2. Mai 2018

Michael Ley/Martin Lichtmesz: Nationalmasochismus

Gastbeitrag / 12 Kommentare

von Felix Dirsch -- Daß Deutschland seit 1945 von der »Psychologie der Niederlage« (Thorsten Hinz) geprägt ist, bedarf keiner Diskussion.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession

Trotz der omnipräsenten Prägekräfte der negativen »Germanozentrik« (Ernst Nolte) ist die Zahl der Publikationen über das alle westlichen Länder betreffende Phänomen des »Nationalmasochismus« überschaubar. Im vorliegenden Sammelband untersuchen nun acht Autoren (großteils rechtsintellektuelle Schwergewichte) Herd und Hüter dieses psychologischen Schwelbrandes.

Der Publizist Martin Lichtmesz gibt am Anfang des Bandes einen Überblick über einige Karrierestationen des deutschen Selbsthasses. Die Anfänge reichen weit hinter die Reedukation von 1945 und die Folgejahre zurück, und doch steht für Lichtmesz der Nationalmasochismus als psychopathisches Reaktionsschema in einem komplementären Verhältnis zum Nationalsozialismus. Die gesinnungsethisch-autogenozidal ausgerichteten Willkommensklatscher und das sogenannte »Zentrum für politische Schönheit« sind die vorerst letzten Etappen hypermoralistischer Selbstinszenierungsversuche.

Der Politologe und Mitherausgeber Michael Ley untersucht die Folgen dieser Kollektivbefindlichkeiten. Die rasch zunehmende Islamisierung bedeutet für ihn Selbstvernichtung Europas. Ley zeigt anhand einiger Beispiele, wie groß der Wunsch nach Unterwerfung unter die neuen Herren ist.

In die gleiche Kerbe schlägt der Islam-Kritiker Michael Mannheimer. Er zeigt, wie sehr die neue Urschuld, der Zivilisationsbruch des Holocaust, eine eigentümliche Art von neuem Rassismus zutage fördert. Eine Katharsis ist aufgrund der Schwere der Schuld von vornherein ausgeschlossen. Auch ein neues Böses ist vorhanden: diesmal in Form der Rechten.

Die Philosophin Caroline Sommerfeld berichtet von amüsanten Gesprächen aus ihrem sozialen Umfeld, die den verbreiteten Hang zur Selbstdestruktion im Alltag untermauern. Der Ethnomasochist ist scheinbar immer und überall – in Wirklichkeit aber weithin auf bestimmte Milieus beschränkt. Dialoge mit ihrem Gatten, dem Germanisten Helmut Lethen (»H.«), der andere Meinungen vertritt, stellen die »Lust am Untergang« (Friedrich Sieburg) noch aus einer anderen Warte dar.

Der Islamwissenschaftler Tilmann Nagel hat sich in der Vergangenheit den Ruf eines realistischen Islam-Wahrnehmers erworben. Am Beispiel der Verhüllung der antiken Skulpturen vor den Kapitolinischen Museen anläßlich des Besuchs des iranischen Staatspräsidenten in Italien zeigt er symptomatisch die verbreitete »Verdeckung des Eigenen«.

Siegfried Gerlich wandelt auf den Spuren des Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing, wenn er die Charakterschwäche der Nation als Folge und Grund der Charakterwäsche thematisiert. Die Deutschen müssen büßen, so ein häufiges Diktum nach 1945. Die Erbschuld wird abgetragen in immer höheren Ablaßsummen – siehe etwa die Zahlungen für Griechenland –, sie versiegt aber nie. Die Einflüsse der Frankfurter Schule auf das deutsche Nachkriegsverhalten läßt der Autor nicht außer acht; ebenso berücksichtigt er das breite Spektrum der Freudo-Marxisten.

Der Publizist Andreas Unterberger will Identität, Heimat und Nation gegen die linksliberalen Eliten verteidigen. Dabei erörtert er die weltweite Lage der Migration: wo und unter welchen Bedingungen gelingt Zuwanderung? Am Ende steht die Erkenntnis, daß ein Staat nicht auf Gewalt verzichten kann, will er sich nicht selbst aufgeben. Versagen die zentripetalen Kräfte, droht ein Zerfall à la Libanon. Das furiose Finale liefert Lichtmesz mit seinen Notizen über den US-Ethnomasochismus.

