Sezession
23. Januar 2018

Das war die 18. Winterakademie des Instituts für Staatspolitik

Benedikt Kaiser / 7 Kommentare

Nachdem Anfang Dezember die Anmeldeliste für die Januar-Akademie des IfS geöffnet wurde, diskutierte man intern über mögliche Szenarien:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Denn das Thema der Veranstaltung, »Wirtschaft – Hegung und Entgrenzung«, war die letzten Jahre eines jener Themenfelder, das nicht zu den Forschungsgebieten des Instituts zählte. Wirtschaft – dieses so bedeutende weite Feld überließ man den sogenannten Libertären auf der einen und den Linken auf der anderen Seite.

Nun also: Wirtschaft beim IfS, dazu Konferenz der Identitären Bewegung Österreichs, die normalerweise mit einer relevanten Abordnung Schnellroda – den traditionellen Tagungsort – aufsucht, Prüfungsphase an den meisten Unis und einige weitere unvermeidliche terminliche Überschneidungen mit anderen Veranstaltungen der Mosaik-Rechten.

Und doch: Nach wenigen Wochen konnte noch vor Heiligabend Vollzug gemeldet werden: 130 Teilnehmer wurden rasch erreicht, einschließlich Bordpersonals und Referenten konnten wir daher vom 19. bis 21. Januar rund 150 Teilnehmer der 18. Winterakademie begrüßen und beherbergen, die den insgesamt neun Vorträgen beiwohnten.

Dies vorweg: Das Gros der Vorträge wird in der 82. Sezession in gekürzter Variante abgedruckt; es empfiehlt sich ein Abonnement.

Institutsleiter Dr. Erik Lehnert eröffnete die Akademie. Lehnert, von Hause aus Philosoph, legte dar, welche Wirtschaftsüberlegungen auf der politischen Rechten in den letzten zwei Jahrhunderten dominierten oder aber diskutiert wurden. Es war dies zugleich die Überleitung zu meinem Vortrag, einer »Kurzen Geschichte der Kapitalismuskritik von rechts mit einem Ausblick auf die Zukunft«, die vor allem zeigen sollte:

Auch im mannigfaltigen rechten Lager, das über ganz unterschiedliche Denktraditionen und -linien verfügt, wurde und wird die kapitalistische Produktionsweise und die durch sie wesentlich erzeugte bürgerliche Gesellschaft einer grundsätzlichen Kritik unterzogen.

Besprochene Protagonisten konservativer und rechter Kapitalismuskritik waren Akteure des Vereins für Socialpolitik um Adolph Wagner, generell preußisch-konservative »Staatssozialisten«, im weiteren Verlauf der deutschen Geschichte Werner Sombart, über den der Konnex zur »Konservativen Revolution« hergestellt werden kann.

Deren gemäßigt linker Flügel wurde vom Tatkreis (Hans Zehrer, Ferdinand Fried, Carl Rothe, Ernst Wilhelm Eschmann usw.) gestellt; andere Akteure waren die Nationalrevolutionäre um Ernst Jünger, Ernst v. Salomon und Franz Schauwecker im Lager des »soldatischen Nationalismus« oder auch die unterschiedlich argumentierenden rechten Sozialisten um Ernst Niekisch, Otto Strasser sowie K. O. Paetel.

Zusammenfassend zur ganz unterschiedlichen konkreten Kapitalismuskritik des KR-Komplexes ließe sich mit Rolf Peter Sieferle (Epochenwechsel) festhalten:

Der Widerstand gegen die kapitalistisch-universalistische Zertrümmerung der Alten Welt kommt (bei der KR) nicht aus der Perspektive eines überbietenden Prozesses, sondern aus der Position eines ‚ewigen’ oder elementaren Bestands, einer unzerstörbaren normativen Substanz. [...]. Der Hauptgegner der konservativ-revolutionären Position sind die Mächte der bürgerlichen Welt, also Liberalismus, Individualismus und Kapitalismus.

