Sezession
22. Februar 2018

120db auf der Berlinale – ein Interview

Ellen Kositza / 22 Kommentare

Wie zu lesen war, hatten während einer Veranstaltung im Rahmen der Berlinale einige junge Frauen die Bühne gestürmt und unter Sirenengeheul ein Banner entrollt:

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

DIE STIMME DER VERGESSENEN FRAUEN #120db. Melanie war eine dieser Bühnenstürmerin. Wir haben mit ihr gsprochen:

SEZESSION: Was war das für eine Veranstaltung, und was genau ist passiert?

Melanie: Bei der Veranstaltung, die unter „Kultur im Wandel“ firmierte…

SEZESSION: … was ganz sicher nicht auf den „Großen Austausch“ anspielte ...

MELANIE: Logisch nicht. Es handelte es sich um eine Diskussionsrunde zum Thema "#metoo", vordergründig auf die Filmbranche bezogen. Das war eine offene und kostenlose Veranstaltung im Rahmen der Berlinale. Jeder Interessierte hatte die Möglichkeit, daran teilzunehmen. Es gab überwiegend Besuch aus der Kulturschickeria - deutsche Fernsehsternchen, Journalisten und Politikerinnen. Der Saal war bis auf den letzten Platz voll, alles war sehr edel und hübsch hergerichtet, galamäßig, mit rotem Teppich und viel Glitzer. In dem Zusammenhang also erst einmal gar nicht verwunderlich, daß die Teilnehmer nicht über Migrantengewalt sprechen würden. Der eigentlich interessante Punkt war, daß Frauenministerin Katarina Barley an der Veranstaltung teilnahm und ihre Grußworte zuvor sprach. Hier hetzte sie beispielsweise auch gegen die AfD und bemängelte, daß diese sich nicht für Gendermainstreaming einsetzen würden. Auch fiel Frau Barley vorher auf durch öffentliche Stellungnahmen zum Fall Dieter Wedel. Eigentlich richtete sich unsere Aktion gegen sie, wir wollten sie zur Stellungnahme auffordern. Sie ist Familienministerin. Sie kümmert sich um widerliche Bettgeschichten unter Kollegen, statt den vergessenen Opfern von Gewalt gegen Frauen eine Stimme zu geben!

SEZESSION: In der Berliner Morgenpost hieß es, Ihr seid „hinausgeleitet“ worden. Wie darf ich mir das vorstellen?

MELANIE: Unser Ziel war es durchaus, zu der Diskussionsrunde eingeladen zu werden. Als diese begann und einige Teilnehmerinnen sich schon äußerten, etwa, daß man auch so konsequent sein sollte auch mal die "unangenehmen Themen" anzusprechen, erhoben wir uns von unseren Plätzen und taten so, als würden wir die Veranstaltung verlassen wollen. Freundlich lächelnd machte uns z.B. Elke Ferner noch Platz. An der Mitte des Bühnenrandes angekommen, erklommen wir diese schließlich und entfalteten das Banner mit der Aufschrift "Die Stimme der Vergessenen Frauen 120dB". Schon beim Entfalten des Banners hörte man aus dem Publikum Gestöhne und die ersten Rufe "Nazis raus!". Unser erstes Ziel war aber erreicht: Wir standen auf der Bühne, unser Banner war ausgebreitet. Die Gesichter der vergessenen Opfer, Opfer der importierten Männergewalt, hatten wir auf Schildern in die Höhe gehalten und Meldungen zu Übergriffen durch Migranten als Konfettischnipsel ins Publikum geworfen.

SEZESSION: Wie waren die Reaktionen der Podiumsteilnehmer?

