Der Kampf um die Kultur oder: Politik mit der »Echokammer«

Die Kultur oder das, was dafür erklärt wird, ist eine Hauptkampflinie der weltanschaulichen Auseinandersetzung in Deutschland.

Michael Wiesberg

Michael Wiesberg ist Lektor und freier Publizist.

Hier zeigt sich, wer die „Dis­kurs­he­ge­mo­nie“ inne­hat und aus­übt. Seit Jahr­zehn­ten ist es das links­li­be­ra­le Milieu, das mehr oder weni­ger unein­ge­schränkt dar­über ent­schie­den hat, wo aus sei­ner Sicht die Gren­zen der Mei­nungs­frei­heit zu ver­or­ten sind und wann es Zeit ist, einen unbot­mä­ßi­gen Dis­kurs­teil­neh­mer im Sin­ne der „befrei­en­den Tole­ranz“ Mar­cu­ses mit Into­le­ranz zu begegnen.

Seit eini­ger Zeit aber ist fest­zu­stel­len, daß die­se Dis­kurs­he­ge­mo­nie brü­chi­ger wird; ihre Aus­gren­zungs­me­cha­nis­men wer­den selbst Gegen­stand der Kri­tik, sie­he aktu­ell die auch im „Main­stream“ kri­ti­schen Reak­tio­nen auf die Distan­zie­rung des Suhr­kamp Ver­la­ges von sei­nem Autor Uwe Tellkamp.

Der „Gesin­nungs­kor­ri­dor“, von dem die Dresd­ner Buch­händ­le­rin Susan­ne Dagen in einem Offe­nen Brief sprach, wird brei­ter für Posi­tio­nen, die sich den bes­tens geöl­ten links­li­be­ra­len Sprach­spie­len nicht oder nicht nicht mehr unter­wer­fen wol­len. Seit gerau­mer Zeit ist es en vogue, die­se Posi­tio­nen als „Popu­lis­mus“ zu denun­zie­ren. Popu­lis­ten, so weiß zum Bei­spiel Tobi­as J. Knob­lich, Kul­tur­di­rek­tor der Stadt Erfurt und Vize­prä­si­dent der Kul­tur­po­li­ti­schen Gesell­schaft, wünsch­ten sich angeb­lich „ein­fa­che Ant­wor­ten auf kom­ple­xe Her­aus­for­de­run­gen“, die sich auch „laut­stark arti­ku­lie­ren möchten“.

Die­ser „hete­ro­ge­ne Kreis“ eher „kon­ser­va­ti­ver Men­schen“ habe sich der AfD zuge­wandt. Knob­lich zeich­net die AfD in ein Nar­ra­tiv ein, für das sich im Suhr­kamp Ver­lag auch ein Buch fin­det; es trägt den bezie­hungs­rei­chen Titel „Die gro­ße Regres­si­on“. Das Buch doku­men­tiert vor allem eines: lin­ke Prä­po­tenz und den Wil­len, das über lan­ge Zeit hin­weg ein­ge­üb­te, in sich geschlos­se­ne Sys­tem der Ver­stän­di­gung aufrechtzuerhalten.

Für Kul­tur­funk­tio­nä­re wie Knob­lich reicht die in die­sem Buch von einer Inter­na­tio­na­le von Intel­lek­tu­el­len dar­ge­reich­te Deu­tung, daß Par­tei­en wie die AfD „Teil einer regre­die­ren­den Kul­tur­be­we­gung“ sei­en, „die die Glo­ba­li­sie­rung zurück­dre­hen“ wol­len und mit den „Kon­se­quen­zen unse­rer welt­wei­ten Ver­net­zung … nicht umge­hen“ könnten.

Inter­es­sant sei nach Knob­lich – was auch sonst – der Ver­gleich mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus. Auch wenn man die Anhän­ger der AfD nicht „pau­schal mit Nazis gleich­set­zen“ dür­fe, fie­len deren „schlich­te und auf Illu­sio­nie­rung ange­leg­te Nar­ra­ti­ve auf“.

Knob­lich führt als Sekun­dan­ten für sei­ne Behaup­tun­gen den Sozio­lo­gen Hart­mut Rosa ins Feld, der die The­se auf­stell­te, daß die „Poli­tik der Nazis“ „kei­ne Ant­wort­be­zie­hung zur Welt“ gestif­tet habe, son­dern „nur eine Echo­kam­mer für eine ima­gi­nier­te Volks­ge­mein­schaft“. Auf ähn­li­che Art und Wei­se insze­nie­re die AfD-Kul­tur­po­li­tik nach Knob­lich „Echo­kam­mern“, die einen rei­nen „Kol­lek­tiv­kör­per [zu] ima­gi­nie­ren“ und die „Bezie­hung zur Welt“ zu kap­pen trachteten.

