Sezession
22. November 2017

#menot

Ellen Kositza / 39 Kommentare

Frau Greer ist eine der Mütter des zeitgenössischen Feminismus. Ihre Vision – schon vor Jahrzehnten offenbart - meinte sie nicht apokalyptisch, sondern im Sinne einer hoffnungsvollen Ahnung.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Ich halte es für möglich, daß der (Alp-)Traum in Erfüllung geht. Ich tät‘ noch ein paar Attribute zwecks Präzision ergänzen: Dieses Offensivheer wird aus weitgehend kinderlosen, ressentimentgeladenen (vulgo: frustrierten) Frauen bestehen.

Wie komme ich darauf?

Ein paar Tage, nachdem das #metoo-Gewitter losgegangen war, fühlte ich mich schon behaglich. Großartige Wetterlage für eine Romantikerin meines Schlags, wenn zwei Gewitterfronten aufeinander zurollen:  Überall wurde doch tüchtig und souverän dagegengedonnert!

Als ich mich etwas später, es gewitterte noch immer (und tut es grad noch), umschaute, merkte ich, daß ich mich in einer der berüchtigten Echokammern befand. Blitzgescheite Geschöpfe wie Nina Proll, Birgit Kelle oder Anabel Schunke haben vielleicht die Produktionsspitzen der Frau-als-Opfer-Industrie auf den Boden geholt. Aber die Maschine an sich ist ziemlich unempfindlich.

Ich hatte wirklich das Gefühl gehabt, daß die Heulsusenschar mit dieser Ich-bin-auch-schon-mal-anzüglich-angegrinst-worden-Masche den Bogen nun derart überstrapaziert hatte, daß man nur noch von Selbstentlarvung sprechen könnte.

Nun sah ich mich im weiteren Verlauf dieser Hysteriedebatte eines Besseren belehrt. Im Erziehungsfunk tun sie so, als müsse man diese bleierne Decke namens „Patriarchat“ endlich mal anheben. Als würde jetzt langsam deutlich, was Männer Frauen seit Jahrtausenden antun.

Daß der Begriff der „sexualisierten Gewalt“ äußerst (ich würde sagen: extrem) dehnbar ist, wurde mir durch eine „Talkrunde“ im Staatsfunk beigebracht, ausgerechnet von einem, der sich als Anwalt der Männer versteht.

Ich zitiere aus dem Gedächtnis. Der sensible Schriftsteller Ralf Bönt (Das entehrte Geschlecht. Ein notwendiges Manifest für den Mann) gab zu bedenken, daß es immer noch Männer seien, die am meisten unter Gewalt litten. Eine Studie habe ergeben, daß KfZ und Busse im Stadtverkehr fahrradfahrende Männer mit geringerem Abstand überholten als fahrradfahrende Frauen.

Der Moderator warf ein, das sei sicher schwer bedenklich, aber vielleicht nicht unter „sexualisierter“ Gewalt zu verstehen? Bönt beharrte, zumal dieser Sicherheitsabstand dezidiert zu fahrradfahrenden Männern kleiner sei, dürfe man diese Form von Gewalt durchaus als sexualisierte betrachten.

Auffällig in diesem Talg war für mich weiterhin, daß eine andere Podiumsgästin, eine Gender-studies-Professorin, in bezug auf sexuelle Belästigung strikt von TäterInnen sprach – immerhin konsequent!

Gut. Wir halten fest: Nach offiziösem Dafürhalten hat „sexualisierte Gewalt“ nicht notwendig etwas mit koitalem Begehren zu tun. Es sei ein „strukturelles Problem“: Männer wollen Macht ausüben über Frauen.

Eventuell üben also selbst jene Busfahrer Macht aus, indem sie mit ihrem Mega-Überholschwenk zugunsten fahrradfahrender Frauen nonverbal und paternalistisch signalisieren: „Schätzchen, dein Leben verdankst du meiner Achtsamkeit!“ Man muß die Sachlagen nur richtig deuten.

Michael Klonovsky unkte kürzlich: „In mindestens jedem zweiten Fall ist die Klage über Sexismus bloß eine Chiffre des Sichbegehrtfühlenwollens seitens derer, die nicht begehrenswert sind.“

Im ersten Moment dachte ich: wie?, im zweiten wußte ich, daß Klonovsky hier die VerschwörerInnen beim Schopf packt.  Es geht um das, was Nietzsche in seiner Genealogie der Moral und in seiner Beschreibung des „Ressentiments“ als „Tartüfferie“ bezeichnet hat. Zu deutsch: Heuchelei.

Damit bin ich beim Heer der grauhaarigen Frauen und dem Stellvertreterkampf, den sie führen.

Das #metoo-Gezeter wäre dann nur vordergründig ein Kampf gegen „diese (macht)geilen Männer“. In Wahrheit wäre es ein Aufschrei der abgehängten Schichten. Im Genderfall sind dies nun diese bejahrten Frauen, nach denen kein Hahn (heißt: kein Mann, kein Enkelkind) kräht. In jedem Krieg gibt es Anstifter (meist ältere, erfahrene) und solche, die die Sache dann ausfechten.

In diesem Fall liefe es, frei nach Nietzsches Ressentimenttheorie, so: Die Alten ärgern sich, daß sie keine Rolle mehr spielen. Die Attraktivität der Jüngeren macht ihnen klar, daß ihnen definitiv das Abstellgleis zugedacht ist. Das darf nicht sein.

Das, was die Jüngeren zu bieten haben, sei demnach hohl und ausbeutbar. Darum müssen die nun begreifen, daß sie nur als Objekte männlicher Gier fungierten. Die Botschaft ist offenkundig angekommen.

Noch vor wenigen Jahren nämlich lautete die Klage der alten, weißen Frauen geradezu andersherum: „Keiner nimmt uns mehr wahr! Die Frau ab 40, spätestens 50, ist unsichtbar geworden!“

Ich erinnere an folgendes: 2014 veröffentlichte die ehemalige Chefredakteurin der taz, Bascha Mika, eine Klageschrift des Titels Mutprobe. Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden. Mika ärgerte sich darüber, daß Frauen in der Lebensmitte plötzlich „unsichtbar“ werden, sprich, kein Aufsehen per se erregen.

Es sei außerdem nicht so, „dass ältere Männer sich nur deshalb mit jüngeren Frauen zusammentun, weil sie wieder eine Familie möchten. [Mika ist kinderlos, E.K.] Die wollen von den jungen Frauen etwas ganz anderes.“

Daß Frauen mit deutlich jüngeren Männern hingegen selten ein Paar ergäben, läge allein am „gesellschaftlichen Tabu.“: „Es ist eine Frage der Macht, nicht der Biologie.“ Mika wolle „selbstverständlich“ nicht von einem jüngeren Mann verlangen, „dass er mich attraktiv findet. Aber: Was wir attraktiv finden, fällt nicht vom Himmel. Unser Begehren folgt einem Muster, das aktiv gesellschaftlich gestaltet wird.“

Im gleichen Jahr, 2014, klagte es in der Brigitte aus dem Mund einer Mittelalterlichen:

Auf der Straße lassen Männer den Blick gleichgültig über uns hinweggleiten, drängeln uns womöglich beiseite: ›Tschuldigung, hab Sie gar nicht gesehen.‹ In einer Runde am Tisch werden meist nur die jungen Frauen angesprochen und interessiert ausgefragt, von uns will keiner etwas wissen. Flirten? Doch nicht mit der Alten. Wir sind es leid.

Dazu, ebenfalls in der Brigitte, ein Leidensbericht einer weiteren Betroffenen (unter vielen):

Neulich war ich wieder mal in Rom, nach zehn Jahren das erste Mal. Saß stundenlang auf der Piazza, ging Schuhe shoppen, nett essen –und niemand guckte mich auch nur an. Fand ich doch irritierend. Ich habe mir plötzlich gewünscht, irgendein Italiener würde mir wenigstens einen heißblütigen Blick zuwerfen. Das, was mich früher genervt hat, fehlte mir plötzlich.

