Neue Kampagne »Werde Betriebsrat« – warum?

Werde Betriebsrat!

In Schnellroda wird im Januar Schach gespielt. Doch auch an anderer Stelle lohnt sich der Blick...

 Gastbeitrag

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auf eine aus­sichts­rei­che Par­tie: Weni­ge Wochen ist es her, da ver­kün­de­te die Initia­ti­ve „Ein Pro­zent“ den Beginn der ein­zig­ar­ti­gen Kam­pa­gne „Wer­de Betriebs­rat“ (hier geht es zur Son­der­sei­te und zu einem ers­ten Vor­stel­lungs­film).

Die Idee: Eine oppo­si­tio­nel­le Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung mit patrio­ti­schen Betriebs­rä­ten hilft Ange­stell­ten, die wegen kri­ti­scher Mei­nun­gen von poli­ti­schen Repres­sio­nen bis hin zur Kün­di­gung bedroht sind oder unter den Mei­nungs­wäch­tern der eta­blier­ten Gewerk­schaf­ten leiden.

Das wird unser Eröff­nungs­zug: Bei den bun­des­wei­ten Betriebs­rats­wah­len vom 1. März bis zum 31. Mai 2018 tre­ten nun patrio­ti­sche Betriebs­rä­te an – erst­ma­lig über­re­gio­nal orga­ni­siert, ver­netzt und geför­dert. Dar­auf läßt sich bauen!

Wozu Gewerk­schaft?

Mög­li­chen Zweif­lern die­ses Vor­ha­bens ver­schafft eine Ein­ord­nung Klar­heit: Unser Wider­stands­mi­lieu ver­fügt mitt­ler­wei­le über eine eige­ne NGO, eine klet­ter­er­prob­te Jugend­be­we­gung, erfolg­rei­chen Dau­er­pro­test in Dres­den und Umge­bung, eine Par­tei mit nun schon 278 Man­da­ten auf Län­der- und Bun­des­ebe­ne sowie eine Viel­zahl von Publi­ka­tio­nen. Fakt ist: Eine eige­ne Gewerk­schaft war als Teil der zu schaf­fen­den »Mosa­ik-Rech­ten« schon längst überfällig.

„Ein Pro­zent“ hat die Kam­pa­gne mit der oppo­si­tio­nel­len Gewerk­schaft „Zen­trum Auto­mo­bil e. V.“ bei Daim­ler in Stutt­gart abge­stimmt und ver­fei­nert: Die Stutt­gar­ter Kol­le­gen um Oli­ver Hil­bur­ger und Chris­ti­an Schick­art ver­ein­ten zur letz­ten Betriebs­rats­wahl 2014 bei Daim­ler knapp 10 Pro­zent der Stim­men auf die alter­na­ti­ve Wahl­lis­te! Das war wohl­ge­merkt vor dem ziel­lo­sen Atom­aus­stieg, vor trü­ge­ri­schen Die­sel-Schein­de­bat­ten, vor der Migra­ti­ons­flut ab dem Herbst 2015 und vor den gras­sie­ren­den Fol­gen der flä­chen­de­cken­den Leiharbeiter-Prekarisierung.

Also: In die Betriebe!

Hin­ter dem Bestre­ben, eige­ne Betriebs­rä­te ins Ren­nen zu schi­cken, steckt kei­nes­falls rein poli­ti­sches Kal­kül oder gar gehei­me Absich­ten. Viel­mehr sind patrio­ti­sche Betriebs­rä­te in der rea­len Arbeits­welt eben­so not­wen­dig wie AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te im Parlament:

Die deut­schen Auto­mo­bil­gi­gan­ten wie Daim­ler, VW oder Opel ste­hen alle­samt vor tief­grei­fen­den Umbrü­chen. Der Umstieg auf die umwelt­schäd­li­chen und kei­nes­falls nach­hal­ti­gen Elek­tro­au­tos muss ver­wal­tet und staat­lich sub­ven­tio­niert wer­den, gleich­zei­tig wer­den zur Absi­che­rung sat­ter Pro­fi­te für die Kon­zern­bos­se und Akti­en­be­sit­zer immer grö­ße­re Tei­le der Stamm­be­leg­schaft durch Leih­ar­beit und Werks­ver­trä­ge ausgelagert.

