Sezession
5. April 2018

Antithesen zum Islam. Erwiderung auf v. Waldstein III

Siegfried Gerlich / 21 Kommentare

Siegfried Gerlich kritisiert Thor v. Waldsteins Islam-Thesen aus dessen Werk Die entfesselte Freiheit – Teil 3.

Siegfried Gerlich

Siegfried Gerlich studierte Philosophie sowie Musikwissenschaft und lebt als freier Autor und Pianist in Hamburg.

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5. (Ad Waldstein-Thesen 8-9)

5.1. In ideologischer Hinsicht stellt sich der Islamismus als die »Dritte Widerstandsbewegung gegen die Moderne« (Ernst Nolte) dar, und in seinem repressiven Egalitarismus wie in seinem eliminatorischen Antisemitismus hat er das doppelte Erbe der vorangegangenen Widerstandsbewegungen des Bolschewismus und des Nationalsozialismus in das 21. Jahrhundert hinübergerettet.

Unter diesem Gesichtspunkt könnte der politische Islam zur Avantgarde einer transversalen, klassen- und kulturübergreifenden Querfront werden, in die sich nicht wenige depressive Altlinke und manische Neurechte, denen das geistige Erbe Europas fremd geworden ist, einreihen dürften. Dabei wäre deren schlimmstmöglichste Wendung zu einer antiamerikanisch-antisemitischen Einheitsfront zugleich die wahrscheinlichste.

Als Verfechter berechtigter nationaler und sozialer Interessen sollten sich Rechte und Linke nicht zu nützlichen Idioten von Islamisten herabwürdigen, für die sie allemal nur Ungläubige sind und stets bleiben werden.

5.2. In historischer Hinsicht wiederum stellt der Islamismus die Avantgarde einer »Dritten Welle des Angriffs« (Bernard Lewis) dar, welchen der Islam seit Anbeginn gegen Europa geführt hat. Anders jedoch als die Angriffe der Araber und Mauren ab dem 7. Jahrhundert und der Tataren und Türken ab dem 10. Jahrhundert erfolgt der Angriff des 21. Jahrhunderts weniger auf kriegerischem Wege als auf dem friedlichen einer demographisch explosiven Massenmigration. Denn dem Bevölkerungsschwund des alten Europa steht im islamischen Kulturkreis ein exorbitanter Bevölkerungsüberschuß vor allem an jungen, aggressiven Männern gegenüber, die eine gewaltige Reservearmee zur Rekrutierung von Glaubenskriegern stellen.

Der Versuch, diese Angriffswelle ausschließlich auf neoliberale Multikulti-Machenschaften zurückzuführen, für die allein der Westen verantwortlich sei, läßt die chronische Ursache dieser »ethnischen Herausforderung« hinter aktuellen Anlässen wie der »Flüchtlingskrise« verschwinden. Mit dem diplomatischen Geschick, eine islamophobe Innenpolitik durch eine islamophile Außenpolitik auszubalancieren, ließe sich allenfalls dieser Krise beikommen.

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6. (Ad Waldstein-Thesen 10, 12)

6.1. Mit Recht weisen Muslime darauf hin, daß Allah geschlechtslos und der Islam keine eigentlich patriarchalische Religion ist. In der hohen Anfälligkeit familial entwurzelter junger Männer für die Berufung zum Dschihad kommt daher immer auch der »Waisencharakter des Islam« (Slavoj Zizek) selbst zum Ausdruck.

Mohammed, der selbst Waise war, hatte die »Umma«, deren Begriff sich etymologisch von »Oum« (»Mutter«) herleitet, als eine vaterlose Brüdergemeinschaft gegründet. Und wenn sich späterhin auch Kalifate und Sultanate zu patriarchalischen Institutionen ausbildeten, so nahm doch nach deren Abschaffung der Urislam nicht von ungefähr wieder die Gestalt einer Muslimbruderschaft an.

Ohne genealogischen Rückhalt in einem Vatergesetz auf die notorische Wut von Muttersöhnen zurückgeworfen, haben sich zumal die jungen muslimischen Brüderhorden in einen verschärften und selbstzerstörerischen Kampf gegen innere wie äußere Feinde gestürzt.

6.2. Da es Muslimen verboten ist, sich mit der arabischen Vorgeschichte der islamischen Welt vertraut zu machen, wissen sie nicht, daß ihre Pilgerstätte in Mekka in vorislamischer Zeit ein matriarchalischer Vulva-Tempel gewesen war. Unbewußt aber folgen sie einer magischen Anziehung, wenn sie die Kaaba umkreisen und sich vor diesem Schrein der heidnischen Göttin Al'Lat zu Boden werfen. Als ein »kastriertes Patriarchat« untersteht der Islam am Ende dem »Gesetz der Mutter« (Tjark Kunstreich).

Bei muslimischen Söhnen geht die Ehrfurcht vor ihren Müttern denn auch häufig mit einer Verachtung ihrer Väter einher. Daß diese Ihnen kein Vorbild sind, da sie kaum Erziehungsarbeit und Individuationshilfe leisten, hält jene noch als erwachsene Männer in einer infantilen, symbiotischen Mutterbindung gefangen. Panisch fliehen sie die »Unreinheit« des Weibes, von dessen mythischer Übermacht sie obsessiv gebannt sind, und je weniger die Vaterlosen diesen Bann von sich aus brechen können, desto zwanghafter müssen sie ihre Frauen niederhalten.

