Jens Meier und Noah Becker

Causa Jens Maier (MdB, AfD): Es gibt also immer noch Leute, die glauben, man könnte sich um die linke Diskurshoheit irgendwie herummogeln.

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

Ich hat­te gehofft, die wären nur noch im palä­on­to­lo­gi­schen Muse­um zu bewundern.

Aber zur Sache: Noah Becker, sei­nes Zei­chens DJ, Desi­gner und halb­schwar­zer Sohn eines ehe­ma­li­gen Ten­nis­stars (nicht zu ver­wech­seln mit dem Maler, Autor und Jazz­mu­si­ker glei­chen Namens), hat sich öffent­lich dar­über beschwert, daß es in Ber­lin zu vie­le Wei­ße gäbe. Der AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Jens Mai­er twee­te­te zurück: „Dem klei­nen Halb­ne­ger scheint ein­fach zu wenig Beach­tung geschenkt wor­den zu sein, anders lässt sich sein Ver­hal­ten nicht erklären.“

Jemand wird unver­schämt und kriegt eine ent­spre­chen­de Ant­wort. All­tag im Neu­land Internet.

Nur leben wir in Zei­ten, in denen über­di­men­sio­nier­ten Pres­se­häu­sern das Geld aus­geht, wes­we­gen der Klatsch und Tratsch der sozia­len Medi­en regel­mä­ßig zur Nach­rich­ten­pro­duk­ti­on ver­wer­tet wird. Am Abend des 4. Janu­ar zäh­le ich um 9 Uhr allein vier Arti­kel auf FAZ-Online, die sich die­sem repu­bli­ker­schüt­tern­den Zwi­schen­fall wid­men (Der Anfang die­ses Arti­kels erschien wort­gleich noch ein­mal in der Ber­li­ner Zei­tung).

Lei­der nicht nur hei­ße Luft. In der AfD ist mal wie­der die Putz­ko­lon­ne unter­wegs, um die­sen ras­sis­ti­schen Sprach­ab­fall aus der Par­tei zu fegen. Jörg Meu­then sowie der Ber­li­ner Vor­sit­zen­de Georg Pazder­ski haben den Tweet bereits ver­ur­teilt und Jens Mai­er selbst macht einen unge­nann­ten Mit­ar­bei­ter verantwortlich.

Den Preis für ehren­amt­li­che Säu­be­rung erhält dies­mal der Geschäfts­füh­rer der Ber­li­ner AfD, Frank-Chris­ti­an Hansel:

Es reicht, Leu­te! Wenn Ihr Euch oder Eure Mit­ar­bei­ter nicht im Griff habt, geht nach Hau­se! Es kann und darf nicht sein, daß immer wie­der von AfD-Funk­tio­nä­ren Face­book- oder twit­ter-Posts raus­ge­hen, die die Arbeit der gesam­ten Par­tei, näm­lich der AfD als Par­tei des poli­ti­schen Rea­lis­mus aus der Mit­te der Gesell­schaft, an und in der wir seit 5 Jah­ren hart arbei­ten, zun­chich­te machen. Viel schlim­mer ist, dass auch die Tau­sen­den Ehren­amt­ler und MIt­glie­der, die GENAU für DIESE AfD des poli­ti­schen Rea­lis­mus ein­ste­hen, vor den Kopf gesto­ßen wer­den. Die AfD braucht kei­ne Leu­te, die immer noch das pri­mi­ti­ve Voka­bu­lar und den Duk­tus der 50er Jah­re ver­wen­den. Hier geht es auch nicht mehr um Stil-und Geschmacks­fra­gen, son­dern um bewuß­tes Schü­ren von Vor­ur­tei­len, genau das, woge­gen wir uns immer weh­ren, dass es uns fälsch­li­cher­wei­se medi­al vor­ge­wor­fen wird!

(sämt­li­che ortho­gra­phi­schen Inno­va­tio­nen ver­blei­ben im geis­ti­gen Eigen­tum von Frank-Chris­ti­an Hansel.)

Aber um das auseinanderzunehmen:

1. Kein Face­book-Post oder Tweet macht „ die die Arbeit der gesam­ten Par­tei, näm­lich der AfD als Par­tei des poli­ti­schen Rea­lis­mus aus der Mit­te der Gesell­schaft, an und in der wir seit 5 Jah­ren hart arbei­ten, zunchichte“.

