Sezession
15. Januar 2018

Bann gegen Bannon

Gastbeitrag / 9 Kommentare

von Collin McMahon -- Steven Bannon, ex-Chefstratege im Weißen Haus, hat seinen Posten als Chefredakteur von Breitbart News räumen müssen.

„Ich bin stolz darauf, was das Breitbart Team innerhalb kurzer Zeit geschaffen hat, um eine weltklasse-Nachrichtenseite zu bauen“, sagte Bannon in einem wortkargen Statement am 9.1.2018.

Der Journalist Michael Wolff veröffentlichte am 5.1.2018 sein Enthüllungsbuch „Fire and Fury“, das vom Trump-Lager als Lügenmärchen dargestellt wurde, und vom Anti-Trump-Lager mal wieder als Anfang vom Ende Trumps. Keine der beiden Darstellungen trifft zu. In der Tat ist  „Fire and Fury“ eine recht unterhaltsame, lesbare und ausgewogene Nacherzählung der ersten Monate der Trump-Präsidentschaft. Wie immer sind die, die sich am meisten darüber aufregen, diejenigen, die das Buch gar nicht gelesen haben.

Wenn Steve Bannon seinen Kumpan Trump als „herzlichen Affen“ beschreibt, kann man das nun skandalisieren oder einfach witzig finden. Im Wesentlichen beschreibt Wolff die Trump-Regierung wie man sie sich vorstellt - chaotisch, rebellisch, gegen den Strich und manchmal mit dem Kopf durch die Wand. Dass Trump nicht viel von Politik versteht, aber sehr viel von Menschen und vor allem vom arbeitenden, steuerzahlenden Durchschnitttsbürger, kann den aufmerksamen Trump-Beobachter nicht wirklich überraschen.

Steve Bannon hatte Internet-Pionier Andrew Breitbart 2004 auf der Premiere seiner Reagan-Doku „In the Face of Evil“ kennengelernt, in der er Parallelen zwischen Reagans Kampf gegen den Kommunismus und den Kampf gegen islamischen Terror post-9/11 aufzeigt. Auf der Premiere „kam so ein Bär von einem Typen auf mich zu, drückte mich so fest dass mein Kopf zu explodieren drohte und sagte irgendwas von wegen, ‚Wir müssen die Kultur zurückerobern’. Ich wusste überhaupt nicht wer der Kerl ist“, so Bannon im Gespräch mit Journalist Joshua Green.

Bannon war in den 90ern als Wall-Street-Banker nach Hollywood gekommen und hatte dort eine erfolgreiche Karriere, die ihm unter anderem die Rechte an der Hit-Sitcom „Seinfeld“ bescherte. Er half Breitbart, Finanziers für seine „konservative Version der Huffington Post“ zu finden, darunter Investment-Genie Robert Mercer, der mit dem Hedgefonds Renaissance Technologies und einem kryptologischen Ansatz im Investment-Geschäft Milliarden verdient hatte.

Mercer investierte ab 2011 mindestens 11 Million $ in den Neustart von Breitbart News als professionelle Webseite mit eigener Redaktion. Andrew Breitbart selbst verstarb mit 43 am 1.3.2012 an einem Herzinfarkt. Bannon übernahm gemeinsam mit Larry Solov die Chefredaktion von Breitbart und heuerte junge intellektuelle Querdenker wie Ben Shapiro und Milo Yiannopoulos an, die sich auf kluge, konservative Weise mit Themen wie GamerGate oder die Alt-Right beschäftigten, über sie sonst nur linke Skandalgeschichten geschrieben wurden. Breitbart wurde zum erfolgreichsten konservativen Nachrichtenportal der Welt.

Steve Bannon hatte Trump seit November 2015 als regelmäßigen Talk-Gast auf seiner Breitbart Radio Sendung kennengelernt. Als Trump 2016 schon mehrere Wahlkampfleiter verschlissen hatte und Ex-Fox-News-Chef Roger Ailes abgelehnt hatte, wandte Trump sich also an den Breitbart-Chefredakteur, um sein Team zu führen.