Wenn Nietzsche behauptet, der Islam habe »Männer zur Voraussetzung«, so ist der große Psychologe hier einmal einer »orientalistischen« Projektion auf den Leim gegangen: Der seiner Triebhaftigkeit und seiner Lustangst vor dem Weiblichen ausgelieferte Muslim erweist sich als ein schwacher, unreifer Mann, und gerade der präpotent Hypervirile ist insgeheim der größte Weiberknecht.

6.3. Was für viele deutsche Frauen ein erotischer Traum und nur für Alice Schwarzer ein sexistischer Alptraum gewesen sein soll, ist inzwischen für allzu viele Frauen zur traumatischen Realität geworden: Laut BKA war hierzulande 2016 die Vergewaltigungsrate unter Asylbewerbern 15 mal und die Gruppenvergewaltigungsrate 42 mal höher als in der übrigen Bevölkerung.

Um die Verschleierung dieser Sachlage hat sich nicht zuletzt der sogenannte Netzfeminismus verdient gemacht, demzufolge die deutschen Männer ihre Frauen am liebsten selbst vergewaltigen und allein darum die muslimische Konkurrenz rassistisch diskriminieren.

Das Problem der deutschen Frauen ist freilich weder, daß ihre Männer sie nicht mehr vergewaltigen, noch daß sie es allzu gern tun, sondern daß sie sie nicht mehr gegen fremde Männer verteidigen können und dürfen.

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7. (Ad Waldstein-Thesen 11, 15)

7.1. Nach der kriegerischen Islamisierung des Morgenlandes war es die große Leistung der römischen Kirche, das christliche Abendland nur im Ernstfall eines mörderisch vordringenden Dschihad ihrerseits nach Nomadenart in »Kreuzzügen« zu verteidigen, es im Inneren dagegen so weitgehend zu entorientalisieren, daß auf europäischem Boden eine schöpferische Geisteskultur erwachsen konnte, die sich charakteristisch von der spröden islamischen Gelehrsamkeit abhob: »Der orientalische Rationalismus ist der geistige Ausdruck des Nomadentums und als solcher das Gegenteil des okzidentalen Rationalismus, der aus der Ackerbaukultur hervorging: im Zugriff verbrauchend, nicht aufbauend«. (Hans-Dietrich Sander)

7.2. In religionspolitischer Hinsicht kann der europäische Widerstand gegen die gegenwärtige Islamisierung daher allein von einem »nüchternen Laizismus« ausgehen, welcher die Eigengesetzlichkeit von Politik und Religion anerkennt.

Die Zwei-Welten-Lehre, derzufolge dem Kaiser zu geben sei, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, war der christlichen Theologie von Anfang an wesentlich. In der Geschichte des christlichen Abendlandes setzte sich dieses dualistische Politik- und Religionsverständnis vollends nach dem Investiturstreit durch, und darum kann das sakrale wie das säkulare Erbe Europas allein aus dem Geist des römisch-katholischen Christentums gerettet werden.

7.3. Das deutsch-protestantische Christentum indessen hat die Religion noch weiter privatisiert, um der frommen Innerlichkeit Raum zu schaffen, und fraglos ist seiner späteren »kulturprotestantischen« Säkularisierung die Blüte der deutschen Hochkultur zu verdanken. Doch wollte die pietistische Weltfrömmigkeit im Gegenzug auch die äußere Lebenswelt durchdringen, und so sollte paradoxerweise gerade der politische Protestantismus die Deutschen ihrer Eigenart berauben, »das protestierende Volk« (Dostojewski) zu sein: In neupietistischer Weltfremdheit dehnen die evangelischen Kirchen unserer Tage das Gebot der privaten Feindesliebe auch auf politische Feinde aus und halten dem Islam die »linke« Backe hin.

7.4. Das griechisch-orthodoxe Christentum wiederum wies in seiner »cäsaropapistischen« Ausprägung schon vorauseilend Affinitäten zur orientalischen Religiosität des »theokratisch« ausgerichteten Islam auf. Entsprechend unproblematisch war die feindliche Übernahme des byzantinischen durch das osmanische Reich verlaufen. Und wie friedlich sich eine solche Übernahme in unserer Gegenwart gestalten könnte, hat Michel Houellebecq in und als »Unterwerfung« beschrieben.

Einem »nüchternen Laizismus« steht eine solche »Hagia-Sophia-Lösung«, die Europa bereits mit islamischen Augen betrachtet, diametral entgegen, zumal auch der seit Jahrzehnten beworbene »Euro-Islam« ein bloßes Gespenst geblieben ist.

7.5. Daß islamische Potentaten westliche Waffen kaufen, um sie im Kampf gegen den Westen selbst einzusetzen, ist eine jahrhundertealte Tradition. An der Schwelle zur Neuzeit trugen europäische Schiffbauer, Kanonengießer und Hersteller anderen Kriegsgeräts ihren Teil zum osmanischen Vormarsch auf Europa bei.

Schon der legendäre Saladin hatte in einem Brief an den Kalifen von Bagdad seiner Verwunderung darüber Ausdruck verliehen, daß europäische Händler ihn mit den neuesten Waffen ausstatteten und damit zur Vernichtung Europas beitrugen.

