Sezession
20. Dezember 2017

Kurs halten können

Johannes Poensgen / 14 Kommentare

Sehr geehrter Herr Wawerka. Ich hoffe, daß Sie mir eine ebenso deutliche Entgegnung zu Ihren Gedanken über unsere Moral und den Willen zum Guten nicht verübeln werden.

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

  • Sezession

Es geht nicht um Gesinnung und schon gar nicht um die Unterschrift unter eine Handvoll Programmpunkte, sondern um das Vertrauen in die Zuverlässigkeit eines bestimmten Menschenschlages. Wenn Sie schreiben: „Wir auf der Rechten schätzen die Tugenden eines Menschen höher als seine Meinung. Es geht uns nicht so sehr darum, ob jemand die „richtige Meinung“ vertritt, sondern aus was für einem Holz er ist.“, dann treffen Sie damit genau den Grund, aus dem Ihre von Frau Sommerfeld veröffentlichten moralischen Bedenken einige bissige Reaktionen hervorgerufen haben.

Denn niemand stört sich aus Gesinnungsethik oder „Political Correctness von Rechts“ an dieser oder jener Ihrer Ansichten. Über die internen Streitigkeiten der AfD kann ich mich mangels Mitgliedschaft in diesem Verein nur begrenzt äußern, meinem Wissensstand als Außenseiter zufolge jedoch hat der Flügel, oder zumindest die Person Björn Höckes, niemals den Ausschluß andere Teile aus der Partei gefordert. Allerdings haben sie durch das bloße Beharren auf ihren Positionen erreicht, daß sich eine ganze Reihe der liberaleren Gestalten selbst aus der Partei ausgeschlossen hat. Im Falle Petry/Pretzell mag dies vor allem mit gescheiterten persönlichen Ambitionen zu tun haben, dem Abgang von Lucke und Henkel habe ich seinen ethischen Imperativ jedoch immer abgenommen. Die kamen aus dem Protest gegen den Euro und konnten die Mitgliedschaft in einer Partei, die sich auch der nationalen Problematik annimmt, nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren.

Das ist der Punkt. Sehen Sie, mit Opportunisten kann man sich arrangieren, solange sie in untergeordneter Postion verbleiben und nicht den Kurs bestimmen wollen. Gewissensträger der Art wie Lucke und Henkel sie sind, nicht notwendig Personen mit den selben Ansichten, sondern solche, die aus dem selben Holz geschnitzt sind, sind hingegen gefährlich. Jene, die vor den Konsequenzen zurückscheuen, sobald diesen unausweichlich begegnet werden muß.

Wir durchleben das gleichzeitige Aufbrechen einer Vielzahl über Jahrzehnte immer drängender bohrender Fragen: Die globale Bevölkerungsfrage, die Frage der Position und Verfassung Europas in einer Welt, in der andere Größenordnungen zählen, als die des abendländischen Nationalstaates, Fragen der Verfaßtheit der Weltwirtschaft, das Überlaufen manchen Irrsinns, der seit Jahrzehnten in poststrukturalistischen Akademikerkreisen herumschwimmt, in die alltägliche Lebenswelt, die Frage der Geschlechterrollen in einer Zeit fast nicht vorhandener Kindersterblichkeit und damit weitgehender Überflüssigkeit der traditionellen Weiblichkeit und manches mehr. In diesem Sturm sitzt die Rechte mit der Linken und dem ganzen Establishment in einem Boot, wir versuchen nur, ihnen das Steuerruder zu entreißen.

In einem haben Sie dabei vollkommen recht: Die allermeisten Linken meinen es aufrichtig gut. Die die es nicht gut mit uns meinen gibt es zwar auch und sollten nicht unterschätzt werden vor allem dann nicht, wenn sie in der Lage sind Einflußgruppen, gleich wo und gleich welcher Art, zu bilden – dennoch ist die Masse links eingestellter Menschen aufrichtig moralisch und diese Moral, der sie anhängen, beinhaltet keineswegs die Vernichtung der abendländischen Völker als eigenständigen Imperativ, wohl aber die Verpflichtung, sich gegenüber dem Leid uns ferner stehender Menschen nicht zu verschließen, sondern dieses möglichst neutral gegenüber unseren eigenen Rechten und Interessen abzuwägen.

