Das war’s. Diesmal mit: Frauen die “Hey, super spannend” sagen und Menschen mit Hobbys

10. Februar -- Unsere familiäre Jahresurlaubwoche verbringen wir seit Jahren ganz im europäischen Süden.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

(Nur kin­der­lo­se Unmen­schen legen Feri­en in eine der­art trost­lo­se Zeit – mei­ne Mei­nung.) Daß der Papa am Flug­ha­fen min­des­tens ein­mal ange­spro­chen wird („Sie sind doch die­ser Götz Kubit­schek?“), ist mitt­ler­wei­le der Dauerbrenner.

Nun hocken wir deka­dent auf einer Son­nen­ter­ras­se, Piz­za oder Fisch in den Bäu­chen, salz­was­ser­ge­gerbt und son­nen­ver­brannt. Toch­ter: „Wo ist denn der Papa?“ Die noch klei­ne­re: „Dahin­ten. Er gibt gera­de ein Auto­gramm.“- „Auf spa­nisch, oder was?“

Haha: Kar­ten­zah­lung.

– – –

11.Februar – Eine Jour­na­lis­tin hat­te gera­de geschrie­ben, daß uns eine Bank die Kon­ten gekün­digt habe und ama­zon uns boy­kot­tie­re. Na, wenn’s nur das wäre. Die Lis­te ver­voll­stän­di­gen… lie­ber nicht, das fie­le unter die Spar­te „Insze­nie­rung als Opfer“, was man uns gern andich­tet. Nicht kla­gen, kämpfen!

Er, vor drei Tagen: „Die Restau­rant­be­trei­ber haben übri­gens immer noch kei­ne Bestä­ti­gung geschickt wegen der Tisch­re­ser­vie­rung im März. Komisch. Ich hab schon zwei­mal nach­ge­fragt. Haben die wohl gegooglet?“

Ich: „Unter Kubit­schek reser­viert? Dumm.“ Ich goog­le mei­ner­seits: „Nee. Die Inha­ber sind Aus­län­der. Also Entwarnung.“

Es gibt bekannt­lich „Bauch­schmer­zen“, gegen die Aus­län­der immun sind. Reser­vie­rungs­be­stä­ti­gung kam heute.

– – –

12. Febru­ar – Am Ran­de wer­den es die meis­ten mit­be­kom­men und unter Curio­sa abge­spei­chert haben: Die Kom­mu­na­le Aus­län­der­ver­tre­tung in Frankfurt/Main hat sich über zwei Apo­the­ken beklagt, die seit Jahr­zehn­ten unter „Moh­ren-Apo­the­ke“ bzw. „Apo­the­ke zum Moh­ren“ fir­mie­ren. Das sei ras­sis­tisch, beschie­den die­se Ver­tre­ter nicht etwa den Apo­the­ken­in­ha­bern, son­dern petz­ten es gleich der „Öffent­lich­keit“.

Die Moh­ren­apo­the­ke­rin hat das Logo (schwar­ze Frau mit Tur­ban und gro­ßen Ohr­rin­gen) nun von ihrer Netz­sei­te entfernt.

Die Frank­fur­ter Neue Pres­se (FNP) hat heu­te eine Fach­frau zu die­sem Aus­wuchs von Befehl & Gehor­sam befragt. Maria Ketz­me­rick ist wasch­ech­ter „Rese­arch Fel­low“ am Zen­trum für Frie­dens- und Kon­flikt­for­schung der Phil­ipps-Uni­ver­si­tät Mar­burg. Sie beherrscht zudem die Jugend­spra­che fließend.

FNP:Viele sehen eine jun­ge, dog­ma­ti­sche Ver­bots­kul­tur hin­ter die­sem Den­ken. Ganz wider­le­gen lässt sich die­ses Emp­fin­den ja nicht.