Oder dies:

Ich musste mich nie anstrengen, was Männer anging. Lief immer in lässigen T-Shirts und Jeans rum und wickelte die Kerle trotzdem um den Finger. Irgendwie ist das vorbei. Die T-Shirt-Nummer zieht nicht mehr. Lauter schicke Klamotten habe ich mir zugelegt, mit großen, auffälligen Mustern, und ein paar richtig tolle Designerstücke. Da gucken mir schon ein paar Männer hinterher, aber es sind so flüchtige Blicke. Das ärgert mich, weil ich das Gefühl habe: Jetzt hast du als Accessoires ein paar Falten im Gesicht, und schon passt ihnen das Gesamtbild nicht mehr. Und ich bin wütend auf mich selbst, weil ich mich extra anders anziehe, damit andere mich wieder wahrnehmen. Das sollte mir doch eigentlich nicht wichtig sein - aber es ist eben doch wichtig für mein Gefühl als Frau.

Oder schauen wir ganz weit zurück, nämlich in eine Spiegel-Ausgabe von 1984:

Ich bin unsichtbar geworden", klagt eine attraktive und gebildete Hamburgerin. Wenn sie ein Restaurant betritt, dreht sich niemand mehr nach ihr um. Das herrschende Schönheitsideal, dem sie so lange gehuldigt haben, wird für diese Frauen zur Bedrohung: Sie fühlen sich über Nacht als Muster ohne Wert.

Oder zur ehemaligen „Sexbombe“ Brigitte Bardot, die schon vor Jahrzehnten Strandspaziergänge mit ihren Hunden tagsüber vermied, um die "scheußliche Darbietung von bonbonrosa Fleisch" nicht sehen zu müssen.

Oder blicken wir auf jüngere Klagen und nehmen wir das Buch von Monika Bittl und Silke Neumayer Ich hatte mich jünger in Erinnerung. Lesebotox für die Frau ab 40 zur Hand, das seit Monaten als Beststellerstapelware in den Buchhandlungen liegt: Darin nicht nur Sexphantasien mit einem Boy (unter anderen geschlechtlichen Vorzeichen kaum denkbar), sondern auch die gängige Klage: „auf dem Nachhauseweg pfeifen einem nicht einmal mehr die Bauarbeiter hinterher.“

Oder nehmen wir jene Lady, die unter dem erzkühnen Titel mama-arbeitet.de bloggt:

Es ist schockierend, aber wirklich so, dass ich seit 14 Jahren das Gefühl habe, dass mich die Männer nicht mehr sehen. Nun bin ich schon 4 Jahre getrennt und natürlich nicht mehr knackfrisch, aber ein Mann in meinem Alter hört ja auch nicht auf, zu flirten. Nur flirten die leider nicht mit mir.

Da ich mich für Männer meines Alters nicht interessiere (mein Ehemann war 8 Jahre jünger als ich), würde mir das auch nichts nützen, aber mich wundert, dass nicht einmal ältere Herren versuchen, mal ein wenig keck zu sein. Und sagt nicht, es liege daran, dass ich ja gar nicht offen sei und das auch so ausstrahle. Doch, ich habe Lust, zu flirten. Aber keiner spielt mit mir! Ich habe den ganz bösen Verdacht, dass das ein strukturelles Problem ist.

Merke: Affirmativ beachten – falsch. Nichtbeachten – auch falsch. Was wäre eigentlich richtig: Ein roboterartiger Dialog „auf Augenhöhe“ von Fachmensch zu Fachmensch?

Gerade kuratiert Sabine Fellner in Wien eine Ausstellung zur „Kraft des Alters“. Im Interview mit dem Bildungsfunk wendet sie sich „ausdrücklich gegen Jugendwahn, Anti-Aging und Forever Young“:

Das Problem unserer Gesellschaft liegt darin, dass Alter nicht als normaler Lebensabschnitt wahrgenommen wird, wie Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, sondern ausgeblendet wird. Und durch dieses Ausblenden fehlen unserer Gesellschaft kraftvolle Vorbilder, wie man Alter leben kann. Vor allem Frauen fehlen diese Vorbilder, weil Frauen ab 50 überhaupt aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.

Zehnsekundenbrainstorming zum Thema „Frauen ab 50 in der öffentlichen Wahrnehmnung“, vollführt von einem Hirn, das hauptsächlich Mainstreammedien konsumiert: Angela Merkel, Christine Lagarde, Vivienne Westwood, Madonna, Jil Sander, Liz Mohn, Maria Furtwängler, Andrea Berg, Karin Göring-Eckard, Hillary Clinton…

Ich will nicht verschweigen, vor welchem Bild der Staatsfunkbeiträger und seine Interviewpartnerin dabei stehen. Es ist ein künstlerisch hochwertiges Ölgemälde von Aleah Chapin und zeigt gemäß männlich- jugendlicher Moderatorenstimme „ein Fest des Alters: Sieben nackte Frauen - kräftige, stolze, alte Frauen - liegen da verschlungen auf einer Wiese. Sie berühren einander, sie lachen, sie reißen neugierig die Augen auf - kurz: Sie feiern das Leben und ihre grauen Haare.“

Warum streckt die zugegeben gutundschöngealterte Frau in der Mitte wohl so phallusgleich-triumphierend in die Höhe? Ich kann’s nur raten. Sie hat #metoo gesagt, und nun kugeln sich die Damen vor Lachen.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (39)

Der Gehenkte
22. November 2017 16:42

Gewöhnlich nerven mich diese schnellen Zuordnungen links-rechts, weil wir, wie Lichtmesz/Sommerfeld mehrfach betonen, eben Mischwesen sind und vermutlich mehr, als unserem Bewußtsein lieb sein kann.

Bei dieser sensiblen Materie schiebt sich die Dichotomie jedoch wie von selbst vor den analysierenden Verstand.

Ein wesentliches Signum des Konservativen ist doch, das Unabänderliche, das Natürliche, das Prozessuale, das Werden (wie es Deleuze etwa wunderbar beschrieben hat - gerade im Zshg. mit Nietzsche) anzuerkennen und es sogar zu affirmieren. Wer das kann, wem das aus dem inneren Kern vorreflexiv herausströmt, der ist rechts, ganz gleich, welche politische Ansicht er sich übergestülpt hat. Dagegen wollen die Linken einen status quo meist nicht anerkennen. Sie wehren sich auch gegen das Naturgesetzliche, sie wollen verändern udn verbessern, was nicht zu verbessern ist. 

Freilich, auch mir (als Mann) gefallen die jungen Körper - aber man lernt doch auch die Schönheit des Vergehenden - das man ja schließlich an sich selbst beobachtet - zu schätzen. Auch optisch. Auch erotisch. 

Ich habe mir schon früh angewöhnt, zu lauschen, wenn Frauen sprechen, weil bereits aus der weiblichen Stimme ein Mysterium herausklingt, das zu ergründen jedem Manne gut zu Gesicht stünde. Die Begrifflichkeit des Patriarchats halte ich durchaus für sinnvoll und ich sehe es auch als Wesensbestanteil der exterministischen Logik. Je älter die Frauen, je weiser (im günstigsten Fall) um so attraktiver werden sie. Ihre Stimmen wurde - wie ihre Körper - tatsächlich über Jahrtausende "von den Männern" unterdrückt. Die Frage ist, was dieses "von den Männern" bedeutet und wie es zustande kam.

 

Gustav Grambauer
22. November 2017 17:24

Ich war mir 2013 noch nicht ganz sicher, aber jetzt ist es klar, es zeigt sich ein Tavistock-Muster der Ablenkung als Taktik der psychologischen Kriegführung.

Damals bei #Aufschrei / #Himmelreich / Brüderle ging es um die Paralysierung der Volkswut über die hochkochenden Pädo-Skandale bei den Grünen. Genau an dem Punkt sind wir gerade in diesen Tagen wieder. #meetoo wurde im Oktober auf dem Höhepunkt der Weinstein-Affäre gezündet. Bei Weinstein, so lese ich gerade im Bus vom Flachbildschirm (sic!) ab, geht es jetzt nur noch darum, wieviele Frauen ihn jetzt wegen irgendwelcher pc-Banalitäten "jagen". Die PsyOp ist ein voller Erfolg. Von den Kindesschändungs-Vorwürfen redet niemand mehr ...

