Dezember 1917: Brest-Litowsk

Dahinter stand die Hoffnung, vielleicht sogar so etwas wie eine historische Formenlehre entwickeln zu können.

 Gastbeitrag

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Ein beson­ders ambi­tio­nier­tes Unter­neh­men die­ser Art ver­knüpft sich mit dem Namen Oswald Speng­ler und sei­nen „Umris­sen einer Mor­pho­lo­gie der Welt­ge­schich­te“. Die ver­stan­den sich über die Ana­ly­se der Ver­gan­gen­heit hin­aus sogar als Anlauf zur Vor­aus­be­stim­mung der wahr­schein­li­chen Zukunft. 

Trotz die­ses spek­ta­ku­lä­ren Anspruchs wuß­te Speng­ler jedoch um die Gren­zen sei­nes Kon­zepts. Selbst wenn es geschicht­li­che Zwangs­läu­fig­kei­ten geben soll­te, blieb die Ent­wick­lung trotz­dem immer Zufäl­len unter­wor­fen und die Zukunft damit offen.

So konn­te es zum Bei­spiel vor­kom­men, daß ein Krieg von den – his­to­risch gese­hen – Fal­schen gewon­nen wur­de. Speng­ler nann­te als Bei­spie­le etwa die azte­ki­sche Kul­tur, deren Blü­te von den Spa­ni­ern qua­si ‚en pas­sant‘ abge­hau­en wor­den sei.

Einen wei­te­ren Fall die­ser Art stell­te für ihn die Schlacht von Acti­um dar, als im inner­rö­mi­schen Bür­ger­krieg der Wes­ten des römi­schen Welt­reichs unter Octa­vi­an, dem spä­te­ren Impe­ra­tor Augus­tus, den kul­tu­rell über­le­ge­nen Osten des Reichs besieg­te. Es dau­er­te Jahr­hun­der­te, den Feh­ler zu kor­ri­gie­ren und das Macht­zen­trum des römi­schen Reichs aus Rom ins öst­li­che Kon­stan­ti­no­pel zu verlegen.

Vor ein­hun­dert Jah­ren sah es lan­ge Zeit so aus, als wür­den im Fall des Ers­ten Welt­kriegs die 1914 ange­grif­fe­nen Mit­tel­mäch­te die Ober­hand behal­ten, obwohl sich der Gang der Din­ge als über­aus offen erwies.

Man hat­te in Euro­pa mehr­heit­lich mit einem kur­zen Krieg gerech­net. Es wur­de ein lan­ger. Gerüs­tet wur­de für ent­schei­den­de See­schlach­ten. Sie fan­den nicht statt. In Deutsch­land war man sich vor dem Krieg recht sicher gewe­sen, Frank­reich not­falls über­ren­nen zu kön­nen. Das mißlang.

Zugleich hat­te in Ber­lin die „rus­si­sche Dampf­wal­ze“ als mili­tä­risch unüber­wind­ba­rer Alp­traum gegol­ten. Und nun stan­den deut­sche Trup­pen Ende 1917 tief in Ruß­land, hat­ten zahl­rei­che deut­sche Sie­ge und zwei rus­si­sche Revo­lu­tio­nen das erreicht, was nie­mand für mög­lich gehal­ten hat­te: den deutsch-öster­rei­chi­schen Sieg über den öst­li­chen Nachbarn.

Ab dem 7. Dezem­ber 1917 schwie­gen im Osten die Waf­fen. Die Welt­ge­schich­te hielt gewis­ser­ma­ßen den Atem an, als sich in den Fol­ge­mo­na­ten in Ost­eu­ro­pa eine neue Staa­ten­welt her­aus­kris­tal­li­sier­te, die dann im März 1918 mit dem Frie­dens­ver­trag von Brest-Litowsk ihre recht­li­che Aner­ken­nung fand.

Öster­reich-Ungarn, Deutsch­land, die Tür­kei und Bul­ga­ri­en einer­seits und Ruß­land ande­rer­seits schlos­sen die­ses Abkom­men als einen Ver­trag alter Art. Ein Ver­trag unter Fein­den auf Augen­hö­he, die mit­ein­an­der ver­han­del­ten und tat­säch­lich Frie­den schlie­ßen wollten.

Daher ent­hielt der Ver­trag von Brest-Litowsk kein Wort des Vor­wurfs an Ruß­land, 1914 den Krieg mut­wil­lig vom Zaun gebro­chen zu haben. Berech­tigt wäre die­se Ankla­ge gewe­sen, denn nie­mand hat­te das Zaren­reich in der Vor­kriegs­zeit von Mit­tel­eu­ro­pa aus bedroht oder provoziert.

Aus frei­en Stü­cken wur­de im Juli 1914 der Ent­schluß zum Krieg in Peters­burg getrof­fen und dies so lan­ge wie mög­lich geheim gehal­ten, damit sich Ber­lin noch in Sicher­heit wie­ge. Noch heu­te steht in den Lehr­bü­chern so gut wie nie der 25. Juli 1914, das ech­te Datum des Beginns der zunächst noch gehei­men rus­si­schen Mobil­ma­chung, son­dern wird fast immer der 30. Juli genannt, der offi­zi­el­le Tag.

Bald nach Kriegs­en­de publi­zier­ten die jetzt in Ruß­land regie­ren­den Bol­sche­wi­ki auch beweis­kräf­ti­ges Akten­ma­te­ri­al für jene rus­sisch-fran­zö­si­sche Aggres­si­on. In den Grund­zü­gen wuß­te man das im deut­schen Aus­wär­ti­gen Amt aller­dings vor­her schon und hat­te des­we­gen zu radi­ka­len Mit­teln gegriffen.

