Buchgeschenktips zu Weihnachten – Teil 4: Götz Kubitschek

Was zu Weihnachten schenken? Natürlich Wahres, Schönes, Gutes! – Teil 3 mit Götz Kubitschek.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Wahr:

Die Psal­men. Deutsch. 280 S., gebun­den und geprägt, 27 €

Nicht nur auf Weih­nach­ten zu »wahr« oder etwas »fürs Gemüt«: Ich stieß vor eini­ger Zeit auf die­sen Buch­hä­ger Psal­ter aus dem deutsch-ortho­do­xen Drei­fal­tig­keits­klos­ter Buch­ha­gen. Er zeich­net sich durch das hohe Sprach­ver­mö­gen sei­ner Über­set­zer aus, die an jedem Vers feil­ten und im Wort­sinn Wort-Schät­ze des Deut­schen ent­ber­gen. Hand­lich, gesto­chen scharf gedruckt, wert­voll aus­ge­stat­tet – ein idea­les, immer wah­res Weihnachtsgeschenk.

 

Gut:

Rolf Peter Sie­fer­le: Epo­chen­wech­sel. Die Deut­schen an der Schwel­le zum 21. Jahr­hun­dert. 500 S., gebun­den, 34 €

Neu­lich spra­chen Bene­dikt Kai­ser und ich dar­über, ob es für uns Rech­te ein Buch gäbe, das in sei­ner Bedeu­tung dem gleich­kä­me, was Das Kapi­tal von Marx für die Lin­ken sei. Arnold Geh­lens Der Mensch? Hei­deg­gers Sein und Zeit? Ich ver­mu­te, es gibt die­ses eine Buch nicht, nann­te aber auch Sie­fer­les Epo­chen­wech­sel, lese ihn nun nach 20 Jah­ren erneut und in der just bei Landt erschie­ne­nen Werk­aus­ga­be: Sie­fer­le sor­tiert unse­ren deut­schen Kopf, buch­stäb­lich, und wir dür­fen hin­ter die­ses Niveau der Lage­fest­stel­lung nicht zurück­fal­len. Das Wort »Pflicht­lek­tü­re« ist hier angebracht.

 

Schön:

Tho­mas Rietz­schel: Die Hand­schrift des Legio­närs Franz Eck­stein. Spu­ren­su­che eines Jahr­hun­derts. 208 Sei­ten, gebun­den, 22 €

Ein Buch lesen und eine Land­kar­te dane­ben­le­gen – immer­hin habe ich Geo­gra­phie stu­diert und saß als Kind neben mei­ner Oma, die mit dem Fin­ger durch den Atlas sehr lang­sam dort­hin reis­te, wo sie nie hin­kam (eine wohl aus­ge­stor­be­ne Wei­se der Welt­erschlie­ßung). Franz Eck­stein aus Dres­den bricht 1867 heim­lich auf und mel­det sich zur Frem­den­le­gi­on. Ernüch­tert, aber reich an Bil­dern und Erfah­rung kehrt er 1872 in ein poli­tisch völ­lig ver­än­der­tes Euro­pa und Deut­sches Kai­ser­reich zurück. Rietz­schel erzählt die­ses Leben ein­ge­bet­tet in die Geschich­te anhand der Auf­zeich­nun­gen Eck­steins nach. Die Alge­ri­en­kar­te lag zwei Wochen lang auf mei­nem Schreibtisch …

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (3)

Maiordomus

11. Dezember 2017 09:07

Als auf den für mich bedeutsamsten Vermittler der Psalmen in deutscher Gegenwartssprache, eine absolut eigenständige poetische Leistung, möchte ich auf den Hebel- und Bodenseeliteraturpreisträger Arnold Stadler hinweisen, einer der grossen deutschen Autoren der Gegenwart notabene, die nicht mit den Wölfen heulen. Ich glaube, das Büchlein ist bei dtv erschienen. Kubitscheks Buchtipp scheint mir auch deswegen wegleitend, weil es ohne Überlieferung von mindestens 3000 Jahren keine diesen Namen verdienende Bildung gibt und weil man sich über biblische Texte, das machte sich schon Ernst Jünger klar, über die Beschränktheiten des Zeitgeistes mehr als nur hinwegtrösten kann. Zu den bedeutendsten Aufzeichnungen betreffend die Fremdenlegion gehören die Romane und Erzählungen des Schweizer Autors Friedrich Glauser, der wie wenige in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt wurde. Im übrigen hat noch im 19. Jahrhundert der Schweizer Staatsphilosoph und Rechthistoriker und Doyen der damaligen Konservativen das Legionärswesen im Allgemeinen und den Soldaten beruf als anständigen Beruf im Besonderen in Opposition zum damaligen Radikalliberalismus leidenschaftlich verteidigt.

Stil-Blüte

12. Dezember 2017 23:24

@ Maiordomus

Arnold Stadler: Der gibt immer noch mehr als genug her! Danke für den Tipp.

Was mir an Ihren Ergänzungen besonders gefällt, daß Sie zeigen, wie sich vielfältige unbekannte subcutane Ve-Bindungen gegenseitig nährenvoneinander zehren und sich gegenseitig nähren und voneinander, ohne  zwanghaft ein 'Netzwerk' bilden zu müssen. Das treibt ja viele wie ein 'Sesam öffne dich' um, Netzwerk, Vernetzung, sich vernetzen... Die zueinander passen, finden sich auch.  

Stil-Blüte

14. Dezember 2017 23:13

Soeben die Sendung 'Psalmen' erhalten. Wie schön! Obwohl mir nicht unbekannt, eine Entdeckungsreise. Nachwort hätte Vorwort sein können, da fast Einjeder Entwicklungshilfe bedarf. Das Allerbeste: Die Schnittstelle zwischen Juden und Christen, (als Nachfolge schon im Nachteil) wird beim Lesen in allerhöchster, allerschönster, allerbester Poesie aufgelöst, mithin sprachlich ein unsterblliches Meisterwerk, gleich 'Göttliche Komödie'... und...und...

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