KETZMERICK: Ich fin­de es super span­nend, dass die­se Dis­kus­si­on immer einen „Mir-wird-was-weggenommen“-Reflex aus­löst. Aber es geht nicht dar­um, irgend­et­was zu ver­bie­ten. Es geht dar­um zu sagen: „Hey, ich füh­le mich ver­letzt“. Die­ser Ver­bots­re­flex ver­hin­dert kom­plett die Debat­te und ist abso­lut nar­ziss­tisch. Ein biss­chen Anstren­gung muss ja wohl mög­lich sein, damit es ande­ren Men­schen bes­ser gehen kann.

Man könn­te die­se Wor­te genüß­lich aus­ein­an­der­neh­men. Allein – sie ste­hen sehr gut für sich und den Hori­zont der Sprecherin.

Habe soeben an einer online-Umfra­ge der FNP teil­ge­nom­men: Ob Die Moh­ren-Apo­the­ke nun auch ihren Namen ändern soll­te. 24% der 800 Teil­neh­mer fan­den ja, der Name sei offen­kun­dig ras­sis­tisch. 71% votier­ten mit Nein. Super spannend.

– – –

13. Febru­ar – Wenn wir je nach unse­ren „Hob­bys“ gefragt wer­den, tau­schen wir Bli­cke. Mei­ne Güte, soll­ten erwach­se­ne Men­schen „Hob­bys“ haben?

Bevor ich Men­schen mit Hob­by zu nahe tre­te, geste­he ich, daß ich eigent­lich doch eines aus mei­ner Kind­heit geret­tet habe: Kreuz­wort­rät­sel und noch ver­track­te­re Din­ge, die auf Papier zu lösen sind. (Ja, ich neh­me sogar an Ein­sen­de­wett­be­wer­ben teil und habe bereits drei­mal einen Gewinn eingestrichen.)

Im Urlaub gön­ne ich mir immer eine ordent­li­che Packung. Das Heft liegt noch auf dem Tisch. Die Kin­der krit­zeln ein wenig in den ganz bana­len Kreuz­wort­rät­seln rum, die ich nicht aus­ge­füllt habe. Gefragt wird „ohne Lug“, die rich­ti­ge Ant­wort wäre „wahr“. Die klei­nen Mäd­chen kom­men nicht drauf.

Ich: „Ach kommt, das ist ein­fach: Wenn einer spricht, ohne zu lügen, dann spricht er: …?“ Schwei­gen, grübeln.

Ich wei­ter: „Was einer sagt, ist nicht ver­dreht oder ver­lo­gen, son­dern: …?“ Die Kleins­te, hoch­äu­gend: „…rechts?“ Bru­tal anti­am­bi­va­len­te Kids.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (27)

Maxx

14. Februar 2018 18:18

"... nicht verdreht oder verlogen, sondern: …?“ Die Kleinste, hochäugend: „…rechts?"
Kindermund tut Wahrheit kund - auf brutalstmögliche Weise; kluges Kind :-)

Blue Angel

14. Februar 2018 19:42

Wie immer mit großem Vergnügen gelesen (diesmal besonders den letzten Abschnitt). Danke!

Hartwig aus LG8

14. Februar 2018 21:01

Ach, Frau Kositza, manchmal frage ich mich, was der ganze Schmarrn auf SiN eigentlich noch soll. Und dann kommen Sie mit dieser Bemerkung über Hobbys. Und damit voll ins Schwarze treffend. Was öden mich diese kindgebliebenen alten Jungens an, die manchmal angeblich gar selbstironisch den idiotischsten Zeitvertreiben frönen. Und das zu Zeiten, wo ein Mann einzig um die Kraft zu ringen hat, sich dem Unvermeidlichen zu stellen. Ja, bitte! Treten Sie diesen Leuten nahe! In solchen Momenten ist SiN dann doch wieder Heimat.

sokrates399

14. Februar 2018 21:02

In der FAZ plädieren nahezu alle Leserbriefschreiber für den Mohren; er komme ja von Heiligen Mauritius und stehe „für den kulturellen Austausch mit der maurischen Bevölkerung“. Insofern seien die Apotheken Bewahrer eines Anti–Rassismus, so die CDU (sic!) im Römer. Wir hübsch doch alles durcheinander geht! Ja, Lechts und Rinks kann man schon velwechsern, schreibt Ernst Jandl.
Ich wünsche noch schöne Tage im Süden.