Die Ereignisse von Charlottesville präsentierten letztes Jahr Anschauungsmaterial des Kampfes um die Erinnerung, der nicht selten blutig verläuft. Die ethnischen Konflikte dort werden in Zukunft anwachsen, das Rückzugsgefecht der WASP die US-Kultur nachhaltig beeinflussen. Lichtmesz belegt, wie sehr im »rassistisch«-antirassistischen Diskurs das »Mischungsverhältnis« künftiger Populationen eine Rolle spielt, quasi als äußerst mögliche Pervertierung der eigenen Ziele.

Der Sammelband beleuchtet ein facettenreiches Grundthema. Dieses bestimmt die politische Kultur schon heute in hohem Maße. Nicht nur aus diesem Grund ist die vorliegende Veröffentlichung eine der wichtigsten, die im Verlag Antaios bisher erschienen ist.

-- -- --

Michael Ley/Martin Lichtmesz: Nationalmasochismus, Schnellroda: Verlag Antaios 2018. 248 S., 19 €, hier bestellen.


 Gastbeitrag

Gastbeitrag

  • Sezession

Kommentare (12)

Wahrheitssucher
2. Mai 2018 13:24

Den "Nationalmasochismus" als eine äußerst wirkungsmächtige Erscheinungsform deutschen Denkens und Fühlens zu bestreiten, ist leider nicht möglich.

Dazu kommt noch etwas anderes:
Der "Antigermanismus" (dessen Geschichte noch nicht umfassend dargestellt worden ist) als eine Ursache beider Weltkriege ist auch heute trotz der Kriegsniederlagen immer noch wirksam.
Natürlich hängt beides zusammen und bedingt einander, aber letztlich kommt das eine von innen, das andere von außen und erscheint somit als eine Art Zangenbewegung.

Was wird aus Deutschland?

Anna-Lena
2. Mai 2018 16:01

Man sollte nie vergessen das dieser Schuldkomplex von Aussen induziert wurde.

Als ob man einer vergewaltigten Frau noch die Schuld für die Vergewaltigung gibt. Das hat in Deutschland zu einer Art "Stockholm - Syndrom" geführt.

Das sieht man schon daran daß solche Leute wie Friedman in unserem Land unbehelligt darumlaufen und Deutsche beleidigen können.

Andererseits: Von solchen Elementen beleidigt zu werden...

Was juckt es die deutsche Eiche...?

p.s.

Der Herr Mannheimer hatte sicher seine Verdienste. Allerdings scheint er in letzter Zeit etwas von der Rolle zu sein und sieht überall nur noch V-Leute und U_Boote ;)

heinrichbrueck
2. Mai 2018 16:35

Wir haben zwei Konstanten, mögen sie noch so variabel eingesetzt werden: das Geldsystem und den Krieg.

Wie zerstört man eine völkische Struktur? Entwurzelung.

Was ist Demokratie? Revolution gegen den König. In diesem Zusammenhang beginnt der Zivilisationsbruch 1789. Machtverlagerung. Nicht im Sinne des Volkes. Und die Lösung, wenn der Rückweg versperrt ist?

Jede Ausprägevariante der Französischen Revolution, ihre Ausgeburten, waren revolutionär. Auch ihre Art des gegenseitigen Abschlachtens, hatte im Ergebnis die Demokratie als Revolutionskampf in Permanenz. Demokratisch im Sinne der Revolution und des liberalen Abendlands. Sich von Hitlerhaß ablenken zu lassen, diese negative Fixierung auf die 12 Jahre, vernebelt das unvorstellbare Ziel.

Wer glaubt, in den Kindern seiner Feinde und ausländischen Importware, als Volk überleben zu können, muß wohl einer nicht unerheblichen Gehirnwäsche unterzogen worden sein.

Wenn das Eigene nicht mehr als Abendland gerettet werden kann, was ist das Eigene dann?

Old Linkerhand
2. Mai 2018 17:39

Es gibt einen unglaublich guten Artikel in der Sezession 48 · Juni 2012
Machterhalt – Einsichtselite
nach dem letzten Krieg von Thorsten Hinz.
Teile der alten Elite wurden zur Einsichtselite um Reste ihrer alten Macht zu behalten. Hinz beschreibt das sehr eindrucksvoll am Beispiel der Familie von Weizsäcker.

