Sezession
14. Januar 2018

Wer hat Angst vor welchem Mann?

Ellen Kositza / 35 Kommentare

Von „Angstbürgern“ sprach der SPIEGEL zu PEGIDA-Hochzeiten. Man meinte die „Rechten“.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Um die Motivationen des umfassenden und heterogenen neuen Protestmilieus zu ergründen, wurden von „Experten“ immer wieder die „diffusen Ängste“ bemüht, und denen die Widerständler angeblich litten.

Nur, die Sache verhält sich offenkundig grad seitenverkehrt. DIE haben Angst. DIE stricken sich daraus ihren polymorphen Untergang des Abendlandes! Ein paar „künstlerische“ Belege, die ich dieser Tage zusammentrug:

  • Ein Autor namens Ulf. T. Swidler (der Publikumsverlag stellt ihn kurz&knapp vor; besonders wichtig erscheint, daß der Autor geborener Tobinsky ist und nach seiner Hochzeit den Namen seiner Frau angenommen hat) wird im Februar seinen neuen Thriller Roh präsentieren: Es geht um „christlich-fundamentalistischen“ Terrorismus (in Köln!). Die international agierende Terrorgruppe will mit ihren Taten (die freilich zunächst Moslems in die Schuhe geschoben werden) einen „weltweiten Kreuzzug gegen den Islam provozieren“. Verlagswerbung („Spitzentitel!“): "Ein erschreckendes Albtraumszenario, das angesichts des weltweiten Aufschwungs rechtspopulistischer Kräfte schon bald Realität werden könnte.“
  • Ebenfalls im Februar wird das erste deutsche Staatsfernsehen einen Film „Aufbruch ins Ungewisse“ zeigen. Der Streifen spielt in der „nahen Zukunft“: „Europa ist im Chaos versunken. Rechtsextreme haben in vielen Ländern die Macht übernommen. Aus dem demokratischen Staat, der Deutschland einmal war, ist ein totalitäres System geworden, das Andersdenkende, Muslime und Homosexuelle verfolgt. Jan Schneider (Fabian Busch) hat sich als Anwalt auf die Seite enteigneter Opfer gestellt. Als er erfährt, dass ihn das Regime erneut ins Gefängnis stecken will, beschließt er zu fliehen.“
  • Die Angst vor einer blutigen Machtübernahme der Rechten wird besonders gern in Jugendbüchern geschürt. Ein aktuelles Beipiel wäre Anschlag von rechts von Reiner Engelmann (mit solchem Namen ist man natürlich begnadet): Hier terrorisieren rechte Asoziale junge Flüchtlinge. Das liest sich so:

"Deutsches Land, deutsche Natur, durchwandert von deutschen Männern.“ Mit diesen Worten begann einer der Teilnehmer nach dem Essen eine kurze Rede. »Wir wollen dieses Land sauber halten. Erinnert euch an diese Natur, an die klare Luft! Noch nicht verpestet von jenen, die nicht hierhergehören. Hier ist die Natur noch rein und so soll sie auch bleiben, Kameraden!«

Lauter Beifall.

»Ich freue mich, ein paar neue Gesichter zu sehen. Das ist gut! Auf euch kommt es an! Jeder, der bei uns im Aktionsbündnis Hermannsland mitmacht, ist mehr Wert [!] als ein vertrottelter Wähler, der alle vier Jahre bei irgendeiner Partei sein Kreuz macht!«

Wieder tosender Beifall.

Very simple.

  • Oder so: bei Martin Schäuble, der für seinen (auch literarisch) äußerst dürftigen Jugendroman Endland wahre Elogen von der Hauptstrompresse einfuhr. Es geht um Anton. Er bewacht die Grenzmauer, die Deutschland umschließt. Er ist begeistert von der Nationalen Alternative, der neuen Regierungspartei, und vom Selbstbewusstsein seines Landes. Anton soll zum Attentäter werden. Wenn das nicht das  attraktive Flüchtlingsmädchen aus Äthiopien wäre, und sein, Antons, kluger, linker Freund…" Die Rezensenten überschlugen sich vor Angstfreude, nur ein Beispiel:

„Eine düstere Zukunftsvision, ein hochaktuelles Gesellschaftsdrama … Martin Schäuble (…) weiß wirklich, wovon er da schreibt. Das macht dieses Buch so handfest, so glaubhaft, so erschreckend bedrohlich.“ Ingrid Müller-Münch, WDR 5 Scala, 07.08.17

  • Oder, ebenfalls als Neue Angstlektüre auf dem Buchmarkt erschienen, Der Schuss von Christian Linker (hat studiert: gemäß Deutschlandfunk nämlich: „Jugendpolitik“). Der 17-jährige Robin wird in seinem Wohnblock Zeuge des Mords an einem Anhänger der rechtsgerichteten »Deutschen Alternativen Partei«, deren Anführer Fred Kuschinski ein Kindheitsfreund von Robin ist. Die Rechten schieben den Mord dem sogenannten »Intensivtäter« Hakan Topal in die Schuhe und nutzen die Bluttat, um Fremdenhass und Ängste zu schüren. Eine begeisterte Angstleserin hat die Message voll begriffen und urteilt auf amazon.de [hier unkorrigiert, EK]:

Hauptsächtlich geht es hier um den Fremdenhass und den Rassismus. Egal ob gegen Türken, Araber oder Afrikaner. Jeder bekommt hier sein Stempel aufgedrückt. […]Generell ein Buch was zum nachdenken anregt, vor allem aber auch in der heutigen Zeit wo wir durch Parteien, Terror, Krisen und Rassismus alles selber mitbekommen. Politik geht einfach jeden etwas an. Ich finde das Buch würde sich sehr gut als Schullektüre eigen, da man auch sieht wohin alles führen kann.

Ergänze: Also optimal, um eigene Ängste zu optimieren!

  • Ob Fatih Akins soeben in Übersee ausgezeichneter Film Aus dem Nichts in die Kategorie „Ängste bedienen“ fällt, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls war Akin von der ZEIT skeptisch befragt worden, warum er die Opferrolle eigentlich ausgerechnet mit einer Blondblauen (Diane Kruger, eigentlich: Heidkrüger) besetzt habe.

Akin: "Mir hat das Bild gefallen: Eine blonde Deutsche, eine Arierin wie aus einem Leni-Riefenstahl-Film, legt sich mit Nazis an. Arisch gegen völkisch."

Interessant eigentlich, daß man „Arierin“ noch „sagen darf“. Merke: Niggaz etc. pp. ist als Selbstbezeichnung (im Rap etc.) okay bis cool, als Fremdbezeichnung ist aber sogar der zivilisierte, strikt lateinischer „Neger“ Totaltabu.

