Thor v. Waldstein – Thesen zum Islam

Thor v. Waldsteins Islam-Thesen gelten als grundlegende neurechte Standortbestimmung zum »Islam«-Komplex.

 Gastbeitrag

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Die The­sen erschie­nen erst­mals im Sam­mel­band Die ent­fes­sel­te Frei­heit (Schnell­ro­da 2017) und sind vor allem gegen neo­kon­ser­va­tiv-trans­at­lan­ti­sche Deu­tungs­mus­ter gerich­tet. Sieg­fried Ger­lich zeigt sich nicht ein­ver­stan­den; er wird die The­sen ab mor­gen in drei Bei­trags­tei­len kom­men­tie­ren – doch zunächst das Ori­gi­nal v. Wald­steins zur Wiedervorlage.

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The­sen zum Islam

»Der Islam hat die vom Mit­tel­meer bestimm­te Ein­heit gesprengt, die der Ger­ma­nen­ein­bruch nicht zer­stört hat­te. Dies ist das ent­schei­den­de Fak­tum der euro­päi­schen Geschich­te seit den Puni­schen Krie­gen. Es bedeu­tet das Ende der Anti­ke und in dem Augen­blick, in dem Euro­pa sich anschick­te, byzan­ti­nisch zu wer­den, den Beginn des Mittelalters.«

Hen­ri Piren­ne1

»Der radi­ka­le Wider­stand des Isla­mis­mus gegen die expan­sio­nis­ti­sche ›Deka­denz‹ des Wes­tens ent­hält Mög­lich­kei­ten in sich, die den Ver­lauf der künf­ti­gen Welt­ge­schich­te stär­ker bestim­men könn­ten als der Wan­del der Macht­ver­hält­nis­se unter den gro­ßen Staa­ten des 21. Jahrhunderts.«

Ernst Nol­te2

 

1. Der Islam3 ist an der Schwel­le zur Neu­zeit eine der wesent­li­chen Kul­tur­quel­len des alten Euro­pa gewe­sen. Ohne die per­si­sche Archi­tek­tur und Medi­zin, ohne die mau­ri­sche Städ­te­bau­kunst, ohne die Glanz­leis­tun­gen der ara­bi­schen Mathe­ma­tik und Astro­no­mie wären Renais­sance und Auf­klä­rung nicht denk­bar gewesen.

2. Die Losung des Genies der deut­schen Kai­ser, Fried­rich des Zwei­ten von Hohen­stau­fen: »Krieg mit Rom aufs Mes­ser! Frie­de, Freund­schaft mit dem Islam« ist his­to­risch über­holt, gewiß. Es soll­te aber nicht aus dem Blick­feld gera­ten, daß die christ­li­che Tra­di­ti­ons­li­nie der Deut­schen kei­ne Zwangs­läu­fig­keit war: »Das Chris­ten­tum hat uns um die Ern­te der anti­ken Kul­tur gebracht, es hat uns spä­ter wie­der um die Ern­te der Islam-Kul­tur gebracht« (Fried­rich Nietz­sche)4.

3. Mit den Völ­kern des Islam ver­bin­det die Euro­pä­er ein z.T. Jahr­hun­der­te altes gemein­sa­mes geis­ti­ges Erbe. Ori­ent und Okzi­dent sind kul­tu­rell eine sym­bio­ti­sche Ein­heit, kei­ne Gegen­sät­ze. Inson­der­heit die Tür­ken und die Deut­schen haben lan­ge nicht nur her­vor­ra­gen­de diplo­ma­ti­sche Bezie­hun­gen gepflegt, son­dern sich auf vie­len Gebie­ten gegen­sei­tig kul­tu­rell befruchtet.

4. Die Radi­ka­li­sie­rung des Islam in der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts hat über­wie­gend poli­ti­sche, nicht reli­giö­se Wur­zeln. Die poli­ti­schen Ursa­chen sind:

a) die bri­ti­sche, fran­zö­si­sche und nie­der­län­di­sche Kolo­ni­al­herr­schaft vom 18. bis zur Mit­te des 20. Jahr­hun­derts, die durch ihre rück­sichts­lo­se Här­te und ihre arro­gan­te Über­heb­lich­keit Min­der­wer­tig­keits­ge­füh­le und Haß bei den unter­wor­fe­nen Völ­kern, von Indo­ne­si­en bis in den Maghreb, bewirkt hat;

b) die US-ame­ri­ka­ni­sche Neo­ko­lo­ni­al­herr­schaft seit Mit­te des 20. Jahr­hun­derts, deren Maß­lo­sig­keit – nicht nur im Islam – zu wach­sen­dem Wider­stand geführt hat;

c) die an poli­ti­scher Unklug­heit kaum zu über­bie­ten­de bedin­gungs­lo­se Unter­stüt­zung der USA für einen die Men­schen­rech­te beharr­lich mit Füßen tre­ten­den Klein­staat am öst­li­chen Mit­tel­meer, der sei­ne isla­mi­schen Bür­ger und Nach­barn seit Jahr­zehn­ten mit Gewalt und Ter­ror überzieht;

d) die Volk, Fami­lie, Reli­gi­on und jede ande­re zen­tri­pe­ta­le Gemein­schafts­kul­tur des Men­schen zer­set­zen­de Deka­denz des Wes­tens, deren Zer­stö­rungs­kraft der Islam spürt und gegen die sich zu weh­ren sein gutes Recht ist.

5. Der Ter­ro­ris­mus hat sei­ne Wur­zeln nicht in einer angeb­lich beson­de­ren Bös­ar­tig­keit des Islam. Der asym­me­tri­sche Krieg ent­springt viel­mehr der Ver­zweif­lung Ein­zel­ner über erlit­te­nes Unrecht an ihrem Volk. Wer als 16jähriger Paläs­ti­nen­ser zuzu­se­hen gezwun­gen ist, wie israe­li­sche Mili­tär­bull­do­zer das Eltern­haus nebst dar­in woh­nen­der Fami­lie über­rol­len, haßt unbändig.

Wer (rich­tig) urteilt, daß die­ser Haß nicht dazu berech­tigt, eben­so unschul­di­ge Zivi­lis­ten (in Isra­el, in Euro­pa oder anders­wo) in die Luft zu spren­gen, soll­te zur Erhö­hung sei­ner Glaub­wür­dig­keit auch dar­an erin­nern, daß die wah­ren Ursa­chen die­ses Has­ses benannt und besei­tigt wer­den müs­sen, wenn das Mor­den ein Ende haben soll.

6. Ziel des seit dem 11. Sep­tem­ber 2001 geführ­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Kamp­fes gegen den Ter­ror5 war und ist es u.a., die Euro­pä­er vor den Kar­ren des »Wes­tens« zu span­nen, um die gewach­se­ne geis­tig-kul­tu­rel­le Sym­bio­se, aber auch die natür­li­che geo­po­li­ti­sche Ver­bun­den­heit zwi­schen Euro­pa und den nörd­li­chen Mit­tel­meer­an­rai­nern zu spren­gen. Nach­dem West- und Mit­tel­eu­ro­pa über ein hal­bes Jahr­hun­dert der fal­sche Freund (USA) auf­ge­nö­tigt wur­de, soll der alte Kon­ti­nent nun­mehr auch noch mit einem fal­schen Feind (Islam) beglückt werden.

