Sezession
11. Mai 2018

Dagen, Kositza, Sommerfeld – Literarisches Trio, Folge 1

Götz Kubitschek / 23 Kommentare

"Aufgeblättert. Zugeschlagen - Mit Rechten lesen": Susanne Dagen, Ellen Kositza und ein Gast diskutieren ab sofort alle zwei Monate über drei Bücher.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Die erste Folge dieses literarischen Trios ist seit gestern online. In der Pressemitteilung heißt es:

Literatur verbindet, Lesen verbündet! Mit Rechten reden? Wir machen mehr: "Aufgeblättert. Zugeschlagen - Mit Rechten lesen" ist die neue regelmäßige Literatursendung zu drei aktuellen Büchern des literarischen Lebens, ein Austausch zwischen der Publizistin Ellen Kositza vom Verlag Antaios, der Buchhändlerin Susanne Dagen vom BuchHaus Loschwitz und einem jeweils neuen Gast.

Unabhängig, geistreich und am Diskurs interessiert.

In der ersten Sendung war die Philosophin und Autorin Caroline Sommerfeld (Mit Linken leben, 2017) zu Gast, besprochen wurden die aktuellen Bücher von Monika Maron (Munin oder Chaos im Kopf), Botho Strauß (Der Fortführer) und Norbert Gstrein (Die kommenden Jahre). In der nächsten Sendung begrüßen wir den Journalisten und Autoren Matthias Matussek (White Rabbit oder Der Abschied vom gesunden Menschenverstand) als dritten Part.

Ein vergnügliches Plädoyer für vorurteilsfreies Lesen und ein Gemeinschaftsprojekt vom Verlag Antaios, Schnellroda und dem BuchHaus Loschwitz, Dresden.

Die besprochenen Bücher kann man über Antaios beziehen:

Monika Maron: Munin oder Chaos im Kopf - hier bestellen.
Botho Strauß: Der Fortführer - hier bestellen.
Norbert Gstrein: Die kommenden Jahre - hier bestellen.

Und hier nun Folge 1 von "Aufgeblättert. Zugeschlagen - Mit Rechten lesen"!


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (23)

Der Gehenkte
11. Mai 2018 19:12

Sehr gute Idee! Gegenkultur schaffen! Wichtig wäre, nicht nur Bücher aus dem eigenen Horizont zu wählen, sondern auch "anderes". Würde sehr gerne mal Scholdt hören, Gerlich, Dirsch, Schwilk, Lisson, Hinz ... mal andere Stimmen.

Frieda Helbig
11. Mai 2018 19:37

Großartig. Danke dafür.

Paule
11. Mai 2018 20:38

Sehr schöne Idee...hat mir sehr gefallen. In freudiger Erwartung auf die nächste Folge.

nom de guerre
11. Mai 2018 20:42

Hat mir sehr gut gefallen, werde ich mir öfter anschauen.

Westpreusse
11. Mai 2018 21:55

Welch eine angenehme und wohltuende Überraschung! Ich danke...

Alles stimmte: Der äußere Rahmen, die hervorragende Bildqualität: Licht, Ton; das Arrangement. Irgendwie stilvoll...

Auf diese Idee muß man erst einmal kommen: Drei Beteiligte, drei Bücher, die vorgestellt werden. Und jeweils ein wechselnder Gast. Ein wirklich gelungenes neues Format der literarischen Annäherung und Auseinandersetzung mit Literatur...

Und dann der souveräne Gang durch die Handlung mit Verweilpunkten an Kernstellen.
Gut vorbereitet. Ohne geht es ja nicht, wenn es nicht in Geschwafel ausufern soll.

Sehr gefallen hat mir auch der Wechsel von der bei der Lektüre gewonnenen Leseeinsicht zur "allmähliche(n) Verfertigung der Gedanken beim Reden" (Heinrich von Kleist, wahrscheinlich 1805 - 1806 in Königsberg). Kleist war ja der Ansicht, daß ausgesprochene, noch etwas unklare, dunkle und tastende Gedanken sozusagen durch das Gespräch strukturiert werden und das Licht erblicken...

Mir ist schon klar, daß die drei Damen vorher nicht gesagt haben: Nun wollen wir mal an den ollen Heinrich von ... denken und seine Ratschläge praktizieren...

DAS ist eben das Ergebnis der inneren Haltung und Disziplin, die im Geschwätz der Öffentlich - Rechtlichen schon lange verloren gegangen ist...