„Arisch“ hingegen – läuft anscheinend? Mir schien bislang immer, der „Arier“ stehe historisch deutlich mehr im Verschiß als der „Neger“. Habe kapiert: „Neger“ und ärgeres darf nur der Betroffene sagen. „Arier“ hingegen dürfte als Selbstbezeichnung obsolet sein. Volkshochschulen Deutschlands, wo bleiben Eure Kurse in „Angstfrei sprechen“?


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (35)

nom de guerre
14. Januar 2018 10:22

Solcherart Angst-vor-dem-Rechtsruck-Jugendliteratur gab es schon mal in den 90ern – so z.B. anno 1993 „Der Schlund“ (https://www.amazon.de/Schlund-Jugendliteratur-12-Jahre/dp/3473351369/ref=tmm_hrd_title_0?_encoding=UTF8&qid=1515924350&sr=8-2) von der in jeder Hinsicht unnachahmlichen Gudrun Pausewang. Unnötig zu erwähnen, dass die von der Autorin als Schreckensvision an die Wand gemalte gesellschaftliche Entwicklung in keiner Weise eingetreten ist.

Teufel
14. Januar 2018 11:00

"... als Fremdbezeichnung ist aber sogar der zivilisierte, strikt lateinischer „Neger“ Totaltabu."

"Neger" hat eben eine inhärent negative Konnotation, die versucht wird, zu umgehen, indem man immer wieder neue Worte dafür findet. Es bleibt in der Verwendung jedoch etwas, was als beleidigend aufgenommen wird. "Arier" hingegen duerfte mindestens auf unbewusster Ebene mit positiven Dingen assoziiert sein, weswegen die Umdeutungsversuche auch nicht funktionieren.

Hartkeks
14. Januar 2018 11:20

Letztes Wochenende, seit 7 Jahren mal wieder in Frankfurt. Gemütlich durch Griesheim geschlendert. Realität aufsaugend.
Wer dort nicht, zumindestens vorübergehend, von absoluter Hoffnungslosigkeit befallen wird, der hat den Ermst der Lage noch nicht einmal im Ansatz begriffen.

Gruss Hartkeks

Der_Juergen
14. Januar 2018 12:27

Den nervenzermürbendsten aller antirechten Thriller hat Ellen Kositza nicht erwähnt, da er noch nicht veröffentlicht ist. Beim Autor handelt es sich um den bekannten Antifaschisten Fajo Hunke; der Titel lautet „Die Verschwörung von Hurtigrhoda“. Mein Freund Fajo hat mir erlaubt, das Manuskript zu lesen; hier eine Zusammenfassung:

Auf einem Schloss im Hurtigrhoda, dem finstersten Krähwinkel Dunkeldeutschlands, schmieden Kötz Gubitschek, Leiter eines völkischen Kleinstverlags, und seine Gattin Helen Gositza ein verruchtes Komplott: Als Muslime getarnte Mitglieder der vom Neonazi Markus Seelner geleiteten „Identitären Front“ sollen massive Terroranschläge gegen fortschrittliche AktivistInnen begehen, um eine antimuslimische und flüchtlingsfeindliche Stimmung zu erzeugen und vor allem die Linken gegen die Muslime aufzubringen, damit sich die Gegner der Rechtsradikalen gegenseitig zerfleischen.

Gubitschek und Seelner bereiten einen identitären Terrortrupp in einem Schulungskurs in Hurtigrhoda auf seine Aufgabe vor; die Neonazis lernen Bomben legen und in akzentfreiem Arabisch „Allahu akbar“ brüllen. Ausserdem erhalten sie gefälschte arabische Pässe, von denen sie nach jedem Anschlag einen am Tatort zurücklassen müssen, zusammen mit einem Koran.

Das erste Opfer ist die lesbische Rassisten-Entlarverin Antonetta Kahn von der Augusto Amaro Stiftung, die zusammen mit 587 anderen AntifaschistInnen bei einer Kundgebung vor dem Haus des rasssistischen AFD-Politikers Jörn Böcke in die Luft gesprengt wird.

Nach erfülltem Auftrag erhält jeder der identitären Attentäter auf dem Schloss in Hurtigrhoda aus Helen Gositzas Hand ein Landserheft und eine Flasche Schnaps, und Terrorschef Seelner bekommt dazu noch ein vom Autor signiertes Exemplar von „Mein Kampf“. Doch während die Nazibande ihre zweite Greueltat vorbereitet, als deren Opfer die fortschrittliche Schriftstellerin Biane Lednarz vorgesehen ist, kommen antifaschistische AktivistInnen dem Komplott auf die Spur.

Nun beginnt ein Wettlauf mit der Zeit: Wer schlägt zuerst zu, die Nazi-Terroristen oder die AntifaschistInnen, welche deren teuflischen Plan durchkreuzen und die Demokratie retten wollen?

Lesen Sie diesen Knüller nicht im Zug, sonst verpassen Sie unweigerlich Ihre Haltstelle!

wertheim
14. Januar 2018 12:33

Neger darf man als Ossi sagen. Euphemistic treadmill: das Bezeichnete beschmutzt das Bezeichnende.

Caroline Sommerfeld
14. Januar 2018 12:55

Wer hat Angst vor welchem Mann?
Von „Angstbürgern“ sprach der SPIEGEL zu PEGIDA-Hochzeiten.

Ich hab mal wieder fehlgelesen und mir eine gruslige Szene zweier pegidaaffiner Eheleute in spe vorgestellt. Der "Spiegel" ist journalistisch zu Gast und berichtet live aus der Horrorkirche im Osten Deutschlands.

Ich frage mich gerade, wie man als Jugendlicher, der zumindest leicht angeredpilled ist, damit zurechtkommen soll, wenn man als Deutschlektüre so ein Machwerk aufgetischt bekommt, mit völlig ernstgemeinten Fragen und Arbeitsaufträgen. Man sollte sich glücklich schätzen, wenn man DDR-Eltern hat, die seinerzeit lernten, dem Lehrer das Gewünschte vorzulegen.
Ich spinne, indem ich dies schreibe, herum .... wie wär's, eine Seite mit "Hausaufgabentips" zu kreieren, wo solche Lektüren umgekehrt gelesen werden?