H. M. Richter
2. Mai 2018 19:53

"Was wird aus Deutschland?" [Wahrheitsucher]
_________________________________________________

Willy Wimmer, der vielen bekannte, ehemalige CDU-Staatssekretär, hat vor wenigen Tagen einen Vortrag gehalten, der sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie aus Deutschland das werden konnte, was gegenwärtig zu erleben ist; und er hat versucht, darauf eine Antwort zu geben.

Der gesamte Vortrag ist überaus empfehlenswert; wer wenig Zeit hat, sollte sich zumindest mit dem Teil ab ca. Minute 70 beschäftigen.

https://www.youtube.com/watch?v=75agTb0h8Vg

Bei Minute 56:13 wird ihm übrigens die Frage gestellt, "warum die CDU Frau Merkel nicht losbekäme". Wimmers Antwort soldatisch knapp: "Tja, die Frage hat sich 1944 schon mal gestellt."

Gut möglich, daß, wer dieses Vortrag gehört hat, auch die mögliche Motivlage für gegenwärtige Vorgänge in Österreich, welche die dortige IB betreffen, tiefer und besser zu verstehen in der Lage ist.

Möglicherweise auch (ab 1:13:27) die sich ins Gedächtnis von wohl so manchem eingefressenen, harten Sätze Raskolnikows vom 17. Dezember letzten Jahres:

"Der Krieg wird nach Europa kommen. Und dieser Gevatter fegt all' Eure Kinkerlitzchen hinfort...
2020 wird nichts mehr sein, wie es ist!"

https://twitter.com/RaskolnikowSiN/status/941517544791388162

halbautomat
3. Mai 2018 18:52

Ich habe das Buch sehr gerne und mit großem Erkenntnisgewinn gelesen.
Eine Frage zu der Rezension bleibt aber: Warum findet der (nicht nur) sprachlich fantastische Beitrag des Herrn Klonovsky keine Erwähnung?

Der_Juergen
3. Mai 2018 20:02

Ich finde es begrüssenswert, dass Michael Mannheimer im dem Sammelband mitschreibt. Dieser Mann, der lange Zeit ein reiner Islamkritiker war, hat sich inzwischen zu einem der mutigsten und profiliertesten Systemkritiker Deutschlands gewandelt. Er ist unser natürlicher Bundesgenosse.

Waldgaenger aus Schwaben
3. Mai 2018 20:29

Am letzten Brückentag saß ich in Ulm an der Donau im schönsten Frühling. Sprachfetzen fremder Zungen mischten sich mit den Rauschen der Donau. Dazwischen vereinzelt heimatliche schwäbische Laute, nur von alten Menschen.

Da ich seit kurzem ein kluges Telefon besitze gab ich ein: "Trakl Herbst" und fand dieses:

Im Herbst

Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,
Still sitzen Kranke im Sonnenschein.
Im Acker müh'n sich singend die Frau'n,
Die Klosterglocken läuten darein.

Die Vögel sagen dir ferne Mär,
Die Klosterglocken läuten darein.
Vom Hof tönt sanft die Geige her.
Heut keltern sie den braunen Wein.

Da zeigt der Mensch sich froh und lind.
Heut keltern sie den braunen Wein.
Weit offen die Totenkammern sind
Und schön bemalt vom Sonnenschein.
Georg Trakl
(Gedichtausgabe 1913)

"Weit offen die Totenkammern sind - 1913."

Ein Jahr vor dem großen Krieg ahnten damals empfindsame Gemüter das kommende Unheil. Aber als der Sturm dann los brach, erschrak die Masse nicht, weil nun unheilvolle Vorhersagen einzutreffen begannen.
Im Gegenteil, die Völker Europas stürzten in einen nationalen Rausch. Das Wüten endete dreißig Jahre später, als Millionen unter rauchenden Trümmern lagen.

Heute wieder dieser Wahnsinn, dieses Rasen gegen jede Vernunft, verdichtet in dem einem Satz : "Wir schaffen das!"

Ist es der Wunsch nach Erlösung vom Eigenen, der immer dann durchbricht, wenn in Zeiten aufbrechenden Wohlstands die Masse nicht mehr von Sorgen des Alltags niedergedrückt wird?

