Sezession
4. Juni 2018

Iwan Iljin: Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse

Gastbeitrag / 38 Kommentare

von Roswitha Solonzo -- Erschreckend: Die Auseinandersetzung weiser Männer mit dem Irrsinn ihrer Zeit ist nicht etwa überholt.

Sie ist sogar aktueller denn je. Wenn es auf Erden mit rechten Dingen zuginge, müßte ein Buch wie Iwan Iljins Fundamentalkritik an Tolstojs defätistischen Idiotien heutzutage - also hundert Jahre nach der Erstveröffentlichung - völlig veraltet sein. Doch wie die weltumspannende Herrschaft der Moralelite täglich zeigt, ist die Analyse Iljins nach wie vor dringend notwendig – leider! Dabei ist es unerheblich, daß die Propagandisten einer liberalen Duldungsstarre heute andere Namen tragen als zu Iljins Zeiten. Der Wahn, offenkundige Verbrecher zu schonen statt zu bestrafen oder wenigstens abzuwehren, grassierte bereits zu Iljins Zeiten (1883–1954).

Zahllose Angehörige aller Gesellschaftsschichten gaben sich, von Tolstojs Motto »Widersteht nicht dem Bösen« betört, einer hemmungslosen Kriminellenversteherei und einer als christliche Nächstenliebe verkappten Permissivität hin. Sie waren nach Iljins Überzeugung deshalb unfähig, auf die Revolution in ihrer Heimat und ihre mörderischen Folgen mit der nötigen Konsequenz zu reagieren. Eine fatale Konstellation, die nun die zerrütteten Gesellschaften des Westens kennzeichnet. Daher ist jeder darüber bekümmerte Zeitgenosse gut beraten, sich mit Iljins Argumentation vertraut zu machen. In Rußland erlebt der (viele Jahre in Deutschland lebende) Autor seit über einem Jahrzehnt eine erfreuliche Renaissance.

Eine ergiebige Lektüre setzt indes eines voraus: Der Leser sollte von seinen (post)modernen Vorurteilen und Reflexen absehen und sich auf den mittlerweile ungewohnten Tonfall und geistigen Raum dieses Philosophen einstellen, denn Iljin argumentiert metaphysisch. Dies ist auch nötig, weil das Gutmenschentum Tolstojscher wie jeder anderen Prägung zwar leicht widerlegt ist (man muß es nur konsequent zu Ende denken), eine taugliche Lösung des Problems aber, wie man das christliche Gebot der Feindesliebe leben soll, auf den aporienreichen Pfaden liberaler Denkmuster nicht erreicht werden kann. Daher holt Iljin in seiner Antwort auf diese Frage weit aus und untersucht zunächst das Wesen von Gut und Böse und die Stellung des Menschen in diesem Spannungsfeld.

Dabei wird deutlich, daß es, liberalen Illusionen zum Trotz, keine neutrale Zone zwischen Gut und Böse gibt, in die sich der bürgerliche Skeptiker oder liberale Vulgärhumanist bequem zurückziehen könnten, um sich die Hände nicht an den Häßlichkeiten der Realität schmutzig zu machen. Wer meint, sich angesichts des offenkundigen Bösen einer abwehrenden Tat, ja sogar eines verneinenden Urteils enthalten zu können, unterliegt einem fatalen Irrtum. Denn in Wirklichkeit ergreift man durch diese Pseudoneutralität für das Böse Partei. Echter Widerstand gegen das Böse sieht, wie Iljin in den konstruktiven Schlußkapiteln seiner Arbeit zeigt, völlig anders aus. Iljin plädiert als orthodoxer Christ für eine feinabgemessene Gewaltanwendung. Denn wenn das Böse in einer gefallen Welt eine solche Anomalie darstellt wie die Krankheit, dann ist der Einsatz von Arzneien notwendig, freilich wohldosiert und unter ständiger Kontrolle.

Nach Iljins Sicht verhält es sich mit dem offenen Bösen und seiner gewaltsamen Abwehr ebenso. Dazu verweist er auf historische Beispiele wie die erfolgreiche Befreiung Rußlands vom Tatarenjoch, die durch das Zusammenwirken der weltlichen Macht russischer Großfürsten mit der geistigen Macht der Kirche durch Heilige wie den hl. Sergius von Radonesch ermöglicht wurde. Wem der Verblendungsgrad der liberal verbildeten Stände bekannt ist, wird nicht über die hysterische Wut verwundert sein, die Iljins Abhandlung in seiner damaligen, offenkundig bis ins Mark getroffenen Leserschaft hervorrief.

Von Sowjetintellektuellen über exilierte Sozialdemokraten und bekehrte Marxisten bis zu Spiritistinnen lehnten alle avantgardistischen Kräfte Iljins Pazifismuskritik so einmütig wie vehement ab. Außer der (leider nicht ganz glatten) Übersetzung, einem klug-erläuternden Vorwort aus der Feder von Adorján Kovács und editorischen Anmerkungen des Herausgebers, einem Literatur- und Bibelstellenverzeichnis bietet die jüngst erschienene Ausgabe der Edition Hagia Sophia ihrem Leser auch eine gelungene Zusammenfassung jener kritischen Reaktionen und Iljins Antwort auf den seriösen Teil dieser Einwände sowie einen Aufsatz über den Wert von Iljins Theorie eines christlichen Widerstandes für unsere Gegenwart.

Die Illustrationen verleihen dieser ohnehin schon gehaltvollen Ausgabe einen besonderen Glanz; die Reproduktionen historischer Gemälde des viel zu früh verstorbenen russischen Malers Pawel Ryschenko unterstreichen auch in Schwarzweiß höchst nachdrücklich, was Iwan Iljin nicht nur in dieser Polemik bewegte.

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Iwan Iljins Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse kann man hier bestellen.


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Kommentare (38)

t.gygax
4. Juni 2018 18:22

Zitat:" Tolstojs defätistische Idiotien" - das ist schon sehr hart formuliert, aber es dürfte stimmen.
Tolstoi lebte in einer selbstgeschaffenen Traumwelt, literarisch ist so etwas fruchtbar, politisch und auf das alltägliche Leben bezogen eine einzige Katastrophe.
Unsere Politiker leben auch in einer Traumwelt, und deswegen sind die Folgen ihres Handels so katastrophal für die, die das Ganze ausbaden müssen, also das Volk- oder das "Pack", wie Herr Gabriel, ein sozialer Demokrat, zu sagen pflegte.