MELANIE: Moderatorin Verena Lueken schrie uns hysterisch an, wir sollten die Bühne verlassen. Auf mein Angebot, daß wir doch in Ruhe diskutieren könnten, kreischte sie um so lauter, wie in Panik. Wir standen noch eine Weile dort auf der Bühne, die "Nazi" Rufe aus dem Publikum wurden lauter, eine wildgewordene Frau filmte unsere Gesichter mit ihrer Handykamera ab und schrie "die Identitäre Bewegung!" Dabei lachte sie diabolisch. Wir verließen schließlich die Bühne, als Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, uns aufforderte, die Bühne zu verlassen. Auch sie lehnte mein Angebot ab, daß man uns doch einfach in die Diskussionsrunde einladen könne. Wir rollten also das Banner zusammen, holten unsere 120dB Taschenalarme heraus, lösten sie aus, ließen sie auf den Boden fallen und gingen gemütlich aus dem Saal.

SEZESSION: Also: Ziel erreicht?

MELANIE: Wir wären natürlich gerne viel länger geblieben und hätten vor allem gerne mit Frau Barley ein paar Worte gewechselt aber wir sind froh und stolz, dass wir es zumindest geschafft haben die Bühne zu erklimmen und die Selbstbeweihräucherung für einen Moment zu stören und ihre Protagonisten zu entsetzen. Diese Leute wollen uns nicht hören, nicht mit uns reden. Wir sind froh, ihre Unverschämtheiten nicht unwidersprochen gelassen zu haben.

SEZESSION: Im Netz erhält Eure Kampagne nicht nur Beifall, sondern auch Häme und Gegenwind von grundsätzlichen Gegnern. Was antwortet Ihr auf Kritikerinnen, die Euch vorwerfen, daß Ihr Euch nur auf ausländische Täter fokussiert und ansonsten zu Frauenrechten schweigt?

MELANIE: Manche beschweren sich darüber, daß wir mit unseren Forderungen in dieser Veranstaltung völlig deplaziert gewesen wären. Ich kann dazu nur sagen, daß es für die (Todes)opfer unserer leichtsinnigen Regierung keine Gala und keine Festzelte gibt. Mord und Vergewaltigung werden totgeschwiegen und als Kollateralschaden der Willkommenskultur gesehen. Da finde ich es nicht falsch, diese dekadente Veranstaltung zu sabotieren, um den Opfern wirklich schwerwiegender sexueller Gewalt eine Stimme zu geben. Wenn man uns hätte sprechen lassen, hätte man auch gehört, daß sich unsere Kritik an Frau Barley gerichtet hätte. Auch der Vorwurf daß wir uns aus fremdenfeindlichen Motiven dazu herablassen würden, uns nun endlich mit Frauenrechten auseinanderzusetzen, ist schlichtweg vermessen! Mit dem Medium "Radikal Feminin" gab es auch schon Frauenrechts-Impulse aus der Bewegung. Auch daß Sie, Ellen, sich nicht erst seit gestern mit dem Feminismus beschäftigen, ist kein Geheimnis. Ich persönlich beziehe über meine Social-Media-Kanäle regelmäßig Stellung zu feministischen Themen und werde dafür von der lokalen Antifa attackiert. Shirts mit der Aufschrift "Girls support Girls" bringen die Linken hier schon zur Weißglut. Diese Leute wollen sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen und versuchen uns nun das Wort mit Kampagnen wie "Feminismus ist immer antirassistisch" auf billige Weise abzuschneiden.

SEZESSION: Wie geht’s weiter mit#120db?

MELANIE Aktion war natürlich nur ein erster Schritt und wir werden noch viele weitere Aktionen planen und immer weiter in die "Safespaces" der Linken und Linientreuen eindringen. Sie sollen uns erwarten, und wir können versprechen, daß es ungemütlich wird.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (22)

Franz Bettinger
22. Februar 2018 23:21

Super Aktion, professionell und optisch sehr ansprechend durchgeführt. Bravo Mädels! Auf das "Nazis raus"-Gebrüll hätte man vielleicht mit-einstimmen können und denselben Slogan mit-skandieren sollen, dabei jedoch mit dem Finger aufs Publikum zeigend oder sich umdrehend aufs Podium zeigend in Richtung der da sitzenden Hegemonial-Linken - also so wie Sezession das in Frankfurt gemacht hat. Das fand ich eine ideale Antwort.

