Zwei oder drei Dinge, über die ich Näheres weiß

Nicht wundern! Wir lassen unser Netz-Tagebuch auslaufen...

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

der­zeit, weil wir am Frei­tag auf belast­ba­re­re Struk­tu­ren umsat­teln. Bis dahin noch etwas zu drei Dingen:

1. CSU-Mann Alex­an­der Dob­rindt hat in einem Bei­trag für die Welt von einer “bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ve Wen­de” geschrie­ben und sogar eine “kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on der Bür­ger” gefor­dert. Er hat dafür zurecht Prü­gel bezo­gen – man kann einen so sehr mit dem anti­li­be­ra­len Affekt Armin Moh­lers ver­knüpf­ten, ver­zwei­felt von Links bekämpf­ten und inhalt­lich schil­lern­den Begriff nicht ein­fach neu auf­la­den und für ein CSU-Pro­gramm in Dienst stel­len.

Dob­rindt meint viel­leicht eine Rück­kehr der Wirk­lich­keits­be­schrei­bung dort­hin, wo nor­ma­le Leu­te nor­mal leben und vom gro­ßen Fir­le­fanz und Abge­sang nicht all­zu­viel mit­be­kom­men – der­lei gibt es in Bay­ern wohl noch. Er mein­te aber sicher­lich nicht das, was wir vor ein paar Jah­ren in unse­rem The­men­heft “Kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on” auf­ge­blät­tert haben. Man kann es hier in Gän­ze ein­se­hen.

Und weil man mich per­sön­lich in der Pres­se als einen der geis­ti­gen Erben Moh­lers nann­te, mit­hin der posi­ti­ven KR-Anknüp­fung zieh und mit Dob­rindts for­schem Vor­stoß in Ver­bin­dung brach­te, emp­feh­le ich aus besag­ter 44. Sezes­si­on mei­nen eige­nen Text über die “Strahl­kraft der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on” der Lek­tü­re. Man weiß danach bes­ser, wo es nicht herkommt.

– – –

2. In der taz von ges­tern geht es um den schma­len, nicht unin­ter­es­san­ten Erst­lings­ro­man des Soh­nes von Botho Strauß, der seit Som­mer vor­liegt. Die­se Sie­ben Näch­te sei­en ein “mann­haf­tes Gerau­ne”, es kom­me irgend­wie an, tref­fe auf eine Leer­stel­le, ein Vaku­um, schreibt die taz, und als mir Kositza das Buch im Auto auf einer Fahrt nach Ser­bi­en vor­las, dach­ten wir uns: Ziem­lich zahm, hört meist dort auf, wo’s anfängt, aber für’s deut­sche Feuil­le­ton wird’s reichen.

In der Tat: Man liest dort, wo die Not der Not­lo­sig­keit herrscht, Sie­ben Näch­te als „lei­den­schaft­li­ches, angst­frei­es, tra­di­ti­onstrun­ke­nes, zukunfts­gie­ri­ges Kampf­buch gegen die Abge­klärt­heit“ und als „ein Mani­fest für mehr Mut zum Pathos, für Sinn­lich­keit, Offen­heit, Begeis­te­rung, Geg­ner­schaft, Streit und Tränen“.

Der taz-Schrei­ber war­tet nun mit einer Pra­li­ne auf: Simon Strauß war in Ber­lin über Jah­re Teil eines “Jun­gen Salons”, den er mit ande­ren jun­gen Publi­zis­ten, Künst­lern, Ver­le­gern, Unter­neh­mern und Dan­dys führ­te – und es stimmt: Kositza und ich waren dort ein­mal zu Gast, waren ein­ge­la­den, um unse­re Sicht auf die Din­ge vorzutragen.