Bannon wird gerne als diabolischer Strippenzieher dargestellt, der Verbindungen zu Neonazis kultiviere, aber das ist schlicht Unsinn. Nach dem tragischen Tod einer Gegendemonstrantin in Charlottesville, Virgina am 12.8.2017 nannte Bannon die „Ethnonationalisten“ um Richard Spencer und die Alt-Right „Loser“ und „Randelemente“.

Bannons Philosophie ist im Prinzip eine recht einfache, die dem hemdsärmligen Sohn eines irischen Telefontechnikers vom Navy-Megastützpunkt Richmond, Virginia gut zu Gesicht steht: Bannon plädiert für einen „wirtschaftlichen Nationalismus“, der die Interessen der einheimischen Arbeiter und Steuerzahler an allererster Stelle setzt.

Viele seiner Positionen würden auch bei der SPD Wuppertal gut ankommen: Er ist gegen fremde Kriege und gegen Bankenrettung, und für eine Politik, die dem eigenen Wähler dient, der sich oft heute abgehängt, vergessen und ausgenützt vorkommt. Oder, wie Bill Clinton es 1992 ausdrückte: „It’s the economy, stupid.“ Bannon fokussierte Trumps Botschaft laser-artig auf das Kernthema des „wirtschaftlichen Nationalismus“ - der Grund warum seine Botschaft so überraschend gut bei der arbeitenden Mittelschicht im Rostgürtel von Pittsburgh bis Detroit ankam. Eine Botschaft, die auch beim deutschen Wähler fruchten würde, wenn es denn mal Politiker gäbe, die die Interessen, Steuergelder und Arbeitsplätze einheimischer Arbeitnehmer mal vor denjenigen eingewanderter Analphabeten und dem Rest der Welt stellen würden.

Vermutlich ist Bannon gerade deshalb so bedrohlich für die Linke: Weil er das Thema bedient, das sie aus den Augen verloren haben - das Wohl der Arbeiterklasse. Ein rechter Bernie Sanders oder Sahra Wagenknecht. Deshalb mussten sie ihn - bar besserer Argumente - immer als rechten Nazi verunglimpfen. Das Argument „unsere Leute zuerst“ wird nämlich beim Wähler immer unschlagbar bleiben.

Nach Charlottesville mußte Trump Bannon am 18.8. entlassen. Nach Bannons Darstellung lag er schon lange im Clinch mit der „Soros-nahen Globalisten-Fraktion“ um Ivanka Trump und Jared Kushner im Weißen Haus, die für einen gemäßigteren Kurs plädierten. Ivanka ist immerhin eine Schulfreundin von Chelsea Clinton und hat 2007 an den Wahlkampf von Hillary Clinton gespendet.

Bannon saß tags darauf schon wieder am Chefredakteurs-Schreibtisch in der „Breitbart-Botschaft“, seinem Haus in Washington D.C. Er versprach, „für Trump in den Krieg zu ziehen“. Es war jedoch nicht zu leugnen, dass Breitbart.com nun vermehrt auch Artikel brachte, die die Trump-Regierung angriffen, vor allem „Javanka“ und Sicherheitsberater H.R. McMaster, den Breitbart „den McMeister der Intrige“ taufte.

Im November stellte sich Bannon hinter den ultra-konservativen Roy Moore als Kandidaten für den Senatssitz von Alabama, gegen den „Establishment-Kandidaten“ Luther Strange, der von Trump unterstützt wurde. Bannon flog sogar seinen Mitstreiter Nigel Farage aus London ein, um im tiefsten Alabama eine Wahlkampfrede zu halten: „Es gibt aber auf der konservativen Seite auch Berufspolitiker, die wissen, je enger sie sich an die großen Banken und multinationalen Konzerne heften, je weniger sie sich mit den Medien anlegen, desto besser für sie,“ warnte „Mr. Brexit“ die Südstaatler.