Der Zar und die rus­si­sche Regie­rung hät­ten ange­sichts ihrer Taten jede Scho­nung ver­wirkt, daher kön­ne man ihnen auch Revo­lu­tio­nä­re wie „Lenin“ ins Land schi­cken und sie mit ent­spre­chen­den Gel­dern aus­stat­ten. „Mili­tä­risch war die Rei­se gerecht­fer­tigt. Ruß­land muß­te fal­len. Unse­re Regie­rung hat­te aber dar­auf zu ach­ten, daß nicht auch wir fie­len“, erin­ner­te sich Erich Luden­dorff spä­ter lako­nisch an die damit ver­bun­de­ne Problematik.

Offi­zi­ell erho­ben wur­de der Vor­wurf der „Kriegs­schuld“ von Sei­ten der Mit­tel­mäch­te in den Brest-Litowsker Ver­hand­lun­gen den­noch nicht. Die Vor­ge­schich­te und die Kriegs­hand­lun­gen des Gro­ßen Krie­ges soll­ten, wie tra­di­tio­nell üblich, „frie­de­wir­kend ver­ges­sen“ sein.

Zugleich ver­zich­te­ten bei­de Sei­ten im Frie­dens­ver­trag aus­drück­lich „gegen­sei­tig auf den Ersatz ihrer Kriegs­kos­ten“ und zwar sowohl auf die Auf­wen­dun­gen für die Kriegs­füh­rung selbst als auch auf Scha­den­er­satz für zivi­le Staats­an­ge­hö­ri­ge. Kriegs­ge­fan­ge­ne soll­ten umge­hend von bei­den Sei­ten in die Hei­mat ent­las­sen werden.

In Sachen Gebiets­ab­tritt fie­len die Rege­lun­gen eben­falls ganz klar aus. Der Ver­trag von Brest-Litowsk zog eine Grenz­li­nie. Öst­lich davon ver­zich­te­ten die Mit­tel­mäch­te auf jeden Ein­fluß. West­lich davon ver­spra­chen die Sowjets, sich aus den inne­ren Ange­le­gen­hei­ten in die­sem Gebiet her­aus­zu­hal­ten – wenn sie auch kei­ne Sekun­de dar­an dach­ten, sich dar­an zu halten.

Die Mit­tel­mäch­te bean­spruch­ten aus­drück­lich „das künf­ti­ge Schick­sal die­ser Gebie­te im Beneh­men mit deren Bevöl­ke­rung zu bestimm­ten.“ So las sich der Ver­trag denn als Abschluß­pro­kla­ma­ti­on für den vor­mals sprich­wört­li­chen rus­si­schen „Völ­ker­ker­ker“.

Als Kon­se­quenz wur­den von der Ost­see bis zum Schwar­zen Meer erst­mals oder erneut Staa­ten wie Finn­land, die bal­ti­schen Län­der, Polen oder die Ukrai­ne geschaf­fen. Ruß­land ver­pflich­te­te sich ver­trag­lich, mit der ‚ukrai­ni­schen Volks­re­pu­blik‘ Frie­den zu schlie­ßen und die Ver­trä­ge der Mit­tel­mäch­te mit der Ukrai­ne anzu­er­ken­nen. Selbst im Kau­ka­sus blick­te man nach Ber­lin, und im Herbst 1918 soll­te dann sogar noch Geor­gi­en um den Bei­tritt zum Deut­schen Reich ersuchen.

Vom Wes­ten aus sah man höchst ableh­nend, aber macht­los auf die­se Ent­wick­lung. Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich stan­den 1917 vor dem Staats­bank­rott, in Frank­reich meu­ter­ten zudem die Trup­pen. Finan­zi­ell ver­schlech­ter­te sich die Situa­ti­on durch den Ver­lust des öst­li­chen Bünd­nis­part­ners erheblich.

Ruß­land hat­te sich zur Vor­be­rei­tung des Krie­ges vor 1914 in Paris unge­heu­re Sum­men gelie­hen, die nun als For­de­rung weg­fie­len. Die Bol­sche­wi­ki wei­ger­ten sich, die­se Staats­schul­den anzu­er­ken­nen und ver­schick­ten statt des­sen eine lan­ge Lis­te mit „impe­ria­lis­ti­schen“ Abkom­men des frü­he­ren Zaren­reichs, die sämt­lich Null und Nich­tig sei­en. Sie reich­te bis ins 18. Jahr­hun­dert zurück und umfaß­te natür­lich auch die Kre­dit­ver­ein­ba­run­gen der jüngs­ten Zeit.

Mit zu den gekün­dig­ten Ver­trä­gen gehör­te auch das fran­zö­sisch-rus­si­sche Bünd­nis von 1892, jener „Ver­trag zur Erobe­rung Deutsch­lands und sei­ne Auf­tei­lung in Klein­staa­ten“, wie der dama­li­ge Zar sich aus­ge­drückt hatte.

Aller­dings hat­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten als wei­te­re und schließ­lich ent­schei­den­de west­li­che Macht im Früh­jahr 1917 den eige­nen Kriegs­ein­tritt ver­kün­det. Der inter­na­tio­na­len Öffent­lich­keit prä­sen­tiert als angeb­li­che Reak­ti­on auf deut­sche U‑Boot-Atta­cken, galt die­ser Schritt vor allem der grund­sätz­li­chen Gefahr, die man von Deutsch­land aus­ge­hen sah, schon lan­ge vor 1914.