Lotta Vorbeck
22. Februar 2018 23:55

MELANIE: "... Sie sollen uns erwarten, und wir können versprechen, daß es ungemütlich wird."

UND DAS IST AUCH GUT SO!

heinrichbrueck
22. Februar 2018 23:59

"Nazis raus!"

Wer Hitler sagt, will ablenken. Die einzig verbliebene Ablenkung der Weltgeschichte. Und wer mit Hitler ablenken will, und damit sind nicht diese Marionettenrufer gemeint, hat große Dinge vor. Kein "Experiment".

"unserer leichtsinnigen Regierung"

Hier wird eine Voraussetzung unterstellt, die in diesem Fall nicht zutrifft. Es war alles Absicht. Das Ziel unserer Regierung ist nicht unser Wohlergehen, wie es im Normalfall vorausgesetzt werden könnte! Sich an die Vorstellung gewöhnen zu können, auch von den eigenen Leuten ins Jenseits befördert zu werden, wird kein sehr einfacher Weg. Unsere Regierung arbeitet ziemlich gut, unterstellt man ihr nicht die falschen Voaussetzungen und das falsche Ziel.

"Feminismus ist immer antirassistisch."

Antiweiß, stimmt. Der Selbsterhaltungstrieb der Antirassisten, krank. Eine globale Agenda. Demoralisierung und Zersetzung. Der Antirassismus verhält sich zum Gutmenschentum. Wie die unterstellte Voraussetzung, deren Absicht nicht übereinstimmt, zum Ziel.

Ein gebuertiger Hesse
23. Februar 2018 07:25

Prächtig, die Damen. Wenn ihr die Sphäre der saturierten Vertuschungs-Laberer aufmischt, legt ihr den Finger an die richtige Stelle. Macht weiter und seid laut.

Blue Angel
23. Februar 2018 10:13

Danke für die gelungene Aktion und das Interview!

Fredy
23. Februar 2018 10:31

Wunderbare deutsche Frauen. Weiter darf ich dazu nichts schreiben, um nicht wieder feinsinnige Blogwarte auf den Plan zu rufen, die auch hier die reine #metoo-Lehre verwirklicht sehen wollen.

kommentar kubitschek:
schön, daß Sie das kapiert haben.

Seemann
23. Februar 2018 10:32

eine grandiose Aktion kann ich da nur sagen, mitten hinein in die linke Komfortzone. Was natürlich nicht ausbleibt ist die Nazikeule, die wie wir ja wissen liebevoll gedrechselt ist von zwei linken Händen. Bitte macht so weiter!

Dieter Rose
23. Februar 2018 10:46

Fredy -> kommentar kubitschek

Ansteckungsgefahr
oder schon
angesteckt von Mitu?

Fredy
23. Februar 2018 11:35

@Dieter Rose

Mitu sind immer die anderen.

Dabei war der werte GK nichtmal gemeint. Er ist Hausherr, das achte ich als Gast. Nur wenn andere Gäste Hausherr spielen wollen, ärgern sie nicht nur mich sondern mißachten auch den tatsächlichen Hausherrn.

nom de guerre
23. Februar 2018 11:43

Eine sehr gute Aktion. Mein Fall wäre es nicht, mich derart öffentlich zu exponieren und anfeinden zu lassen, daher auch deshalb: Hut ab und danke dafür!

