Sezession
20. März 2018

Buchmesse Leipzig: Lumpen, Lügen, Lücken

Ellen Kositza / 23 Kommentare

Die Leipziger Buchmesse war großartig! Die netten Besucher des Antaios-Standes fragten häufig: „Das muß doch ein Höllenstreß sein für Sie?“

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Nö, mitnichten. Es war eine große Freude und als Aussteller weit weniger anstrengend, als auch nur einen halben Tag durch die Hallen zu flanieren und nach „Interessantem“ Ausschau zu halten. Das Große Kino lief ja bei uns!

Hier eine kleine kommentierte Presseschau:

Wir waren ja bekanntlich abseits der anderen Verlage plaziert. Rechts von uns Pommesbuden, in den anderen Himmelrichtungen ausschließlich Kunstgewerbe, schön eigentlich. Daß dem Besucher eisig ums Herz werden konnte, sobald er in Sichtweite unseres Standes geriet, lag daran, daß wir im Kältestrom der Außentür lagen – Frischluftzufuhr war also gegeben.

Bereits über die Frage, was bei uns quantitativ los war, kann innerhalb einer Redaktion Dissens herrschen. Im Tagesspiegel meinte der eine Autor, daß der Andrang an den rechten Verlagsständen anfangs mehr als überschaubar war. Seine Kollegin hingegen schrieb nach dem ersten Tag: „Trotz seiner Randlage in Halle 3 hat der Stand von Antaios regen Zulauf“.

Zwischen jener Lady mit dem kuriosen Namen „Sebastian Leber“ und Götz Kubitschek war es zuvor zu einer Auseinandersetzung gekommen.  Kubitschek fand es tierisch unhöflich, daß diese Pressedame uns ungefragt, aus allernächster Nähe und penetrant „in die Nasenlöcher“ photographierte - sie nannte es ihr „Recht“. Mir wars recht (wir haben ja ganz okaye Nasenlöcher.)

In der Tat gab es völlig unabhängig von der politischen Ausrichtung der Presseleute höchst unterschiedliche Formen der Höflichkeit.

In zahlreichen  Vermeldungen war zu lesen, daß die „Lage“ am Samstag „eskaliert“ sei. Ein netter (und im Zweifel eher linker) Großmedienmensch hatte eingestanden, daß es eigentlich eine zynische Haltung sei, hier auszuharren, in der Schlagzeilenhoffnung, daß es eskaliere. Eskalation, ein relativer Begriff!

Was war los? Kurz bevor unser Verlag die neue Ausgabe der Sezession vorstellen wollte, hatte vierzig Meter von unserem Stand entfernt eine unangemldete „Spontandemo“ stattgefunden. Die Messebetreiber ließen diese Leute gewähren – ich will mir nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn wir eine hundertköpfige „Spontandemo“ unter dem Motto „#verlagegegenlinks“ (was uns eh fernläge) inszeniert hätten!

Die Messeregeln sehen vor, daß eine Lautstärke von 70db nicht überschritten werden darf. Den Passus, daß man in Ausnahmefällen beide Augen zudrücke, konnte ich noch nicht finden. Von meinem Platz am Stand aus hörte sich das Gedröhn jedenfalls bedrohlich an. Wenn ich mir nun aber den unbedingt sehenswerten Mitschnitt, (im link etwas weiter unten, lookistische Kommentare verkneife ich mir) anschaue, denke ich an Yorkshireterrier….

Unser Veranstaltungsraum, eine „Leseinsel“, war bereits eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn voll besetzt. Es waren zu einem Drittel keine „Fans“ der Verlags, die dort Platz genommen hatten. Zwei Gerüchte kursierten dazu. Eines hatte der WELT-Autor Marc Reichwein gleich mehrfach ventiliert:

„Soweit ersichtlich war, durfte überhaupt nur geladenes Publikum zu dieser Antaios-Veranstaltung.“ Und: „Der Ort in Halle 3 war bereits abgesperrt. Ob die Veranstaltung damit noch öffentlich zu nennen ist oder sie eben für treue Anhänger des Antaios-Verlags reserviert war, lässt sich nicht eruieren.“ Mensch, Herr Reichwein: Sie haben doch einen Mund, ja? Mit dessen Hilfe hätten Sie doch gut bei uns eruieren können!

Auch im Bezahlfunk (deutschlandfunkkultur.de) hörte ich heute, daß man es mit Skepsis betrachte, daß wir uns in exklusive Separees absondern dürften.

