Sezession
26. März 2018

„The Green Lie“ und die ökosoziale Idee

Gastbeitrag / 9 Kommentare

von Wolfgang Dvorak-Stocker – "The Green Lie" ist der neueste Film von Werner Boote, in dem er die grünen Lügen der Konzerne widerlegen will. Boote (hier der Trailer) argumentiert gegen die Behauptung, wir müßten nur die richtigen Produkte kaufen, um die Erde zu retten. Sein Tenor: Nachhaltigkeit ist nur ein Schlagwort, die Konzerne betreiben „Green-Washing“, um die Konsumenten zu beruhigen und mehr ihrer teureren Produkte zu verkaufen.

Das wird an einigen wenigen Beispielen exemplifiziert, den größten Raum nimmt das Palmöl ein, das sich in den meisten industriellen Lebensmitteln findet, von Schokolade bis hin zu Nudeln. Und da hat er, ohne Frage, recht: Nachhaltiges Palmöl gibt es nicht, die Palmölproduktion läuft immer auf ein Niederbrennen des Regenwaldes hinaus und hat fatale Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung.

Der österreichische Bauernrebell Leo Steinbichler  kämpft schon seit Jahren gegen die Palmölindustrie und auch wir haben darüber mehrfach berichtet, etwa in der Neuen Ordnung. Werner Boote (der Macher von Plastic Planet) hat auch recht, daß die Konsumgesellschaft, die immer alle Waren günstig verfügbar halten will, systemimmanent zu einer Umweltkatastrophe führen muß. Dennoch weist der Film in die falsche Richtung.

Da verkündet ein Noam Chomsky, daß nicht nur die Macht der multinationalen Konzerne gebrochen werden müsse, sondern die Macht aller Konzerne, ja aller Hierarchien! Und am Ende des Films sieht man, daß Boote seine Hoffnung auf die Zivilgesellschaft, auf die NGOs und Demonstrationen setzt. „Kapitalismus zerstören, nicht das Klima“, lautet der Slogan der vor die Kamera gehaltenen Plakate. Doch ist wirklich der Kapitalismus schuld? Waren es nicht die sozialistischen Staaten, die die größten Umweltkatastrophen verursachten, das Waldsterben in Mitteleuropa etwa oder die völlige Vernichtung des einst viertgrößten Sees der Welt, des Aralsees in der Sowjetunion?

Für Boote ist der Individualverkehr die Quelle vielen Übels. Aber in der SU fuhren (fast) alle mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und die Umweltzerstörung erreichte dennoch Rekordwerte. Was also ist die Lösung? Sie wird in der Mitte des Films von einem amerikanischen Professor angedeutet: Es kann nicht sein, sagt er, daß die Frage einer ökologisch und sozial vertretbaren Produktionsweise der Kaufentscheidung der Konsumenten überlassen bleibt. Dies sicherzustellen, sind die Staaten da. Recht hat er! „Markt, Arbeitsteilung, Kommerzialisierung, Konkurrenz, ökonomische Rationalität – sie haben mit anderen Dingen gemein, daß es für ihre Anwendungen ein Optimum gibt, von dem ab der Schaden den Nutzen zu übersteigen beginnt“, schreibt Erik Lehnert in der Sezession vom Februar 2018.

Die Nationalstaaten sind gefordert – und die EU wäre es, wenn sie nicht schon längst die Beute der multinationalen Konzerne geworden wäre. Was heißt das? Doch nur, daß wir als Staatsvolk, als Demokratie bestimmen müssen, welche Produktionsmethoden wir für bei uns verkaufbare Güter als akzeptabel erachten. Also: Keine Sklaverei, keine Kinderarbeit, angemessene Löhne für die Arbeiter, keine Umweltzerstörung, Tiergerechtigkeit, kein Einsatz von für die Konsumenten oder Produzenten schädlichen Chemikalien usw. Klar, daß es dann manche Produkte nicht mehr geben wird oder daß sie sehr viel mehr kosten. Im Film wird das Beispiel „Pringles“ erwähnt.

