12. Februar 2018

Ingo Langner/Franz Schmidberger: Gott, Kirche, Welt und des Teufels Anteil

Gastbeitrag / 15 Kommentare

von Werner Olles -- „Die Glocken läuteten zur Sonntagsmesse. Die Landpfarrer hielten ihren Schäfchen flammende Reden von der Kanzel herunter.

Die Messe wurde auf Latein gelesen, dem Kruzifix zugewandt, mit dem Rücken zur Gemeinde, und ohne Mikrofon.

Die Pfarrer wurden an ihrer Soutane erkannt. Man besuchte den Religionsunterricht und feierte die erste Heilige Kommunion. Das im Aufbau befindliche Frankreich war authentisch, patriotisch und chauvinistisch. Das war das Glück in der besten aller möglichen Welten. Das war die Ruhe vor dem Sturm.“

Manchen mögen diese Worte des französischen Ex-Filmstars Brigitte Bardot aus ihrem lesenswerten Buch „Ein Ruf aus der Stille“ (München 2004) als Sprache des Populismus gelten, doch sagen sie mehr aus über die Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil als viele gelehrten Texte katholischer Theologen. B.B. – heute eine engagierte Tierschützerin, mutige Islamkritikerin und bekennende Anhängerin des Front National – beschwört sehnsüchtig die Zeit ihrer Jugend und rechnet schonungslos mit der Gegenwart ab.

Tatsächlich erlebte die Römisch-Katholische Kirche zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Revolution, die sie in eine schwere Krise stürzte. Es war die Revolution, die sich auf dem Zweiten Vatikanum vollzog, dessen Beschlüsse und deren Umsetzung das Erscheinungsbild der Kirche völlig veränderten.

Das Konzil (1962-1965), das Traditionalisten als das 1789 der Kirche gilt, formulierte nicht nur ein neues Selbstverständnis, das mit der überlieferten Lehre nicht zu vereinbaren ist und propagierte Irrlehren, die inzwischen den Innenraum der Kirche beherrschen, sondern läutete den Niedergang der priesterlichen Berufungen und die sonntägliche Besucherzahl der Gläubigen ein. Die verheerenden Folgen der Bischofsversammlung sind so augenfällig, daß eine Analyse der diversen Konzilsdokumente über die Religionsfreiheit, den Ökumenismus oder das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Reilgionen eigentlich unnötig ist.

Pater Franz Schmidberger, ehemaliger Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) und heute Regens des Priesterseminars Herz Jesu in Zaitzkoven, geht in dem Interviewbuch selbstverständlich auf die Konzilsdokumente ein, die mit ihren widersprüchlichen Aussagen die Heiligkeit der Kirche angreifen, die traditionelle Lehre unterminieren und zeigt die Brüche auf, die sich das Konzil zu schulden kommen ließ, indem es an den Grundfesten der katholischen Heils- und Erlösungslehre rüttelte und seinen Absolutheitsanspruch preisgab.

Das Leitmotiv des Konzils war, den Menschen zu gefallen und die Versöhnung mit der Welt, die Ersetzung der Gottesrechte durch die Menschenrechte und – gewollt oder ungewollt - die Einleitung eines Selbstzerstörungsprozesses, den Paul VI. , der daran einen nicht geringen Anteil trug, mit den Worten beklagte, durch irgendeinen Riß sei der Gestank Satans in den Innenraum der Kirche eingedrungen.

Der Regisseur und Publizist Ingo Langner hat mit Pater Schmidberger ein längeres Interview geführt, zu dem Lorenz Jäger das Vorwort beisteuerte. Pater Schmidberger gibt detailliert und freimütig Auskunft über das Selbstverständnis der Piusbrüder aufgrund ihrer Ablehnung des nach dem Zweiten Vatikanum festgelegten neuen Meßritus und verschiedener Aussagen des Konzils, über die Stellung zu den Päpsten und der aktuellen Situation zwischen den Leitungsgremien der FSSPX und der römischen Hierarchie, die möglicherweise auf eine Versöhnung in Form einer Personalprälatur hinausläuft. Damit würde der Piusbruderschaft wieder ein kanonischer Status zugestanden, den sie seit den Bischofsweihen durch ihren Gründer Erzbischof Lefebvre seit 1975 nicht mehr besaß.