Wei­ner­lich beklagt der Kul­tur­funk­tio­när, daß sich „Kulturpolitiker/innen in den letz­ten Jahr­zehn­ten inten­siv bemüht“ hät­ten, „Multi‑, Trans- und Inter­kul­tur zu defi­nie­ren“ und „star­re Iden­ti­täts­bil­der auf­zu­bre­chen“, und nun kom­me die AfD (oder auch ande­re „popu­lis­ti­sche Strö­mun­gen“) und beu­ge den von Bassam Tibi „euro­pä­isch gedach­ten“ „Topos Leit­kul­tur“ zu einem „deutsch-natio­na­len Exklu­si­ons­mo­dus“. Was für Ver­wer­fun­gen in Deutsch­land zu dem geführt haben, was hier als „Regres­si­on“ umschrie­ben wird, ist bei Knob­lich bezeich­nen­der­wei­se nicht Teil sei­ner Betrachtungen.

Tie­fer in die mög­li­chen Hin­ter­grün­de der „popu­lis­ti­schen Revol­te“ dringt der Ber­li­ner Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Wolf­gang Mer­kel ein, der einen tie­fen Gra­ben zwi­schen Kos­mo­po­li­ten und denen, die er als „Kom­mu­ni­ta­ris­ten“ bezeich­net, sieht.

Der Kos­mo­po­li­tis­mus sei sei­ner Mei­nung nach durch drei Prin­zi­pi­en gekenn­zeich­net, näm­lich durch „Indi­vi­dua­lis­mus, Uni­ver­sa­lis­mus und Offen­heit“. Ent­spre­chend prä­fe­rier­ten Kos­mo­po­li­ten „indi­vi­du­el­le Rech­te, erleich­ter­te Ein­bür­ge­rung, kul­tu­rel­len Plu­ra­lis­mus“ etc. Die Kom­mu­ni­ta­ris­ten hin­ge­gen stün­den für „über­schau­ba­re Gemein­schaf­ten“, „kon­trol­lier­te Gren­zen“, Beschrän­kung der Zuwan­de­rung, „kul­tu­rel­le Iden­ti­tät“ und den „Wert des sozia­len Zusammenhalts“.

Den gegen­wär­ti­gen Rechts­po­pu­lis­mus cha­rak­te­ri­siert Mer­kel als „nega­tiv-chau­vi­nis­ti­sche Form“ des Kom­mu­ni­ta­ris­mus. Kos­mo­po­li­ten fän­den sich in den Ober- und in den gebil­de­ten Mit­tel­schich­ten, vor allem aber auch in den Spit­zen­po­si­tio­nen von Wirt­schaft, Staat, Par­tei­en und Medien.

Auf­grund ihres Bil­dungs­hin­ter­grun­des sei­en Kos­mo­po­li­ten in der Lage, mit kul­tu­rel­len Unter­schie­den umzu­ge­hen (zu ergän­zen wäre hier, daß die­se Kli­en­tel in der Regel genug Geld ver­dient, um die­sen Unter­schie­den gege­be­nen­falls aus dem Weg zu gehen …).  Über­trägt man die­ses Deu­tungs­mus­ter auf die deut­sche Par­tei­en­land­schaft, dann ver­trä­ten die Grü­nen „am stärks­ten kos­mo­po­li­ti­sche“ und die AfD am „deut­lichs­ten kom­mu­ni­ta­ris­tisch-chau­vi­nis­ti­sche Positionen“.

Im glei­chen Maße, wie der kos­mo­po­li­ti­sche zum herr­schen­den Dis­kurs gewor­den sei, wur­de die Kri­tik an ihm „mora­lisch dele­gi­ti­miert“, was den Rechts­po­pu­lis­ten zum Bedau­ern Mer­kels den Kampf­be­griff „poli­ti­sche Kor­rekt­heit“ in die Hän­de gespielt habe. Durch­aus selbst­kri­tisch kommt der Ber­li­ner Poli­to­lo­ge zu der Ein­sicht, daß „öffent­li­che Dis­kur­se“, wenn sie demo­kra­tisch sein woll­ten, nicht aus‑, son­dern ein­schlie­ßen müssen.