Klarstellung: Es gab unsererseits weder Exklusivgäste, noch dächten wir je daran, den Zugang zu unseren Veranstaltungen zu begrenzen. Vor der ersten Antaios-Lesung durften bei anderen Veranstaltungen auch Stehgäste auf diese „Leseinsel“. Erst bei unseren Verantstaltungen wurden Barrikaden aufgestellt und die „Insel“auf 32 (!) Sitzplätze reduziert.

Zweites Gerücht: Die Messe-Security hatte einigen der erbosten potentiellen Zuhörern beschieden: „Pech für die Verleger, wenn sie keinen größeren Platz buchen!“ Glatte Lüge: Wir hatten ausschließlich diese winzige „Leseinsel“ zugewiesen bekommen. Andere Wunschveranstaltungsorte waren uns dezidiert abgesagt worden.

Die kleine Leipziger Internet Zeitung meldete nun zum weiteren Verlauf lückenpressetypisch: „Zudem hatten zwei Personen auf der Insel ein gegen die Buchmesse gerichtetes Banner gezeigt und lautstark die Veranstaltung gestört.“ Ja, welche Fieslinge waren das wohl? Rechte? Und was für ein Banner? Das Banner trug die Aufschrift: "Staat. Nation. Buchmesse. Scheiße“, und netterweise kann man den Mitschnitt hier anschauen, Kommentar überflüssig.

Dasselbe Banner wurde übrigens auch anläßlich der Buchmesseneröffnungfeier vor dem Leipziger Gewandhaus entrollt. Rp-online hat die Gemengelage recht schlüssig beschrieben: "Während im Gewandhaus zur Eröffnung feierlich die Meinungsfreiheit beschworen und vor der Gefahr rechtsextremer Publizistik gewarnt wird, bläst die studentische Jugend mit ihrer Demo auf dem Vorplatz bei kaltem Ostwind ins gleiche Horn. So viel Einklang war selten."

Der Mann ohne Mund, Reichwein von der Welt, hat auch noch schlechte Ohren. Er schreibt:

"Als die Veranstaltungen vorbei sind, ziehen rechte „Deutschland, Deutschland“-Chöre von dannen (….) . Und dann gehen die Sprechchöre los: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen.“ Im Staatsfunk führten sie noch derber in die Irre: „Auf der rechten Seite Slogans, wie man sie von Neo-Nazis kennt.“ Man kann das einfach mal behaupten!

Der Punkt ist, daß wir unseren Anhängern ein Schweigegebot auferlegt hatten. Wir und unsere Leute hielten stumm Schilder hoch.

Wer dennoch blöken mußte (wenige), bekam schroffe Rüffel. Wer grölte, war die sogenannte Antifa, nämlich: „Wer Deutschland nicht liebt, hat Deutschland verstanden!“ Nicht ganz dumm, diese linke Adaption, aber eben doch zu kompliziert für Reichweins Gehörgang.

Gut, zu den #versagerngegegenrechts. Wir lesen: „Einer der Erstunterzeichner, selbst Verlagschef, erklärt, man habe sich nach hitziger Debatte intern darauf verständigt, dass man auch mit Vertretern der Rechten diskutieren wolle – sofern die an einem Gedankenaustausch interessiert seien und nicht nur provozieren wollten.“

Aha. Wir waren jedenfalls zu keinem der dutzend geräumigen Podien geladen. Anscheinend fürchtet man uns. Als wir (und zwar interessiert und ohne jeden Provokationsmarker) durch die linke Verlagslandschaft schlenderten, wurden wir ("Das ist der Kubitschek! Der Fascho von der Jungen Freiheit!“ ) flugs enttarnt, isoliert, eingekreist und der Stände verwiesen.

Zwischenzeitlich hatten wir in einem der linken Stände (Unrastverlag, dort als Mitaussteller alibri) Bücher gesichtet, bei denen wir uns schwindelig dachten: Sowas geht? Heute? Krass!

