Sezession
14. Dezember 2017

A.M. und die Rede von den momentan nebeneinander Wohnenden

Gastbeitrag / 46 Kommentare

In der Rede, die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juli in Paris vor dem Élyséepalast hielt, ließ sie keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer altbekannten Positionen. Sie legte Frankreich direkt und ohne Umschweife nahe, in der Einwanderungspolitik dieselben Prinzipien anzuwenden, die sie bereits seit zwei Jahren in Deutschland erfolgreich in die Tat umsetze. Wörtlich sagte sie: 

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Auf die Frage: ‚was ist das Volk?‘ antworte ich: das Bündel vergänglicher Wesen mit Köpfen, zwei Händen und zwei Füßen, welches in diesem einen, gegenwärtigen, armseligen Augenblick auf der Erdfläche, die man Frankreich nennt, mit allen äußeren Symptomen des Lebens nebeneinander steht, sitzt, liegt. 

Etwas später fügte sie noch in enger Anlehnung an eine andere ihrer bekannten Formulierungen hinzu, für sie persönlich sei

das Glück der Menschheit nichts anderes als die Summe der kleinen Privat-Glückseligkeiten der gerade eben neben einander Wohnenden.

Pardon, liebe Leserinnen und Leser, jetzt habe ich mich durch die Initialen verwirren lassen und einiges durcheinandergebracht. Diese Zitate sind natürlich nicht von Frau Merkel, sondern bereits über 200 Jahre alt und stammen aus dem Buch „Elemente der Staatskunst“ von Adam Müller (1779-1829).

Aber Hand aufs Herz: Könnten diese Aussprüche, einmal abgesehen von der etwas altertümlichen und ziemlich treffsicheren Ausdrucksweise – ich habe nur das Wort „ephemer“ durch das verständlichere „vergänglich“ ersetzen müssen – nicht eins zu eins von unserer Kanzlerin kommen? Wie ist es möglich, daß der Nationalökonom und Philosoph Adam Müller bereits kurz nach dem Zusammenbruch des ersten Kaiserreichs die Einstellung unserer gegenwärtigen Kanzlerin bis in die Formulierungen hinein karikieren konnte?

Denn, das sei gleich dazugesagt, um eine Karikatur handelt es sich allerdings. Adam Müller meinte das keineswegs ernst, sondern wollte mit den oben zitierten Sätzen die Weltanschauung seiner Gegner pointiert wiedergeben. Er wandte sich in seinem Buch gegen den politischen und wirtschaftlichen Individualismus, und dabei insbesondere gegen den Liberalismus, also gegen diejenigen Positionen, die laut Müller als letzten Wert nur das Individuum kennen, und die alle Gebilde, die das Individuum einbinden, also Gemeinschaft, Volk, Familie usw., mehr oder weniger für konstruierte Hirngespinste halten.

Demgegenüber forderte Müller als Reaktionär reinsten Wassers die Rückkehr ins Mittelalter, wo aus seiner Sicht Staat und Gesellschaft noch nicht getrennt waren, sondern der (noch nicht zentralisierte) Staat vielmehr die Verkörperung der Gemeinschaft war.

Da ich selber mit den Libertären (d.h. mit dem radikalen oder reinen Liberalismus) sympathisiere, muß ich mich fragen: Worauf zielt die Kritik Müllers ab? Nun, daß die Feld-, Wald- und Wiesenliberalen den Pervertierungen der offenen Gesellschaft eigentlich nichts entgegenzusetzen haben, dürfte nur wenig umstritten sein. Ist es doch wunderbar liberal, wenn der einzelne sich selber definieren darf, wenn er sein Geschlecht auswählen und sich wünschen darf, mit welchen Pronomen er künftig bezeichnet werden möchte. Was ist außerdem das Problem an einem stetig wachsenden Anteil der moslemischen Bevölkerung in Deutschland? Schließlich herrscht doch in einer liberalen Gesellschaft Religionsfreiheit.

Wie gehe ich aber als Libertärer mit diesen Entwicklungen um? Daß ich da auf ein Problem stoße, sieht man schon bei einem kurzen Blick in die Zeitschrift eigentümlich frei. In Heft 177 haben sich mit Hans-Hermann Hoppe und Jeffrey Tucker zwei weltbekannte Libertäre darüber gestritten, wie mit der Alt-Right umzugehen sei. Auf Deutschland gemünzt bedeutet das: Wie hast Du’s mit der AfD? Hoppe legt eine Kooperation nahe, Tucker hält eine solche für Verrat an den eigenen Prinzipien.

Mit anderen Worten ist man sich nicht einig, ob sich Libertäre bei der Bekämpfung der Fehlentwicklungen der Moderne den Konservativen und Reaktionären anschließen oder sich nicht lieber doch auf das Kerngeschäft beschränken sollen, nämlich an der Minimierung oder gar Abschaffung des Staates zu arbeiten – auf daß die dann entstehende Privatrechtsgesellschaft die Probleme nach ihren eigenen Grundsätzen lösen könne, wenn es denn einmal so weit ist.

Ich muß zugeben, daß mir der letztgenannte Weg immer mehr als eine reine Utopie erscheint. Wir leben in einer Welt, in der es von Verboten und Vorgaben, von Steuern und Abgaben, von Sozialleistungen und Umverteilungen nur so wimmelt. Daran wird sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Macht man auch in einer solchen Welt die libertäre Vorstellung einer unregulierten Gesellschaft zum alleinigen Handlungsmaßstab, dann mag der Vorwurf Adam Müllers nicht unberechtigt sein, die Individualisten stimmten

in dem Wahne überein, der Einzelne könne wirklich heraustreten aus der gesellschaftlichen Verbindung, und von außen umwerfen und zerstören, was ihm nicht ansteh; der Einzelne könne gegen das Werk der Jahrtausende protestieren; er brauche von allen Instituten, die er vorfinde, nichts anzuerkennen…

Aus der Gesellschaft heraustreten können wir aber eben gerade nicht. Wir leben im Hier und Jetzt und müssen mit dem arbeiten, was sich uns darbietet. Und dabei ist nicht auszuschließen, daß liberale Maßnahmen katastrophale Folgen zeitigen können. In unserer Welt führen offene Grenzen zu Masseneinwanderung in die Sozialsysteme, führt Freihandel zu einem globalen Einfluß der amerikanischen Geldpolitik, führte eventuell auch die Abschaffung der Schulpflicht zur endgültigen Verwahrlosung mancher bereits heute entzivilisierten Gegenden und Gesellschaftsschichten.

Da gilt es zunächst einmal, einfach nur zu retten, was noch zu retten ist an Institutionen und Stabilitätsankern. Da gilt es vielleicht auch, erst einmal für das Schließen der Staatsgrenzen zu plädieren, auch wenn das nicht dem libertären Programm entspricht. Andernfalls ist man bestenfalls wirkungslos, schlimmstenfalls mitverantwortlich für die Folgen einer Politik, deren Quintessenz Adam Müller in den Eingangszitaten beschrieben hat.


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Kommentare (46)

Maiordomus
14. Dezember 2017 14:57

@Udau. Sind diese Zitate oben, die wirklich den Eindruck von Satire machen, was doch noch nie Merkels Art war, auch nicht die symbolische Ausdrucksweise, wirklich Originalton der deutschen Bundeskanzlerin? Ich kann das beinahe nicht glauben, es müsste, falls es eine echte Aussage ist und nicht eine von Satirikern, zum Weiterzitieren noch genauer belegt, ev. mit zusätzlichem Kontext versehen werden.

kommentar kubitschek:

im text steht doch deutlich, daß A.M. in diesem fall Adam Müller sei, der diese zeilen vor zweihundert jahren wiederum karikierend gegen die liberalen münzte.

Maiordomus
14. Dezember 2017 15:12

@Danke. Ich bin oder war wohl aber nicht der Einzige, dem es nach der Lektüre einiger Zeilen "ablöschte", so dass man die unteren Zeilen gar nicht mehr las. Es ist natürlich in der Tat nicht der Stil von Merkel, sondern literarische Sprache, die sich oft als prophetisch erweist. 

S.J.
14. Dezember 2017 15:26

Vorweg gesagt: Ja, der Liberalismus ist in einer bestimmten Hinsicht durchaus gefährlich. Er kann dazu beitragen, die Bindung des Einzelnen zur eigenen Staatsgesellschaft zu lösen, wenn Individuum und Selbstverwirklichung zur Maxime erklärt werden, sodass sich jeder irgendwann selbst einredet - und von allen Seiten Bestätigung erfährt -, er habe dem Staat oder der Gesellschaft gegenüber keinerlei Verpflichtungen und auch keine Einschränkungen seines Lebensentwurfes zu erwarten. Zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang die Lektüre von Thor von Waldsteins kleiner Schrift „Wer schützt die Verfassung vor Karlsruhe?“ (Heft 34, IfS). Es laufe, so Thor von Waldstein, auf eine Teilchen-Gesellschaft hinaus, in der jeder ichverpanzert neben den anderen lebe und in die Sonne blinzele, was unserer europäischen Verfassungs- und Gesellschaftstradition im Allgemeinen und dem Zweck des Grundgesetzes im Besonderen widerstreite. Diese Tradition trenne den Einzelnen nicht von Staat und Gesellschaft. Dies stifte ein Gefühl der Verbundenheit auf der Grundlage gemeinsam erlebter Kultur und Geschichte.

 

Rüdiger Plantiko
14. Dezember 2017 15:29

Danke für den Hinweis auf Adam Müller. Für Leute, die heute als "Reaktionäre reinsten Wassers" gelten, habe ich immer etwas übrig. Von den berümten Rädern der Geschichte, an denen man gefälligst immer weiter in Richtung "Fortschritt" zu drehen habe, habe ich mich schon längst verabschiedet. Damit implodiert auch der Begriff Reaktionär, und es bleibt meist nur noch: ein anständiger Mensch. An die Stelle eines Immer-weiter-Voranschreitens setze ich nur noch die Unterscheidung von "der menschlichen Wesensart gemässen und ihr eher zuwiderlaufenden Arten, die gemeinschaftlichen Dinge zu regeln". Der Liberalismus in allen seinen Spielarten, den Libertarismus eingeschlossen, ist selbstverständlich utopisch, er hat ein weit überdehntes Bild von den menschlichen Fähigkeiten, und wir können heute keine Rettung vom Liberalismus erwarten, da seine Geistesart nicht nur mit-ursächlich für unsere heutigen Probleme ist, sondern auch weil er auf alles, was heute wirklich nottäte, mit seiner "Kollektivismus"-Keule einschlägt: namentlich "Volk" und "(National)staat" werden nur als Hemmnisse seines absolut gesetzten Freiheitsdrangs wahrgenommen und sind ihm zutiefst zuwider. Besonders das administrative Instrument "Nationalstaat", der Dinge zum Wohle von Volk und Familie regeln und auch das Ökonomische auf das dem Volkswohl Dienende zurückstutzen kann, ist dem Liberalismus verhasst. Er ist nur ein notwendiges Übel, nur aus der widerwilligen Einsicht zugestanden, dass auch die fetischisierten Wirtschaftssubjekte, um ihre Geschäfte erfolgreich treiben zu können, in der realen Welt der Rechtssicherheit bedürfen. Wenn die Voraussetzungen unserer Gesellschaft durch den Volkstod bedroht sind, steht man im gemeinsamen Abwehrkampf zusammen und verschiebt weitergehende Dispute. Wenn daher Libertäre - entgegen ihren Grundsätzen - für den Erhalt der Völker einstehen: umso besser für sie, aber dann sind sie die Ausnahmen von der Regel.  

Caroline Sommerfeld
14. Dezember 2017 18:23

Sehr geehrter Herr Udau,

Sie sprechen mir aus dem vom anschwellenden Rechtsmarxismus inzwischen leicht angegriffenen Herzen. Konnte ich bisher den Libertären außer Mangel an Berührungsängsten mit uns, wohl auch aus echter Unkenntnis ihrer Klassiker, nicht sonderlich viel abgewinnen - Ihr kleiner Beitrag ist ein Vorgeschmack auf mehr.

Es muß doch möglich sein, den grassierenden Neoliberalismus in seinen globalistischen, remplacistischen und entstrukturierenden Erscheinungsformen kritisch entgegenzutreten, ohne sich durch rechten Gebrauch der marxistischen Diagnoseinstrumente und womöglich auch noch Heilmittel die linke Geschichtsphilosophie wieder mit einzuhandeln.

