10. Dezember 2017

Noch mal: Unsere Moral und der Wille zum Guten

Gastbeitrag / 38 Kommentare

Abschnitte aus dem Prozess der „allmählichen Verfertigung von Gedanken“, Unfertiges, ins Blaue Gesagtes, Vermutetes, aus der Hüfte Geschossenes, nix Halbes und nix Ganzes und schon gar nix auf die Goldwaage zu Legendes.

Sie hat mich gefragt, ob sie mich nennen dürfe, und ich hab zugesagt, weil ich großes Zutrauen zu diesem Forum habe und denke, man steht hier trotz aller Differenzen so zusammen, dass man auch mal Einblick ins Unfertige, Provisorische geben darf. Die Textstücke sind Ausschnitte aus einem viel größeren Zusammenhang und dienen als Beispiel und Aufhänger. Ich versuche, noch einmal klarer zu fassen, worum es zumindest mir geht.

In der Regel sind wir alle moralische Menschen, ganz unabhängig von unserer Position. In der Regel wollen wir gut sein. Es gibt wahrscheinlich nur wenige Leute, die gern schlechte Menschen sein wollen, oder denen es egal ist, oder die sich zum Übermenschen aufgeschwungen haben, über allen und jenseits von Gut und Böse stehen.

Moral bezieht sich aufs Gemeinwohl – auf der Linken beziehen sie sich auf die Menschheit, wir auf der Rechten beziehen uns aufs Volk. Unsere Moral besteht darin, dass wir Gutes für unser Volk anstreben.

Ich sehe zwei bedeutende Schwierigkeiten. Die erste: Wie kann man verhindern, dass die Moral, also unser Wille zum Guten, missbraucht wird? Ich nehme meinen linken Gesprächspartnern (sofern sie sich noch mit mir unterhalten) und Freunden ab, dass sie für etwas Gutes eintreten wollen.

Die Liebe zum Nächsten, auch zum Nächsten aus der Ferne, ist etwas Gutes. Aber dieser moralische Impuls wird nun politisch instrumentalisiert. Die Politik bemächtigt sich dieser Liebe und setzt sie ein, um eine Agenda zu erfüllen. Auf eine ähnliche reine, ungefärbte Liebe stößt man bei Pegida-Demonstrationen: die Liebe zur Heimat, zum eigenen Land und eigenen Volk – Patriotismus.

Immer, wenn Liebe politisch vernutzt wird, wird sie faul, bekommt die Sache einen bitteren Beigeschmack. Aufgrund vieler Erlebnisse (die ich nicht schildern möchte, sie sind zu vertraulich) fürchte ich, dass die Rechte hier nicht anders handeln wird als die Linke. Die Liebe, die sich im Patriotismus äußert, wird instrumentalisiert werden, um eine bestimmte politische Agenda durchzusetzen. Das Aufrechte wird krumm und schief.

„Das Wort ‚Patriotismus‘ ist verbrannt“, sagte mir ein Mitarbeiter der AfD im Magdeburger Landtag, „es ist genauso verbrannt wie ‚Fachkraft‘.“ Bestimmte Leute, die bestimmte Positionen nicht teilen, werden dann halt als „nicht patriotisch“ diskreditiert (obwohl sie ihr Land und ihr Volk ja nicht weniger lieben), und damit haben wir sie: die „Political Correctness“ von rechts. Gegen diesen Vernutzungsmechanismus muss man Einspruch erheben, damit der ursprüngliche Impuls das Gute, Wahre und Schöne bleibt und nicht zum Zweckmäßigen erniedrigt wird.

Ich habe persönlich gar keinen Grund, die Herren Gauland, Kubitschek oder Lichtmesz zu kritisieren. Jeder weiß, dass ich sie im Gegenteil hoch achte und schätze und für Leuchttürme halte. Alexander Gauland ist, da ich ja nun für die BT-Fraktion arbeite, mein oberster Chef, für den ich großen Respekt empfinde. Mit Götz Kubitschek verbindet mich nicht zuletzt wegen gemeinsam geteilter bitterer Erfahrungen eine echte Freundschaft.

Martin Lichtmesz kann ich gar nicht genug für seine Beiträge danken, die immer wieder Verständnis-Schneisen für mich schlagen, den Nebel im Kopf klären, zum folgerichtigen Denken erziehen. Sein Büchlein von der „Hierarchie der Opfer“ halte ich für eine der wichtigsten Publikationen des Antaios-Verlags, ich verschenke es gern und empfehle es zur Zeit und Unzeit. Leuchttürme – aber nehmen wir mal an, die Erscheinungsform des Patriotismus, für die Herr Höcke steht, setzte sich durch.

Andere Leute, z.B. die von der Alternativen Mitte, würden als „nicht patriotisch“ gekennzeichnet. (Und der „Flügel“ und die „Patriotische Plattform“ haben ja in der Tat eine Neigung, sich selbst für die reinste Ausprägung des Patriotismus zu halten, sich für das Wichtigste zu nehmen und auf andere naserümpfend herabzuschauen. Ich dagegen kenne manche dieser „anderen“ und halte ihre Heimatliebe für nicht weniger aufrichtig und wertvoll.)

In diesem Fall müsste man, so habe ich es gemeint, im Namen dieser echten, aufrichtigen Liebe sogar die Leuchttürme kritisieren – damit die Liebe nicht politisch vernutzt wird, damit der moralische Impuls aufrichtig bleiben kann und nicht zur Gesinnungsethik erniedrigt wird.

Die zweite Schwierigkeit: Wie kommt man zu einer verbindlichen Tugendlehre? Wir auf der Rechten schätzen die Tugenden eines Menschen höher als seine Meinung. Es geht uns nicht so sehr darum, ob jemand die „richtige Meinung“ vertritt, sondern aus was für einem Holz er ist.

Taugt er etwas? Kann man sich auf ihn verlassen? Steht er zu seinem Wort? Redet er bloß viel, oder handelt er? Hat er Mut? Usw. – jedenfalls sollte es unter uns so sein, dass wir Ansehen nicht von Ansichten abhängig machen, sondern von der Person.

Mag er oder sie irren, mag ich irren, jeder von uns hat das Recht zu irren, das müssen wir einander zugestehen und auch dem ärgsten Feind. Auf der Linken machen sie grad das Gegenteil: Da heißt es „ohne Ansehen der Person“, niemand darf von jemand anderem beurteilt werden („Diskriminierung“), jeder hat das Recht, zu sein wie er will und wer er will (vgl. auch Aleister Crowleys satanisches „Gesetz von Thelema“).

Es bleibt am Ende zur Urteilsbildung über eine Person nur deren Gesinnung, woraus ja diese ganze widerwärtige Gesinnungsschnüffelei und Hypermoralisiererei und Gutmenschentümelei resultiert. Wir dürfen nicht in diese Gesinnungsfalle tappen – aber wie können wir sie umgehen? Wie können wir begründen, dass die Tugend über der Gesinnung steht? Und wie können wir welche Tugenden als allgemein verbindlich begründen? – Glaubt bloß nicht, das seien Elfenbeinturm-Spielereien und -Spinnereien!

Es sind hoch notwendige, gesellschaftspraktische Überlegungen, die unbedingt Antworten erfordern, wenn es denn eine wirkliche konservative Wende geben soll und nicht bloß eine Vertauschung des Vorzeichens, wenn es wirklich eine alterative Gesellschaft geben soll, die die Bezeichnung alternativ verdient! – Und jetzt sind wir bei den Ereignissen der Buchmesse. Mein Unwohlsein ist keineswegs moralisch begründet, sondern ästhetisch.

Das ist nicht der Stil, den ich schätze. Und keinesfalls war es ein „moralischer Sieg“, als den Martin Sellner es darstellt: denn in moralischer Hinsicht waren die einen von den anderen nicht mehr zu unterscheiden. Es war dasselbe unter vertauschten Vorzeichen.

Die Vorzeichen sind politisch, hier die Parole „One World“, dort die Parole „Vaterland“. Für mich ein Beispiel dafür, wie der politisch-moralische Mechanismus durch den „eisernen Vorhang“ der Lagergrenzen diffundiert und von einer Seite auf die andere wechselt und dabei nur mal das Gewand vertauscht.

Für einen moralischen Sieg wäre ein Signal notwendig gewesen, das die Tugend über das Politisch-Parolenhafte stellt. Das Deutschlandlied zu singen, kraftvoll, aufrecht, edel, ritterlich, unbeeindruckt von den Großmäulern und Schreihälsen – das wäre vielleicht das beste Signal gewesen.

So war es ein gelungenes Beispiel für „stand your ground!“, nicht mehr und nicht weniger, und als solches zweifellos richtig und wichtig – aber ich habe die Ereignisse eben noch in einem anderen Zusammenhang gelesen.

Gott befohlen!

Kommentare (38)

Tom Hell
10. Dezember 2017 11:39

Lieber Herr Wawerka,

sie sprechen mir mit so vielen Sätzen aus der Seele.  Das liegt sicherlich auch daran, wenn ich z.B.  mit linken Bekannten diskutiere immer der "Rechteste" bin und wenn ich mit rechten Bekannten diskutiere immer der "Linkeste" bin. ;-)

Was viele "Volkstod"-Linke nicht verstehen können oder wollen, ist das man dieses Land, seine Kultur und die Menschen schätzen kann ohne sich auf ein Podest zu stellen und andere Völker und Kulturen für minderwertig zu halten.

Ich habe auf jedenfall eben gerade mein Abo abgeschlossen. Weiter so und Danke an Schnellroda und seine Menschen.

Franz Bettinger
10. Dezember 2017 11:47

Es gibt nichts Böses, nur Missverständnisse. Die wären korrigierbar, wären da nicht zwei Gegenspieler: das geistige Unvermögen (die Dummheit) und der präformierte Wille (das Vorurteil). Gegen beides hat auch der Beste einen schweren Stand. Es kann primär also nicht darum gehen, zu überzeugen. Das ist aus besagten Gründen meistens unmöglich. Es muss in erster und letzter Linie darum gehen, das Ziel zu erreichen wie auch immer! Deshalb denkt weniger grundsätzlich, mehr praktisch und taktisch!

