Sezession
1. April 2006

Multikulti konsequent: gated communities

Gastbeitrag

pdf der Druckfassung aus Sezession 13/April 2006

sez_nr_13von Arne M. Schemmerling

In den USA herrscht von jeher und entgegen ihrer Selbstdarstellung als melting pot eine ausgeprägte ethnische und soziale Segregation vor. Diese manifestiert sich vor allem in der Bildung von Ghettos (synonym auch Slums, Favelas oder no go areas), den heruntergekommenen Vierteln der Schwarzen, Puertoricaner und Latinos. In der Geschichte der amerikanischen Großstädte sind derartige Zustände nichts wirklich Neues. So lebten schon 1895 bis zu 24 Prozent der Einwohner New Yorks in als Slums bezeichneten Gebieten. Die heutigen, von Gewaltkriminalität, Bandenkriegen und Drogensucht geprägten Schwarzenghettos entstanden aber erst in den 1960er Jahren, als den Schwarzen per Bürgerrechtsgesetzen die Freizügigkeit gestattet wurde, woraufhin sich deren Oberschicht in die weiß besiedelten Vororte absetzte. Die zurückbleibenden Unterschichten hatten in der Folge mit dem Anwachsen der Kriminalitätsraten, dem sozialen Niedergang, dem Verfall von Bausubstanz und städtischer Infrastruktur zu kämpfen. Im berüchtigten Ghetto Compton/Los Angeles sind in den Bandenkriegen der letzten fünfzehn Jahre etwa zehntausend Jugendliche umgekommen. Komplementär zur Konzentration der Unterschichten in diesen Stadtvierteln steht die Abschottung der zumeist weißen Mittel- und Oberschicht in geschlossenen und bewachten privaten Wohnanlagen mit eingeschränktem Zugangsrecht, den sogenannten gated communities.

Schon um die vorige Jahrhundertwende begann in einer ersten Suburbanisierungswelle der Exodus der Oberschicht aus den Zentren der Großstädte, besonders im Nordosten der USA, wo die von der Industrie angelockten Nachkommen der ehemaligen Sklaven aus den Südstaaten nachrückten. Edgar Rice Burroughs (1876–1950), Autor der ersten Tarzan-Geschichten, erwarb 1919 ein über zwanzig Quadratkilometer großes Anwesen bei San Fernando Valley und gründete dort, nicht zuletzt als Reaktion auf die Anwesenheit der Schwarzen in den Großstädten, die ursprünglich rein weiße und noch heute bestehende Siedlung Tarzana. In den 1930er und 40er Jahren begannen sich auch viele Hollywood-Größen mit Mauern und Toren von ihrer Umgebung abzuschotten. In den 60er und 70er Jahren entstanden die ersten geschlossenen Rentnersiedlungen, die sogenannten suncities in Südkalifornien. Leisure World, eine der bekanntesten Siedlungen, wurde in den letzten Jahren als selbstverwaltete Stadt anerkannt. Im Zuge der Kritik an der modernen amerikanischen Stadtentwicklung kam es zu einer new urbanism genannten Bewegung, die auf das Vorbild der traditionellen europäischen Stadt des 18. und 19. Jahrhunderts rekurrierte. Ein erfolgreiches Beispiel dieser Bewegung und zugleich Meilenstein in der Entwicklung von gated communities war 1980 die Errichtung des städtebaulich-architektonisch am Vorbild viktorianischer Badeorte orientierten Seaside in Florida. Ursprünglich als Ferienkolonie und nicht als dauerhafter Wohnort geplant, war diese Anlage gewissermaßen die Neuerfindung der amerikanischen Kleinstadt und diente als Muster für weitere größere Projekte.


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