Old Linkerhand
14. Januar 2018 13:52

Der Begriff "Arier" bedeutet in den alten
südostasiatischen Sprachen Sanskrit und Gupta einfach nur "guter Mensch". "Neger" ist bei mir nicht negativ konnotiert, aber als guter Mensch sollte man Schwarze, People of Colour und jeden der sich dafür hält, nicht persönlich als "Neger" bezeichnen. Als literarisches Stilmittel kann ich es allerdings tolerieren.

heinrichbrueck
14. Januar 2018 13:54

Im Kampf Antirassismus gegen Rassismus, die "Halbneger"-Affäre läßt grüßen, soll immer der Selbsterhaltungstrieb des weißen Mannes verlieren. Man stelle die Nützlichkeitsfrage des Deutschseins ohne Rücksicht auf Trumps shitholes und dem ganzen Beleidigtseinquatsch.

Ein gebuertiger Hesse
14. Januar 2018 14:40

[i]„Neger“ und ärgeres darf nur der Betroffene sagen. „Arier“ hingegen dürfte als Selbstbezeichnung obsolet sein.[/i]

Ich frage mich manchmal, ob man mit T-Shirt-Aufschriften heutzutage noch provozieren kann. "Arier" wäre vielleicht eine solche. Wie würden die Leute auf der Straße reagieren? Spöttisch, handgreiflich, mit ostentativem Abscheu? Man sollte es auf den Selbstversuch ankommen lassen, aber hat man den Mut?

Ein gebuertiger Hesse
14. Januar 2018 15:12

@ Caroline Sommerfeld

[i]Wie wär's, eine Seite mit "Hausaufgabentips" zu kreieren, wo solche Lektüren umgekehrt gelesen werden?[/i]

Fantastischer Vorschlag, unbedingt machen. Wie sehr würden die jungen Leute, lernten sie es die Indoktrinationslektüren gegen den Strich zu lesen, den tagtäglichen Meinungskanon zu durchschauen. Hier steckt wahrhaft umstürzlerisches Potential drin.

Scholasticulus Paracelsi
14. Januar 2018 15:28

Wenn man sich in der heutigen Welt zurecht finden will, muss man vor allem eines ändern, im Vergleich vor einigen Jahren: man muss zunächst einmal davon ausgehen, dass man einer Verrücktheit gegenübersteht. Die Erwartung beizubehalten, dass z.B. in den geschilderten Publikationen etwas Sinnvolles, Sinnhaftes, geistig Wahres enthalten sein könnte, bedeutet, dass man vor den Realitäten die Augen verschließt. Das ist bitter, sehr bitter. Aber für eine psychische und geistige Gesunderhaltung dringend nötig, diese bittere Pille zu schlucken.

Martin Heinrich
14. Januar 2018 15:38

Ach ja, der Herr Engelmann. Ein Ex-Lehrer. Das sagt eigentlich schon alles. Ich habe vor einigen Jahren einmal eine Lesung mit ihm erlebt. Er las aus seinem Buch "Wir haben das KZ überlebt - Zeitzeugen berichten." Als wären die Zeitzeugenberichte nicht bedrückend genug. Nein. Zwischen den Textpassagen tanzte seine Begleiterin dann bei Kerzenschein zu jiddischen Liedern. In der Kombination mit den Texten war das Holocaustkitsch vom Feinsten!

Aber es werden derzeit nicht nur Bücher, sondern auch die Musikszene "in Stellung gebracht". Allein an diesem Wochenende fand ich auf SPIEGEL online, der Tagesschau und in meiner Tageszeitung Jubelrezensionen zum neuen Album der linksradikalen Punkband "Feine Sahne Fischfilet". ( DIE TOTEN HOSEN sind wohl langsam etwas zu alt. Da wird FSF wohl zur nächsten öffentlich-rechtlich subventionierten "Staatspunkband" ...)

Nach Kandel und jedem weiteren Verbrechen mit Migrationsvordergrund wird die Panik des Systems vor ECHTER Opposition förmlich greifbar. Schuldig ist nicht der Verbrecher, sondern der Bote der schlechten Nachricht ...

Der Feinsinnige
14. Januar 2018 18:16

Aus dem lesenswerten Beitrag läßt sich wieder einmal ablesen, in welch einem geradezu pathologisch zu nennenden geistigen Zustand sich unser Land nach wie vor befindet.
Zum Thema „Angst“ möchte ich ergänzend auf ein Buch hinweisen, auf welches Thorsten Hinz in der JF vom 1.12.2017 in seinem Beitrag „Masochistische Staatsmoral“ zu der Schmutzkampagne gegen Björn Höcke aufmerksam gemacht hat, und zwar auf „Die Deutschen und ihre verletzte Identität“ von Gabriele Baring (Europa-Verlag; aktualisierte Neuauflage von „Die geheimen Ängste der Deutschen“ aus dem Jahr 2011).
Grundthese der Psychotherapeutin Baring: Die Deutschen insgesamt sind nach wie vor ein vor allem durch den Zweiten Weltkrieg und alle Schrecken, die damit zusammenhingen, schwer traumatisiertes Volk; die schlimmen Erfahrungen der Kriegsgenerationen wirken in zahlreichen Familien bis heute nicht nur sozial, sondern auch genetisch (!; posttraumatische Belastungsstörungen verändern laut Baring nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen die Erbsubstanz!) fort und haben eine zunehmende Zahl psychischer Erkrankungen gerade in den nachwachsenden Generationen zur Folge. Frau Baring sieht hier auch einen wesentlichen Grund für das jahrzehntelange Geburtendefizit. Das eigentlich psychotherapeutische Sachbuch enthält auch eine Fülle an politischen Aussagen, welche wie Schwerthiebe gegen den (noch) linken Zeitgeist wirken.

Ich zitiere als ein Beispiel für viele andere aus S. 51 des Buches von Gabriele Baring:
„Vor einiger Zeit fragte ein bekannter Publizist wahllos Zeitgenossen – alte und junge, gebildete und ungebildete – wie sie sich Deutschland in hundert Jahren vorstellten. Er war überrascht, dass nahezu alle spontan antworteten, dann gebe es uns doch gar nicht mehr.
Deutschland am Rande der Selbstaufgabe – ich weiß, dass diese Feststellung einigen Sprengstoff enthält. Und doch ist sie eine unbestreitbare Tatsache. Betrachten wir das desolate Lebensgefühl der Kriegsenkel, dann sehen wir, wie … übernommene Unwertgefühle zu Verunsicherung und Zukunftsangst beitragen. Wir sind ein Volk, das seine fatale Lektion gelernt hat – schuldig gesprochen, für immer stigmatisiert.
Zwölf schreckliche Jahre stehen gegen tausend Jahre, in denen die Deutschen eine insgesamt herausragende, positive Rolle gespielt haben.“ 1933 – 1945 seien „eine historisch zwar unvergleichliche Katastrophe, die aber eingerahmt wird von helleren, positiven, ja bewundernswerten Zeiten Deutschlands. Der Verleger Wolf Jobst Siedler sagte einmal, Hitler habe die Juden physisch und die Deutschen seelisch umgebracht . ...“
Soweit Gabriele Baring.

