Sezession
20. Februar 2018

Der Soziologe Robert Hepp ist 80 – ein Interview

Gastbeitrag / 14 Kommentare

Der Soziologe Robert Hepp ist gestern 80 Jahre alt geworden. Wir haben 24 Stunden abgewartet:

Wie zu erwarten war, würdigte keine Zeitung ihn und sein Werk.

Für uns gehört er zu jenem Kranz an Professoren, die sich in den politisch aus heutiger Sicht nachgerade eingefrorenen siebziger und achtziger Jahren rechts äußerten, wissenschaftlich isoliert weiterarbeiten mußten und keine universitären Netzwerke ausbilden konnten: Willms, Diwald, Arndt, Kaltenbrunner und eben Hepp, der als Verfasser des berühmt-berüchtigten Werkes "Die Endlösung der deutschen Frage" einen geradezu halsbrecherischen Wurf wagte.

Unser Autor Dr. Thor v. Waldstein hat uns aus Anlaß des Jubiläums ein Interview zur Verfügung gestellt, das er 1987 mit Hepp führte und unter dem Titel "... als würde der deutsche Wald das deutsche Volk überleben" veröffentlichte. Wir rufen es mit einem kräftigen Geburtstagsgruß in Erinnerung - leicht gekürzt an den Stellen, die durch die Wiedervereinigung gründlich überholt sind.

-- -- --

v. WALDSTEIN: Sie haben zum ‚Handbuch der Deutschen Nation' einen Beitrag über ‚Die Endlösung der Deutschen Frage‘ beigesteuert. Das klingt wie die Fanfare des letzten Gerichts...

HEPP: Ich gestehe, daß ich mit diesem Titel provozieren wollte. Mit dem Wort ‚Endlösung‘ assoziiert man in Deutschland ja das Schlimmste, und ich habe das Reizwort bewußt gewählt, um diese Assoziation zu wecken. Ich hatte aber nicht die Absicht, zu historischen Vergleichen einzuladen. Im Gegenteil: ich denke, es wird langsam Zeit, daß wir uns auf die ‚Deutsche Frage‘ konzentrieren.

Heute sind die Deutschen dabei, sich selbst zu diskriminieren und einen sanften Völkermord an sich selbst zu vollziehen. Die Lösung der Deutschen Frage haben sie vertagt; sie möchten sie anscheinend der Zukunft überlassen. Daß diese Zukunft bereits begonnen hat, wird kaum registriert. Ich hielt es daher für nötig, auf gewisse Entwicklungen hinzuweisen, die – zu Ende gedacht – dazu führen, daß sich die ‚Deutsche Frage‘ von selbst erledigt, wenn nicht hier und jetzt etwas dagegen unternommen wird.

v. WALDSTEIN: Welche Entwicklungen meinen Sie damit?

HEPP: Nun, ich denke an die demographische Entwicklung in der BRD. Wir haben bekanntlich seit Jahren weltweit die niedrigsten Fruchtbarkeitsziffern, zur Zeit 1,3 Geburten pro Frau, statt der zur Selbsterhaltung erforderlichen 2,1 Geburten. Seit 1971 sind etwa 3 Mio. weniger Deutsche geboren worden als gestorben sind. Wenn die Fruchtbarkeit bleibt, wie sie ist, werden im Jahre 2020 nur noch 43 Mio. und im Jahre 2030 nur noch etwa 38 Mio. Deutsche in der Bundesrepublik leben.

Selbst unser Bundeskanzler, der doch wirklich ein sonniges Gemüt hat und bei jeder Gelegenheit versichert, es gehe nun wieder aufwärts, hat diese Entwicklung wiederholt als eine „Katastrophe“ bezeichnet. Er hat dabei vermutlich vor allem an die sozialen und ökonomischen Folgen des Bevölkerungsrückgangs gedacht, die vor vier Jahren von der ‚Arbeitsgruppe Bevölkerungsfragen‘ in ihrem Bericht aufgelistet worden sind. Das ist trotz aller Bagatellisierungsversuche insgesamt ein sehr eindrucksvolles Dokument, das eine Ahnung dessen vermittelt, was da alles auf uns zukommen könnte.