Fredy

14. Februar 2018 21:50

Ich habe zwar auch keine typischen Hobbys, schon gar nichts regelmäßiges, aber wer sein Hobby zum Beruf machen konnte, versteht denjenigen natürlich nicht, der außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit auf Sinn- und Erlebnissuche geht. Allerdings würde ich Gartenarbeit, Backen, Ziegenzucht, Lesen, Musizieren und dergleichen mehr durchaus auch als Hobby bezeichnen ;-)

Theophrastus Bombastus

14. Februar 2018 22:28

Zu den Mohren: Apotheker sind sehr häufig konservative, pragmatische Menschen (oder werden es durch das Leben und die Erfahrungen, die man so sammelt). Deshalb überraschen mich die Zahlen nicht. Aber ich kenne auch einige Exemplare, die leben in einer Traumwelt und könnten, käme es hart auf hart, nicht für ihr eigenes Überleben sorgen.

Ein gebuertiger Hesse

15. Februar 2018 07:22

Wenn die eine Mohren-Apotheke in Frankfurt sogleich einknickt, regt sich bei einer anderen 30 Kilometer entfernt aktiver Widerstand: https://www.change.org/p/magistrat-der-stadt-friedberg-der-name-hof-apotheke-zum-mohren-darf-bleiben?recruiter=854521017&utm_source=share_petition&utm_medium=copylink&utm_campaign=share_petition&utm_term=share_petition Friedberg zeigt, wie's geht!

Seemann

15. Februar 2018 23:50

mal eben kurz bei Facebook vorbei geschaut. Die Tagesschau Seite geklickt, da jubeln sie gerade einen schwarzen Comic Helden zu. Huhuuuu der erste Schwarze. Ich war irritiert, wie die da jubeln. Was ich aber verstörend empfand war, dass sich die Kommentatoren fast gegenseitig prügelten, ob Dunkelhäutiger oder Schwarzer politisch korrekt ist. Gegenseitig warfen sie sich Rassismus vor. Sogar der Tagesschau machten manche Kommentatoren einen Vorwurf über die Begriffe. Meine Rettung war die Sezession. Endlich unter normalen Menschen und den Text von Frau Kositza zu lesen. Vielen Dank dafür.

Utz

16. Februar 2018 00:00

Ich versteh das alles nicht. Wo doch jetzt so viele Mohren in Deutschland rumlaufen, sollte da die Diversity nicht auch in den Apothekenschildern repräsentiert sein?

Rolof

16. Februar 2018 10:28

Liebe Frau Kositza,
durch Ihren hoffentlich erholsamen Jahresurlaub haben Sie bedauerlicherweise ein Kleinod unverdrehter und unverlogener Politprosa versäumt. Herr Poggenburg räsonnierte über Kameltreiber und Kümmelhändler, die selbst einen Völkermord "am Arsch" hätten und sich zu ihren Lehmhütten und Vielweibern zurückscheren sollten. Poggenburg und Höcke repräsentieren jenen Bodensatz geistiger, moralischer und sprachlicher Begrenztheit, der einer Etablierung rechter Politpositionen dauerhaft entgegenstehen wird.
Schade eigentlich..