In den Washing­to­ner Füh­rungs­zir­keln wur­de das Deut­sche Reich als der eigent­li­che Unru­he­herd der Welt­po­li­tik und eine dunk­le Bedro­hung des eige­nen Anspruchs als ein­zi­ge Welt­macht emp­fun­den. Das bri­ti­sche Welt­reich wür­de sich letzt­lich Stück für Stück ver­drän­gen und über­neh­men las­sen, die­ser Pro­zeß war seit der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts längst im Gang.

Von Deutsch­land glaub­ten die Washing­to­ner Ent­schei­dungs­trä­ger das nicht. Ganz im Gegen­teil galt die­ses Land als dyna­mi­scher Gegen­ent­wurf zur ame­ri­ka­ni­schen Weltordnung. 

Der fins­te­ren The­ma­tik ent­spre­chend hat­te man Deutsch­land des­halb in den US-Mili­tär­ak­ten schon kurz nach der Jahr­hun­dert­wen­de den Code-Namen „Black“ gege­ben und damit begon­nen, den „Black-Plan“ zu ent­wi­ckeln, jenen für den kom­men­den Krieg gegen Deutschland.

Als der Krieg von 1914 dann aus­ge­bro­chen war, da ver­trau­te US-Prä­si­dent Woo­d­row Wil­son sei­nem Bera­ter­kreis an, was sei­ner Mei­nung nach auf dem Spiel stand: Ein deut­scher Sieg wür­de den Lauf der Zivi­li­sa­ti­on ändern.

Dar­an ist höchst­wahr­schein­lich wenigs­tens so viel zutref­fend: Ein deut­scher Sieg oder das Ver­mei­den einer deut­schen Nie­der­la­ge hät­te das zwan­zigs­te Jahr­hun­dert in Euro­pa zu einem weit­aus ange­neh­me­ren Zeit­raum wer­den las­sen, als dies der tat­säch­li­che Geschichts­ver­lauf spä­ter zuließ.

Zwar lie­ßen sich die Strei­tig­kei­ten zwi­schen Ukrai­nern, Polen, Juden und Litau­ern nicht nach einem ein­fa­chen Sche­ma schlich­ten. Die ver­wi­ckel­te Lage und die gegen­sei­ti­gen Ansprü­che lie­ßen nur Rege­lun­gen zu, die von den einen oder ande­ren erst ein­mal jeweils als unrecht emp­fun­den wor­den wären.

Wie immer jedoch die im deut­schen Macht­be­reich viel­dis­ku­tier­te Neu­ord­nung der Völ­ker­schaf­ten schließ­lich im Detail gere­gelt wor­den wäre, sie hät­te kaum Platz für jene Radi­ka­li­sie­rung gelas­sen, die dann die tota­li­tä­re Ära erst mög­lich wer­den ließ. 

Das eigent­li­che deut­sche Kriegs­ziel, vor wei­te­ren fran­zö­sisch-rus­si­schen Angriffs­krie­gen einen wei­ten Puf­fer­raum als Schutz anzu­le­gen und ihn zugleich als Raum wirt­schaft­li­cher Durch­drin­gung zu kre­ieren, hät­te sich mit dem natür­li­chen Inter­es­se der ost­eu­ro­päi­schen Völ­ker ver­bun­den, Deutsch­land als Garan­ten der eige­nen Unab­hän­gig­keit zu verpflichten.

Über­dies gehör­te es nicht zur Pra­xis deut­schen poli­ti­schen Den­kens, das Ver­hält­nis zu frü­he­ren Geg­nern mit erfun­de­nen Behaup­tun­gen über poli­ti­sche Schuld, dem ver­hand­lungs­lo­sen Dik­tie­ren von Bedin­gun­gen und der Auf­er­le­gung von untilg­ba­ren Schul­den dau­er­haft zu ver­gif­ten. Dies hät­te sich, wenn man sich die­sen Gedan­ken gestat­ten will, auch bei einer Frie­dens­re­ge­lung gen Wes­ten posi­tiv ausgewirkt.

Aus der Per­spek­ti­ve des Ver­tra­ges von Brest-Litowsk wir­ken das Jahr 1989 und der nach­fol­gen­de Zusam­men­bruch der Sowjet­uni­on daher ganz und gar nicht wie „die größ­te geo­po­li­ti­sche Kata­stro­phe des Zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts“ (Wla­di­mir Putin).

Es scheint eher so zu sein, als habe die List des Geschichts­ver­laufs einen 1918/19 began­ge­nen Irr­tum wenigs­tens teil­wei­se kor­ri­giert und ihn wie­der näher an die natür­li­che Form her­an­ge­bracht. Für Euro­pa und für Deutsch­land kann sich dar­aus eine Zukunft als ein sich gegen­sei­tig stüt­zen­des Euro­pa der Völ­ker und Vater­län­der in einer zuneh­mend mul­ti­po­la­ren Welt­ord­nung ergeben.

Aber dies wäre, wie alles in Geschich­te und Poli­tik, kein Selbst­läu­fer. Es müß­te von Per­so­nen in Macht und Amt gewollt und prak­tisch umge­setzt werden.

Oswald Speng­ler hät­te dies gewußt, sei­ne Bemü­hun­gen gal­ten nicht zuletzt der Her­aus­bil­dung einer poli­tik­fä­hi­gen Genera­ti­on jun­ger Deut­scher aus der Kennt­nis his­to­ri­scher Zusam­men­hän­ge heraus.