Abge­se­hen davon, daß poli­ti­scher Rea­lis­mus aus der [Mer­kel-] Mit­te der Gesell­schaft eine con­tra­dic­tio in adiec­to ist, han­delt es sich hier um einen ein­zi­gen Medi­en­zy­klus. Danach wird eine neue Sau durchs Dorf gejagt. Daß die Sache über­haupt die­se Auf­merk­sam­keit bekam, liegt haupt­säch­lich an den Panik­re­ak­tio­nen aus der AfD. Der größ­te Teil des Nach­rich­ten­wer­tes besteht hier dar­in, wie schön sich die Rechts­po­pu­lis­ten mal wie­der auf offe­ner Büh­ne selbst zerfleischen.

Wo wir beim The­ma Selbst­zer­flei­schung sind. Einen blei­ben­den Scha­den wird das Gan­ze natür­lich haben und zwar die zer­stör­ten Bezie­hun­gen inner­halb der Par­tei. Daß jeder Tweet zu Tod­feind­schaf­ten in den eige­nen Rei­hen füh­ren kann, auch wenn er gar nicht gegen ande­re Par­tei­mit­glie­der gerich­tet ist, ist lang­fris­tig eine immense Belas­tung. Daß dem so ist, dar­an ist aber aus­nahms­wei­se nicht die Lügen­pres­se schuld, son­dern ein­zig und allein die AfD selbst.

2. Ob der Duk­tus der 50er Jah­re zur AfD gehört, weiß ich nicht. Sicher ist jedoch, daß die Anzie­hungs­kraft die­ser Par­tei zum größ­ten Teil auf dem Ver­spre­chen beruht, jenes Deutsch­land wie­der­her­zu­stel­len, an das sich ihre groß­teils älte­re Wäh­ler­schaft noch erin­nert, also ein Deutsch­land, in dem man zum Bei­spiel auch in einer Groß­stadt kein Mas­sen­auf­ge­bot der Poli­zei brauch­te, um eini­ger­ma­ßen unbestohlen/unvergewaltigt/unermordet Sil­ves­ter fei­ern zu können.

Wer glaubt, dies kön­ne erreicht wer­den, ohne Vor­ur­tei­le gegen die­je­ni­gen Bevöl­ke­rungs­grup­pen zu schü­ren, deren ver­mehr­te Anwe­sen­heit auf deut­schem Gebiet sol­ches unmög­lich gemacht hat, ist ein Idi­ot. Wer dies ande­re glau­ben macht, ist ein Betrüger.

3. Sich um die Tabus der Lin­ken her­um­zu­mo­geln ist eine stra­te­gi­sche Unmög­lich­keit. Tak­tisch geht das schon. Eine Kam­pa­gne kann natür­lich so aus­ge­rich­tet wer­den, daß bestimm­te Tabus nicht berührt und somit unge­schütz­te Schwach­stel­len im feind­li­chen Nar­ra­tiv getrof­fen werden.

Jedoch, der Traum, unter Respek­tie­rung sämt­li­cher lin­ker Befind­lich­kei­ten, den Geg­ner mit bes­se­ren Argu­men­ten zu schla­gen um somit den gro­ßen Umschwung im Lan­de her­bei­zu­füh­ren, wird immer ein Traum blei­ben. Er ist genau­so absurd, wie die Vor­stel­lung eini­ger der in den gro­ßen Säu­be­run­gen ange­klag­ten Kom­mu­nis­ten, sie könn­ten das Gericht davon über­zeu­gen, ihre beson­de­re mar­xis­ti­sche Häre­sie fal­le doch eigent­lich noch unter die Par­tei­li­nie. Die Tabus der Lin­ken müs­sen fal­len. Eines nach dem ande­ren und das geht nicht ohne Provokation.

4. Um schließ­lich allen Sprach­hy­gie­ni­kern zuvor zu kom­men. Immer wenn ich höre: „Der hat sich aber nicht anstän­dig aus­ge­drückt, das muß man höf­li­cher for­mu­lie­ren, das ist sonst schlech­ter Stil!“, dann höre ich dreierlei:

Ers­tens: Wir Rech­te dür­fen kei­ne Bou­le­vard­pres­se haben.
Zwei­tens: Wir Rech­te müs­sen in den sozia­len Medi­en ein Hau­fen von Lang­wei­lern sein.
Drit­tens: Wir Rech­te dür­fen kei­ne Spra­che spre­chen, die auf Fünf­zehn­jäh­ri­ge wirkt.