Zufällig (im Ernst) gerieten wir auf eine Veranstaltung, wo sie (u. a. der linksradikale Andreas Speit) berieten, wie man „über“ uns schreiben solle. Mir riß spontan die Hutschnur, und ich rief: „Es gibt ja keinen Dialog auf Augenhöhe!“ In der Folge hieß es: „Umgekehrt weiß die Antaios-Rechte nicht, was sie will, wenn sie schimpft: „20 Podien über uns, kein einziges mit uns.“ Könnte sie nicht selbst mal Linke zum Reden einladen?“ Das ist richtig witzig, denn selbstverständlich laden wir (und luden wir stets) alle Gegner herzlich auf unsere Podien zum Reden ein. (Als echte Sprecher und Dialogpartner.) Nur: Traut sich ja keiner!

"Mit Rechten reden!": Präpotente Scheinbehauptung! Der Gegenbeweis stünde aus.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (23)

Der Gehenkte
20. März 2018 09:42

Kann man nicht einfach eine offizielle Einladung an Liane Bednarz, Alexander Häusler, Matthias Quent, Hajo Funke, Wilhelm Heitmeyer, Helmut Kellershohn, Florian Hartleb, Andreas Speit, Olaf Sundermeyer, Frank Jansen, Armin Pfahl-Traughber, Gideon Botsch, Andreas Kemper, Gerd Wiegel, Friedrich Burschel, Andreas Zick, Volker Weiß, Per Leo, Pascal Zorn, Wolfram Eilneberger etc. senden und an die entsprechenden Blätter und Verlage?

Offener Brief plus individuelle Einladung, neutraler Ort ... vielleicht wie seinerzeit Groys mit Hösle, sekundiert von Jongen und di Blasio:
https://legacy.ici-berlin.org/videos/spannungsuebung-1/part/1/

Zivilisierter Ablauf gesichert. Personal und Thematik könnten wechseln, so bekommt man eine Vielfalt zustande.

Zur obigen Debatte gab's ein schönes kleines Buch: https://seidwalkwordpresscom.wordpress.com/2017/07/07/endlich-der-clash-zweier-denkstile/

Auch das wäre dann sogar drin: ein Diskussionsband. Und falls die kneifen, machte man ein Buch über einen imaginierten Dialog, ein Gespräch, das nie zustande kam, in dem man die ganzen Erklärbücher nach inhärenten Fragen abtastet.

Es nützt ja nichts, man muß immer wieder den ersten Schritt machen, übrigens auch aus Eigenverantwortung für das eigene Denken.

Ronny Licht
20. März 2018 10:49

Liebe Frau Kositza,

die von Ihnen geschilderte Situation auf der Buchmesse, bei der Sie, Herr Semlitsch und Herr Kubitschek die Veranstaltung „Über Rechte schreiben. Zwischen Aufklärung und Sensation“ von Christoph Links vom Links-Verlag, Liane Bednarz und Andreas Speit mit lauten Zwischenrufen störten, hat freundlicher Weise ein Besucher gefilmt.

Semlitsch: #++#! [eigrenzende Gestik]

Kubitschek: Wir sind ja nie eingeladen. Nie. 20 Podien über uns. Kein einziges mit uns.

Unbekannt: #++#... Faschos einladen. Nein danke!

Kubitschek: Kein einziges mit uns.

Liane Bednarz: Sie sind hier.

Kubitschek: Na. Wir sind nicht auf dem Podium. Nie. 20 Podien über uns. Kein einziges mit uns.

Christoph Links: Das stimmt nicht Herr Kubitschek. Frau Dagen hat vorgestern hier auf dem Podium gesessen. Sie waren bei der Veranstaltung dabei. Und sie hat dort ihre Postionen klar vorgetragen. Wir haben Börsenvereine, also die Buchhändler unterander mit ihr gesprochen. Ihre Tatsachenbehauptung, dass das nicht ein einziges mal vorkommt, stimmt nicht.

Kubitschek: ... [schweigt mit der Hand an der Wange]

Möge man sich nun seine Meinung bilden!

-- --

antwort kubitschek:
1. der mantraartig vorgetragenen behauptung, man müsse sich mit uns auseinandersetzen, steht keine einzige einladung zu einem podium gegenüber.
2. andreas speit ist kein neutraler experte, sondern ein linksradikaler ideologieproduzent, der in vs-beobachteten blättern schreibt.
3. christoph links irrt: frau dagen ist buchhändlerin und würde sich dagegen verwahren, fürsprecherin meines verlags oder meiner weltanschaulichen szene zu sein.
4. also insgesamt: sieben zwischenrufe zur sache, danach scheigen mit der hand an der backe. im vergleich zu de, was die antifa bei uns anstellte, wiederum eine feder in der waagschale.