 

Der_Jürgen
14. Dezember 2017 19:01

Ich will Herrn Bernard Udau ja nicht zu nahe treten, aber es ist mir absolut unbegreiflich, wie ein intelligenter Mensch, der seinem Volk das Beste wünscht, Libertärer (also nach Udaus Definition "radikaler Liberaler") sein kann. In diesem Punkt stimme ich voll mit Nils Wegner überein, der kürzlich ein vernichtendes Urteil über diese Ideologie gefällt hat. Hier nur ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Am Ende seines Artikels zählt Herr Udau einige der Folgen auf, welche eine Politik der offenen Grenzen hat, und zieht daraus zähneknirschend den Schluss,  es gelte unter den gegenwärtigen Umständen für die Schliessung der Staatsgrenzen zu plädieren, "auch wenn das nicht dem libertären Programm entspricht".

Dies bedeutet doch wohl, dass es dem libertären Programm grundsätzlich entspräche, für offene Grenzen einzutreten. Wenn ich richtig verstanden habe, lautet das libertäre Argument so: Die Grenzen müssen im Prinzip offen sein; jeder darf kommen, aber er hat keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung.

Was hiesse das? Es hiesse, dass Heerscharen von Wirtschafts-"Flüchtlingen" über die Grenze strömen und, da sie ja nicht, wie dies gegenwärtig der Fall ist, vom deutschen Staat durchgefüttert würden, ihren Lebensunterhalt durch Betteln, Stehlen und Schlimmeres verdienen würden, so wie es insbesondere die Zigeuner, pardon, die Sinti und Roma, schon lange vor der dramatischen Verschärfung der Flut vordemonstriert haben.

Um die straffällig gewordenen Eindringlinge aus dem Land herauszukomplimentieren, müssen Heerscharen von Polizisten, Richtern (und natürlich Anwälten) eingestellt werden, und die Unterbringung der diebischen Gäste bis zum Entscheid über ihre Abschiebung würde auch nicht kostenlos sein. Wäre es da nicht vielleicht doch gescheiter, die Grenzen von Anfang an straff zu kontrollieren, damit keine Unerwünschten einströmen?

Vielleicht werden in Deutschland und Europa wieder Zeiten kommen, in denen man sich einen Nachtwächterstaat leisten kann, aber diese Zeiten wird keiner, der hier mitliest oder mitschreibt, noch erleben, nicht einmal Martin Sellner, der hier zu den jüngsten Autoren zählt. Entweder gehen wir für immer den Bach herab, oder wir retten uns in letzter Stunde, und dann muss ein starker Staat mit sehr weitgehenden Befugnissen in jahrzehntelanger Arbeit reparieren, was der verbrecherische Liberalismus kaputtgemacht hat. Ob dieser Liberalismus nun gemässigt oder radikal (d. h. libertär) ist, interessiert mich nicht die Bohne.

Selbstdenker
14. Dezember 2017 19:45

Für mich sind Libertäre Utopisten. Eine Vorstellung, die ein Chaos per Ansage bedeuten würde, für mich absolut naiv.

Was Merkel und Kosorten betrifft, muss man eins erkennen. Für diese Leute ist Deutschland nur ein Ausschnitt der Welt, sie denken Global. Kultur und Tradition sind ihnen fremd, sie spielen keine Rolle.  Eine Politikerin der Linken sagte kürzlich..Warum soll man den Terroristen bei uns ausweisen, es macht doch keinen Sinn, den sie wären ja dann nur wo anders. So denkt Merkel und co auch, das liegt auf der Hand.

quarz
14. Dezember 2017 22:24

@ S.J.

"Es laufe, so Thor von Waldstein, auf eine Teilchen-Gesellschaft hinaus, in der jeder ichverpanzert neben den anderen lebe und in die Sonne blinzele,"

Diesen Sozialmonaden ist ja klar, dass sie alle von sozialer Kooperation profitieren. Erstaunlich ist nur die Naivität, die ihren Glauben daran trägt, dass sich jeder von seinen individualistischen Launen treiben lassen kann und sich dennoch auf wundersame Weise im chaotischen Wechselspiel der Beziehungen immer wieder tragfähige Allianzen bilden, die das Werk am Laufen halten.

Diese Leute sollten mehr in alten Parkanlagen spazieren gehen. Vielleicht reift in ihnen dann die Erkenntnis, dass manches nicht gedeiht, wenn es nicht Menschen gibt, die im Bewusstsein schaffen, dass die Früchte ihres Tuns erst hundert Jahre später geerntet werden.

Dirk Ahlbrecht
14. Dezember 2017 23:30

Das geht mir ganz ähnlich, Frau Sommerfeld. Da brauche ich mir bspw. nur den Betriebsrats-Beitrag etwas weiter unten anzusehen...

Der sog. Neoliberalismus als Kampfbegriff der Linken ist doch letztlich einzig der verzweifelte Versuch gescheiterte ideologisch-etatistisch angelegte Markteingriffe letztlich selbigem in die Schuhe zu schieben.

Gäbe es bspw. den (gescheiterten) EURO nebst Bankenrettung in einer echten Marktwirtschaft? Die (gescheiterte) sog. Energiewende? Das Lohndumping in den hiesigen prekären Beschäftigungsverhältnissen auf Grund der Masseninvasion Unqualifizierter aus aller Herren Länder? Nein, das gäbe es alles nicht. Der idiologisch gehyjackte Staatsapparat ist ein Garant für Schäden aller Art - bis hin zum existenziellen Untergang ganzer Gesellschaften.

Es grüßt ein überzeugter Minimalstaatler, der die Privatrechtsgesellschaft für einen frommen Wunsch hält.

Corax
14. Dezember 2017 23:54

Wenn die Deutschen heute aus libertärer Überzeugung heraus beschließen würden, den Staat abzuschaffen, würde es kein Jahr dauern und das deutsche Territrium wäre Bestandteil eines neuen Staates, vielleicht eines türkischen Staates auf deutschem Boden mit den Deutschtürken als Leit- und Herrenvolk, oder eines anderen  Staates, der das deutsche Territorium annektieren würde, und die Libertären, die sich Freiheit versprochen haben, hätten jetzt weit weniger Freiheit als zuvor, denn als Deutsche hätten sie jetzt nichts mehr zu sagen und als Libertäre wahrscheinlich erst recht nichts.  Die Libertären sind wie radikale Pazifisten, die sagen: "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin."  Die Sache ist aber die: Wenn Krieg ist, und man nicht hingeht, dann hat man den Krieg verloren.  Und wenn man aus libertärer Ideologie heraus den eigenen Staat preisgibt, findet man sich in einem fremden Staat als Paria wieder und wird genau das sein, was man um Himmels willen niemals sein wollte.

Preußischblau
15. Dezember 2017 11:41

was spricht gegen die these, dass die  liberale humanistische agenda nur vordergründing ist, und die globalisten eigentlich eine kommunistische agenda verfolgen, das aktuelle chaos also nur eine etappe auf dem weg zum kommunistischen weltstaat ist? 

Franz Bettinger
15. Dezember 2017 11:48

Schöner Aufsatz. Zustimmung bis auf einen Aspekt: "In unserer Welt ... führte eventuell auch die Abschaffung der Schulpflicht zur endgültigen Verwahrlosung mancher bereits heute entzivilisierten Gegenden." Mit dieser Behauptung habe ich Schwierigkeiten. Denn wenn ich heute Kinder hätte, so würde ich sie nicht mehr in eine staatliche Schule schicken. Ich würde es vorziehen (so ich das Geld und / oder die Zeit dafür hätte) sie selbst oder durch Privatlehrer zu unterrichten. Es gibt zivilisierte (oft rurale) Länder, in denen keine Schulpflicht herrscht. In Neuseeland z. B. gibt es nur eine Unterrichtungspflicht. Gemeint ist, dass Eltern, wenn sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken, sie irgendwie eben doch unterrichten "müssen" - ganz ohne Gewähr und Kontrolle, dass dies auch wirklich geschieht. Das funktioniert gut.

Schon zu meiner Zeit (Abitur 1974) empfand ich die Schule inklusive des Gymnasiums als einen Skandal. Skandalös war, wie wenig man uns beibrachte - und dann noch das Flasche: Mengenlehre, Latein, Altgriechisch. (Spanisch wäre mir neben Französisch und Englisch lieber gewesen.) Aber das waren goldene Zeiten im Vergleich zu heute. Ehrlich, in diesen Saustall, den wir heute Schule nennen, würde ich mich mit allem, was mir zu Gebote stände, wehren, meine Kinder zu schicken. Ich würde mich mit anderen Eltern zusammentun und 'nen Riesen-Rabbatz machen. Ein Problem sehe ich dabei: meine Kinder. Die müssten kleine Helden sein. Das weiß ich schon.

Hartwig aus LG8
15. Dezember 2017 13:34

Nun, @Corax, ist es nicht vielmehr so, dass wir bereits in einem fremden Staat leben? Der deutsche Staat wendet sich gegen sein Staatsvolk. Deshalb möchte ich als Anti-Liberaler den Gedanken in den Raum stellen, ob nicht gerade jetzt liberales Denken angesagt sei, wenn auch nicht im üblichen Sinne. Einem Staat, der sich gegen sein Volk wendet, sind vom Volk alle nur möglichen Zuwendungen zu entziehen. Was wiederum zur Folge hat, dass man sich außerstaatlich zu organisieren hat. Eine Bürgerwehr gründet sich zwar meist als verzweifelte Notwehrmaßnahme, aber eine Bürgerwehr ist ebenso ein klassisches Ergebnis ultra-liberalen Denkens.

 

Lichtschlag
15. Dezember 2017 14:43

Gruß über die offene Grenze:

Neue Rechte

Liberale Strohmänner und geschichtsvergessener, utopistischer Staatsglaube

Gruß über die offene Grenze und Antwort auf den „Libertären Bernard Udau“

„Der Libertäre Bernard Udau“ (oder vielleicht der „Libertäre“ „Bernard Udau“?) zweifelt in einem Beitrag auf Sezession.de („A.M. und die Rede von den momentan nebeneinander Wohnenden“) an seinen Ideen. Und zwar, um die fünf wichtigsten Punkte herauszugreifen, weil erstens „der Liberalismus alle Gebilde, die das Individuum einbinden, mehr oder weniger für konstruierte Hirngespinste“ halte. Weil zweitens es sarkastisch gesagt „wunderbar liberal“ sei, „wenn der einzelne sich selber definieren darf, wenn er sein Geschlecht auswählen und sich wünschen darf, mit welchem Pronomen er künftig bezeichnet werden möchte“. Weil drittens „in unserer Welt offene Grenzen zu Masseneinwanderung in die Sozialsysteme“ führten und man deshalb „für das Schließen von Staatsgrenzen plädieren“ solle, „auch wenn das nicht dem libertären Programm entspricht“. Weil viertens „der Freihandel zu einem globalen Einfluss der amerikanischen Geldpolitik“ führe. Und weil fünftens womöglich auch „die Abschaffung der Schulpflicht zur endgültigen Verwahrlosung mancher Gegenden und Gesellschaftsschichten“ führe.

Also der Reihe nach: Welcher Liberale oder Libertäre hat je freiwillige oder gewachsene Gemeinschaften wie etwa die Familien, die das Individuum einbinden, für „konstruierte Hirngespinste“ gehalten? Die ausgewiesenen libertären Sozialphilosophen Mises, Hayek, Hoppe? Ich habe es da nirgendwo gefunden. Hier wird mal wieder ein Strohmann aufgebaut, so wie es „Sezession“-Autor Thor von Waldstein zur Perfektion trieb, als er jüngst seinen Traktat „Die entfesselte Freiheit“ vorlegte, eine Kampfschrift gegen die Liberalen und Libertären, verfasst von einem Pappenheimer, der offenbar kein einziges Buch eines Liberalen oder Libertären dafür glaubt gelesen haben zu müssen (die zwei positiven Erwähnungen von Hayek und Hoppe in einer Fußnote dienen wohl eher der Ablenkung von dieser Vermutung). Die Neuen Rechten belächeln zu Recht seit Jahren die Schmählektüre der antifantischen „Rechtsextremismus-Experten“, die Strohmänner aufbauen und sich mit den wirklichen Aussagen von Identitären und Co gar nicht erst beschäftigen. Und nun fahren „Liberalismus-Experten“ wie von Waldstein dasselbe lausige Programm und arbeiten sich kapitel- und bücherweise an libertären Puppen ab.