Die politischen Konsequenzen sind von der Arbeitsgruppe allerdings ausgeklammert worden. Von der ‚Endlösung der Deutschen Frage‘ ist in ihrem Bericht nicht die Rede. Da die Konkursverwalter des Deutschen Reichs die Deutsche Frage gerne als eine Aufgabe der ‚Zukunft‘ hinstellen, hören sie es sicher nicht gerne, wenn man jetzt nichts gegen den herrschenden Trend unternimmt. Das eben versuche ich in meinem Artikel auseinanderzusetzen.

Wenn man unter der Deutschen Frage das Ensemble der Probleme versteht, die durch die Zerstörung des Deutschen Reiches entstanden sind, kann man in der Tat sagen, die Endlösung der Deutschen Frage sei bei der laufenden Bevölkerungsentwicklung nur noch eine Frage der Zeit.

Da ist auch das Problem der Wiedervereinigung. Wenn wir die deutschen Bevölkerungsverluste weiter wie bisher durch fremde Einwanderer ‚kompensieren‘, die wir nicht assimilieren können, wird sich die Gemeinsamkeit der ‚Kultur‘ und ‚Herkunft‘, die doch angeblich die beiden ‚Staaten in Deutschland‘ noch immer miteinander verbindet, immer mehr verflüchtigen, da immer mehr Einwohner einer künftigen ‚multikulturellen Gesellschaft‘ BRD immer weniger mit der deutschen Kultur und der deutschen Geschichte zu tun haben. Von ‚Wiedervereinigung‘ könnte dann keine Rede mehr sein. Und dann ist da noch das Berlin-Problem. Auch diese Frage erledigt sich infolge des Bevölkerungsschwundes und der Einwanderung von Ausländern von selbst. West-Berlin ist bereits auf dem Weg zur multikulturellen und polyethnischen Welt-Stadt, die nur noch darauf zu warten scheint, vom Warschauer Pakt vereinnahmt zu werden.

Das wäre also – in dürren Worten – meine These von der Endlösung der Deutschen Frage, die uns unweigerlich ins Haus steht, wenn der Geburtenrückgang der Deutschen nicht rückgängig gemacht wird. Ich bin weder ein Hellseher, noch bin ich ein Prophet. Ich habe nur die laufende Entwicklung zu Ende gedacht.

v. WALDSTEIN: Wo sind Ihres Erachtens die Ursachen für diese Bevölkerungsentwicklung zu suchen?

HEPP: Die Zunft der Bevölkerungswissenschaftler ist sich heute darin einig, daß die Ursachen des Geburtenrückgangs ein Syndrom bilden, das sich aus vielen Faktoren zusammensetzt. Ich will Sie nicht mit den sehr komplizierten (und trockenen!) Einzelproblemen der demographischen Forschung langweilen.

Für eine Gegenstrategie, die ja bei den Ursachen ansetzen müßte, ist die Einsicht wichtig, daß die meisten Einzelfaktoren in einem merkwürdigen ‚Syndrom‘ zusammenhängen, das man in der Soziologie unter dem Kürzel ‚Modernisierung‘ zusammenfaßt. Ich halte dieses Kürzel nicht für das Gelbe vom Ei, aber es deutet an, daß die Hauptursachen des neuen deutschen Geburtenrückgangs unter jenen ‚sozialen Errungenschaften‘ zu suchen sind, auf die unsere Politiker besonders stolz sind, insbesondere unter denen, mit denen wir in der ‚Ära der Reformen‘ beglückt worden sind.

Ich habe dafür die Formel vom ‚sozialen Aufstieg in die nationale Dekadenz‘ angeboten, um darauf hinzuweisen, daß der glanzvolle ‚Wiederaufstieg‘ nach dem Krieg eine dunkle Kehrseite hat.

v. WALDSTEIN: Welchen Einfluß hat der Bevölkerungsrückgang auf den ethnischen Charakter der Deutschen?

HEPP: Ach, wissen Sie, das ist sehr schwer zu sagen. Da müßte man zunächst wissen, wie der ethnische Charakter der Deutschen heute überhaupt beschaffen ist. Haben sie denn einen Charakter? Und gar noch einen ethnischen? Ich selber fühle mich außerstande, einen typischen Bundesrepublikaner noch von einem Dänen zu unterscheiden. Ihren Charakter – so sie je einen gehabt haben – müssen die Deutschen wohl schon vor längerer Zeit abgelegt haben.

v. WALDSTEIN: Aber es gibt doch zweifellos Zusammenhänge zwischen dem Geburtenrückgang bei den Deutschen auf der einen und der wachsenden ‚Überfremdung‘ unseres Landes auf der anderen Seite?


