Sezession
19. Januar 2018

Zensur und die Entdifferenzierung der Medien

Caroline Sommerfeld / 34 Kommentare

Was passiert, wenn das ausdifferenzierte soziale System der Massenmedien bedrohlich irritiert wird? Es greift zur Zensur. Und zerstört sich damit funktional selbst.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

  • Sezession

Der Soziologe Niklas Luhmann unterschied zwischen "Beobachtung erster Ordnung" und "Beobachtung zweiter Ordnung". In seinem Buch „Die Realität der Massenmedien“ (1996) geht er davon aus, daß „Beobachtung erster Ordnung“ normales Handeln ist: jemand spricht, schreibt, arbeitet, unterscheidet so und nicht anders. Im Mediensystem läuft ständig die Unterscheidung informativ/nichtinformativ. Massenmedien operieren in dem Modus: neue Informationen generieren, alte veralten von allein. Neue Informationen sind anschlußfähig an alte, deswegen kann man sie überhaupt verstehen. So geht alles seinen sozialistischen Gang. Das Mediensystem beobachtet die Welt mithilfe seines Codes: was taugt als Information für die Leser-, Hörer- und Zuschauerschaft? Mehr kann es nicht, es ist operativ geschlossen.

Hier kommt die Beobachtung zweiter Ordnung ins Spiel: die Gegenbeobachtung mithilfe systemfremder anderer Codes. Das ist ebenfalls ganz normal, haben doch Ereignisse in den Medien immer wieder juristische, finanzielle, ästhetische oder politische usw. Ursachen und Folgen. Es wird beispielsweise über einen Kriminalfall berichtet, es werden Werbeanzeigen geschaltet oder bestimmte Medien haben bestimmte politische Tendenzen oder erzieherische Absichten oder hübsche Designeraufmachungen. Kein besonderes Problem soweit, ganz gewöhnliche ausdifferenzierte moderne Gesellschaft.

Irritationen im System kommen immer von außen. Sie können innen im Mediensystem nur mit dem Zweiseiten-Code informativ/nichtinformativ aufgegriffen und weiterverarbeitet werden: zu neuen Informationen.

Doch was geschieht, wenn Informationen prinzipiell nicht mehr als informativ, sondern als falsch (aus dem Wissenschaftssystem: hier wird manipuliert und verfälscht statt informiert), als böse (aus dem Moralsystem: hier wird gelogen und betrogen statt informiert), als entmündigend (aus dem Erziehungssystem: hier wird gegängelt, pädagogisiert, das Denken betreut statt informiert) oder als feindlich (aus dem Politiksystem: hier wird agitiert und Feindschaft gesät statt informiert) beobachtet werden?

Dann reagiert das Massenmediensystem alarmiert. Es sieht sich mit den Argusaugen anderer Systeme beobachtet und sein systemimmanenter Code droht zu verschwinden.

Um den Systemkollaps zu verhindern, versucht es, das als falsch Beobachtete als wahr hinzustellen, das als böse Beobachtete als gut und das als feindlich Beobachtete als freundlich. Es macht damit aber im Sinne des eigenen Systemerhalts genau alles falsch – es öffnet sich der Gegenbeobachtung aus anderen Systemen, statt sich operativ zu schließen und auf die eigene Unterscheidung informativ/nichtinformativ zu bestehen. Fortan wird Information als wissenschaftliche, moralische und politische Frage behandelt. Informationen sind keine Informationen mehr, sondern fake news, Lügen und Krieg. Das Massenmediensystem kopiert lauter ihm äußerliche Codes in sich hinein und löst sich von innen sukzessive auf.

Nun könnte man sagen: die Beobachtung zweiter Ordnung passiert doch innerhalb des Mediensystems. Es werden einfach alle Mainstream-Informationen gegenbeobachtet und abgeklopft  mit einem zusätzlichen, „kritischen“ Code, und man findet Lügen, Lücken und Lumpen. Nur zu diesem Zwecke existieren beispielshalber im Internet Portale wie PI, JouWatch, Unzensuriert oder InfoDirekt, zahlreiche Blogs und YouTube-Kanäle, „Widerstand von Kommunikation gegen Kommunikation“, mit Luhmann gesprochen.

Das stimmt jedoch so nicht, weil ein und dasselbe soziale System keine zwei Codes betreiben kann, etwa einen „normalen“ und einen „kritischen“. Normalerweise bewältigt ein System Kritik durch Integration der Irritation (zum Beispiel skandalisieren Medien moralische, ästhetische oder rechtliche Vergehen oder lancieren die „einseitige Berichterstattung“ des einen Mediums im konkurrierenden als Nachricht). Irritation von außen wird entweder dem Vergessen anheimgestellt („Einzelfälle“) oder der Gewöhnung („ganz normale Islamisierung“).

Bloß darf diese Irritation quantitativ nicht überhandnehmen. Wenn der Eindruck entsteht, daß jede Information möglicherweise falsch, böse, gelenkt und feindlich ist, kann das System nicht mehr einfach so weiteroperieren und massenhaft noch mehr Informationen desselben Gehalts generieren, was ja seine genuine Aufgabe ist. So handelt es abermals nicht im Sinne des eigenen Erhalts: es reagiert physisch. Die ultima ratio der Massenmedien ist: Z e n s u r , also reales Nichtermöglichen von Information.

Soziale Systeme im modernen, ausdifferenzierten Sinne, wie sie Luhmann Ende des 20. Jahrhunderts vor Augen hatte, haben ihre alle ihre jeweilige physische Deckungsgarantie historisch gesehen immer mehr zurückgehalten: Erziehung droht latent, aber nicht mehr manifest mit Züchtigung, Religion droht latent, aber nicht mehr manifest mit der Hölle. Politik droht latent, aber nicht mehr manifest mit Krieg, Massenmedien drohen latent, aber nicht mehr manifest, mit Zensur.

Wenn jetzt Akteuren und Konsumenten der kritischen Medien der Zugang zu ihren Informationskanälen durch Sperrung, Löschung und Strafen verwehrt wird, wenn ihnen Eigentum beschädigt und zerstört wird, siehe Martin Sellner – dann ist das nicht mehr nur symbolisch, sondern auch körperlich. Dann ist es nicht mehr Kommunikation, für Luhmann der Sinn von Gesellschaft überhaupt, sondern Gewalt. Zensur  hat ein massives Legitimationsproblem, das der Luhmann-Schüler Holger Arning 2009 so gefaßt hat:

Wenn Zensur vor allem auf die Tilgung von Aussagen zielt, bedeutet Öffentlichkeit für sie vor allem kontraproduktive Werbung. Setzt sie dagegen auf die Einschüchterung möglicher Produzenten und Rezipienten, ist sie darauf angewiesen, ihre Drohungen medial zu verbreiten und Strafen zur Abschreckung öffentlich zu inszenieren.

Dieses Paradox – Zensur darf nicht öffentlich werden, muß es aber – ist ein weiteres Merkmal der Unfähigkeit des Mediensystems, die Menge der Irritationen innen zu verarbeiten. Es beginnt, sich „Hilfe von außen“ zu holen, vergrößert dabei allerdings die Irritationen. Das herbeigerufene „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ ist ein Hybrid auf den Systemgrenzen von Recht (ein klassisches Gesetz ist es nicht, Heiko Maas weist seine juristische Legitimierung weit von sich), Politik (es sortiert Freund und Feind) und Moral (die Sortierung erfolgt nach gut und böse) – und erzeugt im massenmedialen System letale Übercodierung. Information/Nichtinformation war einmal.

Wenn die Ausdifferenzierung der Gesellschaft sich umkehrt, also wieder abnimmt, gelingt es einzelnen Systemen nicht mehr zuverlässig, ihre Grenze stabil zu halten. Der Code wird ständig durch Fremdcodes überlagert (informativ/nichtinformativ heißt dann eben auch immer: wahr/falsch, gut/böse usw.), die Fähigkeit der "symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien" (Recht, Politik, Kunst, Erziehung, Religion, Massenmedien usw.), nur auf der Zeichenebene symbolisch zu operieren, nimmt ab.

Massenmedien im modernen Sinne sind durch die historische Herausbildung einer politischen Öffentlichkeit im 18. Jahrhundert entstanden. An ihrem Anfang stand ständige Zensur. Führt mithin Zensur objektiv zu Entstehung politischer Öffentlichkeit, und, wie ich andernorts annahm, Repression aktiviert? Oder stimmt meine Diagnose der Systemimplosion (durch Fremdcodeüberlagerung und durch Freisetzung physischer Deckungsgarantien) und das Massenmediensystem wie wir es kannten ist am Ende?

Eine Gesellschaftstheorie der Entdifferenzierung, des Rückbaus sozialer Systeme, der  Wiedereinsetzung physischer Mechanismen, ist noch nicht geschrieben. Luhmann ist 1998 gestorben, er hat die moderne Gesellschaft für stabil gehalten, Konservativer, der er war. Er glaubte auch, davon kündet die unergiebige Kontroverse mit Habermas, daß Gesellschaftstheorie deskriptiv bleiben („Was ist der Fall?“) müsse, und nicht ideologiekritisch eingreifen („Was steckt dahinter?“) könne. Sie muß als nötigenfalls zusehen, wie Systeme implodieren.


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (34)

Der Gehenkte
19. Januar 2018 10:54

Ich ziehe den Hut! (Gibt es denn hier keine Druckfunktion?)

Der_Juergen
19. Januar 2018 11:05

Dass die Glaubwürdigkeit der Qualitätsmedien in den Augen der Öffentlichkeit drastisch schwindet, ist eine offenkundige Tatsache; davon zeugen ja auch die rasch sinkenden Auflagen der systemtreuen Zeitungen und Zeitschriften.

