Philip Plickert (Hrsg.): Merkel. Eine kritische Bilanz. mit Beiträgen von Thilo Sarrazin, Necla kelek, Cora Stephan, Norbert Bolz u.a.

Werner Olles über Philip Plickert (Hrsg.): Merkel. Eine kritische Bilanz. Mit Beiträgen von Thilo Sarrazin, Necla Kelek, Cora Stephan, Norbert Bolz u.a., München: Finanzbuch 2017. 254 S., 19.99 €

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Der Wirt­schafts­jour­na­list und FAZ-Redak­teur Phil­ip Pli­ckert ver­sam­melt in sei­nem Mer­kel-Buch 22 Bei­trä­ge pro­mi­nen­ter Wis­sen­schaft­ler und Publi­zis­ten, die sich mit der ver­hee­ren­den »deut­schen Lage« beschäf­ti­gen. Daß die­se vor allem der eid­brü­chi­gen Kanz­le­rin zuge­schrie­ben wer­den muß, ist bis auf eine Aus­nah­me (Micha­el Wolff­s­ohn) Kon­sens. Ob es sich um die Iden­ti­täts­fra­ge, die Migra­ti­ons­kri­se, die Staats­kri­se oder die Über­frem­dung Deutsch­lands durch über eine Mil­li­on ille­gal ein­ge­drun­ge­ner moham­me­da­ni­scher Ori­en­ta­len und Afri­ka­ner han­delt: Es sind exis­ten­ti­el­le Fra­gen, die dra­ma­ti­scher nicht sein könn­ten und sich inzwi­schen zu mul­ti­kul­tu­rel­len Alp­träu­men aus­wach­sen, mit tag­täg­li­chen Mor­den, Ver­ge­wal­ti­gun­gen, schwe­ren Kör­per­ver­let­zun­gen und Ter­ror­ak­ten, vor­zugs­wei­se began­gen von »Flücht­lin­gen« an Deutschen.

In der End­pha­se von Mer­kels Kanz­ler­schaft »wer­den die Kon­flik­te zuneh­men«, schreibt Pli­ckert in sei­nem Vor­wort und skiz­ziert den Wahn­sinn der hie­si­gen Ver­hält­nis­se, der nichts wei­ter ist als die vor­sätz­li­che Zer­stö­rung Deutsch­lands als Sozi­al­staat und Kul­tur­na­ti­on. War­um dies auf so wenig Wider­stand stößt, ana­ly­siert der Medi­en­wis­sen­schaft­ler Nor­bert Bolz in sei­nem ful­mi­nan­ten Bei­trag »Mer­kels Erfolgs­ge­heim­nis. Über den auto­ri­tä­ren macht­po­li­ti­schen Stil der Kanz­le­rin«. Es sei die Ver­wei­ge­rung der Dis­pu­ta­ti­on, schreibt Bolz. Wider­wor­te gegen ihre Poli­tik der Umfor­mung Deutsch­lands wer­den als »nicht hilf­reich«, der eige­ne Oppor­tu­nis­mus bei der Ener­gie­wen­de als »alter­na­tiv­los« abge­tan. Am Anfang ihrer Kar­rie­re stand der eis­kal­te Vater­mord an Hel­mut Kohl; inzwi­schen umge­ben von Hof­schran­zen (Koch und Merz wur­den gna­den­los weg­ge­mobbt), ist der »radi­ka­le Umbau der Tra­di­ti­ons­par­tei CDU« (Bolz) zu einer rot­grün­la­ckier­ten Aller­welts­par­tei mit pseud­o­hu­ma­ni­ta­ris­ti­schen Phra­sen unter dem heuch­le­ri­schen Applaus der Main­stream­m­edi­en und der »Oppo­si­ti­on« abgeschlossen.