Alles in allem: 1. Gelungener Einstand, bitte mehr davon... 2. Wie angenehm, wenn Menschen innerlich so frei sind, daß sie nicht permanent irgendwelche Ergebenheitsfloskeln an die ungeschriebenen Gesetze des Hauses und einer phantasierten Intellektuellenkaste absondern müssen... 3. Viel zu langer Kommentar meinerseits; ich bitte um Verzeihung : Grüße von der Weichsel

Anette
11. Mai 2018 22:21

Ich freue mich schon auf die nächsten Folgen. Diese Idee ist wunderbar. Sie ist doch längst überfällig. Danke dafür!

Gustav Grambauer
11. Mai 2018 23:03

"Chaos im Kopf" - würde die Geburt des tanzenden Sterns vermissen. Abgesehen davon, daß das Chaos seine Struktur hat, welche sie klar erfassen könnte. Aber sie hat sich vom untergehenden Kahn des Kleinbürgerbolschewismus auf die vorbeischwimmende Planke des "stolzen Bürgertums" gerettet, an der sie nun mit Zähnen und Klauen festhält (obwohl diese längst ebenso am Absaufen ist). Folgerichtig arbeitet sie sich immer noch am "Erkenntnisoptimismus" von damals ab. Wer mich kennt, weiß, daß ich alles andere als ein Leninist bin, aber das mit dem "dünkelhaften Agnostizismus und Skeptizismus der Bourgeoisie" (Lenin), das stimmt schon. Nach Auschwitz (und Auschwitz ist das Thema des Bürgertums!) darf nicht nur kein Deutscher mehr ein Gedicht schreiben, erst recht darf keiner mehr sagen "Gib mir einen Punkt ... und ich hebe die Erde aus den Angeln". (Oder gar: "Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.") Frauenbefindlichkeitsromane werden, wenn sie zu rechts sind, vom Feuilleton ein wenig Du!-Du!-verrissen aber gehen insgesamt immer gut durch.

Meine lieben Damen, noch eine Kleinigkeit, die mir als heutigem Ober-Klassenstreber aufgefallen ist:

Nicht überall auf der Welt wird wie bei den Römern die erste Silbe betont, nach Osten hin steigert sich die Betonung sogar (mit vielen Ausnahmen wie z. B. bei JEL-zin, PU-tin) zur mittleren (Gar-BAAA-tsch-jw, Se-was-TOOO-pol) und letzten Silbe hin. Es heißt also nicht - sozusagen Originalton Helmut Kohl, und allein damit hat er sich damals für uns disqualifiziert: - BRESCH-new, AERO-flot, ME-tro, VISE-gràd usw. sondern Bresch-NEW, Aero-FLOT, Me-TRO, Vise-GRÀD. Auch Modrow, einen Pommern ergo Slawen ergo "Mo-DROOO(w)", hat Kohl immer mit "MO-troff" angeblafft. Das preußische Städtchen heißt auch nicht BERN-au sondern Bern-AU (crescendo fluente), anders als das Pendant am Chiemsee und Agnes BERN-auer eben hinter (!) dem Limes. Bin mir sicher: es heißt auf Berlinerisch nicht nur (Monika) Ma-RON sondern sogar Ma-ROOON, eben wie die Stadt ja auch Ber-LIIIN geheißen wird. Frage mich immer, warum "von der Leyen" immer quasi zu einer einzigen Silbe zusammengezogen wird (VONDERLEIN). Die Betonung wird an der Mosel schon auf der ersten Silbe liegen (wobei es am Main allerdings auch nicht VON-Goethe heißt ...), aber warum wird durchweg dem letzten "e" keine Ehre erwiesen, also nicht VON-der-ley-en gesagt?

... fast Mitternacht. Morgen mehr wenn ich dazu komme.

- G. G.
Kositza: Das ist wiederum typisch deutsch. Die Anglophonen sagen selbstverständlich "Mörkl", die Franzosen "MerkELL", nur in Deutschland ist es ganz wichtig das man Popopcatepetl auf - te betont usw...

Boricua
11. Mai 2018 23:37

Dem Vorschlag von "Der Gehenkte" kann man sich nur anschließen. Bücher von Thorsten Hinz zu besprechen ist ein wunderbarer Vorschlag. Noch besser wäre es, wenn einige Sendungen gleich von Thorsten Hinz selbst moderiert würden.

pasquill
12. Mai 2018 06:40

Welch geballte Ladung weiblicher Intelligenz und Eloquenz! Radisch, Heidenreich, Sloterdijk, Safranski, Precht: Zieht euch warm an!