Das Alte Testament ist voller Beispiele. Gott war ein Befehlshaber. Er wollte gar nicht, dass wir ihn und die Welt verstehen. Wieso zieht es uns also immer noch hin zu diesem verfluchten Baum der Erkenntnis? Ich glaube nicht an Gott, aber wir verstehen uns gut. Das reicht. 

Es sollte klar werden, dass die Moral zu den mir Nahen (= ich, meine Familie, mein Volk, meine Rasse) höher-rangig ist als die Moral zu fernen anderen Völkern und Rassen. Vor der eigenen Tür zu kehren ist wichtiger als in der Wüste zu kehren. Wie oft habe ich (auch professionelle) Altruisten (Pfarrer, Ärzte, Heiler jeder Couleur) kennengelernt, die nur so strotzten vor Passion / Mitgefühl fremdem Klientel gegenüber, dabei aber in den eigenen vier Wänden ihre Kinder anschrieen und ihre Frauen schlugen.

Wieso sollte der Lette viel für den Griechen übrig haben? Die sind zu weit von einander weg. Loyalität, Solidarität und Liebe sind per Definition freiwillige Haltungen. Sie können nicht eingefordert werden. Sie sind da, oder nicht.

Heterogene Populationen sind unnatürlich (erst recht in der Tierwelt) und daher zum Scheitern verurteilt. Die Geschichte ist voll solcher Misserfolge. Sogar in der Schweiz sind sich die Franzosen und Deutschen nicht grün. In Belgien sowieso. Es ist eigentlich alles sehr simpel. Leider werden wir von Simpeln regiert. In Berlin und in Brüssel.

@ Warwerka bzgl. Höcke: Es geht nicht um patriotisch oder unpatriotisch, sondern um mehr oder weniger Patriotismus. Damit ist das Problem der AfD-Flügel als Schein-Problem vom Tisch. Es gilt der alte Spruch: Jeder an seinem Platz und wie er kann. Zusammen sind wir stark. Das ist keine Floskel.

Nein, bitte keine Leuchttürme kritisieren. Im Gegenteil: Stärkt diesen Leuten den Rücken! Hier gehört unsere Wertschätzung, ja unsere Liebe hin. Wir brauchen keine Haare zu spalten und keine Engel auf Nadelspitzen zu zählen. Überlassen wir das den Nebelwerfern von der Maas bis an die Merkel, und lachen wir drüber!

@ Buchmesse:  Das Deutschland-Lied singen hätte den Gegner ermutigt, noch lauter "Nazis raus" zu brüllen. Und da der Nazi-Slogan weit stärker ist als das zarte DLied, hätten wir bald nur noch dumm aus der Wäsche geschaut. Ich fand es gekonnt und war froh, dass Sellner und Kubitschek gut erkannt haben, dass man die Antifanten am wirksamsten mit den eigenen Waffen schlägt. Ich sagte es schon mal: "Nazis raus" muss UNSER Spruch werden. Das treibt die anderen in den Wahnsinn. Dass das hier auf dem Forum so wenige sehen können!

Herr K.
10. Dezember 2017 12:01

Grundsätzlich kann nur ein "Besser-Sein" erzeugt werden, wenn Rechte mit Linken und deren Positionen wertschätzend umgehen, was auch unbedingt für den Umgang unter einander gelten muss.

Wertschätzend heißt: ich anerkenne respektvoll die positive Absicht, füge meine Kritik jedoch bezüglich der Ausführung hinzu.

Absolut kein Mensch ist böse. Jeder hat eine intrinsische, positive Absicht, jedoch allzu oft auf Kosten Dritter. Das ist das, was man dann böse nennt. Böse ist eine kognitionspsychologisch verkürzte Form von Realität, man macht es sich zu einfach damit.

Und genau das fällt einem dann auf die Füße, egal ob rechts oder links. Würde man die Motivation beachten, könnte man ja vlt sogar seinem Gegner den Wind aus den Segeln nehmenehmen, indem man darauf eingeht - und zwar nicht nur zum Schein.

Aber man kann natürlich auch immer feste druff hauen...

Selbstdenker
10. Dezember 2017 12:13

Her Wawerka, danke für Ihren guten Beitrag. Ich habe mir den Vortrag von Björn Höcke bei der Compact Konferenz angeschaut. Wir wissen, was dieser Mann mitmachen muss. Er sagte, wir könnten die gleichen Mittel anwenden wie diese sog. Künstler, genau das werden wir aber nicht tun. Wir müssen unser Volk wieder vereinen, das diese Globalisten so gespalten haben. Das waren etwa seine Worte. Ich bin absolut seiner Meinung. 

RMH
10. Dezember 2017 14:31

"Moral bezieht sich aufs Gemeinwohl – auf der Linken beziehen sie sich auf die Menschheit, wir auf der Rechten beziehen uns aufs Volk. Unsere Moral besteht darin, dass wir Gutes für unser Volk anstreben."

Ich kann diese Thesen in dieser kurzen Form nicht teilen, da für mich Moral beim Volk nicht aufhört. Abstrakt behandelt und gedacht, bilden Völker dann konsequenterweise wiederum moralisch handelnde Subjekte (im juristischen gibt es bspw. die Bezeichnung Völkerrechtssubjekt). Um einmal einen Verbesserungsversuch zu wagen, ohne aber bitte jetzt als Oberlehrer missverstanden zu werden:

"Moral bezieht sich aufs Gemeinwohl – auf der Linken beziehen sie sich auf die Menschheit, wir auf der Rechten beziehen uns aufs Volk, welches seinerseits eine Moral zu haben hat. Unsere Moral besteht darin, dass wir Gutes für unser Volk anstreben, damit es Gutes auf der Welt bewirken kann."

Das Christentum ist unbestreitbar universell und hat für den Christen - und damit auch für den patriotischen Christen - Weltgültigkeit. Für den Konservativen, so verstehe ich es zumindest, hat jeder an dem Posten an dem er steht, in dem Volk, in das er geboren wird, seinen Weg zu gehen. Ideal gedacht: Wenn jeder sich dabei anständig verhält, geht es jedem Volk gut, verhält sich jedes Volk anständig, geht es letztlich der Welt gut, wobei dieses Ideal nie durch den Menschen alleine verwirklicht werden kann (wenn man christlich denkt - denn der Christ weiß, dass der Mensch der Erlösung durch Christus bedarf).

PS: Das "kollektive Denken" - sei es in Völkern oder im Begriff der "Menschheit" - ist meines Erachtens immer nur eine Hilfskrücke und daher mit gesunder Skepsis zu behandeln, da konsequent betrachtet kollektives Denken allzu oft in der Sippenhaft endet, wogegen ich mich klar verwahren möchte. Letztlich ist es doch eher so, dass der Marxismus Klassenunterschiede aufheben will, der Kulturmarxismus dann eben nicht nur die Unterschiede der Klassen Bourgeoisie und Proletariat sondern auch noch die grundsätzlichen Unterscheidungen einer Gesellschaft, wie Mann und Frau, Oben und Unten etc. - der Rechte dagegen empfindet an Unterscheidungen an sich noch nichts Unrechtes, solange diese nach Regeln erfolgt, die allgemein von den ihr Unterliegenden als gerecht empfunden und geteilt werden.

Maiordomus
10. Dezember 2017 14:38

Jenseits der Einschätzung, wie man sich in Frankfurt hätte benehmen sollen, gewiss wäre das Deutschlandlied immer noch besser gewesen als Zurückbrüllen, bleibt es dabei, dass so oder nicht einfach gesagt werden kann, welches Verhalten damals das Richtige gewesen wäre. Das ist nun wohl allmählich abzuhaken, selber betonte ich mehrmals, dass ich nicht dabei hätte gewesen sein wollen. Und über Höcke ist das letzte Wort wiederum noch kaum gesprochen. Und ausserdem ist niemand mehr einfach unbefangen, der sich über seinen "Chef" äussert (auch wenn dieser Gauland heisst), wiewohl ich es ausgezeichnet finde, dass Wawerka offenbar zu einem Denkpool der AfD vorgestossen ist. Dabei kann nicht garantiert werden, dass Wawerka dabei glücklich wird. Aber die Fraktion ist auf gute und integre Leute von der Qualität Wawerkas angewiesen, vielleicht noch mehr als Wawerka auf die AfD. Von diesem Aufsatz finde ich indes das Grundsatzpolitisch und das Politisch-Moralische zutiefst bedenkenswert, die Gefahr, sich bloss in ein gegenteiliges Schema der Linken bei vergleichbarer moralischer Qualität zu verirren, muss unter Kontrolle gebracht werden. Andererseits führt das Sich-Moralisch-Besser-Fühlen dann bekanntlich in eine moralistisch-aggressive Sackgasse, so wie dies nicht wenige unter den Linken vorleben. Moralismus macht aggressiv und immunisiert gegen das Böse in einem selber. Wie auch immer, Wawerka schreibt hier Bedenkenswertes, er appelliert an die Adresse des eigenen Lagers an das Gewissen, mit dem eigenen Risiko, selber zwischen Stühle und Bänke zu geraten. Aber der Platz des Gerechten auf Erden ist nun mal, wie Marie von Ebner-Eschenbach anmerkte (die wohl klügste Österreicherin aller Zeiten) nun mal zwischen Stühlen und Bänken, nur im Himmel vielleicht zur Rechten Gottes. Sicher ist, dass gegenseitige Verdächtigungen innerhalb des "patriotischen Lagers", wenn man es schon so nennen will, politisch nirgendhin führen. Dagegen anzuschreiben scheint mir eine positive Grundtendenz von Wawerkas Artikel zu sein. Die Hauptsache scheint mir, dass wir uns aus der Warte seiner Integrität des Geistes "etwas sagen lassen", auch wenn es uns im Detail vielleicht nicht passt.

Monika L.
10. Dezember 2017 14:41

Ich bin sehr froh, daß der Diskurs über " Unsere Moral" jetzt endlich geführt wird. Auslöser und Durchbruch war sicher die Buchmesse. Und das Buch MLL und MRR.

Beides kommt für mich persönlich mindestens 20 Jahre zu spät, aber ' meyn Geduld hat ursach' . :)

Der Versuch der Linken, mit Rechten zu reden,  ist halbherzig und zaghaft, letztlich ein Rohrkrepierer oder er kommt überhaupt nicht zustande. ( Asal Darden: " Kein Dialog mit Rechten  - Wir brauchen einen vielstimmigen Diskurs unter Demokraten")Nun sind wir auf uns selbst zurückgeworfen und - sollten einen vielstimmigen Diskurs  in den eigenen Reihen führen. 