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Siegfried Gerlichs Hypothesen bleiben nicht unwidersprochen. Thor v. Waldsteins abschließende Erwiderung erscheint morgen früh.


Siegfried Gerlich

Siegfried Gerlich studierte Philosophie sowie Musikwissenschaft und lebt als freier Autor und Pianist in Hamburg.

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Kommentare (21)

John Haase
5. April 2018 13:25

Wie Herr Gerlich auch denke ich, daß eine zweite europäische Renaissance nur aus dem Geist des Katholizismus entstehen kann. Das Protestantentum in all seinen Varianten dürfte in seiner Essenz ausgebrannt sein. Beim Katholizismus sieht es auf den ersten Blick ähnlich aus, doch angesichts der nahezu zweitausendjährigen Tradition kann es sein, daß um und in der niedrig glimmende Glutasche noch ein paar brauchbare Scheite herumliegen, mit denen ein frischer Wind und ein geschickt geführter Schürhaken aus der Glut noch einmal Feuer machen können. Die Wandlungsfähigkeit bei gleichzeitiger Standhaftigkeit dieses Glaubens ist erstaunlich und vielleicht gar ein Indiz für seine Wahrheit.

Ein „nüchterner Laizismus“ kann nicht dasselbe leisten wie eine Religion. Gegen „Allahu akbar“ hilft nur „Deus vult“. Laizismus wird letztlich immer beim Verfassungspatriotismus hängen bleiben.

hagustaldaz
5. April 2018 13:45

"... dehnen die evangelischen Kirchen unserer Tage das Gebot der privaten Feindesliebe auch auf politische Feinde aus und halten dem Islam die "linke" Backe hin."

Wie oft habe ich auf SiN schon von dieser angeblich urchristlichen Unterscheidung zwischen inimicus und hostis gelesen. Für viele ist sie offenbar ein Rettungsanker, um an ihrem Glauben festhalten zu können, ohne die ungebetenen Gäste willkommen heißen zu müssen.

Doch diese Auslegung ist wahrscheinlich falsch. Matthäus 5,41: "Wenn dich einer zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann gehe zwei mit ihm." Dieser Satz bezieht sich auf das Recht des römischen Besatzungssoldaten, sein Marschgepäck eine Meile lang von einem Einheimischen tragen zu lassen. Die christliche Feindesliebe schloß demnach von Anfang an auch den Invasor, den politischen Feind, den hostis, mit ein.

A. Kovacs
5. April 2018 14:10

@Martin Lichtmesz
Ich habe den Eindruck, dass hier für ein palästinensisches Volk gestritten wird, weil den Deutschen – immer öfter gerade auch von Deutschen – das Volk-Sein abgesprochen wird, und man glaubt, diesen Leuten einen Vorteil zu gewähren bzw. gegenüber ihnen in Nachteil zu geraten, wenn man das bei den palästinensischen Arabern auch macht. Dem ist aber nicht so, Differenzierung muss erlaubt sein. Warum also Bewohner der osmanischen Vilayets Beirut und Jerusalem bzw. der britischen Mandatszone Palästina ein Volk sein sollen, leuchtet mir nach wie vor nicht ein, und die Frage, ob diese Menschen 1948 geflüchtet sind oder vertrieben wurden, hat damit auch nichts zu tun.
Ehrlich gesagt interessiert mich das Schicksal Restdeutschlands viel mehr, in dem 2046 zu ca. 50% Muslime leben werden. So begrenzt Deutschlands Optionen unter US-amerikanischer Kolonialherrschaft (und so verstehe ich viele Thesen Herrn v. Waldsteins) auch sind, so sehr wünsche ich mir, dass wenigstens diese Optionen genutzt würden und auf dieses Problem fokussiert würde. Und deshalb hat Herr Gerlich recht.
@hagustaldaz
Iwan Iljin geht in seinem Werk „Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse“ auf die von Ihnen genannte Stelle bei Matthäus ein (dt. Ausgabe S. 188). Er sagt dazu: „Die Regel, die sich [dahinter] verbirgt, ist im Sinne des sanftmütigen Duldens der eigenen Beleidigungen bzw. der großzügigen Spende der eigenen Dienste. Dies kann niemals als Berufung zur willenlosen Betrachtung von Gewalt und Ungerechtigkeit oder zur Subordination gegenüber den Übeltätern in den Fragen des Guten und des Geistes gedeutet werden“, schon gar nicht kollektiv, also auch für die nicht-eigenen, fremden Beleidigungen und Dienste, verordnet.

RMH
5. April 2018 14:12

@hagustaldaz
die Begriffspaarung inimicus und hostis wurde von der lateinischen Bibelübersetzung, der Vulgata, abgeleitet, dort heißt es "diligite inimicos vestros" (Matthäus 5,44 und Lukas 6,27). Die Bibelforscher können ja einmal in den Urtexten nachsehen, was tatsächlich geschrieben steht und wie man das wohl am besten in die hier nicht besonders differenzierende deutsche Sprache übersetzt.

