Sezession
20. April 2018

Das war’s. Diesmal mit: Kaffee und allerlei Männern

Ellen Kositza / 13 Kommentare

17. April -- Lügenpresse ultra-light: Vor zwei Monaten hatten wir Besuch von einer Dame, die bei den Öffentlich-rechtlichen bestallt ist.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Grob geschätzt ist es so: Von zehn Presseanfragen findet Kubitschek bei ungefähr zwei, daß sie wenigstens beantwortenswert wären. Meistens fragt er aber nach meiner Einschätzung. Ich selbst, nennen  Sie es naiv, denke eher, daß jeder, der fragt, doch eine Antwort verdient hat, ausgesprochene Knallchargen ausgenommen. Summa summarum treffen wir uns (bzw. trifft Kubitschek sich)  also etwa mit jedem zweiten Pressemensch, der anfragt.

Und dann ist es so: 80% dieser Leute sind ganz zugewandt. Die meisten von diesen stellen auch ganz gute Fragen. (Von dem einen öff-rechtl. Pressemenschen, den ich Götz empfohlen hatte und der dann nur so was fragte wie, “ Ohrfeigen Sie Ihre Kinder?“; „Welche Gemeinsamkeiten, welche Unterschiede sehen Sie zwischen sich und Adolf Hitler?“ hatte ich – glaub ich- schon berichtet.)

Sympathetische Lobhudeleien, wie sie zu anderen Communities zuhauf zu lesen sind, finden sich im veröffentlichten Nachgang naturgemäß sehr selten. Wer wären wir, das zu erwarten?

Es gibt also faire, mittelfaire und unfaire Berichterstattung. Es gibt journalistische Schleimer, die hinterher sich in ihrer Berichterstattung weitgehend auf die Ziegenkacke unter Kubitscheks Draußenstiefeln beschränken und andererseits solche, die im persönlichen Gegenüber eher verknöchert wirkten, aber deren Text dann doch klug war. Und viel dazwischen.

Jene öffentlich-rechtliche Dame nun war nett und klug, sie hatte ganz gute Fragen im Gepäck. Daß man zwei Stunden befragt wird und dann nur Satzfetzen vorkommen: Geschenkt - so arbeiten Journalisten.

Hier nun aber wird nicht nur beschrieben, wie in unserer Küche die Kaffeemaschine angeworfen wird. Nein, das röhrende, glucksende Kaffeemaschinengeräusch zieht sich durch den halben Beitrag. Ich suche bis heute nach der symbolischen Bedeutung, wir haben nie im Leben eine Kaffeemaschine besessen. Wir sind ja generell Maschinenvermeider. Aber: was soll’s, gibt schlimmeres.

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18. April -- Ich lese zur Ergötzung ganz gern die ZEIT-Leser-Kolumne „Was mein Leben reicher macht“.  Dort schreiben typische ZEIT-Menschen so nette Miniherzerwärmungen auf: Ein Araber, dessen Blick ich erst als bös empfand, trug mir meine Einkäufe ins Auto. Heute sind wir ein Paar.

Oder: Gestern war mir trübe, aber als ich das herzliche Lächeln der Frau im Auto neben mir sah, fing mein Gemüt zu tanzen an – beides rein aus dem Gedächtnis zitiert.

Was mein Leben heute reicher machte: Bei meiner allabendlichen Dauerlaufrunde überholte ich in dieser Woche, stets an unterschiedlichen Stellen, einen Typen (überholen, weil er spazierte, nicht weil ich eine solche Sportkanone bin), der sehr freundlich grüßte. Ich laufe ohne Brille und fragte mich ellentypisch: „Wer war das jetzt?“ Heute grüßte er nicht nur, sondern rief: „Frau Kositza! Wollte nur sagen, daß Ihre Arbeit großartig ist!“

Meinerseits folgte halbblindes Hirnrattern… Das muß der Sohn von Bauer X sein. Oder der neue Mann von Y? Ich halte an und smalltalke los über aktuelle Dorfgeschichten. Er sei doch der Sohn von X, oder?

Ha, nein, peinlich. Er ist einer der zahlreichen Montagearbeiter, die für ein paar Tage in der Dorfkneipe eingemietet sind. Fan unserer Arbeit. „Unter meinen Kollegen, stets wechselnd, tickt jeder so wie ich. Also, wie wir“, sagt er.

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19. April 2018 -- Bekanntlich bin ich weder Feministin noch Quotenfreundin. Wenn einer klagt, es gäbe auf diesem und jenem Gebiet (von Bergbau über Glaziologie bis zum Maschinenbauwesen) „leider noch viel zu wenig Frauen“, kann ich nur schmunzeln.