Gotlandfahrer
4. Juni 2018 21:25

Habe ich es richtig verstanden, dass "feinabgemessene Gewaltanwendung" das Mittel der Wahl ist? Da erhebe ich als Bedenkenträger Einspruch an. Wir haben es beim gesellschaftlichen Irrsinn ja nicht wirklich mit Irrsinn sondern mit einer natürlichen Irrwegung des menschlichen Denkens zu tun. Aus meiner Sicht. Und darin liegt ein Unterschied, der bestimmend für das ist, wie darauf zu reagieren ist. Irrsinn ist nicht korrigierbar, es ist ein Defekt (sozusagen ein Bug). Hier ist Gewalt, zum Beispiel in Form der Zwangsjacke, ein probates Mittel zur Eindämmung, aber selbst da nicht zur Abänderung. Bei Irrwegung hat sich der Geist verlaufen und wäre im Grunde froh, einer Rechtleitung zustimmen zu können. Diese natürliche Irrwegung ist Ergebnis der menschlichen Präferenz für kurzfristige Selbstoptimierung, es ist also kein Bug, sondern ein Feature. Mit Gewalt verhindert man die Neuorientierung eher, jedenfalls solange sie nicht Ausdruck einer neuen Erlösungsinstanz ist, also einer neuen anerkannten Macht der Verhältnisse. Ich schreibe nicht von der Gewalt die mit dem Selbstverteidigungsrecht einhergeht, sondern von der vorausgehenden Möglichkeit der allgemeinen Übereinkunft. Für diese kann man sich vielleicht eher an Erziehungsmethoden orientieren. Ein vielfach empfohlener Trick ist der, das gewünschte Verhalten zum selbsternannten Ziel des Delinquenten zu machen. Der Irregeleitete muss schon selber wollen, und sei es nur durch Anreizsetzung, zB dass nur jetzt ins Bett zu gehen erlaubt, am nächsten Tag das Fussballspiel sehen zu können. Natürlich ist dies mit einer Gesellschaft Erwachsener nicht so einfach, aber das Bild bleibt: Gewalt macht nur in Übereinstimmung mit entsprechender Macht Sinn, sonst bestätigt sie nur unnötigerweise die Fehlurteile des Irregeleiteten. Sieht man es metaphysisch, ist es ja gerade die Provokation der Gewalt, die der Beelzebub mit der Kaperung der simplen Gutgemüter anstrebt. Den Gefallen sollte man ihm nicht tun.

Asenpriester
5. Juni 2018 00:25

Aus dualistischer Sicht ist das Gleichgewicht in der Neuzeit zwischen Gut und Böse derart gestört, daß man derzeit nur noch vom absoluten Bösen ausgehen kann. In Politik, Wirtschaft, Bildung, Kultur usw. sind satanische Logen aktiv (u.a. auch mit ritueller Kindestötung). Wahrheitsmedien sind weitestgehend verboten. Man darf das absolut Böse auch nicht beim Namen nennen, da sonst sofort besondere Strafgesetze wirksam werden. Wie soll sich dabei irgendwie ein Widerstand aufbauen ?
Durch das derartige irdische Ungleichgewicht ist derzeit keinerlei Entwicklung möglich, so daß auch an ein Ende der menschlichen Zivilisation zu denken ist :
z.B. Herbert Gruhl "Himmelfahrt ins Nichts" 1993
oder der Historiker Wolfgang Eggert, wie kabbalistische Endzeitsekten die Politik beherrschen

RMH
5. Juni 2018 06:29

OT:
Gibt es evtl. auch auf SiN oder in einer der kommenden Sezession-Ausgaben einen Nachruf auf den am 02.06. verstorbenen Irenäus Eibl-Eibesfeldt?

Für mich ein ganz wichtiger, im konservativen und rechten Kosmos, auch wenn er selber sich als Forscher vermutlich nicht so eingeordnet hätte. Man lese aber nur einmal den Punkt "Kritik" in dem über ihn im kulturmarxistischen Wikipedia stehenden Eintrag und man kann auch als Nichtkenner erahnen, was für ein Kaliber er war.

Benedikt Kaiser
5. Juni 2018 07:25

@RMH:

Zumindest haben wir sein Porträt aus dem Staatspolitischen Handbuch, Band 3: Vordenker, online: hier entlang.

Caroline Sommerfeld
5. Juni 2018 08:21

Das Christentum ist keine Religion des Friedens, sondern des unabweislichen und dauernden, persönlichen und kollektiven „Kampfes, und zwar eines dramatischen, zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis“ (Vatikanum II, Gaudium et spes, n. 16, 1965).
Iljin hat später seine Thesen verteidigt (die Angriffe, hinten im Buch versammelt, lesen sich erstaunlich aktuell, man hat schon damals keine Scheu gehabt, heftig auszuteilen).
Indem die linke pazifistische Umdeutung des Christentums sich selber
"den listigen Anschein der einzig richtigen Deutung der christlichen Offenbarung verlieh, hat diese Lehre sehr lange den Menschen eingeflößt, dass die Liebe humane Anteilnahme sei; dass die Liebe das Schwert ausschließe; dass jeder Widerstand gegen einen Übeltäter mittels der Kraft (Anm.: des Schwertes) bösartige und verbrecherische Gewalt sei; dass nicht derjenige liebe, der kämpft, sondern derjenige, der den Kampf flieht; dass lebendige und heilige Desertion die Manifestation der Heiligkeit sei; dass man das Werk Gottes um der eigeneren moralischen Gerechtigkeit willen verraten könne und solle."
Iljin ist genau jetzt wichtig: es ist nicht unchristlich, fidei defensor sein zu wollen, im Gegenteil. Unser ungeheures inneres Hadern mit dem moralischen Problem der Wehrhaftigkeit, das bisweilen soweit greift, dass selbst die Tugend des Mutes schwächelt, liegt genau an der von Iljin markierten Wehrkraftzersetzung durch Umdeutung des christlichen Liebesbegriffs.

Tobinambur
5. Juni 2018 10:05

Als Jugendlicher mochte ich Tolstoi. "Krieg und Friede" habe ich mehrmals gelesen und war begeistert von seinem literarischen Gemälde des Generalfeldmarschall Michail Illarionowitsch Kutusow. Erst später wurde mir klar, dass Tolstoi einer derjenigen war, die dessen hilflose, defätistische Untätigkeit in einen "genialen Schachzug" (A. Zamoyski) uminterpretierten. Er konnte es nur tun, weil er ein Prototyp des universellen Christen war, also jenes Typus, der nach dem Tod von Jesus Christus den Sieg in der Schlacht der Interpretation des Meisters davongetragen hatte, und dem wir nun unseren Untergang zu verdanken haben. Damit meine ich zunächst nicht den christlichen Pazifismus und der Halte-die-andere-Wange-hin-Masochismus, sondern die gegen den Anderen gerichtete Bösartigkeit, die in der Geschichte einzigartig ist und die Nietzsche so beschrieben hat: "Christlich ist ein gewisser Sinn der Grausamkeit, gegen sich und andere; der Hass gegen die Andersdenkenden; der Wille, zu verfolgen."
Eigenartig, dass viele aus unseren Reihen auf diesen Vernichtungswillen (der eine ebenso radikale Autoaggression impliziert) mit einem noch "besseren" Christentum antworten, auf das sie sich angeblich berufen können (@ Sommerfeld).
Echten Widerstand, der wohldosiert, achtsam und besonnen ist, kann es nur in einer paganen Form geben. Ich sage "kann", d.h. die pagane Form sehe ich als notwendige, nicht aber als hinreichende Bedingung an; während im Gegensatz dazu das Christentum hinreichende Bedingung ist für Massenmord und Selbstmord. Massenmorde wurden bereits unzählige Male exemplifiziert, die Exemplifikation des Selbstmord erleben wir gerade am eigenen Leib.

MARCEL
5. Juni 2018 10:51

Hier lohnt sich ein Hinweis auf Wladimir Solowjows "Kurze Erzählung vom Antichrist".
Was gut aussieht, ist nicht immer gut. Diese Unterscheidung der Geister ist in der heutigen Gesellschaft von Arglosen nicht mehr vorhanden.
("Was nennst Du mich gut?" kommt selbst einem Jesus über die Lippen, Lk 18)
Gruß Marcel Kehlberg

Caroline Sommerfeld
5. Juni 2018 11:28

Eigenartig, dass viele aus unseren Reihen auf diesen Vernichtungswillen (der eine ebenso radikale Autoaggression impliziert) mit einem noch "besseren" Christentum antworten, auf das sie sich angeblich berufen können (@ Sommerfeld).