Lotta Vorbeck
20. März 2018 11:16

@Der Gehenkte - 20. März 2018 - 09:42 AM
"Kann man nicht einfach eine offizielle Einladung an Liane Bednarz, Alexander Häusler, Matthias Quent, Hajo Funke, Wilhelm Heitmeyer, Helmut Kellershohn, Florian Hartleb, Andreas Speit, Olaf Sundermeyer, Frank Jansen, Armin Pfahl-Traughber, Gideon Botsch, Andreas Kemper, Gerd Wiegel, Friedrich Burschel, Andreas Zick, Volker Weiß, Per Leo, Pascal Zorn, Wolfram Eilneberger etc. senden und an die entsprechenden Blätter und Verlage? ..."

__________________________

Gleich all diese Leute auf ein Mal?

Offiziell eingeladen oder nicht, zumindestens Liane Bednarz saß gleich in der ersten Stuhlreihe vor dem Podium ...

quarz
20. März 2018 11:56

@Gehenkter

"Und falls die kneifen, machte man ein Buch über einen imaginierten Dialog"

Für die dramaturgische Variante gibt es dafür seit ein paar Jahren den Begriff "Eastwooding", geprägt nach dem Auftritt von Clint Eastwood, der seinen Dialog mit einem imaginären Barak Obama auf einem leeren Stuhl führt.

https://www.urbandictionary.com/define.php?term=eastwooding

Zu einiger Beachtung hat es auch ein ähnlicher Auftritt von William L. Craig vs. Richard Dawkins gebracht.

https://www.youtube.com/watch?v=_XZb8m7p8ng

Otto-Karl
20. März 2018 12:05

Das Einzige, was mir bei der sonstigen Authentizität von Kubitschek fragwürdig bleibt, ist die ausdrückliche Distanzierung von der NPD bzw. -- bezüglich der Buchmesse -- vom NPD-nahen Stand.

Spielt man hier nicht das gleiche unsägliche Rechst-distanziert-sich-von-Rechts-Spiel (im Alt-Right-Jargon: praktiziert man damit nicht "cucking" oder "viertue signaling"), dass man --
zurecht -- der JF vorwirft?!

antwort kubitschek:
die npd hat hoch gepokert und verloren. sie spielt keine rolle mehr und hat ein milieu gezüchtet, das nie meines war - weltanschaulich. außerdem weiß man nie recht, wer vom vs bezahlt wird und die temperatur anheizen soll. zwischen jf und uns paßt hingegen nicht viel papier, das kann man nicht vergleichen. es geht da nicht um inhalte, sondern um unterschiede in der heran- und vorgehensweise. und um habituelle fragen.

Wahrheitssucher
20. März 2018 12:30

Ihr seid angetreten, habt durchgehalten und Euch behauptet.
Glückwunsch und Anerkennung!
Andere, die an Eurer Seite hätten stehen sollen, haben zurückgezogen.
"Der elende Wurm der deutschen Zwietracht..."

P.S. Wäre gerne dabei gewesen, doch Leipzig war zu weit an jenem Wochenende.

Gustav Grambauer
20. März 2018 13:10

Der Gehenkte, quarz

"Und falls die kneifen, machte man ein Buch über einen imaginierten Dialog"

Auch diese Linken führen ihren imaginierten Dialog, ist ja ihre Spezialität:

"Zwiegespräch mit dem Genossen Lenin:
Im Schwall von Geschäften,
Erscheinungen, Plänen
Verdämmerte langsam der Tag und entschwand.
Zwei sind im Zimmer: ich und auch Lenin –
Er als Foto an weißer Wand.
'Genosse Lenin, ich will dir berichten,
Nicht als Beamter, eher als Sohn.
Genosse Lenin, ein gigantisches Verrichten
Steht uns bevor, doch wir meistern es schon.
Wir beleuchten, wir bekleiden die besitzlose Klasse,
Wir steigern (... senken, - G. G.) die Förderung von Kohle und Erz.
Daneben gibts freilich noch eine Masse
Von allerhand Blödsinn und Lumpenkommerz.
Es macht müd, mit dem Gaunerzeug rumzulaufen.
Seit Sie fort sind, vermehrt sich das Pack immer mehr.
Gewiss, wir werden sie uns alle noch kaufen,
Doch mit den Schurken fertig zu werden, ist schwer.'
Im Schwall von Geschäften,
Erscheinungen, Plänen
Verdämmerte langsam der Tag und entschwand.
Zwei sind im Zimmer: ich und auch Lenin –
Er als Foto an weißer Wand."
- Majakowski, 1929

---

Ronny Licht

Herrn Semlitsch habe ich gar nicht gesehen; schätze, der war auch gar nicht da. (Im Hangar damals war er ja auch gar nicht da.) Dafür Herr Lichtmesz.