Das gilt selbst für's Eingemachte: Wann immer (und es kam reichlich vor) innerhalb unserer metapolitischen Gefilde ein Frauenmangel beklagt wurde, erröteten meine Wangen. Entweder war der Klagende naiv oder unbeweibt – meist doch beides.

Über die ewiggültige Weisheit, daß Frauen „zu den Siegern gehen“, hab ich mich schon oft & lang geäußert, so daß die Andeutung hier genügen mag.

Nun aber sind wir definitiv an einem „turn“ angelangt. Der Hörerinnenanteil an unseren Akademien steigt seit mindestens drei Jahren fortlaufend. Früher mochten es unter 50 Teilnehmern 4 oder fünf Frauen gewesen sein, mittlerweile ist es ungefähr 90:35.

Dann ist es so: Bei Antaios gehen wöchentlich zwischen acht und zwölf Manuskripte ein. (Die, meist leider, häufig abschlägig beschieden werden.)  Diese Woche waren es elf. Sieben davon aus Frauenhand. Die Wende! Sieger!

Ich, die definitiv weder speziell frauenfreundlich noch umgekehrt stutenbissig ist, muß sagen: Buchvorschläge aus Frauenhand sind im Schnitt eindeutig besser. Rationaler, nüchterner, weniger sich-selbst-überhebend, nie verstrahlt, meist gutsortiert.

Dazu paßt, daß ich eben eine schülermäßig verfertigte „Kritik“ an der 18. Kaplaken-Staffel zu lesen fand. Verfaßt hat sie der Verfassungsschutz-Typ Armin Pfahl-Traughber. Mit ihm führen wir „Neurechten“ seit über zwanzig Jahren eine irgendwie einseitige Ehe.

Nun: Pfahl-Traughber begutachtet das (großartige!) Buch von Sophie Liebnitz, Tote weiße Männer lieben.  Darin, gleichsam als Fazit: „Wir können sie lieben, ganz einfach, weil wir ihnen alles, was wir sind, verdanken. (…) Es sind ihre geistigen, künstlerischen, technischen und lebenspraktischen Leistungen, von denen und aus denen wir leben.“

Pfahl-Traughber mußte hier schlucken. Diese Spezies käme hier „als bewundernswerte Kulturträger vor, welche immer wieder moralisch herabgesetzt würden. Dass es aber berechtigte Einwände gegen die „alten weißen Männer“ gibt und hier differenziert geurteilt werden müsste, sieht Liebnitz nicht.“

Darf ich ein Geheimnis verraten? Herr P.-T. ist ein Mann. Er ist weiß. Er ist… Jahrgang 1963. Schon klar: Liebnitz hätte differenzieren müssen.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (13)

Durendal
20. April 2018 12:03

Im Interesse der öffentlichen Sicherheit hoffe ich doch, dass Hr. Pfahl-Traughber die Grundlagen seiner beruflichen Tätigkeit besser beherrscht als die seines publizistischen Aktivismus. Nicht zu wissen, dass ein Essay seiner Natur nach kein Text ist, an den man das Vorhandensein "empirischer Belege" als Kriterium sinnvoll anlegen könnte, ist schon etwas peinlich.

Caroline Sommerfeld
20. April 2018 13:08

Lustig, seit ein paar Tagen gibt es eine vielfach parodierte Twittermeldung eines freundlichen Cucks, die da lautete:

"Ich jogge allein. Bis 20 Schritte vor mir eine junge Läuferin einbiegt. Wir haben dasselbe Tempo. Denselben Weg. Sie blickt sich um. Weiß, daß ich hinter ihr bin. Ich tue, was ein Mann tun muss.
Ich biege ab. Laufe einen kleinen Umweg, damit sie sich nicht verfolgt fühlt."

Es gab schon die Variante, daß jemand beim Joggen Martin Sellner trifft und tut, was ein Mann tun muß: er bittet um den Anschluß an Österreich.

Na, wer kann noch einen #runninggag?

nom de guerre
20. April 2018 13:37

"Tote weiße Männer" lieben ist ein großartiges Buch, das sehe ich auch so. Aber es ist doch inhaltlich, das heißt in Bezug auf die von der Autorin vertretene Denkrichtung, durchaus harmlos, wie ich fand. Warum meint ein "Verfassungsschutz-Typ" es auf einer Seite rezensieren zu sollen, die "Blick nach rechts" heißt und "über das rechtsextreme Spektrum berichten" möchte?