Stil-Bluete
12. Mai 2018 08:31

Davon kommen Frauen,
vielwissende,
Drei aus dem See
dort unterm Wipfel.
Urd heißt die eine,
die andre Verdandi:
Sie schnitten Stäbe;
Skuld hieß die dritte.
Sie legten Lose,
das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen,
das Schicksal verkündend.
('Edda')

Die andere Seite
12. Mai 2018 09:19

Eine wirklich gelungene Runde! Bitte mehr davon. Die Idee einer Buchvorstellung und Gedankenaustausch darüber ist ja nicht neu, aber das mir bisher Zugängliche, waren immer nur kulturelle Veranstaltungen von "Gutmenschen". Fernsehsendungen wie Kulturzeit sind mittlerweile unerträglich geworden. Der Kulturbetrieb wird so einseitig von Linken für Linke betrieben. Gerade hier besteht aus meiner Sicht wirklich ein Riesenbedarf der Andersdenkenden, deren Gedanken- und Gefühlswelt im realen Leben völlig ausgeblendet wird. Eine rechte Sicht auf die Themen unserer Zeit, ist im öffentlichen Raum nicht zugelassen. Kommt schlicht nicht vor. So konnte überhaupt erst der Gedanke aufrecht gehalten werden, das kulturell Interessierte natürlich
Linksliberale sind. Gefördert wird natürlich nur was auf Linie ist. Susanne Dagen beweist hier viel Mut, sich dem Kanon im Literaturbetrieb entgegenzustellen. Von Neo Rauch hab ich sehr tiefgründige Aussagen gelesen. Ein Künstler der nicht diesen Weltrang hat, hätte sich nie so frei äußern können, bzw. wäre es nicht veröffentlicht worden. Deshalb vielen Dank für diese gelungene Buchvorstellung.

Der_Juergen
12. Mai 2018 09:46

Habe mir das Gespräch zwischen diesen drei superintelligenten und dazu noch zutiefst sympathischen Frauen mit grossem Vergnügen angehört. Da freut man sich schon auf die nächste Runde. Es wird interessant sein, Menschen, von denen man bisher zwar etwas gelesen, die man jedoch nie sprechen hören hat, auf diese Art näher kennenzulernen.

Ostpreusse
12. Mai 2018 11:16

Wohlerzogen wie Sie sind, liebe Frau Kositza, lassen Sie Milde walten in Ihrer Reaktion auf den kreißenden Berg GG, der eine Maus gebiert. "Typisch deutsch" trifft es auf den Punkt! - Sans rancune.

Ostpreusse
12. Mai 2018 13:54

Ihnen sei schon deshalb verziehen, lieber Westpreusse, weil Ihr Beitrag interessant und angenehm zu lesen ist. Insofern kann er gar nicht "viel zu lang" sein.
Grüße zurück aus Südburgund

Durendal
12. Mai 2018 15:10

Es passt zwar nicht zum Thema, ist aber vielleicht trotzdem für manche Leser interessant: Ausgerechnet in der "taz" tritt deren Redakteur Stefan Reinecke heute für den Schutz des Nationalstaates und seiner Grenzen sowie für eine "gewisse Homogenität" ein, die man für eine funktionierende Gesellschaft nun einmal brauche.
https://www.taz.de/!5502032/

Andreas Walter
12. Mai 2018 19:47

"Popopcatepetl auf - te betont"

Richtig! Darum kann ich ja auch nur mit klugen Frauen. Kluge, sinnliche, anmutige Frauen mit Herz können, könnten darum auch mir "gefährlich" werden. Und wo sonst ausser in rechten, intellektuellen Kreisen könnte man solche Waffen der Massenverführung (sanften Führung?) finden? Eben.

Solution
12. Mai 2018 21:21

Ich habe das Gespräch genossen. Perfekt. Weiter so.