Es ist ein hochinteressantes Buch, das allerdings einige Widersprüche nicht ausräumen kann. So erkennt die Piusbruderschaft zwar die nachkonziliaren Päpste von Johannes dem XXIII. bis Franziskus ausdrücklich als rechtmäßige Päpste an, behält sich aber das Recht vor, lehrmäßige Aussagen nicht zu akzeptieren, falls diese nicht ihren traditionalistischen Ansprüchen genügen, weil sie zu modernistisch sind. Dieser Spagat ist schwer vermittelbar: Ist und bleibt eine Häresie nicht eine Häresie? Und gehört ein Papst, der sie verkündet, nicht automatisch abgesetzt?

Ebenso bleiben die Piusbrüder die Antwort auf die Frage schuldig, wie denn die römisch-katholische Kirche als Heilsinstitution wieder aufgebaut werden soll, wenn man sich selbst darauf beschränkt in seinen Meßzentren und Kapellen die Heilige Messe nach dem Meßbuch von 1962 zu feiern, das bereits nicht mehr die volle katholische Wahrheit verkündet.

Auf diese Fragen gibt das Buch leider keine eindeutige Antwort. Es ist jedoch nur zu verständlich, daß viele Katholiken eine Heilige Messe der Piusbrüder bevorzugen, in der wenigstens der Ritus noch seine Schönheit und Ästhetik entfalten kann, anstatt sich in einer „Kirche“, die mehr einer Turnhalle ähnelt, mit dem Gemeindevorsteher vor einem windschiefen Kreuzchen zu versammeln. Es ist auch richtig, daß Äußerlichkeiten immer auch auf Inhalte schließen lassen. Das Zweite Vatikanum bewies dies, indem es die Tridentinische Messe abschaffte und damit einem herrlichen jahrhundertealten Ritus den Garaus machte, was zur Folge hatte, daß auch die religiösen und theologischen Inhalte bis zur Unkenntlichkeit verwässert wurden. Dennoch müßte mehr passieren, damit Deutschland und Europa wieder blühende christliche Länder werden, und keine islamischen oder atheistischen Wüsten. Die FSSPX müßte sich am Kampf für eine Rekonstituierung der römisch-katholischen Kirche noch stärker beteiligen, sonst wird sich an dem erbärmlichen Zustand der Kirche nichts ändern und Gläubige aus Verzweiflung zu den Orthodoxen Ostkirchen abwandern.

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Gott, Kirche, Welt und des Teufels Anteil: Ingo Langner im Gespräch mit Pater Franz Schmidberger von der Priesterbruderschaft St. Pius X. 214 Seiten, 14,80 Euro. Das Buch kann hier bestellt werden.

Kommentare (15)

RMH
12. Februar 2018 22:45

"Das Konzil (1962-1965), das Traditionalisten als das 1789 der Kirche gilt,"

Und auch hier sollte man nicht vergessen, dass dieses Konzil nur das gestoßen hat, was bereits am Fallen war und dass vieles, was in einer "Revolution" umgesetzt wird, bereits lange vorher angelegt war (diese These finden wir begründet bspw. auch in Toquevilles "L’Ancien Régime et la Revolution").

Mir im katholischen Bayern wurde von vielen älteren Menschen bspw. berichtet, dass die HJ u.a. besonders deshalb so attraktiv für viele ihrer Generation war, weil man damit den prügelnden, herrschsüchtigen und z.T. bigotten Kaplanen, Ordensleuten & Priestern endlich etwas entgegenzusetzen hatte - denn die waren urplötzlich sehr handzahm, wenn das braune Hemd übergezogen war (selbiges galt auch für den BDM). Dies nur am Rande. Ich habe große Hochachtung vor der Pius-Bewegung, auch wenn ich kein Teil davon bin und auch nicht werde, aber man sollte das dann doch nicht zu sehr idealisieren oder romantisieren. In dem Kampf, in dem wir stehen, mag dies aber immerhin dem einen oder anderen spirituellem Halt geben - und einen solchen Halt braucht der Mensch.