- G. G.

W. Wagner
20. März 2018 14:43

Lieber Herr Kubitschek, mit flattert Ihr Rundschreiben ins Haus: Postkarten der Buchmesse kaufen, um Ihre hohen Sicherheitskosten zu tragen. Gut! Doch Postkarten braucht man kaum noch (Aufkleber wären besser), deshalb: Spenden an IfS oder direkt an Antaios?

antwort kubitschek:
antaios ist antaios und verdient sein geld mit guter ware. wir können spenden nicht umlenken. daher: kaufen Sie - wie sowieso - ab und an ein buch. gruß!

Wahrheitssucher
20. März 2018 15:00

@ Otto-Karl

Stichwort "virtue signalling":

Ich würde nicht so weit gehen wollen, Herrn Kubitschek vorzuwerfen, auch er beabsichtigte mit seiner Distanzierung von der genannten Partei seine Tugendhaftigkeit herauskehren oder irgendein Gutmenschentum bekunden zu wollen, wie es der Bedeutung dieses Begriffes zu eigen ist.

Er muß Patrioten aus einem anderen Lager nicht lieben oder mögen und eine Distanzierung ist nachvollziehbar,
aber auch sie spaltet, schwächt und nährt den zitierten "elenden Wurm der deutschen Zwietracht"...

Immer noch S.J.
20. März 2018 19:00

"Das ist der Kubitschek! Der Fascho von der Jungen Freiheit!“ - Das ist famos. Was gäbe man dafür, wenn Dieter Stein vor Ort gewesen wäre, um dieses Durcheinander aufzuklären. Allein - ach, lassen wir es.

Sie waren da, und das ist gut so (einmal mehr: Chapeau!). Bestellungen folgen.

Otto-Karl
20. März 2018 20:02

@ Wahrheitssucher und Kubitschek (besten Dank für die Antworten)

Udo Voigt unterstellt ja der NPD-Distanzierung seitens Sezession/Antaios "strategische Gründe" - und so sehe ich es auch, m. E. hat es einen faden Beigeschmack der Unaufrichtigkeit.

Und obige "strategischen Gründe", nicht zuletzt in ökonomischer Hinsicht, sind besonders bei der JF (leider immer mehr) auszumachen. Ja nicht "radikal" erscheinen; bis hin zur Anbiederung an "die Mitte".

Dass also zwischen Sezession und JF abseits der NPD-Frage keine größeren, nur marginale Unterschiede bestünden, das sehe ich anders.

So wird die JF mehr und mehr zur AFD-Parteizeitung, dabei kann es nicht die Aufgabe einer Zeitung sein, sich für das Wohl und Wehe einer Partei hinzugeben, man sollte darüber stehen (hier ist die Sezession 10-mal besser - metapolitisch, ideologisch - positioniert).

Siehe bspw. auch die Steinsche Verirrung in Sachen Lucke und Höcke (wo er doch propagierte, dass bei einem Scheitern von Ersterem das Projekt AFD vor dem Aus wäre) - peinlich. Sezession viel souveräner.

Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im rechten Lager, das wäre doch mal eine ausführliche Analyse wert (sofern schon vorhanden, freue ich mich über Link-Angaben).

Und noch zur NPD-Frage:

"Hoch gepokert und verloren" - dem stimme ich zu. "Spielt keine Rolle mehr" - dem auch. Problem Verfassungsschutz - ebenso.

Nicht hingegen dem Satz: "hat ein milieu gezüchtet, das nie meines war - weltanschaulich"

Diese Rechtfertigung ist zu einfach.

Man sollte unterscheiden zwischen Positionen und Klientel der Partei. Bei den Positionen nämlich gibt es viele Schnittmengen (wie auch von Udo Voigt attestiert), weswegen mir die NPD-Distanzierung missfällt.