An dieser Stelle muß jedoch über die bloße Anerkennung der feindlichen Ethik hinausgegangen werden. Der Globalismus, der den Menschenrechtuniversalismus beinhaltet, darüber hinaus aber auch noch aus einer ganzen Reihe praktischer Ordnungsvorstellungen besteht, ist ein ernstgemeinter, wenn auch in den Grundlagen fehlerhafter Versuch, den oben angerissenen Problemen zu begegnen. Das ist ohne Kollateralschäden nicht möglich, der Grund, aus dem wir den Globalismus bekämpfen ist, daß wir der eingerechnete Kollateralschaden sind.

Uns zum Kollateralschaden zu machen ist bisher der Weg des geringsten moralischen Widerstandes gewesen, weil man den Weißen eingeredet hat – und sie sich zum Teil auch selbst eingeredet haben – daß sie die Friktionen eines im Umbruch befindlichen Weltsystems zu tragen haben. Wenn auch die Opfer über Multikulti jubeln, gibt es dann überhaupt Opfer? Objektiv ja, aber sie lassen sich leichter ausblenden und das ist bei der praktischen Bearbeitung eines moralischen Dilemmas ungemein hilfreich.

Ich selbst denke, aus Gründen, die hier zu weit führten, nicht, daß die globalistische Rechnung auch nur noch mittelfristig aufgehen kann. Doch schon die bloße Bereinigung der Fehler wird Opfer kosten und damit wäre noch keines der ursprünglichen Probleme ernsthaft angepackt.

Das wird Männer erfordern, die das aushalten. Sobald wir selbst verantwortlich sind und unser Handeln Konsequenzen hat, reicht es nämlich nicht mehr, in der Ethikphilosophie unser Volk an die Stelle zu setzen, an der bei den Linken die Menschheit steht, um aufrecht zu bleiben. Dann ist man entweder abgestumpft, oder es prallt einen das durch das eigene Handeln verursachte Leid selbst an. Gerade weil er die Befleckung durch die Politik, sprich die Wirklichkeit fürchtet, wird derursprüngliche“ (d. h. reine) moralische Impuls an dieser Stelle immer fahnenflüchtig werden.

Deshalb, erst hier kommt die Gesinnung ins Spiel, trifft man den reinen moralischen Impuls auf der Linken so viel häufiger, als auf der Rechten. Die Linke macht ihm das bessere Angebot der Selbsttäuschung. Sie tut sich leichter darin, die Opfer der eigenen Politik verschwinden zu lassen.

Wenn es eine spezifisch rechte Tugend gibt, dann der Wirklichkeit ins Auge zu sehen und zu kämpfen. Sollten wir das Steuerruder in die Hand bekommen, werden wir auch den Sturm erben. Dann werden wir Kurs halten müssen. Der Steuermann darf nicht das Ruder verlassen und sich über die Reling beugen, nur weil er gerade seekrank wird.


Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

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Kommentare (14)

Der_Jürgen
20. Dezember 2017 11:53

Poensgens Argumentation weist in dieselbe Richtung wie die - allerdings deutlicher und radikaler formulierte - Wortmeldung des geschätzten @Raskolnikow im letzten Strang. Ohne mich mit diesen beiden Grössen auf eine Stufe stellen zu wollen, darf ich zitieren, was ich anlässlich der Debatte zwischen Sommerfeld und Wawerka (5. Dezember) geschrieben habe:

"... Die Situation ist aufgrund der wahnsinnigen Politik der Linken und Liberalen dermassen abgrundtief katastrophal, dass es ener sehr, sehr bitteren Medizin bedürfen wird, um den Kranken noch in letzter Stunde zu heilen. Wer dann Macht ausüben will, wird sich schuldig machen müssen."

