Sezession
25. Januar 2018

Das war’s. Diesmal mit: Känguruhpenis, schönen Rechten und häßlichen Linken

Ellen Kositza / 21 Kommentare

  1. Januar 2018

Im Autoradio hab ich Radio Corax eingeschaltet.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Ich höre dieses „Freie Radio“ aus Halle gelegentlich, ausschließlich auf Fahrten mit den Kindern. Es ist natürlich kein „freies“, sondern ein manisch angstbesetztes linkes Programm, das dort geboten wird.

Aus der Selbstbeschreibung:

Das Programm wird von circa 300 Menschen in ihrer Freizeit oder ihrem Praktikum erstellt. Freie Radios agieren mit einem emanzipatorischen Anspruch im Sinne gesellschaftlicher Gleichheit und individueller Freiheit. Ihr Ziel ist es, allen Menschen in diesem Sinne den Zugang zum Rundfunk zu ermöglichen. Freie Radios arbeiten aktiv am Abbau von Diskriminierungen und stellen diesen das Modell der konkurrenzfreien, solidarischen Assoziation entgegen.

Typische Autofahrfrage: „Wir schalten mal Corax ein, ja? ich wette, daß es gerade um Oury Yalloh geht! Wer wettet dagegen?“ Die Dagegenwetter verlieren meistens.

Und doch mag ich es. Ich liebe die „antifaschistischen Nachrichten“, ich liebe es, wie meine Kinder den üblichen Moderatorenton („äh“, öh“, „also sozusagen“, „sozagen“, „Hmm… weeß ick ooch nicht“, „naja, also, naja“) nachahmen, und ich liebe die langen Vorträge über Marxismus/ Bourgeoisie/ Kapitalismus/ Neoliberalismus.

Heute schalte ich ein und bin mitten in einem Referat, das eine Frau mit einer klassisch ostdeutschen, aber nicht-sächsischen Stimme vorträgt: „.. dieses beschissene System abzuschaffen, das muß unsere Agenda…“ Kräht die Jüngste von hinten: „Sofort erkannt! Angela Merkel!

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  1. Januar 2018

Den Medienkonsum unserer Kinder zu regeln ist für uns mittelschwer. Bekanntlich kann nach den ersten und prägenden fünf, sechs Jahren nicht mehr viel „erzogen“ werden. Danach gilt es allenfalls, als Markierungen Grenzpfähle einzuhauen und hier und dort Türen einladend zu öffnen. Unsere Kinder haben uns nie fernsehend erlebt und nie eine Smartphonscheibe betrachtend. Insofern gibt es für sie die eine Welt (die häusliche, meist behagliche, fürsorgliche), die kaum an der Strippe hängt, und die andere (stressige, herausfordernde), die ebendas laufend tut.

Unsere Kinder befinden sich zwangsläufig dazwischen. Solche Regelungen wie „halbe Stunde/Tag TV im Vorschulalter" oder Zeit-die-du-wöchentlich-im-Internet-verbringen-darfst-Depots hatten wir nie. (Ich wüßte auch gar nicht, woher die Zeit dafür käme?).

Und doch gibt es immer wieder gewisse... Ertappungen. Kind wollte „kurz mal die mails abrufen“. Eine halbe Stunde später betrete ich das Zimmer, aufgerufen ist ein Bericht über das Dschungelcamp. Kind erschrickt und macht flatterende Handbewegungen mit der Maus.

„Ah, Dschungelcamp! Würdest Du Dir das gern mal anschauen?“ – „Nee!! War Zufall, ich wollte eigentlich nur…“

Ist schon gut. „Gucken die das, in Deiner Klasse?“ – „Klar. Alle.“

Gut. Schlecht. Dumm jedenfalls, wenn das Kind völlig uninformiert wär. Nichts gegen Hinterweltlertum, aber niemals erzwungenes.

„Dann klick doch noch mal zurück, mich interessiert das. Les mal vor!“

Kind (es hat ein echtes Qualitätsmedium aufgerufen, suedddeutsche.de) liest:

„Wenn Matthias Mangiapane, der mit seinem Lebenspartner durch diverse Reality-TV-Formate tingelt, sagt "Ich würde Kängurupenis auf jeden Fall essen, ich hatte schon ganz andere Sachen im Mund", dann jubilieren auch die Bild-Zeitung und alle Trinkspiel-affinen Zuschauer. "Penis!" Und ex. Die Opfer dieser medialen Konditionierung sollten allerdings auch nicht verschwiegen werden. Natascha Ochsenknecht nennt sie beim Namen (nachdem sie freimütig darüber geplaudert hat, dass sie mitnichten nur auf "Toyboys" stehe, aber total gerne küsse): "Oh Gott, meine Kinder - scheiße, hab' ich vergessen."