Thomas Martini
13. Februar 2018 02:02

Bei dem Thema kommt man in Deutschland nicht an Pfarrer Hans Milch vorbei, dessen Werk und Andenken von actio spes unica e.V. in Ehren gehalten wird.

http://www.spes-unica.de/actio/

In den letzten Wochen habe ich vielen Gottesdiensten beigewohnt, besonders merkwürdig empfand ich eine Abendmesse im Hamburger Michel. Es war das erste Mal, dass ich an einem Gottesdienst der Protestanten teilnahm, und abgesehen von der Kirche gibt es da nichts Gutes zu erwähnen.

Nur im Michel musste der Pfarrer die Gemeinde auffordern, die Smartphones auszuschalten, mit der Bitte, Foto- und Videoaufnahmen zu unterlassen.

Nur im Michel hat die anwesende Gemeinde überhaupt keinen Elan beim Beten und Singen an den Tag gelegt. Bei den meisten Besuchern handelte es sich wohl um die Eltern und Verwandten der Kinder vom Mittelstufen-Chor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Diesem mäßig disziplinierten Chor blieb der Gesang überlassen, auf den Kirchenbänken saßen die Zuschauer des "Events".

Nur im Michel ließ sich der Pfarrer dazu herab, politische Kampfbegriffe in seiner Lesung zu verwenden, als er - natürlich beiläufig und mit einem Augenzwinkern - die "gendergerechte Sprache" erwähnte.

Wie ich bereits in meinem Tagebuch festhielt: Dafür kann der Michel nichts! Und die Kirche für sich genommen, lässt sich nur als prächtig bezeichnen. Schade, dass sie der evangelischen Gemeinde gehört.

Bei den Katholiken sieht es in Hamburg aber nicht besser, sondern richtig arg aus. Erzbischof Stefan Heße peitscht ein brutales Sparprogramm durch, über 80 Gemeinden sollen auf kümmerliche 28 Pfarreien zusammengelegt werden. Wer Sonntags in Blankenese zum Hochamt will, muss sich auf den weiten Weg zum St. Marien-Dom im Stadtteil St. Georg aufmachen, der mal eben 12 Kilometer von der Maria-Grün-Kirche entfernt liegt.

In dieser kleinen Kirche, die aus der Zeit der Weimarer Republik stammt, und entgegen meiner Erfahrungen für eine katholische Kirche völlig schnörkellos und schmucklos erscheint, bekommt man am Silvesterabend einen afrikanischen Priester vorgesetzt. Ein freundlicher Mann, durchaus, der aber "offensichtlich" noch nicht Herr über die deutsche Sprache geworden ist. Zwischendurch ist er gar nicht zu verstehen, und bei Wörtern mit den vermaledeiten Zischlauten - nochmals - "offensichtlich" völlig überfordert.

Auch die Abendmesse vor zwei Wochen in derselben Kirche, war im Grunde nur traurig, da die radikalen Kürzungen durch das Bistum die Atmosphäre und Stimmung bei der Verlesung des Pfarrbriefes und der Fürbitten prägten. Immerhin - und das bleibt festzuhalten! - waren die Gläubigen beim Gotteslob ein wenig zu hören und nicht nur als Zuschauer dabei.

Im Vergleich zur Gemeinde im Umfeld des Trierer Don Bosco Jugendwerks, ist das aber gar nichts. Hier besuchte ich kürzlich eine Vesper in der gleichnamigen Kapelle, und musste überrascht zur Kenntnis nehmen, dass es in meiner Heimatstadt gläubige Katholiken gibt, die Kirchenlieder lautstark und mit Begeisterung singen. Im Familiengottesdienst, ermuntert der allseits beliebte Pater Aloys die Gemeinde sogar zum Klatschen. Bei dem Mann handelt es sich um eine Frohnatur mit einer eminenten Ausstrahlung, und von seiner Art her, passt er haargenau in die Nachfolge Don Boscos. Es dürfte nicht von ungefähr kommen, dass er im Jugendwerk im sozial schwachen Trier-West als Pater seine Lebensaufgabe gefunden hat.

