Sezession
4. April 2018

Antithesen zum Islam. Erwiderung auf v. Waldstein II

Siegfried Gerlich / 33 Kommentare

Siegfried Gerlich kritisiert Thor v. Waldsteins Islam-Thesen aus dessen Werk Die entfesselte Freiheit – Teil 2.

Siegfried Gerlich

Siegfried Gerlich studierte Philosophie sowie Musikwissenschaft und lebt als freier Autor und Pianist in Hamburg.

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4. (Ad Waldstein-These 5)

4.1. Theologiegeschichtlich weist die urislamische und von den mittelalterlichen Assassinen wie den modernen Islamisten aktualisierte Idee eines »rechtgeleiteten« Gottesstaates auf das unter souveräner Gottesherrschaft stehende und darum anfangs königs- und priesterlose Gemeinwesen des »alten Israel« zurück. Schon die »mosaische Unterscheidung« zwischen »dem wahren Gott und den falschen Göttern, der wahren Lehre und den Irrlehren« hatte eine »Politische Theologie der Gewalt« (Jan Assmann) hervorgebracht, welche die Ungläubigen als vernichtungswürdige Gottesfeinde diskriminierte, die es in »heiligen Kriegen« mitleidlos zu massakrieren galt.

Doch erst die islamische Umfälschung der jüdischen Überlieferung nahm diesen Deus politicus beim Wort und ließ die alttestamentlichen Legenden von Eroberungs- und Vernichtungskriegen über Jahrhunderte zu einer blutigen Wirklichkeit werden, die das »neue Israel« des Christentums seinerseits mit »heiligen Kriegen« zu parieren suchte. Und daß die islamische Tochterreligion den ererbten monotheistischen Exklusivitätsanspruch sowohl gegen die konkurrierende christliche Schwesterreligion als auch gegen die jüdische Mutterreligion selbst wenden würde, hatte bereits Mohammed mit seiner Säuberung Arabiens von Juden und Christen angekündigt.

Gleichwohl hatte der Islam für das Judentum weniger Haß als vielmehr Verachtung übrig. Daraus konnte zeitweilig eine herablassende Toleranz gegenüber Angehörigen dieser minderwertigen Religion erwachsen, die vor dem ausgeprägteren Haß des mittelalterlichen Christentums in die islamische Welt flüchteten.

4.2. Über den traditionellen Antijudaismus des Islam, der das Judentum lediglich mit dessen eigenen theologischen Waffen schlug, sollte der moderne Islamismus entschieden hinausgehen, indem er, lange vor der zionistischen Staatsgründung, antisemitische Ideologeme in seine semitische Religiosität integrierte, nicht ohne diesen rückwirkend eine ehrbare antizionistische Legitimation zu verschaffen.

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg, aus dessen Trümmern sich neben dem orientalischen Islamismus auch der europäische Faschismus als Widerstandsbewegung großen Stils gegen die siegreichen westlichen Kolonialmächte erhoben hatte, bahnte sich eine »arabisch-nazistische Symbiose« (Hans-Peter Raddatz) an, welche nach 1933 das Königreich Saudi-Arabien als ein »Drittes Reich des Islam« (Arthur Rock) und den Nationalsozialismus als einen »Islam des Nordens« (Charles Maurras) erscheinen lassen konnte.

Dank der militärischen wie ideologischen Aufrüstung durch die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges konnte die 1928 von Hassan Al-Banna in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft zur Mutterorganisation des islamistischen Terrorismus aufsteigen. Al-Banna seinerseits erklärte Mohammed Amin Al-Husseini, den »Großmufti von Jerusalem«, zum Nachfolger Hitlers im Kampf gegen die Zionisten. Dieser erste Palästinenserführer und spätere Mentor Yassir Arafats hatte bereits 1929 ein »judenfreies Palästina« gefordert, bevor er, 1941 von Heinrich Himmler über das unmittelbare Bevorstehen der »Endlösung« unterrichtet, eine solche auch für Palästina ankündigte.

Daß sogar Hitler persönlich im Gespräch mit Al-Husseini die »Befreiung der arabischen Welt von der englischen Herrschaft« ins Auge faßte, ließ ihn zum revolutionären Leitbild für die arabischen Länder werden, in denen sich nach Kriegsende das Gerücht verbreitete, der deutsche Führer sei zum Islam konvertiert und nenne sich seither »Hadsch Mohamed Hitler«. An dessen Bekenntnisschrift »Mein Kampf«, die unter islamistischen Gotteskriegern zeitweilig eine größere Wirkung entfaltete als selbst der Koran, knüpfte 1950 der ägyptische Intellektuelle Sayyid Qutb mit seinem Pamphlet »Unser Kampf mit den Juden« an, welches ihn zum führenden Ideologen einer erneuerten Muslimbruderschaft werden ließ.

Als deren palästinensischen Zweig wiederum versteht sich die jüngere Hamas, in deren Charta der Dschihad gegen Israel als erste Etappe eines weltweiten Vernichtungskrieges gegen die Juden propagiert wird. Für diesen rüsteten sich auch die Iranische Republik und der Islamische Staat, welche derweil auf diplomatischen wie militärischen Wegen wieder abgerüstet werden.

4.3. Jener »Kleinstaat am östlichen Mittelmeer«, der im Zentrum des Nahost-Konflikts steht, ist seit seiner Gründung mehreren Vernichtungskriegen ausgesetzt gewesen und beantwortet daher in Zwischenkriegsperioden militante Aufstände und Terroranschläge mit massiver Vergeltung.

In Anbetracht unbestreitbarer Härten der israelischen Politik gab bereits Jordis von Lohhausen zu bedenken, daß Israel ebenso von feindlichen Mächten eingekreist ist, wie es vormals Deutschland war, nicht ohne jedem Staat in einer solchen geopolitischen Lage um seiner nackten Selbsterhaltung willen »Mut zur Macht«und eine selbstbewußte Außenpolitik anzuraten.

Die arabischen Länder können sich noch zahlreiche Kriegsniederlagen leisten, Israel keine einzige.

4.4. Daß der 16jährige Palästinenser, der sein Elternhaus von einem Militärbulldozer niedergewalzt sieht, Israel verständlicherweise »unbändig haßt«, besagt wenig, denn auch dann, wenn seinem jüngeren Bruder ein Sprengstoffgürtel umgeschnallt oder seiner die Familienehre beschmutzenden älteren Schwester das Gesicht mit Säure verätzt wird, dürfte er seinen unbändigen Haß ausschließlich gegen den Judenstaat richten.

Dabei mag, was auf nachhaltige Indoktrination zurückgeht, zuweilen auch ein verzweifelter Selbstschutz sein, denn »kollaborierende« Familien, die auf israelischen Marktplätzen lieber Handel treiben als Bomben zünden, müssen mit blutiger Rache rechnen.

In den Autonomiegebieten kommen weit mehr Palästinenser durch ihr eigenes Terrorregime als durch den israelischen Militärstaat zu Tode. Darum ist für viele Palästinenser, die vor ihren eigenen Leuten die Flucht ergreifen, der Judenstaat zum bevorzugten Aufnahmeland geworden. Und weit davon entfernt, dort mit »Gewalt und Terror« überzogen zu werden, genießen jene immerhin zwangig Prozent israelischen Staatsbürger palästinensischer Herkunft und muslimischen Glaubens gleiche staatsbürgerliche Rechte.

Demgegenüber war die arabische Welt bereits nach der Flucht und Vertreibung hunderttausender Juden, welche — als Gegenstück zur Flucht und Vertreibung ebenso vieler Palästinenser — im Zuge des ersten israelisch-arabischen Krieges von 1948/49 eingesetzt hatte, weitgehend »judenrein«, und die übriggebliebenen Reste jüdischer Gemeinden sind nach Anbruch des »arabischen Frühlings« verfolgt und vertrieben worden.

4.5. Es ist einer der wirkmächtigsten Mythen des 20. Jahrhunderts, daß der arabische Antizionismus eine bloße und begreifliche Reaktionauf die jüdische Staatsgründung sowie die spätere israelische Fremdherrschaft über Land und Volk der Palästinenser darstelle.