Über die KR verläuft die Traditionslinie rechter Kapitalismuskritik dann in Sprüngen und Variationen via Henning Eichberg und seiner Neuen Rechten über die Zeitschriften wir selbst! und volkslust bis hin zu Alain de Benoist, der heute als der wichtigste Kapitalismuskritiker von rechts anzusehen ist.

Im zweiten Teil des Vortrags wurde die Brücke in die Gegenwart und Zukunft gebaut. Skizziert wurden Herausforderungen einer zukunftstauglichen Kapitalismuskritik: Was muß bedacht werden, welche Denkschulen können einbezogen werden, welche einschneidenden Ereignisse stehen uns bevor, auf die wir politiktheoretisch vorbereitet sein müssen? Welche Widersprüche und Herausforderungen bringt das zeitgenössische (digitale, partiell postindustrielle) Entwicklungsstadium des Kapitalismus mit sich?

Michael Wiesberg, der nächste Referent, griff diesen Faden auf und sprach über die Macht der Großkonzerne, wobei insbesondere die virtuellen Giganten um Facebook, Google und Co. im Fokus standen. Sie seien Motoren und Nutznießer der »Vierten Industriellen Revolution«, die durch Verschmelzung von Technologien gekennzeichnet sei und die Grenzen der physikalischen, digitalen und der biologischen Sphäre verschwimmen lasse.

Ebenso angesprochen wurde die Ideologie des »Superimperialismus« und der in den 1990er Jahren vieldiskutierte Washington Consensus mit seinen Eckpfeilern fiskalische Disziplin, Liberalisierung der Finanzmärkte, Handelsliberalisierung, Abschaffung von Handelshemmnissen, Privatisierung, Deregulierung etc. Er begünstigt den Siegeszug der großen US-Konzernriesen. Allerdings gibt es Gegenentwicklungen, beispielsweise in China oder Rußland.

Der hysterische Alarmismus der Angsttrompeter, die derweil Deutschland bereits auf dem Weg zum »Technikmuseum« sehen, sei weitgehend unbegründet. Allerdings gebe es Nachhol- und Optimierungsbedarf; ein Zurücklehnen à la »Deutschland war schon immer ein Hochtechnologiestandort und wird es bleiben« wäre fatal. Dies wurde im folgenden ausgiebig diskutiert.

Der zweite Vortragstag begann, trotz Geselligkeit der Teilnehmer und Referenten bis tief in die Nacht, konzentriert und produktiv: mit einem klugen Referat von Felix Menzel über »Nachbarschaftliche Marktwirtschaft«. Menzel, Gründer der Blauen Narzisse und ebenfalls Stammautor der Sezession, arbeitet seit geraumer Zeit daran, konservative Positionen zur Krise des Ökonomischen, die fern alter Dogmen und neuer Mißverständnisse innovative Ansätze verknüpft, zu erschließen.

Im Kern geht es dem Chemnitzer Medien- und Betriebswirtschaftler dabei darum, eine Wirtschaftsordnung zu beschreiben, die das Lokale anstelle des Globalen bevorzugt, Familien in ihrer Unabhängigkeit stärkt, statt diese zu zerstören, und mit dem Ziel der Kulturbewahrung vereinbar ist. In seinem letzten Büchlein Alternative Politik findet sich für diese Vision die Bezeichnung »nachbarschaftliche Marktwirtschaft«.

In diese Richtung soll nun, so Menzel, weitergeforscht werden. Er arbeitet deshalb aktuell an einem umfassenden Buch zum Thema »Nähe und Kapitalismus«, das die Wirtschaftsentwicklung seit dem Mittelalter in den Blick nimmt und wichtige Korrekturen zur Mainstream-Lehre vorzuschlagen hat. Einen ersten Eindruck verschafft Menzels richtungsweisender Aufsatz zu diesem Thema in der kommenden Februar-Ausgabe der Sezession.