Das Kind quält sich ein wenig beim Vorlesen. Es weiß ja, daß ich gleich fragen werde, was „toyboys“ heißt, was „und ex“, und warum Kinder hier wohl mit „scheiße“ assoziiert werden usw, usf.

Aber genau hier wird unser beider Aufmerksamkeit abgelenkt. Inmitten der Lesung startet auf sueddeutsche.de nämlich ein Video mit zwei Hauptpersonen, die echter und hübscher, dabei (noch) mitleiderregender und definitiv würdiger aussehen als die Toyboyspezialistin und ihre x-fach operierte Konkurrentin im Urwaldlager. Mitten in diese Känguruhpenis-Toyboy-und- Scheiße-Geschichte ploppt nämlich ein Werbevideo von SOS-Kinderdorf. Es geht um Joy und Grace, zwei schwarzen Mädchen, denen es nicht so gut geht.

Wir schauen das kurze SOS-Video. Ich :„Okay, jetzt lies weiter. Es war ja spannend, gell?“ Kind will nicht und muß nicht.

Ich beginne mit einer leichten Verständnisfrage: Wie hängt wohl dieses Dschungelcamp mit diesen Kinderdörfern zusammen? - „Weiß nicht…vielleicht… wegen der Känguruhs?“

Kind schaut mich gequält an. Ich schaue gequält zurück. Ich weiß es auch nicht.

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  1. Januar 2018

Wer nach einem plastischen Beispiel für „Ersatzhandlungen“ suchte: hier! Seit Monaten schwelt der Streit über Eugen Gomringers Gedicht Avenidas. Dieser Tage ist die, mit Verlaub, zutiefst infantile Debatte vom Feuilleton in die Hauptnachrichten geschwappt. Ich bekomme mittlerweile einen Ausschlag, wenn ich deutsche Radiosprecher mit vor Andacht zitternder Stimme das Mammutwerk („mucheres“: wer war noch nicht auf Majorka?) zitieren höre.

Also noch mal Gommringers inkriminiertes Werk:

avenidas/avenidas y flores/flores/flores y mujeres/avenidas/avenidas y mujeres/avenidas y flores y mujeres y/un admirador.

(Alleen/Alleen und Blumen/Blumen/Blumen und Frauen/Alleen/Alleen und Frauen/Alleen und Blumen und Frauen und/ein Bewunderer)

Worum geht`s? Irgendwelche linken „Studierenden“ fanden das Gedicht sexistisch. Es degradiere Frauen zu Objekten. Das Problem:  Das Poem war (vor Jahren!) auf eine Außenwand der Alice-Salomon-Hochschule (mal gucken, hier kann man u.a. einen „Master Kinderschutz“ erwerben) gemalt worden. Nun wurde entschieden: In ein paar Monaten soll es gegen ein anderes wertvolles Gedicht ausgetauscht werden.

Jetzt gehen alle Kulturschreiber ab wie gesengte Säue. Der Feminismus bedroht die Kunstfreiheit. Beispielhaft einer von ungezählten Beiträgen zu dem „Skandal“, hier aus dem Hause des sonst kernhaft feministischen Bezahlsenders Deutschlandfunk:

Dabei ist dieses Gedicht alles andere als sexistisch. Es ist ein unschuldig-schönes Gedicht, außerdem ein Schlüsselwerk…

Es geht noch moralkeuliger, nämlich im selben Beitrag:

Alice Salomon, die Namensgeberin der Hochschule, hätte sich im Grab umgedreht. Wegen ihrer jüdischen Abstammung wurde die deutsche Sozialreformerin von Menschen ins Exil getrieben, die Bücher verbrannten, weil sie glaubten, so die eigene Bevölkerung vor dem vermeintlich bösen Wort schützen zu können.

Nun drehen sie alle durch. Alle, die #metoo, den Brüderleaufruhr, Frauenquoten etc.pp. voll gerechtfertigt fanden, sehen nun die „Kunstfreiheit“ empfindlich befleckt. Pardon, Kunst?