Die Fra­ge lau­tet nicht, ob ob in den kom­men­den Jah­ren der Umstieg ob das Elek­tro­au­to und damit der Sarg­na­gel für den größ­ten deut­schen Wirt­schafts­zwei­ges kommt, son­dern nur noch wie sozi­al oder unso­zi­al die­se Trans­for­ma­ti­on abläuft. Wer­den die Mana­ger auf einen Teil ihrer Mil­lio­nen-Boni ver­zich­ten, um mehr Rech­te für die Leih­ar­bei­ter zu ermög­li­chen? Wer­den die Mana­ger die Pro­duk­ti­on des neu­en Seri­en­mo­dells im Inland las­sen, um Mil­lio­nen Arbeits­plät­ze in der Zulie­fer­indus­trie nicht für ein paar Euro mehr nach Chi­na zu verschachern?

Das Ver­hal­ten der Mana­ger ist bere­chen­bar. Und die eta­blier­ten Gewerk­schaf­ten zie­hen bei die­ser Trans­for­ma­ti­on mit, geht es doch dabei vor allem auch um ihre Pri­vi­le­gi­en: Die gro­ßen Gewerk­schafts­füh­rer nicken zuver­läs­sig alles ab, was den eige­nen Stuhl an der reich gedeck­ten Tafel sichert.

Damit sind unse­re Zie­le klar gesteckt: Rea­le Absi­che­rung des Arbei­ters, Aus­gleich zwi­schen oben und unten, Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit zwi­schen den Pro­fi­teu­ren und denen, die die­se Pro­fi­te erst ermöglichen.

Die Bau­er­num­wand­lung

Im Schach gibt es einen inter­es­san­ten Spiel­zug. Er ist äußert sel­ten und kommt auch in der Tur­nier­pra­xis kaum vor – die soge­nann­te Bau­er­num­wand­lung: Erreicht ein Bau­er unbe­scha­det die geg­ne­ri­sche Grund­li­nie, so kann die Spiel­fi­gur frei nach Wunsch gegen eine ande­re Spiel­fi­gur aus­ge­tauscht und so das Arse­nal der Mög­lich­kei­ten erwei­tert wer­den. Natur­ge­mäß wird der Bau­er gegen die stärks­te Spiel­fi­gur – die Dame – ein­ge­tauscht, doch nach dem Regel­werk kann eben­so Turm, Sprin­ger oder auch Läu­fer frei gewählt werden.

IG Metall, DGB, ver.di und all die ande­ren – sie nut­zen die Bau­ern­fi­gu­ren auf ihrem Schach­brett nach Kräf­ten aus und leis­ten den Eta­blier­ten in Sachen Leih­ar­beit oder Begren­zung der Mana­ger-Boni kei­nen ernst­haf­ten Wider­stand. Jetzt sind wir an der Rei­he: Der Vor­stoß auf das genu­in lin­ke Gewerk­schaft-Schach­brett wird ab jetzt zahl­rei­che Bau­er­num­wand­lun­gen för­dern und auf unse­rer Sei­te Tür­me, Läu­fer oder sogar Köni­ge und Damen hervorbringen.

In Stutt­gart hat die Gewerk­schaft von Oli­ver Hil­bur­ger meh­re­re hun­dert Kol­le­gen hin­ter sich, nun gibt es die ers­ten Able­ger: Der Samen einer betrieb­li­chen Oppo­si­ti­on wur­de auch in Leip­zig, Zwi­ckau, Mün­chen, Dres­den und Ber­lin gesät. Die­ser Samen muß nun gut gegos­sen und gepflegt wer­den. Doch wie auch in der Par­tei­po­li­tik gilt: Unab­hän­gig vom nomi­nel­len Wahl­er­geb­nis ist ein eng­ma­schi­ges Netz stets effi­zi­en­ter als pro­zen­tua­le Teilsiege.

Für die poten­ti­el­len Betriebs­rä­te von „Ein Pro­zent“ bedeu­tet das: Im Fal­le einer mög­li­chen “Wahl­nie­der­la­ge” (gemeint ist hier­mit ledig­lich das Nicht­er­rei­chen selbst­ge­steck­ter Pro­zent-Mar­ken) hat das geschaf­fe­ne Netz­werk (not­falls auch ohne Betriebs­rä­te) durch­aus das Poten­ti­al, den Arbei­tern den Rücken zu stär­ken. Die blo­ße Exis­tenz einer unver­söhn­li­chen Betriebs­grup­pe wird den Eta­blier­ten jeden wei­te­ren Spiel­zug schwer machen.