Ich habe dar­über dann aus­führ­lich geschrie­ben, und das nah­men mir die Betrei­ber des “Jun­gen Salons” so übel, damals, daß der Kon­takt bei­na­he ganz abge­bro­chen ist. Ich war aber so kon­ster­niert und zugleich so auf­ge­la­den von Leif Rants just erschie­ne­nen Roman Pla­net Magnon, daß ich “Post­prag­ma­tis­mus oder: im Jun­gen Salon” qua­si noch auf der Rück­fahrt skiz­zier­te. Hier kann man den Text nach­le­sen, und eben­so wie der über “Die Strahl­kraft der KR” ist er in mei­nem Buch Die Spur­brei­te des schma­len Grats abgedruckt.

– – –

3. Die in Ungarn für Ende Janu­ar anbe­raum­te Kon­fe­renz “Die Zukunft Euro­pas” ist tat­säch­lich in den Mai ver­scho­ben wor­den. Zu inten­siv waren die oppo­si­tio­nel­len und aus­län­di­schen Inter­ven­tio­nen gegen unter ande­rem mei­nen Vor­trag über “Das Migra­ti­ons­pro­blem. Fra­ge­stel­lung, Epo­chen­wech­sel, Chan­ce – 10 The­sen”. Die Kon­fe­renz ist für den Mai neu ange­setzt. Wie so oft ist nun das “Ob über­haupt” bei­na­he inter­es­san­ter als die Inhal­te, die dann hof­fent­lich zu Gehör gebracht wer­den kön­nen. An sol­chen Säu­men zeigt sich die Into­le­ranz der Tole­ran­ten, wird die Mei­nungs­äu­ße­rungs­mög­lich­keit ver­mes­sen. Wir – auf Mes­sers Schnei­de unter­wegs, um Nor­ma­li­tät her­zu­stel­len: So muß­te es kommen.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

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Kommentare (11)

Maiordomus

10. Januar 2018 08:37

"Näheres zu wissen", was man Kubitschek nicht leicht absprechen kann, müsste bei Sezession, wo offenbar wieder eine Reorganisationsphase in Sachen online fällig ist, auch in Zukunft das Motto sein. Die geistige Situation wird nicht einfacher werden. Soeben habe ich vernommen, dass in Leipzig rechte Verlage zu "Tätern" erklärt werden. Das scheint mir in der Tat, wiewohl ich mit Nazivergleichen meine liebe Mühe habe, Goebbels-Niveau nahe zu kommen und in dieser Wortwahl auch die ideologische Basis der Unterdrückung der Geistesfreiheit im Kommunismus. Im Allgemeinen herrscht, bis hinauf an die Hochschulen und selbst in einem angeblichen Weltblatt wie der Neuen Zürcher Zeitung Analphabeten-Niveau, wenn es um die Analyse der deutschen Rechten geht, siehe den Hetz-Artikel des mehr als unbedarften Benedict Neff in der Neuen Zürcher Zeitung dieser Tage gegen Björn Höcke. Das Schlimme ist aus meiner Sicht unter anderem, dass mit läppischem und ignorantem Nazi-Geschrei die durchaus nötige wirkliche Auseinandersetzung, auch die kritische, verfehlt wird. Die pauschalen Hetzer haben in der Regel keine Ahnung von den Verwerfungen und Perspektiven in der zurecht nicht unumstrittenen Tradition der Konservativen Revolution und kennen Sieferles Bücher etwa so "gut" wie weiland Herwig Münkler, letzterer stehen geblieben im 30jährigen Krieg, zu schweigen von den einstigen Heften von "Criticon" und den heutigen von "Sezession". Warum nicht auch mal zugeben, dass es auf der Rechten, leider alles andere als flächendeckend, wirkliche Intelligenz gibt und auf der insbesondere angepassten Mainstream-Linken die Dummheit derjenigen, die aus dummem Machtbewusstsein heraus schlicht und einfach die Diskurshoheit diktieren? Dabei müssten doch auch bei  Rechten politische und intellektuelle Kinderkrankheiten angemahnt werden, nicht zuletzt ein verbohrtes rechthaberisches Verlieren der Proportionalität bis hin zur politischen Verzweiflung. Auch hat nicht jeder, der sich als Denker gebärdet, das Zeug zum Polit-Strategen, eher, wenn schon, zum Chefideologen, wonach jedoch kein Bedarf besteht. Noch sinnvoll, zumindest theoretisch, finde ich die Debatte über den Gesichtspunkt "Gewerkschaft" in Abgrenzung zu Partei, weil man sich tatsächlich stärker mit den Nettozahlern und Ausgebeuteten des globalistischen Systems beschäftigen sollte, wiewohl es eine Illusion sein dürfte, AfD-nahe Betriebsräte zu installieren. Bei der geistigen Auseinandersetzung um die Nöte der Zeit  bleibt nicht das häufige Zitieren von Carl Schmitt und Ernst Jünger vorrangig, eher schon das Aufzeigen des Unterschiedes zwischen der Betonung von Souveränität in Sachen Grenzen, Zuwanderungsbeschränkung usw. im Vergleich zu rein nationalistischen Ideologemen, in die man sich verrennen kann. Über politische Prinzipien wie auch über das real Machbare jenseits von Illusionen wie es wäre, wenn "wir" die Macht hätten, müsste im Sinne einer Selbstkritik der Demokratie noch eine besser qualifizierte Orientierung gewonnen werden. Krass fehlt bei vielen deutschen Rechten die praktische politische Erfahrung, nicht zu unterschätzen beim Problemlösen auf kommunaler und gesellschaftlicher Ebene. Kubitscheks "Mein geduld hat ursach" scheint mir derzeit ein noch angemesseneres Motto zu sein als die gelegentlich auch beim Pazifisten Reinhold Schneider zitierte Losung der katholischen Mystikerin Franziska von Chantal aus dem Umfeld des heiligen Franz von Sales "Et si omnes ego non".    