Was tun? fragt Raskolnikow in besagtem Kommentar und wiederholt damit die Frage Lenins. Er erteilt die Antwort nicht selbst, sondern deutet sie nur an, aber sie läuft natürlich darauf heraus, dass die zur Rettung Deutschlands und Europas notwendige Wende nicht ohne Gewaltanwendung, um es einmal schonend auszudrücken, möglich sein wird und dass wir uns - physisch, wer das kann, geistig, wer es nicht oder nicht mehr kann - darauf vorbereiten müssen.

Dass die nationale Rechte jetzt einen bewaffneten Untergrundkrieg beginnen soll, wird auch Raskolnikow nicht verlangen - nicht, weil es moralisch grundsätzlich falsch wäre (immer vorausgesetzt, die Gewalt richtet sich gegen die Schuldigen am schleichenden Volkstod und nicht z. B. gegen wahllos herausgegriffene Ausländer), sondern weil es kontraproduktiv, also der nationalen Sache abträglich wäre. Das Regime bekäme dann den ersehnten Vorwand, um die gesamte patriotische Opposition hospzunehmen. Aber die Lage wird - das kann man, ohne mit prophetischen Gaben gesegnet zu sein, ruhig voraussagen - so gewaltig eskalieren, dass Blutvergiessen grossen Ausmasses irgendwann nicht mehr zu vermeiden sein wird.

Lieber Pastor Wawerka, SIe beurteilen, was man Ihnen als Pastor ja wirklich nicht vorwerfen kann, die Aktionsmöglichkeiten der Rechten aus moralischer Sicht. Nun ist Moral aber oft, oder meist, eine Definitionsfrage. Als die Türken Wien belagerten, gossen die Verteidiger heisses Pech auf die Angreifer, obgleich sie sich zweifellos darüber im Klaren waren, dass sie den Betroffenen damit entsetzliche Schmerzen zufügten. Sie hatten keine moralischen Skrupel, dies zu tun, und es wäre ihnen nicht im Traum eingefallen, im Stil eines heutigen Pazifisten zu sagen: "Vielleicht ist der Türke, der da eben die Leiter bestiegen hat und die Stadmauer erklimmen will, insgeheim ein Feind des Sultans und des osmanischen Imperialismus. Er ist im Grunde nur ein unschuldiges Opfer, vielleicht sogar mein objektiver Bundesgenosse, und wenn ich ihn mit heissem Pech übergiesse, werde ich schuldig."

Man wusste damals, in einer gesunden christlichen Gesellschaft, genau, wer Freund und wer Feind war, und besass den gesunden Instinkt, in kollektiven Kategorien zu denken. Dieser Instinkt ist heute - natürlich aufgrund der Umerziehung und der liberalen Gehirnwäsche - allzu vielen abhanden gekommen.

Ich kenne die Vorbehalte gegen den Spruch von Ignatius, wonach der Zweck die Mittel heilige, und billige ihn auch selbst nicht in jedem Fall, aber manchmal muss man, Gott sei's geklagt,  nach dem Rezept dieses Basken handeln. Die Alternative ist nämlich zu furchtbar, als dass man sie auch nur in Erwägung ziehen möchte. Und wenn Europa islamisiert ist, werden die Pazifisten und Moralisten sowieso um einen Kopf kürzer gemacht. Es sei denn, sie werfen Pazifismus und Moral über Bord und schreien,  um ihr nacktes Leben zu retten, Allahu akbar.

 

Thomas Martini
20. Dezember 2017 13:18

Ausgezeichneter Beitrag. Ob es die meisten "Linken" gut meinen, oder ob sie nicht viel eher moralinsauer an der Macht kleben, würde ich aber dahingestellt lassen.

Harald
20. Dezember 2017 21:03

Zu Wawerka

Frei nach  Armin Mohler . ... der Feind,der bereits innerhalb der Burg agiert und unsere Abwehr so weich macht,das der äußere Feind eindringen kann. Das ist der gehährlichste Feind

Tom Hell
21. Dezember 2017 01:30

...aus Briefe an einen deutschen Freund (Albert Camus)

„Sie sagten: «Die Größe meines Landes kann nicht zu teuer bezahlt werden. Alles, was ihrer Verwirklichung dient, ist gut. Und ihr müssen in der Welt, in der nichts mehr Sinn hat, die Menschen, die wie wir jungen Deutschen das Glück haben, im Schicksal ihres Volkes einen Sinn zu finden, alles zum Opfer bringen.»