Die­se Bestre­bun­gen der USA, Euro­pa in eine poli­tisch sinn­wid­ri­ge Front­stel­lung gegen die isla­mi­sche Welt hin­ein­zu­ma­ni­pu­lie­ren, sind zwi­schen­zeit­lich – nicht zuletzt auf­grund des mas­sen­me­di­al insze­nier­ten West­ex­tre­mis­mus (»Je suis Char­lie«) – weit fortgeschritten.

7. Wes­we­gen den Euro­pä­ern eine puri­ta­nisch-bigott gesinn­te, kör­per­lich defor­mier­te, geis­tig ent­eig­ne­te und poli­tisch voll­stän­dig fremd­be­stimm­te Men­schen­an­samm­lung jen­seits des Atlan­tik näher ste­hen soll­te als die gewach­se­nen Kul­tu­ren des Ori­ents jen­seits des Mare nostrum, ist nicht nach­voll­zieh­bar. Der in den west­li­chen Medi­en beför­der­te Ras­sis­mus, wonach uns mit dem (wei­ßen) Akti­en­bro­ker aus Man­hat­tan angeb­lich mehr ver­bin­det als mit dem (nicht wei­ßen) Okra­scho­ten-Händ­ler auf dem Khan-el-Kha­li­li-Basar in Kai­ro, ist mehr als ein Ver­bre­chen, er ist ein unver­zeih­li­cher Feh­ler wider die geis­ti­ge, kul­tu­rel­le und geo­po­li­ti­sche Inter­es­sen­la­ge des alten Kontinents.

8. Ein wesent­li­ches poli­ti­sches Instru­ment zur Ent­frem­dung der Euro­pä­er vom Islam ist die seit Jahr­zehn­ten betrie­be­ne Mas­sen­im­mi­gra­ti­on aus dem Ori­ent, ins­be­son­de­re aus der Tür­kei, aus Syri­en sowie den Maghreb-Staa­ten. Ziel der­je­ni­gen, die hier­für die Ver­ant­wor­tung tra­gen, ist es, die natür­li­che Abwehr des euro­päi­schen Bür­gers gegen die Über­frem­dung im eige­nen Land zu einer außen­po­li­ti­schen Front­stel­lung Euro­pas gegen den Islam zu mißbrauchen.

Die­se durch­sich­ti­ge Ver­men­gung innen- und außen­po­li­ti­scher Kate­go­rien ent­behrt indes jeder Recht­fer­ti­gung: Die mul­ti­kul­tu­rel­le Zumu­tung geht zurück auf die Inter­es­sen des Kapi­tals und die nicht min­der islam­fer­ne Ideen­welt deut­scher, schuld­be­la­de­ner Halb­in­tel­lek­tu­el­ler, nicht auf aus­ge­klü­gel­te Umvol­kungs­stra­te­gien des Orients.

9. Nach­dem das deut­sche Bür­ger­tum die­se eth­ni­sche Her­aus­for­de­rung, die in den bes­se­ren Stadt­tei­len erst mit einem Brems­weg von vier Jahr­zehn­ten anzu­kom­men scheint, all­mäh­lich erkannt hat, ist man nun­mehr dar­um bemüht, einen Schul­di­gen zu fin­den. Selt­sa­mer­wei­se sucht man aber die Schuld nicht bei den­je­ni­gen Volks­ge­nos­sen, die die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung für die neue Völ­ker­wan­de­rung tra­gen (Ade­nau­er, Brandt, Schmidt, Kohl, Schäub­le, Schrö­der, Mer­kel und Kon­sor­ten), son­dern bei den aus­län­di­schen Wirt­schafts­mi­gran­ten, die nie etwas ande­res waren als Ver­schie­be­mas­se auf kapi­ta­lis­ti­schen Bahnhöfen.

10. Die viel beschwo­re­ne Inte­gra­ti­on der Frem­den in die der­zei­ti­ge treu‑, ehr- und ort­lo­se Deka­denz­ge­sell­schaft auf deut­schem Boden war von Anfang an zum Schei­tern ver­ur­teilt: »Deutsch­land kann den Frem­den kei­ne Iden­ti­tät anbie­ten, weil die Deut­schen selbst kei­ne haben« (Bassam Tibi)6. Tat­säch­lich ist Inte­gra­ti­on eine der zen­tra­len Betrugs­vo­ka­beln im BRD-Neu­sprech, mit der die ahnungs­lo­sen Volks­deut­schen über die schlei­chen­de Land­nah­me durch Frem­de getäuscht wer­den sollen.

Und die­se Land­nah­me wird durch die Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen des Libe­ra­lis­mus ent­schei­dend for­ciert: Jun­ge Tür­ken und Ara­ber, die von der Aus­strah­lungs­kraft des Islam geprägt wur­den, ver­ach­ten das Anything goes des Wes­tens, und wer woll­te ihnen wider­spre­chen? Und wer will eigent­lich in der euro­pä­isch-gleich­ma­che­ri­schen »Gender-Mainstream«-Jetztzeit Mäd­chen und jun­ge Frau­en ver­ur­tei­len, die ero­tisch von sof­tie­ab­hol­den, debat­ten­feind­li­chen und auch sonst unwest­lich auf­tre­ten­den Män­nern träu­men, von denen Ali­ce Schwar­zer alpträumt?

11. Die reli­giö­se Wehr­lo­sig­keit Euro­pas ist nicht zuletzt dem gren­zen­lo­sen Ver­sa­gen der christ­li­chen Kir­chen (allen vor­an: die Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land) geschul­det. Die durch Reli­gi­ons-GEZ wohl­ge­nähr­ten Amts­kir­chen ver­wal­ten ein aus­ge­zehr­tes Chris­ten­tum, das sich mit einem Todes­kuß zu ver­ab­schie­den scheint. Anstatt Gott zu loben und sich um das Tran­szen­denz­be­dürf­nis der Ein­hei­mi­schen zu küm­mern, ergie­ßen sich die Kir­chen­fürs­ten in Ferns­ten­lie­be, Kir­chen­asyl, Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung, Tole­ranz­or­gi­en gegen­über unzäh­li­gen Rand­grup­pen und ande­ren Erbau­lich­kei­ten are­li­giö­ser Art.

Daß dabei das See­len­heil der Men­schen und deren Bin­dung an die Kir­che auf der Stre­cke blei­ben, soll­te die Käß­manns, Woel­kis e tut­ti quan­ti zual­ler­letzt wun­dern. Wenn der Islam in Deutsch­land so erfolg­reich in die­ses selbst­ver­schul­de­te reli­giö­se Vaku­um sto­ßen kann, dann vor allem des­halb, weil es den Deut­schen an muti­gen Kir­chen­män­nern gebricht, die der »Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus« (Bene­dikt XVI.) die Stirn und den Men­schen Halt in ihrem Glau­ben bieten.