Bannon schug in die gleiche populistische Kerbe: „Diese Leute haben kein Interesse an einer Diskussion mit euch, kein Interesse die illegale Einwanderung aufzuhalten. Sie habe nur teure Fernsehwerbung geschaltet weil sie denken, ihr seid dumme Hinterwäldler. Das sind die selben Leute die vom ersten Tag an versucht haben, Trump zu vernichten. Aber der Tag der Abrechnung kommt, meine Herren.“

Moore war jedoch auch unter Konservativen in Alabama nicht unumstritten. Viele traditionelle Republikaner lehnten den Haudegen ab, vor allem nachdem Vorwürfe laut wurden, er habe als 30-jähriger minderjährigen Mädchen Avancen gemacht. Trump unterstützte Moore erst am Tag der Wahl mit einer Twitter-Botschaft: „Roy Moore wird immer mit uns Stimmen“. Wir sprachen mit einer republikanischen Wählerin aus Alabama, die sagte „Wir werden Luther Strange auf den Wahlzettel schreiben, weil wir weder Moore noch den Demokraten wollen.“

Als der demokratische Gegenkandidat Doug Jones in Alabama gewann - der erste linke Senator aus Alabama seit 30 Jahren - gab Trump Bannon die Schuld: „Der Grund warum ich ursprünglich Luther Strange unterstützt habe ist, weil ich dachte, dass Roy Moore nicht gewinnen kann. Ich hatte Recht!“ (Die deutschen Medien schaffen es trotzdem irgendwie, daraus eine „Niederlage für Donald Trump“ zu fantasieren.)

Die jüngsten Enthüllungen aus Wolffs Buch brachten für Trump wohl das Faß zum überlaufen. Bannon hatte das Treffen von Präsidentensohn Donald Trump Jr. im Wahlkampf 2016 mit einer russischen Anwältin, die vorgab, belastendes Material über Hillary Clinton zu haben, „vaterlandsverräterisch“ und „unpatriotisch“ genannt - womit er objektiv nicht so weit daneben liegt, hat Donald Jr. sich doch für das Treffen entschuldigt und den E-Mail Verkehr dazu offengelegt.

Für Trump war damit allerdings eine Grenze überschritten: „Als Steve Bannon seinen Job verloren hat, hat er auch seinen Verstand verloren“, sagte Trump in einem Statement am 3.1. Er taufte Bannon, der immer einen viel lässigeren Kleidungsstil pflegt als Trump mit seinen roten Krawatten, auf Twitter den „Schlampigen Steve“. Es ist bekannt, dass Trump wert auf eine gepflegte äußere Erscheinung legt, etwas das er seinem Männerfreund Bannon wohl nachsah. Trumps Attacken wurden persönlich: Bannon habe „geheult und gefleht“ als er ihn entlassen habe, twitterte der Präsident.

Auch die Mercers, die Bannon und Breitbart.com seit 2010 finanziert hatten, distanzierten sich: „Meine Familie und ich haben seit Monaten keinen Kontakt zu Steve Bannon gehabt, noch unterstützen wir seine politische Agenda“, sagte Rebekah Mercer in einem Statement. Nach den Enthüllungen über die Zusammenarbeit zwischen den Mercers und Bannon durch den Journalisten Joshua Green und die linke Webseite Buzzfeed hatte Robert Mercer sich aus der Politik und der Geschäftsführung seines Hedgefonds Renaissance zurückziehen müssen.

Die deutschen Medien jubelten hämisch. „Comeback ausgeschlossen“, titelte die Tagesschau am 10.1. und demonstrierten nur, wie gründlich man sich irren kann, wenn man Propganda statt Journalismus betreibt. Denn bereits tags darauf schien Trump seinen Wutausbruch schon wieder zu bereuen. Dem Wall Street Journal sagte Trump am 11.1., er fühle sich von Bannon zwar „verraten“, aber wolle eine Versöhnung nicht ausschließen: „Wir gucken mal, was passiert.“