Soweit eine Kurzfassung zu meinen Eindrücken in verschiedenen Gotteshäusern der BRD. Sollte sich jemand für die ausführlichere Variante interessieren, bitte hier entlang: https://coriolan.in/rom/diarium/

Und damit zurück zu den Piusbrüdern, die einem Christen wenig Spielraum zur Auslebung des katholischen Glaubens überlassen. Aus deren Sicht, darf man als "Wissender" von einem Geistlichen wie Pater Aloys nicht einmal die heilige Kommunion empfangen:

"Und nun die Antwort auf die Frage, ob Du als Wissender teilnehmen darfst an der neuen Gestalt der Messe.

Die Antwort heißt: NEIN!

Teilnahme heißt Bekenntnis, und zu dieser neuen Form darfst Du Dich niemals bekennen."

http://www.spes-unica.de/actio/manifest.php

quarz
13. Februar 2018 06:54

"Manchen mögen diese Worte ... als Sprache des Populismus gelten"

Hört doch endlich auf, den Vorwurf des "Populismus" als inhaltliche Kritik ernst zu nehmen und auf das Sprachspiel der Einschüchterer einzusteigen. Er ist nichts weiter als ein insultierender Sprechakt, der die Minimalbedingungen intellektueller Satisfaktionsfähigkeit nicht erfüllt.

Durendal
13. Februar 2018 07:27

@Thomas Martini
Vor zwei Wochen war ich auch in Maria Grün, wo mir v.a. die aus Polen stammenden Magazine auffielen, die im Foyer ausliegen, und in denen u.a. Neomarxismus und Globalismus in sehr erfrischender Sprache behandelt werden.
Vielleicht lohnt sich für Sie auch ein Besuch in St. Bruder Konrad in HH-Osdorf, wo man den einen oder anderen Besucher wiedererkennt, wenn man regelmäßig die Akademien besucht.
Mittlerweile gibt es auch einen kleinen Kreis von entsprechend interessierten Christen in Hamburg. Vielleicht haben Sie ja auch Interesse, Infos gerne unter hamburg [at] bundsanktmichael.org.

Hesperiolus
13. Februar 2018 08:05

Zwei kunsthistorische Desiderate vermisse ich: ein umfassendes Schwarzbuch über den Ikonoklasmus der Französischen Revolution und eines über den Auto-Ikonoklasmus des zweiten Vatikanums und seiner Folgen. Ein seltsames Schweigen in der Literatur über die grausamen Schändungen der Kirchenräume und ihrer res sacra! Anscheinend auch vom Denkmalschutz tabuiert. Bitte die belesenen Sezessionisten um Hinweise auf einschlägige Monographien, so vorhanden. "Wer einen Ritus reformiert, verletzt einen Gott" hat Gómez Dàvila treffend pointiert. Übrigens gehörten die Pfaffenfresser in HJ und BDM nicht unbedingt zur pars melior gentis bavarum.

Monika
13. Februar 2018 08:43

" Man wirft dem politischen Europa vor, seine christlichen Wurzeln aufzugeben oder zu verleugnen. Doch wer zuerst seine christlichen Wurzeln und seine christliche Vergangenheit aufgegeben hat - das ist mit Sicherheit die nachkonziliare katholische Kirche". ( Kardinal Sarah )