Wäre mehr als ein Körnchen Wahrheit darin, dann hätte sich der »palästinensische Befreiungskampf« von Anfang an nicht allein gegen Israel, sondern ebensowohl gegen Jordanien gerichtet, welches immerhin den weit größeren Teil des britischen Mandatsgebietes Palästina annektiert hatte und mit seinen zu 75 Prozent palästinensischen Staatsbürgern längst ein heimlicher Palästinenserstaat ist. Aber sowohl die alte von Yassir Arafat geführte PLO als auch die jüngere Hamas haben ausschließlich Israel als Feind bestimmt und damit bewiesen, daß sie gegen eine Fremdherrschaft nichts einzuwenden haben, solange es keine jüdische Fremdherrschaft ist.

Lediglich eine linskradikale Splittergruppe der PLO riskierte 1970 einen Aufstand gegen das jordanische Königshaus und wurde dafür im »Schwarzen September« gnadenlos liquidiert.

4.6. Der arabische Geschichtsrevisionismus fußt auf dem Propaganda-Konstrukt eines »palästinensischen Volkes«. Wie es sich damit in Wahrheit verhält, hat der arabische Politiker Zuhair Muhsin, der von 1971 bis 1979 die syrisch kontrollierte PLO-Fraktion as-Sa'iqa anführte, einmal unvorsichtig ausgeplaudert:

»Ein palästinensisches Volk existiert nicht. Die Schaffung eines Palästinenserstaates ist nur ein Mittel, um unseren Kampf gegen den Staat Israel zugunsten unserer arabischen Einheit fortzusetzen. In Wirklichkeit gibt es heute keinen Unterschied zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen. Nur aus politischen und taktischen Gründen sprechen wir heute von der Existenz eines palästinensischen Volkes, denn die arabischen nationalen Interessen verlangen, dass wir die Existenz eines eigenen palästinensischen Volkes als Gegenpol zum Zionismus postulieren.«

Das erklärt hinlänglich, warum die in Palästina lebenden Araber, die ihren Staat schon nach dem UN-Teilungsbeschluß von 1947 hätten haben können, bislang auch noch jedes spätere Angebot ausgeschlagen und sogar auf die israelische Räumung von Siedlungen mit Terror geantwortet haben: Die Vernichtung des jüdischen Staates hatte allemal Vorrang vor der Gründung eines eigenen.

4.7. Der Name »Palästinenser« geht etymologisch auf das kretische Seefahrervolk der »Philister« zurück, und historisch waren es die Römer, die das alte »Judäa« in »Palästina« umbenannten, um die Erinnerung an ihre letzte Vertreibung der Juden nach dem Bar-Kochba-Aufstand 135 n. Chr. auszulöschen.

Kleinere jüdische Gemeinden konnten sich gleichwohl in Palästina halten, bevor es im 16. Jahrhundert infolge der Judenvertreibung aus Spanien zu einer größeren Einwanderung von sephardischen Juden kam. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts lebten mutmaßlich mehr Juden als Araber in Palästina, doch zog die wenig später einsetzende zionistische Zuwanderung von aschkenasischen Juden wiederum eine Zuwanderung von arabischen Arbeitsmigranten nach sich: Die Araber wußten, daß, wo Juden sind, auch die Wirtschaft blüht.

Immerhin war das vormals fruchtbare Land zu arabischen und osmanischen Herrschaftszeiten von wechselnden multiethnischen Völkerschaften zu einer öden Wüste heruntergewirtschaftet worden. Über mehr als ein Jahrtausend wurde Palästina von einem »buntgescheckten, identitätslosen Völkerhaufen« bewohnt, welcher »weder palästinensisch, noch arabisch« (Hans-Peter Raddatz) genannt werden kann.

Eine alteingesessene, mehrheitlich arabische Bevölkerung gab es daher in Palästina so wenig wie ein palästinensisches Volk, und entsprechend wurden im britischen »Mandatsgebiet Palästina« Juden und Araber gleicherweise als »Palästinenser« geführt.

4.8. Der arabische Widerstand gegen die zionistische Einwanderung hatte anfangs noch mehr mit örtlichen Streitereien um Landbesitz und Weiderrechte als mit übergreifenden ideologischen Motiven zu tun. Indessen wurde der zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufkommende arabische Antizionismus infolge seiner islamistischen Ideologisierung zunehmend antisemitisch durchtränkt, und insbesondere dessen palästinensische Wortführer erklärten sich stets freimütig selbst zur Hitlers willigen Vollstreckern:

»Allah hat uns das einzigartige Vorrecht verliehen, das zu beenden, was Hitler nur beginnen konnte. Fangen wir mit dem Dschihad an. Tötet die Juden, tötet sie alle.« (Amin al-Husseini)

»Wir bereiten uns auf einen totalen Krieg vor. Wir werden nicht ruhen, bis wir Israel zerstört haben.« (Yassir Arafat)

4.9. Einstweilen aber ist der von Reichskanzler Hitler in die arabische Welt exportierte Vernichtungsantisemitismus von Bundeskanzlerin Merkel wieder nach Deutschland reimportiert worden.

Bereits für jenen im Jahre 2000 auf die Düsseldorfer Synagoge verübten Anschlag, welcher Kanzler Schröder voreilig zum »Aufstand der Anständigen« gegen »rechts« blasen ließ, wurden keine deutschen, sondern arabische Täter ermittelt. Doch brachte es weder die hiervon enttäuschten Linken noch die darüber erleichterten Rechten ins Grübeln, daß bei den für die Tat verantwortlichen Muslimen marokkanischer und palästinsischer Herkunft nationalsozialistisches Propagandamaterial gefunden wurde.

»Hamas, Hamas — Juden ins Gas!« Mit dieser Parole hat ein palästinensischer Mob auf einer 2014 in Frankfurt abgehaltenen Anti-Israel-Demonstration das antisemitische Betriebsgeheimnis des islamischen Antizionismus in alle Welt hinausposaunt und damit die linken Antizionisten in arge Verlegenheit gebracht. Doch islamophile Linke, zu denen ein so tumber Historiker wie Wolfgang Benz und ein so kluger Marxist wie Domenico Losurdo gehören, lassen sich nicht so leicht erschüttern: »Islamophobie« gilt ihnen als der »neue Antisemitismus«, und nur folgerichtig erklären sie die muslimischen Araber für die Juden von heute.

Dabei gehen nach aktuellen Umfragen unter deutschen Juden, deren Ergebnisse der von der Bundesregierung eingesetzte »Unabhängige Expertenkreis Antisemitismus« 2017 veröffentlichte, »81 Prozent der körperlichen Angriffe (auf Juden) von muslimischen Personen aus«. Und eine 2016 erschienene Studie des israelischen Antisemitismusforschers Manfred Gerstenfeld ergab: »Im 21. Jahrhundert wurden alle in Europa begangenen Morde an Juden, die getötet wurden, weil sie Juden waren, von Moslems begangen.«

Einen weitreichenden Realitätsverlust in der Antisemitismusfrage kennzeichnet freilich nicht nur den vermeintlich politisch unkorrekten Antizionismus, sondern ebenso den politisch korrekten Mainstream-Journalismus, dem dieses statistisch krasse Mißverhältnis zwischen rechtsextremer und islamistischer Gewalt gegen Juden kaum eine Meldung wert ist. Denn noch für die jüngst in einer Berliner Schule von muslimischen Schülern an einem jüdischen Mitschüler vollzogene Scheinhinrichtung soll die AfD verantwortlich sein.

4.10. Die deutsche Vergangenheitsbewältigung ist nach der Maxime »Nur ein toter Jude ist ein guter Jude« (Henryk Broder) verlaufen. Dadurch ist ein Klima geschaffen worden, in dem man andächtig des Holocaust gedenkt und zur Entlastung die Israelis die neuen Nazis schimpft. Umgekehrt wäre es besser: Es gälte die Holocaust-Religion zu säkularisieren und im Gegenzug die Antizionismus-Propaganda zu delegitimieren.

Zwar ist »Antizionismus« nicht per se »Antisemitismus«, aber de facto ist er es verdächtig häufig. Den Verdacht eines »ehrbaren Antisemitismus« (Jean Améry) erwecken zumindest jene »Israelkritiker«, die in Ausübung ihres Amtes unter empfindlicher Temperaturerhöhung leiden, mögen sie auch noch so sorgfältig zwischen »Juden« und »Zionisten« unterscheiden. Der islamischen Seele ist freilich schon diese Unterscheidung vollkommen fremd.