Eine wachsende Zahl von Menschen, allerdings bestimmt immer noch eine relativ kleine Minderheit, bezieht ihre Informationen aus alternativen Medien, seien diese nun Druckerzeugnisse wie das "Compact"- Magazin oder eben das Internet. Die Zensur missliebiger Informationen - aus aktuellem Anlass seien hier die Sellner-Videos als Beispiele genannt - funktioniert allerdings aus technischen Gründen nicht so gut, wie es dem System lieb wäre.

Mir drängt sich in letzter Zeit der Eindruck auf, dass das System gewissermassen "Anschläge unter falscher Flagge" begeht, um Verwirrung zu stiften. Ein markantes Beispiel sind die sich häufenden Videos über die "flache Erde". Deren Urheber berufen sich manchmal auf die sehr wohl begründete Skepsis über die angeblichen Mondlandungen der USA und servieren anschliessend ihren Quark über die flache Erde.

Mir scheint, dadurch sollen die sogenannten "Verschwörungstheoretiker", wie Enthüller unbequemer Fakten im Jargon des Systems genannt werden, diskreditiert werden, nach dem Motto: Wer an den Mondlandungen oder an der offiziellen Version vom 11. September oder am menschengemachten Klimawandel zweifelt, glaubt auch an die flache Erde.

Hartkeks
19. Januar 2018 11:36

@Jürgen
Die "Flat Earther" -Schwemme, gerade auf Youtube, ist mir auch schon sauer aufgestoßen.
Genauso stabiles Argumentationsgebäude wie die Evolutionstheorie. :-)
Gruß Hartkeks

quarz
19. Januar 2018 12:01

@Jürgen

"Mir scheint, dadurch sollen die sogenannten "Verschwörungstheoretiker", wie Enthüller unbequemer Fakten im Jargon des Systems genannt werden, diskreditiert werden, nach dem Motto: Wer an den Mondlandungen oder an der offiziellen Version vom 11. September oder am menschengemachten Klimawandel zweifelt, glaubt auch an die flache Erde."

Hierzu gibt es eine interessante historische Parallele. Die Behauptung, dass man im Mittelalter die Erde für eine Scheibe gehalten habe, wurde ebenso wahrheitswidrig wie gezielt von "Aufklärern" in Umlauf gebracht, um sich selbst als aufgeklärte Gegenbewegung zum vermeintlich finsteren Mittelalter in Szene zu setzen.

Mit dieser Propaganda waren sie so erfolgreich, dass der Irrglaube vom Irrgauben an die Scheibengestalt der Erde sich bis heute in der Mehrzahl der Köpfe hält.

Franz Bettinger
19. Januar 2018 12:01

Wichtiger Beitrag, Frau Sommerfeld. Die Macher (Deep State mit ihrer Hauptwaffe Main Stream-Propaganda) haben die Rechnung nicht mit der Natur des Menschen gemacht. Das wird den Sklavenhaltern über kurz oder lang (ich rechne eher mit kurz) das Genick brechen. Die Natur hat uns einen Erkenntnis-Apparat gegeben, ein Hirn, das zwar über gewisse Zeiten hinweg manipulierbar, aber am Ende nicht pervertierbar ist. Es auto-reguliert sich selbst, sonst wären wir längst ausgestorben. Die Stimmung nicht nur in Deutschland, nicht nur in Europa, sondern in aller Welt ist am Kippen. Möglicherweise wird es ein blutiges, in jedem Fall aber ein reinigendes Gewitter geben. "Alles auf Anfang!" Wer glaubt denn, dass es den Spiegel oder den Fokus in 10 Jahren noch gibt? Diese spießigen, langweilig gewordenen Hetzblätter sind für alle Zeiten verbrannt. In stets größer werdende Lücke, die die Propaganda-Presse aufgrund ihrer Niveaulosigkeit schafft, stoßen Magazine wie Tichys Einblick, Compact etc. und machen die Ellbogen breit. Was mich retrospektiv wundert ist, wie dumm die Elitioten sind.

Der Unrechtsstaat hat längst die Schwelle zum Räuber-, Kerker-, ja Folter- und Mörder-Staat überschritten und jede innere Reparier-Fähigkeit eingebüßt. Das spüren die Menschen genau. Das spüren sogar Linke und Grüne, die sich aus schierer Verzweiflung an ihren verdrehten Hirn- windungen festklammern. Wir sehen ja sogar im ehemals abgeschlossenen, totalitären China einen Wandel hin zu mehr Freiheit. Man kann auf Dauer nicht gegen die Natur des Menschen anregieren. Merkel wird als 'die Schreckliche' in die Geschichte eingehen.

@Jürgen: interessant, Ihre false flag-Vermutung bei halb- garen Theorien w.z.B. auch der Chem-Trail-Theorie.

Der Gehenkte
19. Januar 2018 12:40

@ Franz Bettinger

"interessant, Ihre false flag-Vermutung "

"ich würde mal sagen", jede false-flag-Vermutung ist "interessant" - für gewisse Leute.

Es ist wirklich kaum auszuhalten: da wird ein systemtheoretischer Beitrag veröffentlicht - das ist übrigens, was die "Sezession" ausmachen sollte, will sie sich unterscheiden -, der Strukturen analysiert und der aus sich heraus eigentlich nur kongeniale Fragen, also Fragen nach der Struktur, nach der Logik zuläßt; aber schon die ersten Wortmeldungen "derailen" und statt die Argumentation abzuklopfen werden Privathobbys gepflegt und Bestätigungen der eignen Vorurteile im Text ausfindig gemacht.

Merken Sie denn gar nicht, daß der Begriff des "Systems", wie Sie ihn verwenden, dem Luhmannschen diametral entgegen steht? Ihm wären Sätze wie: "Der Unrechtsstaat hat längst die Schwelle zum Räuber-, Kerker-, ja Folter- und Mörder-Staat überschritten und jede innere Reparier-Fähigkeit eingebüßt." nie in die Feder geflossen, ja er hätte ihnen nicht die geringste Aufmerksamkeit geschenkt, maximal als Randphänomen der "Kontingenz" behandelt - ein Euphemismus für selbstimmune autopoetische Wahnsinnssysteme.

Immer noch S.J.
19. Januar 2018 14:34

Die zu lesende Frage, ob Zensur die politische Öffentlichkeit fördere, ist entscheidend. In historischer Hinsicht fällt mir jedenfalls kein einziges Beispiel für eine Gesellschaft ein, in der die Eliten, aus welchen Gründen auch immer zu restriktiven Maßnahmen greifend oder Tatsachen und Wahrheiten verbiegend, auf Dauer erfolgreich waren. Es muss nur ein allgemeines Bedürfnis ihren Maßnahmen entgegenstehen. Das allgemeine Bedürfnis braucht dabei noch nicht einmal sonderlich ausgeprägt sein – es muss nur an die Öffentlichkeit. Dafür eignen sich ganz viele Kanäle: das Gespräch im Büro oder in der Umkleidekabine eines Sportvereins, ein Leserbrief hier und dort, das Internet, alternative Verlage usw. Von der biblischen Weisheit „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ bis zur berühmten Lasswell-Formel „Who says what in which channel to whom with what effect“ ist es nicht weit. Wir sehen ja, wie die politische Öffentlichkeit größer und erregter wird. Das Problem ist nun leider auch, dass eine Gesellschaft, der es (noch) gut geht und deren Bürger bequem sind, scheinbar selbst mit den offensichtlichsten Täuschungen leben kann.

Der Gehenkte
19. Januar 2018 15:57

Es gibt da einen Punkt in diesem lobenswerten Versuch, das Wesen und die innere Widersprüchlichkeit der Zensur systemtheoretisch zu erfassen, der mir problematisch erscheint und der liegt im (scheinbaren?) Kategorienfehler, der „falsch“ und „böse“ und „feindlich“ vergleicht. „Falsch“ ist freilich mehrdeutig: es kann die Nichtübereinstimmung mit der Realität also die tatsächliche Unwahrheit sein (Göring-Eckardts Kleid ist nicht grün, sondern rot), es kann die logische Falschheit (alle Grünen sind Rote, Göring-Eckardt ist grün, ergo ist die rot), also das Gegenteil der Korrektheit oder drittens die „moralische“ Falschheit, also Nichtehrlichkeit, Nichtrichtigkeit, Nichtwahrhaftigkeit sein (Göring-Eckardt ist nicht grün, sondern rot) sein. https://www.youtube.com/watch?v=yjRvRw_XlNQ

Im Sinne dieses Vortrages scheint es mir nur auf der ersten Ebene zu funktionieren, ist dann aber mit den beiden anderen Kategorien nicht vergleichbar, wohingegen die beiden anderen Varianten auf der gleichen Ebene agieren, aber keinen Sinn ergeben.

Man kann in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, daß der Marxismus just aus dem Kampf um die Pressefreiheit entstanden ist.

Spricht Marx: „Auch die Preßfreiheit ist eine Schönheit - wenn auch gerade keine weibliche - die man geliebt haben muß, um sie verteidigen zu können. Was ich wahrhaft liebe, dessen Existenz empfinde ich als eine notwendige, als eine, deren ich bedürftig bin, ohne die mein Wesen nicht erfülltes, nicht befriedigtes, nicht vollständiges Dasein haben kann. Jene Verteidiger der Preßfreiheit scheinen vollständig da zu sein, ohne daß die Preßfreiheit da wäre.“

Gemeint sind die „Bemerkungen über die preußische Zensurinstruktion“ und die „Debatten über die Preßfreiheit“ aus dem Jahre 1842, aus der vormarxistischen Phase, wenn man so will. Dennoch spiegeln sie einen Kampf wider oder nehmen ihn vielmehr vorweg, den Marx – der von den Einnahmen existentiell abhängig war – ein Leben lang führte. Schließlich entschied auch er sich zu Neugründungen (Neue Rheinische Zeitung), die unterschiedlichen Erfolg hatten, später allerdings resignierte er und versuchte seine Artikel so zu gestalten, daß sie auch in bürgerlichen Zeitungen angenommen werden konnten.