Torsten Hinz schreibt in der JF:
„Die Träger der masochistischen Moral sind keine glücklichen Menschen. … Die Familientherapeutin Gabriele Baring (konstatiert) bei den Kriegskindern und -enkeln eine verbreitete Angst, kindliche Unreife, Konflikt- und Bindungsunfähigkeit – Eigenschaften, die mit Modeworten wie „spontan“ und „individuell“ camoufliert werden. Eine wesentliche Ursache hat sie in der einseitigen Bearbeitung der NS-Vergangenheit ausgemacht, welche die Entstehung positiver Selbstbilder verhindert habe.“

Das Buch von Gabriele Baring wäre es meines Erachtens wert, von der „Sezession“ besprochen und diskutiert zu werden.

Benno
14. Januar 2018 18:37

Natürlich haben die Angst. Als Lichtmesz damals bspw. Im Servus TV aufgetreten ist, konnte man deren Angst ja geradezu durch den Bildschirm hindurch riechen. Sie haben Angst, sie könnten die Deutungshoheit über das politische Geschehen verlieren. Deshalb werden auch je länger je plumpere Propagandastreifen unters Volk gebracht, um vor den bösen Rechten zu warnen. Damit die breite Masse weiterhin schön ihren Deutungsmustern folgt.

Urwinkel
14. Januar 2018 18:40

Erstmal nur kurz dazu: Die hier skizzierten "Künstler" nahmen den medialen Zirkus um das Buch "Gefährliche Bürger" von Liane Bednarz allzu ernst und wahrhaftig, und versuchen nun über Film- und Buchinterpretationen ihre Scheinwelt zu erden.

Ostelbischer Junker
14. Januar 2018 21:00

Ich glaube nicht, dass die Gegenseite echte Angst vor uns verspürt und deswegen diese Art von Gruselliteratur produziert. Deren Angst vor uns ist eher wie eine Fahrt in der Achterbahn. Man hat zwar im Looping Todesangst und einen Adrenalinschock aber weiß doch: ich bin fest im Sitz angeschnallt, kann gefahrlos die Angst genießen.
Die echten Nazis (vor denen sie wirklich Angst haben) sind tot oder Hauchen ihr Leben auf der Anklagebank aus, wir dagegen sind wenige und ,,unsere" (im Sinne dass sie unseren Ideen zur Last gelegt werden) Verbrechen werden durch den Staat erfunden (NSU, Fall Franco A., Oktoberfestattentat). Nazigrusel ist bequemer Grusel. Geht man aber durch seine Stadt und sieht die braunen Bataillone (sind es auch ohne ein Hemd) und gesteht sich ein, wie viel Mut man aufbringen müsste, um gegen sie etwas auszurichten, wird den meisten Linken und anderen ehrenwerten Mitgliedern der Gesellschaft, wohl wirklich das Herz in die Hose rutschen. Lieber geht man nach Hause, in den bequemen Sessel und hat bei der Lektüre dieser Bücher ungefährliche Angstgefühle.
Es ist psychisch verständlich aber doch eine Störung: Wiedrholungszwang.

Franz Bettinger
14. Januar 2018 23:15

@Feinsinniger
"Vor einiger Zeit fragte ein bekannter Publizist wahllos Zeitgenossen - alte und junge, gebildete und ungebildete - wie sie sich Deutschland in 100 Jahren vorstellten. Er war überrascht, dass nahezu alle antworteten, dann gebe es uns nicht mehr."
So klar sehen die das? Haben die Schlachtbank vor den Augen und wählen den Untergang? Offensichtlich! Schaut nach Südafrika. Das ist unser Schicksal. Ich sehe nicht, wie wir es wenden könnten. Man hangelt sich von einer kleinen Hoffnung (Bayern-Wahl) zur nächsten und verliert dabei täglich mehr Grund unter den Füßen. Man hat uns besiegt, gedemütigt, entwaffnet, feige, durchsichtig und korrupt gemacht. Vae victis!

Andreas Walter
14. Januar 2018 23:35

Hihihi, ausgerechnet Heidkrüger. Habe nämlich vor ein paar Tagen erstmals den Wehrwolf (1910) gelesen.

Ein Krüger, wenn ich es richtig verstanden habe, ist nämlich ein Gastwirt und der Roman (Bauernchronik?) spielt in der Heide im Dreißigjährigen Krieg.

Was hätte sie damals wohl gemacht, wie wäre es ihr damals wohl ergangen, als hübsche Tochter eines Schankwirts? Bei wem hätte sie Schutz gesucht? Oder hätte sie aus der Not eine "Tugend" gemacht? Genügend Freier findet so eine Frau ja immer. Wobei 30 Jahre eine lange Zeit sind, selbst für die abgebrühtesten Naturen. Da ist doch so ein Geschäft wie auch die #MeToos doch weitaus reizvoller, als sich auf die Seite der Wehrwölfe zu stellen. Gelegenheit macht Diven.

quarz
14. Januar 2018 23:57

Diese Systemkassandren liest doch eh kaum ein Erwachsener außerhalb der Echokammer. Nur die medialen und schulischen Infusionen für die keine Arglist ahnenden Kinder und Jugendlichen sind empörend.

Stil-Bluete
15. Januar 2018 07:14

@ Der Feinsinnige
Vielen Dank für den Hinweis auf das Buch 'Die Deutschen und ihre verletzte integrität'. Es verdient allergrößte Aufmerksamkeit.
Gabriele Baring ist eine hervorragende, auf Spätfolgen des 12jährigen Reiches spezialisierte Psychotherapeutin. Für die unmittelbar Betroffenen, und das sind 90 % der Nachkommen der Deutschen, gibt es aus duesem prägenden Muster kaum ein Entrinnen. Hier trifft die arg strapazierte Diagnose 'Trauma' wirklich zu. Nur die wenigsten Familientherapeuten sind sich dieses Zusammenhanges bewußt und basteln lieber an persönlichen und aktuellen Problemen herum, abgesehen davon, kann man kein ganzes Volk zur Psychotherapie schicken. Das Geschehen erinnert mich stark an das Bild vom uralten Lindenbaum, der so viel Heimatgefühl, Behaglichkeit und Vertrautheit gegeben hat bis er eines Tages umgesägt wurde, Die Lebenden haben ihn noch vermisst und konnten sich noch mit Erinnerungen und Fotos trösten. Die nächste Generation ist unbehaglicher, unvertrauter aufgewachsen, wusste aber nicht mehr, woran es liegt und hat den Frust auf den unfreundlichen Nachbarn geschoben, erst recht haben die Zugezogenen keinen Mangel empfunden, nur mehr Unlust in der prallen Sonne.