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Kommentare (17)

Franz Bettinger

18. Dezember 2017 12:15

Mich hat immer verwundert, dass trotz des Friedens von Brest-Litowsk (1917) und der so möglich gewordenen Verlegung gewaltiger Mengen an Kriegsmaterial und Soldaten vom Osten an die Westfront der Krieg verloren ging. Wirklich wegen der Amerikaner? Und warum man sich einseitig zurückzog, ohne vorher einen Friedens-Vertrag ausgehandelt zu haben. Der Knebel-Vertrag von Versailles war die logische Folge. - Die Weltkriege (WW1 und 2) erinnern mich immer an die 3 Punischen Kriege (264-146 v. Chr. Hannibals Sieg von Cannae, 216 v. Chr.)

"Hannibal ist der größte Feind Roms gewesen, das größte militärische Genie, das je gegen die Weltmacht antrat. Aber wie unfeindlich, wie eiferfrei schreibt der zur Zeit Cäsars lebende Römer Cornelius Nepos über ihn!" So schreibt Michael Klonovsky in seinen Acta diurna. Auch der Vertrag von Brest-Litowsk enthielt keine Schuld-Zuweisungen an das besiegte Russland. "Jeder deutsche Journalist, der heute über Putin oder Trump schreibt," so fährt Klonovsky fort, "behandelt diese Männer, die ja nicht mal Feinde im kriegerischen Sinne, sondern bloß in jenem einer elenden Hypermoral sind, mit einer Unfairness und Geiferei, von der Traktierung unserer Wehrmachts-Generäle und anderer Altvorderen ganz zu schweigen. Die Wendung vom "gerechten zum perfiden Feind" und die daraus folgende Feind-Erklärungs-Kirmes der Anständigen und Trend-Konformen haben die Welt in ein tristes Licht getaucht."

Valjean72

18. Dezember 2017 14:11

 

Zunächst einmal vielen Dank für diesen Artikel.

Der Erste Weltkrieg wird gemeinhin als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet und dies nicht ohne Grund. Ohne ihn hätte es so keine russische Oktoberrevolution und keinen „Friedensvertrag“ von Versailles gegeben und damit indirekt auch keinen Zweiten Weltkrieg.

Folgende Passage erscheint mir besonders wichtig.

>>Der finsteren Thematik entsprechend hatte man Deutschland deshalb in den US-Militärakten schon kurz nach der Jahrhundertwende den Code-Namen „Black“ gegeben und damit begonnen, den „Black-Plan“ zu entwickeln, jenen für den kommenden Krieg gegen Deutschland.

[…]  Ein deutscher Sieg würde den Lauf der Zivilisation ändern.

Überdies gehörte es nicht zur Praxis deutschen politischen Denkens, das Verhältnis zu früheren Gegnern mit erfundenen Behauptungen über politische Schuld, dem verhandlungslosen Diktieren von Bedingungen und der Auferlegung von untilgbaren Schulden dauerhaft zu vergiften.<<

Ohne den Eingriff der US-Amerikaner, mit der ganzen Macht ihrer industriellen Stärke, hätten die Alliierten diesen Großen Krieg nicht gewonnen.

Und ich gehöre zu jenen, die dies bedauern, da ich von der These der Alleinschuld Deutschlands („Griff nach der Weltmacht“), bzw. später abgemildert zu Hauptschuldthese aber auch gar nichts mehr halte.

Auszug aus einem Gespräch zwischen Lord Balfour mit dem US-Diplomaten Henry White aus dem Jahr 1907:

BALFOUR: „Wir sind wahrscheinlich Narren, dass wir keinen Grund finden, um Deutschland einen Krieg zu erklären, bevor es zu viele Schiffe baut und uns unseren Handel wegnimmt.“

WHITE: „Sie sind im Privatleben ein Mann von edler Gesinnung. Wie können Sie etwas so politisch Unmoralisches in Erwägung ziehen, wie einen Krieg gegen eine harmlose Nation zu provozieren, die ein ebenso gutes Recht auf eine Marine hat, wie Sie es haben? Wenn Sie in Wettbewerb mit dem deutschen Handel treten wollen, dann arbeiten Sie härter.“

BALFOUR: „Das würde bedeuten, dass wir unseren Lebensstandard absenken müssen. Vielleicht wäre es einfacher für uns, einen Krieg zu führen.“

WHITE: „Ich bin schockiert, dass es unter allen Männern (Menschen) gerade Sie sein sollten solche Prinzipien auszusprechen.”

BALFOUR: „Ist es eine Frage von richtig oder falsch? Vielleicht ist es einfach eine Frage der Beibehaltung unserer Vorherrschaft.”

(Quelle: Allan Nevins, „Henry White – Thirty Years of American Diplomacy", New York: Harper Bros., 1930, pp. 257-258)

 

https://valjean72.wordpress.com/2017/04/29/der-1-weltkrieg-und-die-abkehr-von-der-these-der-deutschen-alleinschuld/

Solution

18. Dezember 2017 17:08

Endlich mal wieder was von Scheil. Vielleicht arbeitet er an einem neuen Buch über das Ende des 1. Weltkrieges? Würde mich freuen.

In seinem jüngst erschienenen Werk ("The Russian Revolution"), das wohl das beste ist, das je zum Thema geschrieben wurde, führt Sean McMeekin zum Vertrag von Brest-Litowsk aus:

"...Russia lost 1.3 million square miles - one fourth of the territory of the old tsarist empire - on which lived 62 million people, or 44 percent oh her population. Estimated economic losses amounted to a third of agricultural capacity, three quarters of Russion iron and coal production, 9.000 out of 16.000 "industrial untertakings", an 80 percent of sugar production..." (S.246). 

