Alain de Benoist: Kulturrevolution von rechts

Alain de Benoist: Kulturrevolution von rechtsDresden: Jungeuropa 2017. 207 S., 16 €

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Der fran­zö­si­sche Phi­lo­soph Alain de Benoist gilt bei Freund und Feind als euro­päi­scher Vor­den­ker der Neu­en Rech­ten. Auch wenn der Ter­mi­nus ihm selbst mitt­ler­wei­le miß­fällt und man über Sinn und Zweck der Bezeich­nung fach­lich dis­ku­tie­ren mag, so ist pri­mär etwas ande­res zu bean­stan­den: Zum Vor­den­ker­sein gehör­te, daß die Tex­te auch stu­diert und rezi­piert wer­den. Dar­an hapert es bis heu­te inner­halb der deutsch­spra­chi­gen Neu­en Rech­ten, wo Benoist zwar als Name seit Jahr­zehn­ten zir­ku­liert, sei­ne fun­da­men­ta­len Denk­be­we­gun­gen aber zu sel­ten nach­voll­zo­gen und adap­tiert wer­den; anders ist es nicht zu erklä­ren, welch welt­an­schau­li­che Sta­gna­ti­on die kon­ser­va­ti­ve und neu­rech­te Sze­ne­rie domi­niert, welch feh­len­de Wei­ter­ent­wick­lung und Neu­jus­tie­rung poli­ti­scher Theo­rie­bil­dung in den letz­ten Jah­ren zu ver­zeich­nen ist.

Eine Viel­zahl der Schrif­ten von Benoist liegt dabei auch in Deutsch­land vor. Man müß­te mit ihnen – ob chro­no­lo­gisch oder the­ma­tisch grup­piert – eine umfas­sen­de Nach­hol­be­we­gung durch­füh­ren. Es ist ver­dienst­voll, daß sich der Jun­g­eu­ro­pa Ver­lag – unmit­tel­bar nach der deut­schen Erst-über­set­zung der Stra­te­gie­fi­bel Für eine posi­ti­ve Kri­tik Domi­ni­que Ven­ners – an eine Neu­auf­la­ge einer bis heu­te weg­wei­sen­den Benoist­schen Schlüs­sel­schrift gewagt hat. Kul­tur­re­vo­lu­ti­on von rechts erschien in deutsch­spra­chi­ger Fas­sung erst­mals 1985; sie war seit vie­len Jah­ren nur anti­qua­risch erhält­lich. Die Jung-euro­pa-Edi­ti­on ist sorg­fäl­tig bear­bei­tet und klug modi­fi­ziert wor­den: Armin Moh­lers Vor­wort wur­de bei­be­hal­ten, ein kun­di­ger Auf­satz von Micha­el Böhm zur aktu­el­len Bedeu­tung Benoists für non­kon­for­mes Den­ken hin­zu­ge­fügt, wäh­rend der alte, über­hol­te Anhang zu fran­zö­si­schen Pres­se­er­zeug­nis­sen der 1980er Jah­re weg­fiel. Anmer­kun­gen des Ver­lags sind zudem dort pla­ziert wor­den, wo der Leser von heu­te viel­leicht eine klei­ne Denk­hil­fe benö­tigt oder es aus ande­ren Grün­den hilf­reich erscheint.

Das Buch selbst ist eine exzel­len­te Hand­rei­chung für alle, die sich für Poli­tik jen­seits des Tages­be­triebs inter­es­sie­ren. Benoist ist einer der weni­gen Akteu­re, die die bahn­bre­chen­den Schrif­ten des Mar­xis­ten Anto­nio Gram­sci wirk­lich stu­diert haben. Mit Gram­sci weiß Benoist, daß Hege­mo­nie nur dann zu erlan­gen ist, wenn eine poli­ti­sche Bewe­gung ihre eige­nen Ideen im kul­tu­rel­len und im vor­po­li­ti­schen (meta­po­li­ti­schen) Raum als füh­rend zu set­zen ver­mag, was lang­fris­ti­gen »Stel­lungs­krieg« mit sich brin­gen kann. Ist dies gesche­hen, ver­fügt man also über die kul­tu­rel­le Hege­mo­nie in einer Gesell­schaft, kann wirk­mäch­ti­ge poli­ti­sche Hege­mo­nie fol­gen. Eine sol­che Theo­rie rich­tet sich spe­zi­ell gegen Ansät­ze, nach denen zual­ler­erst par­la­men­ta­ri­sche Wahl­er­fol­ge zu einer Ten­denz­wen­de führ­ten. Benoist hält dies für einen fata­len Trug­schluß –zunächst müs­se die gesell­schaft­li­che Stim­mung in eine ande­re Bahn gelenkt werden.

Das erfor­dert jedoch lang­fris­ti­ge Pla­nung und bis­wei­len viel Geduld. »Alle gro­ßen Revo­lu­tio­nen der Geschich­te«, so Benoist, »haben nichts ande­res getan, als eine Ent­wick­lung in die Tat umzu­set­zen, die sich zuvor schon unter­schwel­lig in den Geis­tern voll­zo­gen hat­te.« Ohne revo­lu­tio­nä­re Theo­rie kei­ne revo­lu­tio­nä­re Pra­xis, hieß es bei Lenin und Ven­ner. Alain de Benoist ergänzt, daß genau dies die »Rache der Theo­re­ti­ker« sei, »die nur schein­bar die gro­ßen Ver­lie­rer der Geschich­te sind«.

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Alain de Benoists Kul­tur­re­vo­lu­ti­on von rechts kann man hier bestel­len.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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