Optio­na­ler Teil: Jeder Über­läu­fer aus den Rei­hen der IG Metall und ver.di wird eine Klat­sche für die Betriebs­rats­fürs­ten der gro­ßen Kon­zer­ne. Doch hier begin­nen die Pro­ble­me: Ähn­lich zur Ent­wick­lung der AfD ver­wäs­sern die­je­ni­gen, die sich bes­se­re Chan­cen auf unse­rer Sei­te aus­rech­nen, die Grund­li­nie. Ohne Fra­ge ver­kör­pern medi­en­af­fi­ne Über­lau­fer den Poli­tik­wan­del zu unse­ren Guns­ten. Doch wie auch die AfD kann unser Vor­ha­ben nur einen Bruch­teil Über­läu­fer verkraften.

Die Bewe­gungs-Gewerk­schaft

Der ers­te Zug ist nun getan. Eini­ge Anmer­kun­gen dazu:

  • Nie­mals Selbst­zweck: Der neu­ge­schaf­fe­ne Schutz­schirm der Arbei­ter und Ange­stell­ten ist kein Pro­jekt um sei­ner selbst Wil­len, das Macht kon­zen­triert und Ein­fluß dau­er­haft bin­det. Unse­re oppo­si­tio­nel­le Gewerk­schaft kann und darf nur eine Bewe­gungs-Gewerk­schaft sein, muß mobil sein, Starr­heit ver­mei­den und Über­läu­fer mit Bedacht auf­neh­men. Sie ver­steht sich als Wider­stands­bau­stein neben ande­ren Widerstandsbausteinen.
  • Recht vor Geld: Die oppo­si­tio­nel­le Gewerk­schaft muß den Aus­bau der Rech­te der Arbei­ter stets vor höhe­re Löh­nen stel­len. Die Eta­blier­ten haben genug Geld und wer­den es zur Siche­rung zukünf­ti­ger Pro­fi­te auch ein­set­zen, eine auf­be­geh­ren­de Arbei­ter­grup­pe mit barer Mün­ze ruhig zu stel­len oder still zu hal­ten. Im Streit um mehr Selbst­be­stim­mung wer­den sie uns eine Almo­sen nach der ande­ren anbie­ten. Zudem frißt die Euro-Infla­ti­on jede noch so groß­zü­gi­ge Lohn­er­hö­hung und ist damit nutz­los. Wert­vol­ler als Geld ist immer die Selbst­be­stim­mung der Arbei­ter, die es zu sichern gilt und die dann auch siche­re Arbeit und siche­re Löh­ne bringt.
  • Dar­aus ergibt sich auch ein wei­te­rer Punkt: Auch die fes­ten Cha­rak­te­re an der Spit­ze der oppo­si­tio­nel­len Betriebs­grup­pen müs­sen sich dar­auf ein­stel­len, unlau­te­re Ange­bo­te zu erhal­ten. Sie müs­sen die­se eben­so ent­schie­den ableh­nen, wie sie es mit den gestreu­ten Nebel­ker­zen in Sachen Leih­ar­beit oder Werks­ver­trä­gen tun würden.
  • Auf­sichts­rä­te: Gewerk­schafts­füh­rer und Poli­ti­ker haben im gro­ßen Umfang „Neben­tä­tig­kei­ten“ in den Auf­sichts­rä­ten gro­ßer Kon­zer­ne: ver.di-Chef Bsirs­ke ver­dien­te in einem ein­zi­gen Jahr als Auf­sichts­rat bei der Luft­han­sa 175.000 Euro und zusätz­lich beim Ener­gie­kon­zern RWE sogar 234.000 Euro. Die­se Ein­künf­te wer­den zwar teil­wei­se abge­führt, dazu besteht jedoch kei­ner­lei Pflicht. Die Tätig­keit der Auf­sichts­rä­te, wo man in Mün­che­ner Luxus­ho­tels zwi­schen Sekt und Sau­na vor­geb­lich knall­hart für die Rech­te der Arbei­ter kämpft, ver­schlei­ert fet­te Gehäl­ter und grenzt an Kor­rup­ti­on. Hier ergä­be sich auch ein zu beackern­des Feld für die AfD.
  • Gesamt­stel­lung des Unter­neh­mens stär­ken: Einer­seits muss regio­nal bei uns gehal­ten wer­den, was das glo­ba­lis­ti­sche Estab­lish­ment nach Indi­en, Sim­bab­we oder Jinz­hai­xiang aus­la­gern möch­te. Ande­rer­seits muß sich jeder Arbeits­kampf am Woh­le der Gesamt­be­leg­schaft und ihrer siche­ren Anstel­lungs­ver­hält­nis­se, damit auch an der rea­len Situa­ti­on des Gesamt­be­trie­bes ori­en­tie­ren. Es nützt nichts, indi­vi­du­el­le Befind­lich­kei­ten gewerk­schaft­lich durch­zu­drü­cken, wenn dies das Unter­neh­men und damit auch die Gesamt­be­leg­schaft exis­ten­zi­ell gefährdet.