Es geht m.E. nicht nur darum, mit den Linken " zu unseren Bedingungen zu reden" ( siehe Editorial von Kubitscheck in der Neuen Sezession 81)," weil die Linke uns dringender braucht als wir sie". Nein, wir brauchen die Linke im Grunde überhaupt nicht. Ein befreiender Gedanke. Vielleicht ist es gut, dass die Linke sich verweigert und " in der intellektuellen Selbstgewißheit wiegt, es " reiche, dass man mit der Macht der Logik den Rechtsrednern den Wind aus den Segeln nehmen könne" ( ebd.) Ist es nicht eher so, daß wir im eigenen Kreis mit Logik Wind in die rechten Segel blasen können ? Das heißt im Umkehrschluß ( siehe Sezession 81 , Vorwort) : Nicht die Linke weist uns nach, dass unser Volksbegriff eindimensional ist, sondern wir zeigen auf, dass er mehrdimensional ist....und weiter: Unsere Widerstandsattitüde ist nicht nur haltbar, sie ist auch keine Attitüte. Wobei wir bei " Unserer Moral " wären. 

Wie kommt man zu einer verbindlichen Tugendlehre ? Was erhebt uns über das Politisch-Parolenhafte ? 

Es gibt im rechten, bzw. nichtlinken Lager verschiedene Tugendmodelle:

1. Christliche Tugendlehre  ( Pieper, Guardini: der ritterliche Mann)

2. Philosophische Tugendlehren

eher rechte Randtugendlehren wie Donovans Becoming an Barbarian) 

3. Aus der politischen Unterdrückung und totalitären Systemen geprägte Widerstandsbewegungen, die sich in der Praxis bewähren müssen, etwa Kontrakultur, aber auch dissidente Bewegungen in Osteuropa ( Havel, versuch in der Wahrheit zu leben) oder Ivan Jirous ' Zweite Kultur

......ist natürlich zu ergänzen durch andere rechte Widerstandskonzepte.

Die Binnenunterschiede innerhalb des rechten Lagers werden größer sein als zwischen CDU, SPD, FDP und Grüne ( Maiordomus) Diese Binnenunterschiede bestehen schon sehr lange, sie wurden durch den gemeinsamen politischen " linken Feind" verdeckt. Da der Feind sich sozusagen verdünnisiert, entstehen ganz neue rechte Konstellationen. Es wird spannend und interessant....

Karl
10. Dezember 2017 14:46

Einmal vorausgeschickt: ich schätze Herrn Wawerkas Eintreten für unsere Sache und würde mir nicht nur eine „Alternative für Deutschland“ wünschen, sondern auch eine „Alternative Kirche für Deutschland“…

Dennoch einige Anmerkungen zu den dargelegten Gedanken: immer, wenn das Wort „immer“ verwendet wird, gehen bei mir die Warnleuchten an. Natürlich gibt es allgemeine wissenschaftlich fundierte Gesetze, doch in Aussagen wie:

„Immer, wenn Liebe politisch vernutzt wird, wird sie faul, bekommt die Sache einen bitteren Beigeschmack.“

bezweifele ich deren Allgemeingültigkeit. „Liebe“ kann politisch instrumentalisiert werden und wird politisch instrumentalisiert, ohne dass „die Sache“ einen „bitteren Beigeschmack“ bekommen muss. Das Engagement von Politikern ist nicht nur aus einer narzisstischen, materiellen oder Machtmotivation heraus, sondern auch aus einer altruistischen (deren Wechselbeziehung zu egoistischen Motiven einmal beiseite gelassen) Motivlage, einer „Liebesbeziehung“ - z.B. zum Volk (Patriotismus) - heraus beschreib- und erklärbar. Dies altruistische Motiv kann, muss aber nicht derartig „vernutzt“ werden, dass „die Sache“ „faul“ wird. Im Gegenteil kann dies innere Glühen aus Liebe zu einer „Sache“ gerade auch zielführend und erfolgreich sein, so dass „die Sache“ nicht „faul“ wird, sondern blüht, wächst und gedeiht.

Die Einforderung dieser „Liebesbeziehung zur Sache“ – also eine inhärente PC-Haltung andererseits  - ist natürlich kontraproduktiv.  Dann wird „das Aufrechte krumm und schief“, da diese Haltung nicht von innen heraus ihre Kraft bezieht, sondern von außen herein tritt, als etwas Äußeres zum Eigenen werden soll, mit dem Ergebnis einer ambivalenten, weder queren noch geraden Haltung…

Weiter ist mir aufgestoßen, dass etwas vage von „bestimmten Positionen“ gesprochen wird, die „bestimmte Leute“ nicht teilen, die dann als „als <<nicht patriotisch>> diskreditiert“ werden. Diese würden „ihr Land und ihr Volk ja nicht weniger lieben“. Hier wäre eine etwas eingehendere, damit für Außenstehende nachvollziehbarere Beschreibung hilfreich. Um welche Positionen handelt es sich denn hier? Erst wenn diese Positionen klar auf dem Tisch liegen, kann überhaupt daran gegangen werden, zu beurteilen, inwieweit eine solche Abqualifizierung nicht nur für den Autor subjektiv geschieht, sondern interindividuell geteilt werden kann oder nicht. Weiter ist die Behauptung, dass als nicht patriotisch Diskreditierte „ihr Land und ihr Volk ja nicht weniger lieben“ ebenso subjektiv. Wonach wird das Ausmaß der „Liebe“ bemessen? An dem, was man (vorgeblich) zu tun bereit sei? An dem was man wirklich tut?  An dem, was man sagt, was man zu tun bereit sei? Etc.pp. Das „Gute, Wahre und Schöne“ ist immer in einem Kontext zu verorten, der die Güte, Wahrheit und Schönheit doch oft sehr relativiert…Über die Bande gespielt gerät der „reine“ Altruismus so dann durchaus doch zum Utilitarismus/Pragmatismus. Wir begeben uns auf sehr dünnes Eis, wenn wir beginnen aufzurechnen, welche oder wessen „Heimatliebe“ „weniger aufrichtig und wertvoll“ oder genauso „aufrichtig und wertvoll“ sei wie die jeweils andere. Für solche Be- (oder besserVer-) urteilungen liegen keine standardisierten, nachprüfbaren Kriterien vor.

Wenn Wawerka schreibt: „Es bleibt am Ende zur Urteilsbildung über eine Person nur deren Gesinnung,…“ so ist dies offenbar nicht wirklich so gemeint (das wäre ja PC), denn einige Zeilen später ist die Rede von der „Gesinnungsfalle“ und davon, dass „Tugenden“ „über der Gesinnung“ stünden. Und davon, wie wir „welche Tugenden als allgemein verbindlich begründen“ können? Dazu meine Frage: sind „Tugenden“ Entitäten, die bestimmt („gemessen“) werden können? An dem was gesagt wird oder an dem was getan wird? Wie stabil, also zeit- und kontextunabhängig müssen sie sein, um als solche zu gelten? (Heute bin ich mal tugendhaft…).

Schließlich noch eine Bemerkung zu den Buchmessevorfällen. Zur Beurteilung der Ereignisse sollte nicht allein deren bloßes Auftreten, deren Existenz, sondern auch deren zeitliche Abfolge, deren Verlauf herangezogen werden. Auch aus moralischer Perspektive ist es relevant zu erkennen, ob eine Handlung vor oder nach der anderen erfolgte. Eine einer nachgeordneten Handlung vorausgehende kann als kausal für deren Eintreten interpretiert werden und ist keinesfalls „dasselbe unter vertauschten Vorzeichen“. Auch mit klaren politischen Parolen kann eine Tugend klar zum Ausdruck gebracht werden, was hier auch geschah. Einen Widerspruch zwischen dem Ausdruck der Tugend über das Deutschlandlied und dem „Politisch-Parolenhaften“ zu konstruieren halte ich für abwegig. Beides ist gut.

deutscheridentitärer
10. Dezember 2017 18:28

Obwohl ich mich der Aussage Wawerkas zu dem Verhältnis von Tugend und Gesinnung nur anschließen kann, bleiben mir seine Schlußfolgerungen daraus unverständlich.

Ästhetisches Missfallen, nun gut, das ist wenigstens teilweise eine subjektive Angelegenheit. Mit differenzierten Charakteren wie Herr Wawerka assoziiere ich auch einen skrupulöseren Geschmack, während mein eigener sicher vulgärer und massenhafter ist, was die unterschiedliche Bewertung erklären mag.

Nur: bei der moralischen Bewertung kommt es eben doch ganz entscheidend auf das Vorzeichen an. Es kann nicht außen vorbleiben, wer angefangen und wer reagiert hat. Das Zurückrufen war eine lupenreine Notwehrsituation gegenüber einer linken Aggression. Das hierzu das geiche Mittel angewandt wurde ist dabei doch völlig irrelevant.

Und in Gegenwart einer unrechten Aggression seinen Mann zu stehen, dabei seine Hemmungen und Ängste zu überwinden - was ist das, wenn kein moralischer Sieg?

(Und: auch das Niedeschreien eines linken Vortags wäre u.U. moralisch geboten - so ganz lässt sich Gesinnung und Tugend dann nmlich doch nicht voneinander trennen)

Und was Herr Höcke angeht, so habe ich nur ein geringen Einblick in das Innenleben der Partei, aber gerade die Äußerungen auf Facebook seitens der "Gemäßigten" sind geprägt von feiger Distanzeritis, unsachlicher Anpatzerei und Dummheit.

Selbst Klonovsky wird mir in letzter Zeit mit seinem peinlichen Anti-Höcke-Film vergällt. Wer die Acta Diurna mal ein paar Jahre zurückgeht, wird leicht Sätze finden, die noch ungleich leichter skandalisierbar sind, als die Höckes. Nur will das niemand, weil a) Klonovsky nicht wichtig genug ist und b) die Medien mehr oder weniger willkürlich beschloßen haben, dass Höcke als das rechte Schreckgespenst der AfD herhalten muss.