 Gastbeitrag

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Kommentare (14)

Teufel
21. Februar 2018 13:13

"Was die Angst vor den sozialen und ökonomischen Konsequenzen des deutschen Geburtenrückgangs betrifft, so ist sie alles andere als irrational."

Das halte ich fuer grandiosen Quatsch. Da ist man den Verkaeufern der Entrassung auf den Leim gegangen. Wenn die Bevoelkerung zurueckgeht, dann skaliert einfach das gesamte System runter. Und wuerde man den Deutschen lieber pauschal 1000 Euro pro Kind geben, anstatt es an die auslaendischen Invasoren zu verplempern, die ja selber nur weiter die Kassen belasten, ohne jede Aussicht auf Aenderung, dann wuerden sich die Geburtenraten schnell stabilisieren.

Johannes Poensgen
21. Februar 2018 13:57

Interessant an diesem Zeitdokument ist vor allem, mit welcher Selbstverständlichkeit der deutsche Konservative noch 1987 alle Übel der Bundesrepublik auf die Niederlage von 1945 zurückführt und dabei andere europäische Länder, England und Frankreich voran, ihres angeblich gesunden Nationalempfindens willen zum großen Vorbild erklärt.

Das Relikt
21. Februar 2018 14:29

Alterssicherung über alles! Erschütternd dass dieser Quatsch schon vor 30 Jahren bundesdeutscher Fetisch war.

Müßte ein ethisch nicht total verstrahlter Mensch bei der Wahl zwischen Überleben seines Volkes und "Alterssicherung" nicht stets Ersteres vorziehen? Haben nicht die Alten seit Urzeiten von der Jugend den süß-dämlichen Opfertod für den Fortbestand des Volkes gefordert - und kreisen nun seit X-Jahren nur um den Gedanken, wie sie die Jugend für ihren "verdienten Ruhestand" kannibalisieren können? Was sagt das überhaupt über ein Volk aus, wenn eine Generation von Vampiren mit aller Selbstverständlichkeit und ohne Schamgefühl Substanz und Zukunft einer tausendjährigen Kultur aussaugt? Das kann ich nicht Volk nennen.

Ich brauche keine Politiker, die Alterssicherung garantieren. Ich will Politiker die Jugendsicherung für mein Kind garantieren.

Die AfD distanziert sich munter von der IB. Klar, bei einer Wählerbasis aus gewendeten, alten Sozis und Cuckdemonkraten. Ich weiß, was passieren wird, wenn die AfD Machtergreifung feiert. Sie wird das Land mit qualifizierten Einwanderern fluten, zur Sicherung des wichtigsten Teils der deutschen Staatsräson, neben Israel, - Rente und Pflege der Butterberger. Die Grenzen werden dicht gemacht werden mit ausländischen Söldnern. Unsere Kinder werden mit den fremden Facharbeitern nicht konkurrieren können, mangels Bildung. Die Cuckservatives werden außer sich sein vor Freude, denn die Neuen werden ganz schnell Deutsch lernen und ein paar werden auch Violine spielen. Deutschland wird genauso verschwinden, wie es ohne AfD verschwinden würde. Irgendwann, wenn alle Vampire tot sind, kommen die Russen und demontieren die letzten Fabriken.

Und obiges gruseliges Zeitdokument zeigt mir auch noch, dass man den Sumpf schon hätte trockenlegen müssen, als ich gerade geboren war.

Thomas Martini
21. Februar 2018 16:02

Unglaublich, dass dieses Interview mit Robert Hepp schon 30 Jahre zurückliegt. Vielen Dank für die Veröffentlichung.

>>Dank der Asylanten können wir endlich eine echte Demokratie à la USA realisieren!<<

Hurra. Darauf am besten ein Big-Mac-Menü mit Cola und Ketchup zu den Pommes.