Der drit­te Punkt ist der wich­tigs­te. Teen­ager suchen im Inter­net nach Musik, nack­ten Frau­en und schlech­ten Wit­zen. Die neue coo­le rech­te Jugend­mu­sik höre ich nir­gend­wo. Was nack­te Frau­en angeht, so sind mir kei­ne Plä­ne bekannt, auf die­se Wei­se Auf­merk­sam­keit zu erre­gen. Ich fürch­te, wir müs­sen bei den schlech­ten Wit­zen bleiben.

Und so schlecht müs­sen die Wit­ze übri­gens gar nicht sein. Wich­tig ist aber, daß sie schon in der Wort­wahl gegen die Moral der Bio­na­de-Eltern ver­sto­ßen. „Dem klei­nen Halb­ne­ger scheint ein­fach zu wenig Beach­tung geschenkt wor­den zu sein, anders lässt sich sein Ver­hal­ten nicht erklä­ren.“ Wenn ein Fünf­zehn­jäh­ri­ger das liest, sag er: „Jo, owned! Dem hat er‘s gege­ben, voll in your face!“

Jetzt kann man die berech­tig­te Fra­ge stel­len, ob das die Auf­ga­be eines 55 Jah­re alten Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und ehe­ma­li­gen Rich­ters ist. Das ist es natür­lich nicht und ich hof­fe, Herr Mai­er wird mir ver­zei­hen, wen ich ihm mit­tei­le, daß er kei­ne Jugend­i­ko­ne mehr wird. In der Hin­sicht hat er wirk­lich einen schwer­wie­gen­den Feh­ler gemacht.

Aber hät­te er das nicht irgend­wie anders sagen kön­nen, irgend­wie auch cool, aber ohne das Wort „Halb­ne­ger“? Ja selbst­ver­ständ­lich wäre das mög­lich gewe­sen und selbst­ver­ständ­lich wäre das auch bes­ser gewe­sen. Das ist nicht der Punkt! Der Punkt ist, daß hier mal wie­der die eige­nen Leu­te die Sprach­bar­ri­ka­den stüt­zen, die der Feind gegen uns auf­ge­baut hat!

Die­se Bar­ri­ka­den zwän­gen uns in einen klei­nen Raum, in dem jeder zu druck­sen und sich zu win­den hat, aus Angst nur ein fal­sches Wort zu sagen. In den sozia­len Medi­en bedeu­tet das, daß jeder das Maul zu hal­ten hat, der nicht Sprach­künst­ler genug ist, um sich auf geschlif­fe­ne und wit­zi­ge Wei­se aus­zu­drü­cken, so daß jeder weiß was gemeint ist, ohne daß einer Jeho­va gesagt hat.

Genau die­ses Sagen ohne es zu sagen wäre hier näm­lich nötig gewe­sen, denn es ging ja von Anfang an um Ras­se. Noah Becker, ein kos­mo­po­li­ti­scher Misch­ling, hat sich öffent­lich dar­über beklagt, daß in Ber­lin immer noch zu vie­le Wei­ße leben. Offen­bar fühlt er sich des­halb instink­tiv unwohl.

Da kann man natür­lich den Ras­sis­mus­spieß umdre­hen und wer das kann, soll das auf jeden Fall tun. Wer das kann! – denn das ist die hohe Schu­le poli­ti­scher Sprach­kunst. Wenn da nicht jedes Wort genau abge­wo­gen und auf Rasier­mes­ser­schär­fe geschlif­fen ist, dann wirkt das wie: „Frau Leh­re­rin, Frau Leh­re­rin, der Noah hat was ganz böses ras­sis­ti­sches gesagt. Kön­nen mir jetzt alle mal beim Flen­nen zusehen?“

Wäh­rend­des­sen steht dem Feind selbst­ver­ständ­lich das gesam­te Arse­nal der Vul­gär­spra­che offen. Die dür­fen auf jung, cool und rebel­lisch machen und wir nicht. Dar­um geht es hier und das muß durch­bro­chen werden!

Es ist ganz wich­tig, daß Jugend­li­che uns cool fin­den, bevor ihre Umge­bung ihnen eine lin­ke Gesin­nung ein­bren­nen kann. Sonst beschränkt sich unser Rekru­tie­rungs­po­ten­ti­al lang­fris­tig auf den Pro­zent­satz, der in jeder Genera­ti­on sowie­so rechts wird, sowie jenen, der bereit ist, im Alter von über zwan­zig Jah­ren noch ein­mal sein Welt­bild über den Hau­fen zu wer­fen. Das ist zu wenig.