Zur Selbstdefinition: Was ist denn gar schröcklicher: Wenn der Einzelne „sich selbst definieren darf“ oder wenn er vom Zwangsmonopolisten normiert, skaliert und eingetütet wird? Und wo wäre das Problem, wenn ein paar Verwirrte glauben, sie seien vom 27. Sondergeschlecht oder ein Jedi-Ritter oder sonstwas? Irre gab und gibt es zu allen Zeiten, heute auch mal Gender-Tanten. Jeder Jeck ist anders, sagt der Rheinländer. Problematisch wird es erst, wenn der Zwangsmonopolist anfängt, (wirre) Definitionen für alle verbindlich zu machen oder zu subventionieren. Aber das wollen wir doch nicht ausgerechnet den libertären Staatsskeptikern anlasten, oder?

Führten wirklich offene Grenzen zu Masseneinwanderung in die Sozialsysteme? Oder ziehen nicht tatsächlich eher die Sozialsysteme bestimmte Massen an wie transgalaktische Sonnensysteme? Warum kommen die denn alle nach Deutschland, warum kamen sie nach Schweden, wegen des schönen Wetters, Ikea oder der Schlagermusik? Und angeblich bestehende „offene Grenzen“ werden durch Wiederholung auch nicht wahrer, da frage man einen x-beliebigen Chinesen oder Russen, ob ihm der Weg nach Deutschland wirklich so offen steht. Die angeblich „offenen Grenzen“ sind ein durchschaubarer Trick von Etatisten, die Masseneinwanderung dem freien Markt in die Schuhe zu schieben, weil der ja tatsächlich keine Staatsgrenzen kennt, sondern nur Grenzen des Privateigentums. Nur sind und bleiben „heutige offene Grenzen“ ein Hirngespinst, tatsächlich wurde vom Staat die Grenze nur für eine ganz bestimmte Gruppe offengehalten, der sogenannte „Austausch“ war, wie der Name schon andeutet, eine politische Maßnahme und deshalb das Gegenteil eines Marktprozesses. Spielen sozialstaatliche Anreize, Vollversorgung mit warmer Behausung, dreimal Essen täglich, Erste-Klasse-Medizin und viel Bargeld obendrauf, gezahlt jeden Monat pünktlichst, wirklich keine Rolle bei der Massenmigration? Dass die Betreuungsindustrie und ihre Kumpanen die offensichtlich wirksamen Anreize abstreiten, sind wir gewohnt. Dass nun auch Neue Rechte aus ideologischem Kalkül Zusammenhänge verwischen, ist neu. Die kämen trotzdem alle, dann eben als obdachlose Bettler? Warum in einem fremden Land in fremder Sprache betteln und frieren, wenn zu Hause Obdach und Brot gegeben waren? Und ganz nebenbei, was die libertäre Alternative betrifft: Schon mal einen Bettler in meinem Wohnzimmer oder in Disneyland gesehen?

Der Freihandel führt zu einem globalen Einfluss der sozialistischen Geldpolitik? Und zu Schafsscheiße auf teutschen Wiesen, oder? Und der Nationalstaat mündet automatisch in Adolf den Leibhaftigen? Ach, lassen wir das.

Und kommen lieber zum Schulzwang, dessen Wegfall, so Udau, zu „Verelendung“ führen könne. Tatsächlich zeigt sich hier die ganze Verelendung im utopischen Denken von unbeirrbar Staatsgläubigen, die meinen, dass, wenn man Kinder zwangsmonopolistisch organisierten Verwahr- und Umerziehungsanstalten zuführt, irgendetwas besser werde. Besser jedenfalls, so glauben diese notorischen Gesellschaftsklempner, als wenn die Eltern (und freiwillig von ihnen beauftragte Dienstleister) selbst Sorge um ihre Kinder trügen. Neue Rechte, die an Bürokraten als Zwangs- und Einheitsbildungsträger glauben, sind tatsächlich vieles (vor allem links), nur nicht konservativ. Schon weil sie die Schule in der modernistischen Form weit überschätzen, ist doch das Leben selbst die wirklich wichtige Schule. Schon verrückt, der Mensch ist als „gefallener Engel“ schwach und fehlbar, betonen die Neuen Rechten gerne und richtig. Nur wenn er einen Beamtenstempel in die Hand bekommt, dann soll er plötzlich stark und weise werden und wieder Flügel bekommen? Kleiner Tipp: Einzelne Menschen machen kleine Fehler auf eigene Kosten. Politiker machen mit Hilfe des Zwangsmonopols große, oft riesig große Fehler auf Kosten Dritter.

Das alles sehen übrigens die von Bernard Udau erwähnten libertären Vordenker Hans-Hermann Hoppe und Jeffrey Tucker mehr oder weniger genauso. Und Hoppe setzt auch keinerlei Hoffnung in Parteipolitik im Allgemeinen oder die AfD im Speziellen, wie Udau fälschlicherweise andeutet. Vielmehr schreibt Hoppe im erwähnten Artikel in ef 177 explizit: „Vertraut nicht auf Politik oder politische Parteien! Ebenso wie es von Wissenschaftlern und der akademischen Welt nicht erwartet werden kann, dass sie in einer libertären Strategie des gesellschaftlichen Wandels eine wesentliche Rolle spielen, so kann es auch im Hinblick auf Politik und politische Parteien nicht erwartet werden – schließlich ist es das Endziel des Libertarismus, der Politik ein Ende zu setzen.“

Abschließend hier noch einmal wiederholt ein paar Gedanken, die ich zuletzt in einem eher entlegenen Online-Kommentar zu Überlegungen des ef-Autors Lukas Abelmann geäußert habe, der im Streit zwischen Neuen Rechten und Libertären auf den großen Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn (1909-1999) hinwies.

Kuehnelt-Leddihn war Stammautor bei Caspar von Schrenck-Notzings legendärem „Criticón“. Dort schrieben auch Libertäre wie Baader, Hülsmann, Habermann und einige andere, lange bevor es eigentümlich frei gab. Schrenck-Notzings Magazin war geprägt von einem angelsächsischen Konservatismus-Verständnis. Dort wurden freie Märkte noch geachtet. Rothbard wurde vorgestellt. Auch im Stil trat „Criticón“ stets sehr bescheiden auf und sicher nicht im Ansatz „faschistoid“. Der Name deutet ein eher spielerisches Verständnis an, kein total politisierendes. Feindbild war der schleichende Sozialismus und sicher nicht der Liberalismus, auf den man in „Criticón“ durchaus auch baute.

Die heutige deutsche Neue Rechte hat dieses Erbe ausgeschlagen und vertritt in vielem das Gegenteil. Staatsvergottung und Liberalen-Bashing bestimmen nun das Bild, Götz Kubitschek will verstaatlichen, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, „das bedeutet“, so Kubitschek, „dass der deutsche Staat die Grundversorgung in den Bereichen Verkehr, Bankwesen, Kommunikation, Bildung, Gesundheit, Energie, Wohnraum, Kultur und Sicherheit als Staat sicherzustellen hat, nicht nur als Ordnungsrahmen rund um private Anbieter“. Sogar die Kultur lässt er nicht in Ruhe (klar, Etatisten wissen immer, welche Opernaufführung gerade gut für andere ist und von denen dann auch zu bezahlen sei, diese Hybris ist ja ihr Erkennungsmerkmal). Benedikt Kaiser, Thor von Waldstein, Erik Lehnert statt Baader, Hülsmann, Habermann. Hegel statt Kuehnelt-Leddihn.

Wo bitte – bei aller Wertschätzung der verlegerischen Leistung und der persönlichen Aufrichtigkeit Kubitscheks und bei allem Genuss der Lektüre von Ausnahme-Autoren wie Kositza und Lichtmesz – gibt es hier noch größere und tiefere „Gemeinsamkeiten“, wenn freie Märkte dort längst als Schimpfwort oder als böser Witz gelten, wenn man das Feindbild Liberalismus hegt und pflegt und nicht mal vor Anknüpfung an bolschewistische Propaganda (Kaiser) zurückschreckt (weil man totale Politisierung, Vernichtung und den Kampf als solchen so geil findet und deshalb ja auch den friedlichen, werteschaffenden liberalen Händler verachtet – danke gleichfalls!)?

 

Libertäre vertreten das Recht, in Ruhe gelassen zu werden. Ich glaube, dass das auch den Kern von „Rechtssein“ im traditionellen Sinne ausmacht, so wie Kuehnelt-Leddihn es verstand. Die Neue Rechte aber ist notorisch übergriffig in ihren Zielen und hat das Problem, das im Mittel Staatsmonopol liegt, nicht im Ansatz verstanden (im Umfeld von „Criticón“ hatte man es noch zumindest erahnt). Die Neue Rechte ist eben zu großen Teilen links und in ihren Anklängen von Nationalismus und Sozialismus sowie ihrer etatistischen Hybris ein Kind von 1789.

Franz Bettinger
15. Dezember 2017 20:17

@Caroline Sommerfeld 

Rechtsmarxismus? Was ist das? Es gibt einen Faschismus der Linken, weshalb der Begriff Links-Faschismus berechtigt ist. Gibt es auch einen Marxismus der Rechten? Der muss mir entgangen sein. Oder meinen Sie die Cucks? Ah, jetzt kapier ich's: die Libertären. Alles klar. Ich habe manchmal eine lange Leitung. Diese Denkspiele sind eigentlich ganz amüsant. Echt. Nur, sind die Libertären (= radikale Liberale) rechts? Bin noch verwirrt. Na, macht nix. 

@Jürgen

Die Libertären merken gerade, dass sie immer schon auf dem Holzweg waren. So verstehe ich den Herrn Udau: selbstkritisch. Das ist schwer, selbstkritisch zu sein. Deshalb zolle ich Herrn Udau Respekt. Im Ernst: Ernst nehmen kann die Libertären doch wohl niemand, der auch nur einen Funken Verstand hat!

@quarz

Wunderschön, Ihr Satz: "Wir werden zu einer Teilchengesellschaft, in der jeder ichverpanzert neben dem anderen lebt und schwachsinnig in die Sonne blinzelt. Man sollte mal wieder mehr in alten Parks spazieren gehen. Vielleicht reift dann die Erkenntnis, dass manches nicht gedeiht, wenn es nicht Menschen gibt, die im Bewusstsein schaffen, dass die Früchte ihres Handelns erst hundert Jahre später geerntet werden." Erlauben Sie, dass ich ihn in meine Sammlung aufnehme (und weitergebe).

@corax

Auch so eine Perle für meine Sammlung: "Die Libertären sind wie radikale Pazifisten, die sagen: 'Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.' Die Sache ist nur so: Wer, wenn Krieg ist, nicht hingeht, verliert ihn. Und wenn man aus libertärer Ideologie heraus den eigenen Staat preisgibt, findet man sich in einem fremden Staat als Paria wieder und wird das sein, was man um Himmels willen nie sein wollte." Ich danke Ihnen sehr für solche auch ästhetisch wundervollen Sätze.

Franz Bettinger
15. Dezember 2017 21:35

@Lichtschlag

Puh, vielleicht haben Sie recht, und die Libertären sind doch ganz anders, also pro Familie und viel Ruhe und so wenig Staat wie möglich. Klingt alles gut. Ist halt oft eine Frage der Definition. Sie haben jedenfalls zumeist gut argumentiert - außer da:

wo Sie kein Problem sehen, wenn sich jemand für einen Jedi-Ritter oder Schnupftabaksdose, nein, nicht hält, sondern von Gesetzes wegen halten darf. So muss es heißen. Wenn so ein Unsinn in den Pass geschrieben werden soll, da sich jeder (ganz tolerant und libertär) selbst definieren dürfen soll, dann wird es gefährlich. Dann macht sich der Staat selbst zum Jecken.

Sie fragen im Ernst: "Führen wirklich offene Grenzen zu Masseneinwanderung in die Sozialsysteme, oder ziehen nicht eher die Sozialsysteme bestimmte Massen (FB: von Ausländern) an?"