Nach einer solchen Lektüre fällt es nicht leicht, die Resignation abzuschütteln. Andererseits wächst die Ehrfurcht vor einem Mann wie Thor von Waldstein. Sein Buch "Die entfesselte Freiheit" lese ich zur Zeit parallel, und entdeckte heute früh während der Arbeitspause eine Stelle, wo er Robert Hepp zitiert.

Es ist so kinderleicht, dass BRD-System zu begreifen, wenn man seinen eigenen Verstand gebraucht. Es wird hier niemanden verwundern, dass Robert Hepp auf gesellschaftliche Anerkennung in der BRD verzichten muss.

Vor einigen Tagen hielt ich in meinem Tagebuch fest:

"An diesem entscheidenden Punkt kommt keiner vorbei: Wer in der BRD mitregieren will, muss bereit sein, Deutschland und die Deutschen zu verraten."

Dazu war Robert Hepp nie bereit, und das machte ihn zu einem "Rechtsextremisten". Dies wurde dem 1938 geborenen Hepp zum Beispiel von Iring Fetscher bescheinigt. Ein deutscher Politikwissenschaftler, der vor dem Krieg freiwillig in die NSDAP eintrat, nur um kurz danach so schnell wie möglich die Seiten zu wechseln, als er 1946 in die SPD [sic!] eintrat. Seine anfängliche Begeisterung für den Nationalsozialismus konnte er nach eigenem Bekunden später nur noch schwer nachvollziehen. Ausgezahlt hat es sich für den Marx-Forscher. Seine späteren Ehrungen lassen erahnen, was es braucht, um in der BRD auf dem Feld der Politik erfolgreich zu sein, u.a. erhielt er 1993 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

Das war nur sechs Jahre nach diesem denkwürdigen Interview. In jener Zeit habe ich mich als ideologisch manipulierter Knabe für Michael Jacksons "Black or White" begeistert. Lieder wie "Neue Brücken", aus der Feder der Popgruppe "PUR", haben mich zutiefst bewegt.

https://www.youtube.com/watch?v=ByqHvmBA9BE

Wenn ich mir das heute anhöre, erkenne ich darin nur gefühlsduselige Propaganda für Globalismus und Umvolkung, den verlogenen Schuldkult, sowie den erbarmungslosen Kampf gegen Rechts ( = Kampf gegen das deutsche Volk).

heinrichbrueck
21. Februar 2018 16:03

Parteien und Wahlen werden abgeschafft. Danach kommt ein anderes Kultur- und Wirtschaftsmodell. Eine eigene Politik kann wieder gedacht und gemacht werden. - Die einzige Chance eines Überlebensmodells.
Alles andere, demokratische Wichtigtuerei (Ich darf wählen!), Selbsttäuschung (Meine Wahlstimme, abgegeben, macht Politik!), Menschenrechte und deren Selbstüberschätzung (aus welthistorischer Perspektive, der Dreck unter einem Fingernagel), Geldsystem (wenn Papier eingezahlt wird, kann Papier ausbezahlt werden; anstatt in Waren zu denken), wird zu einer historischen Epoche. - Ein deutsches Prinzip, ein Überlebenswille - konträr zur Welt, die eigene Entscheidungskraft nicht mehr zur Disposition steht.
Stattdessen steht die Menschheitsverbrüderung auf dem Programm. Eine starke Realität wird diese Verbrüderung überleben, eine schwache zerschellt an ihren Voraussetzungen.

Der Gehenkte
21. Februar 2018 17:41

30 Jahre ist dieses Gespräch her - bevor hier irgend jemand an einem herausgegriffenen Satz herumningelt, der sich nun nicht als realistisch erwiesen hat, sollte man doch mit Bewunderung die Durchdringungskraft dieses Mannes bemerken, der hier Dinge angesprochen hat, die selbst heute der Mehrzahl unserer Mitmenschen noch unsichtbar sind. Beeindruckend!

Im Übrigen, @ Teufel, sind in gesellschaftsanalytischen Kontexten Sätze mit dem Adjektiv"einfach" von vornherein blamiert. Ihre "einfache" These ist auch historisch nicht belegt. Aber es ist natürlich wohlfeil, einem wirklichen Vorausdenker "Fehler" nachzuweisen und "einfache" Lösungen anzubieten. Bekanntlich ist schon der Kommunismus als "das Einfache, das schwer zu machen ist", beschrieben worden.