Es sei denn, ihr seid alle ganz lieb und nett. Dann wachen die Alt­acht­und­sech­zi­ger plötz­lich aus ihrem Dro­gen­rausch auf und wäh­len den Gro­ßen Aus­tausch ein­fach ab. Nicht wahr, Dieter?

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

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Kommentare (17)

Monika L.

5. Januar 2018 18:40

Ihr habt Probleme. Zum morgigen Dreikönigstag stellt sich die Frage:

Wer von den drei Königen war eigentlich der Schwarze ? Und warum laufen bei uns nur weiße Königinnen rum ?  Es soll sich niemand angesprochen fühlen :)))

RMH

5. Januar 2018 19:27

Schön, hier einmal die Vorgeschichte zu dem inkriminierten Tweet lesen zu können. Diese wurde/wird in den gängigen Medien immer unterschlagen (Lückenpresse?).

Was wäre eigentlich für ein Sturm im medialen Wasserglas entstanden, wenn statt Halbneger das Wort Halbweißer verwendet worden wäre?

Wie auch immer:

Unterm Strich wäre es aber in jedem Fall sinn- und stilvoller gewesen, sich auf derartiges Twitter-Ping-Pong gar nicht erst einzulassen (who the f... is N. Becker?).

Weniger ist medial oftmals mehr und auf jeden Dünnpfiff irgendeines Unbeachtlichen zu antworten, ist politisch in der Tat grob fahrlässig und zumindest intern muss so etwas in einer Partei auch aufgearbeitet werden (dürfen - hat dann auch nichts mit Arbeit für den Gegner zu tun).

Nach der schrecklichen Tat von Kandel, in der sich aufs Neue wieder unfassbares Versagen unserer staatlichen Institutionen und dessen Personals zeigte, ist so ein AfD-Bullshit-Tweet natürlich wie Balsam auf die geschundene Altparteien- und MSM-Seele. Kein Wunder, dass das jetzt groß aufgebauscht wird. Auch dafür sollten dem Tweeter ein paar Backpfeifen verpasst werden.

Funkstille und Funkdsiziplin zu halten, war eine der ersten Übungen, die man beim Militär lernte. Und daran werde ich mich jetzt halten und keine weiteren Zeilen mehr dazu schreiben.

 

Ein gebürtiger Hesse

5. Januar 2018 20:04

Das Beste, was über die ganze Sache gesagt werden kann. Volle Punktzahl, SiN at its best.

Allen AfDlern, die nun wieder einen parteieigenen Schädling ausmachen wollen, dürfen sich dich die Frage stellen, was ihr sonstiges Lamento, daß einstmals harmlose, im normalen Sprachgebrauch beheimatete Worte wie Neger, Zigeuner usw. im Ernstfall denn wert ist. Wobei der Fall so ernst natürlich gar nicht ist, man könnte ebenso gut mit rechter Gelassenheit über die flappsige Aussage Maiers hinweggehen. Aber nein, man bevorzugt es, sich gegenseitig mit Distanzeritis anzustecken. Das ist ebenso jämmerlich wie uncool. Poensgen hat ganz recht: wer so schnell die Hosen voll hat, findet auf Seiten der Jungen, die es in der Tat (auch) zu gewinnen gilt, keine neuen Interessenten.

Lektüreempfehlung, für jeden AfDler, der das Büchlein nicht ohnehin unterm Kopfkissen liegen hat: Thor von Waldsteins Grundlagenschrift Metapolitik und hier besonders die Seiten 47 ff.

Was allerdings ebenfalls gesagt werden muß: Maier rückt ja nicht seine Aussage in ein schlechtes Licht, sondern der Umstand, daß er, nachdem sie die Runde zu machen begann, behauptet hat, sie stamme nicht von ihm, sondern von einem seiner Mitarbeiter. Wer so wenig Rückgrat zeigt, ist der Provokation in seinem Namen gar nicht gewachsen. Nachsitzen, von Waldstein lesen!

Obi Wan Kenobi

5. Januar 2018 20:06

Ein treffender Beitrag von Johannes Konstantin Poensgen, der völlig recht hat, wenn er feststellt, dass Linke in der verbalen Auseinandersetzung alles sein dürfen, obszön, beleidigend, pauschalisierend und verletzend. Sie dürfen übrigens auch knallrassistisch sein - ich zähle mittlerweile nicht mehr mit, wie häufig sich der "Welt"-Leitartikler Hannes Stein schon ganz offen das Aussterben des "weißen Mannes"oder auch "der Weißen" generell gewünscht hat.