RMH
15. Januar 2018 10:05

Das Argumentieren mit "Angst" ist eine bewusste Emotionalisierung einer an und für sich reinen Sachdebatte. Und wenn ich etwas emotionalisiere, bin ich sehr rasch dabei, es als irrational darzustellen und damit letztlich als Einbildung, Blödsinn etc. abzutun.
Dabei sind die Themen und Nebenwirkungen der überbordenden Einwanderung alles andere als irrational, sie sind sehr real, wie es sich immer wieder zeigt (aktuell: Kandel). Von daher: Klar aufzeigen, welcher Trick hier angewendet wird.

Ich erinnere mich gut an einem Beitrag von G. Grambauer, in dem er u.a. auf die Spielchen der sog. "gewaltfreien Kommunikation" (GFK) hingewiesen hat (hier bietet Wikiblödia einen guten kleinen, ersten Einstieg). Das Hinweisen darauf, dass Teile von Pegida, Wutbürgern & Co doch nur Ängste hätten, die man annehmen und durch Erklärungen/Hilfestellungen nehmen sollte, erinnert stark an das Muster der "empathischen Reaktion" auf eine sog. "lebensentfremdende Kommunikation" seitens der "Wutbürger".
Die Rechte soll dabei als irrational dargestellt werden und diesem Ansinnen ist klar und rational entgegenzutreten. Ein ähnliches Spiel läuft im Moment mit dem ständig verbreiteten Mem, dass die Rechten, "die" AfD sich als "Opfer" darstellen würden. Auch hier wieder ein ähnlicher Trick: Fakten, wie dutzende von abgefackelten Autos, beschädigte und verwüstete Häuser, tätliche Angriffe etc. werden in den Bereich des irrationalen geschoben und damit als Fakten ins fast schon Fiktionale geschoben (spielen die "Opferrolle", stellen sich als Opfer dar etc.).

Zum Thema Neger ist eigentlich alles schon gesagt/geschrieben worden. Der Bildersturm und die Säuberungen werden dennoch weitergehen. Die Literatur wird auch weiter gesäubert werden. Bin schon gespannt, wie sie mit Werken der Weltliteratur, wie bspw. das Buch "Der Nigger von der Narcissus" von Jospeh Conrad umgehen, wo das wirklich pöhse N-Wort sogar im Titel erscheint (gut, in Deutschland gibt es dieses Buch nur noch antiquarisch, wenn ich mich recht entsinne).
PS: Joseph Conrad ist auch ein Lese-Tipp bzw. wäre einmal einen Beitrag wert (evtl. gab es ja schon einen und ich habe das auch schon wieder vergessen).

Westpreusse
15. Januar 2018 10:47

@ Der Feinsinnige
@ Stil - Bluete

Ein kenntnisreicher Blick auf ein vernachlässigtes Thema deutscher Nachkriegsgeschichte, und eine schöne Ergänzung und Weiterführung... Herzlichen Dank!

Ich habe die Tätigkeit von Frau Gabriele Baring immer, sozusagen aus der Ferne, verfolgt: Ihre Tätigkeit als Therapeutin, besonders interessiert an Kriegstraumata von Heimatvertriebenen, kriegsgeborenen Kindern, aber auch von Enkeln..
Ich kann bestätigen: Ja, es trifft zu. Nichts geht verloren. Alles ist wie ein Engramm, Spuren von gedachten und erlebten Gedanken, eingebrannt ins Hirn, für immer. Und wird weitergegeben...

Gabriele Baring ist im Internet leicht zu finden: Ihre Tätigkeit in ihrer Praxis in Berlin, ihre Publikationen (oben erwähnt), ihr Engagement für die innerlich Verletzten, die schon länger in diesem Land leben...

Ich denke, ihre lobenswerte Arbeit ist nicht zu verstehen, vermute ich mal, ohne ihren Mann Arnulf Baring. Den habe ich mehrmals erleben (hören) dürfen. Zum Beispiel auf den Deutschlandtreffen der Ostpreußen.
Merkwürdigerweise wird er von denen, die rechts von der Mitte leben und denken, noch nicht mal besonders gemocht bzw. gewürdigt. Er ist ihnen nicht eindeutig genug in ihrem Sinne. Mir dagegen ist Differenzierung sehr wichtig. Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem alle nur links oder nur rechts denken...

Ich selbst mag ihn sehr. Grundsätzlich. Als Nationalliberaler, als der ich mich fühle, in der Tradition von individueller Freiheit und Streben nach nationaler Souveränität, in jeglicher Hinsicht, habe ich Arnulf Baring immer mit Freude und Gewinn gelesen und gehört..

Unvergeßlich seine Klage und Anklage, daß die PC die Pest der heutigen Zeit sei (Ostpreußentreffen).

Und seine Bemerkung vor längerer Zeit im Fernsehen, daß es ihn doch sehr seltsam berühre, wenn heutzutage die Wartburg zum Beispiel unter "Ostdeutschland" rangiere...
Er selbst habe doch noch in der Schule gelernt, daß einer der östlichsten Orte im Reiche das Windenburger Eck sei, eine Landzunge im Memeldelta...Das würde aber niemand mehr kennen...

Ich war mehrmals dort. Fassungslos stand ich auf dem alten Leuchtturm und schaute ins Land. Welch verwunschenes Land. Wie aus der Zeit gefallen. Und hörte in der Vogelwarte dem alten Professor zu, der die Vogelwelt der Kurischen Nehrung erklärte.

Alles dahin: Die Grenzen des Reiches sind arg nach Westen verschoben worden. Fast alles vergessen in unserem Volke. Manchmal taucht die Erinnerung noch auf in den Medien, kurzfristig: Zum Beispiel vor kurzem die "Wolfskinder"... Ich hoffe sehr, daß es trotzdem im kollektiven Gedächtnis der Deutschen bewahrt bleibt. Und eines Tages, vielleicht, wieder freigebuddelt wird. Wenn es sein muß, mit bloßen Händen...

Insofern: Danke für die Erwähnung durch die beiden Kommentatoren, oben.
Und alles Gute für Gabriele Baring und ihren Mann Arnulf Baring, Jahrgang 1932.. Vor allem Gesundheit!

