Ist die Feministin Camille Paglia unterkomplex?

von Sophie Liebnitz -- Die Romanistin Barbara Vinken hat Camille Paglias Werk „Unterkomplexität“ vorgeworfen.

 Gastbeitrag

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Sie äußer­te dies in einem Inter­view mit dem Deutsch­land­funk. Trifft die­se Ein­schät­zung zu, und, wenn ja, bil­det es einen Kritikpunkt?

Ver­gleicht man Pagli­as Werk mit dem goti­schen Fili­gran mar­xis­ti­scher Theo­rie­bil­dung, das jedem Scho­las­ti­ker Hei­mat­ge­füh­le ver­mit­telt hät­te, mit den Begriffs­tem­peln der Psy­cho­ana­ly­se oder mit der Post­mo­der­ne, die an die Win­dun­gen einer dys­funk­tio­na­len Kana­li­sa­ti­on den­ken läßt, so erin­nert es eher an die Mem­nonsko­los­se, die ein­sam in der Wüs­te thronen.

Die­se mäch­ti­gen Figu­ren (die bei­de den Pha­rao Ameno­phis den III. dar­stel­len) waren für Hegel Ver­kör­pe­rung der sym­bo­li­schen Form der Kunst, jener Form, in der die Mate­rie den Geist über­wiegt und für die in sei­ner Ästhe­tik exem­pla­risch das alte Ägyp­ten steht. Auch in „Die Mas­ken der Sexua­li­tät“ über­wiegt die schie­re Gewalt des Mate­ri­als die Bedeu­tung der theo­re­ti­schen Kon­struk­ti­on, die Män­ner und Frau­en als thro­nen­de Kolos­se ein­an­der gegenüberstellt.

Das Werk führt den uralten Film vom apol­li­ni­schen Heros und der chtho­ni­schen Mut­ter in tau­send Gestal­ten und in epi­scher Brei­te vor. Der Zuschauer/Leser ist fas­zi­niert, aber nicht über­rascht. Paglia beschreibt aller­dings nicht nur eine arche­ty­pi­sche Vor­stel­lung der Geschlech­ter (apol­li­nisch-stre­ben­der Mann, chtho­nisch-natur­ge­bun­de­ne Frau), sie repro­du­ziert die­se auch, über­nimmt also die Beschrei­bungs­ka­te­go­rien ihres Mate­ri­als anstatt eige­ne zu entwickeln.

Die­ses Mus­ter ist in der Tat von gerin­ger Kom­ple­xi­tät.   Aber – was heißt das über­haupt? Der Kern der dis­zi­pli­när unter­schied­li­chen Defi­ni­tio­nen ist immer Viel­falt, aller­dings nicht im mora­li­sie­ren­den Sinn bun­ter Diver­si­ty, son­dern ganz nüch­tern mit Blick auf die Viel­falt der Ele­men­te in einem Sys­tem und vor allem die Viel­falt der Rela­tio­nen, die die­se verbinden.

Ein Ergeb­nis von Kom­ple­xi­tät ist daher Unüber­sicht­lich­keit, wes­halb der Begriff, z.B. in der Wirt­schafts­wis­sen­schaft, kei­nes­wegs unein­ge­schränkt posi­tiv kon­no­tiert ist.  Kom­ple­xe Situa­tio­nen erschwe­ren Ent­schei­dun­gen, hyper­kom­ple­xe Theo­rie­bil­dun­gen ver­stel­len die Rea­li­tät eher, statt zu ihrer sinn­vol­len Inter­pre­ta­ti­on beizutragen.

Was uns auf die ein­gangs gestell­te Fra­ge zurück­bringt, wann höhe­re Kom­ple­xi­tät, wann Kom­ple­xi­tät eine Tugend und gerin­ge Kom­ple­xi­tät einen Man­gel dar­stellt. In den Kul­tur­wis­sen­schaf­ten ist eine Ten­denz ein­ge­ris­sen, den Begriff als eine Art Güte­sie­gel für wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten und Erklä­run­gen zu verwenden.

Das war nicht immer so. Klas­si­scher­wei­se galt die Anwen­dung von Ockham’s Razor: der Regel, wonach Erklä­run­gen je bes­ser je ein­fa­cher sind, d.h. je weni­ger Zusatz­an­nah­men sie benö­ti­gen. Daß Ock­hams Rasier­mes­ser in den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten kaum zum Ein­satz kommt, hat einen simp­len Grund: Die­se Dis­zi­pli­nen müs­sen weit­ge­hend ohne empi­ri­sche und jeden­falls ohne expe­ri­men­tel­le Über­prüf­bar­keit aus­kom­men. Ihre Theo­rie­bil­dun­gen kön­nen daher nicht fal­si­fi­ziert wer­den und ten­die­ren zwangs­läu­fig zu immer wei­te­ren Bin­nen­dif­fe­ren­zie­run­gen und „Wuche­run­gen“, die ganz prag­ma­tisch ermög­li­chen, sich im Betrieb von den Kol­le­gen zu unterscheiden.

Die Fest­stel­lung, eine Theo­rie oder ein Werk sei kom­plex dient daher häu­fig als Ersatz für Über­prüf­bar­keit von Außen und bezeich­net oft genug nur die radi­ka­le Selbst­be­züg­lich­keit dis­zi­pli­nä­rer Theo­rie­bil­dun­gen. Die Win­dun­gen post­mo­der­nen Den­kens sind kom­plex, die eso­te­ri­schen Leh­ren einer Hele­na Bla­va­t­sky bei­spiels­wei­se sind es auch – so what? Bla­va­t­sky hat da noch den Vor­zug für sich, für man­che Zeit­ge­nos­sen lebens­welt­lich Anwend­ba­res zu bieten.