Im Übrigen halte ich ihr Argument mit den 2 Meilen als Indiz für eine allumfassende "Feindesliebe" für falsch. Hier geht es nicht um die Feindesliebe (denn der konkret mir gegenüberstehende, fremde Besatzungssoldat muss ja nicht mein persönlicher Feind sein), sondern doch eher um den Bereich, gebt des Kaisers (der war ja auch ein fremder Kaiser), was des Kaisers ist.

hagustaldaz
5. April 2018 14:37

@ RMH

"... der ... Besatzungssoldat muss ja nicht mein persönlicher Feind sein"

Das ist doch genau der Punkt. Er ist der politische Feind.

Gerade liegt der Menge-Güthling vor mir. Das im griechischen Originaltext des NT verwendete Wort echthrós bezeichnet laut diesem Wörterbuch "inimicus und hostis".

Monika
5. April 2018 14:45

@RMH
im griech. urtext steht für inimicus echthros ( Mt 5,44)
hostis wird mit Polemios übersetzt, d.i. der äußere Feind
Polemos = Krieg
siehe auch da
https://www.marcogallina.de/2016/03/31/feindesliebe-zwischen-echthros-und-polemios/

hagustaldaz
5. April 2018 14:46

@ A. Kovacs

Es bleibt dabei: Die "großzügige Spende der eigenen Dienste" wird auch den Eindringlingen zuteil.

ccced
5. April 2018 14:57

Ich habe Schwierigkeiten dieser Diskussion zu folgen da Begriffe, so scheint es mir zumindestens, in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet werden.
Volk: Gerlich, Kovacs u. a. heben stark auf den ethnischen oder genetischen Teil dieses Begriffes ab. Jedenfalls macht es dann Sinn, den Palästinensern ein eigenständiges Volkstum abzusprechen. Wenn man aber unter anderem auch eine gemeinsame Geschichte, Lebens- und Leidens- und Kampfgemeinschaft als Teil eines Volkstums versteht, kann man sie schon als Volk bezeichen.
Antisemitismus, Zionisumus, - Semitismus? Gerlich verwendet sieben mal den Begriff Antisemitismus in seinen Ausführungen. Was nun? Sind Araber Semiten? Könnte man denn die Ablehnung des Islam nicht zu Recht als Antisemitismus auffassen, da ja ein recht großer Teil der Muslime semitisch ist? Wenn es einen Antisemitismus gibt, was soll dann Semitismus sein?
Lassen wir uns nicht zwischen den Mühlrädern Islam und Zion zermahlen. Wir Deutsche und wir Europäer sind weder das eine noch das andere.

Durendal
5. April 2018 15:10

@hagustaldaz
Die Lehre der katholischen Kirche hat diesen Punkt längst eindeutig geklärt. Das Thema ist dabei so komplex, dass die christliche Antwort darauf nicht aus einem einzelnen Bibelverweis bestehen kann.
Kurz gefasst hat ein Staat aus der Sicht der katholischen Soziallehre die Pflicht zum Schutz des Gemeinwohls, wozu die Sicherung des Friedens gegen innere und äußere Feinde gehört. Daran mitzuwirken ist für Christen prinzipiell verpflichtend.
Die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem inviduellen Feind ist schwieriger zu beantworten, u.a. da die Ursache dieser Feindschaft ja auch im eigenen Fehlverhalten liegen kann. Unabhängig davon findet die Pflicht zur Rücksichtnahme auf den individuellen Feind ihre Grenze in der Pflicht zum Selbsterhalt und in den Pflichten, die man näherstehenden Menschen findet.
Was den Umgang mit dem Islam angeht, so sind Antworten aus der katholischen Soziallehre hier zusammengefasst:
https://bundsanktmichael.org/impulse/umgang-mit-islambezogenen-herausforderungen-katholische-ansaetze/
Die Vorstellung, dass Christen islambezogenen Herausforderungen passiv begegnen müssten, lässt sich aus der katholischen Soziallehre aber nicht herleiten, im Gegenteil. Wo die Präsenz des Islam negative Auswirkungen auf das Gemeinwohl hat, muss diesen präventiv und reaktiv mit den geeigneten Mitteln begegnet werden.

A. Kovacs
5. April 2018 15:39

@hagustaldaz
Nein, denn der „Eindringling“ ist nicht mein eigener Feind, dem ich persönlich meine eigenen Dienste spenden kann (oder auch nicht), sondern der Feind Gottes, dem ich widerstehen muss. Iljin betont, dass Jesus „DU sollst“, „DU gehe“ usw. gesagt hat, und präzisiert: „Oder ist der Mensch etwa frei, dem Angreifer auch eine fremde Wange entgegenzuhalten?“ Dem Eindringling sich entgegenzustellen ist übrigens auch Nächstenliebe, denn die Orthodoxe Kirche (und die Katholische eigentlich auch) kennt noch die „negative Liebe“, d. h. den Zorn aus Liebe über die Sünde (oder säkular gesprochen: über die Aggression, Gewalt usw.) und sie bringt den Sünder (Aggressor, Gewalttäter) mit dem zwar niemals sittlich guten, aber in dieser Welt notwendigen Hieb des Schwertes wieder zur Räson. Näheres bei Iljin Kap. 14-16.