12. Nicht uner­heb­lich beschleu­nigt wird die Isla­mi­sie­rung Deutsch­lands durch eine – von weib­li­chen wie nicht­weib­li­chen Per­so­nen glei­cher­ma­ßen beför­der­te – Ent­männ­li­chung fast aller öffent­li­chen Lebens­be­rei­che. In der thy­mos­ver­ges­se­nen Talk­show­ge­sell­schaft gilt Männ­lich­keit – jeden­falls jen­seits der After-shave-Wer­bung – als uner­wünscht, bes­ten­falls als ein Cha­rak­ter­zug von vorgestern.

Jun­ge, natur­wüch­si­ge Völ­ker, die den Hel­den in sich noch nicht begra­ben haben, nei­gen dazu, dem Modell einer sol­chen »über­al­ter­ten, femi­ni­sier­ten, weh­lei­di­gen, von his­to­ri­schen Schuld­ge­füh­len gesteu­er­ten, der Gleich­heit und der Andro­gy­ni­tät hul­di­gen­den Gesell­schaft wie der deut­schen, die Männ­lich­keit mit halb pries­ter­li­chem, halb irren­ärzt­li­chem Ges­tus bekämpft« (Micha­el Klo­n­ovs­ky)7, eine womög­lich ganz unfe­mi­ni­siert-radi­ka­le Absa­ge zu ertei­len: »Wenn der Islam das Chris­ten­tum ver­ach­tet, so hat er tau­send­mal recht dazu: der Islam hat Män­ner zur Vor­aus­set­zung.« (Fried­rich Nietz­sche)8

13. Unbe­scha­det der Tat­sa­che, daß der Islam nicht die Ver­ant­wor­tung für die Über­frem­dung Euro­pas trägt (sie­he The­se 8), wird er wie jede mis­sio­nie­ren­de Reli­gi­on den Ver­such unter­neh­men, sich in Euro­pa nicht nur zu behaup­ten, son­dern – wie einst die Mau­ren in Spa­ni­en – über das Chris­ten­tum bzw. das, was nach den Weich­spül­gän­gen des Libe­ra­lis­mus davon übrig­ge­blie­ben ist, zu obsie­gen. Das liegt – abge­se­hen von dem Son­der­fall des nicht mis­sio­nie­ren­den Juden­tums – in der Natur mono­the­is­ti­scher Reli­gio­nen und unter­schei­det sich nicht von der Aus­brei­tung des Chris­ten­tums in Latein­ame­ri­ka sowie in Tei­len Asi­ens und Afri­kas. Neu für die Euro­pä­er ist allen­falls, daß sie die Azte­ken von mor­gen sein könnten.

14. Ob dem Islam die­ser inner­halb und außer­halb der Kreiß­sä­le statt­fin­den­de Majo­ri­sie­rungs­ver­such gelingt oder nicht, liegt aus­schließ­lich an den Euro­pä­ern selbst. Wenn die­se sich ihrer geis­ti­gen Wur­zeln rück­be­sin­nen und die raum­frem­de Schutz­macht des Libe­ra­lis­mus in Euro­pa, die USA, des Plat­zes ver­wei­sen, wird Euro­pa, ein­ge­bet­tet in sei­ne alten geo­po­li­ti­schen Wider­la­ger (Ori­ent im Süden und Asi­en im Osten), neu erblü­hen. Vor­aus­set­zung hier­für ist aller­dings, daß die Deut­schen sich eben­so gründ­lich wie zügig von dem zivil­re­li­giö­sen Anspruch ver­ab­schie­den, das Mono­pol auf alles his­to­ri­sche Unheil im alten Kon­ti­nent zu besitzen.

15. Bei der Zurück­wei­sung nicht zu leug­nen­der isla­mi­scher Herr­schafts­an­sprü­che kann den Euro­pä­ern, wenn sie denn eine Zukunft haben wol­len, nur zu einer Ent­schie­den­heit à la Poi­tiers (732), Gra­na­da (1492), Lepan­to (1571) und Zen­ta (1697) gera­ten wer­den. Vie­les spricht dafür, daß die neue Lei­den­schaft für das Eige­ne, die die euro­päi­schen Völ­ker für ein Wie­der­erstar­ken ihres Lebens- und Zukunfts­wil­lens zual­ler­erst ent­wi­ckeln müs­sen, am ehes­ten einem nüch­ter­nen Lai­zis­mus ent­sprin­gen können.

Es ist zwar nicht aus­ge­schlos­sen, daß einem sol­chen sich for­mie­ren­den eth­ni­schen Fun­da­men­ta­lis­mus auch reli­gi­ös moti­vier­te Abwehr­kräf­te zuwach­sen, ins­be­son­de­re sei­tens der katho­li­schen bzw. ortho­do­xen Kir­che in Ost­eu­ro­pa; die tra­gen­de Säu­le einer sol­chen wider­stän­di­gen Bewe­gung kann das Chris­ten­tum im säku­la­ri­sier­ten Euro­pa indes nicht (mehr) sein.

16. Dreh- und Angel­punkt jeg­li­cher euro­päi­schen Renais­sance ist die demo­gra­phi­sche Wen­de, die ihrer­seits nur gelingt, wenn man, ins­be­son­de­re im zen­tral­eu­ro­päi­schen Pro­blem­staat Nr. 1, Abschied von den libe­ra­lis­ti­schen Lebens­lü­gen nimmt. Wer sich von Mus­li­men »weg­kin­dern« läßt, soll­te die Ursa­che hier­für nicht bei den Mos­lems suchen. Wer sich vom Shoabusi­neß Schuld­neu­ro­sen ein­pflan­zen läßt, soll­te sich nicht wun­dern, wenn immer weni­ger deut­sche Kin­der das Licht der Welt im Land der Täter erblicken.

Die Welt­ge­schich­te wird nicht auf dem Schlacht­feld, nicht auf dem Bör­sen­par­kett und nicht auf Twit­ter­ka­nä­len, son­dern – gera­de im 21. Jahr­hun­dert – in der Wie­ge ent­schie­den: »Civi­liz­a­ti­ons die from sui­ci­de, not by mur­der« (Arnold J. Toynbee).

17. Soll­te die­ser Kampf um die Jugend für Euro­pa ver­lo­ren­ge­hen, so darf – hor­ri­bi­le dic­tu – ange­merkt wer­den, daß die voll­stän­di­ge Isla­mi­sie­rung nur die zweit­schlech­tes­te Lösung ist, weil sie immer­hin noch eine Hoff­nung auf einen kul­tu­rel­len Neu­an­fang zurück­lie­ße. Die fort­ge­setz­te Durch­ame­ri­ka­ni­sie­rung aller Lebens­be­rei­che durch den angeb­lich »sanf­ten Hege­mon« USA (Karl­heinz Weiß­mann) för­dert dage­gen die wei­te­re Aus­brei­tung der »letz­ten Men­schen«, die blin­zeln und sagen: »Wir haben das Glück erfun­den« (Fried­rich Nietz­sche)9. Gegen­über einem sol­chen Fel­la­che­n­en­de à la USA ist eine Hagia-Sophia-Lösung, bei der der Islam auf dem euro­päi­schen Geis­tes­er­be auf­bau­en kann, in jedem Fall vorzuziehen.