Diese müßten bei einer umweltgerechten Produktionsweise ein Vielfaches kosten. Wo ist das Problem? Wenn Chips ein Luxusprodukt sind, werden eben weniger Chips gegessen, was sich nur positiv auf die Volksgesundheit auswirken kann – oder? Die Wirtschaft muß den Völkern dienen, nicht umgekehrt! Wenn es nun eine von den USA ausgehende Bewegung gegen den unbeschränkten Freihandel gibt: Gut so! Denn auch für den Freihandel gilt das oben gesagte: Es gibt ein Optimum, bis zu dem er wohlstandsvermehrend wirkt und ab dem er mehr schadet als nutzt. Die Nationalstaaten, oder – wenn sie wieder im Dienste der europäischen Völker steht – die EU sind gefragt.

Das Konzept der ökosozialen Marktwirtschaft, einst propagiert vom österreichischen Landwirtschaftsminister und Vizekanzler Josef Riegler, wäre hier ähnlich zielführend, wie in den 1950er Jahren die soziale Marktwirtschaft die Armutsfrage lösen konnte. Schade, daß diese richtige Idee zu einem bloßen Mobilisierungsslogan für christlich-soziale Funktionäre verkommen ist. Sie wäre geeignet, ein neues Paradigma zu begründen, auf das sich die verschiedensten Parteien von Grün bis Blau einigen könnten und zugleich beinhaltet sie den einzigen funktionierenden Schlüssel für einen nichtkatastrophischen Umbau unseres Wirtschaftssystems hin zu einer tatsächlich nachhaltigen, nicht umwelt- und naturzerstörenden Produktionsweise!


 Gastbeitrag

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Kommentare (9)

Der Gehenkte
26. März 2018 14:04

Dvorack-Stocker spricht das heikelste und komplexeste Thema an, das sich in dieser Kürze gar nicht besprechen läßt. Letztlich steckt doch der Gedanke der Öko-Diktatur dahinter. Vor dieser hatte Bahro schon vor 30 Jahren gewarnt und sie wird kommen in dieser oder jeder Form. Nur wo liegt dann noch die Differenz zu den Grünen? Muß es überhaupt eine geben? Ich glaube, der Konservatismus muß die grüne Bewegung fressen ...

Fakt ist, die Rechte muß diesen Diskurs endlich führen, weil sie als einzige politische Kraft den Kerngedanken organisch in sich beherbergt: Abrüstung, Verzicht, Konservierung, Hege - aber nicht alternativlosen Verzicht, sondern materieller Verlust muß durch ideellen Gewinn kompensiert werden, sonst ist der Rück- und Umbau nicht zu machen. Ob man dafür Kapitalismuskritik benötigt, ist schon mal eine Frage.

Nirgendwo sonst ist es essentiell, sich der Realität zu stellen, denn die schönsten Projekte taugen nichts, wenn sie die Menschen in ihrer derzeitigen Verfassung überfordern. Daran hakt es bei der Rechten massiv, wie auch bei der Linken: man lebt in Idealwelten, in denen ist, was sein soll.

Übrigens ist Sieferle in dieser Frage eine viel kompetentere Quelle als in der Frage der Massenmigration - und beide Fragen sind vielfältig ineinander verwoben.

Nebenbei: Die Öko-Bilanz Kapitalismus-Sozialismus ist ebenfalls komplexer. Ja, die Flüsse im Osten waren tot, aber in den Regalen gab es nur ein Waschmittel und das wurde auch sparsamer verwendet ... Zudem haben sich die sozialistischen Staaten auf den exterministsichen Kurs begeben, weil man fälschlicherweise davon ausging, daß der Kommunismus den Kapitalismus ökonomisch überflügeln und es materielle Sorglosigkeit geben müsse - man hat sich im Osten kapitalistischer Logik bedient, um den Kapitalismus zu schlagen - ein Irrsinn.