- G. G.

Corax
22. November 2017 17:28

Hadmut Danisch kommt zu einer ganz ähnlichen Schluss wie Sie.

 

In dieser Diskussion neige ich dazu, einmal wieder Gustav Grambauer zuzustimmen. Der Geruch eines der üblichen Ablenkungsmanöver ist zu deutlich. Zwar gehe ich jetzt nicht davon aus, dass von irgendwelchen Pädo-Sachen aktuell abgelenkt werden soll (es gibt genug Anderes, wovon aus interessierter Sicht abgelenkt werden MUSS), aber dennoch ist die Faktenlage doch eine andere, als die Metoo-Kampagne darstellt. Nach offiziellen Daten werden auf der Welt derzeit jede Minute 157 Kinder geboren. Wenn man einmal Umstände wie Verhütung, die Vielzahl an Tagen, an denen es nicht klappt, Abtreibungen, Aborte, Perversionen aller Art etc. dazuzählt damit es überhaupt zu so einer stolzen Zahl an Geburten kommen kann, dann haben wir es faktisch wohl mit einer dauerkopulierenden Humanbevölkerung auf dieser Welt zu tun. Dumm nur für die, die nicht dazu gehören, aber die Lektüre von "Ausweitung der Kampfzone" von M. Houellebecq klärt uns auch hier über mögliche Ursachen auf.

Arm finde ich die Argumentationen des von mir oftmals sehr geschätzten H. Danisch, die zugespitzt formuliert darauf hinauslaufen, dass nur häßliche, chronisch unterf ... Frauen via metoo und Feminismus ihre Rache dafür ausleben. Das ist dann doch etwas zu billig und vor allem eine uralte Argumentation. Ein ordentliches "Durchbumsen" würde die Damen sicher nicht von ihren Ansichten kurieren, auch wenn der männliche Dauerstammtisch diese These seit mindestens 100 Jahren diskutiert.

Das Problem ist meines Erachtens nicht metoo, welches tatsächlich auch existierende sexuelle Ausbeutung und Gewalt schlicht banalisiert und damit eigentlich eher kontraproduktiv ist sondern eher, dass spätestens seit dem nach Worten für seine Entdeckung des Unterbewussten ringenden Sigmund Freud alles irgendwie sexualisiert wird bzw. menschliches Verhalten in all seinen unendlichen Facetten sexuell konnotiert wird. Kein Wunder, dass dann Menschen sich heutzutage zu stark über Sex definieren. Waren früher Schwule schlicht und ergriffen kleine Perverslinge, die ihre Lust entsprechend dezent auslebten (und woran sich dann im Ergebnis die Masse der Bevölkerung auch nicht ernsthaft störte), wird heutzutage ein ganzer "Lifestyle" daraus zelebriert, vermutlich deshalb, weil man damit dann eine neue "Zielgruppe" für Marketingmaßnahmen aller Art kreieren kann.

Wie auch immer, früher war man eventuell verklemmter, aber in der Beziehung zwischen Mann und Frau gab es zumindest nach damaligen Maßstäben anerkanntermaßen noch mehr als das gute alte Rein-Raus-Spiel, genannt SEX, sondern auch Erotik und vor allem Liebe und man trennte diese Faktoren nicht künstlich auf oder marginalisierte nicht eine oder mehrere der Komponenten zu Gunsten der Darstellung einer einzigen (heutzutage schlicht "Sex"), wie in der Biologie/Zoologie bei der Betrachtung der Fortpflanzung der Arten.

Gut, wer aber vom Affen abstammen will, der verhält sich auch meistens wie ein solcher.

 

Valjean72
23. November 2017 09:43

@Gustav Grambauer: "... #meetoo wurde im Oktober auf dem Höhepunkt der Weinstein-Affäre gezündet. [...] Die PsyOp ist ein voller Erfolg. Von den Kindesschändungs-Vorwürfen redet niemand mehr ... "

---

Klingt schlüssig, zumindest kam mir auch schon der Gedanke. Und schliesslich ist Weinstein ja kein Einzefall in diesen Kreisen, wie beispielsweise die Daily Mail berichtete (hier)

"Top investment fund manager for George Soros who was featured in Liar's Poker 'ran human trafficking enterprise in which he raped, electrocuted and imprisoned women in NYC sex dungeon', lawsuit claims"

Auch hatte die Fake-News-Welle, also das rauf- und runterbeten dieses neuen Schlagwortes in den Mainstreammedien "Pizza-Gate" überdeckt.

 

Bran
23. November 2017 13:59

Stimme Grambauer zu.

Justement zu dem Zeitpunkt, zu dem Corey Feldman wieder einmal davon sprechen wollte, was er und andere Kinderstars erleiden mussten (Elijah Wood tönte es auch einmal an und machte dann wieder einen Rückzieher), wurde seine Stimme von dem ganzen metoo-Getöse flachgewalzt und der gesamte Komplex der organisierten Pädophilie wird weiterhin schön brav totgeplaudert mit ach so schröcklichen Geschichten darüber, wie der Hansel mal der Gretel ans Knie fasste.

Dieses Muster wiederholt sich ständig und es ist jedes Mal wieder von Neuem erstaunlich, wie Berührungen mit diesem Thema entweder still begraben, ausgesessen oder dann mit neuen Sensationen übermalt werden.

Dutroux wurde ausgesessen, Savile sickerte langsam aus den Medien als immer klarer erkennbar wurde, in welche gesellschaftlichen Kreise sein Fall hineinreichte, Jeffrey Epstein wurde als Randnotiz behandelt, Pizzagate wurde einhellig, ohne jegliche Begründung, als Fake-News abgetan.

Die ganze Sache beschränkt sich nicht nur auf Hollywood, sondern reicht weit in internationale elitäre Kreise hinein. Weinstein ist einfach der Sündenbock, der geschlachtet wird, ob seiner Verfehlungen, die aber bei weitem nicht an die wirklichen Abgründe in diesen Kreisen heranreichen. Metoo ist dann schlussendlich noch der Löschsand, der über alles drübergeschüttet wird, bis man die Brandquelle nicht mehr erkennen kann.

Die Elite dieser Welt besteht nicht einfach nur aus Wahnsinnigen. Es sind bösartige Wahnsinnige und sie dienen dem Fürsten dieser Welt.

Dies ist das Kali Yuga.

 

S.J.
23. November 2017 14:42

Interessant an der Metoo-Diskussion sind auch der Zeitpunkt und die Intensität, mit der sie in Deutschland geführt wird. Rüpelhafte Typen mit dümmlichen oder herabwürdigenden Sprüchen gegenüber Frauen kennt man ja leider schon länger. Die Summe der Schlagzeilen über Gewalttaten an Frauen seit zwei Jahren ist hingegen von anderer Qualität und es stellt sich die Frage, ob die Flut der Artikel und Beiträge zum Thema „Metoo“ nicht eine Art Ventilfunktion für ein allgemeines, aufgestautes Gefühl der Ohnmacht abgeben sowie den bislang vergeblichen Wunsch ausdrücken, dass die Frauen weit mehr politisch-gesellschaftlichen Schutz brauchen, ihn aber nicht bekommen. Interessant ist gleichfalls, dass die Politik in dieser Hinsicht keinen guten Eindruck hinterlässt, aber die Sexismus-Debatte mit einer Ersatzhandlung befeuert, indem – wie gerade in England – gleich in Serie Politiker weit vor Beginn einer klärenden Untersuchung entlassen werden, es angeblich sogar ominöse Listen gibt mit Namen von Politikern, über denen nun die Hexenhammer-Vokabel des sexuellen Übergriffs hängt.

Altbayer
23. November 2017 15:48

@ Der Gehenkte:

Ich finde mich stellenweise in ihrem Kommentar wieder. Auch ich finde es interessant Frauengesprächen zuzuhören. Persönlich sehe ich aber einen Unterschied je nach Altersgruppe:

1. Gruppe: 20 bis ca. 30 Jahre:

- Gespräche eher mode- und lebensstilorientiert

- verbindlich im Tonfall, also eher zahm denn stutenbissig

2. Gruppe: 40 bis 60 Jahre:

- Gespräche thematisch lebensstil- aber auch oft politisch orientiert 

- ein sehr oft viel bissiger und aggressiverer Tonfall als bei anderen Altersgruppen

3. Gruppe: ab 75 Jahren:

Interessanterweise von der Tonlage her entweder näher an Gruppe 1 oder an Gruppe 2. Ich könnte nicht sagen, was da anteilsmäßig überwiegt.