Man sollte sich mindestens zwei Sätze aus diesen ersten Schriften merken – sie nehmen Luhmann vorweg (darf man das sagen?):

„Im Lande der Zensur ist jede verbotene, d.h. ohne Zensur gedruckte Schrift eine Begebenheit. Sie gilt als Märtyrer, und kein Märtyrer ohne Heiligenschein und ohne Gläubige. Sie gilt als Ausnahme, und wenn die Freiheit nie aufhören kann, dem Menschen wert zu sein, um so mehr die Ausnahme von der allgemeinen Unfreiheit. Jedes Mysterium besticht. Wo die öffentliche Meinung sich selbst ein Mysterium ist, ist sie von vornherein bestochen durch jede Schrift, die formell die mystischen Schranken durchbricht. Die Zensur macht jede verbotene Schrift, sei sie schlecht oder gut, zu einer außerordentlichen Schrift, während die Preßfreiheit jeder Schrift das materiell Imposante raubt.“

Und: „Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein. Dem Schriftsteller, der sie zum materiellen Mittel herabsetzt, gebührt als Strafe dieser inneren Unfreiheit die äußere, die Zensur, oder vielmehr ist schon seine Existenz seine Strafe.“ (MEW 1. 33, 60, 71)

Das sollte man der linken (und jeder) Presse ins Stammbuch schreiben!

Allerdings enthebt uns das nicht der Frage: Was ist Zensur eigentlich? Man darf hier Kausalität und Korrelation nicht verwechseln!

Eine interessante Diskussion dazu (mit überraschenden Teilnehmern) gab es hier:

https://seidwalkwordpresscom.wordpress.com/2017/02/08/der-letzte-gang-der-medien/#comments

Stil-Bluete
19. Januar 2018 17:01

@ Caroline Sommerfeld
Danke für diesen erhellenden, anschaulichen Beitrag über Luhmanns soziologischer These der 'Beobachtung erster und zweiter Ordnung'. Doch lebt eine klassische wie moderne Zeitung/Zeitschrift nicht, schon seit langem gesichert, von beiden Elementen?

@ Der Gehenkte
Was sind eigentlich 'Kommentare'? Gehören sie zur 'Beobachtung erster Ordnung' oder zur 'Beobachtung zweiter Ordnung'? So wenig ich Caroline Sommerfelds soziologische Objektivität anzweifeln möchte, zieht sie doch Luhmann auf u n s e r e Seite. So sehr
@ Franz Bettinger
'Beobachter erster und zweiter Ordnung vermischt/verkennt'(?), woran machen Sie, @ der Gehenkte das fest? Und wenn Sie Franz Bettinger kritisieren, zu welcher Kategorie gehören sie dann?

Was ist eigentlich, wenn jemand über den grünen Klee gelobt wird, weil er zum Eigenen zu gehören scheint?

Die Lügenpresse 'lügt wie gedruckt'. Das ist ihre Natur. Sie ist nur Bote und wird 'geköpft', wenn...

Inzwischen ist es viel schlimmer, wenn sie die Wahrheit informativ/nichtinformativ ausspricht und wir immer noch auf den toten Gaul reiten. Immer häufiger als Taktik zu beobachten.

Ist es in der Realität nicht verdammt schwer,, Beobachtung 1. von 2. Ordnung säuberlich zu trennen? Mir scheint, im Netz ist das Gegenteil der Fall.

Vaterland
19. Januar 2018 18:06

Nachfolgend ein Beispiel für Zensur in einem "linksliberalen" Medium und die Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen:

"Entfernt. Bitte diskutieren Sie zum Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/ms
...
Die Entfernung meines Kommentares mit dem Hinweis, ich möge den Artikelinhalt diskutieren, entbehrt einer rationalen Grundlage.
Ich habe in meinem Kommentar darauf aufmerksam gemacht, dass die penetrante Verwendung des Begriffes 'rechtspopulistisch' inakzeptabel tendenziös ist, weil dies dem Messen mit zweierlei Maß gleichkommt.
Im Zuge einer fairen journalistischen Gleichbehandlung wären sonst mit Blick auf andere Parteien u.a. folgende Begriffe konsequent zu verwenden:
'Linkspopulisten', 'Umweltpopulisten' sowie 'Willkommenskultur-Populisten'.
Die noch Ton angebende 'Mainstream-Presse' wäre gut beraten, mit Blick nach rechts ein wenig liberaler zu agieren. Dies könnte sich vor dem Hintergrund des einbrechenden Absatzes sogar positiv auf die Geschäftsbilanz auswirken."

Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-01/afd-bundestag-oppositionsfuehrer-zusammenarbeit-fraktionen?cid=17503800#cid-17503800

Bran
19. Januar 2018 18:21

@Gehenkter:
Ihre Herablassung ist bemerkenswert. Worauf gründen Sie diese? Als mehrheitlich stiller Mitleser fällt mir dieses Bedürfnis von Ihnen, sich hier als derjenige zu definieren, der bestimmt, wie SiN-Kommentare auszusehen haben, in letzter Zeit vermehrt auf.
Dabei ist es beileibe nicht so, dass ich, der ich nur niedriger Erdenbürger ohne höhere philosophische Weihen bin, ihre Einträge mit grossäugigem Aha-Erlebnis und atemloser Ehrfurcht zur Kenntnis nähme.

1. Bettingers Abweichen von Luhmanns Systembegriff beruht ja genau auf den von Sommerfeld erwähnten Regressionen des Systems. War Luhmann Ihrer Ansicht nach unfehlbar?

2. Wie kommen Sie dazu, anderen Kommentatoren hier, "Wahnsinnssysteme" an den Kopf zu werfen?

3. Den Kategorienfehler in Sommerfelds Text müssten Sie eindeutig besser und tiefer begründen als nur anhand der gesuchten Beispiele für den Begriff "falsch". So sieht es einfach nur nach kleinlichem Kritteln aus, das mehr einer Geltungssucht als einer reellen Aussage entspringt.

4. Die Aussagen von Marx mögen ansprechend sein trotz ihrer Widersprüchlichkeiten, aber Sie täuschen sich bezüglich dessen, woraus der Marxismus entstanden ist. Dies ist er nämlich aus Marx' eigenem Nihilismus und ganz eigentlich aus dem Teuflischen. Das mag für einen Hochintellektuellen Skeptiker wie Sie schockierend plump zu lesen sein, aber ach, nicht alle Wahrheiten sind so kompliziert wie die Frage, wieviele Engel denn nun auf einem Stecknadelkopf tanzen mögen. Als ehemaliger Linker habe ich mich tatsächlich auch mit Marx beschäftigt und wenn man sich mit der Person befasst hat, muss man unumwunden eingestehen, dass er in praktisch jeder Beziehung ein Widerling war. Wenn er die Worte Pressefreiheit, Mysterium, Märtyrer, Heiligenschein, imposant benutzte, haben diese Begriffe sich in diesem Moment vermutlich befleckt empfunden, sofern Begriffe Empfindungen fähig sein können.
DAS sollte man der Linken vor Allem ins Stammbuch schreiben. Eure Idole sind ehrlose Widerlinge!

5. Den Punkt mit Kausalität und Korrelation dürften Sie ruhig auch weiter ausführen. Wenn man schon mit grosser Kelle anrührt, dann sollte man doch auch so freundlich sein, dem Publikum am Ende die ganze Suppe zu präsentieren. Auf irgendwelche externen Diskussionen zu verweisen, die als "interessant" umschrieben werden, ohne dass man dabei selber Position bezieht, erscheint reichlich dürftig. Ein gewisser Hausmeier ist zwar ebenfallsh immer wieder mühsam und ausschweifend zu lesen, aber am Ende hat er jeweils immer erklärt, was er mit seinen komplizierten Gedanken meinte und hin und wieder stellt sich eben genau das Aha-Erlebnis ein dabei. Sie hingegen ergehen sich in Geraune, das pompös verkleidet daherkommt.

Franz Bettinger
19. Januar 2018 19:50

@Gehenkter:

Von der Logik her haben Sie recht. Ich und andere auf dem Blog laufen aus dem Gleis; so wie wir das in einer normalen Konversation auch oft machen, was solche Konversationen für die meisten Leute spannend und unterhaltsam und, Sie werden's nicht glauben, auch lehrreich macht. Die meisten Leute begeben sich nicht gern in einen abgeschlossenen Diskussions-Raum. Sie wollen ihn lieber lichtdurchflutet und luftig. Tut mit leid, dass Sie mit vielen Kommentaren hier nichts anfangen können. Es turnen jetzt halt noch ein paar andere Affen in der Manege herum. Na und? Jeder in seiner Nische halt. Ist das schlimm? Was SiN sein soll und was nicht, bestimmen nicht Sie, werter Gehenkter. Wenn K+K von ihrer ursprünglichen Absicht, mit SiN ein meta- politisches Theorie-Organ für in erster Linie Philosophen, Theologen, Literateure und ähnliches Volk zu schaffen, ein wenig abgekommen sind, wenigstens was die Tolerierung gewisser Kommentare angeht, dann vielleicht aus gutem Grund. Ja, es tummeln sich hier seit circa 1 Jahr "gewisse Leute", wie Sie sich ausdrücken. Ich bezweifele, dass es die schlechtesten (oder die schlechteren) sind.