Täten sie das nicht, form­ten sie „eine kul­tu­rel­le Hege­mo­nie“, die, wie Anto­nio Gram­sci gezeigt hat, die „Gedan­ken der Herr­schen­den zu den herr­schen­den Gedan­ken“ mache. Die Kos­mo­po­li­ten sei­en „selbst­ge­fäl­lig, behä­big und taub“ gegen die „da unten“ gewor­den. Arbei­ter­schaft und „unte­re Schich­ten“ wan­der­ten des­halb in Heer­scha­ren zu den Rechts­po­pu­lis­ten ab.

Mer­kel dringt dann zum Kern des Pro­blems vor, wenn er dar­an appel­liert, daß bestimm­te kom­mu­ni­ta­ris­ti­sche Posi­tio­nen wie der „demo­kra­ti­sche Wert des Natio­nal­staa­tes, die Tra­di­ti­on oder der Ver­lust der ver­trau­ten hei­mat­li­chen Lebens­welt“ nicht als „mora­lisch insuf­fi­zi­ent aus unse­ren Debat­ten“ aus­ge­grenzt wer­den dürften.

Der immer brei­te­re Gra­ben zwi­schen den kos­mo­po­li­tisch gestimm­ten, vor­wie­gend urba­nen Eli­ten und dem Emp­fin­den der „Nor­maldeut­schen“ steht auch im Mit­tel­punkt der Deu­tungs­ver­su­che des Kul­tur­so­zio­lo­gen Andre­as Reck­witz, der auf den Kul­tur­be­griff auf­setzt, den die UNESCO 1982 sehr weit gefaßt hat, näm­lich daß hier­un­ter nicht nur Lite­ra­tur, Musik oder Kunst zu ver­or­ten sei­en, son­dern auch „Lebens­for­men, die Grund­rech­te der Men­schen, Wer­te­sys­te­me, Tra­di­tio­nen und Glaubenseinrichtungen“.
In Abwand­lung der The­sen von Samu­el Hun­ting­ton, der einen Kampf zwi­schen reli­gi­ös gepräg­ten Kul­tur­krei­sen pro­gnos­ti­zier­te, sieht Reck­witz einen Kampf ver­schie­de­ner Kul­tur­ver­ständ­nis­se; er spricht von einem „Kampf um die Kul­tur“. In der „Zeit“ vom 15. Dezem­ber 2016 stellt Reck­witz zum Bei­spiel fest:

„Was wir beob­ach­ten, ist kein simp­ler Kampf zwi­schen den Kul­tu­ren, son­dern ein Kampf um die Kul­tur, ein Kon­flikt um den Stel­len­wert, den die Gesell­schaft der Kul­tur zuschreibt, und die Fra­ge, wie sie mit dem umgeht, was wir Kul­tur nen­nen. Hier ste­hen nicht unend­lich vie­le, son­dern genau zwei gegen­sätz­li­che Fas­sun­gen von Kul­tur mit­ein­an­der im Wider­streit: die Hyper­kul­tur und der Kulturessenzialismus.“

Was Mer­kel als Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Kos­mo­po­li­tis­mus und Kom­mu­ni­ta­ris­mus faßt, ist bei Reck­witz der Wider­streit zwi­schen Hyper­kul­tur und Kul­tures­sen­zia­lis­mus. „Diver­si­tät“ und „Kos­mo­po­li­tis­mus“ sei­en Leit­be­grif­fe der Hyper­kul­tur. „Diver­si­tät“ sei aus Sicht der Kos­mo­po­li­ten posi­tiv besetzt, weil sie den „Raum der kul­tu­rel­len Res­sour­cen aus­dehnt und zu ‚berei­chern‘ ver­spricht“. Ihre Trä­ger leb­ten im urba­nen Bereich, Kul­tur ver­stün­den sie im Sin­ne eines Gewäh­ren­las­sens, in der die Bur­ka als „Iden­ti­täts­mar­ker“ neben den Tat­toos der „Hips­ter“ steht.

In schar­fer Abset­zung dazu steht der Kul­tures­sen­zia­lis­mus für eine „Kul­tur der Iden­ti­tät“, der die Ver­tre­ter der „Hyper­kul­tur“ in den Modus eines Kamp­fes „zwi­schen der offe­nen Gesell­schaft und ihren Fein­den“ wech­seln las­se. Reck­witz kommt zu dem Schluß, daß die „Spät­mo­der­ne“ durch „einen Kon­flikt die­ser bei­den Kul­tu­ra­li­sie­rungs­re­gimes gekenn­zeich­net [ist], die in einer wider­sprüch­li­chen Kon­stel­la­ti­on von Öff­nung und Schlie­ßung münden“.

