Lammert zog 1980 in den Bundestag ein und schied mit dem Ende der letzten Legislaturperiode aus. Die Grünen haben in dieser Zeit, erst nur außerparlamentarisch, dann aber auch aus den Parlamenten und Ministerien heraus, die Republik vor sich hergetrieben. Das einzige womit sie dauerhaft gescheitert sind, ist die Reform der Geschäftsordnung. Deren Erhalt und nichts anders hatte Lammert vor Augen, als der die „Erweckungsbewegungen“ verlachte, die sich im Bundestag als „laues Lüftchen“ erwiesen hatten.

    Es ist dem Konservativen kaum begreiflich zu machen, daß man nicht endlos jeder Narretei um zehn Jahre hinterherhecheln und das als Stabilität verkaufen kann.

    Kommentare (13)

    Franz Bettinger
    27. Dezember 2017 01:01

    "... wenn nicht die SPD wieder in die Bresche springt." Das wird sie, aber anders als gedacht.

    Es läuft die GGG, die Ganz Große Gaunerei: Es wird eine von der SPD tolerierte Minderheits-Regierung aus CDU und CSU geben, wobei die SPD offiziell in der Opposition bleibt, heimlich aber mit im Regierungsboot sitzt und vielleicht sogar ihre Minister behält. Wieso keine GroKo? Weil ansonsten die AfD Oppositions-Führerin wäre mit vielen Sonderrechten, z.B. dem Recht, auf jede Rede als erste Fraktion antworten zu dürfen. Die AfD hätte eine größere Bühne. Dies und Partei-Taktik sind die Gründe, weshalb die SPD sich in die Opposition zu verziehen hat. 

    Logisch und ganz natürlich wäre ein Rechts-Bündnis aus CDU-CSU, FDP und AFD - ohne Merkel. Das ist zum Tabu erklärt worden, wie einst Kooperationen der SPD mit den Linken. Die CDU / CSU sitzt nicht aus prinzipiell oder sachlich un-überbrückbaren, sondern aus rein partei-taktischen Gründen in der (von mir so genannten) Lafontaine- oder Ypsilanti- Falle. Es hat bis zum Herbst 2017 eine ungenutzte Linke Mehrheit gegeben. Ab diesem Zeitpunkt gibt es eine ungenutzte Rechte Mehrheit. Der Grund ist verletzter Stolz, einfach ein Teil von Dummheit.   

    Cacatum non est pictum
    27. Dezember 2017 04:15

    Es sind dies die Merkmale des Konservativen unserer Tage, die mich so tiefe Abscheu vor ihm empfinden lassen - ergebenes Hackordnungsdenken, grenzenloser Opportunismus, erschlaffter Kampfeswille, permanente Kompromißbereitschaft, Harmlosigkeit durch und durch. Der perfekte ewige Kriegsverlierer, der sich befehlen läßt, in Sack und Asche zu gehen, solange er nur im Gegenzug der materiellen Befriedigung und des gesellschaftlichen Ansehens teilhaftig wird. Bei der Abwehr einer existentiellen Bedrohung möchte ich solche Leute nicht mal in meiner Nähe haben; ihnen steht der Verrat ins Gesicht geschrieben. Und je mehr ich von diesen traurigen Gestalten sehe, desto stärker wächst in mir die Überzeugung, daß ich als Konservative nur noch Erzkatholiken durchgehen lasse, die für die Herrschaft von Zepter und Krone eintreten.

    Selbstdenker
    27. Dezember 2017 11:55

    Björn Höcke hat es auf der letzten Compact Konferenz auf dem Punkt gebracht. Er sagte... manche Konservative glauben immer noch, das sie zur politischen Elite gehören, merken aber nicht, dass sie der politische Gegner schon lange als Feind markiert hat. Genau so ist es.

    Gespannt kann man wirklich sein,wie sich dieses Theater in Berlin entwickelt. Gäbe es eine GroKo, würde die AFD grösste Oppositionspartei sein ,und somit über Sonderrechte verfügen. Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Katrellparteien sitzen daher in der Falle. Man darf gespannt sein.

     

    Monika L.
    27. Dezember 2017 12:01

    "Ökologie, Regionalkultur, Geschichte....als konservativen Erzählstrang aufzunehmen und in eine mineralisch frische Überzeugungssprache zu überführen....."

    Das  wollte ich auch, als mir  Frühjahr bei einem Pfälzischen Dorffest das Magazin Slow Food ( Febr. Mörz 17) der gleichnamigen Bewegung in die Hände fiel. Mein Auge war angezogen vom Dossier ESSEN IST HEIMAT - Wie Ernährung Identität stiftet...