18. Im 21. Jahr­hun­dert, des­sen welt­po­li­ti­sche Haupt­büh­ne sich schon seit gerau­mer Zeit nach Asi­en, ins­be­son­de­re nach Chi­na, ver­la­gert hat, haben die Euro­pä­er nur dann eine Über­le­bens­chan­ce, wenn sie ihre Sou­ve­rä­ni­tät zurück­ge­win­nen und sich schnell von den USA lösen, um im Ver­ein mit Ruß­land und den isla­mi­schen Mit­tel­meer­an­rai­nern eine Regio­nal­macht im äußers­ten Wes­ten der eura­si­schen Land­mas­se zu bilden.

Dort liegt auch geis­tig und kul­tu­rell die ein­zi­ge Zukunft Euro­pas: »Für Ame­ri­ka wer­den wir immer nur Kulis sein. Asi­en gegen­über haben wir eine Auf­ga­be.« (Ernst Nie­kisch)10.

 

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Fußnoten

1      Hen­ri Piren­ne, Geburt des Abend­lan­des – Moham­med und Karl der Gro­ße, Leip­zig 1939, S. 158; Her­vor­he­bung im Original.

2      Ernst Nol­te, Die drit­te radi­ka­le Wider­stands­be­we­gung: der Isla­mis­mus, Ber­lin 2009, S. 330.

3      Der Ver­fas­ser über­nimmt trotz ter­mi­no­lo­gi­scher Beden­ken zur bes­se­ren Ver­ständ­lich­keit die offi­ziö­se Begriff­lich­keit des Wor­tes »Islam«. Die­se ist dadurch gekenn­zeich­net, daß bei der Ver­wen­dung des Begriffs »Islam« nicht sel­ten reli­giö­se, eth­ni­sche, his­to­ri­sche, geo­gra­phi­sche und poli­ti­sche Kate­go­rien ver­mengt wer­den. Dies birgt die Gefahr in sich, daß kor­rek­te Begriffs­paa­re wie etwa Christentum/Islam (reli­gi­ös), Europäer/(z.B.) Ara­ber (eth­nisch) oder Europa/(z.B.) Nord­afri­ka (geo­gra­phisch) aus dem Blick gera­ten. Soweit in dem Bei­trag Bezug genom­men wird auf die Bewußt­s­eins­la­ge in isla­mi­schen Län­dern, beru­hen die­se Beschrei­bun­gen ganz über­wie­gend auf zahl­lo­sen per­sön­li­chen Gesprä­chen, die der Ver­fas­ser zwi­schen 1968 und 2016 in einer zusam­men­ge­rech­net etwa zwei­jäh­ri­gen Berei­sung der isla­mi­schen Welt, vom Atlas­ge­bir­ge bis nach West­pa­pua, geführt hat.

4      Fried­rich Nietz­sche, »Der Anti­christ« (1888), in: Gior­gio Colli/Mazzino Mon­ti­na­ri (Hrsg.), Fried­rich Nietz­sche, Kri­ti­sche Stu­di­en­aus­ga­be (KSA),
Bd. 6, Berlin/New York 1988, S. 249 (Nr. 60).

5      Die tref­fen­de Beob­ach­tung von Peter Scholl-Latour, wonach »der Krieg gegen den Ter­ro­ris­mus […] die Mut­ter aller Lügen [ist]«, kann auf der innen­po­li­ti­schen Ebe­ne um die Funk­ti­ons­ana­ly­se von Peter Furth erwei­tert wer­den, nach der »die Angst vor dem Ter­ro­ris­mus, dem unheim­li­chen, viel­ge­stal­ti­gen Feind der Mas­sen­de­mo­kra­tie, von den Mas­sen­me­di­en und der Poli­tik wach­ge­hal­ten wird, weil sie als Sicher­heits­be­dürf­nis geeig­net ist, die leer­ge­wor­de­ne Stel­le des Patrio­tis­mus zu beset­zen« (Mas­sen­de­mo­kra­tie, Ber­lin 2015, S. 186).

6      Bassam Tibi, Inter­view mit Der Spie­gel Nr. 40/2006, S. 47ff., 49. Zu Recht hat Frank Böckel­mann, Jar­gon der Welt­of­fen­heit, Waltrop und Leip­zig 2014, S. 91, die Fra­ge auf­ge­wor­fen: »Wohin­ein denn soll­ten (die Ein­ge­wan­der­ten) sich inte­grie­ren?«, um in der Fol­ge prä­zi­se die Ant­wort wie­der­zu­ge­ben, die eine boden­lo­se Gesell­schaft wie die BRD auf eine sol­che Fra­ge ertei­len wür­de: »In Anse­hung der Selbst­ver­nei­nungs­pra­xis bei den Auto­chtho­nen ist die For­de­rung nach Inte­gra­ti­on nicht anders zu deu­ten als eine Auf­for­de­rung an die Her­ge­kom­me­nen, sich eben­falls selbst zu ver­leug­nen.« (ebd.)

7      Micha­el Klo­n­ovs­ky, Der Held – Ein Nach­ruf, Mün­chen 2011, S. 23.

8      Fried­rich Nietz­sche, a. a. O. (FN 4), S. 249 (Nr. 59).

9      Fried­rich Nietz­sche, Also sprach Zara­thus­tra (1886), Vor­re­de 5, Bas­ler Aus­ga­be, Frankfurt/Main und Basel 2013, S. 16.

10    Ernst Nie­kisch in einem Brief an Fried­rich Georg Jün­ger vom 28.11.1947, in: Ulrich Fröschle/Volker Haa­se (Hrsg.), »Inmit­ten die­ser Welt der Zer­stö­rung«, Brief­wech­sel Fried­rich Georg Jün­gers mit Rudolf Schlich­ter, Ernst Nie­kisch und Ger­hard Nebel, Stutt­gart 2001, S. 113.

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Kommentare (20)

Wahrheitssucher

3. April 2018 16:45

Man kann und möchte diesen pointierten und vor allem auch zukunftsweisenden Thesen zum Islam eigentlich nur zustimmen.
Allerdings: Kommt der Islam - als Religion betrachtet - hierin nolens volens nicht fast zu gut weg?
Heißt nicht der Begriff schon allein "Unterwerfung"?
Von den Praktiken der Ausübung und der Art der Gebote ganz zu schweigen...
Für den Bedarf an Transzendenz würde ich dem Christentum - bei aller höchstberechtigten Kritik auch und gerade an seinen Vertretern - immer noch den Vorrang geben. Oder ganz platt ausgedrückt: Wir wollen doch die Kirche im Dorf behalten und nicht noch mehr Moscheen errichtet sehen...

dAnnunzio

3. April 2018 17:15

Ich nehme jetz einfach einmal an, diese Thesen sind ernst gemeint. Nach den Nackenschmerzen vom Kopfschütteln freue ich mich auf die Entgegnung von Herrn Gerlich.