Kositza: Doch, bin ja schon ein paar Tage wieder im Land und hab's mitgekriegt. Einerseits dachte ich (kenne mich mit diesen weltlichen Aschermittwochsgepflogenheiten nicht so aus), daß solche Sachen an solchem Tag irgendwie zum Repertoire gehören. Wars nicht auch ein Aschermittwoch, als Frau Nahles damit drohte, bald gäbe es "auf die Fresse"? Oder haben Politiker AfD-Leute nicht gelegentlich "Nazis" tituliert? Ich mein, was ist schlimmer: Ein Nazi oder ein Kümmelhändler? Andererseits verstehe ich Ihre Enttäuschung. Ich hab auch erst im Laufe der letzten beiden Jahre w i r k l i c h kapiert, daß Politik ein unsymp. Dreckgeschäft ist.

Fredy

16. Februar 2018 12:17

@Rolof

Ja, es ist schlimm, dass Poggenburg und Höcke sich nicht so gepflegt ausdrücken wollen, wie das die anderen "Ziegenficker" (Böhmermann) des Establishments oder heute allgemein Angehörige der "Köterrasse" (Vorstand türkischer Elternbund) können. Immer schön feinsinnig und feingeistig-devot weiterkriechen.

starhemberg

16. Februar 2018 12:24

Ich grüße alle Mohren, hier in diesen Foren,
und auch die Kümmelhändler und die Kameltändler.
Ob Poggenburg, ob Nahles,
und ihr "auf die Fresse" schales,
was der eine darf so sagen,
ist beim anderen zu hinterfragen.
Ob du "links" bist oder "rechts"
und noch welcherlei Geschlechts,
davon hängt ab die Meinungsfreiheit,
armes Deutschland, mein Beileid.

Gonzague de Reynold

16. Februar 2018 12:29

Ah, ja, die «Hey, super spannend“ – Klientel. Ich halte ja diese grenzdebilen Berufsjugendlichen in Entscheidungs- oder mindestens meinungsbildenden Gremien für die brandgefährlichste Spezies im potentiell gegnerischen Gehege. Erfahrungsgemäss ist mit solchen «Gestalten» in keinerlei Hinsicht eine inhaltliche Übereinstimmung zu erzielen. Wenn ich jemanden gegenüberstehe, der sich im vorgeblich erwachsenen Alter einer solchen Ausdrucksweise bemüssigt, dann läuten bei mir alle Alarmglocken. Muss jeweils zusehen, dass mir das Monokel nicht aus dem Auge fällt …

Thorsten B

16. Februar 2018 13:11

@"Hobbys".
Allein schon der Begriff lässt bei mir Assoziationen aufkommen mit diesen kleinen Amüsierautomaten, die der heutige Konsumbürger stets in seiner Tasche trägt und die er in jedem Moment der Muße eilig zückt, um sein Gehirn mit bunten Bildern zu überschwemmen aus Angst, es könnte plötzlich anfangen zu funktionieren...

"Hobbys" die ebenfalls diesem Zweck des Einlullens dienen, halte ich daher für genauso überflüssig; Vereine, die der Geselligkeit und Brauchtumspflege dienen, würde ich nicht als "Hobby" bezeichnen - diese halte ich für wichtig.

Blue Angel

16. Februar 2018 13:24

@Rolof:
Beschimpfungen sind nie hilfreich, Zustimmung. Aber sind Bezeichnungen grundsätzlich ehrenwerter Berufe wie "Kümmelhändler"oder "Kameltreiber" wirklich welche?

Für mich beinhaltet die anschließende Diskussion darüber eine schöne Darstellung der Doppelstandards, die eine selbsternannte, "intellektuelle Elite" etabliert hat:
(Original-) Deutsche dürfen, gerichtlich legitimiert, "Köterrasse" und "Kartoffeln" genannt werden.

Ersteres, im Bezug auf die kulturelle Herkunft der Bezeichner, assoziiert mit "unreiner, niedriger" Lebensform, die wegzujagen, wenn nicht zu töten ist. Letzteres, unter Verkennung des eigentlichen Herkunfsbereichs der Feldfrucht, assoziiert mit einem "typisch deutschen", "primitiven" und von den Bezeichnern offensichtlich verabscheuten Nahrungsmittel.