EJuLpz
12. Mai 2018 23:56

Noch dünn ist das Eis, auf dem sich Caroline Sommerfeld medial (hier in der Buchbesprechung) bewegt. Zwar noch dicker, aber deutlich knirschend scheint jenes, auf dem ihr Ehemann Helmut Lethen auf der Leipziger Buchmesse zu seinen „Staatsräten“ suggestiv befragt wurde (https://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=72251 ). Ich sah mir beide Sendungen an und empfand jeweils Unbehagen. Warum? Die Authentizität beider ist nicht zu leugnen, beide leuchteten in ihren jeweils in sich schlüssigen Argumentationen (diese Augen!, diese Konzentration!). Und beide schienen unsicher, noch oder schon. Helmut Lethen hat ein gereiftes, weithin zu Recht akzeptiertes, differenziertes und differenzierendes Werk vorzuweisen, dem über ideologische Gräben hinweg großer Respekt zu zollen ist: wer wagt sich schon als ehemaliger Maoist so offen und kenntnisreich ins „gegnerische“ Terrain, ohne Granaten zu werfen oder andererseits Renegat zu werden? Hut ab! – Caroline Sommerfeld ringt noch deutlich um Souveränität, schließlich wurde ihr auch nicht von 3sat die Aufwartung gemacht, sondern von den „Bösen“, zu denen sie sich auch noch offen bekennt. (Früher waren die Maoisten die Bösen ...) - Auch hier: Hut ab! – Kurzum: Von beiden, für beide wünsche ich uns und ihnen, daß sie diese enorme Spannung aushalten und sich treu & liebevoll gewogen bleiben. Denn im Falle gegenseitiger Desavourierung gewönne der gemeinsame Gegner: der simplifizierende, feige, konformistische, affirmative Ungeist.

Der Feinsinnige
12. Mai 2018 23:59

Phantastische Idee und ein vielversprechender Beginn!

Ich wünsche „Aufgeblättert. Zugeschlagen – Mit Rechten lesen“ ein langes Leben und großen Erfolg. Vor allem ist zu wünschen, daß die Sendung über den engeren Sympathisantenkreis hinaus bekannt wird und Verbreitung findet. An interessanten Gästen aus dem eigenen Umfeld und, wie ich hoffe, auch darüber hinaus, wird es nicht fehlen, an entsprechenden Büchern ohnehin nicht.

Vielleicht wird es ja irgendwann unter klugen Geistern als schick gelten, hier aufzutreten! Und sei es nur, um Schlagzeilen zu produzieren.

Brettenbacher
13. Mai 2018 09:57

Und der Titel ist voll witzig. Ob einer der doofen Blöden soo blöd ist, daß er in das Zuckerwattebällchen beisst und den Titel "entlarvend" findet ? (vielleicht Liane...?)

Und der Witz, der in den den doofen Zeilen über deutsche Sänger, die keine Zwischenfragen lieben, doch steckte, der ist den "Biermöselbloasen" jetzt entwunden.

(die Neugiierde, wem dieser Treffer gelungen, ist zwar keine brennende, aber doch deutlich spürbare.)

Simplicius Teutsch
13. Mai 2018 13:25

Aufgeblättert und weitergedichtet

Szene 1:
Vollgeladenes Bibliothekszimmer im freien Internetraum. Drei germanische Literaturhexen beim platzsuchenden Sesseltanz.

Die Drei:
Fair is foul, and foul is fair:
Recht ist schlecht, und schlecht ist recht.
Erheben wir uns über das Lügengeflecht!

Publikums-Chor:
Wann treffen die Drei sich wieder einmal?
In faustischer Nacht vor dem Bücherregal,
Im Halbrund sitzend für eine Stund',
Die Welt zu erklären aus Weibesmund.

Die Drei:
Zum nächsten Tanz der rechten Geister
Erscheint ein schreibender Wahrnehmungsmeister,
Der klar im Kopf das Chaos der Linken benennt,
- Kurz bevor das ganze Abendland brennt.

A. Kovacs
13. Mai 2018 21:37

@G. Grambauer
Als ungarischer Muttersprachler darf ich anmerken, dass speziell Visegrád – wie jedes ungarische Wort – auf der ersten Silbe betont, aber das á lang und unbetont ausgesprochen wird. Betonung- und Längenakzent fallen im Ungarischen auseinander, weshalb Deutsche, bei deren Sprache Betonungs- und Längenakzent zusammenfallen, hier Schwierigkeiten haben. Doch dies nur nebenbei.

Franz Bettinger
14. Mai 2018 19:02

Noch interessanter (wenigstens für mich) wäre, wenn die zu besprechenden 3 Bücher vorher dem Publikum bekannt bzw. angekündigt würden, so dass man sich vorbereiten und gespannt sein könnte, wie andere das Gelesene wohl interpretieren. - Ansonsten: eine gelungene Sendung! Ich freue mich auf die nächste.

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