Das ist nicht "eigenartig", das ist, wie wollen Sie's nennen? Identitär? "Die Verteidigung des Eigenen"? Konservativismus? Verwurzelung? Reconquista?
"Eigenartig" ist vielmehr, sich ideologisch bei Nietzsche verharrend aufzuhalten und aus seiner schneidenden Kritik einen positiven Entwurf abzulesen. Jürgen Fritz hat sich gestern ähnlich "eigenartig" geäußert: https://www.journalistenwatch.com/2018/06/04/remigration-wie-europa/ "Christenmoral" abschaffen, dann ist der Weg frei für "vernünftige" Lösungen ... wahlweise neopagane, zionistische, sozialistische.

A. Kovacs
5. Juni 2018 12:31

Wenn ich als Herausgeber hier etwas anmerken darf: Es bringt wenig, vom Dichter Leo Tolstoi auszugehen, wenn man etwas zu seiner (wegen ihres Christentums heute fast völlig verdrängten) theologisch-philosophischen Seite sagen will. Ohne die Kenntnis von "Für alle Tage", "Meine Beichte", "Kritik der dogmatischen Religion", "Über das Leben" usw. ist da nichts zu machen. Aber es ist nicht zwingend notwendig, das alles zu wissen: Für uns Heutige sind, wie Frau Sommerfeld richtig sagt, die zeitgeistlinken hypermoralistischen Gutmenschen das, was für Iljin damals Tolstoi war. Wer diese kleine Verschiebung denken kann, für den ist die Lektüre Iljins brandaktuell. Auch bringt es nichts, den interessanten, aber pathologischen Schriftsteller Nietzsche, der bei vielen immer noch als Philosoph durchgeht, gegen das Christentum in Stellung zu bringen: Die Zeit und wohl auch die Philosophie sind mittlerweile über ihn und seine poetisch-genialischen Tiraden hinweggegangen (siehe René Girard, Alvin Plantinga u. a.). "Europa wird christlich sein oder es wird nicht sein" (Robert Schuman oder Otto v. Habsburg). Die Richtigkeit dieses Satzes wird mit jedem Tag klarer. Glauben kann man nicht erzwingen, aber man kann natürlich schon der linken und atheistischen Propaganda widerstehen, oder, wie Iljin das nennt, seinen inneren Kreml befestigen. Als Befestigungsmaterial kann gummiartiges liberales oder relativistisch-freigeistiges Material natürlich nicht dienen. Da muss dann schon das europäische Originalgestein her.

Stil-Bluete
5. Juni 2018 13:58

'...Halte-die-andere-Wange-hin-Masochismus.,..': Die Exegese der Bibel ist so mannigfaltig, dass ich mich manchmal wundere, dass diese Replik verschont blieb, auch was Anderes herauszulesen.

Wie im Kampf das Totstellen ein probates Mittel ist, erkenne ich in dieser Aufforderung, die andere Wange hinzuhalten die gleiche, aber intellegentere Methode der Deeskalation im Sinne von: 'Schlag doch! schlag doch zu! Na, du traust dich nicht' Jeder echte Kämpfer wird daraufhin die Fäuste sinken lassen.

Gustav Grambauer
5. Juni 2018 15:38

A. Kovacs

Na, den Sound kenne ich noch.

Die Schlammschlachten der 50er Jahre erspare ich dem Publikum, empfehle nur mal hier das Kapitel "Die schlimmen Jahre 1985 und 1987" auf Seiten 218 bis 221; die Peinlichkeit, "die Zeit und wohl auch die Philosophie" seien "mittlerweile" (??? / meinen Sie im Ernst die 118 Jahre?) über Nietzsche hinweggegangen, hat Harich mit dem Rückgriff auf die "gesamte Zivilisationsgeschichte" nur ins andere Extrem getrieben:

https://books.google.ch/books?id=r9FsFm_KiW4C&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

Pikant der Satz der Autoren: "Harichs blindwütiges Eiferertum, das in einer absoluten Verteufelung Nietzsche als Anti-Denker, Anti-Humanisten und Anti-Menschen darstellte, hatte sich jeder philosophischen Substanz endgültig entledigt." (Seite 219 oben)

Sage mir wie du zu Nietzsche stehst ... und ich sage dir - zumindest - etwas zum Baumaterial deines inneren Kreml.

Kennen Sie den Witz, bei dem an einer Akademie in Moskau im Jahre 2050 die Frage aufkommt "Wer war Breschnew?" Niemand hat den Namen je gehört, es werden daraufhin Historikerkommissionen gebildet, die jahrelang die Archive durchforsten, ohne Ergebnis, bis endlich ein Sachbearbeiter meldet: "Breschnew muß ein Dejatelj (= Funktionär / Apparatschik) während der Solschenizyn-Ära gewesen sein." Im Prinzip haben Sie gerade unfreiwillig einen vergleichbaren Witz mit Otto v. Habsburg (oder meinetwegen Alvin Plantinga) und Nietzsche erzählt.

"Europa wird die Christentumsfarce abräumen, nichts anderes hat Nietzsche getan, und jenseits derer christlich sein - oder es wird nicht sein."

- G. G.

Nath
5. Juni 2018 18:13

@Kovacs
"Glauben kann man nicht erzwingen, aber man kann natürlich schon der linken und atheistischen Propaganda widerstehen, oder, wie Iljin das nennt, seinen inneren Kreml befestigen."
Doch, man kann Glauben erzwingen, und das Christentum hatte etliche Jahrhunderte Zeit, dafür den Beweis anzutreten (z.B. Karls Sachsenkriege, ein noch heute sehr lehrreiches Exempel für "Bist du nicht willig, ...")
Was die "atheistische Propaganda" anbetrifft, so fehlt es ihr von je her an der Fantasie und Geschicklichkeit, die in den christlichen Fälschungswerkstätten anno dazumal z.B. die "Konstantinische Schenkung" unter die Leute brachte. Der Atheismus kann historisch nur dort gedeihen, wo sich zuvor der zelotische Eifer der Ketzerjäger auf eine Weise desavouriert hat, dass selbst das einfache Volk es merkt - und selbst dann schwenkt die übergroße Majorität nicht auf Atheismus um, sondern lediglich auf eine Mäßigung der frommen Flammenwerfer. (Lamettries Materialismus blieb ein Einzelfall, die großen Aufklärungsphilosophen wie Descartes, Malebranche, Leibniz blieben allesamt dem Theismus verpflichtet.) Virulent wird es immer erst dann, wenn eine Religion selbst gegensätzliche Parteiungen aus sich hervortreibt, die macht - und zahlenmäßig zu stark sind, als dass eine die andere vernichten könnte - so geschehen in den drei historischen Etappen Schisma, Avignon/Rom-Spaltung, Reformation. (Die Albigenser erwiesen sich auf Dauer als militärisch zu schwach, wurden schließlich von den Rechtgläubigen zermürbt und gnadenlos vernichtet.)
Keine atheistische Streitschrift, kein agnostischer Kritiker war je so beflissen und scharfsinnnig bei dem Vorhaben, die Schwachstellen einer Konkurrenzreligion, die wirklichen oder vermeintlichen Widersprüche ihrer heiligen Schriften, ans Tageslicht zu befördern wie diejenigen, die "im guten (eigenen) Glauben" handelten. Auch ist keine Perfidie eines Gottlosen je dem Raptus eines Frommen gleichgekommen wenn es daum ging, die "religiösen Gefühle" der Angehörigen anderer Religionen entweder lächerlich zu machen oder als Götzenanbetung zu verteufeln. Wo gehobelt wird, fallen Späne. (In Indien etwa kann man sich auch heute noch von den Restbeständen dieser Geisteshaltung überzeugen, wenn man die Missionsversuche der christlichen Evangelikalen am Werk sieht - ein lebendiger Anschauungsunterricht dafür, was in frömmeren, religiös weniger bescheidenen Zeiten sämtliche Christen unter weltweitem "Evangelisierungsauftrag" verstanden.)
Mit alledem verglichen ist jegliche "atheistische Propaganda" nicht nur ohne Furor, sondern unoriginell, Der vorherige Vernichtungskampf der Religiösen untereinander hat ihnen bereits einen Großteil der Arbeit abgenommen. Abgesehen davon, wo ist diese Propaganda heutzutage am Werk? Bei Dawkins? - Wenn das alles ist, können die Frommen weiterhin ruhig schlafen