«Nein», entgegnete ich, «ich kann nicht glauben, dass man alles einem bestimmten Ziel unterordnen darf. Es gibt Mittel, die nichts heiligt. Und ich möchte mein Land lieben können, ohne aufzuhören, die Gerechtigkeit zu lieben. Ich kann nicht zu jeder Größe ja sagen, selbst zu einer, die in Blut und Lüge gründet. Indem ich die Gerechtigkeit am Leben erhalte, möchte ich mein Land am Leben erhalten.»

deutscheridentitärer
21. Dezember 2017 09:44

"Frei nach  Armin Mohler . ... der Feind,der bereits innerhalb der Burg agiert und unsere Abwehr so weich macht,das der äußere Feind eindringen kann. Das ist der gehährlichste Feind"

Naja, das ist jetzt nun aber seinerseits sehr ungerecht und anmaßend.

Das Relikt
23. Dezember 2017 15:50

Es ist interessant, vielleicht bezeichnend und auch etwas gruselig, dass dieser Kommentarstrang verwaist bleibt, während andere überschäumen. Immerhin wird hier die relevanteste aller Fragen im politischen Kontext gestellt - die Frage nach der Loyalität. (Oder habe ich alles missverstanden?)

Wenn jetzt die Neue Rechte ein bisschen banale mediale Aufmerksamkeit erkämpft hat, von jedem echten politischen Einfluss aber noch meilenweit entfernt ist, sich manche jedoch öffentlich bereits die moralischen Hintertüren einbauen, um im Ernstfall auszusteigen, dann lässt das an der generellen Ernsthaftigkeit des politischen Tuns dieser Personengruppe zweifeln.

Getroffene Hunde schweigen?

Ich hoffe es folgt noch eine klärende Entgegnung auf diesen wie immer treffenden @Poensgen-Text. Ich sehe, als neu-rechter Nichtchrist, nicht ein warum neu-rechtes Christentum unser Handeln als Szene bewerten und bestimmen soll, wen man dort eh nicht richtig dabei sein will.

Jürg_Jenatsch
23. Dezember 2017 23:28

@ der_jürgen wie immer so formuliert, daß ich den Text nahezu 100% unterschreiben kann.

@Relikt Der Handelnde ist gewisser Weise immer gewissenlos, aber nicht nur dieser. Insofern ist auch die  derzeitige globalistische, von den Linken goutierte Politik, gewissenlos, da auch Nichthandeln bestimmte Folgen zeitigt. Anscheinend gibt es in allen politischen Lager aber Vertreter einer eher mädchenhaften Anschauung von Politik. Was die Frage nach dem dabei sein ist zu Recht gestellt. Ich frage mich das auch.

Der Text von Herrn Poensgen selber ist vortrefflich.

Cacatum non est pictum
24. Dezember 2017 02:07

Sehr geehrter Herr Poensgen,

ich bin immer wieder erstaunt über den Weitblick, mit dem Sie in Ihrem jungen Alter über den politischen Tellerrand hinwegschweifen. Der neueste Gesprächsband der Blauen Nazisse, zu dem ja auch Sie beigetragen haben, hat mich zu vielen neuen Gedanken inspiriert. Gestatten Sie mir ein paar kurze Anmerkungen zu Ihrem Text.

"Wir durchleben das gleichzeitige Aufbrechen einer Vielzahl über Jahrzehnte immer drängender bohrender Fragen: Die globale Bevölkerungsfrage, die Frage der Position und Verfassung Europas in einer Welt, in der andere Größenordnungen zählen, als die des abendländischen Nationalstaates, Fragen der Verfaßtheit der Weltwirtschaft, das Überlaufen manchen Irrsinns, der seit Jahrzehnten in poststrukturalistischen Akademikerkreisen herumschwimmt, in die alltägliche Lebenswelt, die Frage der Geschlechterrollen in einer Zeit fast nicht vorhandener Kindersterblichkeit und damit weitgehender Überflüssigkeit der traditionellen Weiblichkeit und manches mehr. In diesem Sturm sitzt die Rechte mit der Linken und dem ganzen Establishment in einem Boot, wir versuchen nur, ihnen das Steuerruder zu entreißen."