Es blieb sächsisch: Nach Menzel folgte Michael Beleites. Der ehedem bedeutende Akteur der Umweltbewegung in der DDR ist studierter Landwirt und hat in mehreren Büchern seine Reformvorschläge der bestehenden Verhältnisse ausgearbeitet, etwa in der Studie Land-Wende.

Er konstatierte, daß das Prinzip des Verdrängungswettbewerbs, das die kapitalistische Gesellschaft antreibt, immer wieder mit der darwinistischen Selektionslehre begründet und als naturgesetzlich hingestellt werde. Doch wie belastbar, fragte er die Akademieteilnehmer, ist die These von der aufbauenden Gestaltungskraft eines permanenten Daseinskampfes eigentlich?

Beleites untersucht die Wettbewerbs-Logik zunächst dort, wo sie herkommt - in der Biologie. Sein Befund: Nicht Kampf und Konkurrenz leiten die Naturprozesse, sondern Kooperation und ökologische Integration, die Umweltresonanz. Ausgehend von einer fundamentalen Kritik an Selektionslehre und Wettbewerbs-Logik beleuchtet er die Krise der Landwirtschaft.

Die überfällige Agrar-Wende wird als eine Land-Wende aufgezeigt, die den Dorfbewohnern Versorgungssouveränität und Lebensqualität zurückgibt. So eröffnen sich, meint Beleites, Wege in eine von Wachstum unabhängige Gesellschaft, die Wettbewerb durch Kooperation ersetzt. Sein – in der Folge höchst kontrovers diskutierter – Schlüssel zum Erfolg: Land und ein Grundeinkommen für Selbstversorger.

Nach dem wie gewohnt schmackhaften Mittagsbüffet, Bücherstöbern auf dem nahen Rittergut und dem Sportprogramm, folgte ein praktischer Exkurs von Oliver Hilburger. Der Kopf der alternativen Gewerkschaft Zentrum Automobil und Betriebsrat bei Daimler stellte – gemeinsam mit Simon Kaupert von der Bürgerinitiative EinProzent – die Kampagne »Werde Betriebsrat« vor.

Das wohl Wichtigste dabei: Hilburger trug zur theorieintensiven Akademie einen nicht zu vernachlässigenden Anteil bei, nämlich die Notwendigkeit, bei aller ideenpolitischen Diskussion die Praxisbezüge nicht aus den Augen zu verlieren.

Sein emotionaler Streifzug durch Werke und Betriebe, Gewerkschafts- und Arbeitnehmerwelten sorgte ohne Zweifel dafür, daß den Teilnehmern aufs neue bewußt wurde, wie wichtig es bleibt, im Kampf um Resonanzraumausweitung die Alltagssorgen der Menschen zu begreifen.

Ein weiterer Aspekt ist Hilburgers Aufruf, die Öffentlichkeit nicht zu meiden, sondern zu suchen: Es bedürfe mutiger Köpfe, die auf allen Ebenen und in allen Bereichen für diese praktisch-politisch einstehen. Hilburger selbst berichtete von seinem Vortagsbesuch in Görlitz, wo Tausende gegen Werksschließungen demonstrierten. Die Angst der linken DGB-Gewerkschaften vor einer sozialen Praxis-Rechten – bereits vorher greifbar in Broschüren, zahlreichen Presseberichten etc. – mündete in versuchten Attacken organisierter Antifaschisten.

Nach einer kurzen Pause schloß sich der Vortrag von Prof. Dr. Lothar Fritze an. Der Moralphilosoph und Politikwissenschaftler aus Chemnitz hat 2017 einen wichtigen Titel veröffentlicht, der bei den Kolleginnen im Antaios-Vertrieb für die ein oder andere Überstunde sorgte. Anläßlich dieser Veröffentlichung sprachen wir bereits mit Prof. Fritze über sein Buch und den hegemonialen moralischen Universalismus.