Darüber hinaus möchte ich noch einige Worte zu den Reaktionen sagen:
„Feminismus ist immer antirassistisch“ – genau das sehe ich überhaupt nicht so, zumindest nicht in Bezug auf das, was einem derzeit als Feminismus verkauft wird. Die ganze u.a. unter #metoo geführte Belästigungsdebatte bezieht sich weit überwiegend auf Belästigungen durch europäische oder europäischstämmige Männer (eine Ausnahme war bspw. die schon etwas zurückliegende Berichterstattung über Bill Cosby). Straftaten oder auch nur bestimmte Formen herablassender Behandlung Frauen gegenüber durch Migranten aus dem arabischen und/oder afrikanischen Raum werden dagegen (wie auch in dem verlinkten bento-Artikel) unter „Sowas passiert zwar, aber doch nicht jeden Tag, und wenn, dann liegt nicht jedes Mal ein fünfzehnjähriges Mädchen am hellichten Tag abgestochen in einem Drogeriemarkt, also regt euch doch bitteschön nicht so auf!“ relativiert bzw. möglichst gar nicht thematisiert. Auch der Hinweis, dass die meisten Gewalt-/Sexualstraftaten gegen Frauen im unmittelbaren sozialen Umfeld stattfinden, findet sich zwar unweigerlich, wenn es darum geht, die Handlungen von Migranten kleinzureden, jedoch wird nach meiner Kenntnis etwa das Vorhandensein von häuslicher Gewalt/Beziehungstaten nie als Gegenargument zum Thema Belästigungen in der Arbeitswelt angeführt. Diese Sichtweise ist für mich sowohl rassistisch als auch sexistisch, denn sexuelle Übergriffe oder Gewalt gegen Frauen sind demnach offenbar nur dann ein Problem, wenn sie von den richtigen Männern im richtigen Kontext verübt werden, ansonsten soll die betroffene Frau sich bitte sehr als Kollateralschaden in dem großen gesellschaftlichen Experiment, in dem wir uns zurzeit befinden, begreifen, und vor allem nicht die Öffentlichkeit verunsichern, indem sie sich an eben diese wendet. Insofern dürfen sich diejenigen, die in Bezug auf obige Aktion schon wieder das Wort Instrumentalisierung im Munde führen, schon den Hinweis gefallen lassen, dass es nicht ratsam ist, mit Steinen zu werfen, wenn man selbst weithin sichtbar im Glashaus sitzt.

Gotlandfahrer
23. Februar 2018 14:18

Danke und mein allergrössten Respekt!!! Wie in jedem Überlebenskampf wird es auch in diesem darauf ankommen, was die Frauen wollen. Denn nur das tun die durchschnittlichen Männlein.

Alveradis
23. Februar 2018 14:41

Der Begriff Feminismus hat anders als in Frankreich und den USA bei uns keine lange Erfolgsgeschichte hinter sich und drängte sich erst spät in die deutsche Frauenrechtsbewegung hinein, um dann die noch lange akzeptierte Vorstellung von der Frau als Mutter oder von den natürlichen weiblichen Eigenschaften durch das Erstarken der Lesbenbewegung, dann durch die eingepflanzte Gendertheorie zu verdrängen, was sehr aggressiv betrieben wurde. Vor allem durch die Akademisierung des Themas, also die völlige Abspaltung vom weiblichen Erleben hin zu abstrakten Denksystemen, die eine neutrale Forschung nicht mehr zulassen können, hat sich der Feminismus von Frauenrechten weiter und weiter entfernt.

Man muss sich mal vorstellen, dass die deutsche Frauenbewegung sehr lange dafür eintrat die weibliche Familienarbeit durch ein "Hausfrauengehalt" zu entlohnen.

Der Feminismus wurde zu einer politisch mächtigen Expertokratie ausgebaut, die gegen weibliche Lebenswirklichkeit, weibliche Wünsche und Fähigkeiten gerichtet ist und er negiert, kombiniert mit dem antiweißen Rassismus des Antirassismus, sogar das Recht weißer Frauen auf körperliche und seelische Unversehrtheit.

Der in immer unnatürlicheren Abstraktionen und Konstruktionen sich entfaltende und inzwischen sichtbar frauenfeindliche Feminismus scheint mir dem deutschen Wesen immer noch außerordentlich fremd zu sein und ist es historisch auch nachvollziehbar, weil wir hier nicht so lange mit den Werten der Französischen Revolution oder der amerikanischen Revolution durchtränkt wurden und daher viele Generationen hinterher hinken. Ohne den Druck von außen würde die deutsche Frauenbewegung wohl noch immer nicht für die Abschaffung der Frau oder die Misshandlung von Frauen durch Migranten eintreten.