"Kümmelhändlern" oder "Kameltreibern" schreibt durch solche Benennungen niemand ihr Menschsein ab. Wie steht es damit bei Bezeichnungen wie "Köterrasse" oder "Kartoffel/n"?

Es wäre wünschenswert, daß auch rechte Vertreter sich nicht auf ein Beschimpfungs-Niveau herabließen, das sie nicht nötig haben. Auf der anderen Seite kann m. E. nicht von "Köterrasse" und "Kartoffel" schweigen, wer "Kümmelhändler" und "Kameltreiber" thematisiert. - Zumindest wenn er sich nicht ebenfalls als "Doppelstandard-Versteher" darstellen möchte.

Die Verteidigung der grade mühsam in Bezug auf die Mehrheitsmeinungen zurückeroberten Deutungshoheit beginnt (oder endet) bei jedem Einzelnen.

Cacatum non est pictum

16. Februar 2018 13:26

@Rolof

"Poggenburg und Höcke repräsentieren jenen Bodensatz geistiger, moralischer und sprachlicher Begrenztheit, der einer Etablierung rechter Politpositionen dauerhaft entgegenstehen wird."

Ich fürchte, werter Rolof, daß Sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Natürlich waren Poggenburgs Verbalentgleisungen niveau- und geschmacklos. (Allerdings erkenne ich beim besten Willen nicht, welche Parallelen Sie hier zu Höcke ziehen wollen). Nur: Was tut das in unserer heutigen Lage noch zur Sache? Wenn unsere Landsleute eine politische 180-Grad-Wende deshalb ablehnen, weil ihnen einzelne Stimmen im patriotischen Lager zu wenig vornehm sind, dann werden sie eben hochverdient vor die Wand knallen. So einfach ist das.

Und was sind eigentlich rechte Politpositionen in Ihrer Terminologie? Das, was die Verräterpartei CDU 70 Jahre lang gepredigt und getan hat? Die In-Stein-Meißelung Deutschlands als ewiger Kriegsverlierer und NATO-Büttel? Die Geschäftsführung für Hochfinanz, Rüstungsindustrie und Globalisierung auf deutschem Boden? Die radikale Vorantreibung der Masseneinwanderung, während man dem naiven deutschen Volk patriotischen Sand in die Augen streut?

Tut mir leid: Mit zaghaften Bürgerlich-Konservativen, die sich im Habitus des geistig-moralischen Saubermanns ergehen und im eigenen (oppositionellen!) Lager ihren Hygienefimmel pflegen, wird der Karren nicht aus dem Dreck zu ziehen sein. Im Gegenteil: Diese Leute werden unsere Niederlage besiegeln, aber deren Wucht so lange abfedern, bis sie selbst nicht mehr in vollem Ausmaß davon getroffen werden. Das überlassen sie unseren Kindern und Enkeln.

Sollte ich Ihre Andeutung überinterpretiert haben, lassen Sie es mich wissen. Aber noch mal: Die kommenden Zeiten werden Härte, Konsequenz und Leidensfähigkeit erfordern. Über sprachliche Ausrutscher von Parlamentspolitikern wird man in der Rückschau nur milde lächeln.

KlausD.

16. Februar 2018 15:59

@Rolof
Es ist Krieg und da beschwert sich einer, daß von seiner Seite aus auch scharf geschossen wird ...
Wie sagte Earl Sinclair immer so schön: Is doch nicht wahr!
https://www.youtube.com/watch?v=ZYVINDOEwDs