Zur Sache: Der Jürgen, meine Wenigkeit und andere Foristen haben schon erkannt, was Frau Sommerfeld Wichtiges zur Sprache brachte, wie das Sprach-Kontroll-System arbeitete und wie und wieso es sich gerade selbst zerlegt. Das ist schlüssig dargelegt. Diese Erkenntnis aber reicht uns nicht. Wir schweifen nicht ab - wie Sie unterstellen, da wir auf dem gut durchgewalkten Brocken nicht weiter herum kauen wollen - sondern wir weiten das Thema. Schade, dass Sie mein Hinweis auf die "Natur" des Menschen nicht beeindruckt. Das hatte er ja früher schon nicht. Und deshalb werden befangene Denker wie Sie auch nicht weiter kommen als Aristoteles und in Ihren Höhlen verharren, obwohl es darußen schon Kühlschränke und die Mikrowelle gibt. Wieso stagnieren Geisteswissenschaften? Wieso machen Naturwissenschaften ständig Fortschritte? Das wäre mal eine Diskussion wert! (Stichworte: falsche Prämissen, untaugliche Begriffe wie Gott, Moral... .) Eine gute Brücke zwischen Natur und Geist hat übrigens der von mir sehr verehrte Hoimar von Ditfurth geschlagen, falls Ihnen dessen Werk nicht zu populär-wissenschaftlich ist.

Der Gehenkte
19. Januar 2018 21:16

@ Bran

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Leider wird Kritik mitunter als Herablassung mißverstanden, dabei sollte sie ja Herauftun sein – und so ist sie auch gemeint.

Dieses „ Bedürfnis, sich hier als derjenige zu definieren, der bestimmt, wie SiN-Kommentare auszusehen haben“ ist mir fremd, was nicht leugnet, daß ich hier tatsächlich etwas suche … und nicht immer bekomme ... und vielleicht zu gierig erwarte.

„Bettingers Abweichen von Luhmanns Systembegriff beruht ja genau auf den von Sommerfeld erwähnten Regressionen des Systems.“ – guter Gedanke! Wobei SiN wohl nicht zu dem Massenmedien zählt und Kommentare dazu dann auch nicht in dieses System gehören.

Ich habe niemandem etwas an den Kopf geworfen, sondern nur imaginiert, was Luhmann zu Brachialäußerungen wie „Der Unrechtsstaat hat längst die Schwelle zum Räuber-, Kerker-, ja Folter- und Mörder-Staat überschritten und jede innere Reparier-Fähigkeit eingebüßt“ gesagt hätte. Die Beweislast oder doch zumindest die Erklärungspflicht liegt zuerst beim Verfasser solcher Zeilen. Zuletzt war er ja schon einmal mit folgenden Worten auffällig geworden: „In meinem Umfeld redet man sogar von den neuen "Menschen-Schindern und Massen-Mördern Merkel und Maas", die man gar für schlimmer hält als jene vor 75 Jahren, die wenigstens ehrlich zu dem standen, was sie verbrachen“.

Aus der Trinität „falsch“, „böse“, „feindlich“ lebt die Argumentation und wird über die Begriffe „wahr“, „gut“, „freundlich“, sowie „fake news“, „Lügen“ und „Krieg“ und „Lügen“, „Lücken“ und „Lumpen“ kunstvoll weitergeführt. Daher schien mir ein eindeutiges Verständnis der Begriff notwendig und der Begriff des „Falschen“ unterscheidet sich nun mal durch seine Bedeutungsvielfalt von den beiden als moralisch udn politisch zu identifizierenden Begriffen. Selbst wenn es kleinliches Kritteln ist – Ihr Bedürfnis, sich hier als derjenige zu definieren, der bestimmt, wie SiN-Kommentare auszusehen haben, scheint hinter dieser Zuschreibung durch. So funktionieren Teufelskreise.

Daß der Marxismus aus dem Kampf für die Preßfreiheit entstanden ist, ist selbstredend nur biographisch gemeint. Marx‘ Charaktereigenschaften spielen, wenn wir sein Denken bewerten wollen, keine Rolle. Den Marxismus aus „dem Teuflischen“ erklären zu können, kann man wohl ausschließen oder aber man verläßt das philosophische Gespräch.

Kausalität und Korrelation hoffte ich, würden sich aus der angefügten Diskussion erklären. Zensur ist demnach ein Kausalitätsverhältnis, Nichterscheinen eines Beitrages oder Boykott eines Buches etc. sind Korrelationen, die man nicht unter diesen Begriff einordnen kann. Die Ursache der Zensur ist in der Regel der Staat – entscheidet sich dagegen Redakteur X oder Y oder eine Zeitschrift gegen einen Beitrag, dann ist das Korrelation oder von mir aus Parallelaktion, dh. freiwillige und selbständige Unterdrückung aus einer verinnerlichten Norm – aber nicht Gesetz – heraus. Die Begriffe waren möglicherweise zu dick aufgetragen.

Aber ich gebe Ihnen recht: in letzter Zeit habe ich mich zu sehr produziert, mir immer wieder vorgenommen, besser die Klappe zu halten. Sollen sie doch alles mit ihren false flag und deep state und Freimauererfingerspielchen und Teuflischem und ihren Räuber-, Kerker-, ja Folter- und Mörder-Staaten und Menschen-Schindern und Massen-Mördern und dergleichen zutexten.

Old Linkerhand
19. Januar 2018 22:39

Ein wichtiger Text, der eine größere Verbreitung verdient hat. Eine kleine wahre Geschichte:
Eine junge Frau, nennen wir sie Nina, macht ihren Abschluss an der Uni (irgendwas mit Medien). Es ist das Jahr 2017 und Deutschland steht vor der Bundestagswahl und unsere Nina braucht dringend einen Job, und so durchsucht sie die üblichen Tageszeitungen nach entsprechenden Anzeigen. Eine Firma, die ihren Namen nicht nennt, sucht junge engagierte Menschen für eine Tätigkeit im Medienbereich. Nina bewirbt sich und wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Im Wartebereich sitzen schon viele Bewerber, aber sehr schnell wird sie zu einem jungen Mann mit lockerer Kleidung (Jeans, keine Krawatte) in einen anderen Raum geführt. Dort führen beide ein sehr angenehmes Gespräch über alle möglichen Dinge des Lebens, irgendwann kommen sie auch auf die aktuelle politische Situation in Deutschland zu sprechen. Nina findet die Flüchtlingspolitik okay und wählt immer grün (ihre Eltern sind beide SPD Mitglieder), auch hat sie während des Studiums in einem Asylheim gejobbt (mit durchweg positiven Erfahrungen, sagt sie). Nach diesem persönlichen Gespräch wird eine Diskussionsrunde mit den anderen Bewerbern durchgeführt. Thema: die AfD und die Flüchtlinge. Fast alle Bewerber äußern sich entsprechend politisch korrekt. Zwei junge Männer sagen nichts und sitzen mit verschränkten Armen am Tisch, eine dritte Person stellt sich auf die Seite der AfD und kritisiert die Flüchtlingspolitik scharf und provoziert die anderen Bewerber. Diese lassen sich aber nicht beirren. Die Wogen schlagen hoch, aber irgendwann unterbricht der Moderator und Nina geht wieder in den Raum zu dem lockeren Typ. Dieser zeigt ihr jetzt einschlägige und wirklich brutale Haßnachrichten aus dem Netz und erklärt ihr ihren zukünftigen Tätigkeit im Unternehmen. Nina unterschreibt den Arbeitsvertrag bei der Firma XY, der eine merkwürdige Schweigeklausel enthält. Nina beginnt nun ihren ersten Arbeitstag in einem grauen unscheinbaren Gebäude, das mehrere große Räume hat, indem schon fleißig vor den Computer gearbeitet (gelöscht) wird. Ungefähr 20-30 Mitarbeiter werden von zwei Typen überwacht, die im Raum umherschleichen und argwöhnisch den Mitarbeitern über die Schulter schauen. Bei Fragen ob gelöscht, gesperrt oder verwarnt wird, werden die beiden Aufpasser konsultiert.
Die Tage vergehen, die Bundestagswahl rückt immer näher. Nun wird sie aufgefordert immer mehr zu löschen, sie bekommt Listen von Internetseiten, welche sofort und ohne Nachfrage gelöscht werden sollen. Es sind eigentlich harmlose Seiten wie Philosophia perennis oder Achgut. Jetzt geht es nicht mehr um Hatespeech, sondern um knallharte Zensur, und die Mitarbeiter beschweren sich. Einer nach dem anderen wird entlassen, aber sofort sind schon die neuen Sklaven da. Es wird auch gemobbt und denunziert, und unsere gute Nina ist mit ihren Nerven am Ende. Irgendwann, nach einem heftigen Streit, wird auch sie entlassen. Nina hat an das System geglaubt, an das gute System und jetzt glaubt sie an gar nichts mehr.

Kositza: Nur, weil Sie es eine "wahre Geschichte" nennen, die kleine Nachfrage: Aber diese Seiten (Achse des Guten etc.) sind doch gar nicht gelöscht?

Der_Juergen
19. Januar 2018 22:58

Ich möchte mich zu der Debatte zwischen dem @Gehenkten einerseits und @Bran sowie @Franz Bettinger äussern.