Auf der einen Sei­te steht zuge­spitzt das „Plä­doy­er für eine kul­tu­rel­le Welt­in­nen­po­li­tik“, das Oli­ver Scheytt, Prä­si­dent der Kul­tur­po­li­ti­schen Gesell­schaft, in sei­ner Begrü­ßungs­re­de auf dem 9. Kul­tur­po­li­ti­schen Bun­des­kon­greß im Juni 2017 hielt, und auf der ande­ren Sei­te die Behaup­tung des Rechts auf kul­tu­rel­le Differenz.

Das Lau­ter­wer­den der Stim­men der­je­ni­gen, die die­ses Recht im öffent­li­chen Dis­kurs offen­siv ver­tre­ten, zeigt, daß das Kul­tu­ra­li­sie­rungs­re­gime der Hyper­kul­tu­ra­lis­ten auch in Deutsch­land an sei­ne Gren­zen gekom­men ist und der „Kampf um die Kul­tur“ voll ent­brannt ist.

Ein Grund hier­für sind unter ande­rem die Fol­gen der ver­ant­wor­tungs­lo­sen Migra­ti­ons­po­li­tik der Regie­rung Mer­kel, der nun eine unheil­vol­le Neu­auf­la­ge beschert wird. Die „gro­ße Regres­si­on“, die oben von Tobi­as J. Knob­lich so wort­reich beklagt wur­de, ist womög­lich die letz­te Chan­ce, die Eigen­art der über Jahr­hun­der­te gewach­se­nen natio­na­len Kul­tu­ren Euro­pas zu bewahren.

Im Ver­gleich zu ande­ren Län­dern, wo die „regre­die­ren­den“ Strö­mun­gen schon deut­lich wei­ter sind, zeigt sich Deutsch­land wohl nicht zuletzt auf­grund sei­ner jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit in die­ser Fra­ge als „ver­spä­te­te Nation“.

Michael Wiesberg

Michael Wiesberg ist Lektor und freier Publizist.

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Kommentare (3)

quarz

12. März 2018 12:36

Zwei Anmerkungen:

1) "nur eine Echokammer für eine imaginierte Volksgemeinschaft ... daß sich „Kulturpolitiker/innen in den letzten Jahrzehnten intensiv bemüht“ hätten, „Multi-, Trans- und Interkultur zu definieren“

Was real und was nur imaginiert (bzw. definiert) ist, zeigt sich an den Wirkungszusammenhängen. Der Begriff der (graduellen) ethnischen Homo- bzw. Heterogenität wurde sozialwissenschaftlich in verschiedenen Varianten definiert mit anderen Begriffen in Zusammenhang gebracht. Und dabei hat sich eine (gerade für die Sozialwissenschaften) erstaunliche Hartnäckigkeit der empirischen Realität gezeigt: Ethnische Heterogenität korreliert mit vielen Merkmalen, die für eine Gesellschaft schädlich sind. Kurz: die gesellschaftliche Schädlichkeit von Multikulti ist auch für diejenigen wissenschaftlich erwiesen, die behaupten, sie in ihrer Alltagserfahrung nicht zu entdecken.

2) Die durch "Diversität" geprägte Kultur ist eine parasitäre kulturelle Lebensform, die sich aus monokulturellen Quellen speist, die ihr die Komponenten ihres Daseins liefern. Indem nun die Diversity-Jünger typischerweise die von ihnen präferierte Gesellschaftsform gegenüber den monokulturellen Formen als höherwertig betrachten, werten sie genau diejenigen ab, die zu achten sie in besonderem Maße vorgeben.

Gustav Grambauer

12. März 2018 14:01

Die Kosmopoliten sind in verschwindender Minderzahl. Warum wird der Kosmopolitismus dennoch so breit abgedeckt?

Spielen wir mal Käpt`n Spock (hihihi ...) und schauen uns die Eroberung eines Planeten als unbefangene Betrachter an. Was werden die Eroberer den Bewohnern sagen? Bingo: "Vergeßt all eure (kulturellen) Wurzeln, werdet alle Kosmopoliten!".

(Wie reibungslos sich der Deutsche mit seinem Eroberer identifiziert ließ sich 1945 und 1989 sehr gut studieren.)