Ich schätze generell Ihre gedankliche Konsequenz, aber an meinen Hervorhebungen läßt sich ablesen, daß auch Sie sich nicht ganz freimachen können vom globalistischen Neusprech. Die Bevölkerungsfrage müßte nicht global sein. Man könnte sie regional/national/kontinental behandeln, denn in Europa haben wir kein nennenswertes Überbevölkerungsproblem, jedenfalls keines in afrikanischen oder asiatischen Dimensionen. Wirtschaftliche Entflechtung, Isolation und harter Grenzschutz könnten uns die gigantischen Probleme vom Hals halten, die nun vor uns liegen, weil alles global betrachtet wird. Ich weiß: Was ich schreibe, ist nach Stand der Dinge utopisch. Den ökonomischen Rückbau würde sich die angloamerikanische Hochfinanz nicht gefallen lassen, ohne notfalls (Welt-)Kriege anzuzetteln; die Rohstoff- und Edelmetallvorkommen auf dem Schwarzen Kontinent sind einfach zu lukrativ, als daß diese neokolonialistischen Raffgeier ihre blutig-schmutzigen Finger davon lassen könnten. Dennoch: Widerstand beginnt damit, die Sprache des Gegners abzulehnen.

"Ich selbst denke, aus Gründen, die hier zu weit führten, nicht, daß die globalistische Rechnung auch nur noch mittelfristig aufgehen kann. Doch schon die bloße Bereinigung der Fehler wird Opfer kosten und damit wäre noch keines der ursprünglichen Probleme ernsthaft angepackt."

Ich hoffe, Sie behalten recht mit Ihrer Prognose. Denn seien wir doch ehrlich: Der Globalismus hat in den letzten 25 Jahren einen Siegeszug angetreten, der seinesgleichen sucht. Viele Nationalstaaten Europas stehen vor dem inneren Zerfall und zugleich vor der äußeren Strangulation. Kapital- und Menschenströme fließen zunehmend ungehindert. Die Globalisten haben Minengürtel gelegt, die sich kaum noch umgehen lassen, ohne große Detonationen auszulösen. Momentan spricht fast alles gegen uns.

Mut machen natürlich die Separationsbestrebungen in vielen europäischen Regionen. Und die verpanzerte Haltung der Visegradstaaten in der Migrationscausa ist ebenfalls ein Lichtblick. Möglicherweise wird die totalitäre Europäische Union an diesen Hindernissen zerschellen wie Leichtflugzeuge an einer Steinklippe (und niemanden würde das mehr freuen als mich!); aber damit wäre noch lange nicht gesagt, daß wir ohne Opfer aus der Bredouille kommen, wie Sie völlig richtig meinen. Immerhin könnten Merkel, Schäuble, Juncker und Konsorten unter Aufbietung aller Flakhelfer eine liberale Mini-EU aufrechtzuerhalten versuchen, in der dann etwa Deutschland, Frankreich, Benelux und Schweden endgültig vom Mahlstrom der Geschichte vertilgt werden. Diese Gefahr gilt es zu erkennen und auszuschalten.

"Deshalb, erst hier kommt die Gesinnung ins Spiel, trifft man den reinen moralischen Impuls auf der Linken so viel häufiger, als auf der Rechten. Die Linke macht ihm das bessere Angebot der Selbsttäuschung. Sie tut sich leichter darin, die Opfer der eigenen Politik verschwinden zu lassen."

Das wiederum ist eine äußerst hellsichtige Erkenntnis - und vielleicht der Grund dafür, daß viele Leute sich so schwertun damit, ihre gutmenschlichen Überzeugungen im Angesicht der großen Gefahren dieser Tage aufzugeben.

 

[Die von ihnen hervorgehobenen Formulierungen sind bewusst so gewählt. Gibt es denn keinen kleineren Maßstab, als den globalen? Selbstverständlich, aber das schafft den großen nicht aus der Welt.