Kom­ple­xi­tät geis­ti­ger Gebäu­de ist also kein Kri­te­ri­um für Wis­sen­schaft­lich­keit (da die­se Eigen­schaft mit nicht-wis­sen­schaft­li­chen Kon­struk­tio­nen geteilt wird), sie ist kein Kri­te­ri­um für Rea­li­täts­ent­spre­chung und sie ist schon gar kein Kri­te­ri­um für lebens­welt­li­che Brauchbarkeit.

Und hier sind wir beim ent­schei­den­den Punkt: Pagli­as Werk gerät in genau die­sem Moment in der Geschich­te des Wes­tens in den Blick, weil es einem Bedürf­nis ent­spricht, sich in Geschlech­ter­fra­gen neu zu ori­en­tie­ren und die fal­sche Kom­ple­xi­tät urwald­ar­tig-aus­ge­wu­cher­ter Gen­der-Theo­rien hin­ter sich zu lassen.

Die mut­wil­li­ge Mul­ti­pli­zie­rung der Geschlech­ter, die mit fana­ti­scher Zähig­keit betrie­be­ne Unter­mi­nie­rung geschlechts­spe­zi­fi­scher Ver­hal­tens­stan­dards sowie über­grif­fi­ge Ver­wal­tungs­maß­nah­men à la Gen­der-Main­strea­ming haben den Boden berei­tet für die Wie­der­auf­er­ste­hung der Pola­ri­tät Mann-Frau. (Wäre man auf der ande­ren Sei­te ein wenig klü­ger gewe­sen, hät­te man das kom­men sehen.).

Eben die­se Pola­ri­tät steht im Mit­tel­punkt von Pagli­as Arbeit und wird dort, wie eh und je, mythi­siert. Wer ein­wen­den möch­te, das sei kei­ne Wis­sen­schaft (nach wel­chen Stan­dards aber?), der muß sich sagen las­sen, daß dann sämt­li­che Theo­rien und Träu­me des aka­de­mi­schen Femi­nis­mus die­sen Namen eben­falls nicht bean­spru­chen kön­nen. Was könn­te mythi­scher sein als die Leh­re vom klei­nen Unterschied?

Wirk­mäch­tig wird Pagli­as Werk offen­sicht­lich genau durch einen für jedes erfolg­rei­che Ver­ständ­nis grund­le­gen­den Vor­gang, näm­lich durch Kom­ple­xi­tätsreduk­ti­on. Sie setzt gegen­über den Ver­stie­gen­hei­ten gän­gi­ger Gen­der-Leh­ren einen Neu­an­fang, indem sie auf die ältes­ten und his­to­risch nahe­zu durch­gän­gig prä­sen­ten Vor­stel­lun­gen von Männ­lich­keit und Weib­lich­keit zurückgreift.

Pagli­as Werk fun­giert als eine Art Bull­do­zer, der den Schutt femi­nis­ti­scher Dog­men abräumt. Der Grund, auf dem umfas­sen­de­re Model­le von Geschlecht auf der Basis his­to­ri­scher und bio­lo­gi­scher Rea­li­tä­ten (statt gegen die­se) auf­ge­baut wer­den kön­nen, ist damit frei­ge­legt. Die­se Neu­ent­wür­fe wer­den auch kom­men, denn weder die fleisch­fres­sen­den Pflan­zen aus dem Gen­der-Glas­haus noch Pagli­as Schat­ten­spie­le gro­ßer Arche­ty­pen bie­ten eine ent­fernt adäqua­te Rekon­struk­ti­on die­ser Kate­go­rie, die für unser Selbst­ver­ständ­nis und für unser Über­le­ben zen­tral blei­ben wird.

– – –

Anmer­kung des Ver­lags Antai­os: Camil­le Paglia hat mitt­ler­wei­le den Ver­trag mit uns gelöst, über 1500 Exem­pla­re der deut­schen Über­set­zung ihres Wer­kes “Free Women, free Men” müs­sen ein­ge­stampft wer­den. Das Buch ist daher bereits nicht mehr erhältlich.

 

 

 

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Kommentare (41)

Solution

10. April 2018 11:58

Warum wurde der Vertrag gelöst?
Kositza: Ist hier https://sezession.de/58422/camille-paglia-die-sorgfalt-der-arbeit-von-antaios dargelegt.

Durendal

10. April 2018 12:07

Welche "Neuentwürfe" braucht es in der Diskussion um die Natur des Menschen bzw. um die Natur von Mann und Frau denn?
Es ist ja durchaus zu begrüßen, dass Frau Paglia sich teilweise von einzelnen Vorstellungen feministischer bzw. neo-marxistischer Ideologie gelöst hat. Was aber die angesprochenen "historischen und biologischen Realitäten" angeht, so scheinen die wesentlichen Fragen doch bereits seit vielen Jahrhunderten beantwortet zu sein.
Einen "Bulldozer, der den Schutt feministischer Dogmen abräumt", brauchen nur diejenigen, die diesen überhaupt anhängen. Wer nicht Insasse dieses geistigen Gefängnisses ist, muss auch nicht aus ihm befreit werden.