Ich denke auch, dass die Vorstellung anti- Feminismus müsse frauenfeindlich sein (das denken leider zu viele Rechte und Linke), weil Feminismus zu Unrecht mit Frauenrechten gleichgesetzt wird, von außen zu uns hereinschwappt. Das hat viel mit der amerikanischen Situation zu tun. Das müssen wir nicht akzeptieren. Wir sollten uns auch nicht am Feminismus /anti-Feminismus festhaken lassen, an den gezielten Provokationen und den sichtbaren Scheußlichkeiten, sondern unsere eigenen Vorstellungen vom Zusammenwirken der Geschlechter in den Mittelpunkt stellen und die müssen wir nicht in einer holzschnittartig konstruierten, patriarchalen Vergangenheit suchen über die inzwischen aberwitzige Vorstellungen verbreitet sind.

Wenn sich also Frauen der sogenannte rechten Seite für Frauenrechte einsetzen und sich ein durchaus unserer Natur entsprechendes, gleichberechtigtes Miteinander der Geschlechter vorstellen, dann muss nicht gleich in Panik "Feminismus" gerufen werden und wir Frauen müssen uns dieses todfeindliche Theoriekonstrukt auch nicht aufhängen. Die feministische Expertokratie und ihre ausführenden Organe geben uns Frauen keine Rechte, sie nehmen sie uns und das wird nun auch erschreckend deutlich.

Ich würde mich freuen, wenn 120db mit der Botschaft weiterhin im Konkreten bleiben würde und so wenig politisch wie nur möglich. Die Lebenswirklichkeit ist das stärkste Argument. Ein Links Rechts sollte trotz Zuweisung von außen, im eigenen Denken und in der Botschaft keine Rolle spielen. Ich denke, dass auch viele linke Eltern Angst um ihre Kinder haben und viele junge Mädchen und Frauen, die schon vollständig unter dem Antirassismus konditioniert wurden ebenso verunsichert sind, wenn sie auf die importierten Horden treffen. Es ist nur unglaublich schwer tief ins Hirn gestanzte Muster, die sogar die Wahrnehmung verändern können, zu überwinden.

Auch wenn #meto von Anfang an eine finstere, feindliche und konstruierte Aktion gewesen ist, muss man dazu nicht unbedingt in Konfrontation gehen, denn die wenigsten Frauen und Männer können das zur Zeit verstehen. Dass dort aber was ausgelassen wird, das können die meisten Leute schon jetzt erkennen.

Anna-Lena
23. Februar 2018 15:43

Super Aktion!! Weiter so.

"Feminismus ist immer antirassistisch"

Natürlich. Wahrer Feminismus richtet sich ja auch gegen Deutschenhass. Bin schon auf die nächste Aktion gespannt.

Liebe Grüße

Caroline Sommerfeld
23. Februar 2018 15:45

@Alveradis - guter Kommentar! Genau diese Differenz hatte ich in meinem "Sind wir Feministinnen?"-Beitrag gemeint.
Daß wir uns selber in die Lage versetzen, den Kampf für Frauenrechte eben nicht als "Feminismus" zu framen, ist ein wegweisender Ansatz.

Fabian
23. Februar 2018 16:16

Inwieweit sind Vergewaltigungsopfer in der öffentlichen Debatte vergessen? Wird hierauf nicht z.B. gerade wieder in der Diskussion um den Abtreibungsparagraphen Bezug genommen? Wenn Sie sagen, es werden speziell die Opfer ausländischer Vergewaltiger vergessen, wie es es dann mit den speziellen Opfern der minderjährigen oder der ostdeutschen Vergewaltiger? Sind diese nicht auch Folge einer verfehlten Politik (z.B. ggü. der Jugend oder dem Wiederaufbau in Ostdeutschland)? Warum schweigen Sie zu diesen Problemgruppen?
Könnte der thematische Fokus auf die Filmbranche nicht daran liegen, dass das auf der Berlinale naheliegender ist?