Rechte hingegen - und das scheint auch die vorherrschende Binnenmeinung in einem relevanten Teil unseres eigenen Spektrums zu sein - sollen ihr Begehr immer in aseptisch reine Sprachbilder fassen und auch sonst so tun, als hätten sie gerade eine Butlerausbildung absolviert. Sonst - und das scheint ja ein Argument zu sein, dem wirklich niemand mehr widersprechen darf - schließen sich die Türen in die Mitte der Gesellschaft. Ich bin mir aber gar nicht so sicher, ob das wirklich stimmt - die 68er jedenfalls haben ihre Vorherrschaft über ganz andere Tugenden erreicht, nämlich eine knallharte Binnensolidarität und gerade auch über die bewußte Verletzung gewisser sprachlicher Normen.

Lotta Vorbeck

5. Januar 2018 20:30

@Monika L. - 05. Januar 2018 - 05:40 PM

Ihr habt Probleme. Zum morgigen Dreikönigstag stellt sich die Frage: Wer von den drei Königen war eigentlich der Schwarze? 

Liebe @Monika,

# hmmm, schwer zu sagen

# Sie machen einem die Antwort wirklich nicht leicht

# auch anhand dieses Bildes hier ganz schwierig zu entscheiden

Solution

5. Januar 2018 20:47

Gut daß Herr Poensgen hier einiges zurecht gerückt hat. Ich bekomme eine Sauwut über jene "nützlichen Idioten". Noch bevor die Liberalen und Linken jaulen, sind diese AfD-Wichte schon auf dem Posten, um die eigenen Leute zu kritisieren. Wenn die AfD unbedingt Teil des "Systems" (im Sinne von von Arnim) werden will, soll sie es. Aber ohne mich.

Stil-Blüte

5. Januar 2018 21:01

@ Monika L.

'Und warum laufen bei uns nur weiße Königinnen rum?'

2018 ändert sich da, zumindest im Bereich der Prinzen. da heiratet Harry seine Verlobte, die eine 'dunkelhäutige' Mutter und einen weißen Vater hat, der aber nicht ganz so passabel ist, weshalb statt des weißen Vaters die 'dunkelhäutige' Mutter  die Braut zum Altar führen dürfte. Halleluja! 

Selbstdenker

5. Januar 2018 21:10

Hansel gehört zum liberalen Flügel der AFD und zur Gruppieren AM. Da hat man nichts anderes erwarten können. Das schlimme bei diesen Leuten ist, dass diese meinen, dass sie die Absulution von den Medien erhalten. Sie begreifen nicht, dass Medien dieses Verhalten als Schwäche verstehen. Wie zu erwarten war, hat Dieter Stein auch seinen Senf  abgegeben und das ganze noch aufgebläht.

Diese Leute werden nie etwas wagen, sie werde nimmer versuchen ja nicht anzuecken. Sie sollten einfach einmal den Mund halten, dann wäre schon viel gewonnen.

Stresemann

5. Januar 2018 21:47

Ein Zitat aus Noah Beckers Interview, in dem dieser sich rassistisch (oder sollte man es "rassisch" nennen?) äußert:

"Im Vergleich zu London oder Paris ist Berlin eine weiße Stadt. Grüßt mich heute ein anderer schwarzer Mann, verhalte ich mich nach diesen diversen negativen Erlebnissen viel solidarischer mit meinen Brüdern."

Es gilt der alte Satz:

Quod licet Iovi non licet bovi...

Brettenbacher

5. Januar 2018 21:48

Versuchen'wrs mal auf diesem Niveau:

Wenn ein verbeulter alter Sack einen blühenden jungen Mann "Halbneger" nennt, dann gleicht sich da  etwas aus. Irgendwie. Wie genau, daß kann ich Ihnen jetzt auch nicht so genau sagen. 

(Das ist natürlich strukturell und keinesfalls persönlich zu verstehen.)

Der_Jürgen

5. Januar 2018 22:08

Nach seinem missglückten Artikel über Sakaaschwili hat Poensgen rasch wieder zu seiner alten Stärke zurückgefunden.  Jörg Meuthen war schon im Zusammenhang mit der Causa Gedeon unangenehm aufgefallen und gibt nun abermals Anlass zu Unzufriedenheit.

Ich hoffe, dass jene Feingeister, die nach dem gepfefferten Beitrag von Thor Kunkel ihrem Entsetzen über dessen hemdsärmeligen Stil beredten Ausdruck verliehen, nun eine schöpferische Pause einschalten werden.