Um da wieder auf Ihren Kommentar zurückzukommen folgendes. Mir ist das jetzt erst so klar geworden, als ich Ihren Kommentar gelesen habe. In den letzten Wochen ist mir das jetzt zwei Mal passiert, als ich ein Yoga-Studio besucht habe, dass da jeweils eine Frauengruppe aus Kategorie 2 war, deren Tonfall mir zuwider war. Mir ist das vorher nie so klar gewesen. Da hatte ich zwei Mal den Eindruck eine Handvoll verbitterter Geschöpfe vor mir zu haben, die die Unzufriedenheit über ihr Leben geradezu hysterisch der Umwelt mitteilten. Vielleicht weil sie merken, dass sie sich falsch entschieden haben. Das sehe ich so bei anderen weiblichen Altersgruppen nie. Eben diese Damen sehe ich gerade wieder vor meinem geistigen Auge, wenn ich Frau Kositzas Brigitte-Zitate lese.

Maiordomus
23. November 2017 17:01

.@ Kositza/Monika. Die 7 nackten Frauen von Aleah Chapin, die man nach dem Drücken auf die Linktaste eher als eine Foto denn ein angeblich "künstlerisch hochwertiges Ölgemälde" realisiert, erinnern mich an ungefähr ebenso viele griechische Matronen, die ich zusammen noch mit zwei mitreisenden Camping-Kollegen, im Oktober 1969 beim damals noch freiliegenden Warmwasserweiher in der Morgenfrühe beim Baden überraschte, beziehungsweise diese 7 Frauen uns. Sie waren freilich nicht nackt, trugen wohl wie schon ihre Urgrossmütter Lendenschürze, sonst aber oben ohne. Die einzige Junge und aus unserer studentischen Sicht Attraktive ging nicht ins Wasser, sondern stand züchtig vollbekleidet neben dem Weiher, während die Grossmütter uns katholischen Studenten aus der Schweiz, die etwas verlegen wirkten, fröhlich zuwinkten, wir sollten ungeniert doch als Schlachtfeldbesucher auch ins Wasser kommen. Ihre gigantischen Posturen einschliesslich der grossen hängenden junonischen Brüste in der Art von Zeusgattin Hera und ihre "Kuh-Augen", ein Ausdruck des von uns geliebten Homer (für Hera), blieben in unvergesslicher Erinnerung. Wobei der Ausdruck "Kuh-Augen" heute sicher nicht mehr politisch korrekt wäre, vielleicht müsste es mal eine Homer-Übersetzung in "gerechter Sprache" geben, analog zur feministischen "Bibel in gerechter Sprache". Ehrlich gesagt kommen mir jedoch die geschilderten griechischen ländlichen Matroninnen (sie werden unterdessen wohl meistenteils verstorben sein wie der von ihnen durchaus geschätzte damalige Minister General Stylianos Pattakos) in der Erinnerung authentischer vor als die ihre Unverklemmtheit demonstrierenden Aleah-Chapin-Weiber. Ich vermute sogar, dieser Klick hat bei @Monika, die doch sonst meist mit Ellen Kositza mehr oder weniger übereinstimmt, aus nicht unbegreiflichen Gründen Ärgernis erregt. Die Meinung Schopenhauers, nur ein völlig verblendeter männlicher Geschlechtstrieb könne in der Frau "das schöne Geschlecht" erkennen, wird auf diesem Gemälde - wohl unfreiwillig - teilweise illustriert, wobei die dargestellten Weiber immerhin nicht gerade als das "schwache Geschlecht" wirken. Andererseits wirkten ältere Herren mit Glatze und Bierbauch, wie ich sie etwa vor 40 Jahren an damals jugoslawischen FKK-Stränden als häufigste Belegexemplare der im Sinne des aufgeklärten Naturrechts widernatürlich wirkenden FKK-Zivilisationsferien gesehen habe, noch um ein gutes Stück hässlicher. "Dass grauhaarige Frauen die Erde übernehmen" (Kositza/Monika) war die Vorstellung des grossen Schweizer Visionärs Friedrich Dürrenmatt, eines meisterhaften Zeichners nackter hässlicher Witwen, was man im Museum in Neuenburg sich zu Gemüte führen kann. Allerdings tritt die schlimmste kinderlose alte Frau bei Dürrenmatt nicht etwa nackt auf, sondern in der weissen Berufskleidung der Psychiatrie-Chefärztin. Tritt bei Dürrenmatt der nach dem Gesetz der Tragikkomödie schlimmste Fall ein, steht bei der Produktion des im Prinzip von jedem selbst verschuldeten Verhängnisses wiederholt eine Frau im Vordergund, sei es die rachsüchtige alte Dame von Güllen oder eben die wahnsinnig gewordene echt durchgedrehte Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd bei den "Physikern", an deren Uraufführung ich mich noch erinnere.

Dass ein genialer Physiker, der soeben die Formel aller Formeln gefunden hatte, sich aus Sicherheitsgründen als Irrenhauspatient ausgab und sich dort behandeln liess, änderte nichts am unaufhaltsamen Verhängnis, bei dem das Schicksal des Erdballs zuletzt in die Hände einer verrückten Irrenhaus-Ärztin gefallen ist. Dürrenmatt scheint mit seinen prophetischen Stücken in noch grösserem Ausmass Recht zu bekommen, will man Kositza Glauben schenken. Die schlimmsten Diktatorinnen im Vorfeld des Weltuntergangs sind bei Dürrenmatt ziemlich regelmässig kinderlose ältere Frauen!

S.J.
23. November 2017 17:50

Ihre Ergänzung in der Sache, sehr geehrte Frau Kositza, kommt zum Glück aus der Feder einer Frau. Interessant an der Metoo-Diskussion sind auch der Zeitpunkt und die Intensität, mit der sie in Deutschland geführt wird. Rüpelhafte Typen mit dümmlichen oder herabwürdigenden Sprüchen gegenüber Frauen kennt man ja leider schon länger. Seit dem Jahr 2015 jedoch ist die Situation in Deutschland bekanntermaßen eine andere. Die Summe der Schlagzeilen und Gespräche über Sexualdelikte, Grapschereien und Unsicherheiten im Alltag ist von anderer Qualität als zuvor und es stellt sich die Frage, ob die Flut der Artikel und Beiträge zum Thema „Metoo“, die gerade jetzt hier in Deutschland entstehen, nicht eine Art Ventil- und Ersatzfunktion für ein über zwei Jahre gewachsenes Gefühl der Ohnmacht darstellen. Ein Psychologe könnte die Verbindung besser erklären. Wie wir wissen, vermittelt die Politik in puncto innerer Sicherheit keinen guten Eindruck. Die Öffentlichkeit will aber Bestrafungen sehen, ein erfolgreiches Handeln gegen jede Form der (sexuellen) Gewalt. Es ist daher auffallend, wenn auch in Deutschland die Sexismus-Debatte befeuert wird, indem man darüber berichtet, wer gerade seinen Hut nehmen musste oder, wie gerade in England, gleich in Serie Politiker weit vor Beginn einer klärenden Untersuchung entlassen werden, es angeblich sogar ominöse Listen gibt mit 40 Namen von Politikern, über denen nun die Hexenhammer-Vokabel des sexuellen Übergriffs hängt. Sarkastisch formuliert: Wenn die Gesellschaft schon ohne Erfolg beim Thema innere Sicherheit bleibt, so führt sie immerhin erfolgreich die Sexismus-Debatte mit eindeutigen Schuldigen und öffentlichen Anprangerungen.