Gustav Grambauer
26. März 2018 18:02

Plastic Planet:

Hier in der Schweiz gibt es kein sog. Littering, nicht mal in Zürich-West. Plastik-Müll wird durchweg strikt getrennt erfaßt. Ich räume ein: nur lebensmittelechter, war aber mal Zeuge, wie jemand eine leere Geschirrwaschmittel-Flasche in den PET-Schacht (also für lebensmittelechte Plastik) eingeworfen hat und die Umstehenden ihn angekeift haben als würde er gerade ihren Brunnen vergiften. Das läuft also, auch dank jahrzehntelanger im Kindergarten beginnender Umwelt-Erziehung, und Händler wie Gemeinden verdienen exzellent daran. In der Industrie läuft es sowieso. Der Teil Plastik, der in den Abfall ("Huskehricht") geht, landet in einer Müllverbrennungsanlage mit weltbester Öko-Bilanz. Es gibt hier also kaum ein Gramm Plastik, das nicht seinen vorbestimmten Weg geht. Bin immer wieder erstaunt, daß die Flüsse mitten und hinter den Städten hier völlig frei von jedweden Abfällen sind. Das nächste Meer ist 500 km entfernt.

Dennoch wird den Leuten ziemlich direkt eingehämmert, sie würden bereits unmittelbar mit dem Akt des Abreißens eines Sackes an der Kasse hier im Dorfladen die Eingeweide von armen kleinen süßen Delphinbabies im Pazifik mit Plastik verstopfen. Hier gleich der erste (nicht unwahrscheinlich bestbezahlte) Treffer bei Google, ein Schweizer Portal:

https://www.nachhaltigleben.ch/natur/umweltzerstoerung/plastikmuell-im-meer-wie-er-dem-oekosystem-meer-vor-allem-tieren-schadet-3177

Dabei wird ganz offensichtlich eine hoch-angebundene Denkfigur bis nach unten durchdekliniert, und diese wurde ganz sicher in einem ziemlich hoch-angebundenen Think-Tank zur Bewußtseinslenkung hier im Westen (!) ausgeheckt. Die Lancierung des Films "Plastic Planet" wird bei diesem Projekt eine Zwischenstufe, ein sog. Mile Stone, gewesen sein. Worum wird es bei dieser Psy-Op gehen?:

- um die Bindung an das System durch die Verankerung der Dramatik "Verunsicherung - Verstörung - Verzweiflung" / "Aber wir schaffen das". In ein paar Jahren wird die Presse voller Stolz berichten: "Die Schweizer Lebensmittelmarkt-Kassen sind plastikfrei. Alle Stakeholders haben dabei an einem Strang gezogen." (Und dann wird das nächste Projektziel verkündet.)
- dabei um Erwachsenenerziehung zur Unterwerfung unter "höhere" und vor allem kollektive, von der Elite definierte Notwendigkeiten
- um Schuld-Einimpfung
- um die Ausweitung der Manipulationsfähigkeit bei Brechung aller Vernunfterwägungen
- damit zugleich um die Ausweitung der (Selbst-)Entwürdigung, vor allem der Heerscharen der Multiplikatoren
- um das Einschlagen von psychologischen Pflöcken für die geplante Ökodiktatura ("2.000-Watt-Gesellschaft")
- bzw. zur Einstimmung auf diese
- unterschwellig und indirekt: auch um die Durchstellung der Peak-Oil-Doktrin in die Herde hinein.

Pjakin betont immer wieder die Eminenz der kommenden koreanischen Wiedervereinigung für die globale Elite, da es dort um die Amalgamierung des Typus Smartphone-Idiot-Süd mit dem Typus rotlichtbestrahlter Arbeitssklave-Nord gehen wird - mit Modellcharakter für die gesamte Zivilisation. Auf dem Weg dorthin haben die Ingenieure der menschlichen Seele für die westliche Welt, also für uns, als Internalisation Tools NLP-gerecht zwei Anchor Identities entwickelt: den LOHAS und den LOVOS.

https://de.wikipedia.org/wiki/LOHAS

- Bekomme schon beim Lesen Ekel-Schübe, obwohl ich von dorther sogar selbst zu einem ziemlich hohen Grade als LOHAS kategorisiert werden würde. Bin gewiß auch kein Plastik-Freund. -

... und die eigentlichen Probleme bleiben ungelöst und sollen nach der Intention von WWF & Co. auch ungelöst bleiben: man google "haiti plastic waste atlantic" / Bilder.