Fredy
21. Februar 2018 19:57

Sehr weitsichtig, als die BRD aus heutiger Sicht fast noch ein Paradies war

Franz Bettinger
21. Februar 2018 20:36

@Poensgen:
Ich stimme Ihnen zu. Ich fragte mich schon immer, was Frankreich und England dazu getrieben haben mochte, diese Unmengen von Afrikanern ins Land zu lassen und es dadurch sehenden Auges vor die Hunde gehen zu lassen, siehe Liverpool oder Marseilles. Moralische Verpflichtungen ihren ehemaligen Kolonien gegenüber? Das kann ich nicht glauben. Also was? War deep state sonst wo (unmerklich) schon viel früher erfolgreich? Und jetzt erst in der brd?

@Relikt:
Volle Zustimmung! Dieser Fetisch der Alterssicherung! Diesen immer wieder durch die Medien gepeitschten (und von immer dümmer Verbildeten gierig eingesauten und regurgitierten) "Quatsch" haben Sie trefflich in Worte gegossen. Was die Substanz der AfD angeht, hoffe ich, dass Sie sich irren. Ich jedenfalls sehe zwischen den neuen Bundestags-Abgeordneten der AfD und dem Sauhaufen der anderen - anders kann man diesen Hühnerhof nicht bezeichnen - einen himmelweiten Unterschied und hoffe, dass sich viele Bürger die AfD-Reden auf youtube ansehen.

Lotta Vorbeck
21. Februar 2018 20:41

Und 30 Jahre später steht die Merkel-BRD exakt wieder an derselben Stelle, an der der moralisch total bankrotte Kohl-Staat stand, mit dem einen Unterschied freilich, daß es dem sozialistischen Wolkenkuckucksheim der BRD-Weltverbesserer nun auch noch an der zur Fortexistenz notwendigen, demographischen Basis fehlt.

kakalu
21. Februar 2018 21:07

@Teufel

„Angst… vor Konsequenzen“ ist "grandioser Quatsch"?!

Das Problem der Schrumpfung des deutschen Volkes als ein Skalierungsproblem aufzufassen, als eine lediglich qua Dreisatzrechnung zu behandelnde Problematik, erscheint mir abwegig. Es gibt viele Dinge (Infrastrukturen, kollektive Fähigkeiten, Optionsreichtum), die man nicht einfach „runterskalieren“ kann – selbst dann nicht, wenn Deutschland ein abgeschlossenes Gebilde ohne Einflüsse von außen wäre.

Aber Deutschland, oder das deutsche Volk, sind ja zweifelsfrei umgeben von anderen Staaten, Völkern und womöglich Invasoren, die nicht ohne weiteres vorhaben, unterzugehen, die teilweise eher ganz anderes im Schilde führen könnten. Da spielt es schon eine Rolle, ob man schrumpft oder wächst, ob man als ernstzunehmende Größe auftreten kann oder nicht. Durch bedenkenlose „Runterskalierung“ wird man vielleicht Gelächter ernten, aber keinen Respekt und keinen Schutz finden.

kakalu

Cacatum non est pictum
21. Februar 2018 21:57

Ein großer Wurf, dieses Interview. Danke für die Veröffentlichung.

Im Prinzip hat Hepp 22 Jahre vor Sarrazin schon alles Nötige zum Thema gesagt. Daß Sarrazins Werk im Vergleich zu dem seines Vorgängers so stark rezipiert wurde, illustriert den Mentalitätswandel der Deutschen recht gut, der seitdem stattgefunden hat: Die Frage der ethnischen Identität und der Überfremdung stellt sich angesichts der Wirklichkeit auf unseren Straßen heute offenbar viel deutlicher als noch kurz vor der Maueröffnung.

Mich hat die Zielgenauigkeit vieler Prognosen beeindruckt, die im Interview abgegeben wurden. Ich werde wohl nicht der einzige gewesen sein, der beim Lesen immer wieder zustimmend mit dem Kopf genickt hat, weil Hepps Worte Assoziationen aus der Gegenwart hervorgerufen haben. Außerdem scheint er ein Meister der pointierten Formulierung zu sein - aus seinen Äußerungen ließe sich ein ganzes Bündel gelungener Aphorismen schnüren.