John Haase

10. April 2018 12:38

@Causa Paglia
Ach, Mist. Vielleicht kann man als Ausländerin einfach die landesspezifische Niederträchtigkeit der deutschen Presse nicht durchschauen. Wie es bei Kipling heißt:

The men of my own stock,
They may do ill or well,
But they tell the lies I am wanted to,
They are used to the lies I tell;
And we do not need interpreters
When we go to buy or sell.

Tobinambur

10. April 2018 12:49

Man muss diesem Verlust nicht nachtrauern. Ist Paglias Werk nicht vielmehr eine hypertrophierte, gelehrsame Variation über einige die Geschlechter betreffenden Themen Nietzsches - gewissermaßen eine Honigsammlung des Geistes, die auch noch unnötigerweise im Regal des politischen Gegners aufbewahrt wird?

Caroline Sommerfeld

10. April 2018 13:20

@ Durendal:
Einen "Bulldozer, der den Schutt feministischer Dogmen abräumt", brauchen nur diejenigen, die diesen überhaupt anhängen. Wer nicht Insasse dieses geistigen Gefängnisses ist, muss auch nicht aus ihm befreit werden.

In einigen Gesprächen über Paglia mit rechten Frauen kam derselbe Gedanke zur Sprache: "Ich bin doch völlig gefestigt in meiner Frauenrolle, wozu brauchen wir Rechten Paglia?" Eben weil sie - wie Liebnitz fein herausgearbeitet hat - eben keine Ratgeberautorin ist. Oder nur an einigen Stellen als erbaulich, hilfreich und nützlich verstanden werden kann. Der Rest ist massig Kulturphilosophie und ein mühevolles Ringen um die menschliche Natur.
Und, nicht zu vergessen: wir haben es ja mit einem hochgerüsteten Gegner im Feldzug gegen das Augenscheinliche zu tun, so daß wir ziemlich genau wissen müssen, wie die Voraussetzungen, Strategien und Pläne der Gegner beschaffen sind.

Dieter Rose

10. April 2018 13:31

und das Einstampfen ging ohne weiteres (persönliches) Gespräch vorher geführt zu haben?
Ein sehr schwaches Bild dieser Frau!

silberzunge

10. April 2018 13:37

Da das, wie auch Vinken unterstrich, sehr sorgfältig von Antaios edierte Werk von Paglia nun nicht länger erscheinen wird, bleibt ohnehin nur mehr die englische Version über.

In jedem Fall möchte ich SL zustimmen, dass das an den Universitäten grassierende Komplexitätsgefasel - wenig überraschend - von Geisteswissenschaftlern geprägt wird. Dahinter steht ein mittlerweile in breiteren Kreisen diffundierte Gedanke, dass alles so unglaublich komplex sei und "einfache" Antworten schlicht nicht möglich seien. Wir brauchen deshalb mehr Literaturwissenschaftler wie Vinken, die in Wahrheit nichts anderes tun als zu interpretieren, und zu glauben, sie wüssten, was akademisch nicht satisfaktionsfähig sei. Es geht in Wahrheit fast immer um persönliche, gesinnungsgeleitete Animositäten.

Inigo

10. April 2018 14:54

@silberzunge So ist es. Die akademische Satisfaktionsfähigkeit wird fast nur mehr anhand ideologischer Konformität beurteilt in Kombination mit einem gewissen sprachlichen Duktus, der anspruchsvolles Denken oft genug nur simuliert.

@Durendal :Und wie Caroline Sommerfeld schreibt: Der Schutt muss weggeräumt werden, weil er überall ist (in den Universitätsinstituten sowieso, aber mittlerweile auch in den Verwaltungen (s. Gleichstellungsbeauftragte, Stellenausschreibungen usw.), den NGOs, den Köpfen der meisten heranwachsenden Frauen, den Kirchengemeinden und den Schulen. Es braucht einen Wechsel im ÖFFENTLICHEN Diskurs über Geschlecht. Dass Sie als Einzelperson das nicht nötig haben, ist schön, aber eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer.

Frieda Helbig

10. April 2018 15:16

So ein Mist!

Wer hat eines über oder bereits gelesen und kann es abgeben?

Danke

Maxx

10. April 2018 15:25

Ich frage mich, ob eine Paglia mit ihren "Schattenspielen großer Archetypen" diesen enormen finanziellen Aufwand und Ärger wert war?
Linken u./o. Feministinnen kann man wohl niemals trauen ...
Die Bilanz ist doch wohl, dass das Paglia-Desaster dem Antaois-Verlag einen, wie ich befürchte, beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden zugefügt hat.
War man da zu blauäugig? Der Antaios wurde erwürgt, als er vom Boden abhob bzw. (mangels Masse) hochgehoben wurde ...
Es ist schade, dass ein solch aufwendig erstelltes Werk eingestampft werden muss, auch wenn ich mit (neo)feministischen Pamphleten auch nicht viel anfangen kann. Für mich weitgehend inhaltsleeres Geschwurbel, mit dem man versucht, einen x-ten Aufguss aus gammligen Teebeuteln zu brühen ... Die Befassung mit "einsam in der Wüste thronenden Memnonskolossen", die mir eine "entfernt adäquate Rekonstruktion" der Geschlechterkategorie und "...umfassendere Modelle von Geschlecht auf der Basis historischer und biologischer Realitäten" verheißen", verschiebe ich auf später, irgendwann mal, wenn wir unser Land zurückhaben oder zumindest einen Teil davon.