Es ist kaum vorstellbar, dass der 64-jährige Bannon sich nun aus der Politik zurückzieht. Die Frage ist nur, wo er jetzt hingeht. Im konservativen Spektrum tut sich zur Zeit einfach zuviel. Laut Buzzfeed will der deutschstämmige Paypal-Begründer Peter Thiel (der erste schwule Redner auf einem republkanischen Parteitag) mit den Mercers und Roger Ailes einen konservativen TV-Sender starten. Milo Yiannopoulos’ Verlag hat mit „Fatwa“ von Pamela Geller sein zweites Buch herausgebracht, und könnte - neben dem nächsten Bestseller von Milo („Despicable“ über die Hollywood-Skandale) - sicher auch ein Bannon-Buch stemmen. 2018 stehen außerdem Kongresswahlen an, bei denen Bannon als Stratege oder sogar als Kandidat vorstellbar wäre. Es gibt sogar Spekulationen, er könnte 2020 für die Präsidentschaft kandideren. Wir gucken mal, was passiert!

Collin McMahon ist Autor und Übersetzer, schreibt u.a. für journalistenwatch.com. Er schreibt gerade an einem Buch über Breitbart, Bannon und Trump, das im Mai bei Antaios erscheint.


 Gastbeitrag

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Kommentare (9)

William Wall
15. Januar 2018 11:23

"Laut Buzzfeed will der deutschstämmige Paypal-Begründer Peter Thiel (der erste schwule Redner auf einem republikanischen Parteitag) mit den Mercers und Roger Ailes einen konservativen TV-Sender starten."

Zumindest Roger Ailes wird sich an diesem Plan nun nicht mehr beteiligen († 18. Mai 2017).

Und: Man hätte in einem Satz nochmal explizit festhalten können, dass Bannon nun auch sein geliebtes Breitbart verlassen hat/musste.

Anonsten guter Bericht zu einem interessanten Thema! :)

Solution
15. Januar 2018 17:09

Breitbart (die Netzseite), Bannon und Trump sind alles andere als "rechts". Sie sind auch keine echten Konservativen sie sind höchstens "Civic Nationalists" oder gar "Cuckservative". Was tun sie, um den Untergang des weißen Amerikas zu verhindern? Mir fällt da nichts ein, außer ein paar Absichtserklärungen, die höchstens auf eine Verzögerung des Niederganges hinauslaufen würden. Wer oder was wirklich hinter Breitbart und Trump steht und den großen Einfluß im Hintergrund hat, ist klar: Es sind dieselben Mächte, die schon immer entscheidend waren.

Old Linkerhand
15. Januar 2018 18:30

Letzte Woche lief spät im Staatsfernsehen eine Doku über Bannon. Dort wurde er als der mächtige Mann hinter Trump und eigentlicher Strippenzieher der Agenda -mit Darth Vader Komik- dargestellt. Als junger Mann bei der US Navy hatte er 1979 den Sturz des persischen Regime und die Gründung der islamischen Republik Iran hautnah miterlebt und damals schon den kommenden Konflikt mit dem Islam vorhergesagt. Welche zukünftige Rolle Bannon bei den amerikanischen Antiglobalisten spielen kann, ist für Kontinentaleuropäer schwer einzuschätzen. Seine Illusionslosigkeit und sein scharfer politischer Verstand lassen ihn manchmal etwas spröde und als Präsidentschaftskandidaten ungeeignet erscheinen. Er selbst dürfte sich wohl auch nicht in der ersten Reihe sehen,
aber im Gegensatz zu vielen NeuRechten, halte ich ihn dennoch für einen guten Mann.

Der_Juergen
15. Januar 2018 20:22

@Solution

Sie haben teilweise recht, aber eben nur teilweise.

Trump und Bannon würden, liesse man ihnen freie Hand, sicher etliches tun, um den Untergang des weissen Amerikas zu verhindern. Das Problem besteht darin, dass der Präsident nicht regieren kann, weil er nicht nur die Demokraten, sondern auch die Mehrheit seiner eigenen Partei und praktisch die ganzen Medien gegen sich hat.