Siegfried Gerlich

Siegfried Gerlich studierte Philosophie sowie Musikwissenschaft und lebt als freier Autor und Pianist in Hamburg.

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Kommentare (33)

Der_Juergen
4. April 2018 18:56

Schade, sehr schade. Nach dem wirklich fundierten ersten Teil der Antwort Gerlichs auf von Waldstein folgt nun ein unvergleichlich schwächerer zweiter. Nicht, dass hier alles falsch wäre, aber ein erheblicher Teil besteht aus dem Nachplappern zionistischer Propaganda.

Sauer aufgestossen ist mir vor allem die Stelle, wo Gerlich behauptet, Mohammed Amin el Husseini, der Mufti von Jerusalem, sei "1941 von Himmler über die unmittelbar bevorstehende Endlösung informiert worden" und habe darauf seinerseits eine solche für Palästina geplant. BEWEISE BITTE! Wo ist eine nachprüfbare Quelle für diese Behauptung? Ausser irgendeiner nach dem Krieg fabrizierten "Zeugenaussage" wird Gerlich keine Quelle anführen können, weil es keine solche gibt. So arbeitet kein Historiker, der Anspruch auf Seriosität erhebt.

Ich habe in einem vorherigen Kommentar darauf verwiesen, dass der Israelkritik seitens der Muslime und antizionistischen Linken eine gehörige Dosis Heuchelei innewohnt, weil auf einen von Juden getöteten Muslim wohl 100 oder mehr von anderen Muslimen umgebrachte Muslime kommen. Doch die Fakten sind klar: Jüdische Eindringlinge haben sich ein Territorium mit roher Gewalt unter die Nägel gerissen und durch nackten Terror dafür gesorgt, dass rund die Hälfte der Araber floh. Allein schon die Nachricht vom Massenmord von Deir Yassin löste Schockwellen aus und veranlasste Zehntausende zur Flucht - was ja der Zweck des Massakers gewesen war. Dieses war keinesfalls das einzige; man lese z. B. Guy Ehrlich, "Not only Deir Yassin".

Lächerlich ist Gerlichs Behauptung, es gebe kein palästinensisches Volk. Es ist durchaus möglich, dass sich die Palästinenser früher einfach "Araber" nannten, aber der von den Zionisten begangene Landraub hat bei ihnen zur Herausbildung einer palästinensischen Identität geführt.

Gab ich dem ersten Beitrag von Gerlich noch die Höchstnote, so gebe ich dem zweiten allenfalls zwei von zehn Punkten.

Immer noch S.J.
4. April 2018 19:53

Ab dem Punkt 4.9 gelingt es Dr. Gerlich, den mangelhaften Reflexionsprozess der Regierung, aber natürlich auch der Öffentlichkeit, bezüglich der in Deutschland begangenen antisemitischen Straftaten aufzuzeigen, die sich beide danach zu sehnen scheinen, Belege für gesellschaftspolitische Klischees einzusammeln. Folglich gelingt es nur schlecht bzw. nur allzu spät, die entscheidenden Ursachen für den wiedererstarkenden Antisemitismus zu benennen, wie es kürzlich zumindest ansatzweise der Präsident des Bundestags Wolfgang Schäuble versuchte. Der Historiker Michael Wolffsohn hatte - vermutlich mit anderen Absichten - in der Hochzeit der Migrationskrise treffend festgestellt, Deutschland sei ein Teil des Nahen Ostens geworden. Das ist das Resultat totaler Inkompetenz: Statt Krisenherde einzugrenzen, werden diese globalisiert.

Waldgaenger aus Schwaben
4. April 2018 20:01

Sehr gut, dass Siegfried Gerlich so deutlich Stellung für Israel bezieht. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber für mich lugt hinter der Maske des Antiamerikanismus' des Textes von Herrn v. Waldstein deutlich der Antisemitismus hervor. Festmachen kann ich dies an den Satzteilen

... einen die Menschenrechte beharrlich mit Füßen tretenden Kleinstaat am östlichen Mittelmeer, der seine islamischen Bürger und Nachbarn seit Jahrzehnten mit Gewalt und Terror überzieht

... politisch vollständig fremdbestimmte Menschenansammlung jenseits des Atlantik

... uns mit dem (weißen) Aktienbroker aus Manhattan angeblich mehr verbindet als mit dem (nicht weißen) Okraschoten-Händler

Wer bestimmt denn die USA fremd? Die „Ostküste“? Warum gerade ein Aktienbroker? Ein solcher aus Frankfurt steht dem Kollegen aus Manhattan dann doch wohl näher, als dem Basarhändler. Oder zielt Herr v. Waldstein gar nicht so sehr auf den Beruf ab?

Gemeint ist wohl eher ein trader, ein Broker ist kein Händler, er kauft und verkauft Aktien im Auftrag von Kunden vergleichbar einem Makler. Ein trader setzt auf Gewinne aus fallenden oder steigenden Kursen. Bekannte online-broker sind onvista, consors, etc.

Zur Rolle des Antisemitismus' schrieb Rolf Sieferle an Michale Klonovsky drei Wochen vor seinem Tod eine E-Mail. https://www.michael-klonovsky.de/artikel/item/307-der-ganz-europa-destabilisierende-wahnsinn-der-grenzoeffnung

Zitat daraus: Der Antisemitismus war schon im 19. Jahrhundert nichts als eine von Wahnvorstellungen geprägte, irrationale und sachfremde Ideologie. Heute ist er zum Inbegriff der politischen Absurdität geworden und wird im Grunde nur noch von Spinnern vertreten, die etwa auch Adolf Hitler, diese größte politische Niete des 20. Jahrhunderts, für einen vorbildhaften Politiker halten. Aber gerade bei einer nationalkonservativen Protestpartei [ gemeint ist die AfD ] besteht immer die Gefahr, daß sich solche Narren bei ihr einnisten (wenn es sich nicht um gezielte Provokationen handelt), so daß man sich rigoros von ihnen trennen muß.

Drastische Worte, aber daraus berechtigt. Die kommende (Welt)Wirtschaftskrise wird die Entscheidung über die Zukunft Deutschlands bringen. Die Zeit bis dahin muss genutzt werden, die eigenen Reihen zu schließen und zu entscheiden wer dazu gehört und wer nicht.

Und da sich jetzt gerade Kräfte rechts der Mitte hinter dem Banner „gegen die Islamisierung des Abendlandes“ zu sammeln beginnen, sind Apologien islamischer Gewalttaten nicht hilfreich.

Solution
4. April 2018 20:22

@ Der_Jürgen
Ich schließe mich Ihnen an. Ob Islam oder Zionismus - nichts davon ist in unserem Interesse. Gerlich liegt hier eben genauso in vielem daneben.

Von Walstein steht auch nicht alleine. Leider hat selbst der sonst sehr gute Bücher schreibende Kerry Bolton in seinem "Zionism, Islam and the West" viel Unsinn im Sinne einer Verharmlosung des Islams verzapft.

Und auch von Leuten, wie einem Johann(es) von Leers, wollen wir ganz schweigen. Der ist 1955 sogar zum Islam übergelaufen, um besser gegen die Juden agitieren zu können.

Als Atheist bin ich natürlich schon grundsätzlich skeptisch wenn mit Religion Politik gemacht wird.

Thomas Martini
4. April 2018 20:34

Siegfried Gerlich kritisiert nicht Thor von Waldsteins Islam-Thesen aus dessen Werk "Die entfesselte Freiheit", er betreibt zionistische Propaganda wie aus dem Lehrbuch. Von Waldsteins fünfte These umfasst gerade einmal vier Sätze. Darauf mit einem solchen Aufsatz zu antworten, offenbart die Motivation hinter Herr Gerlichs "Antithese" allzu deutlich.

Es wäre echt eine Versuchung, die ganzen historischen Unwahrheiten, Geschichtsklitterungen, einseitigen Argumentationsmuster, Widersprüche, falschen Behauptungen, sprich, diese zionistische Propaganda haarklein zu zerpflücken. Man darf jedenfalls sehr gespannt sein, wieviel "Meinungsfreiheit" man Thor v. Waldstein bei seiner Entgegnung einräumt, und in welchem Ausmaß er davon Gebrauch machen wird.

