David Miller: Fremde in unserer Mitte. Philosophie der Einwanderung

David Miller: Fremde in unserer Mitte. Politische Philosophie der Einwanderung, Berlin: Suhrkamp 2017. 330 S., 32 €

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

Unter renom­mier­ten Wis­sen­schaft­lern Kri­ti­ker der Mas­sen­ein­wan­de­rung zu fin­den, ist fast ein Ding der Unmög­lich­keit. Die Poli­ti­sche Kor­rekt­heit hat sich dazu ein­fach als eine zu wirk­mäch­ti­ge Insti­tu­ti­on eta­bliert. Wer an der Uni­ver­si­tät Kar­rie­re machen will, wird sich des­halb ent­spre­chend zurück­hal­ten. Es blei­ben somit nur eine Hand­voll non­kon­for­me Wis­sen­schaft­ler, die sich ihre intel­lek­tu­el­le und finan­zi­el­le Unab­hän­gig­keit über Jahr­zehn­te hin­weg hart erar­bei­tet haben. Neben dem Ent­wick­lungs­öko­nom Paul Col­lier zählt dazu an vor­ders­ter Front der eben­falls in Oxford leh­ren­de Poli­to­lo­ge David Miller.

Er schrieb 2007 ein äußerst klu­ges Buch über natio­na­le Ver­ant­wor­tung und glo­ba­le Gerech­tig­keit (Natio­nal Respon­si­bi­li­ty and Glo­bal Jus­ti­ce, Bespre­chung auf Sezes­si­on im Netz), das lei­der bis heu­te nicht ins Deut­sche über­setzt wur­de. Dar­in weist er nach, daß wir es mit der Idee der Men­schen­rech­te nicht über­trei­ben soll­ten, son­dern auf glo­ba­ler Ebe­ne ledig­lich ein mensch­li­ches Mini­mum durch­set­zen kön­nen. Was dies für die Fra­ge der Ein­wan­de­rung an Kon­se­quen­zen nach sich zieht, deu­te­te er damals schon an.

Wohl des­halb durf­te er in der Fol­ge regel­mä­ßig als Quo­ten-Ein­wan­de­rungs­kri­ti­ker in wis­sen­schaft­li­chen Debat­ten zu Wort kom­men. Mil­ler schil­dert dies in der Dank­sa­gung sei­nes neu­en Buches ganz offen. Sei­ne inten­si­ve Beschäf­ti­gung mit Migra­ti­ons­the­men begann damit, daß man ihn vor zehn Jah­ren gebe­ten habe: »Ver­tei­di­ge das Recht von Staa­ten dar­auf, ihre Gren­zen für Ein­wan­de­rer zu schlie­ßen!« Anschei­nend fand sich für die­se Auf­ga­be immer nur einer: Mil­ler. Wäh­rend­des­sen argu­men­tier­ten in den ent­spre­chen­den Sam­mel­bän­den selbst­ver­ständ­lich zehn Wis­sen­schaft­ler für offe­ne Gren­zen. Das schimpft sich dann Debattenkultur.

Doch wie dem auch sei, Mil­ler ist weit davon ent­fernt, ein Hard­li­ner zu sein. Viel eher gewinnt man in Frem­de in unse­rer Mit­te den Ein­druck, die Asyl­kri­se habe sei­ne Posi­ti­on ver­wäs­sert. So ver­tei­digt er aus­drück­lich die Poli­tik von Ange­la Mer­kel mit dem Satz: »Sobald hilfs­be­dürf­ti­ge Men­schen ankom­men und sich zei­gen, for­dert es allein schon der schwa­che Kos­mo­po­li­tis­mus, auf ihr Ersu­chen posi­tiv zu reagie­ren.« Daß die­se posi­ti­ve Reak­ti­on aber immer mehr Migran­ten anlockt, erwähnt Mil­ler nicht mehr. Dafür betont er die Rich­tig­keit der »Idee einer inte­grier­ten Gesellschaft«.

Nur in Kapi­tel vier über »Geschlos­se­ne Gren­zen« ist noch der »alte« Mil­ler zu erle­ben, der auf Gefah­ren wie den Ver­trau­ens­rück­gang in der mul­ti­kul­tu­rel­len Gesell­schaft hin­weist und die Macht­ver­schie­bung zuguns­ten von Migran­ten in aller Deut­lich­keit anspricht. Zudem fin­det sich hier eine Aus­ein­an­der­set­zung über den Zusam­men­hang von glo­ba­lem Bevöl­ke­rungs­wachs­tum, Grenz­of­fen­hal­tungs- und Klimapolitik.

Mil­lers The­se: Wer Men­schen in den armen Län­dern dazu ermu­tigt, in den Wes­ten zu migrie­ren, um den dor­ti­gen Lebens­stil anzu­neh­men, mini­miert zum einen die Anrei­ze für Gebur­ten­kon­trol­len, da Bevöl­ke­rungs­über­schüs­se ein­fach abge­ge­ben wer­den kön­nen, und zum ande­ren sorgt dies auch dafür, daß durch stei­gen­den Kon­sum die eige­ne Umwelt- und Kli­ma­po­li­tik ad absur­dum geführt wird. Des­halb, so Mil­ler, dürf­te »Migra­ti­on eher etwas Schlech­tes für den Pla­ne­ten ins­ge­samt darstellen«.

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David Mil­lers Frem­de in unse­rer Mit­te kann man hier bestel­len.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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