Dem Hansel und anderen Hanswursten in der AFD kann man nur empfehlen, diese Partei zu verlassen und sich Bernd Luckes Loser-Riege anzuschliessen, die früher mal Alfa hiess; wie sie heute heisst, weiss ich nicht, und es ist auch nicht besonders wichtig.

nom de guerre

5. Januar 2018 22:33

Es ist also OK, jemanden als Halbneger zu bezeichnen, weil man damit ggf. Fünfzehnjährige beeindrucken kann? Wow, auf so eine Begründung muss man erstmal kommen! Wissen Sie, wenn ich gewählte Abgeordnete sehen will, die sich wie Fünfzehnjährige artikulieren, besuche ich eine öffentliche Sitzung vom Kinder- und Jugendparlament. Dort SIND die „Abgeordneten“ nämlich fünfzehn.

Noah Becker (dessen Existenz mir bis vor ein paar Tagen nur sehr vage bewusst war; wenn er also Aufmerksamkeit wollte, hat zumindest er sein Ziel jetzt erreicht) hat in diesem Interview, auf das Maier reagiert hat, unsägliches Zeug geredet (das konnte man übrigens auch anderswo als hier lesen), aber wieso jemand, der auf der politischen Bühne ernst genommen werden will, der Richter am Landgericht war, meint, sich damit in dieser Weise auseinandersetzen zu sollen, verstehe ich nicht. Sicher, man kann sich mal „verplappern“, aber man darf sich dann auch nicht über negative Reaktionen wundern. Auf das Noah Becker’sche Bedauern darüber, dass Berlin immer noch so eine „weiße Stadt“ sei, hätte man auch ganz anders, nämlich auf der Sachebene eingehen können. Ihn zum Beispiel fragen, ob er denn bspw. auch die hohe Kriminalitätsrate der französischen Banlieues für Berlin übernehmen möchte. Das hätte zwar vermutlich nicht in einen Tweet gepasst, aber man muss schließlich auch nicht alles über Twitter erörtern.

Simplicius Teutsch

6. Januar 2018 23:55

Die AfD wird sicherlich nicht gewählt (immerhin zuletzt sechs Millionen) wegen derer, die sich jetzt in opportunistischer Panik von Jens Maier abgrenzen.

Wenn Linke mit dem Plakat „Deutschland, du mieses Stück Scheiße!“ oder „Deutschland verrecke!“ öffentlich demonstrieren, oder wenn Pegida-Demonstranten vom SPD-Minister als „Pack“ oder die AfD-Weidel als „Nazi-Schlampe“ oder ausländische Chefs als „Ziegenficker“ beleidigt werden können, und selbiges in linken Kreisen noch als satirische Kunstform akzeptiert wird, dann frage ich mich, warum wir jetzt wegen einem frechen „kleinen Halbneger“ (was sachlich mindestens zur Hälfte richtig ist) so einen Selbstzerfleischungs-Zirkus (Ruf nach AfD-Ausschluss) in den rechten Reihen aufführen.

Der Gehenkte

7. Januar 2018 01:01

Ich bin mir nicht gänzlich sicher, ob ich Herrn Poensgen in diesem doch etwas wirren Beitrag folgen kann, aber er scheint sagen zu wollen, daß es erstens zu vermeiden sei, dummes Zeug zu reden und zweitens, wenn es denn passiert ist, diese Dummheit nicht mit Kritik zu bedenken.

Desweiteren glaubt er einen „bleibenden Schaden durch Selbstzerfleischung“ konstatieren zu können, was obiger Prämisse in gewisser Weise widerspricht, denn es findet da eine Umkehrung von Ursache und Wirkung statt, die sowohl die Realität verkennt, als auch den logischen Ansprüchen dieses Autors zuwiderläuft.

Sie verkennt die Realität, weil die „Zerfleischung“ so oder so kommt, von selbst oder fremd, mehr noch, sie dürfte sogar noch dramatischer sein, denn die Presse wird es genüßlich ausschlachten, sollte es niemanden geben, der sich in der AfD für seriöse Politik und Sprache stark macht. So kann man immerhin von Flügeln und Fraktionen sprechen und die Komplettverallgemeinerung umgehen. Die inneren Widersprüche dürften davon weniger tangiert sein – so etwas läuft subkutan ab; ein offenes Wort hilft eher, die Fronten zu klären –, aber das Bild nach außen wird nun mal von der linken Hegemonie bestimmt. Die kann man nicht durch alberne Tabubrüche erobern, sondern einzig und allein durch erzseriöse Arbeit, bessere Arbeit, als es die anderen tun.