- G. G.

Andreas Walter
26. März 2018 18:56

Also "Ökosoziale Marktwirtschaft" und "Global Marshall Plan Initiative" (beides auf Wikipedia).

Das wird ohne eine Superdiktatur nicht gehen. Dazu bräuchte man theoretisch eine Armee, die jede Nation oder auch Gruppe auf der Welt in der Lage wäre sofort in die Knie, zur Kapitulation zu zwingen, oder auch Zusammenschlüsse mehrerer Nationen und/oder Gruppen. Das gibt es nicht einmal jetzt, trotz 15.000 Atombomben und Millionen Soldaten unter Waffen. Wir können derzeit daher froh sein, dass es wenigstens so etwas wie das "Gleichgewicht des Schreckens" gibt.

Ich habe gestern Abend und heute Morgen versucht mal grob auszurechnen ob es theoretisch möglich wäre, einen Genozid an den 5 Millionen Weissen in Südafrika zu verhindern. Wäre jedoch technisch aus mehreren Gründen nicht möglich, selbst wenn Schiffe wie die "MS Symphony of the Seas" theoretisch auch 20.000-25.000 Menschen für kurze Zeit beherbergen und transportieren könnte.
Bis auch solche Schiffe aber dann dort wären sind bereits 10 Tage vergangen. Kriegsschiffe bräuchten für 10.000 Kilometer aber auch etwa 1 Woche, bis sie vor Ort wären, doch auch das nur bei gutem Wetter während der gesamten Überfahrt. Der Faktor Zeit wäre aber ebenso auch für eine schnelle Eingreiftruppe von ausreichender Grösse und Bewaffnung dann mit Flugzeugen ein gewaltiges logistisches Problem, gerade auch gegen einen bewaffneten Gegner.

Vorstellen kann man sich daher viel, machbar ist nur wenig und noch weniger wird dann tatsächlich getan.

Mit 40.000 Thoriumbrütern à 1 GW würde ich die Welt "retten", doch (auch) auf mich hört ja auch niemand.

"Mehr Energie für alle" aus Kernkraft wäre aber zumindest kein Diebstahl, so wie der Kapitalismus oder Marxismus oder ähnliche Formen der Sklaverei und Ausbeutung, auch die der Natur. Es kommt nämlich auf den EROEI an, das Verhältnis von Input zu Output:

https://www.youtube.com/watch?v=Cb15C9eey8s

"Energy returned on energy invested", auf Wikipedia

Einfach weil der Mensch faul und bequem, opportunistisch ist, und das muss man eben bei allem immer berücksichtigen. Ist aber in der Tat alles viel zu kompliziert, um das hier in wenigen Worten alles zu erläutern.

Thomas Martini
27. März 2018 02:07

"Die Nationalstaaten sind gefordert..."

"Die Nationalstaaten [...] sind gefragt..."

Die Nationalstaaten sind Geschichte.

Kuonirat
27. März 2018 06:14

Wie wahr, wie wahr, lieber Herr Dvorak-Stocker!

Wenn die AfD beginnen würde, sich engagiert und offensiv im Sinne Ihres Artikels einzubringen, erführe die Globalisierungskritik von rechts gewiss einen enormen Glaubwürdigkeitsschub in weiten Teilen der Gesellschaft.

nom de guerre
27. März 2018 10:37

Den Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen und würde mich über eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema freuen. Leider wurde es viel zu lange weitgehend den Linken (Grünen) überlassen.