Höcke selbst verhält sich auch taktisch seit langem einwandfrei. Gauland, Petry, wer auch immer, die meisten haben  sich gröbere taktischere Schnitzer geleistet als Höcke, nur hat man es bei denen rasch wieder vergessen.

Franz Bettinger
10. Dezember 2017 20:43

@ Herr K.

Sie haben recht: "Kein Mensch ist böse. Jeder verfolgt eine gute Absicht. Jedoch auf Kosten Dritter oft. Das ist, was man böse nennt: eine kognitions-psychologisch verkürzte Form der Realität. Man macht es sich damit einfach." Auf den Gegner einzugehen, darin liegt das Geheimnis des Erfolges. Nachdem erst mal Empathie hergestellt ist, besteht die Chance zu überzeugen. Ja.

@ Selbstdenker und @ Deutschidentitärer:

Danke für ihre Lanzen für Höcke. (Bedauerlich, dass ich mich in Frauke Petry getäuscht habe. Ob man sie gekauft hat?)

@ Maiordomus:

"Die Gefahr, sich in ein gegenteiliges Schema der Linken zu verirren, muss (FB: bei der AfD) unter Kontrolle gebracht werden." Da ist mir gar nicht bange, lieber Hausherr. Das nahezu alle Lebens- und Politik-Bereiche abdeckende und sehr basisdemokratisch hergestellte AfD- Programm enthält von links bis rechts fast nur Richtiges. Ich erkenne da nichts Dogmatisches, sondern state of the art, Wissenschaft und ein gesundes Empfinden (auch für das Soziale) am Werk. Kein Wunder, dass 'Die Linke' sich vor der AfD fürchtet.

@ Monika und @ Maiordimus:

"Die Binnenunterschiede innerhalb des rechten Lagers werden größer sein als jene zwischen CDU, SPD, FDP und Grünen". Das glaube ich nicht. Die sich schnell nähernde Katastrophe der Überfremdung eint und fokusiert uns.

@ Karl:

Eine "Alternative Kirche für Deutschland“? Großartiger Vorschlag! Dem steht vermutlich die Nibelungen-Treue unserer Christen im Weg und der Hass - ja ein schwächeres Wort wäre unangebracht - auf jedes Schisma. Ansonsten haben Sie die Vagheit "bestimmter Positionen und Leute" in Wawerkas Text bemängelt. Ich finde ja auch, solche Andeutungen sollte man unterlassen oder unterfüttern. Butter bei die Fische! Ganz allgemein stößt mir der Begriff "Gesinnung" - im Gegensatz zur "Tugend" - unangenehm auf. Ich erinnere mich noch mit Abscheu an die Gewissens-Prüfung beim KWE bzgl. Kriegsdienstverweigerern. (Nein, nein, ich selbst habe gedient.)

Lyrurus
10. Dezember 2017 21:24

Der Kernsatz ist für mich "Wir auf der Rechten schätzen die Tugenden eines Menschen höher als seine Meinung."

Dies wird aber zunehmend nicht mehr beherzigt, und ich sehe tatsächlich in Teilen unseres Lagers ein Klima entstehen, wo die "Gesinnung" mehr zählt als Tugend und Können. Dazu kommt eine wachsende Abneigung gegen komplexes Denken und das Nichteinhalten von selbstverständlichen Regeln - sei es im Formellen oder im menschlichen Umgang.

Schön, daß die Sezession hier eine Ausnahme darstellt, und ich halte es inzwischen für einen großen Vorteil, daß Kubitschek und Kositza und andere wichtige Akteure nicht in eine Parteidisziplin einzubinden sind.

Bei Ihnen, Herr Wawerka, bin ich mir sicher, daß auch die Arbeit im BT Sie nicht korrumpieren wird. Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei - und Gottes Segen.

Benno
10. Dezember 2017 23:57

Das Deutschlandlied, gesungen aus dutzenden Kehlen, ist kein zartes Liedchen, sondern eine mächtige Hymne, wie eigentlich jede Nationalhymne (ausser der spanischen vielleicht). "Nazis raus" zu brüllen finde ich mitunter das Dümmste was man machen kann. Denn erstens sind das genauso wenig Nazis wie wir und zweitens ist es dann wirklich ein Kindergarten mit umgekehrten Vorzeichen. "Ihr seid die Nazis!" "Nein ihr seid die richtigen Nazis!" "Aber ihr seid die krasseren Nazis!" Also bitte, wir haben doch zumindest etwas Niveau...

Apropos Deutschlandlied, was denken sie, Herr Wawerka, wie lange es gehen wird, wenn bei jeder (Buchmessen-) Gelegenheit das Deutschlandlied gesungen wird, bis hier von  "Vernutzungsmechanismus" die Rede sein wird, dass das Deutschlandlied doch allen Deutschen gehöre, egal ob sie schon ein wenig länger oder erst seit kurzem in Deutschland leben und doch nicht einfach von den selbsternannten Patrioten von der Rechten missbraucht werden dürfe?  So einfach kommt man aus der Geschichte nicht raus.

Im Übrigen teile ich einmal uneingeschränkt die Meinung des Hausmeiers: "Das ist nun wohl allmählich abzuhaken..."

"Die Liebe zum Nächsten, auch zum Nächsten aus der Ferne, ist etwas Gutes. Aber dieser moralische Impuls wird nun politisch instrumentalisiert. Die Politik bemächtigt sich dieser Liebe und setzt sie ein, um eine Agenda zu erfüllen."

Hat nicht Davila geschrieben, die Beimischung einiger Tropfen Christentums zu einer linken Gesinnung mache aus einem Trottel einen Volltrottel?

quarz
11. Dezember 2017 00:04

@Wawerka

"Moral bezieht sich aufs Gemeinwohl"

Nicht nur und nicht einmal in erster Linie. Die Primäre moralische Situation ist die Dyade: Individuum x hat eine Pflicht gegenüber Individuum y bzw. y hat ein Recht gegenüber x. Daraus ergeben sich in zweiter Linie Pflichten in Bezug auf Kollektive von Personen wie eine Familie, ein Volk oder eine rechtlich verfasste Gemeinschaft.

"auf der Linken beziehen sie sich auf die Menschheit, wir auf der Rechten beziehen uns aufs Volk. Unsere Moral besteht darin, dass wir Gutes für unser Volk anstreben."

Es gibt wohl kaum einen Rechten, der allen Ernstes behaupten würde, dass es keinerlei moralische Pflichten gegenüber Individuen gibt, die unserem Volk nicht angehören (als Theologe haben sie das im Gleichnis vom barmherzigen Samariter). Es gibt allerdings - und das wird aus politisch rechter Perspektive gegenüber linker Verweigerung akzentuiert - privilegierte Verantwortung gegenüber Angehörigen bestimmter Kollektive. So wie ein Familienvater nicht nur das moralische Recht, sondern auch die moralische Pflicht hat, seine eigenen Kinder in verschiedener Hinsicht gegenüber den anderen Kindern der Menschheit zu begünstigen, so besteht auch auch unter Angehörigen desselben Volkes in mancherlei Hinsicht eine moralisches Recht auf und eine moralische Pflicht zu privilegierte(r) Solidarität. Diese privilegierten Rechte/Pflichten sind nicht absolut und unbegrenzt, aber sie sind vorhanden.

@Bettinger

Ich war die letzten Tage leider verhindert und konnte ad abortionem nicht mehr replizieren, darum hier nur ganz kurz drei Punkte:

1. Das Selbständigkeitskriterium trägt nicht. Kein Lebewesen ist absolut selbständig. Jeder von uns hängt mehr oder weniger von anderen ab. Der Säugling oder der Verletzte auf der Intensivstation wären ohne Unterstützung durch andere Menschen sehr bald tot. Diese Abhängigkeit erzeugt kein Tötungsrecht.

2. Für Spermatozyten interessieren sich in moralischer Hinsicht deshalb (zu Recht) wenige, weil sie - anders als Embryonen und Föten - in keiner Identitätskontinuität mit dem Erwachsenen Menschen stehen. Sie sind einfach Lebewesen. Sie können damit allenfalls jenen ein Argument entgegensetzen, die die These vertreten, dass jede Tötung eines jeden Lebewesens Unrecht ist.

3. Sie verweisen viel auf Praktiken und moralische Ansichten in anderen Kulturen und zu anderen Zeiten. Ich kann weitere anfügen: Spartaner haben kleine Kinder von Klippen geworfen. Azteken haben dafür Auserwählten bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust geschnitten. Aber so what? Daraus irgendwelche moralischen Thesen abzuleiten hieße, den naturalistic fallacy zu begehen. Was Menschen zu tun pflegten, ist eine Frage, die den Ethnologen oder Historker zu interessieren hat. Den Ethiker interessiert, ob ihre Taten moralisch gerechtfertigt waren. Und das ist eine ganz andere Frage. Denn entgegen einer vulgärethischen Auffassung wohnt dem Faktischen keine (moralisch) normative Kraft inne.

Hartwig aus LG8
11. Dezember 2017 00:22

""Wir auf der Rechten schätzen die Tugenden eines Menschen höher als seine Meinung. Es geht uns nicht so sehr darum, ob jemand die „richtige Meinung“ vertritt, sondern aus was für einem Holz er ist.""

@Wawerka
Das ist ein guter Satz von Ihnen. Ich ahne auch, was Ihr allgemeines Anliegen ist. Ich teile Ihre Sorge. Allerdings haben auch Bedenken ihre Zeit. Und Ihre Bedenken kommen zur Unzeit. Ihre Kritik an Höcke teile ich in keinster Weise. Ihre Kritik am "Buchmesse-Duell" ist auch kaum nachvollziehbar. Es ist so, als wenn der Militärseelsorger Manöverkritik übt, während die Offiziere und Soldaten Kopf und Kragen riskieren. (nichts für ungut Herr Wawerka– ich weiss, wie weit Sie persönlich gegangen sind und welchen Preis Sie bezahlt haben – es steht mir kaum zu, Sie in dieser Weise anzugehen. Dennoch muss Kritik möglich sein.)
Ich versuchte es schon unter Ihrem letzten Artikel auszudrücken: Erwarten Sie von der Rechten keine moralische Wende. Es geht um Macht und um eine Machtergreifung – zum Wohle unseres Volkes und der europäischen Völker; um es realistischer auszudrücken, es geht ums nackte Überleben einer Rasse und Kultur. Das bedingt Härte und Mut; aber auch Ränke und Täuschung; Strategie und Taktik. Für die Moral sind andere Institutionen prädestiniert, die Sie als Pfarrer natürlich in ihrer ganzen Bandbreite kennen.