Gustav Grambauer
20. April 2018 18:23

"Sieh Freund! sieh da! was geht doch immer
Dort für ein reizend Frauenzimmer?
Der neuen Tracht Vollkommenheit,
Der engen Schritte Nettigkeit,
Die bei der kleinsten Hindrung stocken,
Der weiße Hals voll schwarzer Locken,
Der wohlgewachsne schlanke Leib,
Verrät ein junges artges Weib.

Komm Freund! komm, oh, laß uns schneller joggen,
Damit wir über sie von vorn frohlocken.
Es muß, trügt nicht der hintre Schein,
Die Venus oder Phyllis sein.
Komm, eile doch! — O welches Glücke!
Jetzt sieht sie ungefähr zurücke.
Was wars, das mich entzückt gemacht?
Ein altes Weib in junger Tracht."

- Lessing, "Die Schöne von hinten" (mit einer kleinen künstlerischen Freiheit)

(Rubrik: "Von hinten Lyzeum - von vorne Museum")

- G. G.
Kositza: Ok, kann ich mit leben!

Isarpreiss
20. April 2018 19:10

Die Kaffeemaschine soll den Hörer vielleicht unterbewusst die Farbe braun assoziieren lassen. Sehr clever.

Hartwig aus LG8
20. April 2018 20:25

@ Caroline Sommerfeld
Der ist wirklich gut! "Ich tue, was ein Mann tun muss ..." Gott im Himmel. Ich musste herzlich lachen.

Waldgaenger aus Schwaben
20. April 2018 20:51

'Über die ewiggültige Weisheit, daß Frauen „zu den Siegern gehen“, hab ich mich schon oft & lang geäußert, so daß die Andeutung hier genügen mag.'

Reden Sie nicht schlecht über Ihre Geschlechtsgenossinnen. Das Gegenteil ist auch wahr: Die Sieger gehen zu den Frauen. Seit jeher suchen Jünglinge in jenen Wettkämpfen Bewährung, wo holde Maiden darauf harren, einem Sieger ihren Kranz zu reichen.

Darum hat mir dieses Bild so Freude bereitet.

https://www.welt.de/politik/ausland/plus175412112/Europas-Neue-Rechte-Gut-vernetzt-im-Kampf-fuer-Rassentrennung.html#cs-Identitarian-movement-demonstrates-at-Kahlenberg-Vienna.jpg

Nur weiter so! Die Siegertypen werden dann schon kommen.

'Dass es aber berechtigte Einwände gegen die „alten weißen Männer“ gibt und hier differenziert geurteilt werden müsste, sieht Liebnitz nicht.“'

Nun denn, Leibniz (alter weißer Mann!) hat dafür genug differenziert. Gäbe es eine Kommentarfunktion zum P.-T. Artikel, hätte ich dort diesen Kalauer dort auch angebracht. Aber hätte den jemand dort verstanden?

Leser
20. April 2018 21:28

Der Maschinenbau ist ein übrigens ein recht anspruchsvolles Metier, in dem auch eine bestimmte junge Frauen ihren "Mann" steht und ich bin verdammt stolz auf sie!

quarz
21. April 2018 05:55

"Nun denn, Leibniz (alter weißer Mann!) hat dafür genug differenziert."

Und für die Integration hat er zudem mehr getan als die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung.

Alveradis
21. April 2018 07:41

"„Wir können sie lieben, ganz einfach, weil wir ihnen alles, was wir sind, verdanken. (…) Es sind ihre geistigen, künstlerischen, technischen und lebenspraktischen Leistungen, von denen und aus denen wir leben.“ "

Wenn nur nicht gar zu oft die Ebenen verwechselt würden. Es gibt kaum etwas peinlicheres als weiße Männer mit unterdurchschnittlicher Verstandeskraft die sich, oft angefeuert durch viel zu platte Texte, in Kommentarbereichen auf ihr Geschlecht berufen um sich Frauen überlegen zu fühlen. Gilt ebenso beim Rassethema.

Ich würde auch nicht so weit gehen, zu sagen lebenspraktische Leistungen wären hauptsächlich dem männlichen Konto zuzurechnen. Fast das Gegenteil ist, denke ich, der Fall aber jeder hat da ja auch die eigenen Erfahrungen und dadurch geprägten unterschiedlichen Wahrnehmungen.

Auch die Fähigkeit der Frauen Schönheit im Kleinen zu erschaffen, also im alltäglichen, im Heim, im engeren Kreis sollte nicht vergessen werden, denn wie viele Männer schaffen tatsächlich große Kunst oder haben überhaupt ein Interesse daran, wie ihre direkte Umgebung gestaltet wird.