RMH

10. Januar 2018 11:03

Der Artikel aus der taz zeigt exemplarisch, dass die Linken keinerlei echtes intellektuelles Potential zur Auseinandersetzung mit einem literarischen Werk mehr haben, wie sie auch sonst argumentativ ausgebrannt sind. Das einzige, was noch geht, ist eine miese, kleine Denunziation verbunden mit Namedropping.

Ziemlich billig, aber auch verständlich, wenn man zum Steigbügelhalter mit angeschlossenen Schlägertruppen für den Kapitalismus geworden ist, fehlen eben die schlüssigen Argumente. Und antiglobalistisch ist die Rechte mittlerweile schon länger und mittlerweile auch glaubwürdiger, da nach Jahrzehnten der Opposition und Machtlosigkeit sie nicht mehr so korrumpiert da steht, wie einstmals in den Jahrhunderten vor dem 21. Die echte intellektuelle Linke findet daher in größeren publizistischen Organen faktisch nicht mehr statt oder hat in kleineren Teilen bereits rüber gemacht zu den Rechten, die bei diesen Impulsen aber vorsichtig sein sollten. Man kennt das mögliche Amalgam aus Links und Rechts nur zu gut. Der Liberalismus ist hingegen die einzige Braut, die mit beiden kann und beide verbessert. Ohne Verbindung mit rechts oder links ist der Liberalismus hingegen fruchtlos und seinerseits nur der Steigbügelhalter des globalen Kapitals.

 

S.J.