Wissen Sie es denn nicht: Unser Blut ist der beste Nährboden für Bakterien, deshalb haben wir die Haut als Grenze und Grenzschutz. Wie? Wollen Sie das Blut abschaffen? Weil Sie was gegen die Haut haben? Also bitte! Wir haben nun mal diese verführerischen Sozial-Systeme. (Okay, ich halte die ja auch für übertrieben eng gestrickt, aber das ist ein Nebenaspekt.) Und hätten wir diese (im Doppelsinn) tollen Sozial-Syteme nicht, kämen die Bakterien, Pardon die Zigeuner, Pardon die Ausländer wegen unserer ebenfalls ach so tollen Polizei und Justiz ins Land, die ihnen nix tut, die sie dealen, kloppen und "machen" lässt. Oh nein, die kommen nicht als harmlose Bettler. Es gibt bessere Gründe, ins Schlaraffenland einzudringen. Sie können doch nicht allen Ernstes gegen Grenzen sein? Mein Gott! Selbst Gott hat die Cherubin mit den Flammenschwertern vor dem Paradies postiert, um seinen Garten vor den Menschen zu schützen.

Die Haut, werter Herr Lichtschlag, ist nicht nur das größte, sondern auch das wichtigste Organ eines JEDEN Lebewesens, einschließlich der Einzeller. Ohne Haut geht nix! Die Haut trennt das 'Milieu interne' vom 'Milieu extern'. Das ist lebenswichtig! Und erste Stunde Biologie.

Sie fragen, als wäre es im Spaß: "Schon mal einen Bettler in Ihrem Wohnzimmer gesehen?" Ja, ja, ja! 'Gestern' waren sie noch draußen vor der Haustür und haben zwei Euro gewollt, die Zigeuner-Kinder, die aus dem bulgarischen SUV gestiegen sind, der 100 m weiter parkte - ich habe Fotos davon! - und 'heute' fand ich einen von denen in der halb offenen Garage, wo er etwas vergessen haben will. Verdammt noch mal, wir haben, wo ich wohne (eine eher sehr intakte Gegend im Saarland), keine einzige Arztwohnung (und es gibt 6 davon), in die nicht bereits eingebrochen worden wäre. In eine ist schon 6-mal eingebrochen worden, und wissen Sie, was mich fassungslos macht? Der / die Inhaber*In - sorry, ich muss das verschlüsseln - wählt immer noch eine der System-Parteien und findet alles nicht so schlimm.

Was die Schulpflicht angeht, Herr Lichtschlag, finden Sie mich auf Ihrer Seite! - Schulen sind heute das Gegenteil dessen, was sie vielleicht einmal waren. Sie erziehen nicht zum Denken, sie tun das Gegenteil. D'accord, und auch was die Staats-Vergottung angeht, bin ich auf Ihrer Seite. Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass die AfD dahin strebt. Ein paar gute, alte Dinge wie die Wasserversorgung, um nur eins herauszugreifen, würde ich allerdings gern in staatlicher Hand behalten (oder dahin zurück führen). Aber das ist alles Schnee von morgen.

Wir sind am Abstürzen, da schau ich mir nicht meine Fingernägel an und frage, ob die nicht sauberer sein könnten. Grenzen dicht, heißt die Parole. So dicht wie es nur geht! Sonst können wir einpacken.

quarz
15. Dezember 2017 23:18

@Bettinger

Meinen Textanteil können Sie gerne übernehmen, der erste Satz ist allerdings das von S.J. vermittelte Zitats des Herrn von Waldstein.

Götz Kubitschek
15. Dezember 2017 23:35

ich veröffentiche hier mit einen kommentar des autors Bernard Udau, der selbst nicht als kommentator angemeldet ist. Bernard Udau schrieb:

Als kurze Antwort auf Herrn Lichtschlag möchte ich darauf hinweisen, daß es nicht meine Meinung ist, Liberalismus und Individualismus hielten Familie und andere Gemeinschaften für Hirngespinste, sondern die Meinung Adam Müllers. Das ist auch im Text so gekennzeichnet. Des weiteren sehe ich nicht, wo ich dem Markt als solchem die Schuld zugewiesen hätte. Ich rede von Sozialsystem und Geldpolitik - also staatlichem Interventionismus - als Problem. (Bei der Bildungsfrage kann man ja gerne anderer Meinung sein als ich.) Die Frage ist, welche Strategie man in dieser schmutzigen Welt verfolgt, und ob nicht die monokausale Konzentration auf den Staat als Ganzes manche (nicht alle!) Liberalen und Libertären daran hindert, zum jetzigen Zeitpunkt das einzig Vernünftige zu tun, nur weil es ihren Prinzipien widerspricht. 

Und zur Frage der Utopie: In der ef 177 spricht Herr Lichtschlag von den "ca. Null Toten des Liberalismus" und stellt sie den 50 bzw. 100 Millionen Toten des Nationalismus bzw. Sozialismus gegenüber. Das ist ungefähr haargenau die gleiche Strategie wie die der heutigen Sozialisten, für die die ehemals realexistierenden sozialistischen Regime kein Gegenargument darstellen, weil diese angeblich gar nicht wahrhaft sozialistisch waren. Aussagen wie diese lösen bei mir den Utopieverdacht aus.

Im übrigen möchte ich noch darauf hinweisen, daß ich seit Jahren Leser der ef bin und nicht behaupten kann, daß meine Meinung mit dem dort Veröffentlichten in allzu starkem Kontrast steht. Auch die Leserkommentare lassen mich eher auf Überschneidungen zwischen der Neuen Rechten und den Libertären schließen, zumindest kurzfristig. Ob es ein "langfristig" überhaupt geben wird - eben das steht derzeit auf der Kippe.

Thomas Martini
16. Dezember 2017 00:46

Die Deutschen, Weltmeister beim Export, sowie in der Kunst, sich selbst ein Bein zu stellen.

Vorgestern ersuchte ich um eine Aufnahme auf dem Discord-Server "Reconquista Germanica", da haben sie zur Zeit eine "Aufnahmesperre". Bewerber werden auf Herz und Nieren geprüft, um dann irgendwelche obskuren Tagesaufgaben zu erledigen.

Seit über zwei Jahren bemühe ich mich fast täglich darum, Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen, Teil eines wie auch immer gearteten "Widerstands" zu werden, und gegen die Obrigkeit zu kämpfen.

Noch immer bin ich Einzelkämpfer

Kositza: Merken Sie was?

und egal wohin ich schaue, stehen sich die Deutschen nur im Weg, blockieren sich gegenseitig, statt endlich eine Front zu bilden.

Die Identitäre Bewegung in Trier und Umgebung ist ein Witz. Habe mir deren Internet-Auftritt angesehen, das ist weniger als nichts.

Hier bei SiN ist es ebenfalls so, dass man sich ganz genau anschaut, wen man als Mitstreiter haben will, und wen nicht. Passt Frau Kositza die Nase persönlich nicht, hat man schon schlechte Karten. 

Auf anderen Plattformen, die sich oppositionell geben, erlebt man das Gleiche. Immerhin sticht es hier nichts so drastisch ins Auge, dass man in erster Linie finanziell von den "Krisen" profitieren will, wie etwa bei Tichys Einblick und Schreiberinnen wie Anabel Schunke. 

Übrigens schrieb Daniel Stelter gestern bei T-Online Interessantes über die EU-Finanzpolitik und die auf aktuell bei 855 Milliarden stehenden Target2-Salden der Bundesbank.

Frage an die Sezessions-Leser, können Sie sich daran erinnern, dazu auf diesem Blog oder in der gleichnamigen Zeitschrift darüber in jüngerer Zeit etwas gelesen zu haben?

Die Finanzpolitik, das Schuldgeldsystem, und was die EZB seit Jahren treibt, ist DAS entscheidende Element bei der Unterdrückung der europäischen Völker. Hier bei SiN fragt man sich oft, ob sich die hiesigen Schreiber und Leser sich dieses factum brutum jemals bewusst gemacht haben.

Cacatum non est pictum
16. Dezember 2017 02:03

Das verspricht hier eine interessante Debatte zu werden. Ich freue mich schon darauf. Dank an Herrn Lichtschlag für seinen engagierten und kritischen Beitrag, der sicher Kontroversen auslösen wird. Und Dank auch an Herrn Udau (ein Pseudonym?), der als bekennender Libertärer offenbar einen kompletten Paradigmenwechsel vollzogen hat.

Vorweg und im allgemeinen möchte ich aber daran erinnern, daß wir uns ernsten Problemen gegenübersehen, die jeder kennt, der hier liest und schreibt. Wir sollten uns also - bei aller Meinungsverschiedenheit - immer darauf besinnen, daß es große gemeinsame Ziele gibt: Dazu gehört es zunächst, die in weiten Teilen verbrecherische Einwanderungspolitik von Bundesregierung und EU zum Erliegen zu bringen und die dringendsten Reparaturen an unserem Gemeinwesen vorzunehmen, das leider in Erosion begriffen ist. Alles andere muß erst einmal hintanstehen. Zu viel Dogmatik schadet dabei.

Auch hier bei SiN ist das Lagerdenken ziemlich stark ausgeprägt. Alles, was als links identifiziert wird, kommt auf den Scheiterhaufen. Das mag in den meisten Fällen seine Berechtigung haben, aber eben nicht in allen. Ich erinnere an Günter Maschke, der davon sprach, daß es auch den Rechten gut anstehen würde, marxistische Literatur zu lesen. Seiner Meinung nach ist dort die Problemanalyse oft tiefschürfender als in Publikationen des konservativen Spektrums. Auch möchte ich an Autoren wie Fritz Erik Hoevels oder Peter Priskil vom dezidiert linken Ahriman-Verlag erinnern, die etwa der PEGIDA-Bewegung ursprünglich sehr zugetan waren; die eine breite Querfront gegen TTIP und CETA gefordert und die massiv Kritik an den zahllosen bornierten Linken geübt haben, die jede Kooperation mit dem rechten Lager von vornherein ablehnen. Solche Köpfe wären wichtige Bündnispartner, solange wir mit existentiellen Problemen wie der Masseneinwanderung konfrontiert sind. Wenn diese Gefahren irgendwann einmal gebannt werden können, läßt sich wieder über Ausrichtungsfragen streiten. Vorher eher nicht.

Auch der liberalen und libertären Ideologie können wichtige Anregungen entnommen werden. Sie stützt sich auf wirklich kluge Köpfe. Ich warne vor einem zu sehr ausgeprägten Hygienefimmel. Etwas Besseres kann den Zerstörern unserer Nation gar nicht passieren, als daß potentielle Gegner ihrer Politik sich in ideologischen Grabenkämpfen aufreiben und gegenseitig neutralisieren. Divide et impera! Gegen die Ruhrbesetzung 1923 bis 1925 haben Rechte und Linke gemeinsam gekämpft, obwohl man sich ideologisch spinnefeind war. Da müssen wir wieder hin.

@Lichtschlag

"Hier wird mal wieder ein Strohmann aufgebaut, so wie es 'Sezession'-Autor Thor von Waldstein zur Perfektion trieb, als er jüngst seinen Traktat 'Die entfesselte Freiheit' vorlegte, eine Kampfschrift gegen die Liberalen und Libertären, verfasst von einem Pappenheimer, der offenbar kein einziges Buch eines Liberalen oder Libertären dafür glaubt gelesen haben zu müssen (die zwei positiven Erwähnungen von Hayek und Hoppe in einer Fußnote dienen wohl eher der Ablenkung von dieser Vermutung)."

Von Waldstein hat ausdrücklich darauf hingewiesen, daß er die von Ihnen erwähnten Autoren "selten ohne Gewinn" liest. Das sollten Sie der Fairneß halber nicht unterschlagen.

"Führten wirklich offene Grenzen zu Masseneinwanderung in die Sozialsysteme? Oder ziehen nicht tatsächlich eher die Sozialsysteme bestimmte Massen an wie transgalaktische Sonnensysteme?"

Das läßt sich doch seriös beantworten. Natürlich haben offene Grenzen die Masseneinwanderung begünstigt. Geschlossene respektive bewachte Grenzen hätten sie nämlich verhindert, notfalls unter Inkaufnahme häßlicher Bilder. Und was die Anziehungskraft der Sozialsysteme angeht, haben Sie recht. Die sind ein großes Übel, aber nicht allein deshalb, weil es sie gibt, sondern weil sie jedermann offenstehen und nicht nur einer klar umgrenzten Solidargemeinschaft, also dem eigenen Staatsvolk. Mit einer solchen simplen Begrenzung könnte man - wenn man willens wäre! - den Ansturm der Immigranten empfindlich abschwächen.