Maiordomus
23. November 2017 19:22

Die oben erzählte Geschichte aus Griechenland spielte, wie Kenner vielleicht erraten, am warmen Weiher beim Schlachtfeld der Thermopylen, wo die Spartaner unter Leonidas 480 vor Christus als kleine Gruppe griechischer "Identitärer" heldenhaft gegen die Perser gekämpft haben und gefallen sind "wie das Gesetz es befahl". Der Name Thermopylen hat in der Tat mit Warmwasserquellen zu tun, die es dort noch heute gibt, der Ort lohnt einen Besuch, wiewohl fast allzu nahe bei der Autobahn. Noch entschuldigen möchte ich mich für den Ausdruck "Matroninnen", einer unfreiwilligen Fernwirkung eines von mir bekämpften Sprachgebrauchs, habe ich doch das österreichische Manifest gegen feministische politisch-korrekte Sprachverhunzung mitunterzeichnet. Es waren natürlich, vor 50 Jahren, ländlich-sittliche griechische Matronen, für die beim Baden mit Lendenschürzen "oben ohne" noch nichts mit der Ideologie von 1968 zu tun hatte, wovon bekanntlich Professor Theodor W. Adorno seinerseits etwas geschädigt wurde. Man sagt, eine Demonstrationsattacke von Studentinnen "oben ohne" hätte seinem Herzen sehr geschadet und zu seinem baldigen Ableben kurz nach jener Episode beigetragen.  

Monika L.
23. November 2017 19:28

@Maiordomus

Sie haben mich ertappt ! Die nackten Frauen von Aleah Chapin haben tatsächlich   mein Ärgernis erregt. Ich mag es nicht, wenn sich alte Frauen ungeniert nackt präsentieren. Alte Frauen können sehr schön sein. Aber nicht nackt. Ich habe eine Zeitlang Aktmalerei und Aktmodellieren nach lebenden Modellen praktiziert. Ich mochte am liebsten die jungen weiblichen Körper zeichnen, die Spannung des Körpers in Linien überführen wie Modigliani:https://www.google.de/search?q=modigliani+akte&client=safari&hl=de&prmd=insv&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjbztC5mNXXAhULYVAKHXt8CcYQ_AUICSgB&biw=1024&bih=672

Die älteren Frauen ließen diesen Linienschwung nicht zu. Allerdings waren die jungen Männer genauso langweilig zu zeichnen, wenn sie nicht mit Speer oder Diskus posierten, wirkten sie verletzlich und lächerlich.

Der Gehenkte
23. November 2017 22:29

@ Altbayer

"Persönlich sehe ich aber einen Unterschied je nach Altersgruppe"

Ich fürchte, ich habe mich da nicht recht verständlich gemacht und es ist auch schwer - sonst wäre es ja auch kein Mysterium. Es kommt dabei weniger auf Inhalte an, sondern wirklich auf die Stimme. Die Stimme ist die "unmittelbare, natürliche und direkte Bezeichnung des Sinns (des Signifikates, der Vorstellung, des idealen Gegenstandes oder wie immer man will)" (Derrida: Grammatologie)

Die Stimme steht für Habitaus, Denk- und Fühlweise. Das kann durch Gesprochenes und Getanes fast unwahrnehmbar werden, aber es ist meist da.

Andere Rhythmen, Geschwindigkeiten, Wertigkeiten, Präferenzen, Abläufe, Gedankengänge, Empfindungen ... Frauen sind sowohl durch ihre biologische als auch soziale Determiniertheit ganz anders ausgerichtet. Unterschiede machen max. vorhandene oder fehlende Mutterschaftserfahrungen oder schmerzhafte Beziehungsenttäuschungen. Sie sind grundsätzlich auf Vertrauen aus, Liebe wird anders gefaßt und ist ihnen in der Regel wichtiger usw. Wie gesagt, schwer zu fassen.

Dennoch eine unglaublich wichtige Ressource, die man sich erschließen muß, wenn es was werden soll und die der Feminismus leider eher verschüttet als freigelegt hat. Wobei die ersten Ansätze gut waren. Simone de Beauvoir etwa ist eine sehr weibliche Autorin und ihr großartiges "Das andere Geschlecht" macht diese "Stimme" auch im Text hörbar.

Lotta Vorbeck
23. November 2017 23:38

Der an dieser Stelle vorgesehene Kommentar rutschte versehentlich in den benachbarten Björn-Höcke-Thread, deshalb sei er nun hier, am richtigen Platz nochmals eingefügt:

Lotta Vorbeck
23. November 2017 20:59

@Fräulein von Trense - 22. November 2017 - 11:26 PM
"... Als Archaiker kann man für das übergeordnete Thema kaum Verständnis aufbringen, denn es geht doch nicht um Hübschheit oder Attraktivität, sondern vielmehr um die persönliche Würde und davon sind alle Postmodernen jedes Lebensalters, ob links, ob rechts, offenbar Lichtjahre entfernt.
Egal wie reich an Staatsknete und Einfluß in Systemapparturen man ist, gegen die Natur kommt man trotz allen Wünschens und Begehrens zum Glück nicht an, so daß es einfach vorbei ist, wenn es nun einmal vorbei ist mit dem Alter des festen Fleisches, straffen Bindegewebes und vollen Haares, der klangvollen Stimme, des guten Eigengeruches (auch ohne Pafüm oder Dauerwäsche mit allen möglichen Lotiönchen an allen möglichen Stellen). Wenn die physische Grundlage all dieses Zauberwerks vom Zahn der Zeit weggenagt wurde, holt sie nichts und niemand wieder her. Wer dann kein Haus (und Familie) hat, baut sich keines mehr und sollte dann wenigstens sein selbstverschuldetes Elend in Würde tragen, aber auch dazu sind die neuzeitlichen Hexen nicht in der Lage, wie man liest und in den Innenstädten des wertewestens täglich bestaunen kann.
Wer so blöd ist, sich den kurzen Sommer der körperlicher Attraktivität sinnlos um die Ohren zu hauen statt es im Sinne des Erfinders einzusetzen, ist halt strunzdumm. Es ist so, als würde eine Irre ihr ganzes Geld und ihren kompletten Besitz verbrennen und sich dann darüber beklagen, "plötzlich" arm geworden zu sein.
Es gibt halt ein Kapital, das kein Geld der Welt aufwiegt."

Jede Jahrgangskohorte produziert einen Überschuß an männlicher Nachkommenschaft. Es ist also auch rein rechnerisch just unmöglich, jedem Jüngling eine (Ehe-)Frau aus der eigenen Kohorte zwecks Familiengründung zur Verfügung zu stellen.

Auch wenn sich der potentielle, männliche Familiengründer innerhalb jüngerer Jahrgänge nach einer paarungswilligen Gefährtin umschaut, ändert dies nichts daran, daß ein gewisser Prozentsatz seiner jeweiligen Jahrgangskollegen in die Röhre schaut und mehr oder minder ungewollt unbeweibt bleiben muß.

Wenn nun ein signifikanter Anteil der weiblichen Population "den kurzen Sommer körperlicher Attraktivität" absichtlich verstreichen läßt, ohne ihn "im Sinne des Erfinders" zur Familiengründung zu nutzen, trägt auch dieser Umstand nicht unmaßgeblich zur Verschärfung der mittlerweile existenzbedrohenden Situation der überalterten, demographisch völlig ausgezehrten, west- und mitteleuropäischen Völker bei.