Heino Bosselmann
27. März 2018 11:12

Sehr kluger Beitrag, insofern der Autor darauf kommt, daß es eben politisch gesetzter Regularien bedarf, die einer Entgrenzung des Ökonomismus resp. Konsumismus entgegenwirken. Etwas lax nachgeredet: In einer pauschalen Weise dürfte man wohl sagen: Kapitalismus war immer, vermutlich deswegen, weil er auf eine Weise wirtschaftet, die viabel mit unserem anthropologischen Wesen korreliert. An gesellschaftlicher Produktion, privater Aneignung, dem Profit als Motiv und der Akkumulation, Konzentration und Zentralisierung von Kapital hat sich seit Marx‘ resp. Smith‘ Gedanken nichts geändert. Nur wurde das Besteck zur Verwurstung des Planeten und des Menschen perfekter. – Als es weltgeschichtlich noch keinen Kapitalismus gab, gab es einfach noch nicht die Mittel der Produktion und Konsumtion dazu. Jedoch sind alle Produktionsweisen zuvor genetisch bereits kapitalistisch, indem sie bereits Motiven Folgen, die wir heute als "kapitalistisch" identifizieren. Und der Markt war schon für den mittelalterlichen Menschen der Mittelpunkt der Stadt.

Aufgewachsen im Warenmangel des Sozialismus, blieb es mir bis heute fremd, weshalb „der Westen“ das irrwitzige Konsumieren („Think big!“, „Kingsize!“, „Bezahle zwei, erhalte drei!“) beinahe als demokratische Tugend preist. Offenbar wird es als staatbürgerlicher Beitrag angesehen, mit einem SUV dick shoppen zu fahren. Der Utilitarismus des Konsumenten soll sich mit dem Utilitarismus des vermeintlich Demokratischen decken.

Aber: Wer ist denn Agens im Kapitalismus? Die Kapitalisten? Mindestens doch ebenso die Konsumenten. Von denen man Beschränkung kraft ethischer oder ökologischer Problematisierung nicht erwarten darf. Gerade die Linken und Grünen moralisieren zwar politisch auf unangenehm didaktische Weise, leben persönlich aber ihren Hedonismus aus wie alle anderen und tun sich keine Zwänge an. Alexander Grau jüngst im Wiener „Standard“:

„Die Moral wurde einfach aus dem Privaten ins Politische entsorgt, damit wurde zugleich das Politische moralisch. Insbesondere im Milieu der progressiven Linksliberalen ersetzte man die traditionelle Sittlichkeit durch einen abstrakten Humanismus, besser: Humanitarismus. Der hat einen erheblichen Vorteil: Seine moralischen Normen haben mit der persönlichen Lebensführung wenig zu tun. Er erlaubt es, hedonistisch und zugleich hoch moralisch zu leben, denn schließlich bin ich für Nachhaltigkeit, gegen Ausbeutung, für soziale Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung. Das kostet weder Mut noch persönliche Anstrengungen. Gerade deshalb ist es so reizvoll.“ –

Sucht man nach Regularien, so bleiben nur Nationalstaaten und nationales Recht. Wie denn sollt es sonst gesetzt werden? Weshalb die linksgrünen Bekenner etwa der Regionalisierung beim Einkaufen von Gemüse das Wort reden, den Nationalstaat aber als eine präfaschistische Instanz begreifen, die unweigerlich in Weltkriege führt, erschließt sich mir gar nicht. Konsumtion und Markt bedürfen der, nun ja, Einhegung, sonst führt das zu einer Selbstverdauung von Natur und Mensch. -

Hartwig aus LG8
27. März 2018 17:38

@ Grambauer: Toller Beitrag!
@ Bosselmann: Schön, mal wieder von Ihnen zu lesen.