"Vielmehr schreibt Hoppe im erwähnten Artikel in ef 177 explizit: 'Vertraut nicht auf Politik oder politische Parteien! Ebenso wie es von Wissenschaftlern und der akademischen Welt nicht erwartet werden kann, dass sie in einer libertären Strategie des gesellschaftlichen Wandels eine wesentliche Rolle spielen, so kann es auch im Hinblick auf Politik und politische Parteien nicht erwartet werden – schließlich ist es das Endziel des Libertarismus, der Politik ein Ende zu setzen.'“

Sehen Sie. Genau deshalb werden die Libertären hier so abgebügelt. Der Politik kann man kein Ende setzen. Sie wird immer da sein, weil Menschen stets in größeren Gemeinschaften zusammenleben werden. Und dieses Zusammenleben bedarf der Regulierung, ergo politischer Gestaltung, ergo der Ausübung von Macht. Politik dreht sich um die Frage, wie diese Macht zu verteilen ist. Wer sich auf den Standpunkt stellt, daß sie niemandem gebührt, der klinkt sich bloß aus dem Machstpiel aus und läßt andere gewähren.

Am reinen Libertarismus stören mich in erster Linie zwei Dinge: die falsche Anthropologie, die er voraussetzt - der Mensch ist auf Gemeinschaft angewiesen und kann nicht jeden Aspekt des Lebens einfach zu seinen Gunsten aushandeln; sowie die ständige Fixierung auf Wirtschaft und Märkte: als ob das alles wäre, was den Kitt zusammenhält. Der Libertarismus ist leider blind für die großen Zusammenhänge, die ein friedliches Miteinander ermöglichen.

Cacatum non est pictum
16. Dezember 2017 02:21

Zur ästhetischen Untermalung meines Querfrontaufrufs noch zwei musikalische Beiträge, die hoffentlich die meisten SiN-Leser begeistern:

Les Brigandes - En enfer (Konzert 2017)

Les Brigandes - Antifa (Konzert 2017)

Heinrich Brück
16. Dezember 2017 03:00

Diese libertäre Nummer wird ab dem Zeitpunkt interessant, wenn die Rettungsbote auf der Titanic nicht für alle reichen. Der Unterschied zur Gegenwart, die Passagiere der Titanic befanden sich nicht auf einem Piratenschiff.

 

Eine Gemeinschaftsverfaßtheit ohne Führung ist überhaupt nicht möglich. Der deutsche Staat wurde gekapert, ist also in gewünschter Form nicht vorhanden. In diesem Punkt sollte Einigkeit herrschen. An dieser Stelle fehlt die Gemeinsamkeit, auf die man eindreschen könnte, wäre sie vorhanden. In Feudalstrukturen wäre sofort der bessere König Besitzer eines Territoriums, seines Reiches, weil er die stärkeren Krieger auf seiner Seite wüßte. Ein Königreich, kein Staat im modernen Sinne. Das libertäre Individuum (die Libertären gehen wahrscheinlich von einer libertären Individuation aus) hat aber der moderne Staat zu verantworten, was jetzt wirklich nicht für ihn spricht, oder?

 

Der_Jürgen
16. Dezember 2017 03:17

Es kommt fürwahr selten vor, dass die Neue Rechte mit einem Gegner konfrontiert wird, den sie respektieren kann. Ein solcher Gegner ist zweifellos Andre Lichtschlag, der im Gegensatz zu fast allen anderen unserer Kritiker nicht mit Verdächtigungen und Invektiven operiert, sondern Argumente anführt, und dem man gründliche Vertrautheit mit unserer Denkweise zubilligen muss.

Da Lichtschlag (ebenso wie Bernard  Udau) sichtlich gegen die Umvolkung ist und wohl kaum etwas gegen einen gesunden Patriotismus haben dürfte, betrachte ich ihn (oder Udau) eigentlich nicht als Feind (im Schmittschen Sinne). Dennoch,  weltanschaulich trennt mich von ihm eine tiefe Kluft, und ich glaube, dies trifft auch auf die meisten Autoren und Kommentatoren dieses Blogs zu, selbst wenn nicht jeder die libertäre Ideologie so gnadenlos verdammen wird, wie Nils Wegner dies unlängst getan hat.

Deutschland steht, wie viele andere west- und mitteleuropäische Länder, am Rande des Untergangs. Nimmt die heutige Entwicklung ihren Fortgang, so werden kulturfremde und fremdrassige Ausländer (ob sie deutsche Pässe haben, spielt keine Rolle; ein Deutscher wird auch dann nicht zum Senegalesen, wenn er dreissig Jahre lang in Dakar gelebt hat und perfekt Wolof spricht) unter den Angehörigen der jungen Generationen bald die Mehrheit bilden. Und wenn das demographische Gleichgewicht kippt, ist der Zug endgültig abgefahren. Die Deutschen werden dann, wie die Franzosen und die Niederländer und die Schweden bei einer parallelen Entwicklung, zur drangsalierten und unerbittlich vergreisenden Minderheit in dem Land werden, das ihnen einst gehörte.

Ich glaube Herrn Lichtschlag und Herrn Udau ja gerne, dass sie das alles nicht wünschen, doch wie um Himmels willen wollen sie diesen fatalen Trend ohne einen starken Staat stoppen, der die Befugnisse besitzt, dem Grossen Austausch mit drastischen Mitteln ein Ende zu bereiten, was bedeutet, dass viele Millionen nicht integrierbarer oder integrationswilliger Fremder repatriiert werden müssen? 

Auch die anderen Argumente Lichtschlags stehen auf tönernen Füssen.  Er weist zu Recht auf die betrüblichen Zustände an den heutigen Schulen hin, doch anstatt hieraus den Schluss zu ziehen, dass das Schulsystem grundlegend zu verbessern sei (was übrigens wiederum nur im Falle einer Massenrepatriierung möglich sein wird, denn was für ein vernünftiger Unterricht ist in einer Klasse mit einem Ausländeranteil von 80 oder mehr Prozent noch möglich?), optiert er absurderweise für die Abschaffung des Schulzwangs. Er vertraut darauf, dass die Eltern ihre Kinder schon selber kompetent unterrichten werden. Und wenn Eltern das nicht tun? Soll das arme Kind dann als halber oder ganzer Analphabet ins Berufsleben entlassen werden?

Nur den Kopf schütteln kann man über die dogmatische Verteidigung des Freihandels. Es liegt doch auf der Hand, dass dieser zur Schliessung von fortlaufend neuen Industriezweigen und zu ständig wachsender Arbeitslosigkeit führt. Statt immer mehr Industrie- und Landwirtschaftsprodukte im Ausland - meist in Billiglohnländern - zu erwerben, sollte der Staat die eigenen Produzenten und Landwirte fördern und mit hohen EInfuhrzöllen vor ausländischer Konkurrenz schützen.

Vollends ins Leere stöss, wie Forist @Franz Bettinger zu Recht anmerkt, Lichtschlags Argument, der Genderwahn sei eigentlich gar nicht schlimm, denn Irre habe es schliesslich immer gegeben. Ja, aber früher wurde Irrsinn nicht zwecks Untergrabung von Gesellschaft und Familie von einem superkriminellen liberalen Staat unterstützt.

Zuletzt noch zu Lichtschlags in EF geäussertem Argument, im Gegensatz zu Kommunismus und Nationalismus habe der Liberalismus kaum Menschenopfer gefordert. Nun sind aber die USA zweifellos ein "liberaler" Staat, was sie nicht daran hindert, ständig Angriffskriege vom Zaun zu brechen, die Hekatomben von Toten fordern.  Die Vernichtung von Dresden, Hiroshima und Nagasaki, der Napalmterror in Vietnam, die Bombardierung zahlreicher Länder von Jugoslawien bis Irak - all dies wurde von einem Staat begangen, dessen Präsidenten, wie es der liberalen Ideologie entspricht, vom Volk gewählt worden waren. Wenn Lichtschlag nun einwendet, diese Taten stellten eine Schändung  des Liberalismus dar, kann ein Kommunist ohne weiteres die Retourkutsche fahren und mit der These aufwarten, Lenin, Stalin und Mao hätten die kommunistischen Ideale mit ihrem Terror befleckt und seien gar nicht befugt gewesen, sich Kommunisten zu nennen.

Es hat nie ein faschistisches Regime gegeben, das seinem eigenen Volk in wahnsinniger ideologischer Verblendung den Krieg erklärt und unverhohlen seine biologische Auslöschung betrieben hat. Mit einer einzigen Ausnahme, den Roten Khmer in Kambodscha, hat das auch kein kommunistisches System je getan. Trotz der Millionenopfer des stalinistischen und des maoistischen Terrors war die biologische Existenz des russischen und des chinesischen Volkes nie gefährdet. Eine solche Politik des Autogenozids zu betreiben, ist das fragwürdige Privileg liberaler Regierungen, von Berlin über Paris bis Brüssel  und von London bis Stockholm.

Ehre, wem Ehre gebührt!

S.J.
16. Dezember 2017 11:51

@quarz, Bettinger

Danke für die Richtigstellung. Ein so geschliffenes Deutsch und hohes Niveau findet man selten vor; das muss man im Original lesen. Übrigens - in Ergänzung zum Thema, aber auch zu Thor von Waldstein - lege ich jedem das Buch "Die nationale Option. Plädoyer für die Bürgerlichkeit des Bürgers" von Karl Albrecht Schachtschneider ans Herz. Das werde ich so schnell nicht vergessen. Es gehört in die Liste der wichtigsten Schriften des Rechtskonservatismus. Seite für Seite wird ein stabiles Fundament entwickelt; eine Haltung, sodass man weiß, wofür man sich einsetzt. Ich finde mich vollständig wieder. 

Thomas Martini
16. Dezember 2017 13:58

"Kositza: Merken Sie was?"

Mein letzter Kommentar richtete sich indirekt an Sie, Frau Kositza. Freut mich, diese Reaktion zu lesen. Das ist viel besser als die Ignoranz. Und ja, ich merke was. Vielleicht mehr, als Sie sich denken. Ich weiß nämlich nicht, ob Sie sich schonmal mit dem Begriff der "Hochsensibilität" auseinandergesetzt haben, und wie sich diese Wesensart bei Menschen äußert.

Ich kann sehr gut mit Kritik umgehen, und ich hinterfrage mich und mein Weltbild regelmäßig.

Gerne würde ich mir von Ihnen en detail erklären lassen, warum es mein Versagen ist, dass ich nirgendwo in  der "rechten" Widerstandszene Anschluss fand und finde. Sie wissen da offensichtlich mehr als ich.

Vor einigen Wochen bemerkten Sie, wie sehr Ihnen meinen Tonfall mißfällt. Dabei haben Sie mich nie sprechen gehört, nur gelesen. Sachlich haben Sie mir bis zum heutigen Tage nichts entgegengesetzt, also muß ich wohl davon ausgehen, dass Sie persönliche Ressentiments gegen mich hegen.

Das beruht nicht auf Gegenseitigkeit, da ich Hochachtung vor Ihnen und den hiesigen Schreibern habe. Diese Hochachtung sollte mir aber nicht die sachliche Kritik an Inhalten verbieten, die auf diesem Blog beigetragen werden. 

 

Monika L.
16. Dezember 2017 14:27

Danke an Herrn Lichtschlag für den liberalen Einschlag. Ich hoffe,es kommt mal wieder zu einem Gespräch zwischen Lichtmesz und Lichtschlag.

1. "Die Neue Rechte ist zu großen Teilen links" ( Lichtschlag)

Seit ich mich erinnern kann, gibt es den linken, sozialistischen, nationalrevolutionären Flügel innerhalb der Neuen Rechten. Denn fand ich durchaus inspirierend, der Dialog  erfolgte in der Vergangenheit aber auf höherem Niveau. 

Ich erinnere an die Zeitschrift WIR SELBST und die Grüne Zelle Koblenz ( 1979)

https://www.apabiz.de/archiv/material/Profile/Wir%20selbst.htm

an Wolfgang Venohr, Herbert Ammon, Hellmut Diwald u.a. und an das Buch " Die Linke und die nationale Frage" von Herbert Ammon und Peter Brandt, dem Sohn von Willy Brandt.

2. Seit der Wende 89 ist dieses Erbe etwas verloren gegangen, und die jungen Neuen Rechten spielen nicht auf diesem Niveau.

3. Daß liberal-demokratische Gesellschaften autoritör und totalitär werden können, hat Legutko im "Dämon der Demokratie" aufgezeigt. Dieses Buch wurde von  Klonovsky in "eigentümlich frei"  besprochen. Und das Buch von Hartlage " Die liberale Gesellschaftbund ihr Ende" überzeugt auch. D.h. Die verteidigung der "Liberalen Idee" müsste auf anderen Niveau erfolgen. 

