Buchgeschenktips zu Weihnachten – Teil 3: Caroline Sommerfeld

Schön:

Reuel Golden (Hrsg.): Europa. In 125 Jahren um die Welt. 336 S., gebunden, 49.99 €

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Schön:

Reu­el Gol­den (Hrsg.): Euro­pa. In 125 Jah­ren um die Welt. 336 S., gebun­den, 49.99 €

Im ver­gan­ge­nen Jahr war der opu­len­te Bild­band Deutsch­land um 1900 das Geschenk­buch schlecht­hin. Wem es ange­sichts der dort abge­bil­de­ten Land­schaf­ten und Stadt­bil­der warm ums Herz wur­de, der wird nun… jauch­zen? Schluch­zen? Ein Rück­blick auf einen wahr­haft bun­ten Kon­ti­nent! Die­se Gesich­ter! Die Herings­fi­scher aus Däne­mark! Die Kopf­tuch­frau­en von Naza­ré in Por­tu­gal, die am Strand auf die Rück­kehr ihrer Män­ner war­ten! Die bul­ga­ri­schen Arbei­ter! Wer noch mal wis­sen woll­te, was wir mit Eth­nop­lu­ra­lis­mus mei­nen: hier! Das ist Reich­tum, der kei­ner Berei­che­rung bedarf!

 

Wahr:

Rolf-Peter Sie­fer­le: Das Migra­ti­ons­pro­blem. Über die Unver­ein­bar­keit von Sozi­al­staat und Mas­sen­ein­wan­de­rung. 135 S., bro­schiert, 16 €

Kaum über­biet­bar in die­sem poten­ti­el­len Wen­de­jahr und daher noch­mals mit Nach­druck emp­foh­len: Sie­fer­les Das Migra­ti­ons­pro­blem. Das Buch ist sach­lich (ohne dem Sta­tis­tik­fu­ror zu ver­fal­len), argu­men­ta­tiv niet- und nagel­fest (der social and moral overstretch wird mit allen sozio­lo­gi­schen Metho­den belegt) und am Ende heu­ris­tisch fata­lis­tisch: was wäre dar­an so schlimm, wenn Euro­pa ver­schwän­de? Aus evo­lu­ti­ons­so­zio­lo­gi­scher Per­spek­ti­ve nichts, aber der mit­ge­ris­se­ne Leser hält Sie­fer­le ein flam­men­des „Nein!“ ent­ge­gen. Das also ver­mag ein gutes sozio­lo­gi­sches Buch.

 

Gut:

Karl­heinz Weiß­mann: Deut­sche Geschich­te für jun­ge Leser. 252 S., geb., 29.90 €

Gibt es ein Geschichts­buch, mit des­sen Hil­fe Kin­der en pas­sant ler­nen, stolz auf Deutsch­land zu wer­den? Das kapi­tel­wei­se, von Armi­ni­us über Karl, Hein­rich und Otto bis zur Wen­de 1989 die Geschich­te unse­rer Nati­on erzählt, und stets in einem Ton völ­li­ger Selbst­ver­ständ­lich­keit auch die Grö­ße der Deut­schen zeigt? Das gibt es – Karl­heinz Weiß­mann hat 2016 eine Deut­sche Geschich­te für jun­ge Leser geschrie­ben. Ich las es mei­nem mitt­le­ren Sohn vor, der von Zeit zu Zeit  in die Luft box­te und anfeu­ernd „Yes!“ rief, die­se Deut­schen wird er also schon mal nicht vergessen.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (4)

Maiordomus

8. Dezember 2017 15:40

Der zweite von Sommerfeld empfohlene Titel gehört meines Erachtens zu den wichtigen Sachbüchern der letztvergangenen Jahre, wobei die wissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen Grundlagen bei Sieferle schon Jahrzehnte früher erarbeitet wurden. Dass der Startschuss für vertiefte Auseinandersetzungen mit Demografie ausgerechnet bei einem Suhrkamp-Buch von 1990 gegeben wurde, zeigt auf, wie der Weltgeist gerade schreibt auf krummen Zeilen, um es etwas mit Hegel auszudrücken. Schön, dass es Sieferle seligen Angedenkens wohl mittelfristig zu einer Gesamtausgabe seiner Werke zu bringen scheint, so anscheinend mit dem als erstem Band präsentierten einstigen Buch, ebenfalls zuerst bei Suhrkamp erschienen, "Die Krise der menschlichen Natur. Zur Geschichte eines Konzepts" und wohl noch mit anderen seiner Werke, nicht zu vergessen der "Rückblick auf die Natur". Gemäss Wikipedia-Stupidität hat der späte Sieferle jedoch "giftige rechtsextreme Bücher" geschrieben. So sah ihn offenbar auch Ex-Juso und heutiger "Grosshistoriker" Herfried Münkler, der mich mit seinen dümmlichen angeforderten Urteilen nun leider eher davon abhält, in nächster Zeit das möglicherweise noch brauchbare Buch über den 30jährigen Krieg aus seiner Feder zu lesen. Irgendwann werde ich es mir wohl trotzdem noch vornehmen, weil dümmliche tagespublizistische Äusserungen von Autoren nicht automatisch auf ihre Werke übertragen werden sollten. 

