12. Dezember 2017

Buchgeschenktips zu Weihnachten – Teil 5: Sigrid Wirzinger

Gastbeitrag / 9 Kommentare

Schön:

William Blake: Dantes Göttliche Komödie, 464 S., gebunden, 30 € 

Die göttliche Komödie von Dante Alighieri ist eines  der Meisterwerke der Weltliteratur; die Geschichte der Reise durch Höllenringe auf den Weg in den Himmel ist hinlänglich bekannt. Künstlerisch auf Augenhöhe ist der englische Dichter und Maler William Blake (1757 - 1827), seine von einer tiefen Faszination für das Mystische geprägten Zeichnungen sind eine kongeniale Ergänzung  zur Sprache Dantes. In diesem Band sind alle 102 Zeichnungen von William Blake versammelt, je von den entsprechenden Passagen aus  der Göttlichen Komödie begleitet. Ein wunderbares Geschenk für Literatur- und Kunstfreunde gleichermaßen!

 

Wahr:

Ernst Peter Fischer: Hinter dem Horizont. Eine Geschichte der Weltbilder, 384 S., 22.95 € 

Wie stellten sich Menschen  früher die Welt vor? Welche wissenschaftlichen Errungenschaften veränderten die Vorstellungen von der Welt? Durch geschichtliche und philosophische Weltbilder, von Kopernikus über das Weltbild der Urvölker zu den heutigen virtuellen Welten  in Computerspielen führt der Wissenschaftler Ernst Peter Fischer auf so vergnügliche wie lehrreiche Weise durch die Jahrhunderte, beleuchtet die religiösen Aspekte, die Welt in der Literatur, die Geschichte der Kartographie und vieles mehr.

 

Gut:

Joachim Fernau: Die jungen Männer, Roman. 320 S., 19 €

Nach „Hauptmann Pax“ nun der zweite Roman in der Neuauflage von Joachim Fernau bei Antaios: In der Ära vor und nach dem 30. Januar 1933 spielt dieser autobiographisch gefärbter Roman. Im Mittelpunkt stehen junge Männer in den Wirren dieser bewegten Zeit, die sie selber noch nicht einordnen können und gerade deshalb für uns ein unverfälschtes Bild des Lebensgefühls junger, intelligenter Menschen im Berlin der 30er Jahre bieten. Im unnachahmlichen Ton von Fernau, mit Zeichnungen von A. Blotenberg: ein Muß für alle Liebhaber und Neueinsteiger!

Kommentare (9)

Maiordomus
12. Dezember 2017 15:35

Leider wird nicht gesagt, von wem die Übersetzung von Dante  ist, das wäre keine Kleinigkeit, vgl. auch die Homerübersetzungen, bei denen ich nebst dem alten Voss denjenigen von Kurt Steinmann den Vorzug geben würde. Dante ist, nebst Calderon, "Welttheater" und "Geheimnisse der Heiligen Messe" sowie Dostojewskij "Der Grossinquisitor", Solschenizyn, "Der erste Kreis der Hölle" der wohl schlechthin grösste Dichter der christlichen Epoche, deren Abgelaufensein auch in den Debatten der verschriftlichen Gesprächsrunde um "Sezession" noch und noch spürbar wird, trotz Monika, Wawerka u. Co. 

Monika L.
12. Dezember 2017 16:17

@Maiordomus

Ich stamme nicht aus dem Bildungsbürgertum. Mein Vater war ein einfacher Arbeiter und meine Mutter Hausfrau. Trotzdem hatten sie einen beeindruckenden Bücherschrank und äußerten sich verächtlich über die damals sogenannte Trivialliteratur. ( Konsalik wurde nie angeschafft) Als Kind fand ich dort Dantes Göttliche Komödie, Das Hohe Lied von Sünde und Erlösung ,Übertragen von Hermann A. Prietze, sowie die Ilias und Odysee in der Übertragung von Johan Heinrich Voß, ferner das Handbuch der Germanischen Mythologie von Wolfgang Golther. Meine Eltern hatten die Bücher 1964 angeschafft, da hatten sie drei kleine Kinder und bescheidene Wohnverhältnisse. Trotzdem hatten sie eine " Ehrfurcht" vor Bildung und Geistesgrößen. Anna Karenina und " Die Kreutzersonate" von Tolstoi waren meine allerersten literarischen Entdeckungen im elternlichen Bücherschrank. 

Hesperiolus
12. Dezember 2017 16:43

@ Maiordomus

Wirklich eine sehr schöne Buchempfehlung, wenigstens was das Bildwerk betrifft. Und dann zu dem geringen Preis! Von den Herausgebern gibt es auch eine Prachtausgabe in größerem Format. Die Dante-Auszüge sind wohl der Prosaübertragung von Hartmut Köhler entnommen, die man aus der Reclam-Ausgabe kennt. Eine Nachdichtung eigener Art ist die von Rudolf Borchardt:

"In mitten unseres lebens an der fahrt / erfand ich mich in einem finsteren hagen / dass ich der rechten strassen irre ward: // Ach harter pein, und wem er glich, zu sagen / der hagen, ein wild wald rauch und ungeheure, /  der an gedanken mir erneut das zagen!"

Fritz
12. Dezember 2017 17:04

Es gibt eine gute Prosa-Übersetzung des Philosophiehistorikers Kurt Flasch, die ich den in deutsche Reime gezwungenen Fassungen vorziehe:

https://www.amazon.de/Commedia-deutscher-Flasch-Fischer-Klassik/dp/3596905958

Dazu seine Einführung in das Werk Dantes:

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