t.gygax
5. April 2018 15:45

Dieses Gespräch zweier unterschiedlicher Standpunkt ist hochinteressant- zumal beide Seite gute Argumente haben, wobei von Waldstein meines Erachtens ein etwas illusionäres, fast verklärtes Bild des Islam hat. Hat er jemals in der direkten Nachbarschaft von Türken gewohnt? Oder hat er in seiner Kanzlei nur schwer reiche Türken- die gibt es in Mannheim in Mengen!- beraten? Das sind sehr oft eloquente, höfliche und geschäftlich absolut versierte Leute...ich habe an einer Privatschule türkische Schüler aus diesem Milieu unterrichtet, aber selbst diese eher liberalen Schüler ( keine Kopftücher bei den Mädchen ) waren, wenn es um Belange der Türkei oder des Islam ging, knochenhart.
Aber einer der Foristen bringt es real politisch und alltagsnah auf den Punkt: wir sollen nicht zwischen Islam und Zion zermahlen werden, wir sind Deutsche und Europäer. Was Israel betrifft: ich bin sozialisiert worden mit Aktion Sühnezeichen, Wiedergutmachung des Unrechts, Anne Frank etc, Israel war immer der fortschrittliche Staat im Nahen Osten, Ephraim Kishon prägte meine Jugendjahre...heute sehe ich das etwas zurückhaltender, zumal ich auch persönliche Kontakte zu Israelis habe: die lehnen uns ab, wollen allenfalls unsere Waffen oder unser Geld, aber für Deutsche werden die niemals einen Finger rühren. Und - auch wenn Israel heute ein völlig säkularer Staat ist- unterschwellig gibt es im Judentum / der jüdischen Religion ein heftiges Maß an wirklichem Hass auf Christen und den christlichen Glauben: im Islam ist Jesus Christus immerhin noch der " sehr geehrte Prophet Isa ben Mirjam" , im Talmud stehen üble und lästerliche Verspottungen der Person Jesu - davon wird im "christlich-jüdischen Dialog" natürlich nie gesprochen....das würde die offizielle Harmonie stören......

hagustaldaz
5. April 2018 16:51

Im Hakenschlagen sind hier wieder einige ganz groß.

@ Durendal

Meine Quelle war die Bibel, nicht die katholische Soziallehre. Der Synkretismus dieser Kirche würde die Diskussion ins Uferlose abgleiten lassen.

@ Kovacs

Selbstverständlich ist der Angehörige eines Invasionsheeres ein politischer Feind. Was ist daran nicht zu verstehen? Das Thema hier war die Unterscheidung zwischen persönlichem und politischem Feind. Mit dem "Feind Gottes" bringen Sie nun willkürlich eine dritte Kategorie ins Spiel. Die Matthäus-Stelle spielt auf den eingedrungenen Besatzer an, dem man auch zu dienen habe. Das können Sie nicht wegreden.

Stil-Bluete
5. April 2018 17:24

... 'nicht zwischen... zerrieben bzw. zermahlen...' werden. Wir werden es.
@ cced

Ibrahim und Abraham sind zwar Stief-Brüder, aber sie haben denselben Stallgeruch. Da passen wir nicht dazwischen und sind leider auch nicht jener 'lachende Dritte'; der 'lachende Dritte' wird einer der ungleichen Brüder sein. Oder gar beide?
Daß der Schillersche Idealismus in der Bürgschaft ('sei in unserem Bund der Dritte') und die Weißheit, pardon, die Weisheit der Lessingschen Ringparabel in der Realität als Zukunftsmodell nicht zum Zuge kommen konnten, ist der Schnell-Lebigkeit von Allianzen, die dummerweise als ewige Freundschaften proklamiert werden, geschuldet.

Das Gleichnis mit 'Die-Backe-Hinhalten' interpretiere ich kämpferisch: Nach dem Schlag auf die linke Backe, halte ich die andere Backe hin und rufe: 'Schlag doch zu, schlag doch!'
Das sog. Ehrgefühl wird einen neuen Schlag verhindern.

Wahrheitssucher
5. April 2018 18:59

Habe einmal in Schnellroda einen Vortrag von Herrn Gerlich gehört "Deutschland im Weltbürgerkrieg der Ideologien",
ist später auch in der Sezession erschienen.
Empfand ihn als sehr gelehrt, vielleicht etwas weitschweifig, aber irgendwie weder rhetorisch noch inhaltlich als besonders gewinnbringend.
Hoffe ihm damit im nachhinein nicht Unrecht zu tun.
Im Netz las ich als Berufsbezeichnung von Siegfried Gerlich "Pianist und Publizist".
Vielleicht spielt er (noch) besser als er schreibt?

Andreas Walter
5. April 2018 19:15

OK, weil ich es schon geschrieben habe. Doch wir verzetteln uns meiner Meinung nach, verlieren uns in Details.

Zu 5.1: Na ja, der Widerstände gibt es viele und für Mode-rn hat man auch schon so einiges gehalten, wie auch der Ausdruck eliminatorischer Antisemitismus ein grosser, sehr grossrahmiger Begriff ist.

Zu 5.2: Keine Einwände.

Zu 6.1: Schön, das Sie es erwähnen. Dachte schon ich wäre der Einzige im deutschsprachigen Raum, der darauf hinweist.

Zu 6.2: Al-Lat kannte ich bisher auch noch nicht, werde ich mich natürlich sofort damit beschäftigen. Der Rest: Keine Einwände.