sokrates399

16. Februar 2018 17:19

Herr Poggenburg redet nicht nur Unsinn, sondern ist vulgär, ein intellektueller Prolet ohne Bildung. Frau Kositza hat hier schon eine Antwort gegeben: Es sind „die anderen“, die nicht nur einmal im Ton sich vergreifen, sondern den Diskurs schon lange haben verkommen lassen. Beispiele, wie die Gleichheitsmedien mit uns umgehen, müssen wohl an dieser Stelle nicht gegeben werden. Gleichwohl möchte ich dies noch ein wenig ausführen:
Der Präsident der Eintracht Frankfurt, Fischer, will allen AfD–Wählern (nicht nur Mitgliedern!) die Mitgliedschaft in diesem Verein verwehren. Alle werden umstandslos zur „braunen Brut“ erklärt. Seinem gröbsten Denkfehler muß man mit sprachlogischen Kriterien zu Leibe rücken. Er zeigt völliges sprachliches Unverständnis für die Unterscheidung zwischen Aussagen universaler und nominaler, d.h. singulärer Natur. Ich möchte dies an einem durchaus nicht abgelegenen Beispiel verdeutlichen. Angenommen, ein Mitglied der CDU vertritt, in welcher Weise auch immer, er trete für die Diktatur des Proletariats ein. Dann hat die CDU selbstverständlich das Recht, ihn auszuschließen, weil solche Ideen den Zielen der Partei zuwiderlaufen. Angenommen, ein Mitglied der Eintracht rechtfertigte den Nationalsozialismus oder leugnete den Holocaust, gilt ähnliches. Dies sind aber singuläre Individuen, gegen die Ordnungsmaßnahmen getroffen werden (müssen). Herr Fischer aber stülpt allen, die „irgendwie“ der AfD nahestehen, einen Generalverdacht über. Dies ist eine der gröbsten logischen Fehlschlüsse, von der Wahrheit von „x ist a“ auf „alle x sind a“ zu „schlußfolgern“. Herrn F. fehlt also ein Grundverständnis abendländischen Denkens, das „wir“ seit Aristoteles anerkennen. (Ich lasse jetzt die Frage beiseite, ob Aristoteles nicht auch ein „Nazi“ ist, weil er als Grieche weiß war, Fremde für die Hellenen stets Barbaren waren und diese „haarlose Knaben“ fickten. Huch, ich habe zu viel Echauffement gezeigt: Nicht daß einer dies liest und Plato etc. kommen auf den Index.)
„Dürfen denn die Vereine künftig von jedem Anwärter auf Mitgliedschaft verlangen, dass er Auskunft über seine Parteizugehörigkeit erteilt?“, fragt Michael Klonovsky in seinem Diarium. Wer entscheidet also was? Jeder Privatmensch darf also in Äußerungen und politische Neigungen eingreifen? Mit welcher Dreistigkeit setzt sich dieser Herr Fischer über die im Grundgesetz verbriefte Freiheit, sich in Parteien zu organisieren, hinweg? Was erlaubt oder verboten ist, entscheiden in einem Rechtsstaat Gerichte und nicht aufgeblasene Figuren, die sich zu Hütern des Denkens aufspielen.

Warum gehe ich darauf in dieser Ausführlichkeit ein? „Wir“ (offen lasse ich, wen ich hierunter subsumiere) sind eben in unserem Denken gerade NICHT so. Wir dürfen uns nicht nur nicht angreifbar machen, indem wir unsere Sprache auf dieses Niveau herabsinken lassen, sondern zeigen, daß wir die besseren und differenzierteren Argumente haben. Wir sind die wirklich Gebildeten, Intellektuellen, differenziert und sublim Denkenden, argumentativ wie ästhetisch Feinsinnigeren. Wir zeigen dies, wie wir hier in diesem Forum miteinander umgehen. Wir pflegen Toleranz und Humanismus, gleichwohl verliert unsere Rede nicht an wirklicher intellektueller Schärfe. Und wir könnten aus ehrlichem Herzen alle Eide auf die Verfassung schwören im Gegensatz zu allen Nahlesen, Yücels oder Spiegel–online–Redakteuren.
Freilich, das wird die „andere Seite“ nicht beeindrucken. Und da überkommt manchmal Verzweiflung mein Gemüth.