 

Gustav Grambauer
24. November 2017 02:35

Meine ZVAB-Ossi-Tipps wieder. Prof. Schnabl weiß Rat.

https://www.zvab.com/servlet/SearchResults?sts=t&an=schnabl&tn=mann+frau+intim&kn=&isbn=

Habe ein Exemplar vor zwei Jahren im Nachlaß meiner Tante gefunden und gerade noch mal aus reiner (N)Ostalgie gelesen. Ich kann ein Fazit aus zweierlei Blickwinkeln ziehen, kursorisch zusammengefaßt und zugegeben stark interpretiert:

a) klar, auch hier aus dem Blickwinkel der Genealogie der Moral: somit geht es bei S. vorrangig darum, daß die Entwickelte Sozialistische Persönlichkeit mangels Spa in St. Moritz und mangels Night-Club (Schichtarbeiter werden in der Produktion gebraucht und nicht am Tresen in der Hafenbar!) sich dennoch gut beim Sex im WBS-70 auf dem Sprelacart-Bett entspannt, um morgen früh 5.45 wieder fit am Fließband zu stehen. Es ist auch volkswirtschaftlich gedacht billiger, so quillt es bei S. durch jede Zeile hindurch, wenn der eigene Ehepartner zugleich der Paartherapeut ist, auch das spart Arbeitskräfte, ein Psychologie-n.-c. ist sowieso angezeigt, denn die Studenten in solchen Sektionen sind ideologisch nur schwer zu kontrollieren (sagt S. zwar nicht, aber das ist die Linie). Sexuelle Exklusivitäten sind volkswirtschaftlich ganz schlecht, bringen nur Unruhe in die Betriebsabläufe in "unseren Betrieben" hinein. (Vermute, daß er damit z. B. Homosexualität meint, auch wenn er sich nach 1990 im Nachhinein dafür aufgeschlossen gezeigt hat, bin mit der Lektüre etwa bei 3 / 4, bisher kein einziges Wort darüber.) Auch Liebeskummer drückt die Ausfall-Rate am Taylorband. Alles in allem muß es also "die Gesellschaft", "deren kleinste Zelle die Familie ist" (Zetkin), als ihre Aufgabe ansehen, die Beziehungen unter die Egide des Napoleonischen Code Civil zu bannen und dann stabil zu halten. Und gut, wenn mit Sex durch Hormonabbau "gesellschaftliche" Konflikte abgepuffert werden, sonst gehen die Testosteron-Stauer noch in Leipzig gegen Honi auf die Straße!!! Sex ist also für die DDR fast so gut wie "Autogenes Training" ("Ich werde gaaaaanz friedlich, aaaaalle Aggressionen weichen von mir ..."). Dafür hat der Minister des Inneren (!), Karl Maron, den Befehl (!) zur Einrichtung der Ehe- und Sexualberatungsstellen gegeben. Nur die sozialistische Möbelindustrie muß noch stabilere Betten liefern ... 

b) Mit meinem Nietzsche-Hammer kommt aber manchmal mehr heraus als ein Götzen-Ton, und so werde ich auch wehmütig. Es muß doch tatsächlich einmal eine Zeit gegeben haben, in der Sexualität staatsoffiziell aus dem Blickwinkel sozialer Reife und zugleich unverkrampft, bodenständig und humorvoll angeschaut wurde, in der Sexualberater locker aus dem Ärmel und ausgiebig Shakespeare, Balzac, Flaubert, Maupassant, Stendhal und Goethes Heidenröslein (-> "Sozialistische Klassik") zitiert haben und Orgasmus-Statistiken zu dem Zweck geführt haben, die Orgasmus-Rate im Volke möglichst effektiv zu erhöhen; Zeiten, in denen es als gesellschaftliches Projekt betrachtet wurde, möglichst viele Leute im Bett glücklich zumachen, auch vom Nachglühen einer Liebesverschmelzung noch über viele Wochen ist die Rede. Der Topos "sexuelle Kultur" zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es beginnt mit einer umfangreichen Selbstrechtfertigung dafür, etwas Geheimnisvolles, das eigentlich geheimnisvoll bleiben sollte, dennoch wissenschaftlich zu knacken (da er als Sexualberater tagtäglich das sexuelle Unglück sieht). Das Erröten wird insofern als Ausweis eines noblen und erhabenen Charakters dargestellt. Er schreibt davon, daß es die Liebe ist, die ein Paar auch durch Krankenbett und Bett im Altersheim / "Feierabendheim" hindurchträgt, und zwar diejenige Liebe, die aus dem gemeinsamen Erschaffen und Teilen heraus wächst, nicht aus Imponiergehabe oder Schwärmerei. (Er sagt, eine seltene Stunde eines guten Gesprächs zwischen Eheleuten inmitten von anstrengender Arbeit ist wertvoller als das ununterbrochene Süßholzraspeln des Versagers.) Der Mann soll über den Schlaf der Frau wachen; wenn ihm seine Ehe lieb ist, dann soll er, sofern er ihr nicht "beiwohnt", ausnahmslos nach der Frau zu Bett gehen und morgens früh vor ihr aufstehen. Die Jugend soll vonvornherein in diesem Sinne erzogen werden, Schund- und Schmutzliteratur sowie Pop-Idole sind der letzte Dreck, Frühreife ist nicht zu fördern, niemals darf zugelassen werden, daß charakterlich ungefestigte, unreife Typen, heute würde man z. B. sagen "spätpubertierende Alt-68er",  mit Jugendlichen über Sexualität auch nur ein einziges Wort austauschen.

Oh, das ist im Schillerschen Spannungsfeld von Strenge und Freiheit dann doch ein anderes, gesünderes Universum als die verschrobene, verkorkste, verquaste Dekadenzwelt, die zwischen einem Puritanismus schlimmer als unter Viktoria und dem öffentlichen "Konsens" der "Empathie" für Ziegenf... oszilliert, und die sich unter dem wiederum Schillerschen Fluch der bösen Tat ständig neue "Themen" wie vorliegend "Kommt jetzt bald das Altweiber-Offensivheer und ist das jetzt gut oder schlecht und wenn ja wie viele?" suchen muß.

- G. G.

Maiordomus
24. November 2017 09:34

@Grambauer. Nietzsche-Hammer. Vgl. meinen Beitrag im benachbarten Höcke-Artikel, das mit der Genealogie der Moral ging bei Nietzsche tatsächlich in die Tiefe; das kritische Potential des Pfarrerssohnes aus Röcken bei Lützen als Denker ist höher als das konstruktive. Was Sie indessen aufschlussreich über Professor Schnabl ausführen, hat man als Nicht-Ossi  kaum je auf dem Radar, obwohl Bertelsmann sogar eine Westausgabe des bei euch berühmten Aufklärungsbuches veranstaltet hatte, quasi des Stasi-Oswalt-Kolle. Ich glaube, dass mit wenigen den ideologischen Sprachgebrauch betreffenden Aenderungen das Buch von Schnabl auch im 3. Reich hätte Karriere machen können. Ich werde es mir auf jeden Fall antiquarisch anschaffen, für den Fall, dass ich in einer Volkshochschule meinen weiland Volkskunde-Kurs "Die Sexualität unserer Urgrosseltern" wiederholen sollte. Wahrscheinlich wird man bei Schnabl noch einen vergleichsweise progressiven Einfluss von Magnus Hirschfeld voraussetzen dürfen. Dessen grosse Epoche waren die Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Im 3. Reich kümmerte sich Reichshebamme Nanna Conti-Pauli, die Exfrau des Postmeisters von Lugano, um aus ihrer Sicht vorurteilsfreie Sexualaufklärung und Kampf gegen verklemmungsfördernde Vorurteile. Stark ärgern musste sie sich freilich über die stockkatholischen bayrischen Landhebammen.

Der Gehenkte
24. November 2017 10:57

@ Gustav Grambauer

"Mann und Frau intim"

Sehr treffend analysiert - aus der falschen historischen Perspektive. Kein Mensch hat das Buch damals so gelesen; es gab auch den Vergleich zur westlichen Sex-Welt nicht.

Um es ganz primitiv auszudrücken: Der entscheidende Unterschied zu heute ist, daß es damals das Grundrecht auf Orgasmus noch nicht gab. Waren die Frauen ohne frustriert? Ist mir nie aufgefallen - aber was weiß ich schon als Mann.

Ohne Orgasmusverpflichtung gab es auch die ganze Oralfolklore nicht oder nur in Ausnahmefällen, die man sich individuell erobern mußte; heute scheint das ja Pflicht zu sein. Kurz: Sex hatte sich viel mehr über Liebe, Wärme, Haut, Zuneigung, Einssein, Nähe, Vertrauen, Kuscheln (wie man das nannte) etc. definiert. Es war keine Selbstbefriedigungsaktion am anderen.

Und genau das hatte Schnabel - sicher nicht ohne ideologische Subbotschaft - als ethische Norm beschrieben.

P.S: Anderes Thema: Muß  seit 2 Tagen jeden Tag das Paßwort ändern, da das alte nicht mehr erkannt wird. Ist das ein generelles Problem oder liegt das an meiner Maschine?