Hartwig aus LG8
23. Februar 2018 16:41

Rassismus, Sexismus und Feminismus (egal ob mit oder ohne Anti- ) entstammen der kulturmarxistischen Ideenwelt. Man sollte so etwas beflissen aus seinem Gedankenkanon entfernen und nicht mal in Erwägung ziehen, die #metoo-Kampagne hätte irgend etwas Akzeptables an sich.

Otto
23. Februar 2018 17:19

Interessant finde ich, dass Dr. Gottfried Curio eine Textpassage aus dem #120dB-Start-Video in seiner Bundestagsrede 1:1 übernommen hat.

Siehe hier:
www.youtube.com/watch?v=TrfpcYLqVNM&t=230s

Der Mann ist mir ohnehin schon an andrer Stelle positiv aufgefallen.

Über seine beeindruckende Vita kann man hier lesen:
de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Curio

Ich würde es begrüßen, wenn dieser hochintelligente Mann mehr Einfluss bekäme.

Dieter Rose
23. Februar 2018 17:39

@Fredy

da liegt wohl ein Missverständnis vor!
keine Anmaßung.
ich meine nur, wir sollten
das Mitu-Spiel nicht mitmachen.
meintekubitschek wohl auch so.

Monika
23. Februar 2018 19:27

@Alveradis
Danke, bester Kommentar seit langer Zeit !
" Die Lebenswirklichkeit ist das stärkste Argument".
Das hat Václav Havel gut beschrieben ( Versuch in der Wahrheit zu leben) " Parallelstrukturen wachsen nicht aus einer aprioritistischen theoretischen Vision der Systemveränderung, sondern aus den Intentionen des Lebens und den authentischen Bedürfnissen konkreter Menschen ".
Die Proteste der Frauen erwachsen in diesem Sinne aus authentischen Bedürfnissen. Das war auch auf der Demo in Kandel spürbar. (Hatte eine kurze Vision : Doppelt so viele Frauen mit einem Besen :) und friedlichen, kreativen Aktionen bei der nächsten Demo...und der Bürgermeister wäre weg vom Fenster).
Man sollte diese Authentizitöt bewahren. Dann ist der Erfolg sicher. Konkret : In Berlin fand ich Herrn Bachmann als eher kontraproduktiv. Motto: " Lieber meerJungfrauen als Bachmänner".
Ich bin sicher, dass auch einige Moslemfrauen mit einem authentischen Frauenprotest übereinstimmen würden. (Querfront).
Ohne rechte und linke Vereinnahmung sehe ich im Frauenprotest im Moment die größte verändernde Kraft in Europa, möglicherweise über Europa hinaus...

Caroline Sommerfeld
24. Februar 2018 09:52

Hier ein Leserkommentar, der mir zugesandt worden ist:

Verboten, fremd und frei

Ergänzend zur brillanten Analyse der „Denkfehler“ und der vertrackten „Struktur“ der linken Agenda des Feminismus gegenüber einem Feminismus aus rechter Sicht - der zwischen Selbstwiderspruch und Notwendigkeit aufgespannt ist - will ich noch ein paar Gedanken zu Möglichkeiten hinzufügen, „den Blick tiefer hinein zu lenken.“
Wenn die Machtfrage eine dialektische Rolle spielte, so wären wir doch gegenwärtig mehr als quitt und kann die Geschlechterfrage nicht immer und für alle Zeiten eine Machtfrage sein. Erleben wir mit „me*too“ gerade einen Höhepunkt feministischer Definitionsmacht, so geht es beim Ansinnen des blanken Geschlechterkampfes und der Egalisierung der Geschlechter um Destruktion und Nihilismus schlechthin. Noch in Shakespeares Sommernachtstraum gesteht Titania zum guten Ende ein:
Mann und Frau im Streit ist die Wurzel allen Übels. Sie muss es wissen. Sie hat’s praktiziert. Aber welches gute Ende gibt es nach all dem, was seither geschah? Bleibt nicht ein schales Gefühl? Ist es nach allem bisher qua Feminismus „Erreichtem“ gesellschaftlich noch möglich einen tieferen Sinn wieder zu finden? Über die Stille des Privaten vielleicht, die Geschlechter-Liebe, den Nukleus der Gesellschaft? In Hegels Phänomenologie des Geistes scheidet sich der Geist in zwei „Kräfte“. Über das Bewusstsein unterscheidet er sich in-sich und von-sich als „Mann und Weib“, das heißt in zwei sexuell unterschiedene (!) Selbst-Bewusstsein(e). Über den eingängigen Figuren der links-gehypten Parabel von „Herr und Knecht“ ist man leider geneigt zu zu übersehen, dass aller Kult, also alle Religion und Kultur aus Unterscheidung und Unterschied der Geschlechter entspringt. Der Punkt Hegels ist der Begriff: die Zweiheit der Form; auch der Gestalten des Geistes. Ihre Dialektik ist dem Widerspruch geschuldet, er ist die bewegende Kraft. Die Reflexion das Wesen und Drittes einer dreifaltigen Logik.
Besteht nach allem also heute die Denk-Möglichkeit einer Metalogik, dass wir nicht länger unbewusst dem „unvollendeten Projekt der Moderne“ (Habermas) um einen „herrschaftsfreien Diskurs“ und sogenannte „subjektive Freiheit“ anhängen müssen? Sondern dass wir sehen, dass es in der Geschlechter-Beziehung um das „Projekt der Moderne“ schlechthin geht? Sagen wir, Emanzipation und Aufklärung mal anders angegangen und angenommen, dass sie nicht, wie in phantasielosen Köpfen, die Entzauberung der Welt und der Liebe bedeuten müssen, sondern einfach nur die Anstrengung der Aufhebung eines sogenannten „autonomen Subjekts“?! Dies nicht weiterhin verkündet als „modern“, oder gar als „Ende der Geschichte“ und dann als „Tod des Subjekts“, sondern als gegenseitiges Erkennen und gegenseitiges Anerkennen?
Emanzipation und Aufklärung als das Erkennen und Anerkennen zweier von einander unterschiedener kooperativer, prokreativer Dividuen. Nämlich in Gestalt des gut begründeten und begründbaren männlichen „Erkenntnis-Subjekts“ – Schöpfer aller Dinge welche Frauen wollten, brauchten, lieb(t)en- , sowie der, sagen wir vor Äonen im Wege waltender Dialektik entmachteten antiken Göttin, des nun (asymmetrisierten) unbekannten weiblichen „Blind-Subjekts“ das sich für ein paar Jahrzehntausende freiwillig blind stellte und seit kurzem - im Zuge seiner „Emanzipation“ - vorzüglich zum Mann (bzw.“autonomen“ „Subjekt“) werden will? Analog Hegels Diktum dass Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit ist, könnte ja auch eine Art göttlich-geistige Freiwilligkeit darin liegen „zurückzustehen“. Etwa (um hier eine Fantasie zu bemühen) um kulturell erst mal eine subjektive freie Männlichkeit z.B. in Form des Heroismus zu ermöglichen und voll auszubilden, sowie den Logos in eine allgemeine Form - die Aristotelischen Logik - als Grundlage einer objektiven Wissenschaft zu bringen? Jetzt sollte aber das Pendel in die andere Richtung gehen, und uns dazu nötigen selbstbewusste Weiblichkeit und darauf basierende psychologieresistente erwachsene (!) Geschlechter-Liebe auf eine gemeinsame haltbare Ebene zu hieven und dort allmählich auszudifferenzieren. (einen Hauch und Tick anders als bisher)