Lotta Vorbeck

16. Februar 2018 17:35

@Rolof - 16. Februar 2018 - 10:28 AM

... Poggenburg und Höcke repräsentieren jenen Bodensatz geistiger, moralischer und sprachlicher Begrenztheit, der einer Etablierung rechter Politpositionen dauerhaft entgegenstehen wird.

Schade eigentlich..

_________________________________

Wenn es Poggenburg und Höcke sind, die der Etablierung rechter Positionen angeblich im Wege stehen, dann beschäftigen Sie sich doch lieber mit den geistig, moralisch und sprachlich auf höchstem Niveau brillierenden FDP-Schranzen und CSU-Amigos.

Und jetzt halten Sie Ihr Gesslerhütchen gut fest! - Ich sattle nämlich mein Kamel und reite noch flugs beim Kümmelhändler vorbei ...

Weltversteher

16. Februar 2018 19:45

Naja, Ferien sind nicht für die Eltern, sondern für die Kinder. Die sind auch mal froh, wieder zu sich zu kommen. Ich kenne tüchtige Leute, da sind die Winterferien, analog zu den Kartoffelferien im Herbst, die "Brennholzferien". Man kann also auch ohne Konsum Sinn finden.

Franz Bettinger

16. Februar 2018 20:29

@Blue Angel schreibt gut + sinngemäß: Beschimpfungen des politischen Gegners sind kaum je hilfreich. Aber sind Bezeichnungen ehrenwerter Berufe wie Kümmel-Händler und Kamel-Treiber wirklich zotig? Die sich anschließende Diskussion bezeugt den heute leider üblichen, moralischen Doppel-Standard, den die Elitioten ja sogar in den Reihen ihrer rechten Gegner erfolgreich implantiert haben: Echte (Stamm-) Deutsche dürfen mit gerichtlicher Legitimation Köter-Rasse genannt werden, der Kamel-Treiber oder der Mohr aber sind tabu. Lachhaft! Wer Kümmel-Händler zum Thema aufbauscht, kann nicht von Köter-Rasse schweigen.

Klar wäre es souveräner, wenn Rechte sich nicht auf ein claudiarotheskes Niveau à la Yüzel, In-die-Fresse-Nahles oder Böhmerfrau oder -mann herabließen. Im Grunde ist es völlig Wurscht, wer gerade was gesagt hat. Was einzig zählt, ist die Sache, also das Partei-Programm, und nicht irgendwelche Personen nach dem 6. Glas Bier. @Kositza hat alles Nötige dazu gesagt, brillant und mitfühlend wie immer.

nom de guerre

16. Februar 2018 21:52

@ Rolof
Poggenburg hätte sich diese Wortwahl sparen sollen, soweit stimme ich Ihnen zu. Aber ich wundere mich etwas, dass der Anlass seiner Kameltreibertirade in der Diskussion scheinbar völlig ausgeblendet wird. Wenn ausgerechnet die türkische Gemeinde in Deutschland gegen das geplante „Heimatministerium“ (von dem ich auch nichts halte, aber aus völlig anderen Gründen) die deutsche Vergangenheit ins Feld führt, dann ist das vor dem Hintergrund des Völkermords an den Armeniern, der von der Türkei immer noch offiziell geleugnet wird, schon einigermaßen bizarr.

Seemann

16. Februar 2018 23:14

@Cacatum non est pictum

vielen Dank für Ihren Kommentar zu @ Rolofs Text. In verschiedenen Foren ging es ja heiß her wegen Poggenburgs Rede. Ich frage mich manchmal, wie oft sich Konservative immer und immer wieder vom Gegner demütigen lassen, und die eigenen Leute immer zur Ordnung rufen. Die Angst vor den linken Medien muss gewaltig sein, anders lässt sich diese devote Haltung nicht erklären. Es wird Zeit, dass manche Konservative endlich aus dem Schützengraben gekrochen kommen.