Fredy
4. April 2018 20:53

Ihr seid gebildet und gelehrt. Und doch hab ich das Gefühl von Beiden aufs Glatteis beführt zu werden. Äpfel mit Birnen ... abendländische Kultur vs. Islam. Der Islam hat mit orientalischer Kultur und Errungenschaften soviel zu tun wie das Christentum mit der abendländischen Kultur. Eine gewisse Prögung, aber nicht mehr. Wieviel Christentum steckt in Erfindungen wie Auto, Buchdruck oder Atomkraft? Genausoviel wie Islam in Mathematik oder Medizin. Man sollte die Religion nicht überbewerten. Andererseits wird Religion umso wichtiger je bedrängter, diskriminierter sich wohl jemand fühlt. Der Islam, oder besser ausgedrückt Menschen muslimischen Glaubens, waren bis vor 25 Jahren überhaupt kein Problem. Eine beschissene Religion unter allen anderen auch. Harmlos. Das Islamproblem ist ein durch westliche Politik erschaffenes Problem. Freilich, jetzt läßt es sich nicht mehr so einfach bändigen, nachdem der Geist aus der Flasche ist und die Religion zum Politikum wird. Ich als Atheist sag es nich gern: Aber gegen politisierte Religion wird nur eine ebenso starke Religion helfen. Wir waren schon weiter. Und weil wir das nicht begreifen wird Kamerad Sieferle Recht behalten.

A. Kovacs
4. April 2018 20:54

Palästinenser? Wenn ein Volk konstruiert ist, dann dieses. Es sind dieselben Araber wie in Jordanien. Und da die Araber vier Vernichtungskriege gegen Israel vom Zaun gebrochen haben, haben sie – nimmt man die Argumentation gegenüber Deutschlands Ostgebieten beim Wort – jedes Recht auf dieses palästinensische Land verloren. Die Deutschen hätten entsprechend – wenn sie denn gekonnt und gewollt hätten – die 12 Millionen Vertriebenen in Lagern an der Oder konzentrieren müssen, sich weigern müssen, sie aufzunehmen und ihnen versprechen müssen, dass sie ihr Land zurückbekommen. So ähnlich gehen die Araber mit ihrem palästinensischen Kanonenfutter gegen Israel um – schon längst könnten die „Palästinenser“ jordanische, syrische und saudische Bürger sein und es gäbe kein Palästinaproblem. Dass diese Farce von der UNO und der EU unterstützt wird, das zeigt genau, mit welchen Leuten man es da zu tun hat – und das läßt mich immer zweifeln an der Berechtigung der antiisraelischen/antizionistischen Thesen, die auch hier leider durchscheinen.

W. Wagner
4. April 2018 21:27

Welch spannende Diskussion. Tatsächlich erstaunte auch mich der zweite Teil von S. Gerlich, auch weil Herr von Waldstein wesentlich weniger Platz für seine sicherlich ebenfalls noch tiefer reichenden Gedanken hatte - das ist nicht ganz gerecht.
Der Einzige, der die leider unter Pseudonym schreibenden Kommentatoren kennt, ist Götz Kubitschek. Ich frage mich, ob sich nicht vielleicht ein Treffen der beiden Denker mit einigen der besten Kommentatoren etwa in Schnellroda lohnen würde? Oder wäre es zu unversöhnlich? Könnte man einen gemeinsamen Nenner finden? Vielleicht als Band wie “Tristesse droite” oder “Nationalmasochismus”? Es wäre schade, wenn diese sich ergänzenden und korrigierenden Beiträge nicht zu einem Resümee zusammengefasst würden und irgendwie im Internet verschwänden.

Alveradis
4. April 2018 22:10

Als Vladimir Ze'ev Jabotisnky, ein zionistischer Vordenker und Aktivist und obendrein auch Lehrer des Vaters von Netanyahu, am 4.November 1923 seinen Text " The Iron Wall" verfasste gab es das palästinensische Volk noch!
Ihm war völlig klar, dass dieses Volk sich wie jedes andere auch, gegen die Fremdbesiedelung auflehnen würde und er entwickelte Methoden, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft, diesen Widerstand zu brechen.

Seit wann eigentlich wurde damit begonnen, die palästinensische Existenz zu leugnen? War es durch Golda Meir? Bis ich diesen alten Text gelesen hatte, war ich auf die unfassbar böse Propaganda vom nicht existierenden palästinensischen Volk reingefallen, hatte das nie hinterfragt .

Inzwischen wird geleugnet, dass es Weiße gibt, dass es eine deutsche, eine schwedische Identität gibt, dass es eine europäische Zivilisation gibt ...
Wenn eine Gruppe nicht existiert, kann es keinen Genozid an ihr geben, nicht wahr?

Man vernichtet ja nur die Konstruktion des Weißseins oder besiedelt Land, das keinen Besitzer hat. Was für die Palästinenser gilt, gilt für uns ebenso. Man muss sie nicht mögen um zu begreifen, dass wir in der gleichen Lage sind und es sogar mit den gleichen Hauptakteuren zu tun haben.

Uns als "weiße Zionisten" zu bezeichnen, wie es Richard Spencer tut, bringt uns nichts als zusätzlichen, dann nicht mal unberechtigten Hass der Völker des nahen Ostens ein.
Wir werden dadurch keine "Ehrenjuden" oder so was, denen deshalb erlaubt wird, in unseren eigenen Ländern friedlich zu leben. Moralisch sind wir dann allerdings bankrott.

Ich müsste das nachsuchen aber ich denke, dass die "westlichen" Angriffskriege und Boykottmaßnahmen mehr Moslems getötet haben als die vom "Westen" ausgerüsteten islamischen Terrorsöldner. Denken wir nur mal an Allbright - 500 000 tote irakische Kinder, das war es wert. Pfff. Diese Menschen hatten uns nichts getan!

Auch wenn man den Islam rundweg ablehnt und für extrem schädlich hält, dann rechtfertigt das den Massenmord an moslemischen Völkern in deren Heimatländern noch lange nicht. Tote, Verstümmelte, Vertriebene - sind wir so weit das zu begrüßen, weil der Islam eine "grundsätzlich aggressive Religion" ist, obgleich all diese moslemischen Opfer des Westens uns nie angegriffen, nie bedroht haben?

eike
4. April 2018 22:38

Nun ist die Katze also aus dem Sack:
Zionistische Propaganda, kompakter als auf PI.

Schade, hier wurde eine Chance vertan; einige Thesen von Herrn Waldstein sind in der Tat diskussionswürdig, aber nicht auf dem einseitigen Niveau der politischen BRD-Korrektheit.

Martin Lichtmesz
4. April 2018 23:05

"Wenn ein Volk konstruiert ist, dann dieses. Es sind dieselben Araber wie in Jordanien."

Dann kann kaum von einer "Fremdherrschaft" die Rede sein, wenn Palästinenser auf jordanischem Gebiet leben.

Cacatum non est pictum
4. April 2018 23:35

Au Backe! Jetzt sind wir vollends beim Nahostkonflikt gelandet. Solche Diskussionen enden meiner Erfahrung nach unversöhnlich im Nirwana, so wie die Palästinenserfrage generell.

Vielleicht sollten wir das ausklammern. Der Staat Israel ist mit Brutalität aus dem Boden gestampft worden (good morning, Mr. Balfour!) und wird bis heute mit Brutalität bekämpft und verteidigt. Israel wird seit jeher von zionistischen Hardlinern regiert, die keine Konfliktlösung ermöglichen werden, und die offizielle Vertretung der Araber gurgelt ihrerseits mit Salzsäure und gibt keinen Zentimeter Boden preis. Der einzige jüdische Politiker, der Frieden hätte durchsetzen können (Rabin), wurde durch Mord beseitigt, und also läuft alles wie gehabt. Wir sollten uns auf unser eigenes Land konzentrieren.

@Waldgaenger aus Schwaben

"Sehr gut, dass Siegfried Gerlich so deutlich Stellung für Israel bezieht. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber für mich lugt hinter der Maske des Antiamerikanismus' des Textes von Herrn v. Waldstein deutlich der Antisemitismus hervor."