"Europa wird christlich sein, oder es wird nicht sein"?
Nun, dann wird es nicht sein. Ohne alle blasphemische Wortironie: Gott sei Dank, dass die Zeiten vorbei sind, wo irgendeine monotheistische Religion - der Taoismus, Hinduismus und Buddhismus haben nie einen derartigen Anspruch erhoben - die Machtmittel in den Händen hatte, einen Kontinent als ihren Besitz zu reklamieren. Was der heutige Islam auch an diabolischer Energie noch aufzubieten haben mag, für Asien wird es nicht reichen, und auch In Europa werden die Bäume Allahs nicht in den Himmel wachsen. Eine 153 m hohe Moschee an Stelle des Kölner Domes? Doch wohl eher nicht. Wie Schopenhauer hellsichtig schrieb: "Die Menschheit wächst die Religion aus, wie ein Kleid." Was speziell das Christentums angeht, so gleicht es, historisch betrachtet, heute einer freundlich aussehenden Schlange, welcher man schon seit langem die Giftzähne ausgezogen hat. Doch man täusche sich nicht - tief in ihrem Innern lauert immer noch der alte Instinkt, zuzubeißen. Seien wir dem kundigen Vetrinär-Dentisten dankbar, der dies beizeiten unmöglich zu machen wusste.

Noch einmal Schopenhauer: "Die Priester haben sich zu allen Zeiten das metaphysische Grundbedürfnis des Menschen zu Nutze gemacht." Hoffen wir, dass spätestens am Ende des Jahrhunderts, besser vorher, andere Mittel und Wege offen stehen, diesem Bedürfnis gerecht zu werden.

Andrenio
5. Juni 2018 21:03

@Marcel
Wenn schon Sonowjew dankenswerter Weise erwähnt wird, dann kann Dostojewskij nicht fehlen.

Nach dem Krieg wirkte in Deutschland der Litauer Antanas Maceina, der sich tief mit der Problematik des Bösen und dem Antichristen auseinandersetzte, vornehmlich in deutscher Sprache.

Seine Schriften gibt es kostenlos als PDF bei www.maceina.lt
Sehr gehaltvoll!

Der Rote Drache nimmt vielfältige Formen an im empire du bien.

A. Kovacs
5. Juni 2018 22:27

Eine letzte Wortmeldung zu diesem Beitrag: Wenn ich die Reanimationsversuche zu Nietzsche und seinen atheistischen Konsorten, die wutschnaubenden Kommentare zum Christentum lese, dann weiß ich, warum Deutschland verloren ist. Dazu passt, dass ein Freund auf meine Frage, worauf er weniger verzichten könne, Wohlstand oder Freiheit?, mit „Wohlstand“ antwortete – Konsumismus als Sedativum. Da steht er nicht allein. Die Wirklichkeit sieht aber heute schon so aus: https://de.wikimannia.org/Datei:Bevoelkerung_nach_Geschlecht_Migrationsstatus_und_Alter_2016.jpg. Jetzt einfach die Zahlen für die Null- bis 20-Jährigen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Geburtenraten auf 2048 extrapolieren und die bisher 2 Millionen „Südschweden“, wie die Österreicher sagen, dazuzählen, und man hat die Stärkeverhältnisse bei den 30- bis 50-Jährigen, also der relevanten Altersgruppe zur Jahrhundertmitte. Aber vielleicht ist das gar nicht ungewollt (dieser Eindruck drängt sich auch auf diesem Blog bisweilen auf): Der Islam und die Muslime haben seit Hadschi Halef Omar bei den Deutschen einen Stein im Brett (siehe dazu https://static1.squarespace.com/static/530b8d53e4b091b1a79671f2/t/5b1509c36d2a735db8b70b46/1528105411768/TUMULT_KOVACS_Sommer2018.pdf). Und mal ganz ehrlich: Für uns Männer hat der Islam doch ganz schön viele Vorteile, oder? Aber auch die Frauen entrinnen unerfüllbaren Doppelbelastungen in Beruf und Familie. Und den Schuldkult wären wir mit einem Schlage los! Nun denn...

Andreas Walter
5. Juni 2018 23:37

Zum Einen gibt es einen Unterschied zwischen einem Christus und einem Christ. Dem Meister es 100% gleich zu tun, dazu sind wohl nur die wenigsten fähig, und ob er wirklich damit gerechnet hat, vorausgeahnt hat, was da auf ihn über den Verrat hinaus zukommt, auch das ist meines Wissens nach nicht überliefert.

Zweitens ist da noch die Frage, in wie weit die Geschichte wahr oder zu 100% wahr ist, und was davon in letzterem Fall dann vielleicht nur symbolisch gemeint oder dazugedichtet ist.

Hatten aber nicht auch christliche Städte Stadtmauern, innerhalb dieser dadurch das Christentum dann überhaupt erst seinen gesellschaftlichen Fortschritt vollzogen hat?

Was also spricht gegen einen Grenzzaun, an dem nicht letale, moderne Abwehrmittel wie zum Beispiel auch Mikrowellen eingesetzt werden?

https://www.youtube.com/watch?v=u9p5naCkz2w

Denn natürlich gibt es einen Unterschied, zwischen sanfter Gewalt und Holzhammer, sprich, Bleikugel.

Denn von "du darfst dich nicht abgrenzen" ist nirgendwo die Rede und eine Backpfeife ist eben auch kein Messer oder eine Eisenstange oder eine Vergewaltigung.

Vielleicht hat Jesus auf ein Wunder gehofft oder sogar mit dem einschreiten Gottes gerechnet. Warum sonst sollte er sonst am Kreuz gesagt haben, Vater, warum hast du mich verlassen.

Doch es heisst eben auch in der Bibel, wir sollen Gott nicht versuchen. Oder auch unseren Nächsten nicht in Versuchung führen. Warum so viele Christen diese Regeln derzeit nicht beachten, auch nicht die in höheren Ämtern, ist mir darum ein Rätsel.

Mauerbluemchen
5. Juni 2018 23:47

@Nath

Es fällt einem andererseits aber ganz schön schwer, sich ein Heer von Schopenhauerianern und Nietzscheisten 1683 auf den Mauern Wiens vorzustellen oder 732 auf den Feldern vor Tours und Poitiers oder auf dem oben genannten Kulikowofeld 1380 usw.

Und genau darum geht es Iwan Alexandrowitsch in seiner Schrift (und ihren Verteidigern hier).