Kol­le­ge Oli­ver Hil­bur­ger kon­sta­tier­te zu Recht, daß tief­grei­fen­de poli­tisch-gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen nur über den Arbeits­platz und die ande­ren Kol­le­gen mach­bar ist: Mit den Kol­le­gen ver­bringt man pro Tag neun oder zehn Stun­den, mit Fami­lie und Freun­den im Zwei­fels­fall weni­ger. Wer jeden Mon­tag demons­triert, jede par­la­men­ta­ri­sche Wahl als Hoch­zeit erlebt, wird nun dank­bar sein, täg­lich am Fließ­band, im Büro oder in der Werk­statt wir­ken zu können.

Ers­te Reak­tio­nen des lin­ken Estab­lish­ments auf unse­ren geglück­ten Eröff­nungs­zug las­sen dar­auf schlie­ßen, daß in den Häu­sern der gro­ßen Gewerk­schaf­ten has­tig die Figu­ren umher­ge­scho­ben wer­den. Gut so, die Par­tie ist eröffnet!

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Kommentare (7)

Franz Bettinger

13. Dezember 2017 19:26

Klasse! Das läuft im Saarland schon länger. Wir haben hier Betriebsräte, die ganz offiziell und offen sich zur AfD bekennen und sehr viel Zuspruch unter den Arbeitern genießen. Es sind positive, selbstbewusste, witzige Figuren! Das AfD-Betriebsrats-System jetzt auf die ganze brd auszudehnen, ist ein schöner Schachzug! Und praktische Politik! 

Thomas Martini

13. Dezember 2017 21:07

Mitarbeiter bei multinationalen Konzernen haben politisch neutral zu sein. Unternehmen mit "Code of Conduct" bestehen darauf in ihren Arbeitsverträgen. Wie amüsant, dass sich das bei EinProzent und SiN noch nicht rumgesprochen hat, und man stattdessen so tut, als könne man Betriebsräte in der BRD für den politischen Klassenkampf gegen die Linken gewinnen.

Betriebsräte sind im Idealfall vielleicht in der Lage, Mitarbeiter gegen interne Angriffe von Kollegen oder der Geschäftsleitung zu schützen. Bei uns ist nicht einmal das gewährleistet, und mein Arbeitgeber ist berühmt als "Top Employer".

Politik ist bei uns ein Thema, das nicht an den Arbeitsplatz gehört. Mich hätte man schon anzeigen können, bei meinen unzähligen Verstößen gegen diesen Punkt unserer Hausordnung. Wer genau hinhörte, hätte mir "Volksverhetzung" unterstellen können. Dass es niemand tat, spricht nicht für die bei den Rechten viel beschworene Denunziantenmentalität der Deutschen. 

 

Franz Bettinger

14. Dezember 2017 03:53

@Martini.

Amüsant, was Sie schreiben. Neutralität, aber klar. Steht so irgendwo geschrieben. Auch bei den meisten Zeitungen. Auch bei den Kirchen. Auch beim Öffentlich Rechtlichen, Staatsfunk genannten ZDF und bei der ARD. Die einseitige Parteinahme der "Neutralen" hat bisher noch keinen Minister gestört. Keine Sorge, die AfD weiß das alles und trägt dem Rechnung. Es ist nicht verboten, als Betriebsrat in einer Partei zu sein und dieses die Leute wissen zu lassen. Darum geht es. Gesicht zeigen! Anlaufstelle sein. Warum? Um das Gebot der Neutralität durchzusetzen! Die AfD-affinen Betriebsräte werden genau dies tun. Darauf achten, dass der Code of Conduct eingehalten wird. Damit nicht Busse von Gewerkschaften gechartert werden, um Gegendemos aufzufüllen, damit nicht Angestellte denunziert und weg gemobbt werden. Passt schon! Meinen Glückwunsch an Sie, wenn Sie in einem politisch neutralen, vorbildlichen Betrieb arbeiten. Das ist nicht überall so.