Eine Bemerkung noch zu den Themen, die hier auf SIN verhandelt werden: Ohne Frage, die grenzen-lose Zuwanderung ist das existentielle Problem unseres Landes. Aber, wenn es dieses Problem nicht gäbe, worüber würde denn dann hier auf SIN verhandelt werden...?
Manchmal denke ich, es findet eine gewisse Themeneinengung statt. Aber vielleicht drängen sich ja auch neue Themen in den Vordergrund. Zum Beispiel die Frage der von polnischer Seite geforderten Reparationen. Also zur Landnahme im Osten, uns erklärt als Wiedergutmachung, der Gedanke des zusätzlichen "Kriegsbeutemachens". Grundsätzlich: ich habe nichts gegen die Polen und die Völker im Osten. Wenn man mit den Menschen dort erst einmal am Tisch gesessen und mit ihnen gegessen hat, klärt sich vieles. Und ich bin mir noch nicht einmal sicher, wie sich eine Bundesregierung zu den erhobenen Forderungen stellt...: Grüße von der Weichsel

Urwinkel
15. Januar 2018 12:56

@quarz: "Diese Systemkassandren liest doch eh kaum ein Erwachsener außerhalb der Echokammer."

Stimmt nicht ganz. Die flächendeckend institutionalisierte "Demokratieabgabe" des Rundfunksystems - Kultur/Expertenschwurbelei - liefert ihren Singsang, gnädig geschätzt, an 90% ihrer wohlgesinnten Kunden. Richtig ist: Die Kinder werden systematisch veralbert. Im Beitrag oben wird von einem der Kreativen die schulische Pflichtlektüre ihrer "Kunst" dringlich empfohlen.

Als Buchgeschenk gerne und danke. Und, ja - es kommt hin und wieder vor, das mich Gutmeinende damit von irrationalen Ängsten zu erlösen vermeinen.

Hierzu eine treffende Blaupause/kurzweilig-erzürnte Replik auf einen vermeintlich Gutmeinenden im PI-Forum ("Diedeldie" contra "libra"). Direktlink in die Kommentare:

https://www.pi-news.net/2018/01/facebook-loescht-sachlichen-post-von-afd-mdb-martin-sichert/#comment-4438557

(endet mit "Das ist der Höhepunkt an Ekelhaftigkeit!")

- Treffer!

Stephan
15. Januar 2018 13:36

Zu den Untergangsphantasien oben nur das eine Argument von Klonovsky:

"Die nicht völlig abseitige Frage, wie 60jährige Rechtsextremisten dereinst die Macht in Ländern übernehmen sollen, in denen heute schon 20jährige Einwanderer viele Viertel beherrschen, wie die rüstigen Alten es geschafft haben, den Spieß des Verfolgtwerdens umzudrehen, und wer eigentlich den Job des 'Verfolgers' erledigt (Hogesa? 'Skinheads Sächsische Schweiz'? Kripo Bremen? Heeresmusikkorps? Necla Kelek? Richter Maier?), klärt hoffentlich die Talkshow am Ende des Films genauso wie die ebenfalls nicht ganz unwichtige Frage, in welches muslimische Land die deutschen Homosexuellen fliehen werden, um sich auf den Bahnhöfen von züchtigen Mädchen mit Teddys bewillkommnen zu lassen."

Seemann
15. Januar 2018 14:36

das diese linksliberalen Angst oder sagen wir besser Sorge haben sieht man daran, dass bei Youtube alles gelöscht wird, was denen nicht passt. Das gleiche passiert gerade bei Facebook. Es herrscht ein Infokrieg, wer den gewinnt, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Andreas Walter
15. Januar 2018 14:44

@Stil-Bluete

Der korrekte Titel des Buches lautet: "Die Deutschen und ihre verletzte Identität", nicht "integrität", und ist im Oktober 2017 im Europa Verlag erschienen. Ich erwähne es nur deshalb, weil Google es in Ihrer Variante geschrieben eben nicht ad hoc gefunden hat, die Google Algorithmen eher unüblich da wohl versagt haben (oder versagen sollen).

Sollte man aber eh alles nur noch über deutsche Buchhändler bestellen, die diese Bezeichnung auch verdient haben.

Aus besagten Gründen träume ich auch noch von einem deutschen Netzwerk, das mittlerweile wohl auch über 6 Millionen Deutsche interessieren könnte, die eher mit Patrioten und Germanophilen als mit Marxisten oder Egalitären in Kontakt aber auch ins Geschäft kommen möchten. Bin aber leider kein Programmierer, um so eine Aufgabe selbst in die Hand zu nehmen. Kompromissloser Zusammenhalt aber hat auch schon anderen Völkern in Not das Überleben ermöglicht wie aber auch im Frieden und Alltag zu Vorteilen verholfen. Was andere darum können müssten wir doch auch hinbekommen. Patria, o muerte.

Stil-Bluete
15. Januar 2018 18:11

Zu Ursachen der Deutschen Angst (bitte nicht im Plural 'Ängte' = Neudeutsch):
Gabriele Baring, Die Deutschen und ihre verletzte Identität, Europa-Verlag. 2017.
(garantiert auch über Antaios zu bestellen)

@ Andreas Walter
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und Korrektur. Möge es nutzen und sich viele Profis und Laien als Familientherapeuten 'bereichern'. Gabriele Baring hat einen Widerhaken, einen Angelpunkt gefunden, der seelische Störungen bzw. Störanfälligkeiten der Deutschen über das persönliche, private Schicksal hinaus, ohne in die linke Litanei gesellschaftlicher Prägung zu verfallen, zu erklären und zu klären vermag.

Die Barings sind ein Beispiel für ein gelungenes Verhältnis zwischen 'Meister'( Arnulf Baring)-'Elevin' (Gabriele Baring) - (bitte Gänsefüßchen beachten); es ist das eines unabhängigen Paares, das geistige Frische, Eigenständigkeit und Souveränität ausstrahlt und weiterzugeben vermag. .

Außer ihnen, EK&GK, Caroline Sommerfeld&Helmut Lethen gi bt sicher noch mehr (un-)gleiche Paare. Lafontaine &Wagenknecht gehören in diese Reihe. Mögen es wieder mehr werden!

Die andere Seite
15. Januar 2018 18:22

@RMH
Danke für Buchempfehlung von Joseph Conrad. Hab gerade "Die Schattenlinie" von ihm entdeckt, und werde an diesem Autor aus gutem Grund dranbleiben.