Kositza: Generelles Problem. Kann nicht mehr lang dauern, dann wirds hier laufen wie am Schnürchen.

 

Altbayer
24. November 2017 14:42

@ Der Gehenkte:

Vielen Dank für Ihre weiteren Ausführungen.

Gustav Grambauer
24. November 2017 16:04

Der Gehenkte

"Kein Mensch hat das Buch damals so gelesen."

Mindestens drei: a) Schnabl beim Selbstlektorat, b) ein Mitarbeiter der zuständigen ZK-Abteilung und c) ein Mitarbeiter der zuständigen Abteilung im Ministerium für Gesundheitswesen. Es ging nämlich immer um mehr Mittel für die Sexualforschung und -beratung, und dazu gab es gar keinen anderen Weg als - hier zwischen den Zeilen - von der "volkswirtschaftlichen Relevanz" her mit dem Zaunpfahl zu winken, und es sind bei solchen Botschaften immer Sender und Empfänger vorhanden. Auch haben die letzteren beiden, das kann man sich in der Tat heute nicht mehr vorstellen, von Ostberlin aus auch über das berufliche Schicksal von Schnabl in Sachsen entschieden. (An Maiordomus: und dabei ging es für ihn darum, gerade nicht in den Geruch von Sympathien für die Hirschfeld-Strömung zu kommen, so wie der andere Sachse, Kurt Starke,

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Starke_(Sexualwissenschaftler)

der dafür von Margot Honecker persönlich kaltgestellt wurde.)

Maaz hat einen Abriß der Geschichte der DDR-Psychotherapie verfaßt, der sich auf die Kurzformel bringen läßt "Krieg der Freudomarxisten gegen die Stalinisten - und erstere, also auch Maaz selbst, haben gewonnen":

https://www.ejmh.eu/mellekletek/2011_2_213_Maaz.pdf

Damals drehte sich staatlicherseits nahezu alles um die Arbeitsproduktivität (und Wehrtüchtigkeit), bis weit in die Kultur- und eben auch die Sexualpolitik hinein, auch wenn dies mehr oder weniger verklausuliert wurde. Mein Onkel, der in Thüringen eine Fleischerei hatte und dadurch von morgens früh um vier bis abends um acht für den Betrieb auf den Beinen war, hat es mal so auf den Punkt gebracht: er würde ja schon gern Ostfernsehen sehen, aber die reden ja immer nur vom Arbeiten und er kann`s nicht mehr hören.

---

(Damals kein) "Grundrecht auf Orgasmus" ... "Liebe, Wärme, Haut, Zuneigung, Einssein, Nähe, Vertrauen, Kuscheln" ... "Und genau das hatte Schnabel - sicher nicht ohne ideologische Subbotschaft - als ethische Norm beschrieben."

Nein, in dem Buch geht es von A bis Z um den Orgasmus. Breit läßt sich S. über "bürgerliche Ideologen wie z. B. die Psychoanalytiker" aus, die mit ihrem "fortschrittsfeindlichen Frauenbild" den Klit-Orgasmus ableugnen. Der Streit um Vag- und Klit-Orgasmus muß damals ein Glaubenskrieg gewesen sein, von dem ja auch kaum faßbare Weichenstellungen im Verhältnis Männer-Frauen und bis hin zur grundsätzlichen, prometheischen Frage der Stellung des Menschen gegenüber den Göttern ausgehen. (Das sage ich jetzt.) Da war S. so richtig in seinem Element. Ein Vollblut-Sexualberater, und das war er, hört nicht beim Kuscheln auf! Und so richtig berühmt ist er ja mit seinen Forderungen nach "stabilen Betten" geworden.

Maiordomus

"Wahrscheinlich wird man bei Schnabl noch einen vergleichsweise progressiven Einfluss von Magnus Hirschfeld voraussetzen dürfen."

"Ich glaube, dass mit wenigen den ideologischen Sprachgebrauch betreffenden Aenderungen das Buch von Schnabl auch im 3. Reich hätte Karriere machen können."

Nein, weder lese ich da Hirschfeld heraus (aber das würde tief hinein in die Tektonik, auch ethnische Tektonik der DDR, H. war Jude,  hineinführen) noch klingt auch nur im Geringsten der Mutterkult

https://www.youtube.com/watch?v=aGn9pF26wTI

der Nazis an, den S. wohl als irrational und kitschig verworfen hätte, abgesehen von dessen politischer Stoßrichtung. Schnabl führt den durch die Brille des Marxismus-Leninismus gesehenen Darwin sowie (damals) "neueste sozio-biologische Erkenntnisse" (Kinsey, Mead) mit den Geist des aufgeklärt-progressiven Vernunftglaubens zusammen, läßt sein großes Herz einfließen und gibt einen großen Schuß staatssozialistisch-emanzipatorische Ethik, ML-Ethik, dazu. Daran hätten die Nazis keine Freude gehabt.

Bei Ihrer Bemerkung drängt sich mir wieder mal die Frage auf, ob die NVA im Kriegsfall - so wie die Wehrmacht - Militärbordelle eingerichtet oder erlaubt hätte. Ich bin mir sicher, nein. Das hätte ihnen ihre Ethik nicht erlaubt, und sie hätten bei klarem Bewußtsein dafür alle - erheblichen - psychologisch-taktischen Nachteile in Kauf genommen. Es waren auch nicht die Typen, die selbst jemals ins Bordell gegangen wären, eher vielleicht die Ebene der Sexualität bevorzugt hätten, die Schnabl angeregt hat, siehe:

https://www.youtube.com/watch?v=t69osL518uw

Jetzt kommen wir aber wieder mal weit vom Thema weg, sei`s drum wenn Frau Kositza das durchgehen läßt.

- G. G.

Klaus D.
24. November 2017 17:55

@Gustav Grambauer

Ich frage mich, was haben die damals nur mit Ihnen gemacht, Sie machen einen total unenspannten Eindruck. Und - man kann des Thema auch zerreden. Das Buch "Mann und Frau intim" habe ich 1985 in den Nachtwachen als Gehilfe des Unteroffiziers vom Dienst während meiner Reservezeit in Bad Salzungen gelesen. Es hat mir die Augen geöffnet bzgl. Frauen, Sexualität und partnerschaftliche Beziehungen und hat vielleicht auch dazu beigetragen, daß mir die 40 Jahre zusammen mit meiner Frau (bisher) nicht zu viel geworden sind. Die Quintessenz aus dem Buch hat Der Gehenkte auf den Punkt gebracht:

"... Sex hatte sich viel mehr über Liebe, Wärme, Haut, Zuneigung, Einssein, Nähe, Vertrauen, Kuscheln (wie man das nannte) etc. definiert ..."

RMH
24. November 2017 22:41

"... auch im 3. Reich hätte Karriere machen können."

In dieser Zeit gab es, ganz im Sinne der Erbgesundheit, des Rassegedankens und des Volkswachstums, selbstverständlich auch entsprechende Bücher. Habe eines davon in meinem Fundus. Es nennt sich "Liebe und Ehe" und ist von Dr. Hans Martin Elster und Prof. Dr. F. Rott. Für unsere Ohren ziemlich schwülstiger Ton, aber es wird ganz klar von einer Gleichberechtigung der Frau als germanische Art gesprochen und die Unterdrückung der Frau als orientalisch. Ich erlaube mir, folgendes zu zitieren:

"Einstmals in germanischen Zeiten stand die Frau gleichberechtigt neben dem Mann. Sie war frei wie er, Waffenträgerin wie er. Sie hatte ihren von der Natur bestimmten Lebens- und Aufgabenkreis, wie der Mann den seinen ... . Dann aber drang aus wüstenländischem Denken, aus dem Leben anderer Rassen her die Auffassung, daß die Frau dem Manne untergerordnet sei."

Auch interessant aus heutiger Sicht, sind die dort formulierten 10 Gebote bei der Gattenwahl. Gebot Nr. 10: "Du sollst Dir möglichst viele Kinder wünschen".