Sie werden davon gehört haben, Bisky-Ver.dis Aufforderung, AfD-affine Angestellte auf eine Liste zu setzen, anzuschwärzen und bei den Arbeitgebern auf Kündigung dieser Subjekte zu drängen. Nein? Das geht so: Wer Augen hat, der schaue an jenem Rechten Kollegen vorbei, der auf der Liste der Verdächtigen erscheint. Man behandele ihn wie Luft. Wer Ohren hat, der spitze sie im Dienst des Kollegenverrats, mindestens. Faschistisch ist das, volle Kanne! Gleichschaltung der Gewerkschaften und der Medien, die Maas'schen Recht- und Richter- losen Stand-Gerichte bei Facebook. (Türkische oder arabische Einlassungen aber werden nicht zensiert.) Die Antifa-SA-Schlägertrupps. Das volle Programm, es läuft wieder! Was einst die Juden waren, das sind heute die Rechten und die AfD. Denen wird an die Jobs gegangen, ans Leben. Ihre Autos werden angezündet, Häuser beschmiert, Scheiben eingeschmissen. Da läuft die Pogrom-Masche Marke Gutmensch. Und überall in der Lügenpresse und Politik wird wie im Rausch für die Hetzjagd geworben. Ist das Demokratie? Nein, es ist ein Parteien-Oligopol, ein post-demokratisches, totalitäres System, das Links gegen Rechts ausspielt. Was sonst! Die Gewerkschaften sind hartnäckige Hunde, die sich in einen völlig abgenagten Knochen verbissen haben. 

PS:   Dazu Winter + Tichy:  https://www.tichyseinblick.de/video/morgengrauen/morgengrauen-spitzelgewerkschaft-ver-di-hinterlaesst-spuren/

RMH

14. Dezember 2017 12:11

Thomas Martini hat durchaus recht mit seinem Kommentar.

Mir fällt am Artikel auf, dass hier Betriebsratstätigkeit und gewerkschaftliche Betätigung etwas arg in einen Topf geworfen wird. Betriebsräte haben schon nach dem Betriebsverfassungsgesetz eine parteipolitische Betätigung zu unterlassen (§ 74 Abs. 2 Satz 3 BetrVG) und haben gerade in den im Artikel aufgeworfenen wirtschaftlichen Angelegenheiten recht wenig bis gar nicht mitzureden. Jedem, der einmal ein Einführungsseminar in das Betriebsverfassungsgesetz genossen hat, ist bewusst, dass die Mitbestimmung des Betriebsrates sehr abgestuft und differenziert ist und in wirtschaftlichen Angelegenheiten hat der Betriebsrat aufgrund der Freiheit der unternehmerischen Tätigkeit recht wenig zu sagen (wobei man die rein faktischen Möglichkeiten dennoch nicht unterschätzen darf). Von den großen Feldern der Mitbestimmung, wie soziale Angelegenheiten, personelle Angelegenheiten und wirtschaftliche Angelegenheiten, hat der Betriebsrat bei den wirtschaftlichen Angelegenheiten am wenigsten Rechte.

Manager-Boni, Fremdfirmeneinsatz & Co. sind daher Felder der genuinen gewerkschaftlichen Agitation (aber vor allem auch der Parteipolitischen! Liebe AfD - bitte nicht vergessen!), nicht aber unbedingt der Betriebsratstätigkeit. Man sollte das schon sehr sauber auseinanderhalten, damit die Kandidaten auch wissen, worauf sie sich bewerben. Daher meine Bitte: Sauber die Themen auseinanderhalten.