Vielleicht ist dies eine Erklärung.

Oder ist es die Versuchung Christi:

Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab;
denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten;
und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Der Teufel verführt uns wieder uns hinab zu stürzen. Doch kein Gott rettet uns.

Der_Juergen
4. Mai 2018 09:23

@Waldgänger

Danke für diesen wunderschönen Text und das Trakl-Gedicht!

Urwinkel
4. Mai 2018 20:50

@W. & Juergen:

"Ist es der Wunsch nach Erlösung vom Eigenen, der immer dann durchbricht, wenn in Zeiten aufbrechenden Wohlstands die Masse nicht mehr von Sorgen des Alltags niedergedrückt wird? "

S.g."Alltagssorgen" werden reium und neu-deffiniert. Das ist auch eine bittere Generationenfrage. Die heutigen Alten sind unrettbar verzogen und wissen es auch nicht besser. Die vermeintlich Oberschlauen unter ihnen verstecken sich unter einem zynisch-gefärbten Mantel, egal ob Sommers wie winters. Darunter linsen sie zeckenhaft hervor, und fragen dich: "Was hast du eigentlich für ein Problem?" Weitergedacht:"Uns geht es doch gut.". Aha! Das reicht aber nicht. Es ist keine schlüssige Erklärung für das Gutergehen. Spaß haben wollen? (beliebter Rechtfertigungsversuch übrigens jener, die nicht zugeben können, daß die Welt ein Dreckloch ist). Feine Idee, Waldgänger.

Urwinkel
4. Mai 2018 21:31

Das im Einklang erwähnte Buch "Die Psychologie der Niederlage" von Thorsten Hinz lungert in meinem Buchschrank bei den Universalwaffen(Büchern!). Die Hinz-entlehnte Bemerkung "Zurüstung zum Bürgerkrieg" wende ich übrigens auf fast alles-alltagsbrauchbares an. - No Pain, No Game, liebe Kids der honorigen Zukunft.

Andreas Walter
5. Mai 2018 11:29

Ich schließe mich Anna-Lena an.

Und auch "Raskolnikow".

In einer Welt, in der verbrämte Sklaverei und Krieg immer noch der Standard sind stehen wir doch gar nicht mal so schlecht da. Denn bei dem Schuldkomplex handelt es sich doch nur um eine willkommene Ausrede, um die Niederlage besser wegzustecken, zu rechtfertigen.

Das man aber eine "völkische Struktur" durch "Entwurzelung" "zerstört", das meint heinrichbrueck ja wohl nicht im ernst.

Die Deutschen haben lediglich noch zu viel zu verlieren, sonst wäre hier bereits der Teufel los. Das bestimmte Leute jetzt schon jammern hat andere Ursachen, bei denen gehört das Jammern zum Geschäft. Machen wir leider viel zu wenig und sprechen auch dann noch von Masochismus, selbst wenn wir ganz genau wissen wer die A. sind, die uns auf den S. gehen.

Allerdings lese ich auch oft englische Netzseiten, die sehr viel freier und dadurch auch brillanter mit allen Themen umgehen, selbst und gerade mit den von mancher Seite unerwünschten. Einschränkung auch der Redefreiheit ist darum ein viel grösseres Verbrechen sogar an der ganzen Menschheit, als auch gerade Deutsche sich dessen derzeit gewahr sind. Darum fällt vor allem Deutschland in vielen zukunftswichtigen Themen immer weiter zurück, sei es jetzt bei Genforschung oder Kernphysik wie auch in den Neuen Sozialwissenschaften. Eine der grössten Schwächen übrigens auch des Islam, weshalb die schon lange auf keinen grünen Zweig kommen.

Doch auch die nächste Weltwirtschaftskrise kommt so sicher wie das Amen in der Kirche, und dann werden die Karten neu gemischt. Diesmal nicht von uns, doch man weiß wer wir sind und was wir können. Wenn man uns machen lässt und den Rücken freihält. Es gibt darum nur wenige Länder, in denen wir Deutschen nicht willkommen sind. Es liegt daher an uns, unsere Kultur zu bewahren und weiterzugeben, zu verbreiten.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.