Die Bevölkerungsfrage z. B. ist deshalb nur global zu begreifen, weil sie durch die Verbindung der Dritten Welt zur Ersten entstanden ist. Davor sorgten hohe Sterblichkeitsraten für ein natürliches Gleichgewicht auch jener Völker, die nicht in der Lage sind eine technisierte Zivilisation aufrechtzuerhalten. Theoretisch ließe sich dagegen mit Entglobalisierungsmaßnahmen vorgehen. Doch was wollen sie tun? Den Export medizinischer Güter nach Afrika untersagen? Und angenommen ja, glauben sie, das wäre durchsetzbar?

Beste Grüße und Frohe Weihnachten

Johannes Konstantin Poensgen]

Cacatum non est pictum
24. Dezember 2017 02:26

@Der_Jürgen

"Aber die Lage wird - das kann man, ohne mit prophetischen Gaben gesegnet zu sein, ruhig voraussagen - so gewaltig eskalieren, dass Blutvergiessen grossen Ausmasses irgendwann nicht mehr zu vermeiden sein wird."

Diese Eskalationsrhetorik ist im Kommentariat der Sezession im Netz durchaus verbreitet. Ich selbst habe sie zigfach zur Anwendung gebracht. Aber vielleicht irren wir uns ja. Vielleicht wird unsere schöne Heimat einfach nur schrittweise - zu langsam, um beherzten Widerstand hervorzurufen, zu schnell, um die alten Bestände schützen zu können - in ein zweites Brasilien verwandelt, das dereinst als multiethnischer, zersplitterter, von Kriminalität durchsetzter failed state langfristig dahinvegetiert.

Cacatum non est pictum
24. Dezember 2017 02:35

Abermals Entschuldigung für meine zerklüftete Wortmeldung, aber ich wollte es nicht versäumen, allen Mitstreitern hier ein frohes Fest und friedliche, besinnliche Feiertage zu wünschen!

Franz Bettinger
24. Dezember 2017 10:23

@ Cacatum

"Die Bevölkerungsfrage müsste nicht global sein. Man könnte sie regional, national oder kontinental behandeln, denn in Europa haben wir kein Überbevölkerungs-Problem. Isolation, wirtschaftliche Entflechtung und konsequenter Grenzschutz könnten uns die gigantischen Probleme vom Hals halten, die wir nur haben, weil wir alles global betrachten. Klar, was ich schreibe, ist nach Stand der Dinge utopisch."

Verehrter Cacatum, was Sie schreiben ist nicht utopisch. Vor der eigenen Tür zu kehren und nur dort, wäre das Natürlichste und Normalste der Welt. Unwirklich und dystopisch wirkt auf mich (und vermutlich die Nachwelt) eher der Zirkus, den wir angesichts so abenteuerlicher Figuren wie Merkel und Junker erleben. - Caligula wird ein Niemand sein gegen Merkel, wenn in ferner Zukunft von extremer Dekadenz die Rede sein wird. - Es wäre übrigens ein äußerst ironischer Witz der Geschichte, wenn die ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten sich angesichts des grassierenden EU-Irrsinns wieder, und diesmal freiwillig Russland annähern würden, und dann, wer weiß: Wir können zwar nicht Afrika retten, aber möglicherweise in Symbiose mit Russland unser Heil finden. Letzteres jedenfalls will ich nicht ausschließen, ersteres immer. Schön, dass Herr Poensgen und Sie zum Jahresende etwas Hoffnung wecken.

Cacatum non est pictum
25. Dezember 2017 15:07

"Die Bevölkerungsfrage z. B. ist deshalb nur global zu begreifen, weil sie durch die Verbindung der Dritten Welt zur Ersten entstanden ist. Davor sorgten hohe Sterblichkeitsraten für ein natürliches Gleichgewicht auch jener Völker, die nicht in der Lage sind eine technisierte Zivilisation aufrechtzuerhalten. Theoretisch ließe sich dagegen mit Entglobalisierungsmaßnahmen vorgehen. Doch was wollen sie tun? Den Export medizinischer Güter nach Afrika untersagen? Und angenommen ja, glauben sie, das wäre durchsetzbar?"