@Teufel

"Das halte ich fuer grandiosen Quatsch. Da ist man den Verkaeufern der Entrassung auf den Leim gegangen. Wenn die Bevoelkerung zurueckgeht, dann skaliert einfach das gesamte System runter."

Ganz so einfach ist es in der Praxis nicht. Erstens kippt die Rentenkasse, wenn nicht mehr genügend Einzahler vorhanden sind (Herr Poensgen hat das vor kurzem in einem separaten Artikel dargestellt). Dieser Aspekt ist allerdings wohl nachrangig zu behandeln, denn heute läßt man die Sozialsysteme im Zuge der voranschreitenden Masseneinwanderung ja auch sehenden Auges vor die Wand fahren - außerdem wäre es kein Ding der Unmöglichkeit (und inzwischen sogar ein absolutes Muß), das Rentensystem zu reformieren.

Entscheidender ist meines Erachtens aber der Eckpfeiler namens Wirtschaftswachstum: In einer schrumpfenden Volkswirtschaft wird weniger konsumiert, ergo ist kein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mehr möglich. Darauf ist jedoch u.a. unser (Schuld-)Geldsystem angewiesen, das - es funktioniert nun mal nach den Regeln eines Ponzi-Spiels - andernfalls zusammenbrechen würde. Hier kommen also handfeste ökonomische Gründe ins Spiel, die man beim Thema Masseneinwanderung nicht außer acht lassen sollte.

@Thomas Martini

"Wenn ich mir das heute anhöre, erkenne ich darin nur gefühlsduselige Propaganda für Globalismus und Umvolkung, den verlogenen Schuldkult, sowie den erbarmungslosen Kampf gegen Rechts ( = Kampf gegen das deutsche Volk)."

"Black or White" fand ich damals als junger Gymnasiast auch toll. Und als ich es die Tage wieder im Radio hörte, habe ich das gleiche gedacht wie Sie: Es ist reine Lobhudelei auf Weltstaat, Völkervermischung und Ortlosigkeit; eine popmusisch inszenierte Ode an die Baumeister der Neuen Weltordnung. Gruselig.

hagustaldaz
22. Februar 2018 13:41

Dem Dank für die Wiederveröffentlichung des Interviews, dessen Bekanntheitsgrad damit wesentlich erhöht wird, schließe ich mich an. Wer auch noch die ungekürzte Originalveröffentlichung genießen möchte, kann das hier: thule-seminar.org/downloads/ELEMENTE3.pdf (ab Seite 18).

Stil-Bluete
22. Februar 2018 19:23

Dass der Schwund eines Volkes nicht auch mal positiv durchgespielt wird, bedauerlich. Nie war die Bevölkerung Deutschlands pro qkm größer als heute. Die Folge Stau, Stau, Stau, wo auch immer, im Verkehr, im Wartezimmer, in den Schulen, Kindergärten, praktisch in allen sozialen Einrichtungen. Umweltverschmutzung. Versiegelung der Böden. Hohe Staatskosten.

Gibt es ein Gesundschrumpfen?

Vor Jahren las ich ich einem wissenschaftlichen Beitrag, der dieses soziale Phänomen des Geburtenrückgangs wie ein biologisches Phänomen abgehandelt hat. Quintessenz: eine gesunde Reaktion, Reduktion auf eine aus den Fugen geratenes Wachstum, das aber leider durch den Zuzug, wie auch immer man das nennen mag, verfälscht wurde.
Dass eine Gesellschaft älter wird, ist doch nicht von Nachteil. Das ist doch angestrebt worden. Eigentlich eine schöne Aufgabe, oder nicht?
(Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, als Ingenieure, Experten, Fachkräfte mit hohen Abfindungen aus den Unternehmen vor dem Rentenalter entlassen wurden? Damals galt es, diese Kräfte zu Gunsten der Jüngeren auszuschalten. Heute gilt es, die Kräfte der Älteren wieder einzubinden.)
Die Rolle der Großeltern fällt mir ein, der weisen Frauen, der erfahrenen männlichen Fachkraft in Handwerk, Technik,, Ingenieurwesen. Für die sog. Geisteswissenschaftler und für die Künstler, die ja ohnehin einen Bonus haben, gilt das ja schon so lange wie möglich. Persönlichkeiten (positiv wie negativ besetzt) wie Kissinger, Soros, Heidegger, Jünger, Heesters, The Queen... fallen einem ein. Warum nun nicht in Deutschland im öffentlichen/politischen Raum, in Führungspositionen?