Der Domi­ni­ka­ner­pa­ter und Sozi­al­ethi­ker Wolf­gang Ocken­fels geht noch schär­fer ins Gericht mit der Ucker­mär­ke­rin. Zwar habe »die Aus­zeh­rung christ­li­cher Sub­stanz in der CDU-Pro­gram­ma­tik« schon vor Mer­kel begon­nen, die desas­trö­se und grund­ge­setz­wid­ri­ge Grenz­öff­nung im Herbst 2015 war jedoch der Höhe­punkt jener unse­li­gen »Moder­ni­sie­rung von oben«. Ocken­fels spricht auch die uner­hör­te »Papst-Schel­te« der Rau­ten­frau an, nach­dem Bene­dikt XVI. das Dekret zur Auf­he­bung der Exkom­mu­ni­ka­ti­on der Pius-Bischö­fe erließ, und in deren Gefol­ge von deut­schen Medi­en die ekel­haf­tes­ten Atta­cken gegen den Papst erfolg­ten. Mit Mer­kels DDR-Prä­gung beschäf­tigt sich der His­to­ri­ker Ralf Georg Reuth und kommt zu dem Schluß, daß die Pfar­rers­toch­ter im FDJ-Blau­hemd und »Sekre­tä­rin für Agi­ta­ti­on und Pro­pa­gan­da« – letz­te­res bestrei­tet sie ener­gisch – sich einer­seits oppor­tu­nis­tisch dem west­li­chen Zeit­geist anpaß­te, ande­rer­seits mit ihrer stim­mungs­ab­hän­gi­gen Poli­tik (Auf­he­bung der Wehr­pflicht, Aus­stieg aus der Kern­kraft etc.) ihre Par­tei pro­gram­ma­tisch ent­kern­te wie kei­ner ihrer Vor­gän­ger. Spe­zi­ell Deutsch­lands mit gebro­che­nen Ver­spre­chen gespick­ten ener­gie­po­li­ti­schen Son­der­weg unter­sucht der Wett­be­werbs­öko­nom Jus­tus Hau­camp. Sein ver­nich­ten­des Resü­mee: »Gefähr­lich stei­gen­de Strom­prei­se bei null Kli­ma­schutz­wir­kung.« Zudem wer­de eine gigan­ti­sche Ener­gie­plan­wirt­schaft gene­riert, an deren Ende die Ver­ab­schie­dung der ener­gie­in­ten­si­ven Indus­trie aus Deutsch­land stehe.

Die Publi­zis­tin und Schrift­stel­le­rin Cora Ste­phan beklagt die Feig­heit der Kanz­le­rin, die sich im »ent­schei­den­den Augen­blick« der Grenz­öff­nung weg­ge­duckt habe. In die­ser »exis­ten­ti­el­len Fra­ge« sieht die Autorin das deut­sche Volk ohne Ver­tre­ter, wäh­rend die Indus­trie­bos­se ange­sichts einer Mil­li­on unqua­li­fi­zier­ter Inva­so­ren von einem »neu­en deut­schen Wirt­schafts­wun­der« träu­men und Grü­nen-Che­fin Göring-Eckardt von »geschenk­ten Men­schen« phan­ta­siert, die »wert­vol­ler als Gold« (SPD-EU-Mil­lio­när Mar­tin Schulz) sei­en. Thi­lo Sar­ra­zin wirft sei­ner­seits der Kanz­le­rin vor, in ihrem Amts­eid geschwo­ren zu haben, Scha­den vom deut­schen Volk abzu­wen­den. Die­sen Eid habe sie »mit ihrem kopf­lo­sen Allein­gang in der Flücht­lings­po­li­tik« gebro­chen. Die­ser Ein­schät­zung stimmt auch die Sozio­lo­gin Nec­la Kelek in ihrem Bei­trag »Das Mär­chen von der Inte­gra­ti­on« zu: »Inte­gra­ti­on ist das Fake-Wort des Jahr­zehnts, die ein­zi­ge Lüge, für die es eine eige­ne Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung gibt. Ein Amt, des­sen Lei­te­rin bestän­dig dar­an arbei­tet, Deutsch­land die Iden­ti­tät zu neh­men.« Bes­ser kann man es nicht formulieren!

Wäh­rend der His­to­ri­ker und Poli­to­lo­ge Antho­ny Glees Mer­kels Bei­trag zum Bre­x­it her­vor­hebt, beschreibt Boris Kàl­no­ky ihre Schuld an der Ent­frem­dung der ost­mit­tel­eu­ro­päi­schen Staa­ten von Deutsch­land und betont der Wie­ner Jour­na­list Andre­as Unter­ber­ger das öster­rei­chi­sche Unver­ständ­nis für die Kanz­le­rin: »Von der Mut­ti Ger­ma­niae zur Minus­frau.« In Öster­reich sei mit ihr »nichts mehr zu gewinnen«.

In Deutsch­land sieht das vor­erst lei­der noch anders aus.

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Phil­ip Pli­ckerts Mer­kel. Eine kri­ti­sche Bilanz kann man hier bestel­len.

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