Es geht inzwischen nicht mehr um die Glasperlenspiele genial begabter, aber freilich auch - höflich gesagt - labiler Naturen in ihren stillen Kämmerlein am vielgenutzen Schreibtisch. Die Lage ist heuer viel zu ernst, als das man mit den ollen Atheisten-/Agnostikerkamellen noch einen zerbrochenen Blumentopf gewinnen könnte. Für tote bzw öde Theorien geht nämlich kein Mensch in den Tod (wenn es sein muß).

Und das Heidentum von dunnemals bringt einem im Zweifelsfalle auch nicht weiter: Man frage sich doch einfach und ehrlich, ob man bereit ist, für Wotan (Zeus, Jupiter, usw) zu sterben?

Denn darum geht es; es ist menschengemäß, daß man etwas hat, wofür man lebt. Und man lebt für das, wofür man zu sterben bereit ist (dieser Gedanke ist freilich nicht von mir, sondern von Nikita Michalkow, der sich um die Renaissance Iwan Alexandrowitsch Iljins im heutigen Rußland sehr verdient gemacht hat).

brueckenbauer
6. Juni 2018 05:58

So wie Iljins Auffassung hier dargestellt wird, ist sie schon im Ansatz verfehlt: Was das "Böse" ist, ist nämlich gerade nicht "offenkundig", sondern muss erst mühsam ermittelt werden.

Tolstoi war so wenig ein Traumtänzer, dass er diesen Umstand für das russische Volk in klassischer Weise dargestellt hat ("Lösche das Feuer aus, bevor es dich verbrennt"). Aber wer liest schon Tolstoi?

A. Kovacs
6. Juni 2018 07:50

@Mauerbluemchen
Besten Dank, genau so ist es.
@brueckenbauer
Vielen Dank, gut beobachtet. Aber genau deshalb gibt es ein ausführliches Nachwort im Buch, das zeigt, was „das Böse“ für Iljin war und analysiert, was, von seinen Prämissen ausgehend, es heute ist.
Ich wollte abschließend noch etwas genauer antworten auf einige Kommentare zu Nietzsche: Es gibt einen Unterschied zwischen der historischen Relevanz, Berühmtheit, dem Einfluss usw. und der tatsächlichen Qualität eines Philosophen. Wer im Zeitalter Feuerbachs, Marxens, Schopenhauers wie Nietzsche auf das Christentum eindrischt, ist erstens nicht besonders originell (Zeitgeist!) und kann zweitens auf viel Zustimmung rechnen. So ist es ja auch geschehen. Dass Nietzsche wegen der breiten Rezeption eine wichtige Gestalt der Philosophiegeschichte darstellt, bezweifelt doch niemand. Aber die Frage darf gestellt werden, ob er echte Argumente hatte, die über brillante Formulierungen hinaus heute sachlich Bestand haben. Auch darf gefragt werden, ob die Bemühungen seiner existenzialistischen Epigonen und Nachfolger, seinen Anteil an der Philosophie des Nationalsozialismus zu vertuschen, so klug waren; erfolgreich waren sie nicht. Iwan Iljin ist zudem ein Beispiel dafür, wie Politik und Exil einen Philosophen ins Abseits rücken können, ohne dass auf seine Argumente sachlich auch nur flüchtig eingegangen worden wäre. Er „passte“ schlichtweg nicht. Also: Seit Kant sollten wir keine Autoritäten anerkennen, sondern die Argumente prüfen. (Das hindert uns nicht, die Erfinder/-innen der guten Argumente zu ehren!) Deshalb ist es niemals ein Witz, auf Girard und Plantinga hinzuweisen, so berühmt Nietzsche auch immer sein mag.

Michael B.
6. Juni 2018 08:44

> Es fällt einem andererseits aber ganz schön schwer, sich ein Heer von Schopenhauerianern und Nietzscheisten 1683 auf den Mauern Wiens vorzustellen oder 732

Ein Wehrmachtsbataillon aber schon, oder? Oder ein Heer Mongolen vor diesen Mauern. Dshingis Khan tolerierte Buddhismus, aber eine einigende Religion oder gar einen Gott hatten seine Leute nicht. Durchschlagskraft wird ihnen aber i.a.R. nicht abgesprochen. Die Bolschewiken lasse ich jetzt mal weg.

Hier wird versucht, philosophische Richtungen an einzelnen ihrer Vertreter laecherlich zu machen. Funktioniert mit Christentum auch. Ich jedenfalls brauche das wie einen Kropf als herrschende Ideologie. Und das wird es bei allen sentimentalen Wuenschen auch nicht mehr werden. 'Gott sei Dank', da bin ich ganz bei Nath.

Sicher finden sich aber hier wieder einige Sprachakrobaten - die ich mir nebenbei auch auf keinen Mauern welcher Natur auch immer vorstellen kann - die mir die tieferen religioesen Triebkraefte der ganz oben genannten Beispiele auslegen koennen, die mein einfaches Gehirn nicht in der Lage ist, zu erfassen. Bullshit.

Gustav Grambauer
6. Juni 2018 09:46

Mauerbluemchen

"Es fällt einem andererseits aber ganz schön schwer, sich ein Heer von Schopenhauerianern und Nietzscheisten 1683 auf den Mauern Wiens vorzustellen ..."

Und wenn Sie hypothetischerweise alle Moslems aus Europa verjagt hätten, was dann...?

Verstehen Sie nicht, daß diese Moslems mit dem, was die sich Ihnen gegenüber an undomestizierter Freiheit, Wildheit herausnehmen, nur, - so wie Sie auftreten, Entschuldigung bitte -, der Spiegel Ihrer eigenen Unfreiheit, Domestikation, sind? Falls sie also die Moslems hypothetischerweise aus Europa verjagt hätten, könnten Sie ganz schnell nur einen neuen Spiegel vor die Nase gesetzt bekommen.

Es wird diejenigen Antreiber-Naturen, die nur gehorsame Mitspieler als Spielobjekte für ihre als angeblich moralisch, religiös-konform, überlebensnotwendig usw. verbrämten Spielchen im Spiegelkabinett haben wollen, sehr ärgern, und zumal sich hier im vollgültigen Sinne der Christ offenbart:

"Die goldene Losung. – Dem Menschen sind viele Ketten angelegt worden, damit er es verlerne, sich wie ein Tier zu gebärden: und wirklich, er ist milder, geistiger, freudiger, besonnener geworden, als alle Tiere sind. Nun aber leidet er noch daran, daß er so lange seine Ketten trug, daß es ihm so lange an reiner Luft und freier Bewegung fehlte: – diese Ketten aber sind, ich wiederhole es immer und immer wieder, jene schweren und sinnvollen Irrtümer der moralischen, der religiösen, der metaphysischen Vorstellungen. Erst wenn auch die Ketten-Krankheit überwunden ist, ist das erste große Ziel ganz erreicht: die Abtrennung des Menschen von den Tieren. – Nun stehen wir mitten in unserer Arbeit, die Ketten abzunehmen, und haben dabei die höchste Vorsicht nötig. Nur dem veredelten Menschen darf die Freiheit des Geistes gegeben werden; ihm allein naht die Erleichterung des Lebens und salbt seine Wunden aus; er zuerst darf sagen, daß er um der Freudigkeit willen lebe und um keines weiteren Zieles willen; und in jedem anderen Munde wäre sein Wahlspruch gefährlich: Frieden um mich und ein Wohlgefallen an allen nächsten Dingen. – Bei diesem Wahlspruch für einzelne gedenkt er eines alten großen und rührenden Wortes, welches allen galt, und das über der gesamten Menschheit stehengeblieben ist, als ein Wahlspruch und Wahrzeichen, an dem jeder zugrunde gehen soll, der damit zu zeitig sein Banner schmückt, – an dem das (konfessionell-betonte, - G. G.) Christentum zugrunde ging. Noch immer, so scheint es, ist es nicht Zeit, daß es allen Menschen jenen Hirten gleich ergehen dürfe, die den Himmel über sich erhellt sahen und jenes Wort hörten: 'Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen aneinander.' – Immer noch ist es die Zeit der einzelnen." - "Menschliches, Allzumenschliches" / 350

Gäbe es ein paar mehr solche "Einzelne", dann hätte Europa die ganzen Probleme mit den Moslems gar nicht. Die hat es nur, weil es hier so von geistigen Sklaven wimmelt, ein reines Immunproblem. Die wiederum wollen gar nicht begreifen, daß sie nur selbst die Ursache sind.