Ich streite nicht ab, dass die Neue Rechte im Moment argumentativ etwas schwächelt, aber vielleicht ist dies der Situation der Massenzuwanderung und kulturellen Überfremdung geschuldet. Politisches Handeln und metapolitische Erklärungen passen noch nicht zueinander. Es kommt zu seltsamen Mischungen zwischen Psalmen und Stahlhärtung ..........

 

Caroline Sommerfeld
16. Dezember 2017 16:14

@Bettinger: Nee, "Rechtsmarxisten" sind nicht die Libertären, das wäre ein Unsinn. Ich wählte diese pieksige Schmähvokabel für die Herren Kaiser, Stein, Waldstein und alle anderen, die seit geraumer Zeit mit alt- oder neumarxistischem Denken sympathisieren.

Jetzt ist Binnendifferenzierungszeit. Das rechte Lager hat's nötig, sich zu sortieren und dabei ohne friendly fire - womöglich auch große - innerrechte Gräben zu überbrücken.

0001
16. Dezember 2017 17:42

Am Beispiel Disneylands macht Lichtschlag die Utopie und Paradoxie des Liberalismus deutlich. Die Auflösung des Staates und die privatrechtliche Neuorganisation seiner Aufgaben in Einheiten, die über das Individuum bzw. die Familie hinausgehen, führt zu nichts anderem als neuen Staaten oder staatsähnlichen Organisationen – auch wenn (zunächst) in kleineren Einheiten – die in ihrem grundlegendem Prinzip, das Zusammenleben seiner Mitglieder oder bzw. Kunden zu organisieren, nichts anderes sind als der zuvor auflöste und als überflüssig betrachtete Staat. Daß aber der Mensch sich, der Effektivität wegen, immer in größeren Einheiten als der der Kleinfamilie zusammenschließt, steht außer Frage. Im Falle der Familie steht allerdings in Frage, wo die Grenzen der (Groß)Familie verlaufen. Gesetzt den Fall, daß die Grenzen beim Volk zu ziehen sind, wäre man wieder beim Nationalstaat, den sich seine Bürger „privat“ organisiert haben.

 

Selbstdenker
16. Dezember 2017 18:45

@ Der_Jürgen

Sie sprechen mir aus der Seele, vielen Dank dafür!

Lotta Vorbeck
16. Dezember 2017 22:31

 

@Thomas Martini - 16. Dezember 2017 - 12:58 PM

 

Mein letzter Kommentar richtete sich indirekt an Sie, Frau Kositza. Freut mich, diese Reaktion zu lesen. Das ist viel besser als die Ignoranz. Und ja, ich merke was. Vielleicht mehr, als Sie sich denken. Ich weiß nämlich nicht, ob Sie sich schonmal mit dem Begriff der "Hochsensibilität" auseinandergesetzt haben, und wie sich diese Wesensart bei Menschen äußert.

 

Ich kann sehr gut mit Kritik umgehen, und ich hinterfrage mich und mein Weltbild regelmäßig.

 

Gerne würde ich mir von Ihnen en detail erklären lassen, warum es mein Versagen ist, dass ich nirgendwo in  der "rechten" Widerstandszene Anschluss fand und finde. Sie wissen da offensichtlich mehr als ich.

 

Vor einigen Wochen bemerkten Sie, wie sehr Ihnen meinen Tonfall mißfällt. Dabei haben Sie mich nie sprechen gehört, nur gelesen. Sachlich haben Sie mir bis zum heutigen Tage nichts entgegengesetzt, also muß ich wohl davon ausgehen, dass Sie persönliche Ressentiments gegen mich hegen.

 

_______________________________

 

Vielleicht versuchen Sie's mal, indem Sie zunächst das Autoradio ausschalten, den Schalthebel auf dem halbautomatischen "ICH"-Getriebe in seine neutrale Stellung bringen und dabei gleichzeitig den Fuß vom "Hochsensibilitäts"-Pedal nehmen.

Beim Blick in den Rückspiegel stellen Sie sodann möglicherweise fest, daß Sie bereits achtlos vorbeigebrettert sind ...

Franz Bettinger
16. Dezember 2017 23:22

@Kositza:

Wenn's keine Umstände macht, geben Sie meine Kontaktdaten bitte an Herrn Thomas Martini weiter. Mit "Gegend um Trier" wohnt er nicht allzu weit weg von mir.

@Martini:

Wenn Sie wollen, kontaktieren Sie mich.

@Jürgen:

"Es hat nie ein faschistisches Regime gegeben, das die biologische Auslöschung des eigenen Volkes betrieben hat. Das hat - mit Ausnahme der Roten Khmer in Kambodscha - auch kein kommunistisches System je getan. Trotz der Millionen Opfern hat der stalinistische und maoistische Terror die biologische Substanz ihrer Völker nie gefährdet. Die Methode Auto- Genozid ist das Privileg von Demokratien unter liberalen Regierungen." Gut erkannt!

@Monika, @Lichtschlag und @Sommerfeld:

Don't split the army. Ein jeder ist rechts und links. Die Frage ist: wie viel. Linkes Panem et circenses kann sich nur ein reicher Staat auf dem Höhepunkt seiner Macht leisten. In der Not muss jedes Individuum, jede Familie und jedes Volk aber Rechts werden, d.h. das Eigene fördern, schützen und verteidigen.  

Wen wir noch nicht genug identifiziert haben ist: unser wahrer Gegner. Wer ist deep state? Wer steckt dahinter? Die 300 Familien? Und warum tun die das? - Merkel ist doch viel zu unterbelichtet, um irgend etwas anderes zu sein als eine Marionette. Von den anderen Knalltüten gar nicht zu sprechen.

Cacatum non est pictum
16. Dezember 2017 23:25

@Der_Jürgen

"Deutschland steht, wie viele andere west- und mitteleuropäische Länder, am Rande des Untergangs. Nimmt die heutige Entwicklung ihren Fortgang, so werden kulturfremde und fremdrassige Ausländer (ob sie deutsche Pässe haben, spielt keine Rolle; ein Deutscher wird auch dann nicht zum Senegalesen, wenn er dreissig Jahre lang in Dakar gelebt hat und perfekt Wolof spricht) unter den Angehörigen der jungen Generationen bald die Mehrheit bilden. Und wenn das demographische Gleichgewicht kippt, ist der Zug endgültig abgefahren. Die Deutschen werden dann, wie die Franzosen und die Niederländer und die Schweden bei einer parallelen Entwicklung, zur drangsalierten und unerbittlich vergreisenden Minderheit in dem Land werden, das ihnen einst gehörte."

Ich möchte mich dem Dank des Selbstdenkers für Ihren Kommentar anschließen. Ich werde ihn mir ausdrucken. Und wann immer zukünftig ein neugieriger Außenstehender mich nach den Gründen für meine politischen Positionen fragt, werde ich ihm den Zettel geben und sagen: "Deswegen! Hier steht es geschrieben - schwarz auf weiß und Wort für Wort. Und wenn du das jetzt immer noch nicht kapierst, dann kann ich dir nicht mehr helfen."

Solution
17. Dezember 2017 00:06

Zu den Libertären wurde bereits alles gesagt. Es ist ein totes Gleis, eine Sackgasse in Utopia.

Bei Counter Currents gibt es eine ganze Reihe guter Artikel dazu. Hier ein Beispiel:

https://www.counter-currents.com/2015/10/the-refutation-of-libertarianism/

Lotta Vorbeck
17. Dezember 2017 09:27
@Der_Jürgen - 16. Dezember 2017 - 02:17 AM

 
Wie bereits dutzende Male zuvor: Dem ist nichts hinzuzufügen.
 
Schließe mich Ihren Ausführungen auch dieses Mal vollumfänglich an.
Preußischblau
17. Dezember 2017 11:19

ist der liberalismus wirklich so gut mit linken ideen vereinbar? ist er im kern nicht eher elitär und asozial? er läuft doch wohl eher darauf hinaus, dass der kluge und starke das recht hat, vom rest in ruhe  gelassen zu werden. in den köpfen meines links-liberalen umfelds wirren und schwirren eher vulgär-marxistische ideen umher, als liberale. gleicheit/gerechtigkeit wird höher bewertet als freiheit. kann es nicht sein, dass wir es immer noch mit dem alten schreckgespenst zu tun haben, mohler irrte und der liberalismus ein scheingegner ist? mich würde brennend die meinung einiger sezessionsautoren und kommentatoren zu der these von nikolai alexander interessieren: die nwo lockt die patrioten in eine falle. was haltet ihr davon?

Jürg_Jenatsch
17. Dezember 2017 14:09

@ Bettinger und Der_Jürgen Einverstanden mit Ihren Anmerkungen. Ich denke aber nicht, wie Der_Jürgen, daß bei einer Beendigung der Schulpflicht, Eltern ihre Kinder massenhaft nicht bilden würden Die Erfahrung aus Ländern ohne Schulpflicht gibt zu Hoffnung Anlaß. Auch Österreich kennt nur eine Unterrichtspflicht und keine Schulpflicht deutscher Provenienz. In der gegenwärtige Situation ist das staatliche Schulsystem nicht nur nicht nützlich, sondern sogar schädlich. Da stimme ich mit Lichtschlag überein. Ansonsten halte ich den Libertarismus genauso wie den Liberalismus für eine nicht praktikable Utopie, da sie von der Prämisse des autonomen Individums ausgeht. Ein solches existiert aber nicht. Auch die macht von Menschen über Menschen ist nicht völlig zu beseitigen. Demzufolge müssen viele Folgerungen, die man den Prämissen entlehnt, falsch sein. Trotzdem gibt es viele Überschneidungen der Rechten mit den Libertären, so daß eine punktuelle Zusammenarbeit durchaus Sinn ergibt. Hayek aber auch Hoppe kann man durchaus mit Gewinn lesen und daraus sehr viel Positives ziehen. Es ist auch möglich A. Rand kritisch zu lesen. Von den neurechten Binnendifferenzierereien halten ich nichts. Die mag man betreiben, wenn man den Staat und die Gesellschaft dominiert, nicht aber, wenn man noch ein mehr oder weniger verfemter Außenseiter ist. Die Verwendung der Schmähvokabel Rechtsmarxisten für Herren Kaiser, Stein, Waldstein halte ich für darüber hinaus für ausgesprochen deplaziert. Das ist ja schon fast Cuckserei.

Heinrich Brück
17. Dezember 2017 16:38

Es muß nur eine Sache erkundet und klar beantwortet werden: Wer unterstützt die feindlichen Strukturen? Ein Thema als Beispiel: Wie der Selbsthaß zu den Deutschen kam. Wer hat die Demokratie installiert? Wie diese in der Realität arbeitet, nicht irgendwelche positiv gedeuteten Buchwissenspielereien. Wie wird das Denken kontaminiert? Die Strukturen sind die Falle, die durch Sonntagsreden unbedeutender und austauschbarer Personen (werden auch Politiker genannt) das Niveau vermitteln. Wenn die Libertären den germanischen Freiheitsbegriff meinten, und nicht die Raubzüge der Freiheitsstatue, wäre ihr In-Ruhe-gelassen-werden ein anderes. Und welche Angst muß ein moderner Staat vor einem Hans-Olaf Henkel haben? Als ob ein Löwe sich mit einem Eichhörnchen anlegen würde, nur weil dieses den Löwen abschaffen möchte!

 

Konservativer
17. Dezember 2017 17:12

Ich denke, für uns Rechte geht es, im Sinne des Gemeinwohls, um ein Austarieren unterschiedlicher Vorstellungen und zwar anhand der lebensweltlichen Wirklichkeit. Für die politische Umsetzung der Ergebnisse dieses Unterfangens werden wir dicke Bretter bohren müssen.

