Sezession
14. Dezember 2017

Buchgeschenktips zu Weihnachten – Teil 7: Siegfried Gerlich

Siegfried Gerlich / 3 Kommentare

Wahr:

Jan Assmann: Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung, 180 S., gebunden, 20 €

Siegfried Gerlich

Siegfried Gerlich studierte Philosophie sowie Musikwissenschaft und lebt als freier Autor und Pianist in Hamburg.

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Gegen den Anschein eines islamischen Monopols auf religiös motivierten Massenmord ruft der renommierte Religionshistoriker in Erinnerung, daß dem Absolutheitsanspruch aller monotheistischen Religionen militante und totalitäre Kräfte innewohnen. Unter welchen Bedingungen aber eine Theologie der Gewalt auch in die politische Tat umgesetzt wird, und inwiefern solche derzeit weder beim Judentum noch beim Christentum, wohl aber beim Islam gegeben sind – das sind die von Assmann in diesem klugen Essay aufgeworfenen Fragen, bei deren Beantwortung auch Carl Schmitt ein Wörtchen mitreden darf.

 

Schön:

Christa Bürger: Exzeß und Entsagung. Lebensgebärden von Caroline Schlegel-Schelling bis Simone de Beauvoir, 191 S., gebunden, 19.95 €

Fernab von allem offiziösen Feminismus bietet die als Spezialistin für die schreibenden Frauen der Goethezeit ausgewiesene Literaturwissenschaftlerin in ihrem neuen Buch philosophisch dichte und essayistisch geschliffene Portraits auch erotisch abgründigerer Schriftstellerinnen aus späterer Zeit wie Lou Andreas-Salomé, Claire Goll und Colette Peignot, die nicht zuletzt ihre eigenen Lebens- und Liebesschicksale literarisch zu gestalten wußten. Nach der faszinierenden Lektüre möchte man direkt mit den opera der portraitierten Damen fortfahren. 

Gut:

Magnus Klaue: Die Antiquiertheit des Sexus. Kindheit – Sprache – Geschlecht, broschiert, 152 S., 14 €

Indem die »antirassistische« Linke und der »weißheitskritische« Feminismus einen »neuen Puritanismus« zu Ehren brachten, bereiteten sie zugleich ihre »Kollaboration« mit dem von alters her puritanischen Islam vor, welcher im Zeichen von »Respekt« und »Toleranz« seinerseits Sprechverbote und Sittenkontrollen fordert. Wie es zu dieser fatalen Allianz aus »progressiven« westlichen und »reaktionären« antiwestlichen Kräften kommen konnte, und was ihr alles zum Opfer zu fallen droht, verrät der als dezidierter Gender- und Islamkritiker vereinsamte Rechtsabweichler der antideutschen Linken in seinem beinahe übergescheiten Buch.


Siegfried Gerlich

Siegfried Gerlich studierte Philosophie sowie Musikwissenschaft und lebt als freier Autor und Pianist in Hamburg.

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Kommentare (3)

Der Gehenkte
14. Dezember 2017 19:04

Jan Assmann ist ein hochinteressanter Denker, seltsamerweise wenig bekannt. Vermutlich steht die hier empfohlene Arbeit in der Tradition der "Mosaischen Unterscheidung" und "Moses der Ägypter". Es ist sicher kein Zufall, daß Assman neben Heiner Mühlmann und Gunnar Heinsohn zu den Dauerreferenten Sloterdijks gehört, auf die er regelmäßig - wenn es um Religion geht - zurückgreift. Offensichtlich hat Assmann mit diesem Buch all jenen etwas zu sagen, die insbesondere die Islam-Frage gern etwas vereinfachen möchten - weltbildkonform. Ein hilfreicher Tip!

silberzunge
15. Dezember 2017 01:31

Zwar kein Buch, aber ein interessantes, wie ich finde gelungenes Hörspiel, das ich den Mitlesern hier empfehlen möchte:

Ein Mann - weiß, heterosexuell, gesund, aus der Mitte der Gesellschaft und in den besten Jahren, kein Loser - sieht sich genötigt, mal vom Leder zu ziehen. Ein Hörspiel über "Dinge, die man mal sagen können muss".

https://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-hoerspiel/download-viel-gut-essen-100.html

Thomas Martini
17. Dezember 2017 18:47

Hoffe das Thema nicht zu verfehlen, da ich bezüglich Buchgeschenktips wenig beizutragen habe. 

Mein Wunsch wäre es, dass sich die Deutschen wieder mehr mit ihrer Weinachtskultur beschäftigen, und dafür den Weihnachtstruck von Coca Cola in die Wüste schicken.

Es ist bedauerlich, dass Weihnachten im Zuge der westlichen Kommerzialisierung zu einem reinen Kinderfest verkommen ist, bei dem es häufig darum geht, möglichst teure Geschenke zu machen. Wenn dann noch der religöse Kontext wegbricht, und Popmusik von Wham und Mariah Carey die festliche Stimmung erzeugen soll, ist der kulturelle Fallout eingetreten.

Vor einigen Tagen habe ich eine Interpretation des französischen Weihnachstlieds "Il est né le divin enfant" entdeckt, gesungen von dem französischen Heldenbariton Michel Dens. Sowas ist für mich ein Geschenk, das nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Es ist mir eine große Freude, dieses Video auch hier bei Sezession im Netz teilen zu dürfen:

https://www.youtube.com/watch?v=ywAEvo7uA70

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