ene

10. April 2018 15:51

Wie schade! Und wie schade auch um die nun vergebliche Arbeit der Übersetzer.
Das ist kein Trost - jedoch weiß ich (aufgrund von Erzählungen "Betroffener", die in direktem Kontakt standen), wie schwierig sich die verlegerische Zusammenarbeit auch mit Naturwissenschaftlern gestalten kann. Dies betrifft auch Verfasser namhafter Nachschlagewerke...Männer sind keineswegs weniger heikel. Es soll sogar schon vorgekommen sein, daß sich diese Schwierigkeiten nach dem Tode des renommierten Verfassers fortsetzen, indem nämlich dann die Witwe mit allerlei Forderungen (z.B. Grabpflege!) ins Spiel kam.

RMH

10. April 2018 15:52

An einer Übersetzung steht den Übersetzern grundsätzlich und normalerweise ein eigenes Urheberrecht zu. Sollte daher - nach einer kleinen Schamfrist - jetzt bei einem anderen Verlag eine Übersetzung erscheinen, der das durch den Wirbel um das Buch und seinen Rückzug entstandene Interesse mit einer eigenen "Veröffentlichung" abschöpfen möchte, empfehle ich einen genauen Vergleich der Übersetzungen und dann ggf. die Hinzuziehung einer entsprechend spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei.

Insgesamt ein bedauerlicher Vorgang. Aber der Druck, nicht bei den vermeintlichen "Schmuddelkindern" zu veröffentlichen, ist offenbar zu groß.

PS: Ich hätte das Buch ohnehin nicht gelesen, da ich noch Leserückstau für die nächsten Jahre habe.

Der Gehenkte

10. April 2018 16:19

Ein feiner Artikel, der nicht zuletzt auch sprachlich schön zu lesen ist.

Umberto Eco sagte im Ockham-Kontext einst: "Für jedes komplexe Problem gibt es eine einfache Lösung - und das ist die falsche." - und das dürfte in der Regel stimmen; Eco hat das in aufwendigen Semiotikbüchern immer wieder dargelegt.

Okhams Razor wird hier allerdings etwas sinnentstellt:

"Klassischerweise galt die Anwendung von Ockham’s Razor: der Regel, wonach Erklärungen je besser je einfacher sind, d.h. je weniger Zusatzannahmen sie benötigen." - Das trifft nicht ganz den Kern. Gemeint ist: sollte es mehr als eine Erklärung geben, dann ist in der Regel diejenige zu bevorzugen, die einfacher ist, weniger Zusatzannahmen benötigt. Das ist ein enormer Unterschied - Einfachheit ist nicht per se gut!

Man darf auch artifizielle Komplexität mit authentischer nicht verwechseln. Im postmodernen Dekonstruktionsb e t r i e b wurde viel künstliche Verkomplizierung geduldet, vor allem in den hinteren Reihen. Aber auch Nietzsche oder Husserl sind sehr (authentische) windungsreiche Denker, denen man die Komplexität schwerlich absprechen darf - es ist ihr Signum.

Trotzdem stimmt natürlich: "Komplexität geistiger Gebäude ist also kein Kriterium für Wissenschaftlichkeit, sie ist kein Kriterium für Realitätsentsprechung und sie ist schon gar kein Kriterium für lebensweltliche Brauchbarkeit." - aber nur, wenn auch das Gegenteil stimmt.

@Durendal
"Welche "Neuentwürfe" braucht es in der Diskussion..."

Das Zauberwort der Philosophie lautet: Differenzierung - es ist mit "difficile" verwandt. Entweder wir stellen uns den intrinsischen Schwierigkeiten indem wir differenzieren oder wir gehen ein Bier trinken. Die "Natur" von Mann und Frau mag gegeben sein, was sie ist, darüber darf man streiten. Aus der Gegebenheit ergibt sich nicht automatisch Erkennbarkeit.

@Paglia - ein Trauerspiel. Wäre es ohne diesen infamen Artikel dazu gekommen? Wenn nicht, dann muß man den Destruktionswille mit Name und Adresse im Tagebuch vermerken.

Fredy

10. April 2018 17:31

Könnte man eigentlich wieder ein Cafe Schnellroda ansetzen. Jeder der kommt vernichtet ein Exemplar. Die Art und Weise bleibt dem Vernichter überlassen. Motto: Nach Genuss verbrannt.

Kositza: Ja, Cafe ist in Arbeit, gibt noch ein paar Terminprobleme zu beräumen... und eine große Baustelle im Außenbereich. Buchvernichtung: Nein, (ernsthaft!), daß muß ein zertifizierter Buchvernichter machen, nur ein solcher darf eine Bestätigung ausstellen.

Ein gebuertiger Hesse

10. April 2018 17:41

Bitter auch: daß die inhaltliche Nähe, also eigentlich die wesentliche, von Paglia zu Antaios/Sezession nicht zu einer Mäßigung im Konfliktfall führt. Weiß die Autorin eigentlich, wie sehr ihre Starrköpfigkeit dem einen Verlag, der sie in Deutschland überhaupt noch bringen mag (und das in einer Ausgabe, die größte Wertschätzung ihrer Arbeit und Person ausdrückt), schädlich sein kann? Und darf ihr das egal sein? Einmal mehr sind die Amerikaner NICHT unsere Freunde.