Der Generationenwechsel auf der Königsebene verlief zumeist blutig. (Shakespeare, griech. Tragödie).

Ein besserer Weg? Weniger Quoten zwischen Mann und Frau, mehr zwischen Alt und Jung?

Der Gehenkte
22. Februar 2018 21:50

@ Stil-Bluete

"Dass der Schwund eines Volkes nicht auch mal positiv durchgespielt wird, bedauerlich."

Natürlich ist das theoretisch durchgespielt worden. Etwa von Wolfgang Harich in "Kommunismus ohne Wachstum" und viel detaillierter von Rudolf Bahro in "Logik der Rettung" und nachfolgenden Arbeiten, theoretischen und praktischen.

https://sozialoekologie.jimdo.com/institut/rudolf-bahro/

https://seidwalkwordpresscom.wordpress.com/2017/12/05/logik-der-rettung/

https://de.wikipedia.org/wiki/Rittergut_Pommritz#%E2%80%9ELebensGut_Pommritz%E2%80%9C

Bahro war Gründungsmitglied der Grünen, wurde von den Realos aber schnell isoliert und wand sich bald ab. Einen zweiten zaghaften Versuch unternahm er kurz nach der Wende in der SED-PDS mit einer legendären Parteitagsrede, die vollkommen am Verständnis der Genossen vorbei ging.

Beide Autoren setzen, als Marxisten - Bahro wurde später radikaler Synkretist - am einzig möglichen Hebel an, den materiellen Bedingungen. Wer glaubt, über Geburtenkontrolle, finanzielle Unterstützungen oder Beschneidungen und ähnlichen Pflastern etwas Grundlegendes ändern zu können, ist naiv. Kurzfristige Korrekturen mögen damit möglich sein, aber ohne Veränderung der gesellschaftlichen Bedingungen, bleibt es Illusion. Politik ist hier ohnmächtig, nur Bewußtseinspolitik kann noch helfen (wenn das verstanden würde, dann hörten vll auch die nervigen Intelligenzfeindlichkeiten auf, die hier immer wieder hochkochen).

Marxistisch gesehen erklärt sich Bevölkerungswachstum nicht durch Geburtenzahl oder Einwanderung, sondern durch Arbeitsproduktivität und die (heute globale) Verteilungsungleichheit. Diese führt dann zu den genannten Phänomenen. D ist auch nicht an sich überbevölkert - problematisch ist der Grundverbrauch des je Einzelnen ... Wir könnten weniger werden, bei gleichem Grundverbrauch oder sogar wachsen, bei deutlich niedrigerem.

Bahro geht bei seiner tektonischen Bohrung sogar weit über diese Sphäre hinaus und will letztlich bei der letzten oder tiefsten Kategorie ansetzen: der Conditio Humana. Das hat sich realpolitisch als unrealistisch erwiesen - solange es das bleibt wird man sich diesen objektiven Prozessen - wozu auch die Migration zählt - unterordnen müssen.

Sein konkreter Vorschlag lag in der Regionalisierung und Tribaliserung der Gesellschaft, die sich in vielen kleinen Kommunen neu zu strukturieren hätte. Damit wäre eine massive materielle Abrüstung und eine spirituelle, künstlerische, spielerische, erotische Aufrüstung verbunden. Ohne "politischen" Eingriff wäre nebenbei auch der Konsum-Magnet abgeschaltet, der durch die Macht der globalisierten Bilderflut jeden Tag die Botschaft des "Komm!" um den Globus sendet.

Grenzen können nur ein Moratorium schaffen, aber sie werden - wie jeder Damm - irgendwann brüchig oder überspült ... es kam nur noch nicht die richtige Welle.

Übrigens war schon Malthus davon ausgegangen, daß eine Überbevölkerung zur Subsistenzwirtschaft führen müsse, weil die Leute schlicht und einfach verhungerten. Man kann die stalinsche "Agrarpolitik" der 30er Jahre ebenfalls als Bevölkerungspolitik begreifen, der Mao zeitweise folgte ...

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