KZ, nordkoreanisch

Vor ziemlich genau sieben Jahren, am 21. Juni 2002, machte Soon Ok Lee vor dem Justizausschuß des amerikanischen Senats ihre Aussage. Darin beschrieb sie ihre Erfahrungen als Gefangene in einem nordkoreanischen Straflager. Sonn Ok Lee wurde 1984 verhaftet. Ihr wurde vorgeworfen, Regierungseigentum unterschlagen zu haben.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

Unter Fol­ter gestand sie, ohne schul­dig zu sein und wur­de im Schnell­ver­fah­ren zu 13 Jah­ren Haft ver­ur­teilt. 1992 kam sie durch eine Amnes­tie frei und floh nach Süd­ko­rea, wo sie heu­te lebt. Die Süd­deut­sche Zei­tung hat ihre Aus­sa­ge vor einer Woche in Aus­zü­gen ver­öf­fent­licht. Zwei Bei­spie­le mögen genügen:

Zum Frau­en­gefäng­nis von Kae­chon gehö­ren fol­gen­de elf Arbeits­be­rei­che: ein Her­stel­lungs­be­trieb für ver­schie­dens­te Waren, einer für Export­wa­ren, eine Schuh­fa­brik, eine Leder- und Gum­mi-Fabrik, eine Fabrik zur Her­stel­lung von Klei­dung, eine Stoff­zu­schnei­de­rei, eine Arbeits­vor­be­rei­tungs­ein­heit, eine War­tungs­ein­heit, eine Stra­fein­heit, eine Land­bau­ab­tei­lung und eine Küchen­ab­tei­lung. Die Häft­lin­ge müs­sen bei der Arbeit stets die Köp­fe gesenkt hal­ten und jede Bewe­gung außer den für ihre Arbeit nöti­gen ver­mei­den. Über die Hälf­te der weib­li­chen Häft­lin­ge hat einen Buckel, Beu­len am Kopf oder im Schul­ter­be­reich oder ist auf eine ande­re Art ver­krüp­pelt. Die Frau­en in der Schuh­fa­brik sind fast alle kahl. In allen Ein­hei­ten gibt es Glas­käs­ten, in denen die Wär­ter sit­zen und die Gefan­ge­nen bei der Arbeit beauf­sich­ti­gen. Die Regel lau­tet, dass eine Gefan­ge­ne zum Auf­se­her lau­fen und sich mit gesenk­tem Kopf vor ihm auf die Knie fal­len muss, sobald sie auf­ge­ru­fen wird. Natür­lich darf sie nichts sagen, son­dern nur Fra­gen beant­wor­ten. Wer nicht schnell genug ant­wor­tet oder sich bewegt, dem wird ins Gesicht oder vor die Brust getre­ten. Wer den Kopf hebt oder die Glie­der streckt, wird schwer bestraft.

Als ich 1989 wie durch ein Wun­der den Para­ty­phus über­leb­te, wur­de ich zum Bericht­erstat­ten auf die Kran­ken­sta­ti­on geru­fen. Als ich dort ankam, bemerk­te ich sechs Frau­en kurz vor der Nie­der­kunft. Man befahl mir zu war­ten, bis mein Auf­se­her kam und mich über­nahm. Wäh­rend ich dort war, brach­ten drei Frau­en ohne irgend­ei­ne Decke ihre Babys auf dem Zement­bo­den zur Welt. Es war schreck­lich, dabei zuzu­se­hen, wie der Gefäng­nis­arzt die Frau­en mit sei­nen Stie­feln trat. Als ein Baby gebo­ren war, rief der Arzt: “Bringt es um. Schnell. Eine Kri­mi­nel­le in einem Gefäng­nis kann ja wohl nicht erwar­ten, dass sie ein Baby haben darf! Bringt es um.” Die Frau­en schlu­gen die Hän­de vors Gesicht und wein­ten. Obwohl die Gebur­ten mit Injek­tio­nen zwangs­ein­ge­lei­tet wor­den waren, leb­ten die Kin­der bei der Geburt noch. Die Kran­ken­schwes­tern, eben­falls Gefan­ge­ne, drück­ten ihnen mit zit­tern­den Hän­den den Hals zu, um sie zu töten. Wenn sie tot waren, wur­den die Babys in ein schmut­zi­ges Tuch gewi­ckelt, in einen Eimer gesteckt und durch eine Hin­ter­tür hin­aus getra­gen. Ich war so scho­ckiert, dass ich bis heu­te in mei­nen Alp­träu­men die Müt­ter um ihre Kin­der wei­nen sehe. Ich habe wäh­rend mei­ner Zeit im Gefäng­nis zwei­mal gese­hen, wie Babys getö­tet wurden.

Bereits das “Schwarz­buch des Kom­mu­nis­mus”, das 1997 in Frank­reich und 1998 in Deutsch­land ver­öf­fent­licht wur­de, stützt sich auf Aus­sa­gen von Sonn Ok Lee (S. 616), jedoch ohne sie selbst zu Wort kom­men zu las­sen. Erst die Unmit­tel­bar­keit ihrer Aus­sa­ge macht wie­der ein­mal deut­lich, wozu der eigent­lich gut­ge­mein­te, men­schen­freund­li­che Kom­mu­nis­mus in der Lage ist. Viel­leicht soll­te ihr mal jemand, bei­spiels­wei­se das Tri­um­vi­rat Mer­kel-Oba­ma-Wie­sel, erklä­ren und ins Gesicht sagen, war­um sie anders, nicht so sin­gu­lär, gelit­ten hat, wie ande­re KZ-Opfer.

Erik Lehnert

Erik Lehnert ist promovierter Philosoph und Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Staatspolitik.

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