Heinrich Loewe

10. April 2018 17:41

Es tut mir sehr leid, daß Ihre viele Mühe und Sorgfalt umsonst war, bis auf weiteres jedenfalls. Ich gestehe, ich hab mich inhaltlich nicht befaßt. Ich habe aufgehört an einer Stelle wo CP sinngemäß meinte, es ziemt nicht wenn Männer die Frauen verteidigen, diese wollen und mögen dies selber tun (oder so ähnlich).
Kositza: Nein, Paglia schreibt sinngemäß: In ihrer ital. Heimat war es üblich, daß die Brüder/Väter einen Vergewaltiger an dessen Eiern zum Trocknen aufhängten, und deshalb überlegte sich es einer gut, ob er wirklich zur Tat schreiten sollte. Leider hätten sich diese alten Gesellschaften zerschlagen, und nun denn: Wenn eine Frau partout meint, sie könne alles allein, dann bitte schön!

Immerhin haben Sie mit dem Roger Devlin ein wirklich erstklassiges Pferd im Stall sozusagen, zur Geschlechterthematik, wenn auch natürlich ganz anders gelagert. Starker Tobak, wenn man eine liebe Frau hat...Aber ich lese immer mal wieder gerne drin.

Brettenbacher

10. April 2018 17:55

Frieda Helbig
10. April 2018 15:16

So ein Mist!

Wer hat eines über oder bereits gelesen und kann es abgeben?

Danke
-------------------------------------------------------------
Aber sehr gerne!
Kontakt: [email protected]

hagustaldaz

10. April 2018 18:03

@ Der Gehenkte

In der Sache mögen Sie ja recht haben, aber in den Fallstricken der Etymologie haben Sie sich verheddert.

Das lateinische Verb differre enthält ferre "tragen" und bedeutet somit wörtlich "auseinandertragen". Hingegen steckt in difficilis/-e das Verb facere "machen", so daß es ursprünglich etwa "unmachbar" meinte. Ob die Vorsilben identisch sind, ist wegen ihrer abweichenden Bedeutungen umstritten.

Das ist hier nebensächlich, ich weiß, aber auch Ihnen liegt ja Präzision am Herzen.

dAnnunzio

10. April 2018 19:01

@Durendal: Danke. Mehr muß man zum Thema nicht sagen.

Mauerbluemchen

10. April 2018 19:48

Und dann heißt es von einschlägiger Seite immer, man hätte Vorurteile ... dabei ist es nur Menschenkenntnis, Lebenserfahrung, brutaler Realismus u.ä..

Das Gebahren des in die Jahre gekommenen enfant terrible wundert einen Kenner der Menschennatur und ihrer Deviationen nicht; was anderes als Hysterie, Inkohärenz und Irrationalität erwartet man denn von einem - sagen wir höflich - im hohen Maße identitätsgestörten Geschöpf?

Nun weiß man, daß Madame bei all ihrem Gedöhns doch nur eine der von ihr geschmähten Schilfhüttenbewohnerinnen ist und ihr ganzes Geschwafekl von "Kampf-gegen-Denkverbote", für"friehßpietsch" und das Gerangel mit totalitären Akademikerhennen nur ein Gezoff unter ihresgleichen auf dem perversen Hühnerhof us-amerikanischer Unis ist. Mit anderen Worten: all ihr Getue ist für den Ar**** und nichts echtes; eine hohle globalistische yankee-existenz wie zahllose andere.

Persönlich ärgert es mich, daß dieses lächerlich-primitive Gezicke so viel materiellen Schaden anrichtet.

PS. Gelesen habe ich das Buch auch und fand die Auslassungen Madames über Kunstwerke wie zB die Venus von Willendorf erschreckend seicht. Frei flottierendes - nein, Denken ist es nicht, was da betrieben wird - Assoziieren freitags abend auf der Couch, wenn nichts brauchbares im Fernsehen läuft und man gelangweilt in jenem Billigbildband blättert, den man von irgendjemand einmal geschenkt bekommen hat. Das kann meine Nachbarin auch (der Dragoner mit den Haaren auf den Zähnen).

t.gygax

10. April 2018 20:05

Wegen eines Interviews mit der Süddeutschen Zeitung steigt die Autorin aus dem Vertrag aus- und lässt zu, dass ihr Buch eingestampft werden muss? Das ist aber kein Zeichen von Stärke, Standfestigkeit und Durchhaltevermögen.

H. M. Richter

10. April 2018 20:43

Wenn die Denunziation ins wirtschaftliche Mark des Eigenen zu drängen beginnt, ist Abhilfe notwendig.

Wünschenswert wäre, wenn gezeigt werden könnte, es sind hier nicht nur - möge bitte bei der namentlichen Nennung keiner 'rot' werden -die Klügeren (Sommerfeld, Lichtmesz), die Mutigeren (KuK, Sellner) und die Schöneren (Pettibone, Winterfeld) versammelt, sondern auch Junge wie Alte, die auf ganz eigene Art zusammenhalten.

Ich weiß sehr gut, welche Arbeit trefflich kommentierte Übersetzungen erfordern, wieviel Zeit, Kraft und Nachtwachen dafür notwendig sind.

Ich würde mir wünschen, die Antaios-Leserschaft wäre bereit und in der Lage, diese geleistete Arbeit zu vergüten und würde für dies Buch aufkommen, auch wenn sie es niemals mehr wird lesen können.