@Westpreusse
Die Schicksale der "Wolfskinder" haben mich nach der Lektüre des Buches sehr beschäftigt. Der Filmbeitrag der zum Jahreswechsel kam, berichtete in ähnlich eindrucksvoller Weise darüber. Es ist mir unbegreiflich wie mit diesen Deutschen umgegangen wurde und wird. Wieviele Jahre nach dem Krieg diese Menschen um Anerkennung ihrer Herkunft, Papiere, Rehabilitation und Entschädigung gekämpft haben.
Und immer waren andere politische Interessen der jeweiligen Regierung wichtiger - keiner wollte diesen Menschen eine Wiedergutmachung zugestehen und durch finanzielle Zahlung das Unrecht mildern und anerkennen. Obwohl diese Gruppe von Geschädigten ja überschaubar ist, und eine finanzielle Entschädigung so viel Leid wenigstens jetzt im hohen Alter lindern könnte. In den Medien ist das allerdings kein Thema. Bin da eher durch Zufall draufgestoßen. Auf der politischen Agenda stehen ja heute ganz andere Volksstämme. Ich denke oft darüber nach, wie ohnmächtig die Betroffenen zusehen müssen angesichts der ausgeschütteten Milliarden unseres Staates für Fremde.

Merlin
15. Januar 2018 20:13

@Ellen Kositza: ..."Die Angst vor einer blutigen Machtübernahme der Rechten wird besonders gern in Jugendbüchern geschürt."
Ja, sie wissen, was sie tun. Es ist der Kampf um die (jungen) Köpfe, der inzwischen hoch aggressiv geführt wird (siehe auch "bento"). Doch der ideologische Kampf des linken medialen Komplexes ist selbst eher weniger "angstbesetzt", denn man sitzt ja real sehr sicher an den Schalthebeln der Macht. Es ist vielmehr das alte DDR-Konzept der Indoktrination mit Gesellschaftsutopien eines Kurt Hager ("das Wahre, Gute und Schöne") und eines Klaus Höpcke ("Buchminister"), welcher sich nahtlos dem Klassenfeind nach der "Wende" andienen konnte. Jetzt will man nicht mehr kleckern, sondern richtig ranklotzen. Man wähnte sich schon immer als der Sieger der Geschichte. Und nun wollen sie es brachial erzwingen. Gerade deshalb ist der (@ Andreas Walter) Aufbau eines eigenen medialen Netzwerkes als effiziente Gegenkraft äußerst wichtig und dringlich. Denn die Kahane/Maas -Kohorten schlafen nicht und wittern weitere vier Jahre Morgenluft.

Franz Bettinger
15. Januar 2018 23:38

Schwarzer? Neger?
Und was ist mit Nigeria?
Muss man das "Land der Schwarzen" umbenennen?
Und wie soll man sie nennen, also politisch correctissimo?

Meine Wenigkeit versteht ohnehin nicht, was am "Neger" falsch sein soll. Zu meiner Kindheit ein wunderbares Wort, mit dem ich Wärme, Elefanten, bunte Turbane und gute Schokolade verband, nichts Negatives. Das ist heute noch weitestgehend so. Warum sollte ich plötzlich von Farbigen reden? Oder von Afrikanern? Letzteres wäre aus mehreren Gründen falsch, z. B. weil die Nordafrikaner nicht schwarz sind und die Afro- Amerikaner sich als Afrikaner beleidigt fühlen würden. Einen ähnlichen Zirkus erleben wir mit dem Wort Zigeuner. Kann es sein, dass aus unerfindlichen oder aber sehr wohl erfindlichen Gründen nicht die Worte - die dauernd zu wechseln uns nicht mal von den Betroffenen selbst (das verhindert deren Selbstbewusstsein), sondern von deren Stiefel-Leckern befohlen wird - dass also nicht die Begriffe mit der Zeit anrüchig werden, sondern immer wieder deren Inhalt, ganz egal wie oft wir das Päckchen umetikettieren? Eine als Familien-Clan auftretende Bande von Dieben bleibt, so lang sie stiehlt, eben eine Bande von Dieben. - Ich jedenfalls esse den Wortsalat nicht, den die Pseudo-Sauber-Frauen und Männer uns alle paar Jahre neu auftischen. Der Diktatur der Worte unterwerfe ich mich nicht. Erkläre mir bitte einer, wieso das Wort Neger (lat. niger, nigra, nigrum = schwarz) ein abfälliges sein soll, das Wort Weißer hingegen nicht. Wie? Weil der so (Neger / Zigeuner) Bezeichnete, und nur er, der Betroffene, Macht über seine Selbst-Definitionen haben soll? Gesteht man diese Macht auch den "Rechten"?

Cacatum non est pictum
16. Januar 2018 00:33

@Andreas Walter

"Aus besagten Gründen träume ich auch noch von einem deutschen Netzwerk, das mittlerweile wohl auch über 6 Millionen Deutsche interessieren könnte, die eher mit Patrioten und Germanophilen als mit Marxisten oder Egalitären in Kontakt aber auch ins Geschäft kommen möchten. Bin aber leider kein Programmierer, um so eine Aufgabe selbst in die Hand zu nehmen. Kompromissloser Zusammenhalt aber hat auch schon anderen Völkern in Not das Überleben ermöglicht wie aber auch im Frieden und Alltag zu Vorteilen verholfen. Was andere darum können müssten wir doch auch hinbekommen. Patria, o muerte."

Die kommenden Zeiten werden stürmisch, und wer sich nicht mit seinesgleichen vernetzt, der wird den Orkanen hilflos ausgeliefert sein. Wo der Staat absehbar zurückweicht, sind private Schutzgemeinschaften unabdingbar. Und wenn wir mittel- bis langfristig in Richtung Segregation oder Sezession steuern - danach sieht es derzeit aus -, dann werden um den elementaren Schutz der Gemeinschaft herum wahrscheinlich auch neue Knospen der Kultur, der Traditionsbewahrung und der alternativen Wirtschaft sprießen.

Ich will an dieser Stelle eine Leseempfehlung aussprechen: In der aktuellen Ausgabe von CATO (1/2018), dem neuen Polit- und Kulturmagazin, ist der Artikel "Der lange Weg nach Osten" von Thorsten Hinz erschienen. Hinz entwirft darin nüchtern und illusionslos ein Szenario der Zukunft Europas, das sich grob in folgenden Eckdaten zusammenfassen läßt:

- die großen Nationalstaaten Westeuropas werden in separierte Zonen auseinanderfallen und fortan einem ethnischen Flickenteppich gleichen, wie wir ihn aus der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches kennen

- viele Gebiete Deutschlands und Frankreichs werden, der demographischen Dynamik entsprechend, islamisch-tribalistisch dominiert sein

- die abendländisch orientierten Europäer werden sich - das gilt besonders für Deutsche - Richtung Osten orientieren und sich den Visegrad-Staaten annähern, deren Bewohner sich einer massenhaften Drittwelteinwanderung widersetzen