Obwohl sich die Kritik des @Gehenkten augenscheinlich nicht nur gegen @Bettinger, sondern auch gegen mich richtete, war ich nicht im entferntesten beleidigt. Solche Kritik, zumal wenn sie ohne Verunglimpfungen geübt wird, ist absolut legitim. Insofern war die Attacke von @Bran gegen den @Gehenkten für meinen Geschmack zu scharf formuliert.

Was ich an letzterem, und auch an dem geschätzten @Maiordomus, den ich, als er noch unter anderem Namen schrieb, vor geraumer Zeit einmal recht hart kritisierte, auszusetzen habe, ist folgendes: Beide verfügen über ein ungemein profundes philosophisches Wissen; beide sind offenkundig vollkommen integer, aber sie sind zu kopflastig.

Sie beobachten die Zerstörung ihrer Heimat und eines grossen Teils von Europa wie der kluge Affe in der chinesischen Fabel, der von seinem Hügel aus gelassen zuschaut, wie sich die Tiger gegenseitig zerfleischen. Anstatt sich zu überlegen, welches Scherflein sie dazu beitragen könnten, diese unfassbare Katastrophe zu verhindern, zermartern sie sich die Köpfe darüber, wie sie den Untergang des Abendlandes möglichst gelehrt und möglichst elegant kommentieren können.

Es ist, wie @Bettinger schreibt: Er selbst, ich und diverse andere Foristen sind durchaus intelligent genug, um Caroline Sommerfelds Artikel zu verstehen. Doch reichen uns ihre - zweifellos zutreffenden - Bemerkungen über Niklas Luhmann und seinen "Beobachtungen erster und zweiter Ordnung" nicht. Wir sind voll brennender Sorge angesichts der heutigen Entwicklung und bemühen uns zu verstehen, wie die Systemmedien operieren. Darum meine spontane Bemerkung über die von mir vermutete False-Flag-Operation mit der flachen Erde und @Bettingers heftige verbale Attacken auf das System.

Ja, Sezession ist kein zweites PI (wobei auch jener Blog seine absolute Berechtigung hat), aber sie darf auch nicht zu einem Tummelplatz verkümmern, auf dem eine Handvoll Hochgebildeter quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre geistigen Klingen kreuzt, ohne sich um die bitteren Realitäten zu scheren.

Wozu ist ein Elfenbeinturm gut, wenn er früher oder später doch von den Islamisten plattgemacht wird, weil man es vor lauter Philosophieren und vor lauter Nachdenken über Stefan George, Reinhold Schneider und andere Grössen versäumt hat, den Invasoren und ihren - hundertmal schlimmeren - Helfershelfern Widerstand zu leisten?

Bran
19. Januar 2018 23:28

@Gehenkter:

Danke für die ausführliche Antwort. Ich stimme in praktisch nichts mit Ihnen überein, aber ich weiss es zu schätzen, dass Sie sich die Mühe machten, mir ausführlich zu antworten.

Zu dem Teuflischen: Dass Marx' Charakter im Bezug auf sein Denken keine Rolle spielt, halte ich für einen Irrtum. Von was, ausser vom eigenen Charakter, dem Temperament und den Neigungen sollte denn das Denken eines Menschen geprägt sein? Darüber, dass man "das Teuflische" ausschliessen könne oder sonst das philosophische Gespräch verliesse, musste ich ein wenig schmunzeln. Das sind wieder so grosse Worte, die einer Erklärung bedürften, die Sie aber einfach zurückhalten, um damit zu signalisieren, dass Sie ungemein klug sind. Der junge Marx jedenfalls war dem Teuflischen nicht abgeneigt. Aber was weiss denn ein dummer Katholik wie ich schon, da haben Sie schon Recht.

Die Erklärung bezüglich der Kausalität und Korrelation: Danke dafür. In diesem Licht besehen, finde ich sie nicht zu dick aufgetragen.

Der letzte Absatz ist dann wieder Herablassung pur. Sie werfen Begriffe durcheinander, um damit zu signalisieren, dass Sie das Maß der Ratio sind, negieren dabei aber einfach den Punkt, an dem wir in der Geschichte angelangt sind.
Ich sage Ihnen: Ihre Ratio wird niemanden mehr interessieren, wenn in nicht allzu ferner Zukunft die Bude brennt. Und sie wird genau wegen den von Ihnen abfällig fallengelassenen Begriffen brennen. Denn, in Umkehrung eines Bonmots der Linken: nur weil Sie nicht paranoid sind, heisst das noch lange nicht, dass niemand hinter Ihnen her ist.
Ich stelle Sie mir als sonderbaren Rechten vor, muss ich zugeben. Ich frage mich ständig: Wo lebt dieser Mann? Hat er schon einmal von Propaganda due gehört (nur als Beispiel)? Tonkin-Zwischenfall? NSU? Alles eh egal, weil ja unvernünftig oder in niederen Sphären angesiedelt?

Metapolitik, die sich nur noch um sich selber dreht und vergisst, auf welchem Boden sie irgendwann stehen sollte, verliert jeden Sinn, ist nur philosophische Selbstbefriedigung.

Aber Sie haben natürlich auch Recht: Ich widerspreche Ihnen in scharfer Weise und versuche dabei, mich selber aufzuwerten und sage dabei im Verborgenen: Was treiben Sie hier eigentlich? Genau das, was ich Ihnen im letzten Kommentar vorwarf.
Also frage ich: Was treiben Sie hier? Manchmal denke ich bei Ihren Kommentaren, es fehlte nur noch ein Jota, und dann schriebe er: "Alles ist relativ!"
Und spätestens dann wäre meine Frage berechtigt.

heinrichbrueck
20. Januar 2018 00:25

Auf einem Kreuzfahrtschiff würden die Passagiere nicht auf die Idee kommen, den Kapitän aus einer Gruppe der sich zur Verfügung gestellten Kandidaten auszuwählen; aber in einer Demokratie sollen die Wähler genau diesen Unsinn glauben. Dabei ist die Demokratie auch nur eine Variante der Diktatur, und nicht das Gegenteil. Sind alle politischen Systeme Ausleseverfahren einer Diktatur, können die Freiheitsgrade und die Nützlichkeitswerte beschrieben werden. Welche Informationen in welchem Dienst stehen, zeigt die Wirkung der Informationen in der Realität. In jedem System gibt es Zensur, schon aus Gründen der Notwendigkeit.
Rassismus und Antirassismus. Die Weißen sind eine Minderheit auf diesem Planeten; die Nichtweißen stellen die Mehrheit. Die Absichten der Rassismuskeule ist immer antiweiß; ein Rassist ist immer proweiß, ein Antirassist immer antiweiß. In einer Aufteilung können beide Seiten Rassisten und Antirassisten enthalten. Aber welchen Sinn ergibt diese Aufteilung, vorausgesetzt die Minderheit läßt sich auf dieses Beispiel ein, wenn in jedem Falle die Minderheit verliert? Eine Mehrheit wird sich immer mehr Antirassisten leisten können.
Kann es also in einer Demokratie Zensur geben? Die Demokratie ist doch für die Transparenz bekannt. Sie bewahrt den Frieden, läßt die Leute nicht mehr in den Krieg ziehen; sie tötet am schönsten. Sie gewährt ein langes Leben. Ihre Brauchbarkeit steht zweifellos fest. Natürlich gibt es noch andere Varianten des Oberbegriffs, die Demokratie ist nicht allein. Sie ist sogar in der Minderheit, global gesehen. Denkt man sich die politische Bühne einmal weg, was wird dann sichtbar?
Die komplette Zerstörung der deutschen Kultur; geradezu die Verwandlung der Schönheit in ein Drecksloch. Die Medien verhindern seit Jahrzehnten den Abbau der Zerstörung, den sie pseudodifferenzierend als Bedingung mitunterstützten. Diejenigen, die hier wirklich regieren, sind unbekannt. Man kennt nur das Schauspiel auf der politischen Bühne. Die Ergebnisse unserer Gegenwart zeigen die Verschlechterungen der wahren Absichten. Die Politiker haben gelogen und jede Sauerei durchgewunken. Die Medien haben die Politik mit Zuckerbrot und Peitsche traktiert, je nachdem wie Regierung und Opposition sich abwechselten, die beiderseits im Zusammenspiel ihren schmutzigen Verrat begehen durften. Ab Ministerebene gibt es keine Unschuldigen mehr.

Thomas Martini
20. Januar 2018 00:35

Habe die Diskussion unter dem Beitrag aufmerksam verfolgt, und bitte um Nachsicht, wenn ich mich auf einen anderen Aspekt von Frau Sommerfelds Beitrag konzentriere. Eine entscheidende Erkenntnis ist der folgende Punkt:

"Wenn jetzt Akteuren und Konsumenten der kritischen Medien der Zugang zu ihren Informationskanälen durch Sperrung, Löschung und Strafen verwehrt wird, wenn ihnen Eigentum beschädigt und zerstört wird, siehe Martin Sellner – dann ist das nicht mehr nur symbolisch, sondern auch körperlich. Dann ist es nicht mehr Kommunikation, für Luhmann der Sinn von Gesellschaft überhaupt, sondern Gewalt."

Das sollte man sich bewusst machen. In einem mäßig anspruchsvollen Rocksong der Punkband "Die Ärzte" heißt es: "Gewalt erzeugt Gegengewalt, hat man dir das nicht erklärt, oder hast du da auch wie so oft, einfach nicht genau zugehört?"