Herzog

3. April 2018 17:43

Ich finde es sehr schade, dass hier die Meinung von Islam-Kollaborateuren verbreitet wird.

Zu 4. c)

Ich bitte um Fakten, welche Menschenrechte Israel beharrlich mit Füßen tritt.

Weiterhin ist es unwahr, dass Israel "seine islamischen Bürger und Nachbarn seit Jahrzehnten mit Gewalt und Terror überzieht"!

Ich unterstütze die Meinung von PI-NEWS:

"Der demokratisch-freiheitliche Staat Israel ist in seiner Existenz bedroht und bisher nur aufgrund militärischer Stärke seiner totalen Vernichtung entgangen. Westliche Medien lassen sich oft nur zu willig von arabischer Propaganda und deren Fälschungen beeinflussen. Auffällig ist, dass dabei ganz andere moralische Bewertungsmaßstäbe an Israel gelegt werden als an die arabisch-islamische Welt. Dies führt dazu, dass das demokratische Israel in der medialen Darstellung weitaus negativer dasteht als die arabischen Diktaturen und Halb-Diktaturen. Diese Umkehr der Täter-Opfer-Rolle stimmt weder mit den Tatsachen noch mit unseren eigenen Werten überein. Israel wird mittlerweile grundsätzlich als Aggressor hingestellt, selbst wenn sich der Staat durch Mauern vor Selbstmord­attentätern schützt. Wir unterstützen Israel und seine Bürger darin, was uns selbstverständlich ist: auf das Recht für ein Leben in Frieden und Freiheit."

A. Kovacs

3. April 2018 17:59

Diese Thesen atmen den antiamerikanischen Geist von Richard Millet. So ekelhaft die Disneyland- und McDonaldisierung durch die USA auch ist, die alles nivelliernde Horizontalisierung aller Lebensbereiche, so viel näher stehen jedenfalls mir US-Amerikaner im Vergleich zu Nahost-Orientalen. Ich wage nicht, von kultureller Nähe zu sprechen, eher ist es wohl eine theologisch-transzendente Nähe. Von Waldstein rechnet im Falle des islamischen Sieges mit der Möglichkeit eines kulturellen Neubeginns – nun ja, worauf er diese Hoffnung gründet, ist nicht ersichtlich. Ein solcher Neubeginn wäre allen empirischen Daten entsprechend höchstens nach der Erschöpfung des Islam – also ohne ihn – erst wieder denkbar. Günter Rohrmoser sprach von der „Normalität [einer religiös grundierten Gesellschaft], die der Islam auf seine Weise in Europa wiederherstellen“ werde. Von Waldstein übersieht wohl die für Europäer und speziell Deutsche kaum vorstellbare Rolle der Religion in den USA. Diese „Normalität“ ist es wohl, die jene von mir gefühlte Nähe herstellt, wobei es eben entscheidend ist, welche Religion die Grundierung bietet. Solange Europa diese seine, eben die christliche Grundierung hatte, war es stark. Tours und Poitiers, Lepanto, Zenta zu beschwören hat ohne diese Voraussetzung wenig Sinn. Der nationale wie der „Verfassungspatriotismus“ wird diese Kraft nicht entfalten können.

Martin Lichtmesz

3. April 2018 18:12

Obwohl ich in vielem zustimme: Nein. Antiliberale Romantik und Romantisierung des Islams, die effektiv jegliche Widerstandskraft gegen die laufende ethnische Landnahme zermürbt, die nun mal durch den Islam erhebliche Fahrt aufnimmt. Liberalismus und Islam sind Schneiden ein- und desselben Schwertes. Manchmal frage ich mich, ob neurechte Holzwege dieser Art eine Form von Ethnomasochismus sind...

Der_Juergen

3. April 2018 18:31

Dieser Beitrag des von mir sehr geschätzten Herrn Thor von Waldstein hinterlässt bei mir zwiespältige Gefühle. Sehr vieles von dem, was er sagt, würde ich sofort unterschreiben, doch habe ich auch etliche gewichtige Einwände. Hier ein paar davon:

1) Gleich zu Beginn stellt der Autor die völlig unhaltbare These auf, ohne die islamische Hochkultur wären Renaissance und Aufklärung nicht möglich gewesen. Den Beweis bleibt er schuldig. Es gilt hier darauf hinzuweisen, dass die Leistungen vor allem der arabischen Wissenschaft gemeinhin überschätzt werden. Vieles von dem, was als "arabisch" ausgegeben wird, war in Wirklichkeit griechisch und, während dieser Wissensschatz im Abendland verschüttet war, in Bagdad und anderswo ausgewertet worden. Übrigens waren die meisten der betreffenden Wissenschaftler Perser (oder Spanier). Schon Renan hielt weiland fest, dass der arabische Geist antiwissenschaftlich sei. Das mag eine unzulässige Pauschalisierung sein; andererseits ist der Beitrag der arabischen Welt zur Wissenschaft seit mindestens einem halben Jahrtausend gleich Null.

2) So sehr ich Nietzsche als begnadeten Stilisten bewundere, seine historischen Aussagen sind in der Regel mit Vorsicht zu geniessen. Dies gilt insbesondere für seinen "Antichrist". Nietzsches Lob des Islam fusste mitnichten auf seiner Kenntnis dieser Religion und ihrer Kultur, denn diese Kenntnis dürfte sich im Nullbereich bewegt haben. Mir hat noch niemand nachgewiesen, dass er auch nur einen einzigen Araber oder sonstigen Muslim persönlich gekannt hat (in der dreibändigen Biographie von Janz findet sich jedenfalls kein Hinweis darauf).

3) Der islamische Terror, meint von Waldstein, gehe nicht auf eine besondere Bösartigkeit des Islam zurück. Wenn er sich der mühsamen Arbeit unterzieht, den Koran einmal von vorn bis hinten zu lesen, wird er dort auf eine Unzahl von Aufrufen zum Mord an "Ungläubigen" stossen. Das Thema der verruchten "Ungläubigen", die durch und durch verworfen und deren Vernichtung Allahs Gebot sei (ausser sie bekehrten sich) ist überhaupt das Leitmotiv dieses düsteren Buches. Nicht umsonst haben sich viele Grössen der europäischen Geistesgeschichte, von Marx über Schopenhauer bis Renan, geradezu vernichtend über den Koran geäussert.

Die sogenannten "Islamisten" (im Arabischen gibt es überhaupt kein Wort dafür!) oder "islamischen Extremisten" können sich bei ihren Gewalttaten also guten Gewissens auf den Koran berufen, und dazu noch auf das persönliche Beispiel ihres Propheten, von dem zahlreiche Mordtaten, in mindestens einem Fall auch eine Folterung (die Quelle weiss ich nicht auswendig) berichtet werden. Zum Vergleich: Von Jesus wird nur ein einziger gewalttätiger Akt berichtet, die Vertreibung der Schacherer aus dem Tempel, und von denen kam keiner ums Leben; der eine oder andere bekam einen Peitschenhieb ab, und damit hatte es sich.