Ein Wesensmerkmal des Kapitalismus ist der Kredit.
Geld ist heute weder limitiert noch knapp (so wie zu Zeiten der Medici und Fugger oder teils noch im 19. Jh.). Es ist in jeder beliebigen Menge vorhanden, um Kriege oder Einwanderungsexzesse zu finanzieren; nebenbei natürlich auch, um das Volk mit Konsumorgien in kurzlebige Güter zu "erfreuen". Und wenn es das nur wäre ... Diejenigen, die einen privilegierten Zugang zu dieser frei gestaltbaren Geldmenge haben, kaufen momentan für Nullzins den Globus - eine Konsumorgie in sehr langlebige Güter ...
Es wird eine hohe Kunst sein, klarzumachen, dass es die internationale Linke ist, die diesen Kapitalismus wohlwollend gewähren lässt. (Ein spontaner Beleg sind die Sandhaufen, die ein (rechter) Präsident Trump in Form von Zöllen in das Getriebe des Globalismus wirft.)

Gustav Grambauer
28. März 2018 09:19

Gegenüber Chomsky rate ich zu allergrößtem Mißtrauen:

Um dies zu verstehen, - jetzt wird es sehr unappetitlich -, muß man dessen Aktivismus auf seine Verankerung in seinem Kernfach, der Linguistik, herunterbrechen, denn dort wird er als Transhumanist am besten erfaßbar. Dort gehört er, wie etwa auch Norbert Wiener oder John v. Neumann, zu den Kybernetikern, und damit im weitesten Sinne zu dem MIT-Klüngel, der es über den Kongreß für Kulturelle Freiheit geschafft hatte, die humanistische - im wohlverstandenen, also auf die Antike zurückgehenden, Sinne - Traditionslinie in die Jauche zu leiten. (Und sie wollen eine jede blühende Zivilisation zerstören.) Vergessen wie niemals die theroretische Begründung und Inspiration der 68er-Bewegung vom Pazifik und, in dem Fall, vom Westatlantik her!

Man kann dabei auch sagen, Chomsky in seinem linguistischen Frankenstein-Labor gehört zum engsten Kreis der Erfinder der pc.

Der zentrale psychiatrische Befund dabei: dieser Typ Linguist sieht in seinem numerischen Formalismus die Sprache als nicht in der Sinnenwelt begründet an.

Folgerichtig wurde aus dieser Schlangengrube heraus die Farce, überall nur "Konstrukte" sehen zu dürfen, theoretisch fundiert. Dies hat, um nur einmal ein Beispiel für die Konsequenzen zu geben, übrigens auch tiefgreifende Folgen für deren nationalökonmomisches Verständnis: sie erkennen keine physische Ökonomie an, nur Gespinste letzlich monetaristischer Couleur.

(Alles keine guten Voraussetzungen, um solche Homunkuli an die Lösung ökologischer Probleme heranzulassen ...)

Typen wie Chomsky sehen die Sprache lediglich als kybernetischen Code, als "Programmiersprache" (sic!), mit grenzenlos-sophistisierbaren grammatikalischen Finessen (und Fallstricken für ihre Gegner!) an und degradieren (entmenschlichen) den "Sprachhandelnden" (speech-actor) / "Sprachnutzer" (user) dabei zu einer Art Papagei, der nur darauf wartet, endlich durch die von denen heißersehnte KI ersetzt zu werden. Die Frage "Kampf der Kulturen" oder "Dialog der Kulturen" stellt sich für die erst gar nicht, weil es für die gar keine Kultur gibt, nur, drastisch ausgedrückt, Bits und Bytes innerhalb eines Ozeans an Biomasse. Über seinen Fanatismus für für den herkömmlichen (britischen) Empirismus und dessen Feindschaft zu Natur- und Geistesprinzipien und damit Feindschaft zum Gedanken der Souveränität hinaus erkennt dieser Klüngel einander am inflationären Gebrauch des von Russell und H. G. Wells eingeführten Code-Wortes "Information" (sozusagen deren Gottheit), und auch wir können ihn daran erkennen.

Damit ist etwa die Basis skizziert, um Chomskys Einsatz für "Frieden", "Wahrheit" und "Ökologie" zu verstehen ...

- G. G.

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