    Die Lektüre war ernüchternd. Schon im Editorial wurde klargestellt, dass es " die deutsche Küche " gar nicht gibt. Im Inneren  des Heftes erfährt man dann von der Vorsitzenden der Slow Food Deutschland, Ursula Hudson, Kulturwissenschaftlerin, dass es noch nicht mal Heimat gibt, denn: " Heimat ist ein Projektionswort. Jeder kann darin sehen, was ihm beliebt". Der Begriff Heimat erlaubt nämlich " konstruktive Mehrdeutigkeit" . Das ist doch wunderbar, oder ? Ursula Hudson weiter: " Denn gerade rechte Ideologen haben schon immer versucht, den Heimatbegriff für sich zu vereinnahmen. In der Regel geht dies einher mit politischem Katastrophismus." " Die slow food Bewegung dagegen sieht sich  als Teil einer internationalen Gemeinschaft. Unsere Heimat heißt Vielfalt".

    Der Appetit auf Slow foot verging mir ganz beim Beitrag von Anke Klitzing " Großmutters Kohlrouladen oder syrisches Gebäck" . Dort erfahre ich, dass " die Gebrüder Grimm die Idee von Heimat noch an einem tatsächlichen Ort festmachten, dort wo man geboren sei oder seinen bleibenden Aufenthalt habe." Heute dagegen ist es so, dass " Heimat doch dort ist, wo man sich sicher, geborgen und verstanden fühlt  - wo man dazugehört".

    Und ich stelle fest, dass ich meine Heimat zunehmend verliere, denn: Ich fühle mich immer weniger sicher, geborgen und verstanden  - und dazu gehöre ich auch  nicht. Vielleicht verlege ich meinen bleibenden Aufenthaltsort doch in die Fremde, wo wenigstens die nationale Küche als Weltkulturerbe anerkannt ist:

    http://lesekreis.org/2010/11/17/cuisine-francaise-franzosische-kuche-wird-weltkulturerbe/

    Nach einer Flasche Pouilly-Fumé gehöre ich dann auch dazu.....Bonne année..das ist eine mineralisch frische Überzeugungssprache... ein Vaudésir Grand Cru ist mineralisch noch überzeugender...,

    Franz Bettinger
    27. Dezember 2017 12:44

    @ Poensgen:  "Die 'Gesellschaft für deutsche Sprache' hat letztens 'Jamaika-Aus' zum Wort des Jahres gekürt."

    Das Dumm- oder Un-Wort des Jahres für mich ist: "umstritten". Bsp: der umstrittene Verleger G. K., der nicht unumstrittene Journalist Peter Scholl-Latour. Was wäre das Gegenteil? 100% Schulz? Mainstream-Schwimmerin M. Slomka? Der immer korrekte Johannes B. Kerner? Also: ein dümmeres und nichts-sagenderes Wort als "umstritten" kenne ich nicht.

    Lotta Vorbeck
    27. Dezember 2017 14:27

    @Monika L. - 27. Dezember 2017 - 11:01 AM

    "... Und ich stelle fest, dass ich meine Heimat zunehmend verliere, denn: Ich fühle mich immer weniger sicher, geborgen und verstanden  - und dazu gehöre ich auch nicht. ..."

     

    Das geht Ihnen beileibe nicht alleine so ...

    ... und womöglich wollen Sie ja auch garnicht zu dieser seltsamen, mineralisch-frisch überzeugten, vielfältig-einfältigen, syrisches Gebäck verzehrenden Schmierenkomödiantendekadenzstadlschauspieltruppe gehören.

    Hesperiolus
    27. Dezember 2017 16:07

    @ cacatum non est pictum  Albrecht Erich Günther, dessen gesammelte Aufsätze vielleicht ein noch von antaios zu erhoffendes Desiderat wären, hat zwar das Konservative (naturrechtlich-universalistisch?) pointiert als " nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem was immer gilt", aber inzwischen wäre das wohl nur noch reaktionär auf der Zeitachse einzuholen. In der Tat sehe ich als unwiederbringliche legitime Bezugsgröße des Abendlandes nur den konstantinischen Äon, das Reich bis (1789-) 1803/1806 (-1918), heilig und römisch. Rotarierschriften, zweifellos interessant und aufschlußreich, würde ich unbedingt lesen, aber nur mit mentalen Handschuhen anfassen. Ist das metallene Zahnrad nicht ein antikonservatives Symbol schlechthin! Entschleunigung, katechontische Verlangsamung, letztlich techno-zivilisatorische Demobilisierung im Sinne auch Achim von Arnims "daß Deutschland nicht so verwirtschaftet werde, sei unser Bemühen" (nach Klages "Mensch und Erde"), halte ich für eines der im Grunde not-wendigsten, machtpolitisch aber nicht oder nur imperial umsetzbaren , wenn auch immer wieder mit innerer Empörung gegen die MINT-Eiferer in den rechten Reihen zu erinnerndes, Anliegen

    Der_Jürgen
    27. Dezember 2017 17:41

    Erstaunlich, mit welcher Reife und Abgeklärtheit der junge Poensgen das Elend der Konservativen analysiert. Er trifft mit seiner Kritik an diesen voll ins Schwarze.