Sex hatte wohl seit langen Zeiten seine politischen Interpreten, nicht erst in der DDR (das eben zitierte Buch stand in der DDR auf der Liste der auszusondernden Literatur).

 

Die andere Seite
24. November 2017 23:57

@RMH

...Liste der auszusondernden Bücher...Wir hatten erst kürzlich das Thema, ob bestimmte Bücher in der DDR verboten waren, oder evtl. nur schwer zu beschaffen. Aus heutiger Sicht für uns schwer erinnerbar, wenn man es unter der Hand zu Lesen bekam. Besonders interessant wäre, ob man heute anhand konkreter Buchtitel rückwirkend feststellen könnte wie der Status in der DDR war. Gab es solche Listen? Sex jedenfalls gab es. Und zum Lesen blieb auch noch Zeit.

 

 

Monalisa
25. November 2017 11:49

Ich hatte auch gehofft, dass das Thema hier nicht (oder anders) aufgegriffen wird. Angesichts einiger hier geäußerter Kommentare macht sich mal wieder Fremdscham breit. Frauen, die sich über säuische Bemerkungen oder übergriffiges Verhalten beschweren, sind nur schlecht gef*ckt?

Alles nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit?

Welches Geschlecht muss sich denn in der Regel sehr viel mehr anstrengen, um jemanden fürs Bett zu finden? Bei wievielen Männer passiert bis Mitte 20 gar nix und nach der gescheiterten Ehe dann auch wieder nix bis zum verfrühten Tod in Einsamkeit? (Die Unfähigkeit, erfüllende soziale Beziehunge aufzubauen und zu erhalten, ist eben überwiegend auch männlich)

Die Prozentzahlen dürften durchaus im zweistelligen Bereich liegen. Es sei denn, die Hemmschwellen sich Sex gegen Geld zu verschaffen sind mittlerweile gesunken, kann natürlich auch sein. (Mittlerweile sind wir ja gewissermaßen der Billigpuff unter den europäischen Nationen)

Deutschland steht nicht vor der Übernahme durch alte Weiber. In wessen Händen befinden sich nach wie vor Eigentums- und vor allem Produktionsmittel?  Grob gesagt gehört das meiste im Land nach wie vor westdeutschen Männern.

Irgendwas machen die Feministinnen also falsch, bzw. die medial gehypte Variante scheint Männern (der oberen Schichten) nicht wirklich zu schaden.

In ganz so bequemes und selbstherrliches Linken/Femnistinnenbashing sollte man hier nicht abgleiten. Überhaupt ist das Thema Geschlechtverhältnisse das Feld, bei dem das Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz von der Projektion der eigenen Befindlichkeiten auf den politischen Gegner regelmäßig von der Rechten selbst erfüllt wird .

(Alle glücklich Verheirateten ausdrücklich ausgenommen)

Vielversprechender scheint es mir, die "metoo" Aufregung tatsächlich im Hinblick auf ihre Ventilfunktion für anderes zu deuten. Als tatsächlicher Gehalt steckt aber vielleicht auch wachsende ökonomische Ungleichheit generell und auch zwischen den Geschlechtern dahinter. Die Verteilungskämpfe werden einfach härter. Der Feminismus hat in dieser Hinsicht fast nichts für die Frauen erreicht.

 

 

Der Gehenkte
25. November 2017 19:23

@ Gustav Grambauer

"Mann und Frau intim"

Wenn ich vom "Grundrecht auf Orgasmus" gesprochen habe, dann war das eindeutig nicht auf das Buch zu beziehen, sondern auf gesell. Wandel. Dabei würde ich fast eine Wette eingehen, daß Schnabl irgendwo geschrieben hat: Ist nicht schlimm, wenn er/sie mal nicht kommt.

Apropos: veränderter Sprachgebrauch: "Sex haben", "kommen", "kommst du?" ... hat es alles nicht gegeben. Man hat "miteinander geschlafen" oder "sich geliebt" - man hatte keinen Sex: daran war das "haben" falsch als auch das entfremdende "Sex". Selbstredend idealsiere ich.

Nein, ich nehme Ihnen nicht ab, daß das Buch von "A bis Z um Org." ging. Habe es nicht hier, aber ich erinnere einführende soz. Ethik, körperlich-geistige Entw. udn dann lange Passage über Sexualstörungen (Erektionsstörungen, Frigidität, mangelnde Partnerpassung etc.) und Hygiene und Krankheiten, Verhütung und Planung. Perversionen waren viel größeres Thema. Alles im Grundton der Sorge, alles mit dem Ziel, glückliche und befriedigende Beziehungen zu befördern. Mag sein, daß man am Reißtisch andere, hintergründige, plansollerfüllende, befriedende Gedanken hatte, aber die jungen pubertären Leute haben das nicht so gelesen.

Klitoraler oder vaginaler Org. war sicher eine Diskussion - aber doch eine akademische, oder? Es genügt doch, kleine Mädchen zu beobachten und im Übrigen braucht man dafür keine Anleitung, das wären Sisyphosaufgaben: https://www.zellerzeitung.de/index.php?id=490

 

 

Cacatum non est pictum
25. November 2017 23:50

@Monalisa

Deutschland steht nicht vor der Übernahme durch alte Weiber. In wessen Händen befinden sich nach wie vor Eigentums- und vor allem Produktionsmittel?  Grob gesagt gehört das meiste im Land nach wie vor westdeutschen Männern.

Ist 'n Ding! Aber ich befürchte, Sie haben unrecht: Vieles - wenn nicht das meiste - dürfte inzwischen ausländischen Investoren und Banken gehören.

Lotta Vorbeck
26. November 2017 00:46

@Die andere Seite - 24. November 2017 - 10:57 PM

...Liste der auszusondernden Bücher...Wir hatten erst kürzlich das Thema, ob bestimmte Bücher in der DDR verboten waren, oder evtl. nur schwer zu beschaffen. Aus heutiger Sicht für uns schwer erinnerbar, wenn man es unter der Hand zu Lesen bekam. Besonders interessant wäre, ob man heute anhand konkreter Buchtitel rückwirkend feststellen könnte wie der Status in der DDR war. Gab es solche Listen? Sex jedenfalls gab es. Und zum Lesen blieb auch noch Zeit.

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Keine Ahnung ob bezüglich der auszusondernden Literatur anhand konkreter Listen vorgegangen wurde.

Meine Vorfahren verwendeten - so ist's überliefert - die zwischen den Buchdeckeln gebundenen Seiten ihres Hausexemplars von "Mein Kampf" nach Kriegsende auf dem heimischen Plumpsklo.

Aus den im Familienschatz befindlichen, ursprünglich vollständig bebilderten Zigarrettenbilderalben zu verschiedenen Themen wie beispielsweise "Kraftwagen", "Pferde", "Olympische Spiele", "Luftschiff 'Graf Zeppelin'" waren nachträglich einzelne Bildchen gänzlich herausgerissen, respektive die im Bild gezeigten Hoheitszeichen weggekratzt worden ...
Später, in der Ulbricht-DDR sind sämtliche Karl-May-Bücher aus dem Bestand der öffentlichen Bibliotheken entfernt worden - antiquarisch konnte man sie von privat zu privat weiterhin handeln - bevor sie während der 1980er Jahre unter Honecker (wenn ich mich recht entsinne sogar in Kooperation mit dem Karl-May-Verlag Würzburg?) im 'Volksbuchhandel' als sogenannte Bückware in Neuauflage erhältlich gewesen sind und in den Bibliotheken wieder ausgeliehen werden konnten.

Während der Schulzeit redeten besonders linientreue Lehrer gelegentlich von "Schund- und Schmutzliteratur" allerdings ohne näher zu definieren, was denn darunter zu verstehen sei.

Stil-Blüte
26. November 2017 20:58

'Das ist ein weites Feld...'

Zu diesem 'Feld-Versuch' möchte ich nur ein Pflänzchen pflücken:

   Joachim Fernau, Und sie schämtern sich nicht. Herbig. 30. Aufl. 2006.

Motto: Und sie waren beide nacket,/der Mensch und sein Weib,/und schömten sich nicht. (I Mose 2, 25)

In einer poetischeren Übersetzung heißt es '...und sie erkannten sich'.

 

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