In der letzten Sezession schrieb er zudem über den mangelnden Sinn an Staatskunst in Deutschland. Nun kam er also nach Schnellroda, um »Über die Faszination des Marxschen Denkens« vorzutragen. Der 200. Geburtstag von Karl Marx wird im Mai 2018 begangen, und seine Werke werden wieder stärker rezipiert. Dies liegt einerseits an der Krise kapitalistischer Gesellschaften und andererseits wohl auch daran, daß es einige Momente im Marxschen Werk gibt, die auch heute noch Orientierungshilfen bieten.

Deutlich wurde im herausragenden Vortrag wie auch in der anschließenden, ausführlichen Diskussion: Auch für das konservative, rechte geistige Lager könnte Karl Marx als Analyst der kapitalistischen Produktionsweise, der Theorie der Entfremdung und einiger bedeutender Aspekte wie dem Fetischcharakter der Ware eine Größe sein. Andere Aspekte – sozialistische und kommunistische Zukunftsgesellschaft, deterministisches Geschichtsbild, Religionsgegnerschaft etc. – sind, erwartungsgemäß, nicht anschlußfähig.

Die von zahlreichen Teilnehmern angenommene und weitergeführte Diskussion über bleibende Aspekte des Marx-Werkes zeigte unterm Strich auf, daß auch hier Rolf Peter Sieferles Fazit aus seiner Marx-Einführung (derzeit vergriffen) zutrifft:

Insgesamt ist das Ergebnis gar nicht so schlecht für einen Theoretiker des 19. Jahrhunderts. Fast die Hälfte seiner Prognosen ist vollständig eingetroffen, bei einigen hat er mit Modifikationen recht behalten, und die wirklichen Fehlprognosen beschränken sich im Wesentlichen [...] auf Gebiete, auf denen er sehr zurückhaltend war.

Gleichzeitig wurden aber auch die Schwächen und Fehler des Trierer Philosophen herausgestellt und die Gefahr der Faszination, die nicht zuletzt von ihnen auf Extremisten des linken Lagers ausging. Fritze gab indes zu bedenken, daß das emanzipatorische Potential – Marx als Denker der Freiheit – trotz der barbarischen Experimente etwa im Sowjetkommunismus nicht zu leugnen sei.

Vom Reich der Notwendigkeit ins Reich der Freiheit – diese Maxime Marxens bliebe angesichts dieser Feststellung zu konstatieren, auch wenn die Vereinfacherer und Vulgarisierer in der Praxis oftmals Reiche des Terrors schufen.

Der Samstagabend wurde derweil unterschiedlich eingeleitet: Zwei Gruppen mit je 15 Teilnehmern diskutierten im kleineren Kreis in der Rittergutsbibliothek bzw. im Rittergutscafé weiter. Einerseits stand bei der von Menzel, Beleites und Lutz Meyer verantworteten Gesprächsrunde die Frage nach möglicher lokaler und regionaler Neustrukturierung wirtschaftlicher Zusammenhänge im Fokus.

Andererseits stritten Siegfried Gerlich, Benedikt Kaiser und Götz Kubitschek gemeinsam mit den Teilnehmern über Detailfragen nach »ideeller Querfront«, den sozialpolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und der Rezeption unterschiedlicher ideenpolitischer Denkschulen – während die so bedeutende Frage nach der Notwendigkeit einer »großen Erzählung« im Sinne eines mobilisierungsfähigen Mythos in einer der folgenden Veranstaltungsreihen fortgeführt werden muß.

Der Sonntagmorgen wurde von Peter Feist eingeleitet. Der DDR-sozialisierte Philosoph, Gegner der SED-Herrschaft und undogmatische Marx-Anhänger referierte über »200 Jahre Marx – Leistungen und Fehler«.

Anders als Lothar Fritze, dessen Gastvortrag wissenschaftlich-objektiv gehalten war, ist Feist leidenschaftlicher Verfechter einer Neuaneignung Marxscher Analysen, ohne die Dogmatik des überlebten Marxismus-Leninismus oder aber die postmodernen Lebenslügen der »neuen Marx-Lektüre« im Zeichen entkernter Adaption zu übernehmen. Auch nach diesem flotten und pointierten Vortrag wurde kontrovers und lebhaft diskutiert.