Gott im Himmel! Was habt Ihr alle mit Eurem Israel? Glaubt Ihr, die Juden werden sich auch nur ein Jota für unser Land einsetzen, wenn es richtig eng wird? Ich glaube das nicht, denn noch jede öffentliche Äußerung jüdischer Vertreter in Deutschland, die mir aus den vergangenen Jahren in Erinnerung ist, war gegen deutschen Patrotismus gerichtet. Denken Sie an all die negativen Verlautbarungen des Zentralrats zur AfD. Denken Sie an den hochgelobten Herrn Broder, der Europa für sturmreif hält und darüber offenbar nicht eimal Bedauern empfindet (das Zitat ist nachzulesen). Daß der radikale Islam den hier lebenden Juden langsam das Wasser abgräbt, ist ihnen natürlich bewußt; trotzdem haben sie sich in den letzten Jahren allenfalls halbherzig dazu geäußert, und im Zweifelsfall war immer noch der Rechtsextremismus schuld. Tut mir wirklich leid, aber ich sehe absolut keine Indikation dafür, daß aus dieser Richtung auch nur die geringste Unterstützung für uns Deutsche zu erwarten ist. Warum also sollen wir uns auf Gedeih und Verderb auf die Seite Israels schlagen? Erklären Sie mir das bitte.

"Drastische Worte, aber daraus berechtigt. Die kommende (Welt)Wirtschaftskrise wird die Entscheidung über die Zukunft Deutschlands bringen. Die Zeit bis dahin muss genutzt werden, die eigenen Reihen zu schließen und zu entscheiden wer dazu gehört und wer nicht. "

Die Reihen zu schließen, wird in der Tat unabdingbar sein. Daß das keine leichte Aufgabe ist, zeigt sich allein schon an dieser Debatte hier. Lassen Sie mich einen Vorschlag dazu machen. Wir beschränken uns auf einen kleinen, aber bedeutsamen gemeinsamen Nenner: auf das Wohl unseres Vaterlandes und die Interessen des deutschen Volkes. Wir setzen uns dafür ein, daß die zerstörerische Masseneinwanderung beendet und weitgehend rückabgewickelt wird - wie lange auch immer das dauern mag. Außenpolitisch treten wir für eine selbstbewußte Haltung mit Augenmaß ein, die insbesondere auf ein gesundes Verhältnis zu unseren unmittelbaren Nachbarn zielt. Ein solch stabiles Verhältnis streben wir auch zu den Vereinigten Staaten und zu Rußland an. Was auch immer passieren mag: Deutsche Interessen stehen für uns im Vordergrund, und wir lassen uns weder für angloamerikanische noch für russische noch für israelische Interessen einspannen. Intransparenter geheimbündlerischer Einflüsse erwehren wir uns nach Kräften. Können wir uns auf dieses Minimalprogramm einigen?

Lotta Vorbeck
5. April 2018 01:57

@Der_Juergen - 4. April 2018 - 06:56 PM

"... Lächerlich ist Gerlichs Behauptung, es gebe kein palästinensisches Volk. Es ist durchaus möglich, dass sich die Palästinenser früher einfach "Araber" nannten, aber der von den Zionisten begangene Landraub hat bei ihnen zur Herausbildung einer palästinensischen Identität geführt. ..."

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Auf TICHYS EINBLICK erschien im März 2016 das hier:

Von der Macht eines Wortes - Als DER SPIEGEL die Palästinenser erfand

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/spahns-spitzwege/als-der-spiegel-die-palaestinenser-erfand/

Von Tomas Spahn - Dienstag, 22. März 2016

Palästinenser – ein Volk? Ja, vielleicht. Vor 3.000 Jahren … Über die Legende der Palästinenser und wie deutsche Medien ein Volk erfanden.

Hinweis:
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Andreas Walter
5. April 2018 06:58

In der Schule hätte ich damals dafür eine 6 bekommen. Nicht etwa weil vieles was Herr von Waldstein hier im zweiten Teil anspricht nicht diskussionswürdig ist, sondern weil einfach das Thema verfehlt. Der "Aufsatz" heisst doch glaube ich "Is the Islam good for Germany?" und nicht "Is it good for the Jews?".

Andere Vergleiche verbieten sich von selbst, denn Israel besitzt sowohl eine sehr mächtige Schutzmacht wie auch eigene Kernwaffen, wir nicht. Weder damals noch heute. Zumindest bis 1967 hatte Israel aber auch noch eine zweite Schutzmacht, auch Eine, die bereits mit mehreren tausend Kernsprengköpfen ausgestattet war. Doch dann kam es mit der Einen zum Bruch. Zu dem Zeitpunkt haben laut Haaretz noch 3 bis 3,5 Millionen Juden in der Sowjetunion gelebt, 5,4 Millionen in den VSA und 2,4 Millionen in Israel.

Es verbietet sich aber auch Orte über die Zeit indifferent zu vergleichen, denn eine Sache sind 50.000 Juden in "Kanaan" um 1900 und heute 6 Millionen Juden in Israel eingeflogen aus aller Welt. Das wäre in etwa vergleichbar, wie wenn in Deutschland heute bereits 60 Millionen Muslime leben würden, 75% der Gesamtbevölkerung. Um 1900 waren die Juden in Palästina aber noch eine Minderheit von gerade mal 10%. Hauptsächlich Sepharden, das ist richtig, die sich zumindest rein äusserlich kaum von den Muslimen in Palästina unterscheiden. Im Gegensatz zu den Aschkenasen, die weltweit aber die Mehrheit der Juden stellen und in Israel etwa die Hälfte. Rothaarige "Palästinenser," die mich aber eher an Wikinger erinnern.

Möchte daher mal sehen, ob in 30 oder 50 Jahren dann auch jemand so einen einseitigen Artikel dann über Deutschland schreibt, nur dann eben pro Muslime und anti Deutsche. Am besten auch mit so einem Satz, dass es die Deutschen doch eh gar nicht wirklich gegeben hat, beziehungsweise, die ja eh schon am Aussterben waren.

Alles Rechtfertigungsrhetorik daher für Krieg (vom Verb "kriegen"), doch das schrieb ich ja bereits gestern. Ebenso könnten wir uns jetzt als Christen plötzlich in den Kopf setzen, den ganzen Nahen Osten zurückerobern zu wollen. Zurück auch zu unseren Wurzeln gehen zu wollen.

Ich hoffe daher, dass es im dritten Teil dann endlich auch mal um uns geht. Um unser Land. Um Deutschland.

Martin Lichtmesz
5. April 2018 07:36

Die Rede von der "Erfindung" eines Volkes, das bereits vor der zionistischen Besiedlung und Staatsgründung auf palästinensischem Boden gelebt hat, ist bodenlos perfide. Euch gibt es gar nicht, damit können wir mit euch machen, was wir wollen! Woher kennen wir das?

Valjean72
5. April 2018 07:40

Als Hitler und Himmler ins Spiel gebracht wurden, brach ich die Lektüre ab. "Unsere tägliche Schuld gib uns heute!"

Hier handelt es sich nicht mehr um eine Replik auf von Waldsteins Aufsatz, sondern um ein missionierend-eifriges Abspulen angeeigneter Glaubenssätze, beinahe vollkommen losgelöst vom Diskursgegenstand.

Immer noch S.J.
5. April 2018 08:41

@Valjean72
Ich muss Ihnen in der Hinsicht zustimmen, dass ich den Überblick verliere, worum es hier inzwischen insgesamt geht. Ich habe v. Waldsteins Bücher und Aufsätze gelesen, habe aber ernste Probleme, alle Details wiederzuerkennen und frage mich, was ich alles übersehen habe und ob v. Waldsteins Texte die Breite der hier ausgeführten Betrachtungen hergeben. Ich ziehe mich daher besser zurück und lese lieber nur mit.

Der_Juergen
5. April 2018 08:51

Ich kann Menschen wie @Siegfried Gerlich, @Adorjan Kovacs und den @Schwäbischen Waldgänger einfach nicht begreifen. In der Einwanderungsfrage argumentieren sie luzid und führen Argumente ins Feld; ich denke da beispielsweise an Dr. Kovacs' niederschmetternde Statistiken über die demographische Entwicklung in Deutschland.

Dieselben Leute stellen sich nun auf den Standpunkt, dass, wer die islamische Invasion Deutschlands und Europas bekämpft, deshalb automatisch den zionistischen Staat unterstützten und als Dreingabe noch grobe Geschichtsfälschungen begehen muss, sei es Gerlichs Phatasiebehauptung über Himmler und den Mufti oder die dreiste Lüge vom "nicht existierenden palästinensischen Volk".