Nun soll der - weitgehend eroberte - Planet aber auch regiert bzw. die Herrschaft gehalten werden. Dazu ist es notwendig, ihn unter einer Ideologie zu einen. Dazu hatte der Rote Stern schon die fünf Kontinente symbolisiert, später haben die Kulturmarxisten die grüne Ideologie als Welt-Einheits-Kitt zu nutzen versucht. Aber geradezu klassisch bietet sich auch hier wieder der Kosmopolitismus an, da er noch viel breiter wirken kann und frei von - zunehmend als gefährlich eingeschätzter - Hegelscher Dialektik, Emanzipationstriefigkeit, Möglichkeiten des "Mißverständnisses" mit "nationalen Befreiungsbewegungen" usw. oder Rückkoppelungen wie z. B. noch bei Bahro mit "kommunitärer Subsistenzwirtschaft", mit einem Wort: smarter ist.

Es ist sogar gelungen, daß ganze Massen die Ängste des Eroberers (vor Kontrollverlust) auf sich selbst übertragen. Dies kommt - ausgespropchen oder unausgesprochen - in fast jedem Gespräch mit bunten und sogar weniger bunten Mäxchen und Lieschen über die Situation zum Ausdruck: sie beschwören - indirekt oder direkt, unreflektiert oder reflektiert - ihre (dessen!) Angst vor der sogenannten "Spaltung der Gesellschaft", als wenn ihnen das Gerippe von Johannes Rau aus dem Grab heraus unentwegt "Versöhnen statt spalten" ins Ohr flüstern würde. (Wie gesagt: dieses "Versöhnen" ist - immer - rein herrschaftstechnisch intendiert.)

Dazu haben sie sogar die Pille des Kosmopolitismus geschluckt und halten an ihm fest, auch wenn er sogar ganz vordergründig ihren eigenen Interessen zuwiderläuft und ihnen innerlich womöglich sogar zuwider ist. Dieses Festhalten erklärt sich, um es noch einmal in aller Klarheit zu sagen, großteils nur aus dem Bann der auf sie übertragenen und von ihnen internalisierten Angst des Eroberers um dessen Ideologie-Kitt für das eroberte Gebiet.

Diese Angst führt bei Mäxchen und Lieschen nicht nur zu einem langweiligen, fremdbestimmten (irrationalen, ja: irrsinnigen) Dahinvegetieren als Heuchler sondern sie ist vor allem, in deren wohlverstandenem Interesse gesagt, selbstzerstörerisch. Man sollte den Leuten sagen, daß die sogenannte "Gesellschaft" sowieso eine Schimäre bzw. ein Konstrukt ist und daß sie sich besser auf das unvermeidliche Offenbar-Werden dessen und damit auf die Zerschmetterung der mit ihr gegebenen Illusionen einstellen sollten. Den etwas Mutigeren sollte man auch sagen, daß "Versöhnen ..." stinklangweilig ist und mit dem Aufbrechen dieses Popanz für sie selbst spannende und lehrreiche Zeiten kommen werden. Den Christen unter ihnen sollte man sagen, daß Christus gespalten (polarisiert) hat wo und soviel er nur konnte!

- G. G.

Cacatum non est pictum

12. März 2018 22:32

"Ihre Träger lebten im urbanen Bereich, Kultur verstünden sie im Sinne eines Gewährenlassens, in der die Burka als 'Identitätsmarker' neben den Tattoos der 'Hipster' steht."

Jaja, unsere Merkurianer. Füttern ihre feuchten kulturvernichtenden Phantasien mit der letzten Substanz, die unserem Gemeinwesen noch Halt verleiht. Das Schöne ist ja: Wenn der Turm zusammenkracht, weil das Fundament ausgehöhlt ist, wird dieser Menschenschlag einfach weggespült werden. In der Gesellschaft, die einem solchen Kollaps folgt, sind andere Charaktere gefragt als jene, die noch die lebensfeindlichste Perversität als Signum des Fortschritts durchgehen lassen.

Ansonsten bleibt zu sagen: Die Epigonen der 68er haben den geordneten Rückzug angetreten. Sie räumen Stellung um Stellung und lassen zwischendurch noch sperrfeuerartige Salven kommen, um von ihrer Ohnmacht abzulenken. Das wird mit jedem anbrechenden Tag deutlicher. Ob es dann, wenn sich diese Leute endgültig ins Reservat verpieselt haben oder massenhaft desertiert sind, besser wird als vorher, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wird es anders. Sie haben die Schraube überdreht, und nach fest kommt ab.