Rolf Peter Sieferle: “Epochenwechsel”

Felix Dirsch schreibt für uns über Rolf Peter Sieferle: Epochenwechsel. Die Deutschen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert  Landtverlag 2017.

 Gastbeitrag

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Der 2016 frei­wil­lig aus dem Leben geschie­de­ne His­to­ri­ker Rolf Peter Sie­fer­le ist nicht erst post­hum auf­grund eini­ger nach­ge­las­se­ner Refle­xio­nen, die unter dem Titel Finis Ger­ma­nia (2017) erschie­nen sind, in Ungna­de gefallen.

Als sein Werk Epo­chen­wech­sel 1994 in Erst­auf­la­ge publi­ziert wor­den war, ließ die FAZ das Buch von der Jour­na­lis­tin (und spä­ter geschei­ter­ten SPD-Poli­ti­ke­rin) Susan­ne Gasch­ke ver­rei­ßen. Sie ver­mu­te­te wohl mit Recht, daß sich hin­ter (auf die Shoa bezo­ge­nen) Sät­zen wie: »die mythi­sche Prä­senz in der Erin­ne­rung« mah­ne »zur Ein­hal­tung des Gebots des Huma­ni­ta­ris­mus und der Men­schen­wür­de«, Spreng­stoff verbirgt.

Knapp ein Vier­tel­jahr­hun­dert spä­ter ist die Bestands­auf­nah­me Sie­fer­les mehr denn je stu­die­rens­wert: Er beschreibt die Tra­di­ti­on der Bun­des­re­pu­blik als ein rela­tiv unpo­li­ti­sches, fast aus­schließ­lich auf Innen­po­li­tik und öko­no­mi­sche Satu­rie­rung aus­ge­rich­te­tes Gebil­de. Vor die­sem Hin­ter­grund skiz­ziert er die Meta­mor­pho­sen der wich­tigs­ten Ideo­lo­gie­krei­se von Libe­ra­lis­mus und Sozia­lis­mus auf der einen Sei­te und dem Natio­na­lis­mus auf der ande­ren. Die­se Dok­tri­nen ste­hen sich nach wie vor als Uni­ver­sa­lis­mus und Par­ti­ku­la­ris­mus gegenüber.

Dem Pro­zeß der Glo­ba­li­sie­rung (mit der par­ti­el­len Depo­ten­zie­rung des Natio­nal­staa­tes im Gefol­ge) wird gebüh­ren­de Auf­merk­sam­keit zuge­schrie­ben, die sich lang­sam ankün­di­gen­de Kom­mu­ni­ka­ti­ons­re­vo­lu­ti­on des elek­tro­ni­schen Net­zes noch nicht gese­hen. Somit wir­ken die Dar­le­gun­gen über Tech­nik aus heu­ti­ger Sicht eher wie ein Rück­blick auf frü­he­re Debatten.

Nach der Dar­stel­lung des umwelt­po­li­ti­schen The­mas, eines von Sie­fer­les Spe­zi­al­ge­bie­ten, fol­gen Über­le­gun­gen zu den Gren­zen des Uni­ver­sa­lis­mus. Die­se Aus­füh­run­gen sind teil­wei­se aktu­el­ler als vor 25 Jah­ren! Sie­fer­le stell­te damals schon das Pro­blem des Bür­gers von Ban­gla­desch her­aus, der auf dem Ter­ri­to­ri­um der Bun­des­re­pu­blik wie der Ein­hei­mi­sche ärzt­lich ver­sorgt wird, die Behand­lung aber nicht zah­len kann. Der von dem His­to­ri­ker her­vor­ge­ho­be­ne Zusam­men­hang von Natio­nal- und Sozi­al­staat ist erst in den letz­ten Jah­ren stär­ker ins öffent­li­che Bewußt­sein gerückt.

Die von Sie­fer­le kon­sta­tier­te post-poli­ti­sche Situa­ti­on scheint spä­tes­tens seit 2015 pas­sé. Sein Hin­weis, daß unter den gege­be­nen Umstän­den eine Sta­bi­li­sie­rungs­leis­tung der Herr­schen­den unter Berück­sich­ti­gung tra­dier­ter Ord­nungs­mo­dell wie des »preu­ßi­schen Sozia­lis­mus« nötig sei, mutet hin­ge­gen so aktu­ell wie mög­lich an. Aus man­chen theo­re­ti­schen Erör­te­run­gen ist mitt­ler­wei­le längst bit­te­rer Ernst gewor­den. Für die ton­an­ge­ben­de Schicht kein Grund umzu­keh­ren, son­dern auf den Ver­stor­be­nen um so hef­ti­ger einzuschlagen!

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Rolf Peter Sie­fer­les Epo­chen­wech­sel kann man hier bestel­len.

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Kommentare (1)

Andreas Walter

8. April 2018 21:54

„Das Böse kann man mit Gutem überwinden“

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus175274690/Muenster-nach-der-Amokfahrt-Das-Boese-kann-man-mit-Gutem-ueberwinden.html

Nein, Leute, kann man nicht. Wenn dem so wäre, dann wäre auch Jesus niemals am Kreuz gestorben.

Dieser Satz bezieht sich darum nur auf einen selbst, doch selten auch auf äussere Feinde. Er besagt lediglich, dass man bei sich selbst, in sich selbst das Gute finden und damit das eigene Böse überwinden kann. Dadurch erhöht man auch durchaus die Wahrscheinlichkeit, nicht als böse wahrgenommen und dadurch auch nicht bekämpft und angegriffen zu werden, mehr aber auch nicht. Für das organisierte Böse oder für Menschen mit Arg im Herzen bist du dann aber lediglich sogar ein ganz besonders leichtes Opfer oder eben willkommenes Ventil für fremde Frustration. Es gibt hunderte Berichte von Menschen, die als Christen trotz Unterwerfung oder auf der Suche nach Schutz in einer Kirche massakriert wurden. Lasst euch daher nicht täuschen, von falschen Propheten und Pharisäern. Einfach mal church massacre bei Google eingeben, dann seht ihr die Wirklichkeit. Oder hier, ein Beispiel auch von vielen aus Ruanda:

https://www.youtube.com/watch?v=HVpUEhyUrxA