 „Unser strategisches Ziel kann nur die selbstbestimmte und daher selbstorganisierte deutsche Staatlichkeit sein, deren Aufgabe es ist, die Fundamentalgarantie für den Frieden im Innern und den Schutz nach außen zu übernehmen, die jede Art von politischer Freiheit und Frieden erst ermöglicht. Objekt der Befriedung und des Schutzes ist das deutsche Volk als geschichtliche Größe ....“ (Klaus Kunze, Der totale Parteienstaat, 1994, S. 152-153)

Zum Thema "soziale Frage":

"Eine Billion Barrel Öl – und damit das Äquivalent von 15 Billionen Menschenarbeitsjahren – hat die Weltwirtschaft in etwas mehr als einem Jahrhundert in sich aufgesogen

..." (Thomas Hoof - "Tanz auf der Nadelspitze" in Sezession 46 https://sezession.de/37860/der-tanz-auf-der-nadelspitze )

Angesichts dieser Tatsache stellt sich mir, nahezu wie von selbst, die Frage, welchen Menschen dieser "Mehrwert", dieser Reichtum in welchem Verhältnis zugute kam bzw. kommt.

Zunächst regelte der freie Markt innerhalb starker Nationalstaaten diese Verteilungsfrage in der Weise, daß sich sich deren Eliten diesen Reichtum aneigneten..

In England, seinerzeit das Aushängeschild des Liberalismus, führte das zu folgenden Zuständen (Stand 1902):

https://eisberg.blogsport.de/2016/04/15/buchkritik-die-menschen-des-abgrundes-von-jack-london/

"Mir ist nie eine so tief demoralisierte, eine so unheilbar durch den Eigennutz verderbte, innerlich zerfressene und für allen Fortschritt unfähig gemachte Klasse vorgekommen wie die englische Bourgeoisie - und hier meine ich vor allem die eigentliche Bourgeoisie, besonders die liberale, Korngesetzabschaffende. Für sie existiert nichts in der Welt, was nicht nur um des Geldes willen da wäre, sie selbst nicht ausgenommen, denn sie lebt für nichts, als um Geld zu verdienen, sie kennt keine Seligkeit als die des schnellen Erwerbs, keinen Schmerz außer dem Geldverlieren. Bei dieser Habsucht und Geldgier ist es nicht möglich, daß eine einzige menschliche Anschauung unbefleckt bleibe.

...

Das Geld macht den Wert des Mannes aus; dieser Mann ist zehntausend Pfund wert - he is worth ten thousand pounds, d.h. er besitzt sie. Wer Geld hat, ist "respectable", gehört zur "besseren Sorte von Leuten" (the better sort of people), ist "einflußreich" (influential), und was er tut, macht Epoche in seinem Kreise. Der Schachergeist geht durch die ganze Sprache, alle Verhältnisse werden in Handelsausdrücken dargestellt, in ökonomischen Kategorien erklärt. Nachfrage und Zufuhr, Begehr und Angebot, supply and demand, das sind die Formeln, nach denen die Logik des Engländers das ganze menschliche Leben beurteilt. Daher die freie Konkurrenz in jeder Beziehung, daher das Regime des laissez-faire und laissez-aller in der Verwaltung, in der Medizin, in der Erziehung und bald wohl auch in der Religion, wo die Herrschaft der Staatskirche mehr und mehr zusammenbricht. Die freie Konkurrenz will keine Beschränkung, keine Staatsaufsicht, der ganze Staat ist ihr zur Last, sie wäre am vollkommensten in einem ganz staatlosen Zustande, wo jeder den andern nach Herzenslust ausbeuten kann ..." (Friedrich Engels, Die Stellung der Bourgeoisie zum Proletariat).

Ohne auf "Lösungen" nach den Vorstellungen von Marx und Engels abzuheben, verweise ich auf "das Preußische Prinzip:

"Seit Beginn des 19. Jahrhunderts begegnet das deutsche Denken der englischen Nationalökonomie mit großer Neugier, aber steigender Skepsis und wachsender Sorge, hält sie für „ordinär", geistvergessen (Adam Müller) und für eine banale „Naturlehre der menschlichen Selbstsucht" (Bruno Hildebrandt, 1848)

...

Das ist das preußische Prinzip: Alle zu heben, und niemanden sacken zu lassen, eine „Ertüchtigung" aller Stände, Schichten und Menschen, Wirtschaft als ein Ineinander von materieller und ideeller Allokation, eine Gleichzeitigkeit von wirtschaftlichem und kulturellem Wachstum, und eben immer wieder Hegels Hebung des „allgemeinen Vermögens"

..." (Thomas Hoof, - "Letzte Ausfahrt weiter hinten: der deutsche Sonderweg", in Sezession 27

https://sezession.de/1420/letzte-ausfahrt-weiter-hinten-der-deutsche-sonderweg )

Wahrscheinlich nach deutschem Vorbild führten auch die Engländer/Briten um 1910 herum ein Sozialsystem ein:

https://books.google.de/books?id=2IjLhO2UcxsC&pg=PA98&lpg=PA98&dq=sozialgesetzgebung+england&source=bl&ots=voLuHEnZQx&sig=xYsHJaRlQJ-ditdvGPM_qZV73Ws&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjfguOt-5DYAhXFY1AKHeZiB4MQ6AEINDAC#v=onepage&q=sozialgesetzgebung%20england&f=false

 

"Der Liberalismus ist grundsätzlich staatsfeindlich. Als Händlerideologie ist ihm der Markt wichtiger als der Staat, der den egoistischen Triebkräften des Marktes im Interesse des Gemeinwohls Grenzen zu setzen hat. Der Liberalismus muß daher den Staat im Markt auflösen. Diesen Prozeß erleben wir heute in Deutschland und anderen liberal-kapitalistischen Ländern der Erde als „Verschlankung des Staates“, „Entstaatlichung“, „Deregulierung“, bzw. „Liberalisierung“. Hinter diesen Schlagwörtern verbirgt sich die Auslieferung staatsregulierter Bereiche an private Spekulanten, Börsenjobber und Geschäftemacher. Die unter Otto von Bismarck vollzogene Verstaatlichung von Eisenbahn, Post und kommunalen Versorgungsbetrieben („Gemeindesozialismus“) wird heute im Rahmen der sogenannten „Privatisierung“ rückgängig gemacht. Mit Recht bezeichnet der Volksmund diese Privatisierung als „Verschleuderung des Tafelsilbers“. Um kurzfristige Etatlöcher zu stopfen, verzichten die „Privatisierer“ auf langfristige Einnahmen aus den Staatsbetrieben. Sie gleichen damit einem Bauern, der Zahlungsschwierigkeiten durch den Verkauf seiner Acker überbrückt bzw. die Kühe verkauft, die ihm die Milch geben. ..." (Hubert Brune, "Mittelreferenz")

Klaus Kunze hat in seinen Büchern "Mut zur Freiheit - Ruf zur Ordnung" und "Der totale Parteienstaat" den Liberalismus zugespitzt kritisiert (ein Diskussionsbeitrag) :

„Anarchismus und Liberalismus sind nicht nur eng verwandt. Sie gehen auf dieselben Ideen zurück, nur werden diese von wohlhabenden Vertretern dieser Ideen aus naheliegenden Gründen nicht absolut durchgeführt: Liberale nennen sich diejenigen Anarchisten, die Angst um ihr Eigentum haben und darum ein Minimum an staatlichen Funktionen beibehalten möchten. Doch »die revolutionäre Richtung dieser ökonomischen Schule«, erkannte Comte schon 1830 scharfsinnig, »ist nicht zu bezweifeln, denn sie heiligt den Geist der Vereinzelung und den regierungslosen Zustand.«. Während die Angst vor der Ordnung den Liberalen nach einem Bilde Carl Schmitts erst vom Staate wegtreibt, treibt ihn schnell die Angst vor dem Sozialismus wieder ein Stück weit zum Staate hin. »So schwankt er zwischen seinen beiden Feinden und möchte beide betrügen.«. Der Liberalismus gehört zu den Konstruktionen, die den Menschen als an sich gut voraussetzen, ohne konsequent anarchistisch zu sein. »Beim offenen Anarchismus ist es ohne weiteres deutlich, wie eng der Glaube an die ›natürliche Güte‹ mit der radikalen Verneinung des Staates zusammenhängt, das eine aus dem anderen folgt und sich gegenseitig stützt. Für die Liberalen dagegen bedeutet die Güte des Menschen weiter nichts als ein Argument, mit dessen Hilfe der Staat in den Dienst der ›Gesellschaft‹ gestellt wird und nur ihr mißtrauisch kontrollierter, an genaue Grenzen gebundener Untergebener ist.«.“ (Klaus Kunze, Mut zur Freiheit - Ruf zur Ordnung, 1995, S. 106)

...

„Wenn der Staat den Anspruch aufgibt, ein nicht nur ökonomisch verstandenes Gemeinwohl zu formulieren und durchzusetzen, führt dies zum Rückzug des Staates aus der Politik überhaupt. Er hofiert und bedient nur noch die jeweils stärksten Einzelgruppen und fragt nicht mehr danach, »ob und wie sich aus der Vielfalt der Interessen irgendeine Harmonie ergibt.«. Diese Gedanken des Liberalen zeugen nicht unbedingt von gefühliger Harmoniebedürftigkeit, sondern entspringen realistischer Einschätzung der größtmöglichen gesellschaftlichen Chancen des ökonomisch Starken in einer Gesellschaft, die nur dem ökonomischen Gesetz des freien Spiels der Geldmacht unterliegt.“ (Klaus Kunze, Mut zur Freiheit - Ruf zur Ordnung, 1995, S. 107)

"Gerade das Fressen wurde zur alleinigen die Moral des libertären Liberalen. Er beschritt bisher konsequent den Weg vom Prinzip Ordnung zur individuellen Beliebigkeit, die keine Ordnung über ihm anerkennt und damit auf das Prinzip Chaos zusteuert. Ziel dieses Weges ist ihm das Anhäufen von Eigentum. Er möchte es maximieren, um es dann ungestört zu konsumieren. Dieser Konsum ist letzter und alleiniger Lebenszweck, das finale Ziel und der innerste Beweggrund all' seines Handelns, Ziel seiner Wünsche und Traum seiner schlaflosen Nachmittage. Daß ihm jemand etwas wegnehmen könnte, quält ihn in seinen schlimmsten Alpträumen. Daher löst er systematisch die geistigen und staatlichen Ordnungen eben soweit auf, wie sie ihn an der Verwirklichung seiner hedonistischen Gelüste hindern. Er bildet sich statt dessen seinen eigenen Wertekosmos, in dessen Allerheiligstem die Schatztruhen seiner materiellen Güter wohlbewacht sind von einer Moral, deren Quintessenz im »Nimm mir bloß nichts weg!«  besteht. Der Weg der zunehmenden Liberalisierung brachte die Auflösung aller anderen metaphysischen und moralischen Werte und führte zu einer allgemeinen Ökonomisierung des geistigen Lebens. Damit beschränkte man sich auf eine Geistes-Verfassung, die in Produktion und Konsum die zentralen Kategorien menschlichen Daseins findet.«.“  (Klaus Kunze, Mut zur Freiheit - Ruf zur Ordnung, 1995, S. 117-118)

Die Summe aller »privaten« kriminellen Übergriffe auf Leib, Leben und Eigentum der Bürger war und ist notwendig in liberalen Parlamentarismen höher als in anderen Staaten, weil der Staat bewußt ohnmächtig gehalten wird. Mit liberalistisch halbierter Vernunft wird dann entsetzt vermerkt, daß die Polizei bei einer Ringfahndung »unsere Daten« benutzt, als ob davon eine Gefahr ausginge; lieber läßt man die Verbrecher laufen. Der Staat soll nach Meinung des Liberalen alles können, aber nichts dürfen. Die sich dabei unvermeidlich einstellenden mafiosen Strukturen nimmt der Liberale in seiner einäugigen Fixierung auf die von der Staatsgewalt potentiell ausgehenden Gefahren hin und gelangt dabei vom Regen in die Traufe. So kann der erzliberale Nachtwächterstaat den inneren Frieden und die Freiheit der Bürger nicht wahren, wenn er ihnen nur hoch und heilig verspricht, ihnen auch gewiß nichts zu tun, und das Versprechen dadurch einlöst, daß er gar nichts mehr tut und zum impotenten Paiertiger wird. Das eigentliche Problem besteht also darin, daß der notwendige Schutz vor staatlicher Willkür in einem ausgewogenen Verhältnis stehen muß zu einem ausreichenden Maß an staatlicher Macht, um die Bürger voreinander zu schützen. Dieses Verhältnis ist heute tiefgreifend gestört. Wer die Bedrohung unserer Freiheit auf den Staat reduziert, muß sich monokausale, letztlich auf liberaler Ideologie beruhende Vereinfachung vorwerfen lassen. Diese liberale Ideologie ist, wie alles moralisch-normativistische Philosophieren, der Erzfeind jeder konsequenten, an der historischen Wirklichkeit orientierten historischen Betrachtung. Herrschaft von Menschen über Menschen wird es aber immer geben; und wo nicht ein neutraler Rechtsstaat herrscht, herrschen bestenfalls Verbände, Cliquen und Interessengruppen; schlimmstenfalls herrscht die Mafia. Die liberale Gesellschaft ist der ideale Nährboden für Mafias aller Art (Armin Mohler, "Liberalenbeschimpfung"), und zuweilen drängt sich die Frage auf, ob »Staat überhaupt noch existiere oder ob er zum Eigentum mafioser Politikgruppen geworden sei.«.“ (Klaus Kunze, Der totale Parteienstaat, 1994, S. 88-89).