Es könnte zunächst bedeuten, um die Fantasie weiter zu spinnen, dass das sehende weibliche Subjekt als Dividuum herausgefordert ist, reelle historische Rollen-Forschung zu betreiben, ihre prälogische Wahl zu bedenken und zuzugeben und zu beschreiben wer sie zutiefst ist? Vielleicht, um dabei herausfinden, wer sie nicht sein will. Ein Mann vielleicht?
Was unterscheidet realistischen Feminismus vom dekonstruktiven Feminismus? Etwa die nicht abwegige Einsicht, dass der großartig propagierte „Tod des Subjekts“ – wie zuvor schon der „Tod Gottes“ –fehlgeleitete weil kurzschlüssige Projekte waren/sind? Etwa die Einsicht dass die schon von Frühfeministinnen fantasierten Cyborgs, und fabrikmäßigen Reproduktions-, und Klontechniken den Charakter des Zombiismus haben? Das zeigt sich darin, dass das klassische männliche Subjekt jetzt scheinbar tot und unter den Teppich gekehrt das bisher unterschlagene (weibliche) Subjekt als linke „Feministin“ auf den Plan gerufen hat. Diese wieder, nun in alle Ewigkeit zum Fordern verdammt, kommt jedoch damit nur der diesem Verlust innewohnenden Tendenz nach, die Macht-Frage zu stellen. Dialektik könnte doch auch anders gehen. Etwa als ein intuitiver femininer „Feminismus“, der die Macht-Frage bewusst nicht stellt, die notwendige Asymmetrie anerkennt und auf ganz natürlichem Weg zu dem kommt, was sie wirklich will, und erkennt, dass ihre diskursive Blindheit nicht einer Schwäche, sondern einer Stärke geschuldet ist. Der Anerkennung ihrer Physis; ihrer damit gewählten Rolle; ihrer Vernunft im Zweifel zurückzustehen oder voranzugehen? Wenn wir erleben, dass wir die notwendigen Asymmetrien, jede(r) nach seinen Bedürfnissen und nach ihren Möglichkeiten, akzeptieren und somit handhaben können, haben wir Schmetterlinge im Bauch, sind wir frei zu erreichen, was wir wollen. Wenn wir die Dreifachleistung auf Augenhöhe intim und privat regeln können, wie das unter zivilisierten, bzw. liebenden Paaren längst der Fall ist, und bei diesen auf fruchtbaren Boden fällt, kommen auch die Kinder, die wir haben wollen. Was aber für innere Hochstimmung wichtig wäre, dass dies die Chance ist den Eros, also die Erotik der Geschlechter-Liebe, die Bewahrung der Idealität unter Akzeptanz ihrer Zerbrechlichkeit, die Idealisierung des je Anderen unterhalb des Erkennens seiner „Fehler“, die Innigkeit der Freundschaft, der notwendige Abstand, das ewiglich existierende kooperative prokreative Verhältnis auf eine metaphysische und zugleich realistische und befreiende Basis zu stellen. Als Chance für diese Übungen in Höhe und Tiefe und Nähe im Liebes-Verhältnis der Geschlechter hätten diese dann nur eins tiefer zu bedenken – der (je) Andere ist verboten fremd und frei. Die Ewigkeit des Endes ist eine preziöse Sollbruchstelle, die vorausfühlend und vorausdenkend vermieden werden will, wo Liebe im Spiel ist.

silberzunge
24. Februar 2018 18:34

Habe das Video gestern auf YT gefunden und gleich mehrfach angesehen. Ich muss sagen: ausgezeichnet. Es war ein souveräner, gediegener Auftritt. Kontrastprogramm zu linkem Gekreische, das sie fassungslos macht.

Auch die wissen, dass mit euch zu rechnen ist.

Der Feinsinnige
25. Februar 2018 18:17

@ Freddy:
Da Sie die kürzliche Kontroverse noch einmal aufgreifen:
Ich hatte mit meiner im Kern inhaltlich gemeinten, vielleicht etwas forsch geratenen Mißfallenskundgabe weder Sie persönlich nachhaltig verärgern noch mir gar Kompetenzen des „Hausherrn“ anmaßen wollen, was mir beides völlig fernläge. Daß dies zumindest bei Ihnen so angekommen ist, bedaure ich. Ich versuche, in Zukunft zurückhaltender zu sein.

Bezüglich der Berlinale-Aktion von #120db stimme ich in den Chor des Lobes ein und hoffe auf viele spektakuläre Fortsetzungen.

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