Das war natürlich noch nicht alles. Lenin war wirklich gezwungen, allem zuzustimmen, was die Mittelmächte wollten. Interessant, daß niemand unterschreiben wollte. Und so wurde Sokolnikow ("banks commissar") dazu befohlen. Die Umstände der Verhandlungen und der Vertragsunterzeichnung waren ohnehin schon kurios genug.

Gustav Grambauer

18. Dezember 2017 17:29

War 2014 sehr überrascht, bei Klonovsky, der ja unter den Fittichen von v. Flocken politisch ausgereift ist, das hier zu lesen:

"Die Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg beschert mir ein Gefühl, mit dem ich als ehemaliger peripherer Untertan des sowjetkommunistischen Imperiums nicht gerechnet hätte: eine gewisse Hochachtung vor Lenin. Wenn man sich die Hysterie und Verzweiflung der deutschen Offiziellen (auch der kurzzeitig Untergetauchten) nach dem Diktat von Versailles vor Augen hält und daneben die Amoklaufbereitschaft der führenden Bolschewiken nach dem 'Raubfrieden' von Brest-Litowsk, kann man die Nervenkraft und den Schneid Lenins nur bewundern, der sagte: Wir zahlen jeden Preis für die Revolution, auch wenn sie nur in einem russischen Rumpfgebiet stattfindet, und dann holen wir uns alles wieder zurück. (Gesagt, getan, - G. G.) Er war ja keineswegs unangefochten unter seinen Spießgesellen, sie hätten ihn als Landesverräter an die Wand stellen können (Trotzkis Stimme verschaffte ihm wohl die rettende Mehrheit). Auch im Volk besaß Lenin zu dieser Zeit keinerlei Rückhalt; es war nicht so, dass man in Russland auf ihn gewartet hatte, wie die spätere Propaganda suggerierte, im Gegenteil, er galt als dubioser Geselle mit unklarer Legende, womöglich ein deutscher Agent, der dem Kaiserreich die Ostfront vom Halse schaffen und Russland aus dem Krieg lösen sollte (was ja durchaus zutraf), und auch seine ersten öffentlichen Auftritte hinterließen wenig Eindruck. Er handelte damals buchstäblich unter Einsatz seines Kopfes, aber kalt bis ans Herz. Es war falsch, dass ich meine Lenin-Bände beim postrealsozialischen klar-Schiff-Machen anno 1990 weggeschmissen habe; ich werde einige davon neu erwerben müssen."

- Acta Diurna, 30. April 2014

Das Wort "Raubfrieden" für Brest-Litowsk ist doppelbödig gemeint. Es war nicht Lenin, der B.-L. so bezeichnet hat, sondern der Apparat. Es werden hier nicht alle wissen, daß es wohl aber Lenin war, der seinerseits den Versailler Vertrag so bezeichnet gehabt hatte.

- G. G.

Hartwig aus LG8

18. Dezember 2017 17:29

Ich bin kein Historiker, besuche auch keine entsprechenden Seminare und lese auch kaum Bücher zum Thema. Folgenden Eindruckes kann ich mich aber dennoch nicht erwehren:

Geht man nur ein klein wenig in der Geschichte zurück, dann spielt "Schuld" keine Rolle. Eroberungs- oder Freiheitsdrang, Absicherung, Machtinteresse, Allianzen, Glaube - all dies waren anerkannte Kriegsgründe. Allenfalls wird noch von gerechten und ungerechten Kriegen geschrieben; von Schuld ist keine Rede.

Es ergibt nur dann Sinn, Schuldige zu benennen, wenn Krieg als Mittel der Politik komplett geächtet ist und Kriegsgründe gänzlich verworfen sind. Es zum Krieg kommen zu lassen, wird zur sündhaften Handlung. Und um sich als Kriegspartei  rein waschen zu können, braucht es Schuldige am Krieg.

Anfang des 20. Jh. war es ein Ziel der Briten, das Deutsche Reich politisch und ökonomisch auszuschalten. In jeder vorherigen Epoche wäre dieses Ziel als völlig legitim betrachtet worden und hätte, wenn nötig, einen Krieg gerechtfertigt. Der Benennung eines Kriegsschuldigen hätte es nie bedurft.

Krieg wird für ein scheußliches Übel gehalten, und höchstwahrscheinlich mit großem Recht. Aber ich plädiere dafür, das Konzept "Kriegsschuld" abzulehnen.

 

Thomas Martini

18. Dezember 2017 18:33

Aus Otto Reutters "Der träumende Michel":

"Jüngst hat ich geograph'sche Stunde,

Hab' meinen Schülern da gesagt:

„Nennt jeder mal 'ne fremde Gegend,

Die euch besonders gut behagt.“

Da zeigt ein Belgier nach dem Kongo –

Und auf Marokko ein Franzos' –

Und nun ein Schüler gar aus England,

Der ließ den Globus gar nicht los.

Erstaunt sprach ich zum Engeländer:

„Laß ab, was willste für'ne Menge Länder?“

Nur Michel träumt in süßer Ruh'.

Da weckt' ich ihn und rief ihm zu:

„Michel hat schon wieder mal geträumt!

Michel hat schon wieder was versäumt.“

Da erwacht' er und zeigt mit dem Finger da,

(in kleinen Finger zeigend)

Auf so'n kleines bisschen Afrika."