- G. G.

Fritz
6. Juni 2018 12:52

Als wenn man so einfach Christ sein könnte, weil man es für nützlich hält.

Sorry, ich kann zumindest nicht mehr hinter den erreichten Wissensstand unserer Zeit zurück, nach dem es keinerlei Grund gibt, zu glauben, dass das Christentum in irgendeinem Sinne "wahr" wäre.

hagustaldaz
6. Juni 2018 13:03

@ Mauerblümchen, 5. Juni, 23.47 Uhr

"Man frage sich doch einfach und ehrlich, ob man bereit ist, für Wotan (Zeus, Jupiter, usw) zu sterben?"

Alain de Benoist, Heide sein, Tübingen 1982, S. 30f: "... man braucht nicht an Jupiter oder Wotan zu >glaubengeistige WerkzeugGlauben<, die ihnen zuteil werden, als Wertsysteme: Götter und Glauben sind vergänglich, die Werte aber bleiben. Das Heidentum zeichnet sich bei weitem nicht durch eine Ablehnung des Geistigen oder eine Verwerfung des Heiligen, sondern vielmehr durch die Wahl (und die Wiederaneignung) einer anderen Geistigkeit, einer anderen Form des Heiligen aus. Weit davon entfernt, mit dem Atheismus oder mit dem Agnostizismus ineinander zu verschwimmen, schafft es zwischen Mensch und Welt ein grundsätzlich religiöses Verhältnis (...). Weit davon entfernt, die Welt zu entheiligen, heiligt es sie im eigentlichen Sinne: es hält sie für heilig - und gerade hierin erweist es sich als heidnisch."

Hoffentlich geraten @Mauerblümchen und @A. Kovacs niemals in eine Lage, in der sie beweisen müssen, daß sie bereit sind, für ihren christlichen Glauben zu sterben. Am heimischen Rechner schreibt sich das immer leicht. Ich für meinen Teil werde erst wissen, ob ich für meinen Glauben dazu bereit bin, wenn der Fall eintritt und eine Horde Jihadisten, SJWs (oder womöglich sogar eifernde Christen) auf mich zurennt.

Tobinambur
6. Juni 2018 13:37

Wie die Altrechten sich noch die Renaissance einer jüngeren braunen Vergangenheit herbeisehnten (womit sie scheitern mussten) scheinen viele (nicht alle!) Neurechte eine Renaissance der älteren schwarzen Vergangenheit herbeizuwünschen. Sie werden nicht nur selbst damit scheitern, sondern sie werden mit dieser Naivität ein weiteres Stück unseres traditionellen kulturellen und ethnischen Bestandes in den linken Orkus reißen. Ich hatte schon mehrmals in meinen Forumsbeiträgen vom „Linken im Rechten“ geschrieben. Manchmal ist es bloß ein naives Frohlocken über die vermeintlich bevorstehende „Wende“. Wir oder die nächste Generation werden merken, dass diese vermeintliche konservative Wende nur ein dürftiges Gekräusel auf der großen Dünung ist. Auch die AfD wird (um ein Beispiel zu nennen) nur ein kleiner lokaler Katechon sein. Das Tal der Dünung ist noch nicht erreicht. Wer glaubt, dass das Christentum – selbst wenn es erstarken würde – dem alles zersetzenden Malstrom des Kapitals und des universellen Progressismus etwas entgegensetzen könnte, ist naiv und realitätsfern. Das Christentum hatte vor 1000 Jahren zeitweise durchaus das Potenzial, wie viele mittelalterliche Ordensregeln zeigen, sich aber letztlich dem wahren Herrn unterworfen. Kein Wunder: Es hat sich mit der Liquidierung der Gnosis und der Institutionalisierung der Spiritualität die Matrix des universalistischen Totalitarismus angeeignet.
Schlimmer noch: Wenn die neue Rechte nicht bald wirklich offen über die anliegenden fundamentalen Probleme diskutiert, wird sie orientierungslos (ich nehme die Identitären hier weitgehend aus, die instinktiv das Richtige tun) in der Suche nach einem transzendenten Halt. Diskussion heißt hier zunächst nur Öffnung für das bessere Argument – eben auch in Fragen der Transzendenz. Eines dieser fundamentalen Probleme ist eben die Orientierung „nach hinten“, statt nach vorne. Das hört sich zunächst sehr traditionsbewusst an, ist es aber ebenso wenig wie ein Kranker nicht dadurch gesundheitsbewusst lebt, wenn er weiterhin das tut oder isst, was ihn krank gemacht hat. Das Richtige tun, das kann im Moment der Vernichtung nur ein wesentlicher Neubeginn sein mit dem was wir vorfinden, nämlich mit den Fragmenten unserer von den Progressisten zerstörten Traditionen, deren Kohärenz wieder hergestellt werden muss – nicht als biedermeierliche Reconquista, sondern als Humus: So haben neue Kulturen begonnen. Ich möchte diesen Neubeginnt nicht den linken Liquidatoren überlassen.
Ein anderes Problem ist die „intellektuelle Redlichkeit“, um hier nochmal einen Ausdruck Nietzsches zu nehmen. Das Einhauen auf Nietzsche, wenn einen seine Meinung gerade mal nicht passt, ist symptomatisch für das, was ich das „Linke im Rechten“ nenne: Hatte Erik Lehnert in der Sezession noch darauf hingewiesen, dass die Generation des Fronterlebnisses (E. Jünger, G. Benn etc.) sich Nietzsche als Leitstern ausgesucht hat, ist es nicht verwunderlich, dass er jetzt auch bei den Rechten immer öfter in Ungnade fällt, ja fallen muss, da man sich ins pazifistische Fahrwasser des Mainstreams begibt, dort ein bisschen herumdoktern möchte und sich radikales Denken verbietet. Besonders unangenehm fällt mir die mangelnde Diskriminationsfähigkeit zwischen persönlichem Leid eines Autors und der Wahrheit seiner Gedanken auf. In diesem Fall muss man sagen, war Nietzsche nun einmal der erste, dem es in dieser Radikalität aufgefallen ist, das unsere Kultur dem Ende zugeht und gleichzeitig den tiefsten Grund dafür erkannt hat. Evola ging noch weiter, aber das ist eine andere Geschichte.

hagustaldaz
6. Juni 2018 13:49

@ Mauerblümchen

Da hat wohl mit der technischen Übertragung des Zitats was nicht geklappt. Also nochmal.