Ein Schrei / Aufschrei / Lautschrei / es schreit/ sprengt / verhallt / Luft / heiße Luft/ Keinschrei / hecheln /heucheln

Das wäre mein Sekundenwerk. Wer weiß, vielleicht ist es anno 2023 reif für die Wand?

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  1. Januar 2018

Bei Hadmut Danisch  habe ich den nun akademisch bestätigten  Beleg dafür gefunden, was empirisch längst erwiesen ist: Rechte sind im Schnitt schönere Menschen als Linke. Geschenkt.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (21)

Der Gehenkte
25. Januar 2018 09:21

"Unsere Kinder haben uns nie fernsehend erlebt und nie eine Smartphonscheibe betrachtend."

Da hat der Posener also doch recht?

https://starke-meinungen.de/blog/2018/01/24/das-elend-der-ethnopluralisten/

Gustav Grambauer
25. Januar 2018 13:36

"'... dieses beschissene System abzuschaffen, das muß unsere Agenda …' Kräht die Jüngste von hinten: 'Sofort erkannt! Angela Merkel!'"

O-Ton Merkel, frsich vom WEF,

https://www.youtube.com/watch?time_continue=5&v=jTAooBNNfcI

es wäre ein Aufwacherlebnis, wenn die jemals "besch...en!" sagen würde. Der Duktus ist ja auch steril: kein geistiger Tonus (und damit keine Authentizität), kein Esprit, nicht einmal die Spur eines dramatischen Aufbaus, stattdessen das verschrobene Bemühen um Leichte Sprache. Wenn ich diese Logikferne höre bzw. lese, kann ich auch nicht mehr glauben, daß diese Frau jemals in Physik promoviert, ja auch nur Abitur abgelegt hat. (Gefunden bei PI:)

"Das Land aus dem ich komme, in dem ich Bundeskanzlerin bin hat Schwierigkeiten und hat diese Polarisierung im Land, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht hatten. Herausgefordert durch zwei Ereignisse, die im Grunde auch Ausdruck der Globalisierung sind – einmal durch die Eurokrise, die wir jetzt inzwischen gut bewältigt haben. Und dann durch die Herausforderung der Migration in den letzten Jahren.

...

Die Frage, was kann ich* jetzt noch verteilen und was investiere ich in die Zukunft beschäftigt uns zum Teil sehr in unseren Gesprächen. Wir wissen, wenn wir das Wohlstandsversprechen für alle, in der Zeit der Digitalisierung leisten wollen – auch für unsere Menschen in Deutschland – dann bedeutet das, wir brauchen eine soziale Marktwirtschaft 4.0, nicht nur eine Industrie 4.0. Und das heißt, wir müssen uns auch mit der Frage beschäftigen: Wie nehmen wir alle mit? Und ich glaube, dass das eine der drängenden Fragen der Länder, die selbst gespalten sind (ist, sie) sind weniger in der Lage multilateral zu agieren, kooperativ zu agieren, sondern die Gefahr, dass sie sich in sich zurückziehen ist sehr groß.

(* das empathisch-projektive Ich, das wahrscheinlich von Psychiatern in ihren Patientengesprächen einmal als linguistische Figur entwickelt und dann von Typen wie Löwenzahn-Lustig viral verbreitet wurde - und welches heute in der akademischen Konversation niemandem mehr als Infantilismus auffällt, - G. G.)

...

Wir haben im Grunde die sunnitisch-schiitischen Konflikte vor unserer Haustür, wir haben den IS vor unserer Haustür, unser Nachbar ist Afrika – nur wenige Kilometer getrennt von den südlichen Teilen Europas. Syrien ist der Nachbar von Cypern. Das heißt, die Tatsache, dass Europa außenpolitisch nicht der aktivste Kontinent war, sondern wir uns oft auf die Vereinigten Staaten von Amerika verlassen haben – die sich aber jetzt auch mehr auf sich konzentrieren – muss uns dazu bringen zu sagen, wir müssen jetzt mehr Verantwortung übernehmen.

...

Wir sind mitverantwortlich für die Entwicklung des afrikanischen Kontinents, wir sind mitverantwortlich für die Frage, wie geht`s im Irak weiter. Wir sind mitverantwortlich für die Frage, wie geht es in Libyen weiter.

...