Darüber würde ich gerne irgendwo eine Diskussion lesen. Wie könnte die Gegengewalt gegen die Zensur-Repressalien aussehen? Dass ich diesbezüglich nicht für sinnlose Attentate à la RAF plädiere, versteht sich dabei von selbst.

quarz
20. Januar 2018 06:44

"Schade, dass Sie mein Hinweis auf die "Natur" des Menschen nicht beeindruckt. Das hatte er ja früher schon nicht. Und deshalb werden befangene Denker wie Sie auch nicht weiter kommen als Aristoteles und in Ihren Höhlen verharren, obwohl es darußen schon Kühlschränke und die Mikrowelle gibt. Wieso stagnieren Geisteswissenschaften? Wieso machen Naturwissenschaften ständig Fortschritte? Das wäre mal eine Diskussion wert! (Stichworte: falsche Prämissen, untaugliche Begriffe wie Gott, Moral... .)"

Settembrini vs. Naphta?

Der Gehenkte
20. Januar 2018 10:17

@ Bran

Ich möchte dieses Forum hier nicht kapern, daher ganz kurz nur zwei Erwiderungen – den Rest schenke ich Ihnen, es würde zu sehr ausfranzen ….

„Alles ist relativ“ – kein Problem mit diesem Satz, wenn man ihn begründen kann.

Tatsächlich aber wehre ich mich hier gegen Beliebigkeit und zwar die Beliebigkeit, jedes Weltereignis mit irgendwelchen Theorien, die einem gerade in den Sinn kommen, zu erklären. Und meist steht eine „Macht“ dahinter. Diese Denkweise verschließt sich apriorisch der Realität, denn sie weiß schon v o r dem Ereignis, wie es kausal zu begründen ist. Das heißt nicht, daß es nicht „Mächte“ gibt oder false-flag-Aktionen oder Logengeklungel etc., aber sie liefern immer nur die Erklärung für diesen oder jenen Fall – beim Tonkin-Zwischenfall scheint das eindeutig, beim NSU kann man skeptisch sein aber ich wüßte nicht, wer von uns die Information haben könnte, um das abschließende Urteil zu fällen. Hier werden Indizien und Hypothesen in den ontologischen Status erhoben – sowas geht aber nur in der Phantasie, nicht im Sein selbst.

Viel wichtiger: Meta-Politik. Hier scheint es ein weit verbreitetes Mißverständnis zu geben – entweder bei mir oder bei Ihnen (Mz.). Meta-Politik ist Besetzung des vorpolitischen Raums und das heißt, daß ein Paradigma (im Sinn Kuhns) die reale Politik im Großen wie im Kleinen bestimmt. Wer dieses Paradigma definiert, kann seine grundlegende Politik durchsetzen, selbst wenn er politisch gar nicht aktiv ist. Geheimtheorien und Verschwörungstheorien (heißt nicht, es gibt keine Verschwörungen) sind dazu untauglich, allein schon weil sie geheim sind oder das Geheime beschreiben wollen.

Es bedarf hier offener, klarer, im günstigsten Fall wissenschaftlicher, mindestens aber seriöser und kommunikativ vermittelbarer, sowie überprüfbarer Denkansätze.

Der Marxsche z.B. war so einer, weswegen es ihm gelungen ist, „materielle Gewalt“ zu werden oder Paradigma.

Deswegen muß man Marx, Lenin, Gramcsi studieren und zwar die Schriften und ob Marx seine Haushälterin geschwängert, gegen Bakunin gewütet oder psychosomatisch verursachte Furunkel am Hintern hatte (Shuster, Künzli, Pilgrim), spielt dabei keine Rolle.

Anders gesagt. Wer metapolitisch überzeugen will, muß die maßgeblichen Köpfe besetzen – erst wenn man in den Universitäten, Redaktionsstuben, Firmenbüros und Parlamenten „uns“ liest und positiv reagiert, absorbiert, erst dann kann es eine Wende geben – sofern man nicht Revolution von unten anstrebt. Einige wenige Autoren bei Antaios sind dazu in der Lage: Kleine-Hartlage, Lichtmesz („Gott“), Lisson partiell, Zehm, Vonderach, Kositza, Gerlich, Weißmann … durch seriöse Arbeit. Der Kopp-Verlag hingegen mag gute Geschäfte machen, aber den vorpolitischen Raum wird er nicht besetzen können.

(Ich stelle mir vor, Sloterdijk oder Precht oder Hösle oder Habermas oder Nida-Rümelin oder Wolffsohn - um nur wenige Bsp. metatheoretisch einflußreicher Denker zu nennen - schauen hier vorbei, um mal zu sehen, was die NR so denken und dann lesen sie gewisse Beiträge ... was würde passieren? Würden sie bestellen?)

Und damit empfehle ich mich!

PS: Nicht ich schreibe die Diskursgrenzen im Forum fest, sondern der jeweilige Text - wenn jeder Text mit der gleichen Sose begossen wird, dann hat Beliebigkeit gewonnen udn Differenzierung verloren.

Cacatum non est pictum
20. Januar 2018 11:09

"Eine Gesellschaftstheorie der Entdifferenzierung, des Rückbaus sozialer Systeme, der Wiedereinsetzung physischer Mechanismen, ist noch nicht geschrieben. Luhmann ist 1998 gestorben, er hat die moderne Gesellschaft für stabil gehalten, Konservativer, der er war. Er glaubte auch, davon kündet die unergiebige Kontroverse mit Habermas, daß Gesellschaftstheorie deskriptiv bleiben ('Was ist der Fall?') müsse, und nicht ideologiekritisch eingreifen ('Was steckt dahinter?') könne. Sie muß als nötigenfalls zusehen, wie Systeme implodieren."

Vielleicht wird sich hierdurch auch einfach erweisen, daß die Systemtheorie Luhmannscher Abkunft nicht tragfähig ist. Natürlich ist sie ein beeindruckendes Theoriegebilde, und Luhmann war zweifelsohne ein Denker von Weltrang. Ich halte es aber für problematisch, die Erscheinungen des Zusammenlebens so isoliert voneinander zu untersuchen. Es kann dazu beitragen, Einzelheiten zu ergründen, aber die großen Zusammenhänge verdienen meiens Erachtens eine ganzheitliche Betrachtung. Alles beeinflußt sich gegenseitig.

Überhaupt scheint es mir eine Schwäche geisteswissenschatlicher Theorien zu sein, daß sie allzuoft um sich selbst kreisen und sich vom wirklichen Leben abkoppeln. Und hier wären wir schon mittendrin im Disput dieses Kommentarstrangs, wo sich Puristen wie Der Gehenkte und Praktiker wie Bettinger und Konsorten gegenüberstehen. Theorie ohne Rückbezug auf die Praxis ist wert- und fruchtlos. Kalte Praxis ohne theoretische Reflexion ist wurzellos und gefährlich. Auch hier gilt: Beides muß wechselseitig und einvernehmlich gedeihen.

Old Linkerhand
20. Januar 2018 14:53

@kositza
Natürlich werden nicht die Seiten, sondern Inhalte, Nachrichten etc. der Roten Liste "Mitglieder" zensiert; habe da sehr schludrig formuliert. Oftmals wird gemahnt, blockiert, zurückgehalten, unsichtbar gemacht, gelöscht und in letzter Instanz gesperrt.
Nina nannte alle AfD Accounts und Unterstützer , alle rechten und islamkritischen Seiten, (wobei Islamkritik, seltsamer Weise, stärker zensiert wurde als rechts). Nina ist desillusioniert, aber immer noch bluepilled! Ein Mensch der normalerweise das System stützt und stärkt, wird von diesem durchgekaut und ausgespuckt, das kann nicht lange funktionieren. Ich wollte hier ein praktisches Beispiel der Selbstzerstörung des Systems skizzieren.

Andreas Walter
20. Januar 2018 16:22

Das ist nicht richtig, Frau Sommerfeld.

Normalität und Propaganda können sehr wohl nebeneinander in einem System gleichzeitig existieren. Genau das ist ja die hohe Kunst der Täuschung und Lenkung. Das perfekte (weil dann noch unauffällige) Verhältnis von Normalität und Bias, Lenkung kenne ich allerdings auch nicht, würde aber subjektiv schon beobachtet sagen, dass bis zu 70/30 noch durchgeht, in der Regel aber eher 95/5 bis 85/15 Verwendung findet. Gerade bei Dokumentationen über die dunkle Vergangenheit lässt sich das sehr schön beobachten, allerdings nur, wenn man selbst mehr themenspezifische Kenntnisse besitzt als die Macher und auch etwas Übung darin, auch filmatographische Stilmittel und auch Tricks zu erkennen.
Bei den grossen Netzauftritten der Wochenmagazine und Tageszeitungen sind grundsätzlich mehrere Bias-Artikel drin, neben einer ganzen Menge anderem banalen und normalen. Ab einem gewissen Zeitpunkt jedoch genügt es, sich lediglich so weit von der Normalität, dem Hauptstrom entfernt zu haben, um dann plötzlich wie automatisch die Fragen zu entdecken, die sonst keiner stellt. Darum sehen ja Fremde oft auch "mehr" als Einheimische. Der Balken im eigenen Auge fällt mir dazu gerade auch noch ein. Auch übrigens ein Grund, warum überproportional viele Vertreter des jüdischen Volkes in so vielem erfolgreich sind. Ich selbst lebe in einem ähnlichen Zwei-Welten-Zustand, jedoch aus etwas anderen Gründen und darum in meinem Fall auch leider eher negativ konnotiert. Seit meiner Kindheit befinde ich mich und agiere ich darum immer in "zwei Systemen", doch es ist keine Schizophrenie. Trotzdem bin ich mittlerweile ein Verfechter der Meinung, das lokale Realitätstunnel unbedingt erhaltens- und schützenswert sind, diese erst die wahre und vor allem auch beständige kulturelle Vielfalt repräsentieren. Ich kämpfe darum für etwas, was ich aber selbst gar nicht bin. Was mir übrigens auch sehr viel Misstrauen beschert, denn ich bin nichts vom Bekannten, weder örtlich noch gruppenspezifisch. Eremiten verstehen aber womöglich auch wovon ich spreche, denn niemand wird ja als Eremit geboren.