Ich mußte leicht schmunzeln, als ich eben Ihre Antwort las, denn erst vor kurzem hat ein Bekannter - kein Gutmensch, sondern ein harter Konservativer - mir ähnliche Vorhaltungen gemacht, als wir dieses Thema diskutierten. Und zwar stellte er mir die Frage, ob ich denn die ganzen Afrikaner verhungern lassen wolle. Diesen harten Wirkungstreffer mußte ich erst einmal verdauen. Dann habe ich mich aber innerlich geschüttelt und ihm sinngemäß folgende Antwort gegeben, die auch zu Ihrem Einwand paßt:

Ich bin generell der Auffassung, daß wir weder das Recht noch die Verpflichtung haben, in den hintersten Winkeln der Erde Hilfe zu leisten. Wo Not herrscht, sind die Menschen in der unmittelbaren Umgebung zuerst gefragt - Familien, Kommunen, Regionen usw. In Extremfällen soll es Ausnahmen davon geben. Ich meine, daß langfristig in der Tat eine Entglobalisierung anzustreben ist. Das wäre in Sachen Überbevölkerung, Natur- und Kulturschutz heilsam. Ohne Zweifel wird das Opfer kosten; aber ich will mir nicht ausmalen, was in einer überbevölkerten, grenzenlosen Welt passiert, wenn die industrielle Nahrungsmittelproduktion einmal zum Erliegen kommt, sei es durch Naturkatastrophen, sei es durch Krieg. Auf lange Sicht glaube ich also, daß ich die Argumente der Kategorie Ethik auf meiner Seite habe.

Und ich spreche natürlich von Prozessen, die schrittweise vonstattengehen, nicht von einer Radikalkur. Ob das alles durchsetzbar ist, würde sich zeigen. Grundsätzlich läßt sich vieles durchsetzen, wenn es von einem starken kollektiven Willen getragen ist. Die größten und mächtigsten Gegenspieler sehe ich da wie gesagt bei den finanziellen Profiteuren. Die werden über Leichen gehen, um das Rad der Globalisierung weiterzudrehen. Und obwohl sie ihre Motive in der Öffentlichkeit immer mit Moral bemänteln werden, sind sie die unmoralischsten Akteure von allen.

Karlemann
25. Dezember 2017 15:50

"[...] meinem Wissensstand als Außenseiter zufolge jedoch hat der Flügel, oder zumindest die Person Björn Höckes, niemals den Ausschluß andere Teile aus der Partei gefordert"

Die Problematik Landolf Ladig ist bekannt. Warum gibt er es nicht einfach offen zu?  Oder: Warum gibt er es nicht einfach reumutig zu? Oder: Warum unterszeichnet er keine Versicherung an Eides statt dass eres nicht war?

So ist es nicht auszuschließen, dass er taktiert und/oder von der anderen Seite ist und zu weiteren Schaden bereit ist.

Der_Jürgen
25. Dezember 2017 22:18

@Karlemann

Jeder hat das Recht, unter einem Pseudonym zu schreiben. Dies tut ja die überwältigende Mehrheit jener, die sich hier zu Wort melden, sei es, weil sie aus legitimen SIcherheitserwägungen nicht unter eigenem Namen schreiben wollen, sei es, weil ihnen dies von den Bademeistern verboten wurde.

Höcke ist in keiner Weise verpflichtet, "zuzugeben" (ob reumütig oder nicht), oder eine "Versicherung an Eides statt zu unterzeichnen", dass er nie etwas unter dem Namen Landolf Ladig oder Kunibald Meier oder Habakuk Müller publiziert hat.

Ich bin absolut von Höckes Ehrlichkeit und seinem Patriotismus überzeugt und lege die Hand dafür ins Feuer, dass er nicht "von der anderen Seite" ist. Natürlich macht er, wie jeder, auch Fehler. Einen solchen hat  er meiner Ansicht nach begangen, als er nach der hysterischen Reaktion, die seine Dresdener Rede auslöste, darum bat, an einer Bussfahrt nach Buchenwald teilnehmen zu dürfen (was ihm dann verweigert wurde). Doch vom sichern Port lässt sich's  gemächlich raten.

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