Nur noch wir selbst und der andere ist – erstens die Fremden, zum Schluss sind`s die Gruppen einer Gesellschaft, die ausgegrenzt werden. Und deshalb hab ich auch so begonnen, dass es sehr wichtig ist, dass wir die Lehren aus der Vergangenheit richtig ziehen.

...

Sie müssen jeden Menschen einzeln sehen, das ist mühselig. Aber solange sie die Individualität jeder Person nicht in den Mittelpunkt stellen und schon ihr Vorurteil haben, wenn jemand vor ihnen steht ohne, daß sie noch ein Wort mit ihm gesprochen haben, ist das Einfallstor für die (?) Rechtspopulismus da."

Aber bin mir sicher: nicht wenige OberstudienrätInnen mit Schwerpunkt Deutsch haben diese Geisterfahrerin in den lingusitischen Trümmern des einstigen Volkes der Dichter und Denker gewählt!

- G. G.

Roi Henry
25. Januar 2018 15:51

Das ist ja witzig. Keine Bezahlschranke. Die Gelegenheit muß ich unbedingt wahrnehmen, um erstens Frau Kositza für ihren gewohnt heiteren Beitrag zu danken, um zweitens sowohl @Der Gehenkte für Ihre geistig wohl durchdrungenen aber nicht immer literarisch hoch qualitativen Kommentare zu beglückwünschen als auch meine verstorbenen Großmütter und natürlich @Franz Bettinger zu grüßen.

Die Kommentare der mich aber ein wenig mehr interessierenden Beiträge waren leider schon geschlossen. Zum Beispiel @Caroline Sommerfeld, die Sie es so fein mit Begriffen haben. Die Trennung von Sachverhalten und Meinungen zu diesen Sachverhalten wäre dann mein Steckenpferd. Ich bin auch durchaus der Meinung, daß wir gerade nach dem bevorstehenden Finale wieder gute Philosophen und Kommentatoren benötigen. In diesem Sinne, herzliche Grüße an die SiN-Gemeinde. Und désolé für den launigen Kommentar. Hinter einer Bezahlschranke wäre er nicht passiert.

heinrichbrueck
25. Januar 2018 16:23

Merkel, etwas unfrisch: "Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, daß die Einlagen sicher sind."
In den Köpfen der Wähler wird verstanden: Die Einlagen sind sicher.
Und wer unterscheiden kann, ist Rechtspopulist. Immer gegen das Eigene. Auch sprachlich; bis zur Vermischung. Sie sagt den wahren Grund nicht, aber das Köpfchen des westlichen Demokraten versteht die ausgefeilte Sprache, sonst würde das System nicht wie gewollt funktionieren.

Seemann
25. Januar 2018 17:07

Thema Medienkonsum, ich schalte weder Radio noch TV Gerät ein. Mir reicht schon was man notgedrungen im Internet liest. Der KIKA-Kanal gibt jetzt Tipps, wie Migranten einen BH öffnen sollen usw. Man glaubt man ist im Irrenhaus,doch wo ist der Ausgang?

John Haase
25. Januar 2018 19:58

@ Der Gehenkte
"Danke" für den Link. Wieder ein paar Minuten meines Lebens, die mir niemand mehr zurückgibt.

Die völlige Schamlosigkeit des geistigen Mittelmaßes ist immer wieder ein verstörender Anblick.

Tony
25. Januar 2018 20:23

Ja, das mit den Medien und den Kindern ist so eine Sache. Insbesondere nach der besonders gelungenen Herzblattsendung, bei dem man die Alterung des Protagonisten im Zeitraffer erleben durfte. Nur doof, daß ausgerechnet dann die Realität in Kandel zuschlagen mußte.

Ich lasse meine Tochter - noch im Grundschulalter - regelmäßig Artikel ihrer Wahl aus der Zeitung, aus echtem Papier, raussuchen. Welche das ist, können Sie sich wohl denken. Natürlich musste sie bei dem Kommentar von Birgit Kelle "Für immer 17" hängenbleiben. Also las sie ihn vor.

Wir besprechen grundsätzlich das Geschriebene. Was möchte die Autorin mitteilen? Welcher Wörter und Sprachmittel bedient sie sich? Aufgefallen war ihr natürlich sofort der Hinweis auf den Kinderkanal. Verwunderung machte sich breit, sie hielt kurz inne, und meinte nur kurz; "KiKa ist aber doof, ich geh jetzt basteln." Ach ja, die Kleinen...