Zu 6.3: Frauen haben, wie Männer auch, nur ein Problem, nämlich ihre eigenen und ihre ihnen eigene Wünsche durchzusetzen. Sollte mal gesondert besprochen werden, auch im Hinblick auf den Islam. Sind nämlich “neben“ “links und rechts“ die zwei grössten Konfliktparteien überhaupt. Weltlich betrachtet.

Zu 7.1: Absolut Ihrer Meinung. Ich würde den Satz von Sander sogar noch ein klein wenig deutlicher machen: „im Zugriff ausbeutend, nicht kultivierend“. Das man auch „kultiviert“ ausbeuten kann beweisen ja auch andere „Kulturen“.

Zu 7.2 bis 7.4: Mag zwar alles richtig sein, tut jedoch alles nichts zur Sache. Meiner Grundthese nach ist jede religiöse Betrachtung von Konflikten letztendlich nur Täuschung, Ablenkung von "primitiveren" Motiven, die fast jeden Menschen beherrschen. Auch Religiosität ist darum ein sehr dehnbarer Begriff (auch über die Zeit und Ereignishorizonte hinweg betrachtet), der sich darum ebenso schwer greifen wie auch wissenschaftlich festmachen lässt.

Zu 7.5: Nun ja, Waffenhandel wird es immer geben, wenn nicht legal dann eben illegal.

Ich spare mir mal hier meine Energie für morgen auf. Sehe nur schon jetzt, was alles Dichter und Denker in Deutschland die letzten 70 Jahre vernachlässigt haben, dank Denk-, Schreib- und Sprechverboten. Geht gar nicht, für eine Kulturnation.

Der_Juergen
5. April 2018 21:31

Dieser dritte Teil enthält im Gegensatz zum unsäglichen zweiten sehr vieles, dem man beipflichten kann. Dennoch gibt es auch hier einige Stellen, über die man.... na ja, die Stirn runzeln muss, um es äusserst zurückhaltend zu sagen, und die verraten, was Gerlichs eigentliches Anliegen ist:

5. 1. Der "eliminatorische Antisemitismus des Islam". Da Gerlich augenscheinlich viel über die islamische Geschichte weiss, kann ihm ganz unmöglich entgangen sein, dass es z. B. im Osmanischen Reich eine ausserordentlich grosse Zahl von Juden gab (u. a. viele Exilanten aus Spanien, die es 1492 abgelehnt hatten, zu konvertieren, und das Land deshalb verlassen mussten), und dass ein erheblicher Teil dieser Juden in hohe Stellungen aufrückte und grosse Reichtümer erwarb. Während Armenier und Griechen wiederholt zu Opfern türkischer Massaker wurden, wurde den türkischen Juden kaum je ein Haar gekrümmt. Eliminatorischer Antisemitismus, Herr Gerlich?

Im Iran, der einen radikal antiisraelischen und antizionistischen Kurs steuert, werden die Juden nicht verfolgt, geschweige denn "eliminiert". Sie haben, wie die Christen und die Zoroastrier, im Parlament Anrecht auf eine feste Zahl von Abgeordneten. Viele von ihnen sind reich.

Wer das tumbe Schlagwort vom "eliminatorischen Antisemitismus" auf den Islam anwendet, baut auf die Unwissenheit seiner Leser. Mit solch plumpen Rosstäuschertricks mag Gerlich vielleicht bei PI durchkommen - auf diesem Blog nicht.

Wenn Gerlich sogar dem Bolschewismus noch einen "eliminatorischen Antisemitismus" andichtet (denn anders lässt sich der allererste Satz seiner Ausführungen nicht verstehen), obgleich er mit hundertprozentiger Sicherheit weiss, dass die Oktoberrevolution weitgehend von Juden geführt wurde und zeitweise fast 80% der hohen sowjetischen Funktionäre jüdischer Herkunft waren, so schlägt das dem Fass den Boden aus.

5. 2. "Als Verfechter berechtigter nationaler und sozialer Interessen sollten sich Rechte und Linke nicht zu nützlichen Idioten von Islamisten herabwürdigen lassen, für die sie allemal nur Ungläubige sind und stets bleiben werden."

Da wird Herrn Gerlich niemand widersprechen. Nur: Er baut einen Strohmann auf, zumindest was die nationale Rechte betrifft. Welcher auch nur halbwegs seriöse genuin rechte Denker oder Politiker ist ein "nützlicher Idiot von Islamisten"? Auch Thor von Waldstein ist gewiss kein solcher; seine Romantisierung des Islam ist ahistorisch, aber das macht ihn noch lange nicht zum "nützlichen Idioten".

Hingegen gibt es sehr wohl den einen oder anderen "rechten" Denker und Politiker, der sich zum nützlichen Idioten von Zionisten und Talmudisten herabwürdigen lässt, für die er stets nur ein Shabbat Goy ist und bleiben wird.

7.2. "In religionspolitischer Hinsicht kann der europäische Widerstand gegen die gegenwärtige Islamisierung daher allein von einem »nüchternen Laizismus« ausgehen, welcher die Eigengesetzlichkeit von Politik und Religion anerkennt."