In jugendkonformer Sprachen: Kein Tweet, kein Rabatz!

Gänzlich verstört mich Herrn Poensgens Theorem, daß man, um die Anziehungskraft zu erhöhen ein Deutschland schaffen müsse, „in dem man zum Beispiel auch in einer Großstadt kein Massenaufgebot der Polizei brauchte, um einigermaßen unbestohlen/unvergewaltigt/unermordet Silvester feiern zu können.“ – wieviele Menschen wurden noch mal an Silvester ermordet? Und nun der aberwitzige Schluß: „Wer glaubt, dies könne erreicht werden, ohne Vorurteile gegen diejenigen Bevölkerungsgruppen zu schüren, deren vermehrte Anwesenheit auf deutschem Gebiet solches unmöglich gemacht hat, ist ein Idiot.“

Man soll die Vorurteile schüren? Nun denn, ich gestehe es öffentlich und stolz ein: Ich bin ein Idiot!

Herr Poensgens weiß sicherlich, daß der Begriff des Idioten sich von ἰδιώτης herleitet, was eine Privatperson bezeichnet, die am politischen Leben bewußt nicht teilnahm, ein Selbstbewußter, ein Einzelgänger - Jünger hätte "Waldgänger" gesagt.

Ob unser deutsches Pejorativ direkt in dieser Linie steht, mag dahingestellt sein – wahrscheinlicher ist der Umweg Latein-Französisch-Englisch-Deutsch –, dennoch wurzelt der Begriff dort und wurde u.a. vom Cusaner geehrt, der den idiota gegen die realitätsfernen Scholastiker aufführte, vor allem aber ist der Fürst Myschkin, jener tragische sanfte Held Dostojewskis, mit diesem Titel bedacht worden und selbst Raskolnikow – ich meine nicht den echten, sondern nur den Dostojewskis –, ist eine Idioten-Gestalt. In diesem Sinne konnte Peter Sloterdijk von Jesus dem Idioten sprechen, Sartre in Flaubert den Idioten der Familie wahrnehmen und wir gehen sicher nicht fehl in Jüngers Clamor Ebling („Die Zwille“) diesen Typus verwirklicht zu sehen, und schließlich wollen wir – Stefan George nicht vergessen, der mehrere Idiotengestalten zu Helden machte („Drei weisen kennt vom dorf der blöde knabe“, was die englische Übersetzung wiedergibt: „three women wise the village idiot knows“ oder „Das Lied“) … keine schlechte Ahnenreihe.

Dieser Typ Idiot – ich muß es nicht betonen – kann mit „Vorurteile gegen diejenigen Bevölkerungsgruppen (zu) schüren, deren vermehrte Anwesenheit auf deutschem Gebiet solches unmöglich gemacht hat“ und der obigen Herleitung wahrlich nichts anfangen.

Ich war auch der Meinung, es sei Konsens hier, die wahren Gründe der Misere zu erkunden, und die findet man nicht bei den „Anwesenden“, sondern bei den idiotischen Vertretern der πολιτικὴ τέχνη und ihren Hintermännern und Handlangern …

Simplicius Teutsch

7. Januar 2018 01:58

Als braver, bundesdeutscher Michel war ich ebenfalls vom ECHO erschrocken und dachte zuerst, O je, das war aber ein unnötiger Schuss in den Ofen: Lieber Jens Maier, hättest du doch geschwiegen, dann wärst du jetzt nicht gemieden. Und es würden nicht alle (oder fast alle) auf dich eindreschen. Es tut schon weh, wenn man es nur mitansehen und anhören muss.

 Aber wie Herr Poensgen sagt: Es geht um die DISKURSHOHEIT im Staate. Und die kann man nicht erringen, wenn man nur intelligent schweigt oder akademisch politisch korrekt differenziert, was niemanden interessiert oder wirkungslos verpufft. Auf einen frechen antiweißen Hygiene-Rassismus (noch zu viele Weiße in Berlin!) hat der weiße AfD-Abgeordnete Jens Maier als Antwort einen läppischen Knallfrosch in der Besenkammer krachen lassen. Moralisch gescheites Niveau geht natürlich anders.