Seine einzige Chance hätte darin bestanden, gleich zu Beginn seiner Amtszeit aufs Ganze zu gehen und den Notstand auszurufen. Der ideale Aufhänger wäre der 11. September gewesen, über den er mit absoluter Sicherheit Bescheid weiss (schon am Abend der Anschläge äusserte er, der als Bauunternehmer natürlich etwas von Architektur versteht, seine Skepsis über die offizielle Version). Er ist davor zurückgeschreckt, das Risiko einzugehen, und dass er dies jetzt noch tut wird, ist reichlich unwahrscheinlich.

Viele sind berufen, wenige auserwählt. Trump gehört offensichtlich zu den ersteren. Dennoch, der Geist ist aus der Flasche, und radikalere Kräfte werden dort weitermachen, wo Trump aufhören musste. (Sollte ich mich irren, und sollte Trump sich behaupten und zumindest einen Teil seines Programms verwirklichen können, wird sich keiner mehr über meinen Irrtum freuen als ich selbst.)

Max
17. Januar 2018 08:48

@Der_Juergen

Wenn ich mir ansehe, was 1 Jahr Trump gebracht hat, so sehe ich vor allem eins: Recht erfolgreiche Sabotage der globalistischen Weltmacht USA.

Und das ist etwas, was einerseits aus konservativer Sicht notwendig ist - als Rückkehr zum klassischen Isolationismus - andererseits eben auch trotz allen Widerstands möglich ist. Denn das Imperium ist ja eine höchst komplizierte Maschine der Macht über die Welt, die zwar auch, aber nicht nur, auf Waffen beruht, sondern auch auf einer Menge Softpower. Und diese Softpower kann er als Präsident einfach vor den Baum fahren. Dazu braucht es nicht die ganze Macht, es reicht die Macht zur Sabotage.

Mir scheint, dass er, was die Zerstörung der Macht der Globalisten betrifft, sogar mehr erreichen wird als ein wirklich überzeugter Isolationist a la Ron Paul mit voller Machtfülle (die der natürlich nie gekriegt hätte) hätte erreichen können. Denn ein Ron Paul an der Macht würde die Glaubwürdigkeit der USA nicht zerstören, und damit hätte sein Nachfolger die Möglichkeit, wieder zur imperialen Politik zurückzukehren, ohne größere Probleme. Trump tut das gerade recht erfolgreich.

Ein Ron Paul mit der Macht würde, wie ein normaler Fahrer eines Autos, die Maschine normal abstoppen und anhalten. Trump ohne die volle Macht agiert wie ein Kind auf dem Beifahrersitz, welches Papa ins Lenkrad greift, während der nicht mal auf die Bremse tritt, das Auto landet am Baum mit Totalschaden.

So unterstützt beispielsweise der CIA die Kurden im Iraq bei der Organisation ihres Referendums. Die dachten "Amerika ist mit uns", und starteten ihre Unabhängigkeit. Das Ergebnis: Trump greift ins Lenkrad, und die USA machen gar nichts als die Iraqer (genauer, die Iraner) den Kurden einfach Kirkuk wegnehmen und sich mit dem Öl in Kirkuk auch alle Träume der Kurden von Unabhängigkeit in Luft auflösen. Totalschaden für das amerikanische Kurdistan-Projekt. Die Kurden fühlen sich verraten. Ein Isolationist an der realen Macht hätte den Kurden gleich offen keine Hoffnung auf US Unterstützung gemacht, die Glaubwürdigkeit der USA bliebe unbeschädigt, sein Nachfolger könnte ohne Probleme wieder beginnen, die Kurden zu unterstützen.

Trumps Vor-den-Baum-Fahren des US Imperiums hat natürlich eigene Risiken - anstelle des Baums kann auch ein Auto auf der Gegenfahrbahn getroffen werden. Aber es kann funktionieren, und auf sehr wirksame Weise, und aktuell funktioniert es.