4) Thor von Waldstein erinnert (zu Recht) an die einstmals guten deutsch-türkischen Beziehungen und spricht in diesem Zusammenhang von einer "gegenseitigen kulturellen Befruchtung". Wie tiefe Wurzeln die deutsche Kultur in der Türkei geschlagen haben mag, weiss ich nicht, aber worin, bitte, bestand bloss die "kulturelle Bereicherung Deutschlands durch die Türkei"?

5) Unbegreiflicherweise tischt Thor von Waldstein gegen Ende seines Beitrags noch die Mär auf, die Interessen des Kapitals seien schuld an Einwanderung und Multikulti. Hält er die deutschen Kapitalisten denn für Trottel, die nicht rechnen können? Da nur eine kleine Minderheit der islamischen (und sonstigen) Eindringlinge eine dauerhafte produktive Arbeit sucht und findet, fällt die grosse Masse dem deutschen Staat zur Last und bedeutet für diesen ein kolossales ökonomisches Verlustgeschäft. Und in einem Staat, dessen Fundamente wanken, weil kein Geld mehr für lebensnotwendige Aufgaben vorhanden ist, werden die Kapitalisten schwerlich ideale Bedingungen zum Investieren und Geschäftemachen finden. Wer investiert denn schon gerne in einem Staatswesen, das an allen Ecken und Enden aus den Fugen gerät und nach den Gesetzen der Mathematik unweigerlich in absehbarer Zukunft kollabieren wird, wenn die Zügel nicht im letzten Augenblick herumgerissen werden?

Nun bin ich gespannt auf den morgigen Beitrag von Siegfried Gerlich.

Der Gehenkte

3. April 2018 19:08

Das ist die Art Text, die hier diskutiert gehört. Provokativ! Für meinen Geschmack an beiden Enden über das Ziel hinaus geschossen - allein die mittige Liberalismus-These ist belastbar.

Vermutlich wird Gerlich den Artikel an den vielen Schwachpunkten zerlegen - deshalb kann man beruhigt und gespannt warten.

Solution

3. April 2018 19:38

Von dem Verfasser halte ich persönlich sehr viel. Hier liegt er aber in einigen Punkten völlig daneben.

Ein Beispiel: Die Kultur- und Wissenchaftsleistungen des Islams resultieren überwiegend in der Eroberung und Ausbeutung antiker Quellen sowie in der Ausbeutung von unterjochten Christen. Wo der Islam erobert hat, hat er Teilde der alten Elite verschont, um sie für sich arbeiten zu lassen.

Der Eigenbeitrag des wirklichen Islams ist äußerst dürftig. Bis heute.

Immer noch S.J.

3. April 2018 20:57

Auf die kommenden Diskussionen bin ich gespannt. Es wäre natürlich mehr als willkommen, wenn Dr. Thor von Waldstein sich zu einer Entgegnung auf die Ausführungen von Dr. Siegfried Gerlich einließe. Wie auch immer sich die Dinge entwickeln werden: Alle Rückgriffe in die Vergangenheit, ob nun zum Zwecke der Beschreibung kultureller Errungenschaften des Islam oder zur Kennzeichnung eines historisch gewachsenen Spannungsverhältnisses, werden sich für die Analyse der Gegenwartsprobleme als nur bedingt nützlich erweisen. Aber wir werden sehen. Ich fürchte, Intellektuelle lassen sich von den zweifellos großen Errungenschaften in der islamischen Geschichte dahingehend einnehmen, dass die Gegenwart nicht mit einer vergleichbaren kritischen Haltung wahrgenommen wird. In der Gegenwart könnte die Bilanz schlechter ausfallen. In der französischen Zeitschrift „Commentaire“ wurde darüber ausführlich nachgedacht; das Ergebnis fällt alles andere als positiv aus, wie die Lektüre eines gelungenen Überblicks zeigt (vgl.:
https://www.tichyseinblick.de/meinungen/verlockungen-des-islam-und-neue-rollenverteilungen-in-der-weltpolitik/).

Spannend dürfte es werden, wenn die Rede schließlich auf die „Betrugsvokabel Integration“ kommt (eine großartige Formulierung übrigens). Bis heute schieben die sich tolerant gebenden linken Meinungs- und Migrationsmacher nämlich die Frage vor sich her, wie und auf welche Weise diejenigen, die jede Form von Härte ablehnen – und das sind die Regierungseliten -, mit einer wachsenden Zahl von Zuwanderern umgehen wollen, die aus religiöser Überzeugung und wegen ihrer kulturellen Prägung eine intensive Abneigung gegenüber den liberalistischen Lebensentwürfen und Ansichten im Reisegepäck mit hierher gebracht haben. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie die Lage im Griff haben werden.

RMH

3. April 2018 21:24

Bislang galt ja der Untergang Konstantinopels und die damit verbundene Flucht der griechischen Gelehrten und der damit verbandelten Priesterschaft, die u.a. auch entsprechende Schriften im Gepäck hatten, vor allem nach Italien, als der Startpunkt der Renaissance, aber wenn der Herr Dr. Dr. meint ....

Wie auch immer, auch ich bin gespaltener Auffassung zu den Thesen, wie die meisten hier. Einigen Thesen kann man zustimmen, andere hingegen schmecken zu ähnlich dem Honig, mit dem uns das Schlucken der Pille Islam von allzu offizieller Seite versüßt werden soll.

Insgesamt ist eines klar: Bei der Rechten und vor allem auch bei der faschistischen Seite (Achtung: Ich möchte "Faschismus" hier historisch verstanden wissen und nicht als Totschlag-Argumentation gegen den Autor!) gab es u.a. seit Guénons integraler Traditionslehre schon immer ein bisschen die Idee, der Islam stelle eine der letzten, großen integralen Traditionslinien dar (siehe auch Evola) und damit sei der Islam als Teil der "Antimoderne" (das Argument der Antimoderne wurde auch von Nolte aufgenommen) ein möglicher Verbündeter. Ich persönlich halte das für falsch, da es zum einen keine natürlichen Verbündeten gibt und zu anderen selbst zu Guénons Zeiten der Islam eigentlich schon eher auf dem absterbenden Ast (bis faktisch tot) war. Nicht umsonst bildeten sich schon im 19. und Anfangs des 20. Jhdt. viele Gruppen, die eine Revitalisierung und Wiederbelebung des Islams vorantrieben - auf politischem Gebiet ist die bekannteste, die in den zwanziger Jahren des vorherigen Jhdt. gegründete Muslimbruderschaft. Die sog. "Salafisten" sind auch Teil dieser Wiederbelebungsversuche, die in diesem Fall das fast schon tote Pferd eben durch besondere Rückwärtsgewandtheit wieder zu reiten versuchen.