Mittel und Wege ließen sich gewißlich finden, wenn der Wille dazu vorhanden ist.

quarz

10. April 2018 21:05

Als Außenstehender, der über die Vorgänge nicht im Detail Bescheid weiß, kann ich ja nur spekulieren. Aber ich habe den Verdacht, dass die Differenzen in Bezug auf den Publikationsmodus nur vorgeschobene Gründe sind und dass Paglia schlicht kalte Füße bekommen hat, als ihr geflüstert wurde, dass sie sich mit Rechten eingelassen hat. Da war's dann wohl mit ihrer sonst so stolz zelebrierten intellektellen Unabhängigkeit doch nicht so weit her.

Der Gehenkte

10. April 2018 21:44

@ hagustaldaz

"aber in den Fallstricken der Etymologie haben Sie sich verheddert. "

Korrekt! Vielen Dank! Man sollte sich nie vom Anschein ungeprüft verführen lassen. Ein schöner Beweis obiger Aussage.

Frieda Helbig

10. April 2018 21:45

@Brettenbacher

Herzlichen Dank. Mail ist raus.

Andreas Walter

10. April 2018 22:32

Komplexität wird auch gerne dazu missbraucht, um etwas besonders primitives oder banales zu verbergen. Oder Dinge, die man nicht wahrhaben will. Den eigenen oder auch kollektive Schatten. So sind es doch gerade die primitivsten Instinkte, wofür sich viele Menschen schämen. Lust, Sex, Hab-und Machtgier, Gewalt, Eitelkeit, Herrschsucht, Kontrollwahn und noch ein paar andere:

https://www.youtube.com/watch?v=Crcpmj8mVRE

Schade um die Mühe, die viele Arbeit und das Geld. Es gibt eben bestimmte Typen von Menschen, von denen man besser die Finger lässt, mit denen man unter keinen Umständen(!) Kontakt pflegt. Habe ich aber auch erst sehr spät, zu spät im Leben gelernt, woran man die erkennt. Richtig, das ist Diskriminierung, Auslese, doch auch die hat ihre Berechtigung, erfüllt eine wichtige Funktion.

Brettenbacher

11. April 2018 04:16

Wer eilig will ein großes Feuer machen/
nimmt schwaches Stroh (=paglia) zuerst.
(shakespeare, julius caesar)

Nils Wegner

11. April 2018 09:28

Die Qualität des Kommentariats ist hier mal wieder besonders bemerkenswert.

Es stellt sich fast schon die Frage, wer das Buch überhaupt gekauft, geschweige denn gelesen hätte (also: wo nun der konkrete Verlust für die potentielle Leserschaft liegt), da offenbar so gut wie allen eh schon längst bewußt war, daß Amerikaner ganz schlimm sind, "Libs"/Frauen/Feministinnen jedweder Couleur noch viel mehr und in irgendeiner Art und Weise deviante Personen (siehe auch die grotesken Ereiferungen unter sämtlichen Beiträgen, die irgend etwas mit Jack Donovan zu tun hatten) sowieso.

Kein Ruhmesblatt für diese Netzpräsenz, ganz und gar nicht.

starhemberg

11. April 2018 10:43

Zu diesem ungustiösen Vorgang eine ganz andere Anregung meinerseits: Ich bin (wie wohl so manch andere auch) KAPLAKEN-Sammler. Und ich besitze (wie wohl so manch andere auch) "Provokation" nicht. Natürlich ist der Text in der "Spurbreite" enthalten, aber ich möchte ja auf Vollständigkeit sammeln. Wie wäre es nun, wenn Kubitschek sich doch noch dazu durchringen könnte, "Provokation" noch einmal limitiert zu veröffentlichen, um mit dem hoffentlichen Profit daraus etwas die Unkosten dieses Fiaskos abdecken zu können. Dann hätte das Schlechte noch etwas Gutes. Oder irgendwie so.

Ein gebuertiger Hesse

11. April 2018 11:35

@ Nils Wegner

Die USA-Skepsis, die Sie in diesem Kommentarstrang wahrnehmen, mag womöglich auf dem Umstand gründen, daß die USA das Land mit den grotesken Schadensersatzforderungen sind. Sie wissen schon: die Katze in die Mikrowelle stecken, dann den Hersteller verklagen, daß in seiner Gebrauchsanleitung nicht vor solchem Katzentod gewarnt wird - und Recht bekommen. Schreckensszenarien dieser Art dürften so manchem Leser vorschweben, wenn Paglia nun gegen Antaios vorgeht.

nom de guerre

11. April 2018 12:02

@ Nils Wegner
"[...] da offenbar so gut wie allen eh schon längst bewußt war, daß Amerikaner ganz schlimm sind, "Libs"/Frauen/Feministinnen jedweder Couleur noch viel mehr und in irgendeiner Art und Weise deviante Personen [...] sowieso."
Und das fällt Ihnen ausgerechnet anhand des Kommentarbereichs zu diesem Artikel auf? Nicht an den vielen anderen Stellen bei SiN, in denen Teile des Kommentariats (und auch so mancher Autor) zu dem Schluss zu kommen scheinen, dass es sich bei Frauen um im weitesten Sinne zweifelhafte Wesen handelt, denen man lieber nicht zu viele Rechte einräumen sollte? Sorry, aber diese kleine Anmerkung konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.