Warum diese stupide Solidarität mit einem Land, das Deutschland seit jeher als Milchkuh betrachtet und fanatisch gegen jede nationale Regung auf deutschem Boden ankämpft? Genau wie der Zentralrat, der zu den hauptsächlichen Claqueuren von Islamisierung und Umvolkung gehört.

Begreiflich wäre diese Position nur, wenn Gerlich, Kovacs und der Waldgänger jüdischer Abstammung wären. Dann hätten sie natürlich das volle Recht, sich mit ihrem Volk und ihrer geistigen Heimat zu solidarisieren, sollten aber ehrlicherweise mit offenem Visier kämpfen.

@ Alveradis
@elke
@Thomas Martini
@Martin Lichtmesz
@ Caccatum
@Valjean

Danke für Ihre klaren Worte.

Ein gebuertiger Hesse
5. April 2018 09:12

@ Der_Jürgen

Und noch einer, der sich an die Danksagung an die Genannten dranhängt. Der Beitrag ist in seiner zionistischen Einseitigkeit und Stimmungsmache geradewegs verantwortungslos.

A. Kovacs
5. April 2018 09:28

@Der_Jürgen, Martin Lichtmesz et al.
Ich verstehe die Aufregung nicht. Wo ist der „automatische“ Konnex zwischen der Abwehr der islamischen Masseneinwanderung und der Unterstützung des zionistischen Staates? Natürlich nirgendwo. Er wird hineinphantasiert. Mir ging es in meiner letzten Einlassung darum zu zeigen, dass den Deutschen verwehrt wurde, was den „Palästinensern“ gewährt wird – nämlich den Anspruch auf ein in einem Krieg verlorenes Gebiet aufrechtzuerhalten.
Und was die Konstruktion eines „palästinensischen Volkes“ angeht, so ist diese perfide und nicht etwa die Feststellung. Natürlich lebten Araber schon vor dem heutigen Staat Israel dort, aber weshalb sollten sie deshalb ein eigenes Volk sein? Die Araber träumen doch von einem Großarabien, gerade weil sie EIN Volk sind und nicht Dutzende Völker. Es fällt auf, wie schnell auch heute muslimische „Völker“ entstehen, wenn Bedarf besteht – neuerdings die Rohingya. Wenn Herr Lichtmesz mit seinem „Woher kennen wir das?“ den Unterschied zu den Deutschen verkennt und damit unzulässig Parallelen zieht, bin ich ratlos.

Nath
5. April 2018 09:50

@Der_Jürgen
Vielleicht haben Sie selbst angesichts der divergierenden weltanschaulichen Prämissen, welche die Foristen hier (und anderswo) bei bestimmten Gelegenheiten offenbaren, schon hin und wieder darüber nachgedacht, wie sehr die politische Sphäre mit Inkombatiblem durchsetzt ist. Obwohl noch auf der "metapolitischen" Ebene diskutiert wird, tritt das Unvereinbarkeitssyndrom bereits deutlich genug zutage. Dabei fungiert das Einwanderungsproblem als eine Art "Koalitionsklammer" bei welcher Kreationisten, Darwinisten, Christen, Atheisten, Querfrontler, Philosemiten, Antizionisten, konservative Wirtschaftsliberale etc. sich für einen begrenzten Zweck kurzzeitig zusammenfinden.
Natürlich kann man einwenden, dass in der empirischen Welt der heilige Geist und der Teufel zu "beiderseitigem Vorteil" durchaus zusammenarbeiten können, ja dass darin sogar die unrettbar kontingente "Weltgeschichte" bestehe. Trotzdem bedarf es keines prophetischen Geistes, vorauszusehen, wie schnell besagte Inkonsistenzen an die Oberfläche dringen würden, wäre auch nur ein Zipfel politischer Macht erreicht.

Pit
5. April 2018 10:00

Ich lese mit Dankbarkeit die Beiträge von @Der_Juergen und den von ihm Erwähnten. Ich stimme allem zu, wäre kaum imstande, das so sachlich zu schreiben (über beide Autoren, Gerlach / Waldstein, schüttele ich fassungslos den Kopf). Es sagte glaub schon jemand hier: die Einführung des www ist ein Riesenproblem für "sie"... es wird ja auch bereits eifrig wieder unterjocht... will sagen, (noch) hat jeder die Chance, aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit auszugehen. Es zeigt auch die Bedeutung der Medien: offensichtlich ist Information und ihre Verbreitung wirklich alles. Zu Recht spricht der exzellente Alex Jones von Info War, es ist ein Krieg (ja, A. Jones vermeidet bestimmte Themen, er würde sonst nicht ein Riesenpublikum mit dennoch wichtigen Informatinoen erreichen - Taktik ist im Krieg erlaubt).

Benedikt Kaiser
5. April 2018 10:00

@Kovacs:

Die Araber träumen doch von einem Großarabien, gerade weil sie EIN Volk sind und nicht Dutzende Völker.

Das ist doch grotesk, falls Sie das wirklich ernst meinen sollten. Nicht »die« Araber träumen von Großarabien, sondern es gab in den 1950er und 60er Jahren (!) den Versuch einiger (!) panarabischer Intellektuellengruppen (!), ein solches Gefühl der arabischen Zusammenhörigkeit zu kreieren – was, aufgrund der mannigfaltigen sprachlichen, religiösen, regionalen, stammesspezifischen und z. T. sogar ethnischen Vielfalt erwartbar, krachend schief ging, selbst in Syrien und Ägypten, wo entsprechende Gruppen noch den größten Rückhalt hatten. Apropos Syrien: Dort vertreten heute Gruppen wie die syrischen Sozialnationalen der SSNP gar antiarabische Konzeptionen des Syrertums, weil, um beim Beispiel Syrien zu bleiben, nunmal nicht nur Araber dort leben, sondern auch Turkmenen, Aramäer, Kurden, Jesiden usw. – »Großarabien« ist eine Fiktion, und der Wille, den Sie »den« Arabern zuschreiben, ebenso. (Dieser plumpe Schachzug hilft, so durchsichtig er ist, freilich u. a der Argumentation extremer Siedlergruppen und ihren medialen Verstärkern in der westlichen Welt, beispielsweise neokonservativen Publizisten, deren Fähigkeit zur sachlichen Analyse stets dann aussetzt, wenn das mal arabische, mal persische, aber immer islamische Feindbild bespielt werden will.)

Und was die unselige Propagandabehauptung anbelangt, das palästinensische Volk wäre eine Erfindung – nun, sagen Sie das bspw. mal den christlichen Palästinensern in Ramallah, die lange vor Balfour und Co. bereits dort siedelten. Es bleibt dabei: Die Mär von der Erfindung der Palästinenser ist eine der folgenschwersten Legitimationsmythen, die es in der an Mythen so reichen Region des Nahen und Mittleren Ostens gibt.

Einführend: Ilan Pappe: Die Idee Israel – Mythen des Zionismus (= LAIKAtheorie, Bd. 56), Hamburg: Laika 2015. 375 S., in der Sezession rezensiert.

Stil-Bluete
5. April 2018 10:26

Schade, sehr sehr schade, 'Man merkt die Absicht und ist verstimmt' (frei nach Goethe). Die Verengung von Siegfried Gerlich im 2. Teil. Was entsteht bei einem Nadelöhr? Stau und/oder politischer Sophismus. Der erste Teil als Lockvogel für den 'eigentlichen 2. Teil? So kann man sich selbst widersprechen.
Mit diesem 2. Teil haben Sie bei nur Eines bewirkt, die Integrität von Thor von Waldstein in a l l e n Ehren zu halten.

A. Kovacs
5. April 2018 11:44

@Benedikt Kaiser
Besten Dank. Es wollten auch nie „die“ Deutschen einen Staat, sondern bestimmte „Gruppen“, mal mit, mal ohne Österreich, und ein paar Sorben haben da auch nicht gestört. Also man sollte seriös bleiben. Mir ist schon bekannt, dass Syrer wenig bis nichts mit Ägyptern zu tun haben wollen, aber das ist bei Friesen und Bayern ja auch der Fall. Ein arabisches Reich hat es m. W. gegeben, welchem historischen Narrativ man auch folgt, und deshalb sind Bestrebungen, die daran anknüpfen, zumindest nachvollziehbar.
Immer klarer wird mir dagegen, warum das eigentliche Problem, die mohammedanische Masseneinwanderung, aus dem Blick gerät: Wie sollte man auch ernsthaft etwas dagegen haben, wenn man den Islam letztlich so schätzt wie Herr v. Waldstein und die Mehrheit der Diskutanten? Im Juni wird dazu alio loco eine ausführliche Darlegung von mir erscheinen.