Im Ergebnis ist für einen Mitteleuropäer m.M.n. jegliche Kooperation mit dem Islam abzulehnen. Ich sehe hier nichts Gemeinsames und eigentlich nur Trennendes. Im Übrigen hat Der_Juergen noch fundierter dazu geschrieben, welchem ich zustimmen möchte.

Ein gebuertiger Hesse

3. April 2018 22:08

Der Islam nun doch eine Alternative für uns gegenüber den USA? Bloß net. Das widerspräche unserer gesamten Lebensgeschichte. Wir Hiesigen werden in der Zukunft auch einmal darüber sprechen müssen, wie sehr der jahrzehntelange Okkupanteneinfluß, und freilich der amerikanische weitaus mehr als der russische, fest zu unserem vielbeschworenen Eigenen gehört und eine unentwirrbare Melange mit dem Deutschen in uns eingegangen ist.

quarz

3. April 2018 22:15

Diese Glorifizierung des Islam entspringt offenbar der Abneigung gegen die USA. Hier präsentiert der Autor das kulturelle Pendant zu Rousseaus "edlem Wilden": den "edlen Orientalen", der als Kontrastfolie zum verderblichen Amerikaner dient.

Im Einzelnen weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll zu widersprechen. Ich greife nur drei Punkte heraus:

1) "ohne die Glanzleistungen der arabischen Mathematik und Astronomie wären Renaissance und Aufklärung nicht denkbar gewesen."
Das ist eine maßlose Übertreibung der Leistungen der islamischen Wissenschaft. Verglichen mit dem, was Griechenland zuvor und Europa danach geleistet hat, sind das Peanuts, die nur im Zuge einer sachlich in keiner Weise gerechtfertigten modischen Glorifizierung durch islamophile und oikophobe Zeitgenossen hochgejubelt werden. Die wesentliche Grundlage für die wissenschaftliche Revolution in Europa wurde im lateinischen Mittelalter in Oxford und Paris gelegt, nicht im islamischen Kulturkreis.

2) Die Darstellung, wonach der Islam von keinem eigentlichen Eroberungsinteresse getrieben sei, sondern nur als thymotischer Entwicklungshelfer in das kulturelle Vakuum der schwächelnden Westmenschen vorstößt um Schlimmeres zu verhindern, erscheint sowohl angesichts der religiös kodifizierten Eroberungsaufträge als auch angesichts der konkreten Expansionsgeschichte der Religion abwegig.

3) Die Gleichstellung des Islam mit anderen monotheistischen Religionen (insbesondere mit dem Christentum) in Bezug auf seine expansiven Ambitionen ignoriert den wesentlichen Unterschied zwischen Lehrauftrag (Christentum) und Unterwerfungsauftrag (Islam). "Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt", findet in den christlichen Fundamentaltexten - anders in den islamischen - keine rechtfertigende Grundlage.

Andreas Walter

3. April 2018 22:24

Der Islam ist (heutzutage) keine Schutzmacht (mehr), und damit fallen schon mal gleich mehrere Hoffnungen, auch die des kleineren Übels, wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Schutzmacht vor dem ewigen Endgegner könnten eventuell China und Russland, oder um ganz sicher zu gehen, am besten beide Nationen zusammen plus ein paar Satelliten sein.

Da muss ich leider @Solution recht geben.

Bei aller Ehrfurcht vor der Leistung in Monte Cassino oder auch den Dardanellen, die konstruktiven Möglichkeiten von brute force Angriffen sind heute doch relativ begrenzt. Höchstens als destruktive Waffe (auch aus marxistischer Sicht) daher zu gebrauchen, um West- und Nordeuropa zu nivellieren, sprich, runterzuziehen. Im nächsten Schritt würde dann womöglich die Eroberung Osteuropas anstehen, und als letztes wäre dann Russland dran. Von West und von Süd.

Auch Polen fährt derzeit daher eine recht kurzsichtige Strategie wenn sie glauben, zwischen einem Kalifat Europa und den Russen langfristig bestehen zu können. Doch vielleicht soll dort ja noch etwas ganz anderes entstehen, etwas, was es schon einmal war, nur eben diesmal mit Kernwaffen. Vielleicht die, die man bis dahin auch aus England und Frankreich wegschaffen musste, neben Dutzenden von Reaktoren und anderen kerntechnischen Anlagen. An Stelle Frankreichs würde ich darum schon mal Französisch-Guayana auf zukünftiges vorbereiten, wenn sie weiterhin wie auch die Briten so eine schwachsinnige Politik fahren. Südafrika ist übrigens auch schon verloren, wenn es nicht wer auch immer zurückerobert. Sicher aber nicht die Niederlande. Die Lage ist daher in manchen Teilen der Welt glaube ich ernster als die Meisten bisher wahrhaben wollen.

Monalisa

3. April 2018 23:15

Ich denke auch, dass der Autor mit seiner Islam-Lobhudelei weit über das Ziel hinaus geschossen ist. Der Islam war und ist eine einzige geistig-seelische Wüstenei. Kultureller Neuanfang? Ein sehr schwarzer Humor.

Ich bin überzeugt, dass er den Europäern außerdem mit Gewalt aufgezwungen werden müsste, denn er ist ihnen zutiefst wesensfremd. (Ein paar synkretisierende Sonderlinge (und die Bosnier) bestätigen als Ausnahmen die Regel) . Spanier und andere europäische Völker haben ihn auch nach jahrhundertelanger Fremdherrschaft nicht als ihre Religion angenommen. Bis heute sind Europäer nicht in nennenswerter Weise irgendwie spirituell oder kulturell vom Islam angezogen.

Dass kleine, haarige Macho-Männer bei den jungen Frauen hier so toll ankämen bleibt im Übrigen auch weiterhin nichts als ein rechtes Phantasma.

So wenig wie die knallrechten Antiamerikaner real irgendwas mit dem Islam am Hut haben oder nach dessen Regeln leben ...

Da wird nur mit ganz großem Abstand zur bewunderten Primitivlingsreligion rumgeschwafelt. Fragt sich, warum?

Ich sehe nicht, dass Deutschland jetzt kurz vor einem schrecklichen Konflikt mit der islamischen Welt stünde, weil PI-News plötzlich den Regierungssprecher stellt oder dergleichen?

Konflikte sind aber leider durch die Masseneinwanderung aus islamischen Ländern vorprogrammiert. Man muss es vielleicht nicht (so sehr) zu einem religiösen Thema machen, aber es scheint auch kaum vermeidbar.

Cacatum non est pictum

4. April 2018 00:54

Ich meine, daß von Waldsteins Stoßrichtung schon ganz richtig ist. Der Islam hat lange nicht mehr die Potenz, die er noch zu Zeiten von Lepanto und Wien hatte. Jedenfalls sind mir aus den letzten 150 Jahren keine Eroberungsfeldzüge auf europäischem Boden geläufig. Wenn man heute davon spricht, daß der Islam die westeuropäischen Staaten von innen unterwandert, dann ist das zwar nicht falsch; es hat aber Gründe, die nichts mit der Stärke des Islam zu tun haben, sondern damit, daß

- die Mohammedaner von den jeweils zuständigen Regierungen massenhaft nach Europa eingeladen worden sind - die Schlußfolgerungen hieraus möge ein jeder für sich ableiten
- die west-, mittel- und nordeuropäischen Völker in ihrem Selbstbehauptungswillen derart geschwächt sind, daß sie sich dieser kontinuierlich voranschreitenden Landnahme nicht mehr entgegenstellen - vielfach bemerken sie ja nicht einmal, was vor sich geht.