Abgeschlossen wurde die 18. Winterakademie des IfS durch den Besuch von Andreas Kalbitz. Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Potsdamer Landtag und Mitglied des Bundesvorstands seiner Partei sprach über die soziale Frage in Deutschland. Deutlich wurde: Die soziale Frage ist nicht nur ein mobilisierendes Sujet, sondern ebenso umstritten, vielschichtig und zukunftsweisend.

Kalbitz, dessen Vortrag in wenigen Tagen bei YouTube verfügbar sein wird, betonte die wesensgemäße Verknüpfung des Themenkomplexes innere Sicherheit und sozialer Sicherheit. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben – doch beides leidet in der gegenwärtigen Realität der Bundesrepublik.

Beifall fand desgleichen Kalbitz' Aufforderung, die Notwendigkeit einer aktiven Familienpolitik zu verinnerlichen. Die Familie als Keimzelle einer jeden Gesellschaft zu begreifen, bedeute in diesem Kontext auch, sich von einer rein materialistischen Welt- und Wirtschaftsauffassung zu befreien. Nicht rationale Kosten-Nutzen-Analyse sei zu forcieren, sondern der Wille, das Volk als Solidargemeinschaft zu erhalten und den demographischen Wandel schrittweise zu verändern.

Auch hier wurde im Anschluß an den Vortrag diskutiert, bevor Sonntagmittag die Veranstaltung beendet wurde. In den zahlreichen Gesprächen beim Mittagessen oder dem erneuten Besuch der Rittergutsräumlichkeiten war man sich einig, daß sich der Charakter der Instituts-Akademien in den letzten Jahren verändert hat.

Tagte man vor sechs oder sieben Jahren noch mit 30 Studenten, diskutierte auf einem mitunter abstrakt-intellektuellen Niveau über Detailfragen und verlor man praxisrelevante Überlegungen (zu oft) aus dem Blick, hat sich die Akademie nun als Großakademie etabliert und neu herausgeputzt.

Der Arbeitscharakter kommt auch bei 150 Teilnehmern nicht zu kurz bzw. wird durch neue Formate der Gesprächskreise erweitert, der Vernetzungscharakter gewinnt an Bedeutung, die neue Lage im Land – seit den Erfolgen der AfD und dem Erschließen neuer Resonanzräume für das neurechte Milieu – mobilisiert und motiviert.

Neu ist auch die Bedeutung der Gespräche derer, die in verschiedensten Zusammenhängen der Mosaik-Rechten arbeiten, Stellen suchen oder anzubieten haben. So mancher kommt kurz vor dem Uni-Abschluß auf die Akademie und verläßt diese mit klaren Vorstellungen zukünftiger Tätigkeitsfelder und neuen Kontakten. Freischaffende füllen ihre Auftragsbücher, Studenten erhalten Praktikumsplätze bei Landtagsfraktion oder Verlagen, andere lernen sich besser kennen und prüfen gemeinsame Vorhaben.

Fest steht daher: Die Sommer- und Winterakademien des Instituts für Staatspolitik bleiben auch in Gegenwart und Zukunft vor allem Bildungs- und Forschungsakademien – sie wirken aber jenseits der Fachvorträge auch als Vernetzungsmesse. Die fruchtbare Kombination aus politischer Theorie und ihrer Umsetzung wird ergänzt um gegenseitige Hilfe. Das ist eine Positiventwicklung, die vor wenigen Jahren noch schwerlich vorstellbar war.

Wer Teil dieser Erfolgsgeschichte sein möchte, ist herzlich eingeladen, der Sommerakademie im September beizuwohnen. Der Run auf die Plätze beginnt Ende Juli. Alle anderen, die die zwingende Notwendigkeit solcher Veranstaltungen erkannt haben, sie selbst aber nicht besuchen können, werden gebeten, durch Spenden den weiteren Forschungsbetrieb aufrecht zu erhalten.