Unabhängig davon finde ich die Idee von @ Starhemberg mit dem limitierten Kaplaken-Band, um den wirtschaftlichen Schaden wenigstens teilweise aufzufangen, nicht schlecht, ich wäre auch bereit, etwas mehr als die üblichen 8,50 € für das Bändchen zu bezahlen - ob sich das bei einer realistischen Zahl von Abnehmern im Ergebnis rechnen würde, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Andreas Walter

11. April 2018 12:22

@Nils Wegner

Den Ruhm überlassen wir denen die ihn nötig haben. Den Würmern, die sich dazu winden und wenden wie Nattern.

Frieda Helbig

11. April 2018 12:26

@Wegner

Lieber Nils,
Ich verstehe Deinen Einwurf. Er trifft mich aber nicht, da ich echt sauer war und bin und echtes Leseinteresse habe. Daher nochmal herzlicher Dank an @Brettenbacher, daß er so schnell reagiert hat. Manchmal kommt aufgrund Leserückstand o.ä. nicht gleich zur Bestellung. Zumal, wie kann man etwas als nicht lesenswert beurteilen, was von Schnellroda verlegt wird? Ich für meinen Teil denke, daß IHR nur Arbeit, Zeit, Geld und Mühen in Sachen investiert, die Ihr für lesenswert bzw. erkenntnisreich haltet. Und bis jetzt wurde ich noch nie von Euch enttäuscht.

In diesem Sinne. Auf bald!

Alveradis

11. April 2018 13:01

Kositza: Nein, Paglia schreibt sinngemäß: In ihrer ital. Heimat war es üblich, daß die Brüder/Väter einen Vergewaltiger an dessen Eiern zum Trocknen aufhängten, und deshalb überlegte sich es einer gut, ob er wirklich zur Tat schreiten sollte. Leider hätten sich diese alten Gesellschaften zerschlagen, und nun denn: Wenn eine Frau partout meint, sie könne alles allein, dann bitte schön!"

Der nördlichen Völkerfamilie angehörend stößt mich das gewaltig ab. Unter uns haben wir wesentlich höhere Entwicklungsstufen erreicht und werden ausschließlich durch die erzwungene Vermischung in die primitivere Stufe herabgedrückt.
Für mich ist es eine "unterkomplexe" Analyse, wenn von einer "Menschheit" ausgegangen wird und die Geschlechterverhältnisse der unterschiedlichen Rassen und Völker zu einem archaischen Brei vermengt werden.

Dass Vergewaltigung, dass der Vergewaltiger ehrlos ist, das ist was unter uns zählt und den größten Schutz bedeutet. Paglias italienische Heimat muss wohl der Süden Italiens sein, der genetisch kaum noch zu Europa zählt und entsprechend eine andere, klanbezogene Vorstellung von Ehre entwickelt hat, die wir Nordländer schon so lange überwunden haben, dass es uns sehr schwer fällt, mit dem Brutalokonzept des nur durch Angst von der Übergriffigkeit abgehaltenen "Südländers" umzugehen.

Ich lehne die Behauptung ab, jeder Mann sei ein potenzieller Vergewaltiger, der nur durch Gewalt davon abgehalten werden kann Frauen zu belästigen und zu misshandeln. Den Unterschied zwischen Nord und Süd konnte ich bereits vor der totalen Flutung als Italien Touristin ( blond, niedlich und bei den ersten Reisen unverheiratet) durchaus erfahren um die eigenen Männer nach jedem dieser Aufenthalte mehr zu schätzen.

Was mir wichtig ist, ist die Unterscheidung zwischen uns und den Anderen. Wenn wir nun gezwungen sind auf die archaischen Fremden zu reagieren, dann bedeutet das nicht, dass wir deren Konzept untereinander übernehmen oder gar für besser halten sollten.

So wenig wie es "eine Menschheit" gibt, gibt es das globale Weibliche und das globale Männliche .

Mir fällt auch immer wieder unangenehm auf wie gerade bei Studien und auch "rechten" Texten aus den USA weiße Frauen mit Afroamerikanerinnen, Asiatinnen und Latinas in eine Topf geworfen werden um daraus ein allgemein weibliches Verhalten zusammen zu rühren. Das ist, wenn wir die großen Unterschiede sogar im kleinen Europa betrachten absolut blödsinnig.

Dass wir in diese Brutalokultur herabgezogen werden und darin Überlebensstrategien entwickeln müssen, ist offensichtlich aber die primitive Kultur entspricht uns nicht und wenn wir sie zu einer Art Vorbild für uns hochjubeln, dann unterwerfen wir uns damit den Völkermördern, die uns vor der biologischen Vernichtung kulturell und seelisch vernichten wollen. Wir müssen viel mehr zwischen Innen und Außen unterscheiden. Unter uns brauchen wir den Frieden, auch wenn wir den nach Außen verteidigen müssen. Was Pagila da, wenn ich das richtig verstehe, an "italieneischer Kultur" vorschwebt, lässt sich unter dem Islam doch noch viel besser verwirklichen.

War Paglia nicht klar, mit wem sie den Vertrag abgeschlossen hat? Der Schaden, den sie angerichtet hat ist beträchtlich. Vielleicht ist es aber lehrreich, dass sie nun gezeigt hat wo sie wirklich steht.

Wahrheitssucher

11. April 2018 13:07

@ Nils Wegner

"Kein Ruhmesblatt für diese Netzpräsenz, ganz und gar nicht."

Man könnte diese Ihre Einlassung auch als eine Art unangebrachte, zumindest überflüssige "Nestbeschmutzung" betrachten...