Lotta Vorbeck
11. Dezember 2017 04:03

@Pastor Thomas Wawerka

"Ich habe persönlich gar keinen Grund, die Herren Gauland, Kubitschek oder Lichtmesz zu kritisieren. Jeder weiß, dass ich sie im Gegenteil hoch achte und schätze und für Leuchttürme halte. Alexander Gauland ist, da ich ja nun für die BT-Fraktion arbeite, mein oberster Chef, für den ich großen Respekt empfinde. Mit Götz Kubitschek verbindet mich nicht zuletzt wegen gemeinsam geteilter bitterer Erfahrungen eine echte Freundschaft."

To put it in a nutshell: CONGRATULATION!

Möglicherweise hatten diejenigen, welche Sie werter Herr Wawerka aus dem kirchlichen Dienst entfernten/entfernen ließen, sich (gedanklich) bereits daran delektiert, den geschassten Pastor nun allmonatlich zum Amt schlappen zu sehen, wo er auf Gnade und Barmherzigkeit des zuständigen Sachbearbeiters hätte hoffen müssen, um sich ungünstigenfalls einem bunten Strauß an behördlichen Schikanen auszusetzen, nur um der Hartz4-Leistungen nicht verlustig zu gehen.

Als Mitarbeiter der AfD-Fraktion im Reichstag dürfen Sie nun - im materiellen Sinne, was die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts anlangt - ungleich besser aufgehoben sein, als dies unmittelbar nach Ihrer Entlassung der Fall gewesen ist.

"Sie hat mich gefragt, ob sie mich nennen dürfe, und ich hab zugesagt, weil ich großes Zutrauen zu diesem Forum habe und denke, man steht hier trotz aller Differenzen so zusammen, dass man auch mal Einblick ins Unfertige, Provisorische geben darf. Die Textstücke sind Ausschnitte aus einem viel größeren Zusammenhang und dienen als Beispiel und Aufhänger."

Wegen meiner - in dieser Hinsicht kann ich nicht für andere Foristen sprechen - hätten Sie sich nicht nochmals explizit zu erklären brauchen. Selbstverständlich ist's in Ordnung, wenn Sie der SiN-Leserschaft auch mal einen Einblick ins Unfertige, Provisorische gewähren.

"Das ist nicht der Stil, den ich schätze. Und keinesfalls war es ein „moralischer Sieg“, als den Martin Sellner es darstellt: denn in moralischer Hinsicht waren die einen von den anderen nicht mehr zu unterscheiden. Es war dasselbe unter vertauschten Vorzeichen.

Die Vorzeichen sind politisch, hier die Parole „One World“, dort die Parole „Vaterland“. Für mich ein Beispiel dafür, wie der politisch-moralische Mechanismus durch den „eisernen Vorhang“ der Lagergrenzen diffundiert und von einer Seite auf die andere wechselt und dabei nur mal das Gewand vertauscht."

Buch Exodus 21:23-25:
Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde.

Nach Jahrzehnten an emotionalem, unablässigem, politisch-korrekten auf den politischen Gegner niederprasselnden Sperrfeuers - zumindestens für ein Weilchen, sozusagen als Balsam auf die wunde Seele - einfach mal dem eigenen, rechten Äffchen kräftig Zucker geben, just kein Tugendapostel sein zu müssen könnte durchaus als wohltuend empfunden werden.

Wie bereits zuvor im komplementären Caroline-Sommerfeld-Strang ausgeführt: Deshalb muß selbstverständlich niemand zum rechten Jakobiner mutieren, der die Fallbeilmaschinen heißlaufen läßt.

Eike
11. Dezember 2017 05:03

Viel Lobhudelei für einen Artikel mit wenig Substanz. Daß Herr Wawerka Respekt für seinen Chef empfindet, ehrt ihn, aber dafür lese ich nicht sezession.de. Und ob er Grund hat, "Kubitschek zu kritisieren", ist unwichtig, es sei denn, er würde den Grund genau angeben.

Entrückte Banalitäten wie, daß die "Liebe zum Nächsten, auch zum Nächsten aus der Ferne" etwas Gutes seien, wirken in der aktuellen Situation wie blanker Zynismus. Man brauchte mehr als ein paar Kommentarzeilen um einen Unsinn wie "In der Regel sind wir alle moralische Menschen, ganz unabhängig von unserer Position." auseinanderzunehmen. Hier fehlte nur noch Mielke: "Ich liebe Euch doch alle", um mir das Wasser in die Augen zu treiben. Und daß die Buchmesse ein moralischer Erfolg war, steht außer Zweifel, das "kraftvolle" Singen des Deutschlandliedes war dazu nicht nötig.

Franz Bettinger
11. Dezember 2017 12:34

@ quarz:

Dem Faktischen wohnt keine moralisch normative Kraft inne? Da haben die Spartaner also aus bösem Willen raus und ganz umsonst Babys von Klippen geworfen? Und die Azteken ihren Göttern aus purer Unmoral Menschen geopfert? Und Abraham den Isaac... ? Oder stand da doch so etwas wie Moral dahinter, wenn aus heutiger Sicht auch eine perversel? Wie wird unsere Moral rückblickend wohl mal beurteilt werden? Ich bin ganz anderer Ansicht: Ich glaube an das Faktische, denn es kommt nicht von ungefähr. Es kommt oft aus einer natürlichen Not heraus, einem Willen, den die Schamanen und Theologen dann ex post in Kant'sche Schnürstiefel zwängen. "Handle so, dass es allgemeines Gesetz sein kann." Kant hat unrecht. Ein solches Gesetz, das für jeden an jedem Ort zu jeder Zeit gültig wäre, kann es nicht geben. Welches denn? Das Lex, das den Sklavenhandel in Rom regelte? Die geltende Scharia? Jenes Recht der Heiligen Inquisition, der Wahrheit auf die Sprünge zu helfen? Das Kriegsrecht, welches uns zu Töten erlaubt? Die Abtreibungs-Gepflogenheiten in Afrika? Die Euthanasie-Regeln der Eskimos? Die Geburts-, Herren- und Kasten-Rechte der Hindus?

Vielleicht sind  Hindus, Eskimos und Afrikaner uns ach so aufgeklärten Super-Denkern einen gewaltigen Schritt voraus, weil sie ihrer Natur folgen, ihrem Instinkt und weit weniger ihrem Verstand. Die Natur sagt ihnen, dass der Löwe das Recht hat zu töten und andere Tiere zu fressen, auch wenn die unschuldig sind. Dass der Bantu-Häuptling dasselbe Recht hat, und der Schamane, und dass die Söhne der Edlen mehr Rechte haben als die der Ziegenhüter. Es gibt keine Gleichheit, und die Unterschiede sind relevant, auch die, die durch nichts entständen als durch die Geburt und das Erbe.

Gretchen-Frage: Gibt es ein Geburtsrecht? Nach Kant: Nein. Die Natur beweist uns das Gegenteil. Oder es gäbe keine Löwen, keine Pyramiden, keine Könige, keine Reichen und keine Reiche. - Was es stattdessen im Reiche des linken Utopias gäbe? Schrauben. Die sind gleich.

Es gibt keine Gerechtigkeit. Schlimm? Nein. Sind denn Schrauben glücklich? Nur in einer Welt großer Unterschiede kann man träumen. Als Kind träumte ich, einmal Prinz zu werden und die Schneewitchen der Welt heimzuführen. Träumen ist schön, es motiviert, und manchmal gehen Träume auch in Erfüllung. Wenn nicht, hat man wenigstens gut geschlafen.

Franz Bettinger
11. Dezember 2017 12:38

@Hartwig: volle Zustimmung!

@ quarz, ergänzend zum Thema Abtreibung:

Da so viel Gefühl im Spiel ist: Ich empfehle wirklich, sich mal einen Minitropfen Sperma unterm Mikroskop anzuschauen. Ich staunte, dass ich plötzlich Zuneigung zu den kleinen Biestern entwickelte und irgendwie ein wenig traurig wurde bei der Vorstellung, dass das Leben dieser Kaulquappen, die ich produziert hatte, bald zu Ende sein würde, vor allem weil die Natur einen Riesenaufwand damit treibt. Das ist der springende Punkt. Leben gibt es in einem unermesslichen Überfluss. Es ist bei weitem nicht so wertvoll, wie viele annehmen. Man verabschiede sich von der metaphysischen Sonderstellung des Menschen, so schrieb ein Mit-Forist (weiß nicht mehr wer) neulich: Ein Hühnerei ins kochende Wasser zu werfen, wird kaum jemandem Sorgen machen. Ein lebendes Huhn aber?

quarz
11. Dezember 2017 14:00

@Bettinger

Wir reden aneinander vorbei. Jedenfalls sind meine wesentlichen Argumentationspunkte von Ihnen bisher nicht reflektiert worden.

Deshalb will ich nochmal den wichtigen Unterschied zwischen Geltung und Genese verdeutlichen. Nehmen wir ein nichtmoralisches Beispiel. Wenn ein Grundschüler der Meinung ist, dass 7x8=56 ist oder dass die Erde um die Sonne kreist, dann kann man sehr detailliert erforschen, wie diese Meinung zustande gekommen ist, welche biologischen, lernpsychologischen oder geistesgeschichtlichen Zusammenhänge das Zustandekommen dieser Meinung bewirkt haben. All die so gewonnenen Erkenntnisse beantworten aber nicht die Frage, ob die Aussage "8x7=56" bzw. "Die Erde kreist um die Sonne" wahr ist oder nicht. Der Nachvollzug der Genese ersetzt nicht die alethische Begründung.

Bei moralischen Fragen ist es nicht anders. Sie können noch so viel Erläuterungen evolutionsbiologischer oder moralpsychologischer Natur ins Treffen führen. Die Kenntnisnahme des Zustandekommens einer moralischen Überzeugung ersetzt nicht ihre inhaltlich-normative Begründung. Daraus, dass Vergewaltigung oder Folter in den verschiedensten Kulturen praktiziert wurde, folgt nicht, dass sie moralisch gerechtfertigt ist. Normative Ethik hat nicht die Genese, sondern die Geltung moralischer Urteile zum Gegenstand.