Alain de Benoist, Heide sein, S. 30f: "... man braucht nicht an Jupiter oder Wotan zu "glauben" - was jedenfalls nicht törichter ist, als an Jahwe zu glauben -, um Heide zu sein. Heutzutage besteht das Heidentum nicht darin, Apoll Altäre zu errichten oder den Odin-Kult wiederzuerwecken. Es schließt vielmehr in sich, daß man, hinter der Religion und gemäß einer nunmehr klassischen Erkenntnisweise, das "geistige Werkzeug" aufdeckt, dessen Erzeugnis sie ist, auf welche Innenwelt sie verweist, welche Welterfassung sie verrät. Kurzum, es schließt die Betrachtung der Götter in sich als "Wertzentren" (H. Richard Niebuhr) und die "Glauben", die ihnen zuteil werden, als Wertsysteme: Götter und Glauben sind vergänglich, die Werte aber bleiben. Das Heidentum zeichnet sich bei weitem nicht durch eine Ablehnung des Geistigen oder eine Verwerfung des Heiligen, sondern vielmehr durch die Wahl (und die Wiederaneignung) einer anderen Geistigkeit, einer anderen Form des Heiligen aus. Weit davon entfernt, mit dem Atheismus oder mit dem Agnostizismus ineinander zu verschwimmen, schafft es zwischen Mensch und Welt ein grundsätzlich religiöses Verhältnis (...). Weit davon entfernt, die Welt zu entheiligen, heiligt es sie im eigentlichen Sinne: es hält sie für heilig - und gerade hierin erweist es sich als heidnisch."

A. Kovacs
6. Juni 2018 17:25

@hagustaldaz
"Hoffentlich geraten @Mauerblümchen und @A. Kovacs niemals in eine Lage, in der sie beweisen müssen, daß sie bereit sind, für ihren christlichen Glauben zu sterben."
Obwohl ich hier nie davon gesprochen habe, für meinen christlichen Glauben zu sterben bereit zu sein, stimme ich zu, dass ich nie in diese Lage kommen möchte, aber hoffe, in der Lage, so sie denn kommt, nicht zu versagen. Wovon aber die Rede war, um an das eigentliche Thema zu erinnern, ist "tätiger Widerstand gegen das Böse", und da geht es darum, überhaupt ein breiteres Bewusstsein zu wecken dafür, dass es etwas zu verteidigen gibt. Diese "etwas", was soll das sein? Die Uneinigkeit, die sich an dieser Stelle bei Rechtsintellektuellen zeigt, ist erschreckend. Die Wirkung des sog. "Wissensstands unserer Zeit" (@Fritz), also der nihilistischen und relativistischen Propaganda, ist verheerend. Aber gut: Ich hoffe, mit der Herausgabe des Iljin-Buchs wenigstens eine Alternative zur Verfügung gestellt zu haben, die zu verschweigen bedeutet, einen Fehler zu machen.

Durendal
6. Juni 2018 18:45

Die geistigen Wurzeln der neuheidnischen Rechten liegen offensichtlich im Materialismus des 18. oder 19. Jahrhunderts. Ich würde die neuheidnische Rechte ideengeschichtlich daher als einen Zweig des Liberalismus klassifizieren, mit dem es die materialistische, von den geistigen Wurzeln der europäischen Tradition vollständig abgeschnittene Weltsicht teilt.
Alain de Benoist würde ich gerne fragen, was die Quelle der von ihm angenommenen absoluten Werte und der Heiligkeit der Welt sein soll, wenn er die Annahme der Existenz Gottes gleichzeitig ablehnt.
Metaphysische Absolutheiten kann es nur geben, wenn es eine metaphysische Hierarchie in der Ordnung der Dinge gibt, die unabhängig von den materiellen Abläufen der Natur oder den Ansichten des Menschen ist.
Wenn es aber eine metaphysische Hierarchie gibt, dann muss es auch eine Spitze dieser Hierarchie und somit auch einen Gott geben. Was Alain de Benoist über absolute Dinge behauptet, kann also nur unter der Bedingung wahr sein, dass Gott existiert.

hagustaldaz
6. Juni 2018 22:12

@ Durendal

Sie sollten nicht auf Benoists Text Begriffe anwenden, die ihm nicht entsprechen, um dann zu beklagen, daß er ihnen nicht entspricht.

Abgelehnt wird nur die reale Existenz personaler, anthropomorpher Götter, zu denen auch Jahwe gehört, der laut Genesis durch den Garten Eden spaziert und nach Adam ruft. Solche Götter können nur Allegorien sein.

Keineswegs redet Benoist dem "Materialismus" das Wort. Auf den Seiten 235f schreibt er: "Die Natur ist in der Tat nur eine Erscheinungsweise der Welt; sie ist nicht mit der Welt identisch. (...) Von da an kann man jenen Standpunkt Julius Evolas vertreten, wonach "das, was die vorchristliche Welt, zumindest in deren höheren Formen, kennzeichnet, nichts mit einer abergläubischen Vergöttlichung der Natur zu tun hat; es handelt sich eher um eine symbolische Begreifung derselben, durch welche jede Erscheinung und jede äußere Handlung als die wahrnehmbare Äußerung einer Welt jenseits des Wahrnehmbaren aufgefaßt werden kann." (Julius Evola, Le malentendu du "nouveau paganisme")"

Mauerbluemchen
6. Juni 2018 22:27

Eigentlich habe ich gehofft, nicht so direkt werden zu müssen

Was meinen Sie, verehrter hagustaldaz, was in der nächsten Zeit alles auf diesen völlig verrotteten Kontinent geschehen wird? Wie zu lesen ist, will neben den Chinesen auch die EUdSSR ihren Ölhandel mit dem Iran dollarfrei abwickeln (Indien hat ähnliche Pläne angekündigt). Wenn man dann bedenkt, daß wegen der alleinseligmachenden Währung schon zwei WK inszeniert, ausgelöst und durchgeführt worden sind, kann man durchaus nachdenklich werden.

Zum Heldentum werden wir alle mit einiger Wahrscheinlichkeit bald Gelegenheit in Überfülle haben.

Persönlich sind mir die jeweiligen Glaubensbekenntnisse egal; wenn Ahura Mazda, die Spindel der Ananke oder Schopenhauer ausreichen sollte, um einem Menschen zu dem zu bewegen, was die Russen mit подвиг meinen, dann mag das auf Erden genug sein. Angesichts des großen Rechenschaftsberichtes, der mit dem Abmarsch aus diesem Leben fällig wird, wahrscheinlich doch nicht.

Auch darüber sollte man sich noch rechtzeitig Gedanken machen (Gewiß ist es richtig, daß man sich nicht zum Glauben zwingen kann - das verlangt ja auch kein gescheiter Mensch - aber man könnte ja wenigstens etwas guten Willen zeigen, indem man von dem typisch westlichen Selbsthaß in rebus sacris Abstand nimmt und auch von der reflexhaften eisige Verachtung dem eigenen christlichen Erbe gegenüber abläßt).