Linkerhand

18. Dezember 2017 18:56

Die junge sowjetische Vertretung unter Joffe und Trotzki hat mit allen Mitteln versucht die Verhandlungen in Brest-Litowsk in die Länge zu ziehen. Ziel war es den möglichen Zusammenbruch der Reichswehr im Westen abzuwarten, um dann bessere Bedingungen für die Verhandlungen zu haben. Rußland ist wohl nicht in diesen Krieg gezogen um zu gewinnen, sondern, nach einer Niederlage der Mittelmächte im Westen, seine Teil der Beute einzufordern. Die Rechnung ist aufgegangen. Den Zusammenbruch ihres Zarenreich hatten sie aber nicht einkalkuliert, so daß ein Patt entstanden ist, welches erst mit Verzögerung 1941 ausgefochten wurde.

S.J.

18. Dezember 2017 20:55

@ Valjean72

"da ich von der These der Alleinschuld Deutschlands („Griff nach der Weltmacht“), bzw. später abgemildert zu Hauptschuldthese aber auch gar nichts mehr halte."

Mit dieser Auffassung stehen Sie - wenn ich mich einmischen darf - auf festem Boden. Christopher Clark, Stefan Schmidt oder jüngst der Wirbel um Rainer F. Schmidt zeigen, dass die Auffassung einer deutschen Alleinschuld oder Hauptschuld einfach nicht zureicht und im besten Fall das Bedürfnis der Sieger erklärt, Schwarzweißmalerei zu betreiben. Es mussten bald 100 Jahre vergehen, das etwas unaufgeregter zu diskutieren. Das ist ärgerlich, weil Wissenschaft nicht interessengesteuert sein darf. Die Bücher Stefan Scheils, mit viel Aufwand erstellt, habe ich gerne gelesen und nehme sie mir auch künftig mit derselben Ernsthaftigkeit vor wie die bekanntesten Werke der Zunft auch, weil er einen anderen Blick eröffnet. Hoffentlich kommt bald ein neues.    

Der_Jürgen

19. Dezember 2017 10:33

Je öfter sich Stefan Scheil hier zu Wort meldet, desto besser. Seine Werke heben sich wohltuend von der ideologisierten, verfälschenden Geschichtsschreibung der Hofhistoriker ab.

Wer hier noch an den Mythos vom armen, von den Nazis heimtückisch überfallenen Polen glaubt (vermutlich nicht allzu viele), der führe sich Scheils Buch über Polen 1939 zu Gemüte, an dem man nur kritisieren kann, dass es viel zu dünn ist. Und wer wissen möchte, wie die Westalliierten (oder genauer gesagt die Amerikaner, denn die Briten und erst recht die Franzosen spielten da nur eine Statistenrolle) nach dem 2. Weltkrieg in Westdeutschland eine ihnen hörige Elite in den Sattel hoben, für den ist Scheils "Transatlantische Wechselwirkungen" eine enorm wertvolle Quelle. Für mich ist dies das wichtigste Scheil-Buch, das ich gelesen habe.

Noch eine anekdotisch anmutende, aber wahre Episode, welche die verheerenden Folgen des heutigen "Geschichtsunterrichts" an den Schulen sowie der pausenlosen antideutschen Geschichtsfälschung durch die Medien enthüllt. Ende der neunziger Jahre wurde eine kleine Meinungsumfrage durchgeführt, bei der zufällig ausgewählte, deutsch aussehende Passanten auf den Strassen gefragt wurden: "Wer trug Ihrer Meinung nach die Schuld am deutsch-ungarischen Krieg von 1837?" Die absolute Mehrheit der Befragten hielt Deutschland an jenem Krieg für schuldig... Pawlows Hunde sind nichts gegen einen umerzogenen Bundesdeutschen.

Gustav Grambauer

19. Dezember 2017 11:15

Wer etwas von Spiegelmagie versteht, der wird das (trotzkistische) Karma finden, und damit meine ich nicht einmal die Spiegelung 1918 <-> 1981, eher schon die Steigerung von Getreide zu Gold:

"Beim begeisterten Empfang in Dresden am 19. Dezember (1989 - G. G.) sagte Kohl zu Seiters: 'Es ist gelaufen.' ... Am 25. Januar 1990 wurde das Ganze im Kreml abgesegnet. Nach dem Tschernajew-Protokoll zog Gorbatschow eine Parallele zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk 1918. ... Modrow konnte das Ergebnis am 30. Januar 1990 nur noch entgegennehmen und seinerseits am 1. Februar die Losung 'Deutschland, einig Vaterland' ausgeben (ihrerseits für die SED als Partei ein Brest-Litowsk, - G. G). Am 13. / 14. Februar wurde dann Modrow und seiner 'Regierung der nationalen Verantwortung', darunter den Ministern der Opposition, die übrigens am stärksten enttäuscht waren ..., von Kohl klargemacht, daß sie nichts mehr zu erwarten hätten. Sie sollten nur noch den Zusammenbruch vor dem Wahltermin am 18. März verhindern. Dem neuen Ministerpräsidenten Lothar de Mazière (das französische Element, - G. G.) ging es nur zeitweise besser. Schäuble betonte längere Zeit de Mazières 'unersetzliche Rolle'. 'Ihm hatte ein großer Teil der Bevölkerung das Vertrauen ausgesprochen. Ohne ihn hatten wir keine Chance.' Das gelte auch für seine Nachdenklichkeit, sein Zögern. Zugleich erklärte er seinen DDR-Partnern immer wieder: 'Hier findet nicht die Vereinigung zweier gleicher Staaten statt.' Ende Juli 1990 nahmen Kohl und Schäuble dann das Heft voll in die Hand."