Mauerbluemchen

11. April 2018 13:21

@Herr Wegner

Wenn alle Argumentationsstricke reißen, bleibt einem wenigstens die gute alte Niveauklage.

Heinrich Loewe

11. April 2018 17:52

Das renitente Kommentariat wird sich das Werk noch freiwillig an die Wände tapezieren!
Nach dem Durchgang durch die Papiermühle beim professionellen Buchvernichter.
Oder war es Dämmstoff?
Es gab hier mal eine herrliche, brüllend witzige Glosse von Meister Lichtmesz zu einer Rundfunkreportage über einen Betrieb dieser Branche.
Findet den noch wer und kann ihn freundlichst hier nochmal verlinken?

Andrenio

11. April 2018 19:00

Ehrlich: Konnte trotz längerer Recherche keinen zertifizierten Buchvernichter finden.
Wo findet man so jemand? Wer hat ihn zertifiziert? Gibt es vorgeschriebene Hinrichtungs-/Vernichtungsarten, wie Guillotine/Schredder, Scheiterhaufen/Krematorium?
Muss ein oder mehrere Zeugen anwesend sein? Gibt es Protokollführer, die anschließend nur die Unverkäuflichkeit oder auch die Unlesbarkeit bestätigen müssen?
Im Kopf des Durchschnittsbürger bestehen beim Thema meist nur die Bilder der schwarz-weiß Szenen mit „ich übergebe den Flammen....“. Dies soll sicher hier nicht assoziiert werden. Man bräuchte also Umstände ähnlich einer Tierkörperverwertungs-Anstalt: Sauber, umweltfreundlich und geruchlos.
Andere Gedanken sind weniger materiell, sondern eher wirtschaftlich orientiert: Könnte man Frau Paglia davon überzeugen, dass deutschsprachige Bücher in Ländern der Dritten Welt Mangelware sind und sie diese evtl. zur Spende freigeben?
Antaios könnte zur Spendenaktion zur Deckung der Transportkosten aufrufen. Damit wären alle das Stigma der Büchervernichtung los.
Leider wäre dann der angeblich existierende zertifizierte Buchvernichter seinen Auftrag los: Wie schade!

Kositza: Wie ich höre, ist nicht nicht geschreddert zur Stunde, und wie immer stirbt die Hoffnung zuletzt... Leider glaub ich, daß Frau Paglia in der Sache nach Einnordung durch die SZ-Frau ziemlich humorlos (zumindest in der Sache) ist - was die 3.Welt-Aktion angeht. Sie hat noch mal betont, daß sie die Journalistin für glaub- und vertrauenwürdig hält. Du scheinst nicht zu glauben, daß es Schredderei mit Brief & Siegel gibt. Oh doch!

Fredy

11. April 2018 20:18

"Professioneller Buchvernichter"? Muß man das lernen? Kann man das lernen? Wir sind doch Nazis, das ist doch quasi in die Wiege gelegt. Oder traut man uns nichtmal mehr das zu?

Waldgaenger aus Schwaben

11. April 2018 20:20

@Alveradis

Ich kann Ihnen nur zustimmen. Die zitierte Formulierung von Paglia finde ich einfach abstossend.

Ob so etwas mit nördlichen oder südlichen Völkern zu tun hat, weiß ich nicht. Vielleicht hängt es nur davon ab, wie stark der Pöbel das Niveau bestimmt.

Irgendwo las ich, dass es keinen deutschen , französischen Pöbel gibt, sondern dass der Pöbel überall gleich ist. Bei der Suche nach der Quelle stiess ich auf das da:

Morgenblatt für gebildete leser, Band 11 (1817)

Ist leider in Fraktur. Ich tippe das mal ab:

Es ist eine traurige, aber nicht zu bezweifelnde Tatsache, dass jene sanfteren Tugenden, die wir zu Recht die eigentümliche Zierde des schönen Geschlechtes nannten, immer seltener werden.
...
Der Pöbel ist sich überall gleich; überall gibt es Menschen, die ihrer Denkungsart und Handlungsweise nach, zum Pöbel – ungeachtet der schimmernden Verhältnisse, in denen sie durch Reichthum stehen – gerechnet zu werden verdienen;

-------
Ach ich hätte wohl auch 1817 das Gefühl gehabt zu spät geboren zu sein und mich nach einer goldenen Vergangenheit zurück gesehnt.

link:
https://books.google.de/books?id=GLIcAQAAMAAJ&pg=PA320&lpg=PA320&dq=der+p%C3%B6bel+ist+%C3%BCberall+gleich&source=bl&ots=jCf7E2kzis&sig=uF2Nyj-h63KPT9_m5XIFlYZ7vJQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiwnIuv87LaAhUDCMAKHVkECNUQ6AEwAHoECAAQNQ#v=onepage&q=der%20p%C3%B6bel%20ist%20%C3%BCberall%20gleich&f=false

Stresemann

12. April 2018 12:09

seit gestern läuft eine bizarre Als-ob-Diskussion auf Zeitonline: als ob dass Buch noch zu bestellen wäre.

zu Kositzas »die Hoffnung stirbt zuletzt« @Andrenio:

vielleicht kann der Nietzsche-Biograph Safranski mal schnell mit der Nietzsche-Verehrerin telefonieren. (was natürlich voraussetzt, daß jemand mit Safranski telefoniert)

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