Fredy
25. Januar 2018 21:42

Ich meide nicht nur jeden Monitor und jeden Lautsprecher. Meine Kinder haben mich auch nie ein Buch lesen sehen.

"Im Übrigen, mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben und viel Studieren ermüdet den Leib."

Aus der heiligen Schrift, meine Lieben.

KlausD.
26. Januar 2018 09:56

Oury Jalloh … daß dieser Mensch aus Sierra Leone (vorbestraft wegen Drogenhandel, Asylantrag abgelehnt) in einer Dessauer Polizeizelle zu Tode kam (Hitzeschock) ist nun mittlerweile 13 Jahre her. Nach dieser langen Zeit und dem ständigen linksgrünen Tamtam wird vielleicht mancheiner gar nicht (mehr) wissen, welcher Anlaß für den Polizeigewahrsam überhaupt vorlag. Stark alkoholisiert belästigte er Frauen, die in ihrer Not die Polizei um Hilfe riefen. Kaum zu bändigen in seiner Rage wurde er gefesselt und in der Zelle am Boden fixiert. Dann wurden im Polizeirevier leider Fehler gemacht: Kleidung unzureichend untersucht, Sprechanlage leise gestellt, zu spät nachgesehen. Der größte Fehler war, nicht gleich danach intern den Fall zu untersuchen und die Schuldigen angemessen zu bestrafen.

Stil-Bluete
26. Januar 2018 14:22

'Die Bezahlschranke' (fem.): Wie schön, immer noch findet ein findiger Wort-Schöpfer im deutschsprachigen Raum Genugtuung. Das gewaltigeste Wortgetüm, welches ich aus der Neuzeit kenne und das ohne Anglizismen auskommt:

'Gebühren-Einzugszentrale (des öffentlichen
Rundfunks)-Gebühren' (kurz GEZ-Gebühren,
Rundfunkbeitrag, Beitragsservice)

(P.S. Bedaure,, dass Kommentare nicht mehr mit Minimalfunktionen zu gestalten sind.)

@ G. G.
Verstehe über '4.0' Bahnhof. Der Zug fährt einfach durch. Wohin? 'Es fährt ein Zug nach Nirgendwo...'

Isarpreiss
26. Januar 2018 21:12

Zum Thema Medienkonsum: Frau Kositza, Sie haben uns ja vor einiger Zeit sehr nützliche Kinderbuchempfehlungen gegeben ( https://sezession.de/24076/vorlesen-ein-leitfaden ).

Können Sie auch Bücher mit Gedichten empfehlen? Meine beiden kleinen Kinder lieben Gedichte und Reime, aber leider gibt mein Bücherregal dazu gar nichts her.

antwort kositza:

Bei echt kleinen Kindern möchte ich im Ernst diese beiden Pixibücher empfehlen, es sind goldige Reime, echte „Volksweisen“.

"Petersilie, Suppenkraut" und
"Jakob ist ein Zottel"

Etwas älteren Kindern, vielleicht ab fünf, kann man natürlich den alten Strwwelpeter und auch die jüngere DDR-Version desselben vorlesen.

Und ca. ab der zweiten (oder vierten? Je nach poetischer Empfänglichkeit) Klasse so was wie diese Bilderbücher: "Der Handschuh", "Herr von Ribbeck" oder "Der Taucher".

Isarpreiss
26. Januar 2018 22:20

Herzlichen Dank für die schnelle Antwort und die Hinweise. Die beiden Pixibücher habe ich gleich bestellt.

Susann
27. Januar 2018 10:37

Sehr geehrte Frau Kositza, nach meinem Empfinden schwingt bei ihrer Formulierung der "klassisch ostdeutschen, aber nicht sächsischen Stimme" ein leicht herablassender Unterton mit. Verwenden Sie "Stimme" im Sinne von Dialekt oder wie ist das zu verstehen? Die Trennung in den Köpfen ist leider immer noch eine Tatsache in den älteren Jahrgängen, aber gerade bei den Rechtskonservativen fände ich derlei besonders enttäuschend.

Kositza: Liebe Susann, Sie klingen glatt wie eine, die zufällig auf diese Seite gestoßen ist. Stimmt aber gar nicht, gell? Ersetzen Sie "Stimme" durch "Zungenschlag" und vergessen Sie Ihre Mutmaßungen!