- Für Ewigmorgige: Zum Umbruch in der "DDR", www.wallstreet-online.de/diskussion/500-beitraege/923143-1-500/fuer-ewigmorgige-zum-umbruch-in-der-ddr

Schon acht Jahre zuvor, 1981, hatte Breshnews Sonderbeauftagter Russakow Honecker besucht und ihm "weinend und schluchzend" (womöglich gespielt und in Wahrheit vor allem wütend über Honeckers in Moskau als Frechheit aufgefaßten Mißbrauch des Erdöl-Abkommens - und vielleicht sogar bereits über Honeckers Unwilligkeit, von sich aus zu sagen: "Gut, dann beenden wir das Experiment DDR") offenbart:

"Die Sowjetunion benötigt Devisen, weil sie sonst 'ihre gegenwärtige Stellung in der Welt nicht halten könne', und das habe dann Folgen für die ganze sozialistische Gemeinschaft. Russakow bezeichnete die Serie der Mißernten (wer denkt bei dem Wort 'Mißernten' nicht sofort an das Jahr 1918 in Sowjetrußland und der Ukraine, - G. G.) 'ein Unglück von einem Ausmaß', das es 'seit der Existenz der Sowjetunion noch nicht gegeben hat'. Die Sowjetunion stehe praktisch wieder vor 'Brest-Litowsk' - mithin vor der Entscheidung, auf einen Teil des äußeren Einflußgebietes zu verzichten, um das Kernland zu retten. 'Ganz bestimmte Reserven', so Russakow geheimnisvoll, 'sind schon angegriffen'. Was die sowjetische Seite Honecker vorenthielt, blieb dem Westen nicht verborgen: amerikanische Geheimdienststudien registrierten, daß die Sowjetunion 1981 mehr als 240 Tonnen Gold auf dem Weltmarkt absetzte (gegenüber 90 Tonnen 1980), daß sie ihren Westhandel mit einem Zahlungsblanzdefizit von drei Mrd. US-Dollar abschloß und daß die Einlagen der UdSSR bei westlichen Banken im Lauf des Jahres 1981 von 8,5 Mrd. US-Dollar auf etwa drei Mrd. Us.-Dollar zusammengeschmolzen waren. Schwäche vorzugeben, um Entgegenkommen zu erreichen, gehört ebenso zum Verhandlungsrepertiore wie ein dramatisierender Stil; daß beide Seiten jedoch mit dem Zusammenbruch drohten, zeigt, wie weit diese Möglichkeit - aller Rhetorik vom Vormarsch des Koimmunismus zum Trotz - bereits in ihre Vorstellungswelt eingedriungen war."

- Quelle: https://www.christoph-links-verlag.de/index.cfm?view=3&titel_nr=419, 1. Auflage 2006, Seite 45

- G. G.

H. M. Richter

19. Dezember 2017 14:16

 ^ @Gustav Grambauer

Weitere, wie ich finde, recht interessante Informationen zum Gespräch zwischen Honecker und Russakow - sowie zur von G. G. angesprochenen 1918-1981-Brest-Litowsk-Spiegelung - gibt Bruno Mahlow in einem Interview vom 16. Mai 2015:

https://ddr-kabinett-bochum.blogspot.de/2015/05/gesprach-mit-bruno-mahlow-uber-die.html?view=classic

Valjean72

19. Dezember 2017 14:34

@Gustav Grambauer:  "Er [Anm.: Lenin] war ja keineswegs unangefochten unter seinen Spießgesellen, sie hätten ihn als Landesverräter an die Wand stellen können (Trotzkis Stimme verschaffte ihm wohl die rettende Mehrheit) ..."

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Auch Trotzki wurde wohl von der Mehrheit der Russen als ein Fremder angesehen, zudem verbrachte er vor dem Höhepunkt der russischen Oktoberrevolution ganze  zehn Wochen in New York. Das ist doch höchst bemerkenswert oder etwa nicht?

"The book recalls Trotsky’s controversial 10 weeks spent in New York before he headed back to Russia to lead the Military-Revolutionary Committee which carried out the overthrow of the Provisional Government in the October Revolution."

(Quelle: timesofisrael.com; 19.09.2016)

Johannes Konstantin Poensgen

19. Dezember 2017 16:47

Verzeihung, wenn ich meinen Autismus spazieren führen muß, aber Spengler sah in der Schlacht von Actium keineswegs den Sieg eines babarischen Westens über den kulturell überlegenen Osten.

Im Gegenteil, die römische Herrschaft, die Herrschaft der alten antiken Zivilisation habe die damals junge orientalische Kultur der Zeit Jesu Christi unterdrückt und in ihre eigene Formensprache gezwungen.

deutscheridentitärer

19. Dezember 2017 21:14

Ein interessanter Artikel. Zum Thema 1. WK kann ich wärmstens Sebastian Haffners Buch "Die sieben Sünden des Reichs" empfehlen. (Wie Haffner überhaupt ein herausragendes Lesevergnügen ist)

Mich hat der 1. WK schon immer gefesselt, mehr noch als der 2. Es ist geradezu unheimlich, wie dramaturgisiert diese 4 Jahre wirken. Als wären sie auf die Erzeugung maximaler Spannung beim historisch geneigten Spätgeborenen angelegt.

Aber, wie ja immer in letzter Zeit, für uns Deutsche eine Geschichte mit traurigem Ende.