Beides hat von Waldstein erwähnt. Daß der massenhaften Umsiedlung auch - und wahrscheinlich primär - ökonomische bzw. finanzielle Interessen zugrunde liegen (die Wirtschaft darf nicht schrumpfen, sonst kriegen die Zinsprofiteure ihre Hälse nicht voll!), hat er ebenfalls gesehen. Diese Einsicht scheint auf seiten der Rechten nicht besonders weit verbreitet zu sein, wie die meisten Kommentare hier belegen.

Der Feind ist unsere eigene Frage als Gestalt. Bekämpft werden muß nicht der Islam, sondern müssen diejenigen, die ihm den Weg ins Herzen Europas geebnet haben.

Benedikt Kaiser

4. April 2018 06:54

@Immer noch S.J.

Es wäre natürlich mehr als willkommen, wenn Dr. Thor von Waldstein sich zu einer Entgegnung auf die Ausführungen von Dr. Siegfried Gerlich einließe.

Nach der dreiteiligen Antwort Herrn Gerlichs wird Thor v. Waldstein auf diese antworten, und zwar in einem die Diskussion abschließenden Beitrag.

Der Starost

4. April 2018 09:34

@Der_Juergen
Punkt 5) fordert einen Widerspruch: Es liegt doch auf der Hand, dass die Einwanderung im Interesse des Kapitals liegt. Auf Seiten der Sozial-, Psycho-, und sonstigen Helferindustrie und insbesondere auch des produzierenden Gewerbes war und ist die ungeregelte Masseninvason eine Konjunkturpille sondergleichen. Wir haben seit Ende 2015 über eine Million mehr "solvente" (d.h. staatlich alimentierte) Verbraucher im Land als bisher. Unserer Wirtschaftselite ist es vor dem Hintergrund des heutigen "shareholder value" - Denkens völlig schnurz, dass dieses Feuerwerk schon bald - und auf unsere Kosten - abgebrannt sein wird.

Franz Bettinger

4. April 2018 10:10

1. Ich hoffe, zwischen Pest und Cholera (Islam und Amerika) einen 3. Weg zu finden. Jedenfalls werde ich ihn suchen.

2. In einem Punkt bin ich bei Thor von Waldstein: Der islamische Terror (Bataclan...) wird nicht mit dem Koran begründet. Er ist eine Reaktion auf unseren (!) Krieg gegen den IS. Die Bekenner-Schreiben sind alle (!) eindeutig und unterstreichen diese These. Man wird für die Auslegung des IS-Terrors als asymmetrische Kriegs-Handlung gern von links bis rechts gegeißelt. Was sind unsere Drohnen und Bomben auf die IS-Städte aber anderes als Terror? Neben den Anschlägen des IS, die ich als Kriegsgeschehen bzw. Gegenmaßnahmen am ehesten noch entschuldigen kann, gibt es den für mich un-entschuldbaren, aggressiven, intoleranten, Koran-gestützten Islam an sich, der uns mit den Merkel-Migranten ins Land schwappt. Ich zumindest versuche aber, diese beiden Gewaltformen auseinander zu halten, da erstere leicht vermeidbar wäre, die andere nicht. Nein, das ist keine Haarspalterei.

Durendal

4. April 2018 17:08

Es wäre in der Tat verkürzt, sich auf islambezogene Probleme zu konzentrieren und dabei zu vergessen, dass diese ohne das Wirken derjenigen, die sie importierten, in Europa nicht vorhanden wären.

Es ist auch sinnvoll daran zu erinnern, dass ein wesentlicher Teil der gegen Europa gerichteten islamischen Kulturkritik sich explizit gegen die Werke progressiver Ideologien richtet und nicht gegen das traditionelle Europa.

Diesbezügliche freundliche Worte in Richtung Islam stießen dort bislang aber nicht auf wahrnehmbare Antworten. Mehr als eine friedliche Koezistenz mit gut bewachten Grenzen wird es vor dem Hintergrund der 1.400-jährigen Konfliktgeschichte zwischen Europa und dem islamischen Kulturraum, an welche die dynamistischen Strömungen im Islam der Gegenwart selbstbewusst ankünpfen, wohl kaum geben können.

In Ost- und Südosteuropa ist die Erinnerung an die jahrhundertelangen Abwehrkämpfe gegen die konstant anrollenden Invasionswellen aus dem islamischen Kulturraum präsenter als in Deutschland. Die deutsche Neigung zur romantischen Betrachtung des Orients konnte wohl nur deshalb entstehen, weil andere Völker den realen Orient so lange von uns ferngehalten haben.

nietzschikus

2. Mai 2018 16:09

@Andreas Walter:

Ihr Loblied zu Gunsten Russlands kann ich nicht nachvollziehen, wenn es um den Islam geht. Der orthodoxe Patriarch Kirill preist dagegen regelrecht die Muslime in Russland und mahnt den Westen sich von Russland abzuschauen, wie man Muslime aufnimmt und integriert: https://theorthodoxchurch.info/blog/news/west-should-learn-from-russia-to-accept-muslim-refugees-patriarch-kirill/

Auch in meinem Kampfsportverein in der Schweiz haben wir einige Russen, alle sind allerdings sunitische Moslems. Ich komme recht gut klar mit den Leuten, aber man sollte sich nichts vormachen, wenn man vom Vielvölkerstaat Russlands eine Rettung vom Islam erhofft. Da müssen wir schon selber ran.

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Dennoch möchte ich noch einigen Kommentatoren noch knapp widersprechen - allerdings _nicht_ in ihrer allgemeinen Stoßrichtung den Islam zu problematisieren. Die Kontraststellung Christentum = friedliche Missionierung & Islam = kriegerische Ausmerzung scheint mir falsch zu sein.

Zum Ersten muss man sich nur Südamerika anschauen und wie dort durch das Christentum missioniert wurde. Insofern sollte man bei historischen Vergleichen mal lieber tief stapeln. Zum zweiten Punkt kann man sich die Kopten in Ägypten anschauen oder aber auch Spanien. Die Kopten leben seit fast 1500 Jahren unter islamischer Herrschaft & auch wenn die Beziehungen heute alles andere als rosig sind, haben sie über all die Zeit die Freiheit im Glauben zu einem erheblichen Teil behalten. Das deckt sich im übrigen mit den Analysen / Aussagen einiger Kommentatoren, dass die Araber die bestehenden Völker & Eliten gezielt nutzten. Dieses Narrativ passt allerdings nicht zum unausweichlichen wegmissioniert werden. Die Problem ist, dass die saudi-arabisch motiviert / inspirierten Lehre hier extrem intolerant ist.