Auch ist es wenig löblich, der Partei, die unter widrigsten Umständen lange Zeit alleine die Fahne gegen den PC-Wind gehisst hat, post hoc, jetzt, wo eine rechte Partei, die AFD, langsam salonfähig wird (die Töpfe winken), durch Schwarz-Weiß-Distanzeritis ständig eine reinzuwürgen und sich selbst dadurch etwas weniger anrüchig machen zu wollen (aus strategischen Gründen wie gesagt nachvollziehbar, aus moralisch-ideologischen weniger).

Zum Klientel: Sicher spricht die NPD vermehrt einfachere Gemüter an. Das liegt aber auch an der knallharten Stigmatisierungshistorie, wenn schon der Fußball-Jugend-Trainer aus dem Verein fliegt wegen NPD-Mitgliedschaft, wie sollen sich dann noch groß Akademiker in der Partei tummeln?

Und der intellektuellere Ansatz seitens JF und Sezession (wiederum die Sezession hochwertiger im Vergleich), der ist sicher nicht unbedingt breitenwirksam. Man könnte auch von Arbeitsteilung sprechen, dabei weniger auf das NPD-Klientel herabsehen.

Leo
20. März 2018 21:18

Liebe Frau Kositza,

nee, nach Höllenstreß sah es wirklich nicht aus. Zumindest nicht am frühen Sonntagmittag (nachdem es uns gelungen war, die Messe per Auto zu erreichen: per Bahn ab Berlin ja theoretisch in 1h15 - falls ohne Schneeflocken).
Immerhin war mir ein kurzes Gespräch mit Frau Sommerfeld möglich, die nicht mit potentiellen Manuskripten in Beschlag genommen wurde...
Die Mini-Lesebühne sehend war aber schnell klar, daß wir nicht "first come first served" eine Stunde stehen würden, um evtl. dann doch nichts sehen/hören zu dürfen...
Nun ja. Vielleicht ist in Frankfurt im Herbst wieder mehr Platz?!?
---
Ansonsten habe ich eine Wette verloren: Es gab pünktlich um 13.30 Uhr kein rhythmisches "Nationalismus raus aus den Köpfen!" zu hören. Aber manchmal verliert man ja gern.
---
Zum "unbedingt sehenswerte[n] Mitschnitt" (jetzt weiß ich, wie's gemeint ist [schade um die Zeit, herrje]): Gott, das ist alles an Argumentations-Narrativen, die das linke Leipziger Jungvolk aufzubieten imstande ist?!?).
Na dann: Entwarnung - auf breitester Quer-Front! Mit solchen geht nichts---

Ronny Licht
20. März 2018 22:03

Herr Kubitschek,
zuerst einmal möchte ich Ihnen und Frau Kositza danken, dass Sie meinen vorangegangenen Kommentar hier stehen lassen, wenn auch um die mit Bedacht gesetzten Fußnoten, Quellen und Links gekürzt bzw. zensiert (?). Ich danke Ihnen ebenfalls für die Antwort.

kubitschek: wir arbeiten in unserem blog nicht mit fußnoten, und Ihre transkription war hinreichend.

Verstehen Sie mich nicht falsch, denn ich gönnen Ihnen die Möglichkeit für Zwischenrufe, wie ich sie auch den Demonstranten an Ihrem Stand gönne. Dass Sie, Herr Kubitschek, den offenen, den konstruktiven Diskurs nicht wirklich wollen ist nicht mal mehr ein offenes Geheimnis. Ihre Worte, nun auch von jungen, linken Opponenten auf der Buchmesse vorgetragen, sprechen für sich:

"Ziel ist nicht die Beteiligung am Diskurs, sondern sein Ende als Konsensform (weiter: nicht ein Mitreden, sondern eine andere Sprache, nicht der Stehplatz im Salon, sondern die Beendigung der Party.) [...]
Von der Ernsthaftigkeit unseres Tuns wird euch kein Wort überzeugen, sondern nur ein Schlag ins Gesicht."

kubitschek: man muß genau lesen wollen. wollen Sie? ich will das ende des diskurses ALS KONSENSFORM, und in dresden konnten Sie das bei tellkamp erleben. die moderatorin versteinerte, weil sie nur de konsensform kennt, die pseudokontroverse. das es nicht so lief wie immer, war für diese frau (und für grünbein) ein schlag ins gesicht. ist eigentlich nicht schwer zu verstehen, oder?