Auch in Europa. Anti-Trump zu sein ist für all die Politiker, die bisher gezwungenermaßen Transatlantiker sein mussten, um politisch zu überleben, eine Möglichkeit zum langsamen Übergang zum Antiamerikanismus. Und das Establishment hat jetzt überall auf der Welt die Möglichkeit, sich um die Interessen des eigenen Landes zu kümmern, auch da wo sich die Transatlantiker anderes wünschen. Man traut sich sogar in der UNO gegen die USA zu stimmen. Die Polen pfeifen auf die Washingtoner antirussische Einheitsfront und wollen mit den ukrainischen Bandera-Faschisten nichts mehr zu tun haben. Die Deutschen unterstützen Northstream II., TTIP ist tot, usw. usf..

Gustav Grambauer
17. Januar 2018 11:14

Max

Bingo. Sehr feine Analyse. Mein Reden. MAGA ist MASA, "S" steht für "Small", ein simpler Orwellismus. Der globale Prädiktor muß den American Way of Life an die Wand fahren, denn der Planet, den er ja als sein Eigentum betrachtet, ginge zugrunde, wenn 7 Mrd. Menschen je zwei Yukon Denalis in der Garage haben wollten. Dem steuert die "Elite der Elite" (also diejenigen auf der Ebene Kissinger und darüber) nicht mit "globaler Klimapolitik" sondern mit "Dreckslöcher sind Dreckslöcher und werden immer Dreckslöcher bleiben" entgegen - viel unaufwendiger, viel billiger und unterm Strich immer noch viel emissionsärmer als "Entwicklungspolitik mit Zuckerbrot und Peitsche", auch viel ehrlicher. Die Full Spectrum Dominance, die aus dieser (libertären) Perspektive gesehen im Kern sowieso nur eine unästhetische und vor allem teure Form eines Erziehungsprogramms in der Tradition von Lessing ist, ist sowieso nicht mehr zu halten, weg damit. Sie sagen es: Darwin Award. Als Korrektiv wird die weiße Rasse minim weniger indoktrinär unterdrückt, damit deren gbildetere Teile wieder stärker als inzidente Ordnungsmacht gegenüber der Dritten Welt auftreten können, aber dies geschieht sehr vorsichtig dosiert, nur in sehr kontrolliertem Rahmen und jederzeit reversibel. Auch dabei muß man die Janusköpfigkeit sehen: darwinistisch gesehen haben die verfetteten Yankees als Masse eine ganz schlechte Position, und Trump würde zusätzlich am liebsten sogar in Nordamerika selbst das ganze Schulsystem schleifen, wozu braucht ein amerikanisches Kind eine Schule wenn es sich keinen Privatlehrer leisten kann.

Sowohl die U. S. A. (off America, mit Doppel-f, ein seehandelsrechtliches Konstrukt allein 2017 mit 20,5 Billionen Schulden offiziell) als auch die - älteren - U. S., die von Trump zu dessen Inkassobüro ausgebaut werden, werden nur als eine Fußnote in die Zivilisationsgeschichte eingehen.

Sehe Trump trotzdem sehr positiv, allein weil er ein neuer Player am Tisch der alten aufklärerischen Zinker ist und auch wenn mir der Nexus Freimaurer-Jesuiten natürlich bewußt ist. Trump muß, um sich Gewicht zu verschaffen, auch Elemente strotzender Gesundheit in sein Programm einbauen, wobei der Krieg gegen die pc ja nur eines aus einer ganzen Palette ist. Die damit notgedrungen in Gang gesetzte psychologische Eigendynamik in Richtung Souveränität und Freiheit werden seine Meister nicht kontrollieren können, so wie die "Zinker" ihrerseits einen Riesen-Fehler mit der Freischaltung des www gemacht hatten, das bereits heute niemand mehr kontrollieren kann.