Simplicius Teutsch
27. Januar 2018 19:22

Sehr geehrte Frau Kositza,
(- ich begleite als wohlwollender Beobachter sezession von Anfang an -)
lassen Sie sich bitte durch das aus einer unterstellenden Schublade hervorgeholte "Empfinden" von @Susann nicht provozieren bzw. verärgern. - Oder trügt mich mein sensibler, sozialer Spürsinn? In welche Ecke will man Sie da beiläufig stellen? - Ich sage mal nicht, wie ich den Kommentar von @Susann "empfinde".

Susann
27. Januar 2018 23:56

Hallo Simplicius Teutsch, ich sage mal frei heraus, wie ich ihren Kommentar "empfinde": gestelzt und schleimig.

Utz
28. Januar 2018 09:17

Ich möchte mich Simplicius Teutsch anschließen.

Zum Thema Vorurteile "älterer Personen" gegen den Osten: da unterschätzt jemand die Rechtskonservativen gewaltig: Wir sind vielleicht nicht politisch korrekt, aber nicht blöd.

Ein persönliches Beispiel: Als wir nach dem Mauerfall im Stadion zum ersten mal ostdeutschen Mannschaften begegneten, skandierten wir oft "baut die Mauer auf", wenn die Gegner unserer Meinung nach unfair spielten. Natürlich wußten wir, daß die auch nicht unfairer waren als unsere Mannschaft, aber man mußte ja seinem Frust Luft verschaffen. Damals gab es genug Leute, die das aus Gründen der politischen Korrektheit bemängelten, was uns aber egal war, weil wir darauf vertrauten, daß jeder weiß, daß im Stadion andere Gesetze gelten. Seit Pegida würde es mir nicht mal im Traum mehr einfallen, "baut die Mauer auf" zu rufen, wenn Dresden, Crimmitschau oder Weißwasser zu Gast ist, weil ich unendlich dankbar dafür bin, daß wir den Osten haben.

KlausD.
28. Januar 2018 10:18

@Simplicius Teutsch
Die Frage bleibt trotzdem: Was ist eine klassisch ostdeutsche, aber nicht sächsische Stimme? Andersherum stellt jeder ehemalige DDR´ler auf Anhieb fest, ob sein Gegenüber aus dem Westen oder Osten der jetzigen BRD kommt, nicht nur anhand der Sprache. Die Menschen hier haben so ihre Erfahrungen gemacht mit den "Besserwessis", den arroganten Siegertypen, die glaubten, den Hinterwäldlern erstmal Kultur beibringen zu müssen und sie "ganz nebenbei" gnadenlos ausgenutzt und benachteiligt haben. Und sind da sehr hellhörig und empfindlich geworden. Aber die Zeit schreitet voran und selbstverständlich trifft dieses Verhalten nicht auf alle Westdeutschen zu, insbesondere nicht auf diejenigen, die hier heimisch geworden sind und zusammen mit den Menschen hier leben und wirken.

Simplicius Teutsch
28. Januar 2018 11:20

Zu @Utz,
ich kann ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis bringen, wo ein „Wessi“ vor Jahren, nach dem Mauerfall, immer gerne grenz-wertige Witze gegen „die Ossis“ gemacht hat. Und er war und ist ein echt witziger Typ. - Doch was ist das Ergebnis: Er hat schließlich eine sächsische „Ossi-Tante“ geheiratet und mit ihr zwei Kinder.

Zu @KlausD.
Da will ich Ihnen – als „Wessi“ - gar nicht widersprechen. Aber mir geht es in meiner Replik auf @Susann ganz konkret um den völlig unangebrachten Rempler gegen Frau Kositza. So habe ich es halt „empfunden“. Nicht nur „Ossis“ sind „hellhörig und empfindlich“, sondern gelegentlich auch „Wessis“.

- Und dabei möchte ich es jetzt auch belassen. Ende von meiner Seite aus.