    Es liegt in der Natur des Konservativen, dass er vor radikalen Rezepten zurückschreckt und sich eine wirkliche Alternative zum heutigen System einfach nicht vorstellen kann. Er will die gröbsten Absurditäten und Ungerechtigkeiten der gegenwärtigen Ordnung beseitigen, diese selbst aber nicht antasten. In anderen Worten, er gibt sich mit kosmetischen Verbesserungen zufrieden.

    Auch auf diesem Blog melden sich sehr häufig ehrbare, intelligente und gebildete konservative Menschen zu Wort, die den absonderlichsten Illusionen anhängen, etwa der, die CDU/CSU werde wieder zu den Werten von Alfred Dregger und Franz Josef Strauss zurückkehren (dass die Union nie ernsthaft versucht hat, deutsche Politik zu betreiben, sondern es lediglich geschickt verstand, nationale Deutsche mit patriotischen Parolen zu ködern, sehen sie nicht, oder sie wollen es nicht sehen). Sie reden einer Koalition zwischen einer entmerkelten CDU, der FDP und der AFD das Wort, ohne zu begreifen, dass die AFD, um mitregieren zu dürfen, dermassen grosse Abstriche an ihrem Programm machen müsste, dass sie dann eben keine "Alternative" mehr wäre.

    "Jeder Schlufi nennt sich heute konservativ", schrieb der unvergessene Armin Mohler schon vor Jahrzehnten treffend. Deshalb fände ich es besser, wir würden uns nicht als "Konservative", sondern einfach als "Rechte" bezeichnen.

     

    Lotta Vorbeck
    28. Dezember 2017 09:41

    @Franz Bettinger - 27. Dezember 2017 - 11:44 AM

    Das Dumm- oder Un-Wort des Jahres für mich ist: "umstritten". Bsp: der umstrittene Verleger G. K., der nicht unumstrittene Journalist Peter Scholl-Latour. Was wäre das Gegenteil? 100% Schulz? Mainstream-Schwimmerin M. Slomka? Der immer korrekte Johannes B. Kerner? Also: ein dümmeres und nichts-sagenderes Wort als "umstritten" kenne ich nicht.

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    Der "Ihr müßt mal Maddin rufen" Mr. Chultz ist selbstverständlich ebensowenig "umstritten", wie das stammelnde, längst abgehalfterte, einstige Tennis-Talent, welches eines seiner Kinder angeblich in der Besenkammer eines Londoner Luxushotels zeugte.

    Leute, die in schönstem BRD-Dummsprech, medial bis in den hintersten Winkel des Landes transportiert als "umstritten" ettikettiert werden, befinden sich in einer Art Vorstadium des-endgültig-zum-Paria-erklärt-werdens.

    Und es geht - wie immer - gar noch einen Tick dämlicher, nämlich unter Verwendung von "ein Stück weit".

    Eine x-beliebige Fahrt mit dem ICE reicht aus, um hochkarätige, buntländische Sprachdiamanten, wie beispielsweise "der ein Stück weit umstrittene Abgeordnete Jan Timke" zu vernehmen ...

     

     

     

     

     

    S.J.
    28. Dezember 2017 11:38

    Um die politische Rechte mache ich mir eigentlich keine Sorgen (auf die ist im Zweifelsfall Verlass) und frage mich, was diese Kategorisierungsversuche in „Rechte“, „Konservative“, „Mode-Konservative“ oder „Salon-Konservative“ letztlich bereitstellen sollen. Es werden doch wohl nicht Orden oder Titel verliehen? Kummer bereiten beispielsweise symptomatische Schlagzeilen wie die von heute auf „N24-Welt“, ich zitiere gleich von der ersten Internetseite am 28.12.2017 ganz oben um etwa 10 Uhr: „Wenn die Regeln erodieren, erodiert der Staat. Immer häufiger senden Kommunen Hilferrufe, weil sie mit kriminellen oder gewalttätigen Flüchtlingen nicht fertig werden.“ Ein Kommentar von Wolfgang Büscher; gleich darunter ein „Welt+“-Artikel von Adrian Arab (sic!): „‘Ich hasse Araber.‘ Gewalt unter Flüchtlingen“. Während sich also die politische Rechte wieder einmal mit sich selbst beschäftigt, bekommen es die Deutschen nicht hin, Ordnung im Staat zu halten und sich mehrheitlich für ein Prinzip auszusprechen: Alles, was einen Staat ausmacht und von Karl Albrecht Schachtschneider mit dem „Recht auf das Recht“ der eigentlich souveränen Bürger so einleuchtend zusammengefasst wurde (in meinen Augen viel besser als Carl Schmitt), geht gerade den Bach herunter. Das ist das Problem. Etwa 80% der Bürger haben – salopp formuliert – keinen Pepp mehr. Die Leute schleppen sich (wenn überhaupt) zur Wahlurne und werfen dort allen Ernstes ihre Stimme für dieses groteske „Ancien Régime“ ein. Der Verlust der Bürgerlichkeit und der Staatlichkeit im Sinne Schachtschneiders.