Auch meine erste Heilige Kommunion erfolgte noch vor dem Konzil und ich kenne die feierlichen lateinischen Messen.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass mir nach dem VAT 2 etwas Entscheidendes fehlte: der GottesDienst. Der neue Pfarrer sprach nun vom Engagement. Das Engagement ( für alles mögliche ) trat an die Stelle der Anbetung. Während zuvor das Handeln aus der Anbetung entsprang, wurde es jetzt zu einem Akt der Autonomie. ( das war vielleicht der Beginn des Gutmenschen...wer sich engagierte, handelte automatisch gut....
Es geht m.E. nicht so sehr um den Verlust des Ästhetischen als um den Verlust des Gottesbezuges. Das macht die Faszination der Orthodoxie aus. Sie trennt nicht zwischen Orthopraxie und Doxologie.
Die Frage muß wohl lauten, wie der Bezug zum Göttlichen wieder hergestellt werden kann. Besser, wie der Mensch wieder zum göttlichen Ursprung zurückfinden kann. Denn Gott hat uns ja nicht verlassen ( auch wenn es so aussieht). " Gott kann alles, außer den Menschen zwingen, ihn zu lieben", sagen die Väter und schweigen vor diesem Geheimnis der göttlichen Liebe ( Paul Evdokimov) . Die Antwort des Menschen ist die " Anbetung" . Darüber hat Guardini sehr erhellend geschrieben. Anbetung ist auch die einzige Antwort auf die " Unterwerfung" ( Islam).
Kurz gefasst: Heute gehört der Besuch einer Moschee zum Pflichtprogramm jedes Schülers. Er darf staunen und probieren, wie es sich anfühlt, sich auf den Boden zu werfen und zu beten...
Das Knien vor dem Allerheiligsten in der Katholischen Kirche wird dagegen nicht mehr eingeübt. Der Unterschied:
Guardini: " Nun hat die Anbetung ihren Sinn. In ihr neigt sich vor Gott nicht bloß der Körper, sondern der Geist. Nicht nur das übermächtige Gefühl, sondern die freie Person".
Noch kürzer: Wir sind keine freien Personen mehr. Wir sind verlorene Söhne und Töchter. Nochmal Guardini:" Der Akt der Anbetung hat etwas unendlich Echtes, Wohltuendes, Aufbauendes in sich. Er hat etwas, was gesund macht. "
Es wird höchste Zeit, heimzukehren.....

Der_Juergen
13. Februar 2018 08:57

Da das Thema Katholiken und Nichtkatholiken gleichermassen zu interessieren scheint, hier einige Bemerkungen zu den Piusbrüdern.

Mit der Problematik ihrer Haltung, einerseits den Papst aller möglichen Häresien zu zeihen, aber trotzdem unentwegt um Anerkennung seinerseits zu buhlen, befasst sich Bischof Richard Williamson regelmässig in seinen "Eleison-Kommentaren", die in mehreren Sprachen, darunter Deutsch, allwöchentlich erscheinen.

http://stmarcelinitiative.com/eleison-comments/?lang=de

Allerdings vermag auch Williamson auf die - zu Recht auch von Ingo Langner aufgeworfene - Frage, warum man einem als häretisch erachteten Papst nicht die Gefolgschaft kündige, ihn absetze und durch einen glaubenstreuen ersetze, keine Antwort zu erteilen.

Wie schon Erzbischof Marcel Lefebvre, der ihn seinerzeit zum Bischof weihte, hat auch der mittlerweile wegen seines Unglaubens an die neue Zwangsreligion auch bei der Führung der Piusbruderschaft in Ungnade gefallene Williamson den Sprung zum Sedisvakantismus nicht vollzogen. Andere haben dies schon vor geraumer Zeit getan, z. B. Johannes Rothkranz, der anno 1995 ein sehr umfangreiches zweibändiges Werk mit dem Titel "Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit" verfasste. Darin verficht er die These, der Heilige Stuhl sei seit Dezember 1965, als das Zweite Vatikanische Konzil seine Erklärung verabschiedete, verwaist. Folglich seien auch alle auf Paul VI. folgenden Päpste bloss Scheinpäpste , bis ein glaubenstreuer Papst gewählt werde.