Hahaha, dass es aber in Deutschland davon nur 80 geben soll behaupten auch nur diejenigen, die überhaupt nicht wissen, wovon sie sprechen. Es sind Millionen, die ihr Licht vor der Welt verbergen, aus Furcht vor Repressionen.

Andreas Walter
20. Januar 2018 18:11

Schade (oder vielleicht doch nicht?), dass ich die Kommentare erst jetzt gelesen habe.

Und der Preis geht an:

"Überhaupt scheint es mir eine Schwäche geisteswissenschatlicher Theorien zu sein, daß sie allzuoft um sich selbst kreisen und sich vom wirklichen Leben abkoppeln. Und hier wären wir schon mittendrin im Disput dieses Kommentarstrangs, wo sich Puristen wie Der Gehenkte und Praktiker wie Bettinger und Konsorten gegenüberstehen. Theorie ohne Rückbezug auf die Praxis ist wert- und fruchtlos."

Hihihi, wertlos vielleicht nicht, denn ich glaube keiner der Köpfe der Frankfurter Schule ist als armer Mann gestorben, und auch Verwirrung und Irrung stiften kann ja (auch) aus kulturmarxistischer Sicht durchaus eine Frucht sein.

Ein Apfel zum Beispiel.

Zensur ist wie der fruchtlose Versuch, Licht mit Dunkelheit vernichten zu wollen. Geht nicht. Ebenso wie man auch alles Denkbare denken kann (Phantasterei), doch die Welt der Dinge beeindruckt das auch nicht. Licht ist, Dunkelheit nicht.

Doch ich schreibe ja öfters auch über die Wolkenmenschen, die der Welt auch viel gutes gebracht haben. Darum ist nicht nur alles relativ, sondern hat dazu auch mindestens zwei Seiten. Falls die Welt tatsächlich Platt wie ein Blatt ist.

Vor einiger Zeit hatte ich mal ein höchst seltsames Erlebnis mit einer Verletzung, die ich aber vor Eile vergessen habe. Mitten auf dem Weg das Treppenhaus hinunter viel sie mir dann aber plötzlich doch wieder ein und in dem Moment auf, das ich auch sie vergessen hatte. Die Schmerzen.

Cacatum non est pictum
21. Januar 2018 11:04

@Der Gehenkte

"Tatsächlich aber wehre ich mich hier gegen Beliebigkeit und zwar die Beliebigkeit, jedes Weltereignis mit irgendwelchen Theorien, die einem gerade in den Sinn kommen, zu erklären. Und meist steht eine 'Macht' dahinter."

Das Gegenteil anzunehmen, würde bedeuten, daß sich gerade die umwälzenden Ereignisse ohne Kanalisierung durch einflußreiche Gruppen ergeben haben. Das ist eine hochgradig unwahrscheinliche, um nicht zu sagen weltfremde Annahme. Warum ist das wichtig? Weil man wissen sollte, wer der Feind ist und wo er steht. Gegen eine unsichtbare Armee zu kämpfen, ist aussichtslos. Da helfen einem Siege auf Nebenkriegsschauplötzen auch nicht weiter.

Metapolitik ist gut und schön und hilfreich. Aber sie hat Grenzen. Wenn die unsichtbare Hand - der man ja nach Ihrer Auffassung keine große Bedeutung beimessen darf - ihre Kettenhunde von der Leine läßt (Beispiel Syrien), dann ist der vorpolitische Raum bis auf weiteres versperrt. Metapolitik sollte diese Größen zumindest auf der Rechnung haben, um vor bösen Überraschungen gefeit zu sein.

Scholasticulus Paracelsi
21. Januar 2018 12:10

Liebe Frau Sommerfeld,
ich muss zugeben: mir erschließt sich die Logik Ihres Gedankenganges nicht. Was ist Beobachtung erster Ordnung, zweiter Ordnung, warum sind Kriterien wie Wahr, böse und so weiter systemfremde Beobachtungen ?
In anlehnung an Ihre Darstellung kann ich denken, dass die urbildliche, eigentliche Funktionsweise der Massenmedien die Unterscheidung "informativ/nichtinformativ" sei, nach der Ereignisse/Meldungen bewertet werden und entweder berichtet werden oder nicht. Gleichzeitig ist es aber in praxi nicht möglich, diese Funktionsweise losgelöst von der jeweiligen Gesellschaftsordnung und dem Land und Volk zu betrachten, denn was in Deutschland informativ ist, z.B. das Fussballergebnis einer deutschen Mannschaft, ist im Iran wahrscheinlich keine Information wert, wie auch ein Ereignis im Stadtteil XYZ von Teheran für die BILD Zeitung möglicherweise uninteressant ist. Insofern halte ich das Postulat, moralische und wissenschaftliche Kriterien seien systemfremd für die Massenmedien reichlich abstrakt.
Ein weiteres Kapitel ist dann der Umgang mit Informationen, die als feindlich, böse und falsch beobachtet werden, wobei mir nicht klar ist, wen Sie da als Beobachter meinen.
Die Erfahrung lehrt, dass die Massenmedien eben kaum die Nachrichten rein nach der Frage informativ/nicht informativ auswählen (also: was interessiert die Leute), sondern immer nach den von einem Kommentator angesprochenen aktuellen Paradigmen von: Wie sollen die Leute denken. Was gilt als gut, böse, wahr und falsch.
Was entspricht der Denkmatrix, in der die Bürger sich bewegen sollen, damit sich das Gemeinwesen so entwickelt, wie es diesen Paradigmen entspricht...

Der Gehenkte
21. Januar 2018 20:24

@ Cacatum non est pictum

"Metapolitik ist gut und schön und hilfreich. Aber sie hat Grenzen. Wenn die unsichtbare Hand - der man ja nach Ihrer Auffassung keine große Bedeutung beimessen darf - ihre Kettenhunde von der Leine läßt"

Sie irren, die "unsichtbare Hand" hat allergrößte Bedeutung, nur verstehe ich darunter nicht - wie Sie - geheimnisvolle unsichtbare Mächte, sondern ganz im Sinne Adam Smiths erkundbare unsichtbare Kräfte, also nicht irgendwelche Hinterzimmervereinbarungen (die es natürlich gibt; aber auch die sind nur Auswüchse der "Kräfte"), sondern geschichtswirksame Entwicklungen und die Aufgabe der Philosophie ist es, diese sichtbar zu machen und die "Verblendungszusammenhänge" oder "Ideologien" oder "falsches Bewußtsein". Schleier und Schein etc. zu zerreißen. Man kann auch Hegels "List der Vernunft" anführen. Das größte Problem dabei habe ich mit dem Entelechiegedanken - aber das ist eine andere Frage.

So, wie Sie den Begriff der "invisible hand" verwenden, gleicht er eher H.G.Wells "invisible man".

Man sollte die grundlegende Marxsche Einsicht "Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt" nicht leichtfertig über Bord werfen, auch wenn sie erkenntnistheoretisch diskutabel ist.

Wie gesagt, die Geheimgesellschaften etc. das alles mag existieren und aktiv als ein Faktor unter vielen in die Geschichte eingreifen, aber eben auch nur aus einem bestimmten materiellen Sein heraus. Wer dort stehen bleibt, versteht das Geheimnis hinter dem Geheimnis nicht und agiert - egal wie tief er eindringt - an der Oberfläche.

Ansonsten hat Metapolitik keine Grenzen, so wie ich sie verstehe, außer im revolutionären Ereignis. Sie ist die g a n z e Evolution, die zur Revolution führt. Jede meta-politische blinde oder "spontane" Revolution führt zwangsläufig zu sinnlosem Blutvergießen und Anarchie (was nicht heißt, daß meta-politisch begründete nicht ebenfalls dort enden können).

Der Gehenkte
21. Januar 2018 20:32

Es ist die alte Illusion, daß es nur vom guten Willen der Leute abhängt, die bestehenden Verhältnisse zu ändern ... Die Veränderung des Bewußtseins, abgetrennt von den Verhältnissen, wie sie von den Philosophen als Beruf, d. h. als Geschäft, betrieben wird, ist selbst ein Produkt der bestehenden Verhältnisse und gehört mit zu ihnen.
----------------------------------------------
Die wirkliche, praktische Auflösung dieser Phrasen, die Beseitigung dieser falschen Vorstellungen aus dem Bewußtsein der Menschen wird, wie schon gesagt, durch veränderte Umstände, nicht durch theoretische Deduktionen bewerkstelligt.
-----------------------------------------------
Die Produktion der Ideen, Vorstellungen, des Bewußtseins ist zunächst unmittelbar verflochten in die materielle Tätigkeit und den materiellen Verkehr der Menschen, ist Sprache des wirklichen Lebens. Das Vorstellen, Denken, der geistige Verkehr der Menschen erscheinen hier noch als direkter Ausfluß ihres materiellen Verhaltens. Von der geistigen Produktion, wie sie in der Sprache der Politik, der Gesetze, der Moral, der Religion, Metaphysik usw. eines Volkes sich darstellt, gilt dasselbe. Die Menschen sind die Produzenten ihrer Vorstellungen, Ideen usw., aber die wirklichen, wirkenden Menschen, wie sie bedingt sind durch eine bestimmte Entwicklung ihrer Produktivkräfte und des denselben entsprechenden Verkehrs bis zu seinen weitesten Formationen hinauf. Das Bewußtsein kann nie etwas anderes sein als das bewußte Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozeß.