 Das ECHO erschüttert die AfD und nicht der herausfordernde Ausspruch: „Dem kleinen Halbneger scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären.“ Wo ist hier der angeblich so schlimme „Rassismus!“? Wenn anderseits die Deutschen als „Köterrasse“ beschimpft werden dürfen und ein türkischer Schmierenfink von unserer deutschen Regierung und ihren Verlautbarungsmedien als Held beklatscht wird, der schreibt: „Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite.“

Till Schneider

7. Januar 2018 03:06

"Was wäre eigentlich für ein Sturm im medialen Wasserglas entstanden, wenn statt Halbneger das Wort Halbweißer verwendet worden wäre?" (RMH, siehe oben)

Je länger ich drüber nachdenke, umso vorzüglicher finde ich diese Variante. Nur leider: Um darauf zu kommen, hätte Jens Maier ein wenig geistreicher sein müssen, als er es allem Anschein nach ist. Anyway, probieren wir's doch einfach mal aus! Noah Becker beklagt sich also über "zu viele Weiße" in Berlin, und Jens Maier twittert zurück:

Dem kleinen Halbweißen scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären.

Und? Funktioniert's so besser? Von mir ein dreifach donnerndes "aber hallo!" Man versuche mal, den Tugendwächter zu spielen und Maier für diese Aussage auseinanderzunehmen. Also ich schaffe es nicht. Wenn der Neger fehlt, dann fehlt völlig der Empörungskitzler, der Tugendflansch, der ... und dann erst: Halbweißer – da landet man doch auf dem Moral-Glatteis und schlägt sofort der Länge nach hin. Kein Angriffspunkt, nirgends! Der Halbweiße wäre in diesem  Tweet so was von raffiniert, gemein, mies, fies und abgefeimt gewesen, dass die Tugendwächter einen geistigen Kurzschluss erlitten hätten und komplett gelähmt gewesen wären. Ich jedenfalls bin fest davon überzeugt. Schade, dass dieser Maier nicht so weit ... der braucht einen Twitter-Berater, glaube ich.

Franz Bettinger

7. Januar 2018 03:36

@ Obi Wan Kenobi (19.06 Uhr): Wie recht Sie haben!

"Dass die Sache überhaupt diese Aufmerksamkeit bekam, liegt... an den Panik-Reaktionen aus der AfD." Stimmt, Herr Poensgen. Statt cool die Etymologie des Wortes Neger zu erklären und die Unterstellung einer Schmähung s(pr)achlich zu entkräften, wird ein Faux Pas eingestanden. Innerhalb der AfD stehen die Saubermänner den Realisten gegenüber, die erkannt haben, dass der politische Gegner uns nach jedem Sprung die Latte höher legen wird, endlos. Zeigen wir denen, dass wir kein Turnier-Pferd und schon gar kein Dressur-Pferd reiten, aber ein Schlachtross unterm Arsch haben, dem Hürden egal sind. Ein furchtloses Ross, das Hindernisse einfach niederreitet. Egal, was die Empfindsamen auf der Tribüne schreien, im Krieg schätzt die Bevölkerung Schlachtrösser. Das ist, was wir brauchen. Sonst werden wir in Schönheit sterben. Das letzte Schlachtross trug übrigens den Namen FJS. So schlecht war der nicht. Franz Josef Strauß holte immer satte Mehrheiten. "Die Tabus der Linken müssen fallen, und das geht nicht ohne Provokation." Bravo, Herr Poensgen, so sehe ich das auch. 

Es geht um Öffentlichkeit! Wenn das Staats-TV der Öffentlichkeit die klugen Reden der AfD-Opposition vorenthält, wenn der herrschende Clan den einzigen ernstzunehmenden Gegner totzuschweigen gedenkt, dann gilt der Spruch: "Wenn's so nicht geht, dann anders." Wenn Sachlichkeit nicht zum Erfolg führt, na dann: Auf sie mir Gebrüll. Die Grünen (denen ich Unseliger damals mit in den Sattel geholfen habe) die Grünen haben es mit großem Erfolg in den 1980-ern vorgemacht. Und von den Grünen lernen, heißt siegen lernen. (Sorry.)

Den Rassismus-Spieß Noah Beckers, dem Berlin zu weiß ist, umdrehen? Herr Poensgen, das geht erst JETZT, nachdem Herr Mayer die Soße so wunderbar angerührt hat. Insofern läuft mE Ihre Kritik an dem ehemaligen Richter ins Leere. Erst muss der Vulkan Feuer spucken, erst müssen die Leute aufmerksam werden, dann, ja dann erst kann man ihnen vielleicht etwas von den Kräften des Erdinneren vermitteln.

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