Über die theologische Stichhaltigkeit von Rothkranz' Argumenten mögen Menschen urteilen, welche mit der katholischen Theologie besser vertraut sind als ich, aber ich kann ehrlich gesagt nicht begreifen, dass ein Katholik den Erzverräter "Franziskus", der die Invasion Europas durch muslimische Eindringlinge bejubelt und noch viel, viel mehr von diesen Bereicherern will, als rechtmässigen Papst anerkennen kann.

Natürlich stellt sich für einen Verfechter des Sedisvakantismus die Frage, wer denn berechtigt sei, einen nach vorherrschender Ansicht gültigen Papst abzusetzen, und was für ein Konklave seinen Nachfolger wählen solle. Ja, wir haben die historische Parallele von Avignon, als sich Papst und Gegenpapst den Stuhl streitig machten. Ich halte es für sehr gut möglich, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass traditionalistische Katholiken, denen die Demontage ihrer Religion durch "Franziskus" und Konsorten zu bunt wird, früher oder später einen Gegenpapst ausrufen werden.

Immer vorausgesetzt, hierfür bleibt noch Zeit.

Benedikt Kaiser
13. Februar 2018 10:16

Wer sich für die hier diskutierten Themen im allgemeinen und christliche Literatur im besonderen interessiert, sollte diese Neuigkeit aus dem Hause Renovamen konsultieren. Kann ab sofort bei Antaios bestellt werden.

Blue Angel
13. Februar 2018 10:55

Zitat von Monika: "Anbetung ist auch die einzige Antwort auf die " Unterwerfung""

- Das mag für Christen so sein und ist für diese dann auch gut so. Ganz unwidersprochen möchte ich als spiritueller Atheist diesen Satz in seiner Absolutheit aber nicht stehen lassen: Es gibt viele, gute Gründe, sich der Unterwerfung zu widersetzen und daher auch entsprechend viele Antworten darauf. Auch solche ohne religiöse Bezüge.

Um es kurz zu machen, ersetze ich "Anbetung" nur durch "Achtung": Vor den Leistungen der Vorfahren und den Rechten der Nachkommen; vor der Natur, ohne die wir nicht leben würden; vor der Kultur, die uns nicht nur die Erarbeitung der Sprache, als Werkzeug des Denkens, ermöglicht hat; vor denen, die unsere heutigen (minimalen) Freiheiten blutig erkämpft haben; vor denen, die unter Opfern dafür kämpfen, sie uns zu erhalten...

Die Bereitschaft zur Kooperation mit religiösen Mitstreitern ist bei vielen Freidenkern m. E. vorhanden und dadurch auch der Wille, ihre Religionsausübung mit Respekt zu betrachten.
Aussagen wie o. g., die in ähnlicher Form auch schon von Frau Merkel kam (irgendwas mit "Kirchenbesuch" und "Blockflöte spielen") überziehen m. E. aber die Grenze zum Ausschluß anders Motivierter, vor allem durch die Verwendung des Wortes "einzig", und können deshalb nicht unwidersprochen bleiben: Um die Globalisten zu entmachten, braucht es ein breites Bündnis, religiöse Gruppen alleine haben dazu keine Chance.

Daher bitte nichts für ungut wegen der Einmischung eines Außenstehenden in eine innerreligiöse Diskussion: Die Erinnerung daran, daß sich jeder an seinem Platz und auf seine Weise am Nötigen beteiligen sollte, ohne das GEMEINSAME Ziel aus den Augen zu verlieren, schien sie mir zu rechtfertigen.

Ein Satz noch: Auch Nichtreligiöse können erfahren, daß es etwas Größeres gibt und ihre Form von Spiritualität entwickeln. Ganz ohne Gemeinde und Riten.

Thomas Martini
13. Februar 2018 11:17

@Durendal

Danke für die Hinweise, habe mir das für meinen nächsten Besuch in Hamburg vorgemerkt.

Thomas Martini
13. Februar 2018 11:34

@Blue Angel

"Ein Satz noch: Auch Nichtreligiöse können erfahren, daß es etwas Größeres gibt und ihre Form von Spiritualität entwickeln."