Blue Angel

17. Februar 2018 12:13

Zitat von Seemann:
" Die Angst vor den linken Medien muss gewaltig sein, anders lässt sich diese devote Haltung nicht erklären. "

Diese "linken" Medien (m. E. sind es neoliberale, die linke Ideen instrumentalisieren, das ist aber ein anderes Thema) drehen sich doch nur um sich selbst: Sie "verstärken" und wiederholen ihre immer absurder werdenden Thesen, u. a. in diversen "sozialen" Medien, und agieren selbstreferentiell in einer stetig kleiner werdenden Blase.

Klare Zeichen dafür sind u. a. die rapide sinkenden Papierauflagen, Klickzahlen und Abonnements der großen Verlagsmedien und die stark abnehmenden Zuschauerquoten der ÖR (vor allem bei jüngeren Zielgruppen).

Im Gegenzug stark angewachsen sind die Klickzahlen alternativer (Schrift-) Medien und (hier wieder vor allem bei jüngeren Rezipienten) die alternativer Youtube- (u. a.) Video-Kanäle.

Die Propaganda-Botschaften erreichen insgesamt viel weniger Publikum und das, was sie noch erreichen, reagiert in zunehmendem Maße kritisch (wie sich sogar an veröffentlichten Leserkommentaren bei linksliberalen Refugien wie Zeit-online zeigt).

Fazit: Die links-(neo-)liberale Deutungshoheit ist verloren. Ihr größere Bedeutung zuzumessen als sie real noch hat spielt denen, die sie zurückgewinnen wollen, m. E. in die Hände.

Gefährlicher ist der Einfluß der entsprechenden Kreise da, wo sie ihre Protagonisten institutionell verankern konnten: An Universitäten, in Gerichten, in Gremien für den Schulunterricht u. v. m.

Darum wäre es m. E. zielführender, Demaskierungsbemühungen auf letztere zu konzentrieren und die o. g. Medien nicht durch unangemessene Aufmerksamkeit in ihrem selbstgewählten Sterbeprozess zu stören.

Stil-Bluete

17. Februar 2018 14:12

Alles für die Katz gewesen?
'Uns're Katz heißt Mohrle, hat ein schwarzes Ohrle,
hat ein schwarzes Fell...'
hat es nicht bis in den warmen Süden zu den Ferienkindern geschafft, vielleicht aber

'Unser Kater Mohrle
hat ein schwarzes Ohrle
hat ein schwarzes Fell...

Der Mohrin hat hiermit ihre Schuldigkeit getan.

RMH

19. Februar 2018 06:34

Wenn nach Hobbys gefragt wird, erhält man sehr oft die Antwort "Lesen". Insofern finde ich es schon etwas seltsam, wenn jemand, der als Journalist, Autor und Verleger arbeitet, sich fremdelnd zum Thema "Hobby" äußert. Die meisten hier werde das, was hier, in der Sezession und bei Antaios veröffentlicht wird, sicher nicht als Teil ihrer Profession lesen und wenn man Hobby zutreffend auch als gerne betriebene Beschäftigung außerhalb des Berufes und der Profession definiert, dann leben maßgebliche Ideengeber und Förderer der "neuen Rechten" ja von dem Hobby anderer ... (kleine Spitze, die hoffentlich mit Humor genommen wird, so wie sie auch humorvoll gemeint war).

Weltversteher

19. Februar 2018 17:00

Es ist in Vergessenheit geraten, neben der (so überaus großartig dastehenden und allein "wichtig" scheinenden) Erwerbsarbeit und kurzweiligem Müßiggang die Lebensnotwendigkeiten anzuerkennen, für die oft die passende Schublade nicht angeboten wird und die man dann verschämt unter "Hobbies" einsortiert.
Gerade Menschen, die eher selbsbestimmt leben, werden da doch einiges aufweisen, was mit "Hobby" nicht zu erfassen ist, aber nach herrschenden Maßstäben trotzdem läßlich scheint.

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