Gustav Grambauer

20. Dezember 2017 00:28

H. M. Richter

Allerbesten Dank. Habe das Portal gleich in meine Lesezeichen aufgenommen. Habe den Mann gegoogelt, Ergebnis, wie erwartet: von diesem Menschenschlag bin ich philosophisch respektive politisch gesehen in wesentlichen Gesichtspunkten Lichtjahre entfernt, aber meine Nähe vom Herzen her ist riesig und wird immer riesiger (und nicht nur weil und trotzdem ich ziemlich genau von diesem Typus selbst in Kindheit und Jugend einmal erzogen wurde). Bei manchen Lesern hier wird ein Staat, dessen Top-Diplomaten Kneipengänger waren (bei 36:24), in Mietshäusern, vielleicht sogar in der Platte lebten (bei 13:46) und nicht einmal den Namen Saint-Exupéry richtig aussprechen konnten (bei 12:38) allein dadurch Abneigung oder sogar Ekel auslösen, aber M. repräsentiert vom Anliegen des "Kleinen Prinzen" ganze Dimensionen mehr als der durchschnittliche BRD-Diplomat in seiner Aalglätte - und da liegen mehr als Lichtjahre dazwischen.

https://www.youtube.com/watch?v=Sqnt4IuV8_g

Warum hat der Youtube-Streifen mit Mahlow nur 152 Aufrufe, wohingegen jeder XY-Justin-Bieber gern mal gleich 2,8 Millarden hat? Und: mir gibt die Selbstzuschreibung solch nobler Charaktere als "Linke" immer einen Stich. Was macht ein M. noch dazu in der versifften PDL, die inzwischen, Wagenknecht hin oder her, fest am BAK Shalom ausgerichtet ist - das ist wie wenn Fischer-Dieskau beim Eurovision Contest mit Conchita Wurst im Duett singe würde!

- G. G.

Cacatum non est pictum

20. Dezember 2017 08:38

@deutscheridentitärer

"Ein interessanter Artikel. Zum Thema 1. WK kann ich wärmstens Sebastian Haffners Buch 'Die sieben Sünden des Reichs' empfehlen. (Wie Haffner überhaupt ein herausragendes Lesevergnügen ist)"

Haffner war sicher ein guter Literat, aber auch ein gnadenlosser Deutschenhasser. Ich würde seine politischen Schriften daher nur eingeschränkt empfehlen.

 

Gustav Grambauer

20. Dezember 2017 15:30

Valjean72

"Auch Trotzki wurde wohl von der Mehrheit der Russen als ein Fremder angesehen, zudem verbrachte er vor dem Höhepunkt der russischen Oktoberrevolution ganze  zehn Wochen in New York. Das ist doch höchst bemerkenswert oder etwa nicht?"

Sie schneiden hier ein unerschöpfliches Thema mit Konsequenzen in allen Lebensbereichen Rußlands an. Es gäbe so viel dazu zu sagen. Die Parallelen zu den heutigen Farbenrevolutionen und deren Finanzierung in aller Welt werden Sie sicher selbst sehen. In Trotzki lebte sich aber noch ein spezielles Moment aus - ein tausendjähriger Haß auf Rußland, der während des Rittertums der Kiewer Rus um die Krim herum zu lodern begann, in den Jahrhunderten später bis nach Lodsch, hoch ins Baltikum und nach New York loderte und von dorther heute noch lodert. Es ist kein Zufall, daß Trotzki aus der Gegend von Cherson stammte, Stalin Georgier war und Gorbatschow aus Stawropol kam: letztere beide waren in "geographischer" Hinsicht Komromißkandidaten im Krieg der beiden Blöcke, deren Bezeichnung als Lubjanka-Block und Rote-Armee-Block (später nach dem Vaterländischen (!) Krieg Sowjetarmee-Block, höre hier das Unbehagen, gelinde gesagt, über die Umbennenung und damit über den Bruch mit der Trotzki-Tradition ab 9:04)

https://www.youtube.com/watch?v=L44eX7EinR4

zu oberflächlich wäre und einen wesentlichen Zugang zu deren Genealogie ausblenden würde. Die Kafka-mäßigen Autoritätsdramen, aus denen heraus z. B. die Subbottniks

https://de.wikipedia.org/wiki/Subbotnik

(zur Demütigung der Orthoxoxie, - oft die eigenen Eltern wie eben bei Trotzki -, die am Schabbat bekanntlich aus religiösen Gründen nicht arbeiten darf) eingeführt wurden, waren nur ein Nebenschauplatz. Es ging um den Krieg gegen Rußland.

Gorbatschow hat dafür gesorgt, daß diejenigen Kräfte, die seinerzeit Trotzki mit Geld versorgt hatten, mit Privatjets in Rußland einfliegen und gleich unmittelbar agieren konnten. Man nennt sie hierzulande gern die russischen Oligarchen. Die Bezeichnung ist falsch. 

Bis etwa 2001. Auch die Vergangenheit von Putin, der ja Nachfolger von Trotzki als Oberbefehlshaber der Russischen Streikräfte ist, versteht man nur im Zusammenhang mit der Machtkaskade der beiden Blöcke innerhalb der Lubjanka. Putin gehörte lediglich insoweit dem Tscheka- / Lubjanka-Block an als diese ab 1953 (und bis 1991) unter der Egide der Sowjetarmee geführt wurde, im Kern ist er also kein Tschekist sondern ein Sowjetarmee-Mann (oder heute würde man sagen: ein Silowiki-Mann). Wer die Augen hat, um dies zu sehen, der sieht es auch an seinem Auftreten.    

- G. G.

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