Da die Wochenend-Akademien nicht ansatzweise kostendeckend sind (bei bewußt niedrig gehaltenem Tagungsbeitrag für Studenten: 50 € inkl. Vollpension und allen Vorträgen), hilft uns jeder Beitrag, diese Herausforderung zu stemmen. Nutzen Sie bequem die Bankeinzugsermächtigung des IfS, andere Möglichkeiten der Unterstützung finden Sie hier. Wir – und die jungen Teilnehmer – danken Ihnen im voraus!


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (7)

Der_Juergen
23. Januar 2018 09:13

Eine erfreuliche Lektüre beim verspäteten Morgenkaffee. Schade, dass man da nicht dabei sein konnte. Da Lutz Meyer als Mitorganisator dabei war, liest er hier wohl mit: Melden Sie sich auch bei Sezession wieder einmal, Herr Meyer.

Zum Thema: Gut, dass sich die intellektuelle Rechte ernsthaft mit wirtschaftlichen Problemen auseinandersetzt. Dringliche, aber kaum je öffentlich erörterte Fragen wie die, warum der Staat eigentlich sein Geld nicht selber druckt, statt es zu Zinsen von Privatbanken auszuleihen, gehören endlich aufs Tapet gebracht. Rechter Aktivismus darf sich nicht auf den - selbstverständlich zentralen - Kampf gegen den Grossen Austausch beschränken. Es heisst auch über ein radikal neues Wirtschaftssystem nachdenken, das den produktiven Kapitalismus (schöpferisches Unternehmertum mit starker sozialer Absicherung der Arbeiter) beibehält, den unproduktiven und parasitären Finanzkapitalismus jedoch abschafft.

Ich wurde, als ich hier einmal auf "patriotische Marxisten" anspielte, von einem Mitforisten hämisch gefragt, wen, ausser Toten, ich denn da nennen könne. Der Name Peter Feist fiel mir spontan ein; ich hätte auch auf Reinhold Oberlechner oder auf die "Rote Fahne" hinweisen können.

Ich bin mir mit Kaiser darin einig, dass man von Marx trotz seines insgesamt offenkundig falschen Geschichtsbildes ("Die Geschichte ist eine Geschichte von Klassenkämpfen", nein, das ist sie nur ausnahmsweise, ungleich öfter ist sie eine Geschichte von Kämpfen zwischen Stämmen und Nationen) noch heute einiges lernen kann. Dass Marx persönlich unsympathisch war, seinen Freund Engels nach Strich und Faden ausnahm und in seiner Jugend finstere Gedichte schrieb, ist für den Historiker bestimmt interessant, aber zur Beurteilung seiner Thesen nicht von Belang.

Im übrigen empfehle ich allen hier Lesenden Benedikt Kaisers Büchlein über die Querfront. Klein, aber fein!

Gonzague de Reynold
23. Januar 2018 15:14

Sehr erfreulich. Muss es doch eines der Hauptanliegen jedes Rechten sein, das rein materialistische und ausschliesslich wachstumsorientierte Denken und Handeln, das ja (abgesehen natürlich vom religiösen «Notstandsgebiet») im profanen Bereich primär und dominierend im «Wirtschaftlichen» zu Tage tritt, wieder zurückzustutzen und auf seinen gebührenden (und das ist natürlich nicht der alles bestimmende und überragende) Platz zu setzen. Drieu la Rochelle hat das ja sehr gut auf den Punkt gebracht: «faire une politique de gauche avec des gens de droite et de voir ces hommes de droite amendés, élargis, par cette politique» …

Cacatum non est pictum
23. Januar 2018 18:30

Ein interessantes Potpourri von ökonomischen Themen. Das wichtigste jedoch fehlt: unser Geldsystem. Geld ist das Schmiermittel der Wirtschaft und damit auch ihr zentraler Bezugspunkt. Das heute weltweit dominierende Schuldgeld - emittiert von faktisch privaten Zentralbanken, geschöpft ohne Deckung und verknüpft mit dem alles zerstörenden Zins - ist ein unüberwindbares Hemmnis für gedeihliches Wirtschaften. Solange es nicht beseitigt wird, spielt es keine Rolle, ob man Marxist, Libertärer, Anhänger der sozialen Marktwirtschaft oder sonst etwas ist - das Zinsgeld wird zuverlässig für ökonomische Katastrophen und Kriege sorgen.