Maiordomus
11. Dezember 2017 14:59

@quarz. Unter dieses Ihr argumentatives Niveau sollte man nicht zurückgehen, zumal in der Forderung nach einer inhaltlich-normativen Begründung ethischen und politischen Handelns einschliesslich dem angedeuteten Hinweis, dass das, was geschieht, auch mit historischer und ethnologischer Herleitung oder gar mit Vulgärdarwinismus, der hier im Widerspruch gegen Wawerka neue Urstände feiert,  nicht einfach als richtig oder wenigstens als Richtschnur des Handelns erklärt werden kann. Erinnert mich an ein Gespräch des britisch-indischen Gouverneurs mit einem Maharadscha oder Radscha über unterschiedliche Bräuche in den beiden Ländern: Der eine ehrwürdige Brauch zumindest bei einer Religionsgemeinschaft soll die Witwenverbrennung gewesen sein, wie der Radscha den Gouverneur aufklärte. Darauf der Engländer in seinem bekannt trockenern Humor: "Auch wir pflegen auf unserer europäischen Insel einen ehrwürdigen alten Brauch. Wir hängen Witwenmörder." Letzteres wäre unterdessen gemäss EU-Normen eine schwere Menschenrechtsverletzung.

Heinrich Brück
11. Dezember 2017 15:32

Wenn es an die zu treffenden Entscheidungen geht, noch ist Opposition angesagt, muß die Moral sitzen. Und dann möchte ich die Tugend erleben, die ein schlauer Feind nicht in den Dreck ziehen kann. Moral und Menschlichkeit gehen als erstes über den Jordan. Die Gene machen die Moral. Diese Achillesferse kennt jeder Feind, bis auf die Deutschen. Der Zustand eines gespaltenen Volkes ist nicht unmoralisch, sondern krank. Die normale Natur stellt die Moral, verfügt über das richtige Tugendbeispiel, sollte deshalb die Führung eines Landes repräsentieren. Wenn der Arzt seinem Patienten eine Moralpredigt hält, die Krankheit daraufhin verschwindet, hat der Arzt moralisch gehandelt. Eine Krankheit kann moralisierend nicht therapiert werden. Auf die Sprache wird es ankommen, klar. Die Situation auf der Buchmesse war nicht normal. Auf der einen Seite naive und gedungen-verführte Volksangehörige, auf der anderen Seite die Parole: Wir lassen uns nicht ins Grab bringen! Nach der Heilung des Patienten, kann über Moral geredet werden. Und ohne Moral kann der Patient nicht geheilt werden. Ein Lügensystem begünstigt nicht die Wahrheit.

Maiordomus
11. Dezember 2017 16:25

PS. Hängt mit Wawerkas neuem Job zusammen: Soeben erfährt man, dass eine bisherige Büromitarbeiterin bei der Fraktion "Die Linke" unterdessen zur AfD gewechselt sie, sie betont, niemals Parteimitglied gewesen zu sein und wissenschaftliche Arbeit zu leisten, jetzt ausgerechnet für Herrn Gauland persönlich. Würde auf Anhieb Wawerka als eine eher vertrauenswürdigere Acquisition des Herrn Gauland einschätzen. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing scheint mir vom Eindruck auf jeden Fall nicht das Lebensmotto von Herrn Wawerka zu sein.  

Maiordomus
11. Dezember 2017 16:58

@Brück. "Die Gene machen die Moral" ist allzu simpler biologischer Determinismus, so primitiv, dass nicht einmal das Gegenteil als richtig anerkannt werde kann. Damit können Sie die bedeutendsten Repräsentanten der Menschheit in ihren Gewissens-Entscheidungen, so weit sie freie Entscheidungen waren, was man nie verabsolutieren soll, nicht hinreichend erklären. Nicht vergessen darf man den Satz aus "Macht und Gnade" von Reinhold Schneider, womit sich dieser in Deutschland via den bürgerlichen Insel-Verlag von Anton Kippenberg 1940 und mit einer weiteren Auflage 1943 innerhalb Deutschlands zu Wort meldete, selber als Verfasser eines optimistischen nationalpatriotischen Buches "Fichte - Der Weg zur Nation" (1932). Bezugnehmend auf Fichte hielt Schneider 1940 fest: "Ethik ist nur für den ein Bedürfnis, in dem ein Ethos lebt." Dies darf man in der Tat nicht verallgemeinern, wiewohl Wawerka recht behält, dass die wenigstens als vorsätzlich sittlich gleichgültige oder gar als moralisch verwerfliche Menschen ins Andenken ihrer Angehörigen und der grösseren Gemeinschaft eingehen wollen. Schneider warnte 1940 vor dem Wahnglauben an die sogenannten Instinkte. Dazu brauchte er damals mehr Mut als dieser von Wawerka abverlangt wird, wenn er ähnliche Mahnungen an das deutsche rechte Lager von heute formuliert, welches Lager in seinen vielfältigen ideologischen und doch vor allem in seinen noch teilweise konservativen, rechtsliberalen und nationalliberalen Grundlagen ich keineswegs mit der damaligen extrem gleichmacherischen Norm-Weltanschauung gleichsetzen würde. Klar, hat die Verdummung durch die Macht damals zum Beispiel die differenzierten Stimmen im rechten Lager, es war das bunte Lager der konservativen Revolution und seines Umfeldes, zerstäubt und mehr und mehr unterdrückt.

 

Vgl. noch den sehr bedeutenden Roman "Krebsstation" von Alexander Solschenizyn: "Über die sogenannte moralische Vollkommenheit hat die Partei ein für allemal das Nötige gesagt", vermerkt ein Parteifunktionär zu einem krebskranken Zweifler, für den schon allein schon der Gedanke "Sterben musst du allein" die Partei-Ideologie aufs Äusserste in Frage stellt. Und noch anschliessend: "Wen stört moralische Vollkommenheit? Wohl nur moralisch Verwerfliche!" Die Aussage bleibt im dialektischen Zusammenhang bedenkenswert, selbst wenn man, wie ich, an moralische Vollkommenheit im Prinzip nicht glaubt. Diese existiert wohl nicht empirisch, wenn schon im Sinne von Max Weber ideal-typisch.

 

Was Solschenizyn in seinen oppositionellen Romanen schrieb, wohl bis heute die wichtigsten literarischen Zeugnisse gegen den Totalitarismus, z.B. auch "Der erste Kreis der Hölle", wurde von seinen christlichen Anhängern und Verehrern nach der Wende in Russland fast in keiner Weise umgesetzt. Entsprechend enttäuscht war auch Reinhold Schneider, als er zwischen 1944 und 1947 angesichts von Niederlage und Katastrophe "ein Volk auf der Heimkehr zu Gott" wahrzunehmen glaubte.

 

Franz Bettinger
11. Dezember 2017 19:30

@ quarz: @ Abtreibung:

Nein, so war es nicht. Ich bin absichtlich nicht auf Ihre Argumente eingegangen. Die stehen für sich selbst. Sonst fangen wir an, Haare zu spalten. Dafür ist mir die Kommentar-Spalte SiNs zu kostbar. Jeder mag selbst beurteilen, wie Ihre und meine Argumente zu gewichten sind. Ich habe für Zirkelschlüsse nicht viel übrig. Meine Methode ist die Falsifikation und die Provokation. Beides bringt uns of nah an die Wahrheit heran.

Stellen Sie sich den Fall vor: Ihre von 4 Nafris vergewaltigte Tochter ist dadurch bereichert worden und soll nun Vierlinge bekommen. Tja, was können die 4 Embryos dafür? Was ist mit den Wunschkindern, die die Tochter mal haben wollte? Wird sie die - zusätzlich - noch kriegen wollen? Was raten Sie? Solche Fragen, meine ich. Die bringen einen weiter.

Kositza: Meine Güte, muß es immer so feste druff sein? Oder warum nicht gleich: von acht Männern vergewaltigt und Achtlinge erwartend?

Franz Bettinger
11. Dezember 2017 20:05

@ Maiordomus:

Noch was vergessen und mit Verlaub: Glauben Sie nicht, alles sei vulgär und töricht, was ohne Fremdworte auskommt. Es wird gelegentlich darauf verwiesen, man möge hier doch bitte Anglizismen und die englische Sprache generell vermeiden. Ich hingegen fände es zeitsparend, man vermiede Fremdwörter und ersetzte sie durch Verständliches, wo möglich.

quarz
11. Dezember 2017 22:52

@Bettinger

"Ich habe für Zirkelschlüsse nicht viel übrig"

Wo glauben Sie einen identifiziert zu haben?

"Solche Fragen, meine ich. Die bringen einen weiter."

Ja, nämlich zu der Gegenfrage: in welcher relevanten Hinsicht unterscheidet sich die geschilderte Situation ceteris paribus von jener, bei der die vier bereits geboren sind? Wobei wir wieder beim Lackmustest wären.

Scholasticulus Paracelsi
11. Dezember 2017 23:52

@ Wawerka: "Moral bezieht sich aufs Gemeinwohl – auf der Linken beziehen sie sich auf die Menschheit, wir auf der Rechten beziehen uns aufs Volk. Unsere Moral besteht darin, dass wir Gutes für unser Volk anstreben." 

und @ RMH 10. Dezember 2017 13:31: Ihr Ergänzungsvorschlag (Abs. 3) spricht mr aus dem Herzen: gutes für unser Volk, damit es Gutes in der Welt tun kann.

Wie schon auf einem anderen Strang kürzlich von mir eingebracht: sogar von Linker Seite, in Gestalt von Prof. R. Mausfeld, wird jetzt zugegeben, dass die sich auf die Menschheit beziehende Moral der Linken gekapert wurde, genutzt für eine andere Agenda, die des Globalismus, die nicht mehr emanzipatorisch ist, sondern die Menschen in großer Überzahl fesselt an die Bedürfnisse der globalen Wirtschafts- und Finanzakteure. - Und es ist mit Wawerka durchaus zu befürchten, dass auch eine erstarkte patriotische, heimatliebende Bewegung wiederum in eine Agenda eingebaut wird und sich verliert.

Sehr wesentlich erscheint mir auch der Gedanke von der Vernutzung der Liebe bei ihrer Instrumentalisierung fürs Politische.