Martin Lichtmesz
5. April 2018 12:34

@A. Kovacs

Die Rede von der "Erfindung" des palästinensischen Volkes operiert in der Regel auf zwei Bedeutungsebenen, die je nach Bedarf gewechselt oder vermischt werden.

1. Der semantische Taschenspielertrick: Oft wird argumentiert, daß der Begriff "Palästinenser" im heutigen Sinn erst in den sechziger Jahren entstand. Das ändert nicht daran, daß damit ein klar definierbare Gruppe von Menschen mit einer bestimmten Herkunft und Geschichte bezeichnet wird.

2. Wenn der semantische Trick nicht funktioniert, dann geht die Argumentation immer auf Ebene 2 über: daß Palästinenser Araber seien und eben kein eigenes Volk "Palästinenser". Klar: Genausowenig wie Schlesier oder Ostpreußen gesamt gesehen keine eigenen Völker sondern Deutsche sind. Dennoch sind Schlesier und Ostpreußen Gruppen, die eine bestimmte Herkunft und ein bestimmtes Schicksal haben, mit anderen Worten eine eigene Identität. Die haben die Palästinenser nun auch, selbst wenn sie vielleicht nicht im strengen Sinne ein Volk sind. Wer einem Volk oder einer ethnischen Gruppe sagt: "Eure Identität ist nur konstruiert", will sie in der Regel schwächen, delegitimieren, auflösen, im äußersten Fall vernichten.

3. Dann kommt noch häufig eine dritte, verwandte Ebene hinzu: man argumentiert, ja in Palästina vor 1947/8 haben (mehrheitlich) Araber gelebt, aber die waren im Grunde sich zufällig dort aufhaltende Nebbiche neben etwaigen anderen sich zufällig dort aufhaltenden Nebbichen, während doch erst die jüdischen Siedler, die nach 2000 Jahren heimkehren, das Land zum Blühen gebracht haben. Demnach wären die Juden eine Art Herrenvolk, dem das Land aus diesem und jenem Grund zusteht, während die Nebbiche aus diesem und jenem Grund nichts zu melden haben und sich gefälligst damit zufrieden geben sollen, was sie bekommen hätten. Das ist natürlich ein astreines Kolonialargument, das Vorrecht der Zivilisierten gegenüber den minderwertigen, unentwickelten, unzivilisierten Völkern, wie aus dem 19. Jahrhundert.

Das alles läuft darauf hinaus, eine peinliche Tatsache zu vernebeln: daß es Folgen hat, wenn man einen Nationalstaat auf einem bereits besiedelten Territorium gründen will und zu diesem Zweck die Stammbevölkerung vertreiben muß (noch eine Tatsache, die von der zionistischen Mythenbildung häufig geleugnet wird). Alles weitere folgt daraus. Israel ist auf einer schiefen Ebene errichtet worden. Man kann das nüchtern sagen, ohne eine von beiden Seiten des Konflikts zu dämonisieren oder zu glorifizieren.

Vielleicht liegt es ja an meiner eigenen Beschränktheit, aber es will nicht in meinen Kopf, wie man diese simple Tatsache negieren kann.

RMH
5. April 2018 13:10

Muntere Diskussion, die zeigt, dass v. Waldstein zumindest wunde Punkte mit seinen Thesen sehr gut offengelegt hat - und genau das muss es auch unter Rechten geben, offenen Schlagabtausch. Eine fast schon akademische Antwort (noch ein paar Fußnoten mehr und es wäre eine) auf die Thesen, lässt es nun leicht uferlos werden.

Ich versuche daher, anknüpfend an die bisherigen Beiträge, eine sehr, sehr starke Verkürzung:

Rechte = antimodern
Islam = antimodern

Nun stellt sich die Frage, ob aufgrund dieser unterstellten Gemeinsamkeit eine tatsächliche und praktische Gemeinsamkeit entstehen kann. Ich meine Nein, da rechts eben nicht zwingend antimodern in allen Bereichen ist. Im Gegenteil, rechts & konservativ ist die wirklichkeitsbejahende Gestaltung des Flusses der Geschichte und eben kein Utopismus und auch kein grundsätzlicher roll-back. Rechts & konservativ ist zudem auch frei von chiliastischen Erwartungen (im Gegensatz zur Linken, zum NS und zu vielen Religionen). Rechts & konservativ hat auch kein Problem mit modernen Errungenschaften, wie bspw. einem demokratischen Rechtsstaat. Leute, die mit antimodern im Sinne von bspw. Ständestaat, Faschismus und NS weniger Probleme haben, neigen offenbar wohl tendenziell eher zur Antwort ja (Achtung: wie beim letzten mal auch schon geschrieben: das soll keine Diffamierung sein - und gerade v. Waldstein ist nach meinem Eindruck ein überzeugter Anhänger des Rechtsstaates).

Eines dürfte aber klar sein: Einen Dr. Dr. v. Waldstein halte ich - anlehnend an den Beitrag von @Nath von 09.50 Uhr - für AfD- inkompatibel. Gerlich hingegen schon (er darf mir aber gerne widersprechen) und jetzt darf sich bitte jeder seinen Reim auf meine Thesen machen (oder auch nicht).

Obi Wan Kenobi
5. April 2018 16:16

Dank an Martin Lichtmesz für seine klärenden Worte.

Sicher, man kann Israel bewundern für den fast schon präzedenzlosen Kraftakt, der mit der Gründung und Konsolidierung dieses Staates verbunden war - Parallelen im 20. Jahrhundert finden sich aus meiner Sicht nur im Fall der Grundung der Sowjetunion und der Islamischen Republik Iran als schiitischer Theokratie.

Ist man denn aber auch gleichzeitig dazu verpflichtet, sich selbst Sand in die Augen zu streuen über die Entstehungsgeschichte dieses Staates und die Art und Weise, in der er seine Interessen durchsetzt?

Andreas Walter
5. April 2018 17:05

Korrektur zu meinem Kommentar (hier weiter oben) vom 5. April 2018 06:58.

Nur der Richtigkeit halber: Habe dort den Namen "von Waldstein" statt "Gerlich" geschrieben. Meine Kritik richtet sich in diesem Kommentar jedoch gegen Gerlich, was aber auch aus dem Kontext dann hervorgeht.