Es gibt zum Thema durchaus gute Referenten. Vielleicht wäre das eine Anregung für zukünftige Seminare.

Martin Lichtmesz
23. Januar 2018 18:55

Die Basis-Überbau-These hat viel Unheil gestiftet.

H. M. Richter
23. Januar 2018 19:43

"Vom Reich der Notwendigkeit ins Reich der Freiheit [...] auch wenn die Vereinfacherer [sic!] und Vulgarisierer in der Praxis oftmals Reiche des Terrors schufen", konstatierte, wie zu lesen ist, Fritze mit Blick auf Marx.

Millionen Hingemordeter, ist man da versucht zu sagen, sehen dies, wenn es denn möglich wäre, etwas anders und hätten nicht nur mit diesem "auch wenn" gewisse Probleme.

So sehe ich selbst denn auch weniger in der Teilnahme von Fritze und Feist, sondern vor allem in der von Beleites einen überaus erfreulichen Beleg dafür, daß die Akademien des Instituts für Staatspolitik Brücken zu schlagen in der Lage sind.
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PS: Den Wegfall der Kursiv-Funktion im Kommentar-Bereich bedauere ich sehr.

Thomas Martini
24. Januar 2018 00:52

Zunächst einmal vielen Dank an Herrn Kaiser für die ausführliche Berichterstattung über die Winterakademie des IfS. So erhält man einen guten Überblick hinsichtlich der behandelten Themen und den vortragenden Rednern.

Dann zu dem "praktischen Exkurs" von Oliver Hilburger.

>>Das wohl Wichtigste dabei: Hilburger trug zur theorieintensiven Akademie einen nicht zu vernachlässigenden Anteil bei, nämlich die Notwendigkeit, bei aller ideenpolitischen Diskussion die Praxisbezüge nicht aus den Augen zu verlieren.

Sein emotionaler Streifzug durch Werke und Betriebe, Gewerkschafts- und Arbeitnehmerwelten sorgte ohne Zweifel dafür, daß den Teilnehmern aufs neue bewußt wurde, wie wichtig es bleibt, im Kampf um Resonanzraumausweitung die Alltagssorgen der Menschen zu begreifen.<>Multikulti ist keine Utopie, keine Lösung, sondern der Status quo. Wir verschließen davor noch immer die Augen. Vielleicht weil wir ahnen, wie verwirrend der Anblick wäre.<<

https://coriolan.in/rom/multikulti-maennergruppen-messerstecher/

Die Gründe für die Multikulti-Blindheit sind vielfältig. Das politische Desinteresse bei uns im Betrieb ist eine seltsame Melange aus unbewusster Hinnahme einer Manipulation, die durch rot-grüne Sprachrohre wie dem „Trierischen Volksfreund“ verursacht wird, einer scheinbar angeborenen Treue gegenüber der Bundesrepublik, und schließlich einer selbst anerzogenen Bequemlichkeit, sich ausreichend zu informieren.

Besonders der letzte Aspekt erscheint mir im Internetzeitalter unverzeihlich. Muss jedoch gestehen, dass ich mir abgewöhnt habe, die Leute auf der Arbeit in politische Diskussionen zu verwickeln. Länger als fünf Minuten, halten sich weder die eindringlichsten Beispiele für das Staatsversagen, noch die aussagekräftigsten Belege für die Rechtsbrüche der Bundesregierung im Gedächtnis der Kollegen. Manche wollen sich ihr heile Welt auch nicht beschmutzen lassen, reagieren allergisch auf allzu scharfe Kapitalismus- oder Einwanderungskritik, nicht wenige versuchen einen sogar in die Resignation zu treiben, in dem sie auf das allseits beliebte Totschlagargument zurückgreifen: Man kann doch eh nichts dagegen machen!