Gustav Grambauer
6. Juni 2018 23:06

Sehe mich gedrängt, in Bezug auf den schwebenden und nun von A. Kovacs ausgesprochenen Vorwurf der Uneinigkeit der Rechtsintellektuellen in Sachen Wehrhaftigkeit das dahingehende Mißverständnis, den dahingehenden Phantom-Konflikt, aufzulösen soweit ich es kann, obwohl es eigentlich nicht meine Aufgabe ist, bin schließlich kein Philosoph. Lege noch Wert darauf, daß Nietzsche ("Gelobt sei, was hart macht!") seinerseits einen Gegenpol, wenn auch ganz anderer Art, zur Permissivität Tolstois repräsentiert und somit gar nicht unter die Kritik des hochgeschätzten Iljin, um den es ja hier eigentlich geht, gefallen sein dürfte. Leider zeihen hier manche gern nach der Formel "wer liberal ist bestimme ich" jeden, der ihnen nicht in ihr persönliches ideologisches Raster paßt, mit der Zuschreibung "liberal", auch weil sie sich sicher sein können, dafür auf eben das Stichwort hin ausgiebig pawlowmäßig beklatscht zu werden. Nietzsche war aber, - solche Plattheiten tun meinem Intellekt weh -, kein Liberaler, so wie er überhaupt in keine dieser, in dem Fall muß man sagen, Kleinkaro-Schablonen paßt. (Er war nebenbei bemerkt auch gerade nicht derjenige, der, wie von A. Kovacs mit einem ziemlichen Balken im Auge behauptet, Propaganda betrieben hat.) Fazit: auch Nietzsche hätte, mit den ihm typischen Abstrichen, Iljin sehr geschätzt - die waren sich viel näher als es hier suggeriert werden soll, Männer eben.

Kann noch vor dem Hintergrund meiner eigenen Biographie sagen, daß die Auseinandersetzung mit dem Bösen aus deren und dessen Natur heraus ihre Phasen hatte. Auch wenn es für manchen überheblich klingt bzw. auch wenn mich dadurch mancher jetzt mit Frau Käßmann auf einundderselben Reifestufe sieht: nach 35 Jahren dieser Auseinandersetzung hat sich bei mir eine gewisser Durchdringungs-, Synthese- und Abschlußeffekt eingestellt. Kenne so manchen, dem es ebenso geht und wir würden uns womögliche Versuche zur Entwertung dieses Effekts in spiritueller Hinsicht verbitten, ebenso uns dabei Feigheit, Trägheit, Faulheit, Verweichlichung, Appeaser-Mentalität u. ä. zu unterstellen.

- G. G.

Franz Bettinger
6. Juni 2018 23:09

@Nath: Sie haben wunderbar geantwortet!
@Walter: Und im Garten Getsemani hat Jesus seinen Gott-Vater angefleht: "Lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen." Pustekuchen, Gott kannte kein Erbarmen. Was für ein Vater! Wer wünscht sich so einen? Das AT und NT sind voll dieser abstoßenden Geschichten. Wer hat sich so etwas ausgedacht? Was sollen wir daraus lernen? Das wir nichts verstehen (können)? Dass blinder Gehorsam verlangt wird? Gott, nicht mit mir!(...)

Franz Bettinger
7. Juni 2018 09:18

Ach, ihr Sinn-Sucher!
Ihr glaubt nicht nur, es müsse einen Sinn für euer Dasein geben, nein, ihr nehmt auch automatisch an, dieser Sinn müsse darüber hinaus ein für den Menschen annehmbarer, positiver, beglückender sein. Kommt euch nie in den Sinn, dass der Sinn eures Lebens das Sklaventum oder auch die Nahrung eines höheren Tieres zu sein sein könnte? Wie gnädig, dass Frühstückseier, Legehennen und Truthähne den Sinn ihres Lebens nicht erkennen.

Im übrigen glaube ich, dass glückliche Menschen kaum nach (noch mehr) Sinn suchen. Die Sinn-Suche scheint etwas für Verzweifelte, Hadernde zu sein oder für Leute wie Kant, die aus ihren vier Wänden nicht herauskommen.

Tut mir übrigens leid, dass manche, die da unter der blauen Kuppel von SiN herumturnen, das angeblich ehemals hohe Niveau auf SiN und meinen Respekt vor den geschulten und lang gedienten großen Gehirnen vermissen, aber Sie irren sich. Wenn meine Sprache auch gelegentlich flapsig daher kommt, mein Herz ist voller Pathos. In unseligen Zeiten wie diesen bitte ich um etwas Verständnis für Abschweifungen. Down to earth, nur so ertrage ich das alles. Ich weiß, ich bin manchmal ein bisschen frech. Es ist nie persönlich gemeint.

Durendal
7. Juni 2018 09:36

@Franz Bettinger
Die Texte der Bibel, in denen es vor allem um Dienst und Opfer geht, müssen in einer von Egoismus und Materialismus geprägten Welt natürlich besonders anstößig und irrational wirken.
Es wird in der Bibel aber überall betont, dass der Gehorsam gegenüber Gott nur freiwillig geleistet werden kann. Auch Jesus wird an der Stelle, die sie beschreiben, nicht gezwungen, sondern nimmt den ihm erteilten schweren Auftrag freiwillig an.
Das Christentum stellt die Freiheit des einzelnen, sich für oder gegen den Glauben an Gott und ein Leben im Dienst am Nächsten entscheiden zu können, also nicht in Frage, sondern bekräftigt sie ausdrücklich. Diese Freiheit ist eine Tatsache, die man zwar leugnen, aber nicht abschaffen könnte.

hagustaldaz
7. Juni 2018 10:16

@ Mauerblümchen

Die Drohung mit dem Jüngsten Gericht verfängt nur bei denen, die ohnehin schon daran glauben. Falls es Sie tröstet, daß ich angeblich in der Hölle braten werde, sei Ihnen das gegönnt.

Der Vorwurf des Selbsthasses ist allerdings vollends lächerlich. Zur Veranschaulichung: Falls der Islam hierzulande die Oberhand gewinnt, werden tausend Jahre später diejenigen vielleicht noch vorhandenen ethnischen Deutschen, die Kritik an dieser Religion zu üben wagen, unter anderem mit dem Vorwurf konfrontiert werden, das "eigene islamische Erbe" zu verachten.

Cacatum non est pictum
7. Juni 2018 15:06

@hagustaldaz

"Die Drohung mit dem Jüngsten Gericht verfängt nur bei denen, die ohnehin schon daran glauben ..."

Manch einer soll auf dem Sterbebett nachdenklich geworden sein, der eine oder andere sogar in panischer Art und Weise.

hagustaldaz
7. Juni 2018 17:13

@ Cacatum

Panische Nachdenklichkeit, was ist das denn?

Cacatum non est pictum
7. Juni 2018 21:05

@hagustaldaz

"Panische Nachdenklichkeit, was ist das denn?"

Nett vom Einwand abgelenkt. Aber Sie wissen ja, was ich meine. Mögen Sie, wenn es soweit ist, weder von Nachdenklichkeit noch von Panik erfaßt werden.

A. Kovacs
8. Juni 2018 06:56

Herr Kubitscheks „vor Hoffnung triefender“ neuer Artikel lässt mich nochmals die verehrten Leser/-innen bitten, die von Iljin im „Widerstandsbuch“ gegebene Handreiche zur Verbindung von Theorie und Praxis anzunehmen (und dazu am besten das Buch zu lesen). Nichts gegen Theorie, doch wenn sie zur (Selbst-)Zerfleischung führt – Neuheiden vs. Christen etc., deutsche vs. russische vs. französische Gewährsautoren, usw. usf. –, führt sie auch zur „Blässe des Gedankens“. Da legt man sich viel zu viele Hemmnisse in den Weg. Iljin argumentiert da viel konkreter, näher an der Praxis. In diesem Sinne alles Gute und Dank für die regen Beiträge!

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