Der Clou ist, daß Trump der eigentliche Globalist und die WAS"P"-Satanisten die Provinzialisten sind, Besitzstandswahrer, die ihre Privilegien nicht nur nicht abgeben sondern in einem Illuminaten-Weltstaaat erst so richtig ausspielen woll(t)en, und zwar gegen die Interessen der - wohlverstandenen - globalen Elite. Zentralgewalt und Partikulargewalt - heute im globalen Maßstab, über alle hiesige anderslautende ideologische Schaumschlägerei hinweg. Aus der Sicht, sagen wir, eines Kissinger oder z. B. einer Yellen sind die Obamas, Clintons, Merkels und Macrons nur ungehorsame Kinder. In deren nicht von aufklärerischer Toleranz geprägtem Verständnis gehören ungehorsame Kinder hart gezüchtigt, und so wird es geschehen.

Ruhe vor dem Sturm ...

- G. G.

Der_Juergen
17. Januar 2018 11:18

@Max

Was Sie schreiben, hat vieles für sich. Manche Ihrer Gedanken sind recht originell und nicht von der Hand zu weisen.

Zum Thema Trump würde man auch gerne mal einen Kommentar von @Gustav Grambauer lesen, der dessen Wahl ja bereits im September 2016 kategorisch angekündigt hatte und dem deshalb von einigen Foristen hellseherische Fähigkeiten oder zumindest Insiderkenntnisse unterstellt wurden. Im Moment sieht es ja so aus, als nehme die Karriere des Emporkömmlings schon bald ein unrühmliches Ende. "You did not foresee that in your prophecy, did you, professor Grambauer"?, könnte man da den Grafen Krolow aus Polanskis "Tanz der Vampire" nachäffen.

Der_Juergen
17. Januar 2018 14:24

@Gustav Grambauer

Da haben Sie meinen Wunsch nach einer Stellungnahme zu Trump ja bereits vorauseilend erfüllt, noch ehe er hier erschienen war. Danke für diesen luziden Kommentar, der wieder einmal zeigt, dass Sie einer der kenntnisreichsten und begabtesten Sezessionisten sind.

Cacatum non est pictum
17. Januar 2018 17:30

@Der_Juergen

"Zum Thema Trump würde man auch gerne mal einen Kommentar von @Gustav Grambauer lesen, der dessen Wahl ja bereits im September 2016 kategorisch angekündigt hatte und dem deshalb von einigen Foristen hellseherische Fähigkeiten oder zumindest Insiderkenntnisse unterstellt wurden."

Ich lese die originellen, tiefschürfenden Beiträge von Gustav Grambauer auch immer gern, obwohl ich sie gelegentlich nicht bis ins letzte Detail verstehe. Oft enthalten sie mystisch umwehte Andeutungen, die einen Nichtanthroposophen schon mal ratlos zurücklassen. Ob in diesem Fall seine Interpretationen und jene von Max zutreffen, wird die Zeit erweisen. Zu wünschen wäre es. Momentan bin ich eher skeptisch gestimmt und sehe uns in Westeuropa einem Höllenfeuer entgegengehen. Daß Trump - und sei es nur indirekt - daran etwas ändern wird, liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft.

Ich habe übrigens vor kurzem eine Literaturempfehlung beherzigt, die Sie vor Monaten hier im Forum abgegeben hatten, und mir Stephen Mitford Goodsons Buch über die Geschichte der Zentralbanken in der nun erschienenen deutschen Fassung besorgt. Die Lektüre ist lohnenswert, auch wenn ich das meiste bereits gewußt habe. Wirklich interessant ist vor allem der kausale Zusammenhang zwischen zentralbankemittiertem Zinsgeld und dem Niedergang ganzer Völker, den Goodson herstellt und bestens belegt. Daß außerdem die großen Kriege, Revolutionen und Putsche der letzten 300 Jahre nahezu ausschließlich auf das Wirken der Hochfinanz zurückgehen - eine der zentralen Aussagen Goodsons - habe ich neulich in einem SiN-Beitrag so ähnlich formuliert, ohne seinerzeit das Buch gelesen zu haben.

Und deshalb ist mein Optimismus auch stark begrenzt. Die Herren der Welt halten ihren Daumen auf den allermeisten Regierungen. Solange wir ihnen nicht ihr Machtinstrument - das Schuldgeldsystem - aus der Hand schlagen, werden die Völker in Zukunft von nationaler Souveränität nur träumen können.

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