Wie auch immer, vergleiche ich Sommerfelds neuere Beiträge etwa mit der gestrigen ZDF-Sendung von Böhmermann, in der u.a.  Martin Sellner "zu Ehren" kam (es wurde am Ende der soeben abgeschlossenen Ethik-Debatte um Thesen von Sommerfeld/Wawerka darauf hingewiesen), wundere ich mich echt darüber, dass der Zwang zum Bezahlen öffentlichrechtlicher Gebühren für solche extrem paranoid stupide und sektiererische Volksverdummersendungen noch immer nicht als schwere Menschenrechtsverletzung anerkannt ist. Vielleicht bin ich auf solche Sendungen, sah sie nur aufgrund einer Verlinkung, deswegen allergisch, weil ich seit Jahrzehnten den Fernsehkonsum zugunsten der täglichen Lektüre eines Buches eingestellt habe, was  angesichts der durchschnittlichen Fernsehkonsumzeit in Europa ja eigentlich ohne weiteres machbar ist und die übrigen Lebensfunktionen nicht beeinträchtigen müsste. Selber finde ich diesen Böhmermann aus meinen neandertalisch-bildungsbürgerlichen Perspektiven weniger politisch gefährlich als schon eher fast irrenhausreif, wie man früher sagte.

 

Kommentar Sommerfeld: Schauen Sie mal Sellners Antwortvideo an, absolut berückend (besonders die Gewandfaltmethode am Schluß): https:/youtu.beF0-uENzzq1Y  

Der Gehenkte

8. Dezember 2017 17:27

 Gelungen: das wirklich Wichtige vom Schönen und Guten eingerahmt.

Die meisten Sezessionsleser haben den Sieferle sicher längst gelesen. Er eignet sich auch perfekt als Geschenk an wankende Gestalten. Die Wucht der Empirie und der Argumentation - trotz einiger kleiner Fehlerchen - ist überwältigend.

Eine ausführliche Besprechung (ich hoffe man verzeiht mir meinen wiederholten Mißbrauch) gibt es hier unter: Augen auf und durch!

Der Gehenkte

8. Dezember 2017 17:45

 Gelungen: das wirklich Wichtige vom Schönen und Guten eingerahmt.

Die meisten Sezessionsleser haben den Sieferle sicher längst gelesen. Er eignet sich auch perfekt als Geschenk an wankende Gestalten. Die Wucht der Empirie und der Argumentation - trotz einiger kleiner Fehlerchen - ist überwältigend.

Eine ausführliche Besprechung (ich hoffe man verzeiht mir meinen wiederholten Mißbrauch) gibt es hier unter: Augen auf und durch!

Maiordomus

8. Dezember 2017 18:28

Der erste Band der mutmasslichen Werkausgabe von Sieferle ist die neuere Studie "Epochenwechsel" zum 21. Jahrhundert und nicht, wie, ich mich falsch erinnerte, "Die Krise der menschlichen Natur", welches Buch bereits 1989 bei Theorie Suhrkamp wohl ohne grossen Lärm erschienen ist und welches Buch wohl hoffentlich dann auch noch möglichst bald in die Werkausgabe reinkommt.  Wie mir Sieferles einstiger Hochschulrektor in St. Gallen, mein Studienkollege aus Gymnasialzeiten, versicherte, galt der Autor zu seiner Zeit als Hochschulprofessor als ein fleissiger stiller Schaffer, dessen Name kaum je in den Medien (über den Rezensionsteil hinaus) genannt wurde und der in keiner Weise als "extremistisch" aufgefallen wäre. Allerdings wurden seine Bücher von Kollegen kaum gelesen, was auch heute bei den wissenschaftlichen Publikationen mehr oder weniger häufig der Fall ist. Die Publikationen haben vor allem die Funktion, die Publikationsliste eines Professors als nachprüfbaren Leistungsausweis zu bestätigen und zu konsolidieren. Die Buch-Veröffentlichungen zumal von viel schreibenden Gelehrten werden im Allgemeinen auch von deren Studenten nicht oder nur selten gelesen.

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