Es ist das Jahr 2018 und die Gutmenschen, die Bahnhofsklatscher, die links-grün Versifften, kurz gesagt die immer größer werdenden Teile der 85/87 % lesen jetzt die neuen Rechten. Man versteht ihr Werden und Wollen. Man sucht den öffentlichen Diskurs. Man widerlegt sie. Und dann von vorn.

Wie ein, auch in der selbst auferlegten, modernen Dichotomie ausgetragener Diskurs, fernab von Zwischenrufen laufen kann, zeigen uns drei exzellente Beispiele der letzten Jahre:

Gogos und Lichtmesz,
Nassehi und Kubitschek,
Grünbein und Tellkamp (und irgendwie auch Kubitschek),
Keiper, Lemling und Dagen.

Die neuen Rechten hatten ihre 30, 40 Jahre der Vorbereitung. Und ihnen ist tatsächlich in gewisser Weise ein "Überraschungsangriff" geglückt. Doch vor allem das Letztere der drei Beispiele zeigt, wie deren Diskursstrategien in der "Mitte" angekommen sind und sich nach dieser Inkubationszeit der aufgewärmten und neu verpackten Theorien, dialektische Strategien der Liberalen und Linken als Antwort auf die immer wieder verallgemeinernden, apokalyptischen Analogien und Narrative entwickeln. Nein. Keine Diskurshoheit. Keine weitere kulturelle Raumnahme. Die Rohre werden gekittet. Der Riss schließt sich.

kubitschek: das, was Sie bisher erleben durften, war erst der anfang. was nun kommt, ist wie ein schlag ins gesicht für alle, die meinen, daß nun schon irgendwie diskutiert worden wäre. wir lesen voneinander!

Andreas Walter
21. März 2018 09:07

Ist es denn nicht normal, dass man nicht mit allen Menschen gleich gut reden kann? Was soll ich denn auch mit Menschen besprechen, die vollkommen andere Glaubenssätze, Ansichten und Pläne haben als ich? Bei solchen Menschen muss ich doch ganz im Gegenteil sogar ständig aufpassen, das man sich nicht gegenseitig ins Gehege kommt. Die Vorstellungen von Marxisten stehen nun mal denen von Patrioten diametral gegenüber. Das fängt schon bei Eigentum an und hört bei Grenzen nicht auf. Die Einen sind nun mal der ewige Angriff und die Anderen darum die ewige Abwehr. Mann Frau, Jugend Alter, Arm Reich, man kann bei vielen Gegensatzpaaren dabei sogar eine relativ klare metaphysische aber auch physische Zuordnung vornehmen.

Habe mir die 3 oder 4 Menschenkinder darum sehr genau angesehen, die da so lautstark in dem einen Film das Bedürfnis hatten gegen bestimmte Dinge zu protestieren. Habe mich dabei sogar kurz versucht in Herrn Kubitschek hineinzuversetzen, der das zumindest akustisch alles mitbekommen haben dürfte. Das ist aber alles ein rein persönliches psychisches Ding, bei dem der Herr Kubitschek lediglich für all das oder zumindest für vieles symbolisch steht, was diese Leute ablehnen beziehungsweise nicht nachvollziehen können, damit nichts anfangen können (oder für sie unerreichbar ist). Die aggressiv laut Protestierenden aber sind hier das Nein, die Ablehnung, die Angreifer, Kubitschek und seine Lebensvorstellung und Familie das Abgelehnte, das Bekämpfte, das symbolisch und willkürlich ausgewählte Opfer. Poor Agro-LGBT versus straight white christian male and female, so kam mir das Ganze darum vor.

Darum jetzt noch etwas lustiges zum Abschluss, was auch unbedingt jeder konservative Patriot gesehen haben sollte, hier am Ende dann allerdings mit Kubitschek tatsächlich als Retter, Ritter, wenn natürlich auch nur symbolisch:

https://www.youtube.com/watch?v=vUkAQpJ50H8

Spaß ohne Ende auf der Leipziger #Buchmesse!", auf YouTube (der "Volkslehrer" auf der Leipziger Buchmesse 2018 fast allen Anderen dort geistig überlegen aber immer ebenbürtig)

Teufel
21. März 2018 18:33

Kubitschek, mal 'ne Frage:
Es gibt da so ein Foto, auf dem sitzen Sie zusammen mit dem leibhaftigen Semmelitschikowowitch auf der Lehne einer metallenen (?) Bank (das geziemt sich nicht!) und tragen ueber ihrer linken Brust eine Art farbenfreudiges Band: Das sieht nun relativ cool aus, deswegen: Was ist das?