10. Januar 2018 11:28

Ich sehe Dobrindts Vorstoß mit Freude. Dass Götz Kubitschek und Alexander Dobrindt nicht die gleichen Vorstellungen von einer "bürgerlich-konservativen Wende" haben, sollte bei genauerem Hinsehen auffallen. Allein, woran liegt es denn wohl, dass eine Nähe zwischen diesen ungleichen Persönlichkeiten vermutet wird (wogegen sich Götz Kubitschek beinahe entrüstet verwehrt)? Die Antwort ist leicht zu geben. Es stößt eben sauer auf, wenn politische Prominenz heutzutage mit diesen Vokabeln auf den Markt drängt. Der Zeitgeist ist links und Kritik an der Dominanz des linken Lagers sorgt für die bekannten Reaktionen. Dabei sollte man über jede Stimme froh sein; erst recht, wenn sie innerhalb der Altparteienriege zu vernehmen ist. So wird es langsam salonfähig, anders zu denken und womöglich auch beizeiten zu handeln, als es in der medienkontrollierten Öffentlichkeit erwartet wird. Das ist die besagte metapolitische Knochenarbeit. Was nun die genaue Bedeutung der (intellektuell zu begreifenden) "konservativen Revolution" anbelangt, so wird man nicht umhin kommen festzustellen, dass dafür zurzeit das Personal fehlt. 

Ein gebürtiger Hesse

10. Januar 2018 11:51

Meine Güte, wie gut die KR-Nummer doch ist. Mit der Zeit ergeht es den älteren Sezessions-Heften immer öfters wie Klassikern der Weltliteratur, die da im Schrank stehen: man weiß um Ihre Exzellenz, liest sie aber zu selten wieder. So gesehen war das Geschwätz des Tartüffs Dobrindt doch zu was wert: nämlich zu der erneuten Vergegenwärtigung dessen, worum es der KR eigentlich ging (und geht - das historische Präsenz ist hier die gemäßeste Zeitform). Merci an GK, der den Finger wieder an die Quelle legt.

Selbstdenker

10. Januar 2018 13:49

Das Dobrindt eine "Konservative Revolution " ausfruft zeigt, die Verlogenheit dieser ganze Truppe. Er, der doch Merkel ständig am Rockzipfel hängt und fragt, Madame, wie hätten sie es den gerne. Im Herbst sind Landtagswahlen, da muss natürlich ordentlich ins Horn gestossen werden. Nur soviel dazu.

Gustav Grambauer

10. Januar 2018 14:25

Rüdiger Sünner feiert gerade Dorothee Sölle als "Große Geheime Mystikerin Europas" (na, immerhin nicht Uta Ranke-Heinemann oder Margot Käßmann!):

https://www.europa-verlag.com/buecher/geheimes-europa/

Und etwa auf dem Niveau schlägt auch Dobrindten`s Klein-Alexander, dem die Infantilität in den Gesichtszügen eingeschrieben ist, als Repräsentant des Geheimen Deutschland ein neues Kapitel der politischen Geistesgeschichte auf. Meisterlich synthetisiert er Schillers Anspruch

  "Höhern Sieg hat der errungen, 

  Der der Wahrheit Blitz geschwungen, 

  Der die Geister selbst befreit. 

  Freiheit der Vernunft erfechten 

  Heißt für alle Völker rechten, 

  Gilt für alle ewge Zeit."

sowie den Ausdruck seiner tiefen, tiefen Sorge um die Zukunft des Abendlands mit der berühmten CSU-Hinterzimmertaktik, mit seiner eindrucksvollen Profilneurose und mit der sprichwörtlichen Rache der Enterbten. Zu wahrer Titanengröße gelangt er in seiner Diskretion darüber, welche Verheerungen seine eigene Partei anfangs nur als als CIA-Stiefellecker-Verein und zunehmend als verkappte kulturmarxistische Kampfformation sui generis an der Seite der 68er über Jahrzehnte angrichtet hat.