Für eine patriotisch ausgerichtete Gewerkschaft ist meines Erachtens Bedarf, zumal die christliche Gewerkschaftsbewegung recht eingeschlafen erscheint. Hier muss dann aber das erste Ziel sein, möglichst viele Mitglieder an und für sich zu gewinnen, damit man eine Tariffähigkeit erreichen kann. Dieses Ziel liegt recht fern, dennoch halte ich es für nicht unmöglich.

Bei den Betriebsratswahlen teilzunehmen ist auch ok, aber es sollte, wie bereits ausgeführt, klar sein, was die Aufgabe und was die Möglichkeiten eines Betriebsrates sind. Im Sinne der Strategie des "Ganges" durch die Institutionen ist es durchaus sinnvoll, wenn Patrioten sich auch in ihren Betrieben um das Ehrenamt Betriebsrat bewerben, aber ihnen sollte eben bewusst sein, was da auf sie zukommt und was sie überhaupt erreichen und bewirken können.

Und schlussendlich: Das im Artikel Geschilderte beruht doch recht arg auf den Erfahrungen aus der verfetteten Großindustrie, welche schon lange nicht mehr der „Hauptarbeitgeber“ in Deutschland ist. In den vielen mittleren und kleineren Betrieben läuft die Sache doch oftmals (komplett) anders.

Franz Bettinger

14. Dezember 2017 22:56

@ RMH:  Sie weisen zurecht daraufhin, dass Betriebsräte nach dem Betriebs-Verfassungs-Gesetz eine parteipolitische Betätigung zu unterlassen haben. § 74 Abs. 2 Satz 3 BetrVG.

Genau darum geht es ja, wenn ich die Sache recht verstanden habe: AfD-Mitglieder sollen deshalb offen in Gewerkschaften erkennbar sein, damit 1. ein Anlaufpunkt für Beschwerden geschaffen wird, und 2. die Neutralität (gerade auch die parteipolitische) gewahrt bleit. Die "AfD-Gewerkschaftler" sollen darauf ein Auge haben und Verfehlungen anprangern oder gar per Gerichte verhindern helfen.

Solution

15. Dezember 2017 00:23

Nach 25 Jahren Betriebsratsmitgliedschaft muß ich alle warnen, die sich auf die neue Gewerkschaft einlassen: Prinzipiell ist das gut. Ich werde auch mitmachen, doch man sollte solange in der Deckung bleiben, wie möglich. Vorerst sollte niemand seine Mitgliedschaft bekannt machen.

Man kann entweder als U-Boot infiltrieren oder man muß genug Leute haben, um unter dem Namen der neuen Gewerkschaft anzutreten. "Genug" bedeutet wirklich "genug". Das alles ist eine hochriskante Sache. Für Leute in Tendenzbetrieben wäre es derzeit tödlich. Ich hoffe, die Initiatoren informieren bald umfassend und realitätsbezogen, sonst lassen sie viele ins offene Messer laufen.

RMH

15. Dezember 2017 11:35

 

"AfD-Mitglieder sollen deshalb offen in Gewerkschaften erkennbar sein. ... . Die "AfD-Gewerkschaftler""

Wenn ich mir die 2 Hauptpersonen anschaue, die bei der genannten alternativen Gewerkschaft wohl die Führungsfiguren sind, dann frage ich mich, ob diese Herren überhaupt von der AfD goutiert werden würden, geschweige denn, bei der AfD nach derzeitiger Lage überhaupt Mitglied werden könnten. Das Referieren auf die AfD ist hier schon kleines bisschen Trittbrettfahrerei, da keine offizielle Stellungnahme aus AfD-Kreisen dazu zu vernehmen ist (so mein Kenntnisstand - wer etwas dazu weiß, bitte her damit) und auch keine offizielle Unterstützung durch die AfD bislang erkennbar ist (bitte das jetzt nicht wieder als "Abgrenzeritis" oder "Distanzeritis" missverstehen - so erscheint mir eben die Sachlage).

Im Übrigen möchte ich Solution Recht geben, das "Outing" in einem Betrieb will wohl und sehr gut überlegt sein - ich halte daher eine Taktik, dass sich in einem Betrieb eine Gruppe im Stillen bildet und eine Liste bildet, mit der zur Betriebsratswahl angetreten wird und im Übrigen sich eher bedeckt hält oder alternativ sich Einzelne Patrioten bei bereits bestehende "Listen" aufstellen lassen und dabei diskret sind, für durchaus sinnvoll und in vielen Betrieben für angezeigt.

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