Manchmal lasse ich nach Abschluss der Lektüre – trotz meiner Sammelwut, und wider besseres Wissen – heimlich eine Sezessions-Ausgabe im Entspannungsraum liegen, als handle es sich dabei um den SPIEGEL oder den Stern. Meine Befürchtung allerdings ist, dass die hochwertigen Zeitschriften ungelesen in den Müll fliegen.

Benedikt Kaisers feines Büchlein „Querfront“, das meine eigenen Erkenntnisse und mein Denken intellektuell so verfeinert auf den Punkt bringt, als hätte man bleifreies Benzin zu Super Plus mit 98 Oktan veredelt, versuchte ich einem der wenigen bücherlesenden Mitarbeiter in meinem Bereich unter der Woche schmackhaft zu machen, doch kam es mir eher vor, als hätte ich Sauerbier an den Mann zu bringen.

Da ist nichts zu machen, und die Aussicht, diese bundesdeutschen Mitläufer noch irgendwie zu einem handfesten – oder wenigstens zu einem geistigen! – Widerstand gegen die Altparteien, Leitmedien, Helfer und ausführenden Organe der BRD, zu bewegen, ist kurz- bis mittelfristig undenkbar.

Da muss einfach mehr passieren, die eigenen Lebensbedingungen müssten sich massiv verschlechtern, die unschönen Begleiterscheinungen der Umvolkung müssten deutlich im individuellen Alltag sichtbar werden, und last but not least bräuchte es wohl zunächst eine weniger systemkonforme Redaktion beim »Volksfreund«.

All das könnte ich besser akzeptieren, würde man im Trierer Land wie im letzten in Europa verbliebenen Großfürstentum, nämlich Luxemburg, an jeder Ecke den Wohlstand aus allen Nähten platzen sehen. Man muss sich nur mal das Kirchberg-Plateau ansehen, gleich wenn man in die Hauptstadt des Landes hinein fährt. Da wächst ein moderner Glastempel neben dem anderen in den Himmel.

Als Trierer dagegen, wo man in seiner Heimatstadt denkmalgeschützte Ensembles vorfindet, und vieles sanierungsbedürftig erscheint, hospitiert man im Nachbarland eben auch nur, um günstig an Benzin, Kaffee und Zigaretten zu kommen. Sich mal die Frage zu stellen, warum ausgerechnet die Luxemburger auf das dritthöchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der Welt kommen, und das durchschnittliche Einkommen zweieinhalbfach so hoch wie jenes des durchschnittlichen Europäers ist, hieße, dass man sich um Staatspolitik Gedanken macht. Dabei sind die meisten Trierer - und natürlich die meisten Triererinnen ebenfalls - so außen vor, wie eine deutsche Tankstelle in Grenznähe zu Wasserbillig.

Max
25. Januar 2018 19:09

Peter Feist, ich fasse es nicht. Ok, ein bisschen recherchiert, aber, tatsächlich, er, der Neffe von Margot.

Ich kenne ihn aus DDR-Zeiten, 1988/89, Magnus-Haus, ein FDJ-Klub von Uni und Akademie der Wissenschaften, alle für Perestroika, und man konnte alles mögliche diskutieren, beispielsweise wurde auch die Variante, dass der ganze Laden einfach vom Westen übernommen wird, als Möglichkeit mal in Betracht gezogen.

Ich hatte (als Mathematiker) meine Zweifel an Marxens ökonomischer Theorie. Und es war Peter Feist, der mir dann, nach einer längeren Diskussion unter vier Augen, sagte, "das ist Antikommunismus". Ich war verwundert, hatte das bis dahin nicht so gesehen. Aber als ich auf dem Nachhauseweg darüber nachdachte, musste ich ihm recht geben. Seitdem betrachte ich mich als Antikommunisten.

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