Die Hinweise zur Anhaltinischen AfD und den zwei innerparteilichen Bewegungen sind wesentlich: die Formen und Schwerpunkte der Verbundenheit mit den Mitmenschen und dem Land können nicht vereinheitlicht werden, ohne die Kräfte unnötig und zudem schwer zu schädigen.

Wobei an dieser Stelle eine Beobachtung von mir mitzuteilen ist, von der ich annehme, dass sie zumindest teilweise verallgemeinerbar ist: Es ist spannender und reizvoller, sich hier auf dem Forum gegenseitig zu kritisieren, einander Fehler und Blödheit "nachzuweisen", wohingegen sich eine schlichte Frage, eine friedliche Bitte um Auskunft nachgerade langweilig anfühlt. Mir scheint, trotz aller Nähe von Anschauungen und drängenden Fragen für Gegenwart und Zukunft nöckt doch der Stachel der Konkurrenz, des geistigen aneinander Messens und des Wunsches, zu obsiegen in einem. - Warum fällt es schwerer, einander zu loben, zu ergänzen, und die Vielfalt im hiesigen Gedankenraum zu genießen?

Abschließend nochmals Wawerka mit einer noch nicht eingelösten Gestaltungsaufgabe, auch im Denken:

"Wie können wir begründen, dass die Tugend über der Gesinnung steht? Und wie können wir welche Tugenden als allgemein verbindlich begründen? –... [Das] sind hoch notwendige, gesellschaftspraktische Überlegungen, die unbedingt Antworten erfordern, wenn es denn eine wirkliche konservative Wende geben soll und nicht bloß eine Vertauschung des Vorzeichens, wenn es wirklich eine alterative Gesellschaft geben soll, die die Bezeichnung alternativ verdient! –"

Sie kommen danach zum Thema Buchmesse, aber ich denke, viel entscheidender wird sein, welche Antworten auf die Frage nach der Tugend im gesellschaftlichen Leben "wir" finden: Was für ein Angebot an die Menschen kann "von rechts" gemacht werden? Was bedeutet "konservative Wende" ? Was wird dann lebenswerter an unserem Leben? Welche Formen werden entwickelt, in denen das Wohl des Einzelnen und das Gemeinwohl eine gute Balance haben?

Aktuell sind wir viel am Kritisieren, und, den Menschen sei es geklagt, es gibt auch viel zu kritisieren. Aber gewinnen wird man die Menschen für eine solche Wende, wenn sie moralisch-ethisch überzeugend ist, da bin ich mir ganz sicher; einen phasenweisen Dispens von menschengemäßem Handeln kann es nicht geben. (Was nicht meint, dass alles kuschelig warm zugehen muss.)

 

Franz Bettinger
12. Dezember 2017 00:54

@Kositza:

Vergeben Sie mir, ich kann (will) nicht anders. Meine Übertreibungen halte ich für berechtigt. Mathematiker ("Extremreihen-Berechnung") werden es indessen nachvollziehen können. Zuspitzungen machen die Resultate präzise und das Begreifen leichter. Ich kann auch nur die Milch geben, die ich habe, selbst wenn sie manchem sauer aufstößt. Na, Sie werden das Schlimmste verhindern und wegzaubern, was zu gewöhnlich, derb, vulgär ist und niemandem Gewinn bringt. Echt, ich liebe Ihr anarchisches Gefühl für Zensur.

Franz Bettinger
12. Dezember 2017 01:11

@ Maiordomus und @quarz:

Welchen Gewinn hat der SiN-Leser davon, wenn Sie von Genesis der Moral reden, statt erst einmal zu definieren, was Moral sein soll. Moral ist doch letztlich immer die Camouflage des Willens zur Macht (Nietzsche). Wer die Macht hat, bestimmt, was Moral und Gesetz ist. Wer mit langen Schachtelsätzen, die einem Heinrich Kleist zu Ruhme gereichten (obwohl der Gute dabei immer verständlich blieb), wer mit Fremdwortn und endlosen Querverweisen hantiert, was will der? Verstanden werden? Oder will er nur seine Autorität ins Feld führen? Zur Sache! Wir sind hier auf SiN, auf Sendung, nicht in einem Theologie-Seminar.

Gerade weil die Vorstellung von Moral von Volk zu Volk und von Ära zu Ära verschieden waren, gerade weil die Moral wenige anthropologische Konstanten aufweist, muss man die Annahme in Frage stellen, ein verbindliches Prinzip liege ihr zugrunde. Nehmen wir mal: 'Du sollst nicht töten'. Das galt schon im Alten Testament nur für die eigene Gruppe. Andere durften, nein sie mussten zuweilen auf Befehl von oben getötet werden. Gehen Sie alle 10 Gebote Moses durch. Da finde ich nichts alle Menschen und Epochen Verbindendes. Ein Wolfrudel handelt nicht viel anders. Es wäre ehrlicher, sich zu unserer Tierartigkeit zu bekennen.

@ Zirkelschlüsse: Ohne die a priori-Annahme eines Gottes fallen alle Gedanken-Gebäude zum Thema Moral in sich zusammen. Selbst wenn er existierte, von welchem reden wir? Es gibt viele Götter. Ich halte es eher mit

@ Brück: Die Gene und die durch Erfahrung erworbenen Einsichten machen das aus, was wir landläufig oder auch hoch-philosophisch Moral nennen, und das ist weder billig, noch simpel, sondern durch Verhaltensforscher wie Lorenz und Van Tiggelen nachgewiesen. Beide, Angeborenes und Erworbenes, begründen alle Motivation. Was ist Moral jedoch anderes als Motivation? Oh doch, damit allein lassen sich ein Luther, ein Voltaire und die lange Flöte von Geistesgrößen erklären, ja sogar ihr Gegenteil, die ganz schlimmen Finger.

@quarz / Lackmus-Test

Lesen Sie dazu meinen Punkt 3 vom 8.12.17 (Moral), oder Frau Kositza lässt mich dies kurz wiederholen:

Ein geborenes Kind wird (nicht überall, aber doch sehr häufig) als schutzwürdiges Leben empfunden und nicht getötet. (Biologische Tötungs-Hemmung.) Frau empfindet anders gegenüber dem kaum entwickelten Leben in ihrem Mutterleib. Außerdem: Der Wert des Lebens wird nicht in jeder Lebensphase als gleich hoch erachtet. Eine Mutter leidet am meisten unter dem Verlust ihres Kindes (z.B. durch einen Unfall), wenn dieses zwischen 3-7-11-30 Jahre alt ist. Vorher und nachher weniger. (Glockenkurve.)

deutscheridentitärer
12. Dezember 2017 10:04

"Ein geborenes Kind wird (nicht überall, aber doch sehr häufig) als schutzwürdiges Leben empfunden und nicht getötet. (Biologische Tötungs-Hemmung.) Frau empfindet anders gegenüber dem kaum entwickelten Leben in ihrem Mutterleib. Außerdem: Der Wert des Lebens wird nicht in jeder Lebensphase als gleich hoch erachtet. Eine Mutter leidet am meisten unter dem Verlust ihres Kindes (z.B. durch einen Unfall), wenn dieses zwischen 3-7-11-30 Jahre alt ist. Vorher und nachher weniger. (Glockenkurve.)"

Das überzeugt mich nicht. Aus Gefühlen lassen sich keine normativen Schlüße ziehen.

Monika L.
12. Dezember 2017 10:10

So wichtig die Diskussion über "unsere Moral" ist, so kleingeistig wird sie hier geführt. Allen Selbstdarstellern und Korinthenkackern ( ich schließe mich da ein) empfehle ich zunächst ein kleines Proseminar:

https://www.sapereaudepls.de/was-soll-ich-tun/ethik/ethik-vs-moral/

In dem Vorwort zur neuen Sezession Nr. 81 Zu unseren Bedingungen schreibt Kubitschek , daß die Autoren von MIT RECHTEN REDEN nur zu ihren Bedingungen reden wollen, da die Rechten sich sowieso vor jeder ehrlichen Debatte drücken würden und ihr " Sprachtrick" darin bestünde, zwischen Provokation und Opfergeschrei zu pendeln. 

Nun, jetzt provoziere ich mal in den eigenen Reihen ( zu unseren Bedingungen) und erwarte Gegenreaktionen ( nur zu - Opfergeschrei war nie mein Ding)

1. Inzwischen bin ich froh, dass es auf der Buchmesse zu keinem vernünftigen Dialog kam. Hier hötten einige Rechte  ( die Crème de la Crème ausgenommen) eher alt ausgesehen. Die Dummheit des politischen Gegners entschuldigt hier nichts . 

2. Was soll " Unsere Moral " denn sein , bittschön ? Wer zu Weihnachten nur mit abgehalfterten Tugendsystemen in Buchform aufwarten kann, wie sollte man den ernstnehmen ? Nach dem Untergang zweier großer totalitärer Systeme ( Sowjetkommunismus und Nationalsozialismus) komme mir keiner mit sozialistischer Moral ( Wie der Stahl gehörtet wurde) oder heidnischer Ami-Tugend ( becoming a barbarian) . Diese intellektuellen Späßchen sind dem Ernst der  Lage nicht mehr angemessen. Solange keine besseren Ideen kommen, kann ich jedem nur anraten, sich in ein Kloster zurückzuziehen und die Psalmen zu lesen. 

Ach ja, meine unangefragte Buchempfehlung: Natürlich die PSALMEN und vielleicht " Die Angstmacher" von Thomas Wagner. Der Autor fand den Titel nicht passend. Wohl wahr - nach jetzigem intellektuellen Stand braucht man vor uns keine Angst zu haben, das sollte sich bis zur nächsten Buchmesse ändern.

En garde ! Ich warte auf ein paar Wattebällchen.....