Marx: Deutsche Ideologie,

Simplicius Teutsch
21. Januar 2018 20:40

@ Scholasticulus Paracelsi , Sie fragen: „Was ist Beobachtung erster Ordnung, zweiter Ordnung ...?“

Ohne jetzt allzu lange nachzurecherchieren, ob Kongruenz mit Niklas Luhmann's Systemtheorie besteht, mein vermuteter Standpunkt: Wir hier im Blog sind nach meiner Meinung Beobachter dritter Ordnung, so wie mittlerweile das ganze Internet ein Tummelplatz von Beobachtern dritter Ordnung ist. Diese Beobachtung durch eine sich überordnende dritte Ordnung schmeckt den berufsmäßigen Beobachtern zweiter Ordnung, den Systemmedien, gar nicht.

Beobachter erster Ordnung ist für mich in seiner reinen Ausprägung der Teilnehmer bzw. Augenzeuge eines Ereignisses. Und der Medienprofi/Journalist ist als Einsammler und Vermittler dieser Augenzeugen-Beobachtung ein Beobachter 2. Ordnung. Der Journalist kann aber auch gleichzeitig beide Rollen übernehmen, wenn er sowohl Augen- oder Ohrenzeuge und darüber hinaus Vermittler ist.

Und wir als „Normalos“, die Masse von Egos, sind lediglich mit Realitätsbeschreibungen zu füllende Nachrichten-Konsumenten, solange wir nicht kritische Rezipienten werden, die die vermittelte Realitätskonstruktion hinterfragen, heutzutage vornehmlich Rechte, die sich beispielsweise im Internet, wie auch immer, alternativ informieren, die das beurteilen, was uns die linken Systemmedien als Realitätsbeschreibung vorsetzen. Dann aber sind wir Beobachter dritter Ordnung. Trotz allem Trump-Bashing: Es gibt sie tatsächlich, die alternativen Fakten!

Denn was entdecken wir? Die systematische, selektive Methode der massenmedialen Berichterstattung: Die Lückenpresse! Oder schärfer als Kampfbegriff der Ohnmächtigen (Pegida) formuliert: die Lügenpresse. Wir entdecken den organisierten, politisch-medialen Macht-Komplex, der z.B. systematisch an der Abschaffung der Nation allgemein und der kulturellen und biologischen Auslöschung speziell Deutschlands arbeitet. Aber natürlich – als hehre Endlösung – zum Heil der ganzen Menschheit.

Schlussfrage: Der Verfassungsschutz? Die Löschzentren? - Zu welcher Ordnungsstufe der Beobachter gehören diese Stasi-Institutionen? Zur Vierten Ordnung? Wohl eher nicht. - Sie gehören zum herrschenden System. Der VS und die Löschzentren sind der dreckige Arm der Herrschaft der Guten und Besten, sind die Henker von unerwünschten Meinungen und Realitätsbetrachtungen.

Franz Bettinger
21. Januar 2018 22:21

Man hat mich jüngst als Verschwörungs-Theoretiker bezeichnet. Ich weiß es nicht, aber ich lasse mich mal darauf ein. Spielen wir mal: Schaut euch die 1-Dollar-Note an, darauf die Pyramide. In der Pyramiden-Spitze sitzt ein Auge. Es ist das Wahrzeichen der Illuminaten. Was haben die mit dem Dollar zu tun? Nun, die Jesuiten bekamen 1773 ein Problem: Sie wurden von Papst Clemens XIV verboten. Deshalb gingen sie in den Untergrund, verbündeten sich mit dem Finanzier Rothschild und gründeten 1776 (dem Tag der amerikanischen Unabhängigkeit von den Briten) den Orden der Illuminaten. Ihr Kopf, Adam Weishaupt, und der Multimillionär Amschel Rothschild planten, die Welt mit Geld zu regieren. Mit seinen Söhnen exportierte der Bankier das bewährte Geschäftsmodell der "Geld-Schöpfung aus dem Nichts" (fiat money) in alle Welt. Das allsehende Auge ist ein Symbol und auf der Dollarnote verewigt. Somit weiß die Federal Reserve, was dieses Auge bedeutet. Die wahre Macht auf Erden haben die Rothschilds und die neben ihnen stehenden 8 - 300 Familien. Unter der Pyramide steht die Aufschrift "Novus Ordo Sec(u)lorum" auf dem US-Dollar. Das ist Latein und bedeutet "Neue Ordnung der Zeitalter" oder auf Englisch: NWO, New World Order. Richtig: Genau das, was die UN schon immer anstrebte. Wie? Spinnerei? Wieso prangt der Spruch dann auf der Dollar-Note? Ich glaube mittlerweile, lieber @Gehenkter, die Verschwörung ist das Übliche, die Transparenz die Ausnahme.

Cacatum non est pictum
21. Januar 2018 23:12

@Der Gehenkte

Mit der Idee, daß hinter den politisch einflußreichen Kreisen "geschichtswirksame andere Kräfte" stehen, kann ich mich durchaus anfreunden. Hier erreichen wir aber höchste Abstraktionsebenen; und ich sehe weit und breit niemanden, der diese vermeintlichen Kräfte so demaskieren und entweihen könnte, daß es in der Lebenswirklichkeit einen realen Nutzen hätte. Im Gegenteil: Nicht mal die aus dem Hintergrund faktisch Tonangebenden der internationalen Politik - die ja, wenn ich Sie richtig verstehe, nur Ausgeburten oder Phänomene sein sollen - sind der breiten Öffentlichkeit bekannt. Sie schalten und walten und spielen Gott, und kaum jemand weiß es, weil uns die Massenmedien (die unter ihrem Einfluß stehen) fast ausschließlich Pappkameraden, Strohmänner und Schauspieler präsentieren. Diese Masche funktioniert seit vielen Generationen, und meiner Einschätzung nach wird sie es auch weiterhin tun. Die Menschen sind in der Masse unmündig, dumm und schier endlos manipulierbar.

In den zitierten Ausführungen von Marx sehe ich Zirkelschlüsse. Vielleicht gibt es an anderer Stelle mal Gelegenheit, das näher aufzudröseln. Schönen Dank jedenfalls für die gedanklichen Anregungen.

quarz
22. Januar 2018 05:03

@Simplicius

Und zwischen Systemmedien und deren Kritikern tobt ein Kampf (derweil freilich noch Goliath vs. David), wer den Normalbürger besser davon überzeugen kann, eine Beobachterloge höher zu sitzen als der andere.

Caroline Sommerfeld
22. Januar 2018 08:58

@Gehenkter: Kategorienfehler, der „falsch“ und „böse“ und „feindlich“ vergleicht.
Das sind Codewerte auf derselben Ebene, nur in verschiedenen Systemen. "Falsch" ist der Negativvwert im Wissenschaftssystem. Natürlich kann ich auch alltagssprachlich z.B. menschliches Fehlverhalten, ein Gerichtsurteil oder einen fremden Gott für "falsch" halten. Mein Punkt ist eher der: MM maßen sich an, Urteile aus anderen Systemen heraus zu fällen, und da ist es kategorial egal, aus welchem System der "Fehler" hineingezogen wird.
@Andreas Walter: Klar, Normalfunktion und Kritikfunktion gibt's eh immer parallel. Nur halt nicht als zwei verschiedene Codes, sondern immer unter der Prämisse informativ/nichtinformativ. Vielleicht haben Sie recht, und meine These hängt nur an der Quantität (zuviel Irritation um's auszuhalten), und ein qualitativer Umschlag (Systemkollaps) entsteht nicht dadurch.
@Debatte über den Systembegriff:
Daß Sie sich verbal so prächtig hauen, liegt daran, daß es einen kritischen und einen funktionalen Systembegriff gibt. Von Hegel - Marx - Frankfurter Schule her spannt sich die Linie auf, in der "das System" der ideologisch verbrämte Zusammenhang der Produktionsverhältnisse und ihres Überbaus ist, und so ein "System" kann man verändern umd umstürzen.
Luhmann kommt grob gesprochen aus der Biologie her, und da ist "System" das Funktionieren eines Organismus, der sich selbst erhält. So ein "System" kann man eben nicht sinnvoll "kritisieren" oder "vom Kopf auf die Füße stellen".
Und jetzt helfen mir bitte Kundigere weiter: es gibt auch einen rechten, konservativen Strang der "Systemkritik", ich denke an die "Systemparteien" der Weimarer Republik. Woher kommt diese Linie und wo endet sie? Oder ist sie noch lebendig?

KlausD.
22. Januar 2018 09:16

@ Cacatum non est pictum 21. Januar 2018 23:12

"... die aus dem Hintergrund faktisch Tonangebenden der internationalen Politik ..."

sind so abstrakt aber gar nicht und durchaus bekannt. Frank Stoner benennt diese Kräfte ganz konkret in seinem Vortrag "Das paneuropäische Frühstück" (siehe NuoVisio.tv). Europa betreffend sind diese organisiert in der PANEUROPA-UNION, die sich den politischen Ideen und Idealen ihres Gründers Richard Coudenhove-Kalergi treu verbunden fühlt (siehe Grundsätze). Und was besagen diese?

Bildung eines einheitlichen europäischen Staates mit einer Menschenmischrasse (als Arbeitssklaven) unter Führung der besten Köpfe des alten europäischen Blutadels und der jüdischen Intelligenz (siehe sein Buch "Praktischer Idealismus" Wien 1925).

https://de.paneuropa.org/
https://balder.org/judea/Richard-Coudenhove-Kalergi-Praktischer-Idealismus-Wien-1925-DE.php

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