Die Bücher von Klaus Kunze sind nur noch antiquarisch erhältlich, er hat sie dankenswerterweise online zum herunterladen eingestellt:

https://klauskunze.com/heikun/mut/index.htm

 

Lotta Vorbeck
17. Dezember 2017 18:50

@Preußischblau - 17. Dezember 2017 10:19 AM

"... mich würde brennend die meinung einiger sezessionsautoren und kommentatoren zu der these von nikolai alexander interessieren: die nwo lockt die patrioten in eine falle. was haltet ihr davon?"

Patrioten befleißigen sich erstens der althergebrachten, deutschen Rechtschreibung, sie schreiben Substantive groß und lassen sich zweitens von der NWO überhaupt nirgendwo hinlocken.

Kositza: dann wäre kubitschek ja gar kein patriot?

Monika L.
17. Dezember 2017 20:30

 

 

"Da stimme ich mit Lichtschlag überein. Ansonsten halte ich den Libertarismus genauso wie den Liberalismus für eine nicht praktikable Utopie, da sie von der Prämisse des autonomen Individums ausgeht. Ein solches existiert aber nicht."

@ JürgnJenatsch

Wieso existiert kein autonomes Individuum ? Liberalismus ist hier zunächst mal eine Weltanschauung. Und sagt nichts über einen konkreten Menschen aus. 

Im christlichen " Menschenbild" sind Individualität und Kollektivität gleichursprünglich. Das eine soll nicht auf Kosten des anderen aufgegeben werden.

ich zitiere mal wieder Berdjajew: " Knechtung durch das Volk ist eine der Formen der Knechtung. Man muss immer dessen eingedenk sein, das Volk war es, das schrie:" Kreuzige Ihn !  als der Menschensohn und Sohn Gottes vor ihm stand. Es hat die  Kreuzigung aller seiner Propheten, seiner Lehrmeister, seiner grossen Männer gefordert. Das ist ein hinreichendes Zeugnis dafür, dass des Gewissens Mittelpunkt nicht im Volke zu suchen ist. Im Volkhaften birgt sich eine eigene Wahrheit, aber auch eine sehr große Lüge; diese kommt in der Demütigung der Persönlichkeit vor dem Kollektiv zum Ausdruck. Die Wahrheit ist stets in der Persönlichkeit, in der Qualität, in der Minderheit zu finden. Diese Wahrheit muss aber, wenn sie lebendiger Ausdruck sein soll, mit dem Volksleben verbunden sein..."

Wobei wir mal wieder bei Sophie Scholl wären.

Der_Jürgen
18. Dezember 2017 00:31

@Caccatum non est pictum @Lotta Vorbeck @Selbstdenker @jürg jenatsch @franz bettinger

Danke für die Blumenl Ich lese Ihre Beiträge ebenfalls mit höchstem Interesse und meist mit Zustimmung. Bezüglich der Schulpflicht, die ich für eine absolute Notwendigkeit halte, stimme ich mit Franz Bettinger und Jürg Jenatsch allerdings nicht überein. Ich kann mich nicht erinnern, je einen ernsthaften Einwand gegen eine Wortmeldung von @Lotta oder @Caccatum erhoben zu haben.

Dennoch: Das gegenseitige Sich-Beklatschen und Sich-Bravo-Zurufen hat den Nachteil, dass man intellektuell träge wird. Darum braucht es ab und zu einmal einen Hecht im Karpfenteich wie Andre Lichtschlag, einen intelligenten Kritiker, mit dem wir zwar in der alles entscheidenden Frage, der Ablehnung des Grossen Austauschs, einig sind, von dem uns aber weltanschaulich eine tiefe Kluft trennt. Solche luziden Kritiker zwingen uns, unsere Positionen bisweilen zu überdenken und ihre Schwächen zu erkennen. Deshalb sind die Bademeister gut beraten, gelegentlich Gastkommentatoren wie Lichtschlag oder Udau zu Wort kommen zu lassen.

Eine intellektuelle und moralische Null wie Hajo Funke zur Schnecke zu machen, ist keine Kunst; das schafft selbst der Dümmste von uns mit der linken Hand, wenn auch nicht mit derselben stilististischen Brillanz wie Lichtmesz. Bayern München muss sich ab und zu, sagen wir mal, mit Stuttgart oder Mainz messen (mit Borussia Dortmund oder Schalke oder Leipzig würde ich Lichtschlag doch nicht vergleichen), also mit einer Mannschaft, gegen die es zwar klarer Favorit ist, sich aber doch anstrengen muss, und nicht immer nur mit der Reservemannschaft der Sportfreunde Hinterkaffigen, gegen die es sowieso mit zwanzig oder mehr Toren Unterschied gewinnt. Sonst wird die Bayernmannschaft träge und selbstzufrieden.

@Caroline Sommerfeld

Ich schätze Sie über alles, aber bitte, bitte keine Angriffe auf Benedikt Kaiser, er ist einer der besten Sezessionisten. Auch keine Attacken auf Thor von Waldstein, ebenfalls ein geistiges Schwergewicht. Ich kapiere einfach nicht, was Sie mit "Rechtsmarxismus" meinen. Dass ein nationaler Staat, der diesen Namen verdient, ausgeprägt sozialistische Züge aufweisen muss, ist eine Tatsache, die eigentlich auf der Hand liegt und besonders von Kaiser mehrfach hervorgehoben wurde, aber von einigen Foristen, darunter einigen von mir sehr geschätzten, leider nicht verstanden wird.

Kositza: Ach komm, Jürgen, das waren doch keine ad-personam-"Attacken", und diese Stichelei, der ich mich anschließe, können unsere nack links schielenden"Schwergewichte" ganz sicher ab! Und, nö, daß ein nationaler Staat ausgeprägt sozialistische Züge aufweisen müsse, liegt keineswegs auf der Hand. Ulkig übrigens, daß die Damen auf der Rechten deutlich weniger mit Sozialismus liebäugeln als die Herren, mir sagt das was... (Daß ich mich mittlerweile als Neoliberale verstehe, hat allerdings auch etwas mit dem Leitmotto "Etiam si omnes..." zu tun.) 

Ihre Kritik wegen "Rechtsmarxismus" verstehe ich, verehrte Caroline, überhaupt nicht. Der Marxismus ist eine offensichtlich falsche Weltanschauung, weîl sie auf grundfalschen Prämissen fusst, aber sehr vieles, was Marx und Engels geschrieben haben, ist heute noch höchst lesenswert, wie übrigens auch einiges von Lenin, etwa "Was tun?". Man soll sich nicht scheuen, auch beim ideologischen Gegner Anleihen zu machen, wo er recht hat.

@Thomas Martini

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Ellen Kositza, die Sie ja gar nicht persönlich kennt, aus unerfindlichen Gründen Vorurteile gegen SIe hat, und dass diese Vorurteile rein zufällig von anderen rechten Gruppierungen geteilt werden. In diesem Fall liegt der Fehler vermutlich bei Ihnen.

Dass eine Wortmeldung nicht freigeschaltet wird, ist wohl jedem Foristen hier schon passiert, auch mir, ohne dass die Welt deswegen unterging. Wenn Ihre Kommentare aber ständig zensiert werden, wird der Fehler, mit Verlaub, bei Ihnen liegen. Entweder sind sie inhaltlich zu seicht, oder sie sind zu aggressiv formuliert, oder sie haben mit dem Thema, um das es geht, nichts zu tun.

Philip Stein
18. Dezember 2017 15:02

Dass wir nach Henning Eichberg, Lothar Penz (eigentlich der ganzen "frühen" Neuen Rechten der BRD), Alain de Benoist, Dominique Venner, ... und etlichen, unglaublich grundsätzlichen (frühen) Ausgaben der Sezession jetzt wieder darüber diskutieren (müssen?), weshalb der Liberalismus (und freilich auch sein untrennbares, ökonomisches Äquivalent) als feindlich betrachtet werden muss.

Meyer Jan
18. Dezember 2017 15:06

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Heinrich Brück
18. Dezember 2017 16:30

"Man muss immer dessen eingedenk sein, das Volk war es, das schrie:" Kreuzige Ihn ! " 

Wenn die Mehrheit eines Volkes aus normalen Menschen mit gesundem Menschenverstand und Durchschnittsintelligenz besteht; warum verliert die Wahrheit gegen die Lüge? Dann war es auch das Volk, das schrie: Öffnet die Grenzen! Und wer hat das Volk dazu gebracht? Und wieso hat die Minderheit des Gewissens nicht das Gegenteil vermocht? Hier wird die Verkommenheit der Herrschenden, der Masse des Volkes in die Schuhe geschoben, anstatt die Funktionsweise und Manipulierbarkeit im Prozeßverlauf historischer Begebenheiten zu suchen. Weniger intelligent zu sein, ist keine große Lüge der Mehrheit des Volkes, sondern eine Tatsache. Eine erlaubte Tatsache, weil nicht aus der Welt zu schaffen. Gilt für alle Völker. Und auch nicht weiter schlimm. Es sei denn, ein schädliches System hätte sich des Volkes bemächtigt.

Die Wahrheit der Minderheit des Gewissens, die von den psychopathischen Herrschenden nicht gehört werden kann, wird nicht von der Mehrheit des Volkes an die Wand gestellt. Berdjajew sieht die Realität aus zeitlicher Entfernung, vermengt sie mit der eigenen Realität, und hält seine Aussage für die Wahrheit, die vom Volk jedoch nicht verstanden und gedemütigt wird; auch wenn sie "mit dem Volksleben verbunden sein" muß.

"Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen." Sophie Scholl

Der Gehenkte
18. Dezember 2017 16:31

@ Philip Stein

"Dass wir ... jetzt wieder darüber diskutieren (müssen?), weshalb der Liberalismus als feindlich betrachtet werden muss."

Aber nicht doch! Wer sind denn die "Neuen Rechten" (vor denen alle Angst haben)? Doch nicht das Kommentariat! Gerade weil es nur kommentiert, gehört es ja nicht dazu.

Es lobt sich alternierend, es pflegt das "gegenseitige Sich-Beklatschen und Sich-Bravo-Zurufen", es veneriert, es plustert sich ein bißchen, es schafft sich ein wenig virtuelle Wärme und Wohlfühlatmosphäre ... aber es spielt ansonsten keine Rolle; man muß es nicht ins "große Wir" einverleiben. 

Nicht, daß es eine "ideenpolitische Regression der Neuen Rechten" nicht geben könnte, doch sollte man sie nicht an diesen ephemeren pneumatologischen autogenen Trainingseinheiten vor dem imaginierten Spiegel bewerten.

Das Relikt
18. Dezember 2017 17:16

@ Lichtschlag

Freie Märkte braucht man nicht zu verachten, denn freie Märkte sind Fiktionen. Zwar existiert immer ein Markt, in kommunistischen Planwirtschaften dann ein schwarzer, dieser ist aber nie vollkommen frei, da jene, die auf ihm am erfolgreichsten sind, seine Freiheit zu ihren Gunsten einschränken werden.  Wer die Leiter erklommen hat, wird sie hinter sich hoch ziehen. 

Im übrigen sollte es Ihnen zu denken geben, dass überall dort wo der Individualismus ausgeprägt ist, auch der Staat ausgeprägt ist. Die Ausbreitung des Individualismus ging mit dem Wachstum des Staates einher, weil das Individuum ihn als Ersatz für organische Gruppen bedarf. Überall wo der Staat fehlt triumphieren nicht Schulter zuckende Atlase, sondern Stämme, Kartelle, Bünde und Gangs. Der Einzelne lebt unfrei und den Gruppeninteressen unterworfen.  

Studieren Sie die Menschen und ihre Geschichte!

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