Franz Bettinger
12. Dezember 2017 12:02

@ Monika:

Ich habe mir Ihr kleines Proseminar zu Gemüte geführt und es unbrauchbar gefunden. Gründe:
Darin wird (ohne Begründung) eine Definition von Moral gegeben. Als ob es die gäbe, und als ob die gelieferte Definition per se wahr sei. Sie lautet so: "Unter einer Moral versteht man (1) ein Normen-System, dessen Gegenstand das richtige Handeln von (2) vernunftbegabten Lebewesen ist und für sich das Anrecht auf (3) Allgemeingültigkeit erhebt." Nehmen wir diese Behauptung, denn mehr ist nicht, auseinander: 1. Moral ist ein Normen-System. Einverstanden. 2. Dessen Gegenstand richtiges Handeln ... . Da stocke ich. Richtig kommt von Recht. Wer legt fest, was das ist, Recht? Es hat im historischen Rückblick vom Naturrecht (des Stärkeren) über viele andere Rechts-Vorstellungen bis hin zum Erb- und Geburtsrecht unzählige Wandlungen erlebt. Es kann also gar nicht für jeden immer überall verbindlich sein. Das ist schon historisch widerlegt. 3. ... von Vernunftbegabten... Wieso so verschwurbelt? Gemeint ist der Mensch. Es ist in dem Zusammenhang kaum wichtig, aber ich zweifele, dass Tiere keine Normen kennen. 4. Moral soll allgemeingültig sein. Wer ist die Allgemeinheit? Das Volk? Ok. Die Menschheit? Eher nicht. Zu viele Unterschiede. Soviel, liebe Monika, zu ihrer Definition von Moral.

Kurzer Ausritt, falls gestattet?

Naturrecht ist das Recht des Stärkeren, anders gesagt: des Leistungsfähigeren. Das bedeutet, dass gleiche Rechte den Triumpf der besseren Leistung über angestammte Berechtigungen (Erbrechte, Gottes-Gnadentum et cetera) zu ermöglichen haben. Das war auch die Idee der Faschisten und später der Sozial-Darvinisten, was den Gedanken nicht von Vornherein falsch macht. - Das Naturrecht wurde im Mittelalter auch von Philosophen wie Thomas von Aquin gelehrt. Es ist die Argumentations-Grundlage der Menschenrechte und des Völkerrechts. Dass das Naturrecht vieldeutig u. wechselhaft war, sieht man daran, dass Sklaverei, die nach heutigem Verständnis den schwerwiegendsten Bruch der Menschenrechte darstellt, von der Antike bis ins 19. Jhd. naturrechtlich begründet war.  Am Ende behält Nietzsche wieder Recht: Es herrscht der Wille, der Mächtige schreibt das Recht und der Sieger die Geschichte, nichts ist wirklich begründbar. Deshalb traut eurem Instinkt, sage ich. Sonst landet ihr vom Regen kommend unter Umgehung der Traufe direkt im Bach, den's runter geht.

 

quarz
12. Dezember 2017 12:28

@Bettinger

"Der Wert des Lebens wird nicht in jeder Lebensphase als gleich hoch erachtet. Eine Mutter leidet am meisten unter dem Verlust ihres Kindes (z.B. durch einen Unfall), wenn dieses zwischen 3-7-11-30 Jahre alt ist. Vorher und nachher weniger. (Glockenkurve."

Der Wert des Lebens hängt nicht davon ab, welche Gefühle diejenigen haben, die über das Leben verfügen. Wäre das so, dann hätte das Leben von Maria Ladenburger wenig Wert gehabt und ihre Ermordung wäre ein geringfügiges Vergehen.

quarz
12. Dezember 2017 12:30

@Redaktion

Korrigiere: "Maria Ladinger" <--> "Maria Ladenburger"

Halenberg
12. Dezember 2017 14:15

 

@ Kositza “immer so feste druff”… Das scheint nicht nur Herrn Bettinger wichtig zu sein.

 

Die AfD, um einen anderen Faden vom Originalbeitrag aufzugreifen, muss aber aufpassen, es nicht damit zu uebertreiben.

 

Gut, es war ein Parteitag, und man war nur per Laptop dabei, kennt nur die Hoehepunkte (Schaeferhund, usw.). Und bei anderen Parteitagen werden Baetschi-Reden gehalten oder 12 min lang der groessten Bundeskanzle*rnull der Geschichte geklatscht.

 

Aber das in den Saal Hineinschleudern von Begriffen wie “Russlandfreundschaft”, “Islam”, “Lucke”, gefolgt von Pawlow’schen Jubelreflexen hatte leider etwas Frustrierendes. Und das haette, obwohl keine zwei Jahre Mitglied, fast zum Vorsitz gereicht, nur weil es gegen liberalkonservativ, nationalliberal oder sonstig Schlaffes ging. “Virtue signalling” und "tribalism" des Fluegels.

 

Die oft und auch wieder oben erwaehnte “Distanzeritis” ist, trotz Hoeckeausschlussverfahren, doch momentan vor allem bei den sog. Flueglern verbreitet, dabei sollten gerade die froh und (Trigger warning!) auf ewig Herrn Lucke fuer die nun vorhandene grosse Oeffentlichkeit dankbar sein. Wie sonst koennte man vor Hunderten und im Fernsehen uebertragen vom “Richten” der Gegner reden, ja schreien koennen.

 

“nicht patriotisch genug”? Gegen “feige Anbiederung”? Endlich und, so scheint's, hauptsaechlich es den Halben und Gutmenschen mal richtig laut ins Gesicht rufen zu koennen. Allerdings muesste man doch auch sehen, wie man mehr Waehler als die angesichts der desolaten Lage enttaeuschend geringen 12% bekommt oder die anderen Parteien zu einer anderen Politik zwingt. Viel Glueck dabei mit Tribalismus der Harten und -Klassiker-  Bierzeltreden ueber Dresden.

Michael B
12. Dezember 2017 14:46

@Monika L.

In Ergaenzung dazu, weil gerade auf Philosophia Perennis veroeffentlicht:

https://philosophia-perennis.com/2017/12/12/offener-brief/

Das Wort 'Moral' kommt dort nicht einmal vor, hat aber unendlich viel damit zu tun.  Um es einmal mit einem der gern verwendeten Konzepte des Seitenbetreibers zu sagen: So verschiebt man ein Overton window :-)

 

 

 

 

Heinrich Brück
12. Dezember 2017 16:02

Wie ensteht das Böse? Das moralische Böse und das biologische Böse. Eine Infiltration in jedes System ist möglich, ist das System nicht ausreichend immunisiert. Kann ein System moralisch geheilt werden, wenn es biologisch vergiftet ist, wäre eine Frage. Die psychologische Realität aus der Perspektive der Demographie, des Umgangs mit dieser, gesehen, untersucht, auch die atmosphärischen Einwirkungen als Vergiftungspotenzial.

Die deutsche Moral wurde infiziert, geteilt, und nach einem langen Krieg verwestlicht. Die linke Moral (auf der Frankfurter Buchmesse hysterisch) hat kein selbstbestimmtes Ziel, auch wenn sie ihre Motivation fälschlicherweise dafür hält. Ihre Absichten können an ihren Ergebnissen gemessen werden. Hätte nichts dagegen, wenn ein Höcke sich in Thüringen durchsetzen würde. Im überschaubaren kleinen Thüringen, Zuständigkeitsbereich der Thüringer, eine Stammeseinheit, wehrhaft und kompromißlos. Kein Kompromiß mit den schädigenden Faktoren. Ein machtpolitischer Spielverderber, tugendhaft durch Wissen und Verständnis. Aus dem Zustand der Selbstbestrafung in einen Zustand der Vergebung (auch Selbstvergebung), damit das Leben gedeihen kann.

T. de Ahumada
12. Dezember 2017 16:40

Irgendwie erscheint diese Diskussion mit Frau Sommerfeld ziemlich künstlich, aber Herr Wawerka hat Recht, auch wenn er sich ebenfalls nicht ganz klar ausdrückt:

"Moral bezieht sich aufs Gemeinwohl – auf der Linken beziehen sie sich auf die Menschheit, wir auf der Rechten beziehen uns aufs Volk. Unsere Moral besteht darin, dass wir Gutes für unser Volk anstreben."

Zwischenfrage: Schließt das eine denn das andere komplett aus?

Eines ist doch klar: Man kann nicht eine falsche Haltung durch eine ebenso falsche Gegenhaltung bekämpfen. Wenn einseitiger "Globalismus" falsch ist, dann ist es einseitiger "Gegen-Globalismus" genauso.

Das Problem der Linken ist ja nicht, dass sie "für die Menschheit" sind, sondern, dass sie das eigene Volk seltsamerweise aus dieser Menschheit ausschließen wollen.

Das Problem der Rechten könnte werden, und da gebe ich Herrn Wawerka recht, dass man aus einer Art Ressentiment agiert, und aufgrund der durch die Linken geschehene Ungerechtigkeit das Volk (welches?) nun gegen die Menschheit auszuspielen versucht.

Herr Warwerka nennt das "politische Instrumentalisierung" des Patriotismus und setzt einen echten Patriotismus mit "Liebe" gleich. Recht hat er! Aber durch das Erwähnen von "Liebe"  hat er in einen anderen Diskurs gewechselt, wie überhaupt das kognitive Problem (wie erkenne ich über das Wahre) mit dem moralischen (wie habe ich entsprechend dieser Wahrheit richtig zu handeln) fröhlich vermengt wird.

Darf ich das Ganze deshalb kurz aus meiner "dunkelkatholischen" Sicht ergänzen?

Es macht überhaupt keinen Sinn Menschheit und Volk gegeneinander auszuspielen. Das Volk ist Teil der Menschheit, und die Menschheit besteht nun einmal aus "Völkern". Das geistige Manko unserer zeit besteht darin, dass diese Zeit nichts mehr von den Universalien versteht, wie schon Papst Pius XI (gestorben 1939) feststellen musste.

Zusammengefasst: Es gibt soetwas wie eine Tugend der "Gerechtigkeit", die bekanntlich eine der vier Kardinaltugenden ist. Diese Tugend regelt die Rechte und Pflichten der Menschen untereinander. Es gibt verschiedene Ebenen des Verdankens und der entsprechenden Verpflichtungen. Die gegenüber Volk und Vaterland gehört dazu. Man kann und darf sie nicht leugnen, nicht überspringen und lächerlich machen. Man muss sie aber auch richtig einordnen und ihre Übertreibungen begrenzen.

Vielleicht sollte ich mich besser bescheiden, habe ich doch weder Philosophie noch Theologie studiert. Aber ich würde der Philosophin Sommerfeld und dem Theologen Wawerka doch einmal die gemeinsame Lektüre Thomas von Aquins empfehlen. Manche Diskussion würde sich dann von vorneherein erübrigen.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.