Widerspruch. Da halte ich es weit eher mit dem Foristen @ John Haase, der treffend festhält: "Ein 'nüchterner Laizismus' kann nicht dasselbe leisten wie eine Religion. Gegen 'Allahu akbar' hilft nur 'Deus vult'. Laizismus wird letztlich immer beim Verfassungspatriotismus hängen bleiben." Wie richtig das ist, sehen wir in Polen, wo die katholische Kirche eine ungeheuer starke patriotische Kraft darstellt; dies kann sie auch in anderen Ländern wieder werden, wenn sie sich ihrer verräterischen Führung entledigt.

Wie brüchig die Hoffnung auf den "Laizismus" und den "Verfassungspatriotismus" ist, erkennen wir vor allem in Grossbritannien, wo die Narren, die das Land in den Abgrund führen, den islamischen Landnehmern, welche die Weissen aus einem Viertel nach dem anderen verdrängen, immer nur das schwachsinnige Gelalle von "Tolerance and Diversity" entgegenhalten können und damit wohlverdientes hämisches Gelächter seitens der Muslime ernten.

Ausserodentlich gut, das anerkenne ich gerne, ist hingegen Gerlichs Begründung seiner These, dass der Protestantismus als positive geistige und politische Kraft ausgespielt hat. (Pastor Wawerka möge mir verzeihen; er gehört zu den letzten Mohikanern, die zwar ihre persönliche Ehre bewahren, die Ehre ihrer sterbenden Kirche, die Christus täglich ins Gesicht spuckt, jedoch nicht mehr zu retten vermögen.)

Fazit: An Gerlichs Intelligenz, Belesenheit und historischer Bildung ist nicht zu zweifeln. An seiner wissenschaftlichen Integrität hingegen sehr wohl. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, seine (sicherlich fundierte) Islamkritik diene ihm lediglich als Vorwand, um seine amerikanisch-zionistische Agenda an den Mann bringen zu können. Auf diesem Blog hat er damit, wie die Mehrzahl der bisherigen Kommentare zeigt, recht wenig Erfolg. Sein Pferdefuss ist allzu leicht zu erkennen.

Benno
5. April 2018 21:49

Herr Gerlich hat in vielen Punkten recht. Bspw. wenn er sagt, dass die geduldete und/oder forcierte islamische Einwanderung durch unsere Regierung ein Machststreben der islamischen Strömungen und Völker nicht ausschliesst. Oder wenn er darauf hinweist, dass islamisches Grossmachtsstreben nicht einfach nur eine Reaktion auf sinnlose vom Westen angezettelte Kriege in der Region ist. Das Eine schliesst eben das Andere nicht aus.

Auf viel richtiges in seinem ersten Beitrag, folgt leider viel falsches und unausgegorenes in seinen weiteren. Auch wenn es schon mehrfach angesprochen wurde, so möchte ich den Punkt doch noch einmal aufgreifen und unterstreichen: Dass man von einer "Erfindung" des palästinensischen Volkes spricht, ist nicht mehr als ein sophistischer Taschenspielertrick. Die Zionisten sind nun einmal angetreten, um einen jüdischen Staat zu gründen. Da die weissen Flecken auf der Erde aber schon 1948 ziemlich rar waren, lebten dort nun einmal auch andere Menschen. Die hat man zu guten Stücken vertrieben und dies hat bei selbigen Leuten zu einem Groll geführt, der bis heute noch nicht abgeebt ist. Das ist doch nicht mehr als natürlich. Um das zu sehen, muss man nun wirklich kein Feind Israels sein, um es zu verleugnen aber wohl ein Apologet des Judenstaates. Ob diese Leute damals nun 'Hottentotten', 'Eskimos', 'Araber', oder 'mohammedanische Bewohner des britischen Mandatgebietes' hiessen, respektive genannt wurden, ist dabei so irrelevant, wie es irrelevant ist für die faktische Existenz eines "Biskuitgebäcks, in Form einer Dreiviertelkugel, das mit Schlagsahne oder Eiercreme gefüllt und mit Schokolade überzogen ist", ob man dieses nun Mohrenkopf oder Schokokuss nennt.
Wenn dieser Trick auch bei anderen Adressaten genau gleich angewandt wird, dann vielleicht, weil der Zauberer aus dem selben Zirkuszelt kommt.

Weit davon entfernt, Israel in irgend einer From das Existenzrecht aberkennen zu wollen, oder den Juden per se ihr eingenes Land zu missgönnen, verstehe ich die Lobhudelei und Bewunderung für dieses Land nicht. Die Israelis haben die Wüste zum blühen gebracht und sind ein Hochtechnologieland? Richtig! Und das alles haben sie zustande gebracht, indem sie Milliarden von fremden Regierungen bekommen haben und über eine einflussreiche Diaspora verfügen, welche sich mittlerweile (das war nicht immer so) zum grösseren Teil für dieses Land einsetzt. Damit will ich den Leuten dort keineswegs ihre Talente in Abrede stellen, nur, die Starthilfe war eben doch immens. Und wenn Israel die "einzige Demokratie in Nahen Osten" ist, dann interessiert mich das noch einmal nicht. Mir ist es egal, welche Regierungsform sich fremde Völker geben. Wenn die Iraner in ihrer Mehrheit in einem Gottesstaat leben wollen oder die Kongolesen eine Anarchie bevorzugen, dann sollen sie. Das ist für mein Land und die Zukunft meines Volkes nicht wirklich entscheidend. Genau diese Neutralität sollte man auch der israelischen Demokratie entgegenbringen.