Kositza: Wer ist Semmel..., was für eine Bank, welches Band? Ein Fruit of the Loom-Pulli aus den Achtzigern? Sie fragen in Rätseln.

KlausD.
21. März 2018 18:39

@Andreas Walter
Ja, der "Volkslehrer" Nikolai Nerling ist absolute Spitze für Herz und Verstand, aber für den Spaß auf der Buchmesse hat Sven Liebich gesorgt. Habe lange nicht mehr so gelacht (ab 1:40):

https://www.youtube.com/watch?v=jJs-Jo_H3hI

quarz
21. März 2018 22:10

@Andreas Walter
"Die Vorstellungen von Marxisten stehen nun mal denen von Patrioten diametral gegenüber."

Nicht notwendigerweise. Also sprach der Austromarxist Otto Bauer:

"Heranziehung des gesamten Volkes zur nationalen Kulturgemeinschaft, Eroberung voller Selbstbestimmung durch die Nation, steigende geistige Differenzierung der Nationen – das bedeutet der Sozialismus."

Guckst du:

https://www.marxists.org/deutsch/archiv/bauer/1907/nationalitaet/index.html

H. M. Richter
22. März 2018 05:58

^@ KlausD

Da hätten Sue schon etwas länger lachen können, den die von Ihnen verlinkte Aktion stammt nicht von der diesjährigen Buchmesse.
_________________________________

^ @Ronny Licht

"Liane Bednarz: Sie sind hier."

Dies wiederum hat meinen Humor getroffen.

Otto-Karl
22. März 2018 06:56

Wunderbar, dass bei der Sezession kritische Kommentare zugelassen und noch dazu beantwortet werden!

Übrigens ein weiterer Vorzug gegenüber der JF, dort werden kritische Beiträge nicht selten mainstreammäßig unterbunden.

starhemberg
22. März 2018 09:09

Was mir immer wieder auffällt - bei aller Ernsthaftigkeit und auch teilweise Widerwärtigkeit der mitzuteilenden Dinge - hier herrscht ein entspanntes und angenehmes Klima in den Kommentaren, selbige sind zumeist recht lesenswert und auch Kritisches geht durch. Bei der "WELT" werden mindestens 80% meiner Kommentare kassiert, beim Speichel, dem Süddeutschen Beobachter oder der verlorenen ZEIT versuche ich es schon längst nicht mehr.

Ach, was bin ich froh Sezessionist zu sein!

Martin Lichtmesz
23. März 2018 12:51

"Gogos und Lichtmesz"

Ich habe mit Herrn Gogos keinerlei "Diskurs" geführt. Er hat mich interviewt, und das Material in einem diffamierenden Radiofeature verbraten.

Teufel
23. März 2018 17:29

@Kositza: Wer ist Semmel..., was für eine Bank, welches Band? Ein Fruit of the Loom-Pulli aus den Achtzigern? Sie fragen in Rätseln.

Jetzt stellen Sie sich wieder ignoranter, als Sie sind.
Ich (Der Teufel) vermutet Eitelkeit. Zuletzt stammen Sie ja aus dem Westen, deswegen sei dies nicht als Vorwurf gemeint.

https://sezession.de/wp-content/uploads/2012/11/zu-alt.jpg

Hier! Erklaeren Sie sich! Gefaelligst!

Kositza: Photo kannte ich nicht. Das ist doch das uralte Division-Antaios-Hemd, sprich, das "Band" ist aufgedruckt.

Ronny Licht
23. März 2018 19:37

"Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin studiert...Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor;"

Herr Semlitsch,
ich muss Ihnen in gewisser Weise danken. Denn ich habe das Interview, bei welchem Gogos Ihnen sehr kluge Fragen gestellt, bzw. das Wesen Ihrer von apokalyptischen Ängsten geprägten Weltsicht freigelegt hat, zuerst durch Ihre Stellungnahme auf der hiesigen Plattform nachgehört. In Gänze vielleicht drei, vier oder fünf mal. Und immer unter leicht anderen Vorzeichen. Und es war stets eine Bereicherung. Man liest euch. Man hört euch.
Dagegen habe ich mir die kommentierte Verwurstung im besagten Radiofeature erst etwas später und nur einmal angehört.

Grüße nach Wien/Schnellroda.

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