Juerg_Jenatsch
5. April 2018 21:15

Eine derart peinliche Geschichtsklittung, wie von Herrn Gerlich betrieben, ist mir seit langem nicht mir untergekommen. In den 80er Jahren des 19. Jahrhundert lebten auf dem Gebiet des heutigen Palästina rund 1/2 Million arabisch sprechender Palästinenser (auch wenn der Begriff erst später Allgemeingut wurde) und ca. 10.000 Juden. Man kann sich auch die Frage stellen, ob nicht die Palästinenser zum Teil auch hebräische Wurzeln haben, da nicht alle Juden in der Diaspora gelebt haben. Dann geriet Palästina ins Fadenkreuz einer jüdischen Nationalstaatsgründung, so daß bereits während der osmanischen Zeit etliche Zehntausende Juden in dieses Gebiet einwanderte. Trotzdem waren 1919 die ethnischen Verhältnisse etwa 10:1 zugunsten des arabischen Bevölkerungsanteils. Mit Hilfe der kollaborierenden britischen Mandatsmacht konnte das ethnische Verhältnis bis 1948 auf etwa 2:1 gebracht werden. Revolten der Palästinenser gegen das ihnen zugedachte Los wurden erbarmungslos vom britischen Militär niedergeschlagen. So zwischen 1936 und 39. Während die Juden sich im Rahmen der britischen Armee alle notwendige militärischen Fähigkeiten erwarben, die notwendig sind, um einen Krieg zu führen, steuerten die führungslose Palästinenser auf eine Katastrophe zu. Zusätzlich kartographierte die jüdischen, halblegalen Militärorganisation das Land, erkundeten das potentielle Vermögen und die mögliche Widerstandsfähigkeit und bereiteten sich bis 1948 systematisch auf den Krieg vor, indem Waffen beschafft, aber auch die jungen Männer und Frauen auf den Kampf vorbereitet wurden. nach dem WK 2 wurde das Land von jüdischen Terrororganisationen wie Irgun zwa Leumi und der Sterngang mit Gewalt überzogen, um so die Mandatsherrschaft zu beenden. Die UNO-Entscheidung das Land zu teilen, beinhaltete, daß den Juden mehr als die Hälfte des Landes zugestanden wurde, obwohl der arabische Bevölkerungsanteil mimmer noch bei gut 2/3 lag. Bereits vor dem offiziellen Ende der Mandatsherrschaft eskalierte die vor allem von jüdischer Seite (besser organisiert) betriebene Gewalt und die ersten Vertreibungen setzen ein. Schlecht organisierte und dürftig bewaffnete Palästinenser setzen sich punktuell zur Wehr. Erst mit dem Ende des britischen Mandats am 14. Mai 1948 konnten arabische Truppen zur Unterstützung der Palästinenser einrücken, Ohne einheitliches Oberkommando und in einer unzureichenden Truppenstärke, wie auch mit einer mangelhaften Ausrüstung versehen, waren diese Verbände den Juden/Israelis in keiner Weise militärisch gewachsen. Zu jeder Zeit des Krieges war Israel Herr des Geschehens. Zudem halfen die Waffenlieferungen aus dem westlichen und östlichen Ausland. Zudem hatte Israel bereits seit 1945 eine eigene Rüstungsindustrie ausgebaut. Die einzige Ausnahme war die arabische Legion Jordaniens. Diese Einheit war dem isralischen Heer zumindest gewachsen, wenn nicht sogar überlegen. Aber geführt von einem Engländer (Glubb Pascha) wurde die Legion zurückgehalten und besetzte nur die Westbank und Ostjerusalem. In einem Chaos aus Masskern, Vertreibungen und einer wilden Flucht erreichte Israel eine beträchtliche Ausdehnung seines Territoriums. Eine Rückkehr der meisten Einwohner nach dem Ende der Kampfhandlungen wurde selbstverständlich nicht zugelassen. Und was die angeblichen 4 Vernichtungskriege gegen Israel angeht, so kann ich keinen erkennen. 1956 hat sich Israel mit Frankreich und Großbritannien verschworen und hat Ägypten mit einem Angriffskrieg überzogen. 1967 hat Israel die militärische Initiative ergriffen und seine militärische Überlegenheit unbarmherzig ausgespielt und innerhalb von 7 Tagen die Armeen Ägypten und Syriens zertrümmert. Eine Gefahr für Israel bestand zu keiner Zeit. Inwieweit das Recht zum Präventivkrieg bestand, ist zumindest umstritten. Immerhin hat die bombastische und nicht durch militärische Fähigkeiten gedeckte arabische Propaganda es der isralischen Regierung leicht gemacht, die Idee des Präventivkrieges innhalb und außerhalb des Landes eine gewisse Berechtigung zu verleihen.
1973 im Jom Kippurkrieg wurde dieser erstmals von arabischer Seite eröffnet, allerdings war die Vernichtung Israels niemals das Ziel. Dies hätte die USA nicht zugelassen. Ziel war eine Verbesserung der Frontlinie und die Beseitigung der Schmach von 1967. Vielleicht meint ja Herr Gerlich als vierten Krieg den von Ariel Scharon losgetretenen Einfall im Libanon. Oder die militärisch belanglosen Scudraketen. Ansonsten bin ich etwas ratlos, wie man derartige Artikel verfassen kann. Wenn man sich auch aus isralischen Quellen informieren will:
Simcha Flapan, Sekretär der Mapam Die Geburt Israels Mythos und Wirklichkeit
Tom Segev Es war einmal Palästina
Tom Segev Die ersten Israelis
Ilan Pappe Die ethnische Säuberung Palästinas

Cacatum non est pictum
5. April 2018 23:24

@Nath

"Trotzdem bedarf es keines prophetischen Geistes, vorauszusehen, wie schnell besagte Inkonsistenzen an die Oberfläche dringen würden, wäre auch nur ein Zipfel politischer Macht erreicht."

Das ist doch keine Besonderheit in der Politik. Je krisenhafter die Zeiten, desto zugespitzter und weniger zahlreich die vertretenen Positionen; und um so mehr Leute scharren sich jeweils hinter den wenigen Leitwölfen. Wenn die Krisensituation entschärft ist - beispielsweise durch Entscheidung eines Konflikts zu eigenen Gunsten -, dividieren sich die Lager wieder aus- und gehen mitunter wieder in Frontstellung zueinander. Solange dadurch die alte Krise nicht wieder heraufbeschworen wird, halte ich das für unproblematisch.

Franz Bettinger
5. April 2018 23:28

@Martin Lichtmesz:

Ihre Argumentation in Ehren, aber sie ist (wie beinahe alle Argumente in diesem Strang) legalistisch. Seit wann aber richtet sich Geschichte nach dem Lex? Zumal Gesetze ja nur in Wort und Schrift geronnene Macht sind. Geschichte wird gemacht von denen, die die Macht haben, und basta. Eroberungen, Imperialismen, Enteignungen, Vertreibungen, Säuberungen, Willkür, Zensur und Propaganda durchzieht die gesamte Menschheits-Geschichte. Nichts von all dem war oder ist gerecht. Gerechtigkeit ist eine (übrigens linke, und auch christliche) Kopfnummer. Nehmen Sie nur das Völkerrecht oder die Helsinki Charta, darin die miteinander unvereinbaren Forderungen nach 1. Selbstbestimmungs- Recht der Völker (Katalanen, Kosovaren, Schlesier, Süd- Tiroler, die Sunniten des Islamischen Staates...) und 2. der Unverletzbarkeit von Grenzen. Da geht es schon los. Wer definiert, wer ein Volk ist? Sind die Saarländer eins? Nicht gleich lachen, denn: Die Luxemburger sollen eins sein. Und auch die Liechtensteiner, Andorraner etc.

Was Israel betrifft, könnte man - nein, muss man sagen: Nun sind sie halt da. Findet euch ab! Wir haben uns mit so vielem abgefunden. Kämpfen muss man, wenn's zählt, nicht hundert Jahre später. Heute muss man gegen die Überfremdung unserer Heimat kämpfen. Heute!

Das Relikt
6. April 2018 17:17

Ob die Palästinenser ein Volk sind, weiß ich nicht. Palästinenser, die ich getroffen habe, waren jedenfalls der Meinung zu einem Volk zu gehören.

Wer hat jetzt die Legitimation das in Frage zu stellen? Braucht eine Menschengruppe die Zustimmung stammesfremder Bücherwürmer um Volk zu sein? Wie Völker verschwinden steht in den Geschichtsbüchern - aber irgendwann müssen sie ja alle auch geboren worden sein. Die Palästinenser mit ihren gewaltigen Geburtenraten scheinen mir jedenfalls mehr Interesse an ihrem Fortbestand zu haben, als die Deutschen. Sie haben im Gegensatz zu uns auch Organisationen und Mythen, die ihre volkliche Existenz sichern und bekräftigen. Insofern sind die Palästinenser gegenwärtig wohl mehr Volk als wir und haben auch die größere Chance in hundert Jahren noch Volk zu sein. Wenn sie mal kein Volk waren, dann sind sie jetzt wohl eines. Von wem müssen sie sich jetzt dafür den Ritterschlag holen? Sicher nicht von der Minorität der Minorität einer rasant sterbenden Kultur.

Im Übrigen:
Ist es denn in Ordnung einer Menschengruppe ihre Heimat zu rauben und sie zu ermorden, wenn diese (festgestellt durch höchst brodersches Urteil) kein Volk ist? Interessante Konsequenzen tun sich auf: Mainstream-Lehre ist, dass alle Völker Erfindungen sind - außer einem. Hat das eine daher also Narrenfreiheit, mit den anderen zu verfahren, wie es beliebt?

Da fällt mir ein: mein altlinker Geschichtslehrer war ja der Meinung dieses Volk sei gar keines, sondern eine Religionsgemeinschaft. Aber wofür braucht eine Religionsgemeinschaft einen Staat? Gut, die Käßmann-Kirche hat die BRD, aber wir stimmen sicher alle über ein, dass das so nicht sein sollte.

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