Bei diesem Vorgang wird der Nichtreligiöse der Definition des Wortes nach religiös:

"Religion (von lateinisch religio ‚gewissenhafte Berücksichtigung‘, ‚Sorgfalt‘, zu lateinisch relegere ‚bedenken‘, ‚achtgeben‘, ursprünglich gemeint ist „die gewissenhafte Sorgfalt in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften.“)"

https://de.wikipedia.org/wiki/Religion

"Es gibt viele, gute Gründe, sich der Unterwerfung zu widersetzen und daher auch entsprechend viele Antworten darauf. Auch solche ohne religiöse Bezüge."

Mich würde interessieren, ob es einen einzigen guten Grund gibt, der sich nicht auf eine individuelle und egoistische Haltung und zurückführen lässt? Ich glaube, dass jeder Versuch sich der Unterwerfung vor der Schöpferkraft zu entziehen, eine Selbstüberhöhung bedeutet.

Nur die vielgepriesenen Menschenrechte verleihen dieser Selbstüberhöhung Legitimität.

Blue Angel
13. Februar 2018 12:31

@Thomas Martini:
Mit "Unterwerfung" war der Islam gemeint. Diese Verknüpfung wurde ja ausdrücklich von Monika benannt.

Dem ersten Teil Ihrer Wikipedia-Definition schließe ich mich an. Dem zweiten Teil, der sich u. a. auf "Vorschriften" bezieht nicht.
Ergänzen möchte ich, daß unter "Religion" heute im allgemeinen organisierte Religion verstanden wird. Individuelle spirituelle Erlebnisse, Gedanken und Haltungen zählt der normale, weniger gebildete Mensch normalerweise nicht dazu.

Wenn Achtung vor Vorfahren und Nachkommen, Natur und Kultur für Sie einer "individuellen und egoistischen Haltung" entspricht, werde ich Sie wohl kaum von dieser Meinung abbringen können und kann nur sagen, daß sie meiner nicht entspricht. - Lassen wir das also einfach so stehen.

Natürlich kann sich niemand "der Schöpferkraft entziehen". Jeder Versuch dazu (siehe z. B. Transhumanismus) ist m. E. Hybris und Frevel.
Es gibt aber verschiedene Arten, das menschliche Leben in Bezug dazu zu setzen und verschiedene Interpretationen von Art und Wirken dessen, was Sie als Schöpferkraft und was Christen allgemein als Gott bezeichnen.

Daß es nicht mal bei Christen eine gemeinsame Interpretation gibt, beweist doch schon die Anzahl der verschiedenen Konfessionen, Freikirchen und christlichen Sekten.

Für eine vertiefte Diskussion über Spirituelles ist hier wahrscheinlich nicht der richtige Platz.
Daher versuche ich eine Kurzversion: Mir ist sehr bewußt, daß es eine alles durchdringende, alles erfassende, begründende, fortsetzende und tragende, positive Energie gibt. Was mir widerstrebt ist deren Personalisierung. Daher nenne ich sie - für mich - "das Alles".
- Und muß die Gregorianischen Gesänge, die ich so gerne höre, dann eben ein bißchen "uminterpretieren" (das g. L. liegt sehr lange zurück, aber man versteht ja trotzdem noch einiges vom nicht sehr komplizierten Kirchen-Latein).

Es gäbe dazu mehr zu sagen (vorausgesetzt, es bestünde Interesse daran), aber es fehlt auch der Platz.

sokrates399
13. Februar 2018 15:39

Wie sich ein „anderes“ Christentum nach der Spaltung im 15. Jahrhundert hätte entwickeln können, wird fesselnd im Roman „Der Ring des Fischers“ von Jean Raspail beschrieben, in dem die unbeugsamen Katholiken den Ring Petri trotz aller Verfolgungen in aller Heimlichkeit bis in die Gegenwart weitergeben. Hat ihn jemand gelesen?