Nein, es ist eine Plastik-Proxy-Pseudo-Welt, in den 60er Jahren hätte man sogar nicht ohne Stolz gesagt: Retorten-Welt. Nicht nur ist der Champagner-Plastikbecher-Pöbel vor dem Public-Viewing-XXXXXL-Flachbildschirm auf dem Classic Open Air Event mit Rieu oder Garrett die nackte Pseudo-Kultur. Nahezu alles ist Pseudo: Pseudo-Souveränität, Pseudo-Staat, Pseudo-Demokratie, Pseudo-Grundrechte, Pseudo-Verfassung, Pseudo-Verfassungsgerichte, Pseudo-Verfassungsschutz, Pseudo-Bundeswehr, Pseudo-Personenstandsrecht, Pseudo-Eigentumsverhältnisse, Pseudo-Währung, Pseudo-Geldscheine, Pseudo-Bankkonten, Pseudo-Staatshaushalte, Pseudo-Gerichte, Pseudo-Gerichtsurteile, Pseudo-Gerichtvollzieher, Pseudo-Geschichtsschreibung, Pseudo-Kirchen, Pseudo-Seelsorger, übrigens haben wir es auch mit einer Pseudo-Merkel (sie hat den - angeblichen - "Fehler" nicht zu Protokoll berichtigen lassen, nur wieder mal die Öffentlichkeit eingeseift:)

https://www.focus.de/politik/videos/nsa-untersuchungsausschuss-ungewoehnlicher-fauxpas-als-sie-ihren-namen-nennt-sorgt-merkel-fuer-verwirrung_id_6658545.html

und jetzt haben wir eben eben folgerichtig "staats"-offiziell zertifiziert Pseudo-Konservatismus. Das Wort Cuck gibt es schon länger. 

- G. G.

Hartwig aus LG8

10. Januar 2018 14:55

Ich habe gerade in einem anderen Zusammenhang einen Vergleich zwischen der patriotischen Bewegung und der grünen Bewegung angestellt. Zusammenfassend: Die Erfolge der Grünen waren nie Wahlerfolge (knapp 11 Prozent bei der BTW 2009 war das Höchste, sonst immer einstellig). Mehrheitsfähig waren die Grünen nie. Der Erfolg der Grünen war u.a. auf das Weichklopfen der gesamten politischen Landschaft und das Implementieren ihrer Idee durch permanentes provokatives Voranstürmen geschuldet. Die Umsetzung grüner Ideen in reale Politik wurde von den Volksparteien geleistet.

Kann sich noch jemand an den Einzug der Grünen in den 1983er Bundestag erinnern? Die Strick-Liesels, die Sandalenträger und die Sonnenblumen auf den Pulten. Wen interessiert da noch das "bessere Argument"? Man stelle sich mal eine AfD-Fraktion im Plenarsaal vor, die sich für einen Sitzungstag komplett in Camouflage kleiden würde, mit einem adaptierten Bundesgrenzschutz-Emblem an der linken Schulter. Das wäre eine Nummer! Oder ein AfD-Redner legt mal die komplette Montur eines Einsatzpolizisten an …

Es wird die Aufgabe der NR, der AfD und aller patriotischen Kräfte sein, sich am Beispiel der Grünen zu orientieren. Provokante Begriffe gehören in den öffentlichen Raum, stets und ständig wiederholt. Die Aufgabe sollte nicht sein, im gegenwärtigen politischen Klima mehrheitsfähig zu werden. Im Gegenteil: Das politische Klima muss verändert werden ... auch durch Verrücktheiten, Anmaßungen, Bosheiten, Absurditäten, Illusionen und vermeindlich abwegige Forderungen ...   Ob  damit mehr Mandate errungen werden, ist nebensächlich. Meine Prognose: Wenn überhaupt, dann wird die Umsetzung rechter Ziele durch die Volksparteien erfolgen.

Maiordomus

10. Januar 2018 16:35

@Grambauer. Sölle hatte nicht als Mystikerin, aber als Schriftstellerin, die mit Mystik was anfangen konnte, noch was drauf. "Das Recht ein anderer zu werden" ist ein Büchlein von ihr, worüber ich ausgerechnet mal in einem Seminar über Politische Theologie, Begriff von Carl Schmitt, als Student ein Referat hielt. Auf Ranke-Heinemann setzte man ursprünglich illusionäre Hoffnungen. 