KlausD.
28. Januar 2018 13:56

@Simplicius Teutsch
Doch nochmal kurz zur "klassisch ostdeutschen, aber nicht-sächsischen Stimme". Diese gibt es so natürlich nicht. Aus westdeutscher Sicht ist diese ganz grob vielleicht bestenfalls als eine nicht westdeutsche Stimme zu identifizieren, was aber ziemlich nichtssagend ist. Das differenzierte Stimmengewirr der einzelnen Regionen in Ost ist genauso vielfältig wie in West, meist schon unterschiedlich von Kreis zu Kreis oder Stadt zu Stadt. Ich war in einem deutschlandweiten Unternehmen mit Geschäftsstellen/Filialen selbst in kleinsten Regionen beschäftigt und konnte so feinste sprachliche Unterschiede feststellen. Z.B. sprechen die Hallenser anders als die Merseburger, die wiederum anders als die Naumburger, die Dessauer anders als die Köthener (je ca. 20 km entfernt) usw. Es gibt auch kein einheitliches sächsisch, so wenig wie es ein einheitliches norddeutsch gibt ...

In der DDR gab es einen bekannten Liebhaber der deutschen Sprache, der humoristisch deren Besonderheiten aufs Korn nahm, Hans Georg Stengel, hier ein Vortrag von ihm zum sächsischen Signalsystem, viel Spaß ...

https://www.youtube.com/watch?v=9H5D1dCTVrM

Stil-Bluete
29. Januar 2018 10:15

Das Gemeinsame des Ossi-Landes: Der Stallgeruch, egal welche Haustiere im Stall versammelt sind/waren (Schwalben und Schmeissfliegen gehören auch dazu, letztere aber weniger treu), das öffnet sich auch historisch bedingt, zum angrenzenden Polen und Tschechien wie bei den Schleswig-Holsteinern zum Dänischen. Dann gibt es noch die West-Ost-Sprachlinie zum Niederdeutschen, die aber viel älter ist als die Trennung zwischen Ost- und Westdeutschland. Älter sind auch die unsichtbaren Affinitäten der gewesenen echten Ostdeutschen auch dann noch, wenn sie sich in der zweiten und sogar dritten Generation zufällig begegnen und sich unerklärte Nähe herstellt.

@ KlausD.
Mit dem Hinweis auf Hans Georg Stengel haben Sie mir eine große Freude bereitet. Der Harald Schmidt des Ostens. Ebenbürdig. Da gibt es auf You-tube Gott sei Dank noch viel zu entdecken. Mit welcher Feinheit und Freiheit des Geistes und der Sprache er das System komplett zu umgehen verstand und die Zuschauer auf alle politischen Anspielungen mitnahm, ist ganz große Klasse. In Zeiten der Zensur sollte man Ungeübte auf ihn als großen Lehrmeister hinweisen.

Thorsten B
29. Januar 2018 12:13

@Fredy "Ich meide nicht nur jeden Monitor und jeden Lautsprecher. Meine Kinder haben mich auch nie ein Buch lesen sehen." - falls Sie damit eine Ridikülisierung der Aussage "Unsere Kinder haben uns nie fernsehend erlebt und nie eine Smartphonscheibe betrachtend." erzeugen wollen so lege ich hier Veto ein.
Freilich ist dieser Satz idealsiert aber sollte übermässiger TV Konsum Kindern sicher nicht vorgelebt werden und wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht und sieht wie viele Menschen nur noch auf die mobilen Endgeräte starren und jegliche Achtsamkeit verloren haben ist dies erschreckend und ein umso tragischeres Vorbild für die Kinder.
Ich lehne auch das Abrufen und Beantworten der elektronischen Post auf den mobilen Geräten ab - erstens wird man wegen der kleinen Bildschirme und der Ablenkung nie mit Qualität antworten können und zweitens - und das brauchen Kinders besonders als Vorbild - wird sich dann keine Struktur einstellen: Jetzt gehe ich spazieren und jetzt lese und beantworte ich meine Nachrichten.
Das ist das Problem mit den mobilen Geräten - nicht die Ablehnung eines Bildschirms an dem man konzentriert arbeitet oder eines Lautsprechers aus dem man Musik hört; bei Büchern sollten wir unsern Kindern so viele Türen wie möglich öffnen - ich selbst nehme mir die Zeit komplexere Bücher mit meinen Kindern gemeinsam zu lesen.
Und genau dieser Krititk, das die mobilen Geräte unsere Struktur zerstören und durch das immer-erreichbar-sein die Qualität unserer Äusserungen zu dem um uns herum schon zum Überfluß existierenden bedeutungslosen Massenbrei verkommen lassen schliesse ich mich an - das sollten wir unseren Kindern vorleben; ganz wie Lucius De Geer in Helipolis sein Mobiltelefon abgibt als er sich für die Freiheit entscheidet.

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