Das fällt ja doch meist auf unser Gebiet und historisch, bevor der Konsumismus um sich griff, wurde es durchaus auch als weibliche Aufgabe begriffen im Kleinen zu gestalten, so gut es eben ging. Gerade wenn Not herrscht ist das eine sehr wichtige und rettende weibliche Fähigkeit.

Dankbarkeit - ja sicher, aber kein gekrümmter Rücken.

Kositza: Das ist doch klar. Kenne bei Frauen unseres Spektrums ohnehin keine Bucklerinnen. Liebnitzens Tote weiße Männer lieben ist auch alles andere als aus demütiger Perspektive geschrieben. Nur, über dumme alte weiße Männer reden ja schon die anderen zugenüge.

nom de guerre
21. April 2018 10:04

@ Alveradis
Wieder einmal haben Sie meine volle Zustimmung! Ich denke auch, man sollte dieses Thema differenziert betrachten und vor allem nicht so tun, als gäbe es die spezifisch weibliche Kulturleistung, die Sie sehr schön beschreiben, nicht. Trotzdem möchte ich noch einmal eine Lanze für dieses Buch brechen - falls Sie es noch nicht kennen, kann ich es Ihnen nur wärmstens empfehlen. Mir sind davon vor allem die vielen, z.T. haarsträubenden Beispiele in Erinnerung geblieben, was man alles als "Diskriminierung durch alte weiße Männer" auffassen und unterbinden wollen kann. Spontan fällt mir der Fall einer amerikanischen Uni ein, an der vonseiten farbiger Studenten gefordert wurde, die Holzvertäfelung einer Bibliothek oder eines Gemeinschaftsraums oder etwas in der Art abzureißen, da holzvertäfelte Räume zu den Traditionen der gebildeten Weißen gehörten und daher farbige Studenten diskriminierten. Ebenso gibt es demnach in Amerika Stimmen, die sich dagegen wenden, dass man sich in Bibliotheken ruhig verhalten muss - Stille sei ein Privileg gebildeter Weißer und diskriminiere daher Schwarze. Alles Dinge, auf die man erstmal kommen muss.
Was ich sagen will: Ich kann selbstverständlich nicht für die Autorin sprechen, aber ich habe das Buch so verstanden, dass es darum ging, die Kulturleistung weißer Männer als wichtig und notwendig herauszustreichen und zu zeigen, wie die Grundlagen unserer Zivilisation dadurch bedroht werden, dass eine mit reichlich bizarren Argumenten daherkommende Ideologie aus all dem etwas Negatives machen möchte und ihr das teilweise auch gelingt. Eine - wie ich finde durchaus gebotene - differenzierte Darstellung der Rolle "weißer Männer", verbunden mit einer Würdigung des weiblichen Beitrags zu unserer Kultur würde den Umfang eines Kaplaken-Bändchens mit ca. 90 Seiten vermutlich übersteigen, deshalb kann ich mit der vielleicht etwas einseitigen Sichtweise, die Frau Liebnitz in ihrem Buch präsentiert, ganz gut leben. Anlass für einen gekrümmten Rücken sehe ich jedenfalls auch nicht.

erwinbaur
21. April 2018 12:01

,,Daß man zwei Stunden befragt wird und dann nur Satzfetzen vorkommen: Geschenkt - so arbeiten Journalisten."

Ärgerlich. Ich habe mir das Interview angehört, aber der Informationsgehalt war aufgrund dieser Tatsache sehr gering (die machen das immer so). Gibt es vielleicht irgendeine Möglichkeit, an die Rohmaterialien des Beitrags zu kommen?

RMH
22. April 2018 20:49

"Die Kaffeemaschine soll den Hörer vielleicht unterbewusst die Farbe braun assoziieren lassen. Sehr clever."

Nein, ausnahmsweise mal nichts braunes, denn das wird der Kaffee ja erst durch die Zugabe von weißer Milch. Dass ist eher ein Bild für eine gewisse Rückständig- und Spießigkeit. Die schlecht entkalkte, schnorchelnde Kaffeemaschine taucht ja auch als Symbol für das täglich grüßende Murmeltier in der Serie "Stromberg" auf. Und diese Plörre wird dann auch noch getrunken - hach, was sind wir Coffee to Go - umweltgerecht nicht aus dem Pappbecher sondern im mitgebrachten Thermobecher genossen - Cappuccino-Trinker doch für Kosmopoliten im Vergleich zu den teutschen Filterkaffee-Spießern etc. etc. etc.

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