- unterm Strich könnte also ein neues Kerneuropa entstehen, das sich etwa von der alten innerdeutschen Grenze aus nach Osten erstreckt; in Westeuropa werden sich dann möglicherweise kleinere, nicht zusammenhängende Gebiete mit herkömmlichen ethnischen Mehrheiten halten, die sich dann vielleicht als Protektorate Osteuropas verstehen; Rußland, allerdings nicht in seiner früheren Sowjetrolle, käme als militärische Schutzmacht in Frage

Beim Lesen habe ich mit Erstaunen festgestellt, daß mir viele Gedanken, die Thorsten Hinz ausformuliert hat, genau so schon einmal durch den Kopf gegangen sind. Das Szenario ist wohl nicht unrealistisch. Einstweilen plädiere ich dennoch dafür, eine gesamtdeutsche Wende anzustreben; ich freunde mich nur ungern mit dem Gedanken an, die Gebiete zukünftig nicht mehr betreten zu können, wo ich aufgewachsen bin und wo meine Verwandten begraben liegen. Für den Fall, daß eine Umkehr mißlingt, müssen wir uns aber auf Alternativen vorbereiten.

Westpreusse
16. Januar 2018 06:19

@ Die andere Seite

Sie haben alles dazu gesagt! Genau so ist es. Es ist nicht nur Ihnen unbegreiflich. In polnisch-Ostpreußen gibt es wohl keine "Wolfskinder". In Litauen und in russisch-Ostpreußen (Oblast Kaliningrad) gab es Tausende, dann Hunderte. Aber das menschliche Problem wurde von den deutschen Behörden in Berlin nicht gesehen. Vielleicht wollte man es auch nicht sehen...Deutsche Opfer, wo kommen wir denn dann hin...

Zuständig ist wohl das Bundesverwaltungsamt (?) in Berlin. Und es geht um eine einmalige, relativ kleine Entschädigung. Sozusagen als Würdigung, Anerkennung und Minimalgutmachung des Vaterlandes. Daß man sie nicht vergessen hat...

In Litauen sind mir keine "Wolfskinder" begegnet. Ich habe aber dort von ihnen gehört. Und es gibt dort Anlaufstellen und einen Verein, der sich um sie kümmert und sie in Kontakt zueinander gebracht hat.

In Oblast Kaliningrad (auf dem Lande) begegnete ich einer alten deutschen Frau. Sie lud mich zu einem Kaffee ein. So eine Art Getreidekaffee mit Spuren von Bohnenkaffee.

Die Verständigung war holprig. Aber sie war Deutsche. Wußte wenig aus ihrer Kindheit. Ihr Zimmer: Klein, naß, teilweise Schimmel. Kleidung: sauber, abgetragen. Ein neuer warmer Mantel, gutes Schuhwerk, eine funktionierende Heizung, Medikamente, halbwegs vernünftige Zähne...alles fehlte.
Und doch strahlte sie eine gewisse Würde aus und hatte ihr Zimmer liebevoll eingerichtet. Sehr, sehr schlicht alles...
Es war eines dieser Gespräche, über die man noch lange nachdenkt.

Es gibt nur noch 70, 80, 90 "Wolfskinder". Ihre Rente ist sehr gering. In Litauen etwas besser. Aber es reicht nicht wirklich. Es gibt aber lobenswerte Initiativen im Westen, die sich bemühen, den letzten "Wolfskindern" monatlich einen Zuschuß von etwa 100 Euro zukommen zu lassen.

Am 31. Dezember 2017 war der letzte Termin, um sich registrieren zu lassen. Aber sie sollen Urkunden einreichen. Insbesondere einen Nachweis, daß sie in Litauen "Zwangsarbeit" leisten mußten. Sie gingen mit 7, 10, 12 ... Jahren alleine über die Memel. Es fand eine regelrechte Hatz der sowjetischen Behörden statt...

Litauische Bauern nahmen sie verbotenerweise auf. Manche waren gut, andere ließen den Hund von der Kette. Sie waren billige Arbeitskräfte, Und sie verloren langsam das Bewußtsein ihrer Identität. Lernten litauisch / russisch, bekamen einen neuen Namen. Ja, so geht's...
Ich höre mal auf. : Grüße von der Weichsel

Dieter Rose
16. Januar 2018 08:13

@Bettinger

wahre Worte.

aber es wird noch mehr gesägt:
"Die Türken haben Deutschland aufgebaut."
so unser geschäftsführender Außenminister.

und irgendwann steht es im Geschichtsbuch.

Caroline Sommerfeld
16. Januar 2018 10:57

Ich hab mich mal ausgetobt mit den vom gebürtigen Hessen so sehr begrüßten HAUSAUFGABENTIPS, und hab auf meinem Blog einen Text dazu geschrieben.

https://fauxelle.wordpress.com/2018/01/16/hausaufgabentips-fuer-schueler-der-gegen-rechts-roman/

Richtet sich an folgende Zielgruppe:
Schüler ab ca. Klasse 8, die einen Gegen-rechts-Roman (oder andere Kunstgenres mit derselben propagandistischen Absicht) interpretieren müssen, und schon gecheckt haben, daß ihnen da linke Propaganda serviert wird.
Allererstes Wachrütteln muß anderweitig geschehen ....

nom de guerre
16. Januar 2018 11:31

@ Westpreusse
Zum Thema Wolfskinder gab es am 23.12.2017 einen Artikel auf Spiegel Online (https://www.spiegel.de/einestages/wolfskinder-aus-ostpreussen-ohne-eltern-ohne-heimat-a-1183845.html) über eine Frau aus Ostpreußen, heute 82, deren Familie nach dem Krieg auseinandergerissen wurde, woraufhin sie sich dort und in Litauen alleine durchschlagen musste. Heute lebt sie in Krasnosnamensk (früher Haselberg) unter ähnlichen Umständen wie Sie es in Ihrem Beitrag beschrieben haben. In dem Artikel geht es auch um die Möglichkeit der Entschädigung – sowohl die Höhe der in Rede stehenden Einmalzahlung (vor allem auch in Relation zu anderen Beträgen, die unser Staat regelmäßig übrig zu haben meint) als auch die Notwendigkeit des Nachweises von Zwangsarbeit kann man nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Als ob das Schicksal, Wolfskind gewesen zu sein, nicht an sich schon schlimm genug wäre! Es gibt eine private Initiative, die Spenden für diese Frau sammelt. Vermutlich täte ich der Aktion keinen Gefallen damit, die Seite hier zu verlinken (wegen der von dritter Seite dann evtl. stattfindenden „Verortung“), sie ist aber, falls Interesse besteht, über den bei SPON veröffentlichten Namen der Frau und den Begriff spenden problemlos bei Google zu finden.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.