Und wie oft trifft es Gómez Dávila: „Das Christentum stellt sich den trivialen Anforderungen der Vernunft des Menschen entgegen, um die tiefen Sehnsüchte seines Wesens besser zu stillen.“ Auch Pantheisten und Skeptiker könnten sich diesem Ziel unterwerfen, während heute ein „fortschrittliches“ Christentum sich stets den herrschenden Meinungen anpaßt in einer verheerenden Mischung aus Sozialarbeit, Fortschrittsoptimismus und „Lachen des Wahlredners“ (Dávila) .

Stauffacher
13. Februar 2018 16:54

Angriffe von aussen oder hausgemachte Auseinandersetzungen: Die Kirche hat schon viele Krisen durchgestanden und ist meistens gestärkt aus ihnen hervorgegangen. So wird es auch bei der gegenwärtigen Krise sein.

Das Zweite Vatikanische Konzil ist das eine; was man in der Folge daraus gemacht hat und immer noch macht, etwas anderes. Die Texte jenes Konzils sind grösstenteils sehr ausschweifend und schwammig formuliert, so dass sich vieles, auch in sich Widersprüchliches, in sie hineininterpretieren lässt. Man kann sich fragen, ob diese Unklarheit beabsichtigt war. Denn die Texte früherer Konzile, gerade wenn es um dogmatische Entscheidungen ging, zeichnen sich durch Kürze und Präzision aus. So wussten die Gläubigen, was Sache war.

Joseph Ratzinger hat immer darauf gedrängt, die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils im Sinn einer Kontinuität zu interpretieren. Das entspricht auch katholischer Tradition, denn die Lehre der Kirche kann wohl weiterentwickelt, aber niemals rückgängig gemacht oder gar für ungültig erklärt werden.
Die Progressisten hingegen, mit kräftiger Unterstützung der Mainstream-Medien, benutzen die Konzilstexte im Sinn eines Bruches, so als ob die Kirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil neu erfunden worden wäre.

Als besonders verheerend hat sich die Liturgie-Reform von 1969 erwiesen: Das Zweite Vaticanum hat diesbezüglich lediglich eine "behutsame Durchsicht" der liturgischen Bücher angeordnet, wie das im Lauf der Jahrhunderte immer wieder gemacht worden ist. So hat auch der Gründer der Pius-Bruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, die Liturgie-Konstitution des Zweiten Vaticanums guten Gewissens unterschrieben.

Diesen Auftrag zur Durchsicht der liturgischen Bücher hat man aber massiv überdehnt und eine völlig neue Liturgie auf dem Reissbrett entworfen: Den "Novus Ordo Missae" von 1969, den der selige Papst Paul VI. "in einem Akt der Tyrannei" (so Martin Mosebach) verfügt hat.

Die Folgen sind nicht ausgeblieben: Die Zahlen der sonntäglichen Messbesuche sowie der Priesterberufungen sind massiv eingebrochen. Würden in einem wirtschaftlichen Unternehmen bei einem neu lancierten Produkt die Umsatzzahlen derart dramatisch einbrechen, hätte man längst die Bremse gezogen und das bisherige Produkt wieder auf den Markt gebracht. Nicht so in der Kirche: Noch immer schwärmen die Konzils-Nostalgiker von der "Neuen Messe", als ob diese das unüberbietbar Gute sei. Entweder ist man von der damaligen Konzils-Euphorie immer noch so besoffen, dass man die verheerenden Folgen nicht wahrhaben will, oder man ist ein Feind der Kirche und freut sich, mit der Neuen Messe von 1969 ein probates Mittel zur Zerstörung der Kirche von innen her gefunden zu haben ...

Aber wie gesagt: Die Kirche wird auch diese Krise überstehen und neu gestärkt daraus hervorgehen. Arbeiten wir daran!

Durendal
13. Februar 2018 19:53

Vielleicht ist für einige Leser im Zusammenhang mit dem Thema dieses Beitrags noch dieses französische Projekt interessant:
https://www.academiachristiana.org/
Es wird von der Priesterbruderschaft St. Petrus unterstützt und pflegt ein abendländisches Identitätsverständnis.

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