Cacatum non est pictum

10. Januar 2018 17:32

Kubitscheks Grundlagentext über die Konservative Revolution ist gelungen. Er verdeutlicht noch einmal den fundamentalen Unterschied zwischen dem Pathos und Siegeswillen der damaligen Rechten und dem kümmerlich-zaghaften, ja in Teilen unterwürfigen Auftreten ihrer heutigen Epigonen. Und natürlich stimmt auch die Einschätzung, daß es damals noch reichlich nationale Substanz gab, um deren Formung sich Sozialisten und Nationalisten stritten, während wir heute lediglich versuchen können, wenigstens die letzten Reste an Selbstbestimmung vor dem Absterben zu retten.

Ein CSU-Politiker hat gewiß nicht das Recht, sich ins Fahrwasser der damaligen Geistesgrößen zu begeben, zumal Dobrindt selbstverständlich nur Nebelkerzen abschießt. Die Unionsparteien sind meines Erachtens nie etwas anderes gewesen als die Zerstörer Deutschlands von rechts. Sie haben komplementär zu den Linksparteien gewirkt, und beide Seiten haben stets mit viel Tamtam aufeinander eingeschlagen, während sie die verbliebene Substanz nach und nach gemeinsam aufzehrten. Die AfD wird gerade als neues Gewicht auf der rechten Seite verankert, um das Gebilde stabil zu halten. Den nationalen Ruin wird das nicht aufhalten. Anders als Hartwig aus LG8 glaube ich nicht daran, daß eine Befreiung aus der Misere in den Parlamenten erfolgen wird. Um es mit Adorno zu sagen: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Die klugen Köpfe der KR wußten das.

Stil-Blüte

10. Januar 2018 20:08

CSU, Sölle, Schiller, Plastik-Proxy-Pseudo-Welt in den 60er Jahren, Dobrinth, Gewerkschaft, Tartüff, Herwerk Münckler... - das alles addiert, deskriptiv, eine Unterordnung. Liebe Leute, ist das noch zu 'schaffen'? 

Auch bei SiN begegnet mir mehr und mehr, ich (ver-)mag es nur bildlich auszudrücken: Alles in Einem: Rinnsal, Bach, See, Strom, Talsperre, Hochwasser, Rheinfall, Delta, Meer, Dammbruch, Kanal - letztendlich alles im Durcheinander. Und dann noch der rege Regen der Kommentare.

Ich mochte es nicht, als Martin Lichtmess seinen Beiträgen einstmals ein deutliches Stop 'o. T. 'gebot.

Doch:  Er hatte Recht: 'Ordnung muss sein.' 

Franz Bettinger

11. Januar 2018 00:41

@Hartwig: Sie haben völlig recht. Ich habe Ihren hervorragenden Kommentar ein wenig abgeändert. @Kositza wird's vermutlich löschen; na, ein Versuch ist's wert:

Die grüne Idee war damals gut, sie war wahr, sie hat gezündet, wie alle wahren Ideen über kurz oder lang zünden. Die Grünen von damals: Strickende Buben mit Kaffee-Wärmern auf'm Kopf, Barfuß-Läufer und Turnschuh-Träger, die Hippie-Mädchen in durchsichtigen Blusen und mit Sonnenblumen im Haar.

Man stelle sich eine AfD-Fraktion im Plenum vor, die sich für einen Sitzungstag komplett in Camouflage kleidet, in Fantasie-Uniformen der Polizei oder des Bundesgrenzschutzes. Weidel tritt im martialischen Outfit ans Rednerpult. "Das ziehen Sie sofort aus!" fordert Schäuble. Zu seiner und aller Überraschung gehorcht die Weidel und beginnt sich auszuziehen, erst die Schirmmütze, dann die Beamten-Jacke. Das Plenum johlt "da capo!" Alice beginnt souverän und lächelnd, ihren Schlips aufzudröseln. "Herr Bundestagspräsident? Wie weit?" Schäuble grinst und sagt Kopf-schüttelnd: "Es reicht." Das wäre eine Nummer!