Ein interessanter Aspekt der Genese des Islams ist die Existenz einer vorislamischen, nichtchristlichen, nichtjüdischen monotheistischen Tradition in Arabien; das Hanifentum. Der Kreuzzugshistoriker Steven Runciman schreibt dazu: "Das monophysitische Christentum hatte ihn [Mohammed] besonders angezogen, aber die Lehre der Dreifaltigkeit schien ihm unvereinbar mit der reinen Lehre des Monotheismus, den er in der Hanif-Tradition bewunderte. Die Lehre, die er selbst entwickelte, lehnte zwar das Christentum nicht völlig ab, stellte jedoch eine abgeänderte Form dar, die für sein eigenes Volk viel leichter annehmbar war. Sein Erfolg als religiöser Führer beruht hauptsächlich darauf, dass er das arabische Volk bis ins letzte erfasste und verstand. [...] Die Stärke des Islam lag in der Tat in seiner Einfachheit. Es gab einen Gott im Himmel; einen Befehlshaber der Gläubigen, um auf Erden zu herrschen; und ein Gesetz, den Koran, nach dem er zu herrschen hatte. Anders als das Christentum, das einen Frieden predigte, welchen es nie zu stiften vermochte, trat der Islam ohne Scham mit dem Schwert bewaffnet auf."

Beim selben Runciman ist auch nachzulesen, wie die erobernden Araber auf ihrem Vormarsch oftmals auf Juden als willige Unterstützer ihres Kriegszuges stiessen. Vielleicht begründet dies auch ein Stückweit diese Beobachtung Gerlichs: "Gleichwohl hatte der Islam für das Judentum weniger Haß als vielmehr Verachtung übrig. Daraus konnte zeitweilig eine herablassende Toleranz gegenüber Angehörigen dieser minderwertigen Religion erwachsen..."

Dem ist noch hinzuzufügen, dass es auch von jüdischer Seite eine "herablassende Toleranz" gegenüber dem Islam gibt. Das begründet sich wohl unter anderem darin, dass es unter jüdischen Gelehrten die Ansicht gibt, dass es der Islam, im Gegensatz zum Christentum, keine Idolatrie betreibt. So gesehen kann man einen "Realitätsverlust in der Antisemitismusfrage" nicht nur der hiesigen Journaille oder dem Establishment unterstellen, sondern auch vielen Juden selbst, die, religiös motiviert, eine islamisiertes Europa keinesweg als das riesen Schreckgespenst sehen wie unsereins, oder, aus mannigfaltigen Gründen, den Multikulturalismus trotz etwaiger Handgreiflichkeiten gegen sie, als eine unterstützenswertes Projekt betrachten. Auf alle Fälle gilt noch einmal hervorzuheben, dass wir Deutschen uns keinesfalls zwischen Islamismus und Judentum/Zionismus aufreiben lassen sollten. So sollten wir etwa auch einen Broder nicht als auf unserer Seite stehend betrachten, auch wenn er im Gegensatz zu vielen anderen die Probleme islamischer Einwanderung nicht einfach unter den Teppich kehrt. Der Herr hat schon deutlich genug gesagt, dass ihn der Erhalt der Deutschen als ethnisch/kulturelle Gruppe nicht interessiert.

Martin Lichtmesz
5. April 2018 22:19

@Der_Jürgen
'Wenn Gerlich sogar dem Bolschewismus noch einen „eliminatorischen Antisemitismus“ andichtet (denn anders lässt sich der allererste Satz seiner Ausführungen nicht verstehen)'

Oh doch, lies: "In seinem repressiven Egalitarismus (Bolschewismus) wie in seinem eliminatorischen Antisemitismus (Nationalsozialismus)
hat der Islam das doppelte Erbe der vorangegangenen Widerstandsbewegungen..."

Der_Juergen
6. April 2018 08:50

@Martin Lichtmesz

Ja, Sie haben recht. Den betreffenden Satz in meiner Wortmeldung von 21.31 Uhr streiche ich also und entschuldige mich bei Herrn Gerlich, dass ich ihn in diesem, aber wirklich nur in diesem, Punkt falsch verstanden habe.

Der_Juergen
6. April 2018 09:25

@Benno

Bingo!

Stil-Bluete
6. April 2018 21:47

o.T.
Es hilft alles nichts, ich muss es noch einmal loswerden und mich darüber beschweren, daß der Blog benutzerunfreundlicher geworden ist. Bei so einem komplexen Thema wird das umso deutlicher. Sich auf ein Zitat eines Foristen zu beziehen, gelingt nur, wenn man gewohnt ist, akademischen Zitierregeln zu folgen.
Hervorhebungen interner bzw. externer Zitate durch Absetzen, Einrücken, Unterstreichen, Fett, Kursiv - unmöglich.
Die Folge: Wenn nicht präzise zitiert wird, entstehen Irrtümer, die nicht selten dem monochromen, ermüdenden Hintergrundgrau und der Umständlichkeit geschuldet sind.
Falls diese Gestaltungseinfalt dazu dient, der Zensur, der Sperrung, Ungeduldigen, Unkundigen zu widerstehen, ist es in Ordnung. (Eine kurze Korrespondenz mit dem Administrator hat leider zu keinen Änderungen bzw. ausreichenden Erklärungen geführt.)

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