Sezession
1. Oktober 2017

Sebastian Liebold / Frank Schale (Hrsg.): Neugründung auf alten Werten? Konservative Intellektuelle und Politik in der Bundesrepublik

Gastbeitrag

Felix Dirsch schreibt für uns über Sebastian Liebold/Frank Schale (Hrsg.): Neugründung auf alten Werten? Konservative Intellektuelle und Politik in der Bundesrepublik, Baden-Baden: Nomos 2017. 256 S., 49 €

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Wer die Geschichte des Konservatismus in der Bundesrepublik überblickt, bemerkt schnell das Desiderat einer wissenschaftlich fundierten Gesamtdarstellung. Dieses ist vornehmlich der Vielfalt konservativer Strömungen geschuldet, die in toto analytisch schwer faßbar sind. An Einzelstudien herrscht hingegen kein Mangel.

An dem neuen Sammelband Neugründung auf alten Werten? fällt vor allem auf, daß ein Teil der Beiträge nur bedingt zur Überschrift paßt. Eine konservative Gruppierung der frühen Bundesrepublik, die Deutsche Partei, wird ebenso thematisiert wie die kurzzeitig einflußreiche abendländische Bewegung, deren »Flucht nach Europa« in der Sicht des Autors, Johannes Großmann, bei PEGIDA ende; weiterhin gehen die Mitarbeiter auf weniger bekannte Persönlichkeiten wie den Verbandspolitiker und Widerstandskämpfer Andreas Hermes sowie auf den späten, inzwischen arrivierten Max Horkheimer ein; zudem werden zwei gegenwärtig heftig umstrittene Denker vorgestellt: der Remigrant Arnold Bergstraesser (»konservativer Humanist«), als Gründer einer wirkmächtigen politikwissenschaftlichen Schule bekannt, und der Politologe Carl J. Friedrich, der ebenfalls aus dem Exil zurückgekehrt ist. Bergstraesser und Friedrich wurden von der überschießenden Vergangenheitsbewältigung der letzten Jahre verstärkt aufs Korn genommen. Die Gesinnungsdenunzianten, zu denen die Bearbeiter der entsprechenden Aufsätze nicht zählen, lassen das Engagement der integren Wissenschaftler gegen den NS nicht als Ausweis für eine reine Weste gelten. Ihre Überzeugungen vor 1933, so der Vorwurf, hätten trotz ihres tadellosen Verhaltens ein »schmittianisches« Geschmäckle.

Im letzten Abschnitt wird der Publizist Matthias Walden als liberalkonservativer, antikommunistischer Autor gewürdigt. »Sprache und Ideologie des Konservatismus« werden ebenso erörtert wie der konservative Antikommunismus nach 1968. In seiner Rückschau auf die Beiträge ruft Sebastian Liebold unter anderem nochmals den Unterschied zwischen Nationalkonservativen, die vom Liberalismus Abstand hielten und der Westbindung kritisch gegenüberstanden, und den Liberalkonservativen, die einen Wertewandel im Grunde genommen befürworteten, in Erinnerung.

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Sebastian Liebold und Frank Schales Neugründung auf alten Werten? kann man hier bestellen.


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