     

     

     

    Lotta Vorbeck
    28. Dezember 2017 13:21

    @S.J. - 28. Dezember 2017 - 10:38 AM

    ... Kummer bereiten beispielsweise symptomatische Schlagzeilen wie die von heute auf „N24-Welt“, ich zitiere gleich von der ersten Internetseite am 28.12.2017 ganz oben um etwa 10 Uhr: „Wenn die Regeln erodieren, erodiert der Staat. Immer häufiger senden Kommunen Hilferrufe, weil sie mit kriminellen oder gewalttätigen Flüchtlingen nicht fertig werden.“ 

    ... 

    Während sich also die politische Rechte wieder einmal mit sich selbst beschäftigt, bekommen es die Deutschen nicht hin, Ordnung im Staat zu halten und sich mehrheitlich für ein Prinzip auszusprechen: Alles, was einen Staat ausmacht und von Karl Albrecht Schachtschneider mit dem „Recht auf das Recht“ der eigentlich souveränen Bürger so einleuchtend zusammengefasst wurde (in meinen Augen viel besser als Carl Schmitt), geht gerade den Bach herunter. Das ist das Problem. Etwa 80% der Bürger haben – salopp formuliert – keinen Pepp mehr. Die Leute schleppen sich (wenn überhaupt) zur Wahlurne und werfen dort allen Ernstes ihre Stimme für dieses groteske „Ancien Régime“ ein. Der Verlust der Bürgerlichkeit und der Staatlichkeit im Sinne Schachtschneiders.

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    Wie Sie zutreffend feststellen: Bei 80% - womöglich gar noch ein paar Prozent mehr - der Buntlandinsassen ist schlichtweg die Luft raus. Die leben just ihr konformistisch-saturiertes BRDler-Leben weiter, obwohl die einstige Heimat partiell bereits lichterloh in Flammen steht.

    All das, was Sie beschreiben, läßt sich in einem einzigen Wort subsumieren: ENDZEITSYMPTOME

    Cacatum non est pictum
    28. Dezember 2017 16:53

    @S.J.

    Die Fundamente unseres Staates bröckeln in der Tat. Den globalistischen Kräften kann das nur recht sein. Sie werden seine Überreste dem neuen eurozentralistischen Monstrum einverleiben wollen. In der aktuellen Ausgabe von Compact ist ein interessantes Interview mit dem jungen belgischen Historiker David Engels abgedruckt, der diesen Prozeß - analog zu den Ereignissen, die den Niedergang der Römischen Republik eingeleitet und zur Begründung einer zentralistisch-autoritären Staatsform, dem Kaiserreich, geführt haben - für unabwendbar hält. Hoffen wir, daß er sich irrt. Die von Ihnen beschriebene aktuelle Haltung der meisten Deutschen und Europäer scheint ihm allerdings recht zu geben.

    Lotta Vorbeck
    29. Dezember 2017 02:44

    @Cacatum non est pictum - 28. Dezember 2017 - 03:53 PM

    Die Fundamente unseres Staates bröckeln in der Tat. 

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    Die meisten Deutschen würden schließlich nicht einmal für das Land kämpfen, in dem sie schon länger gut und gerne leben und in dem die Welt zu Gast bei Freunden ist. In einer Gallup-Umfrage anno 2015 erklärten nur 18 Prozent der befragten Krauts, dass sie bereit wären, ihr Land zu verteidigen (ein paar Vergleichszahlen: Marokkaner 94 Prozent, Pakistanis und Vietnamesen 89 Prozent, Finnen 74 Prozent, Türken 73 Prozent, Israelis 66 Prozent, Russen 59 Prozent, Amis 55 Prozent; nur Japaner und Niederländer zeigten sich noch verteidigungsunwilliger). 

    Quelle: Klonovskys Acta diurna, Eintrag vom 25. Dezember 2017

     

     

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