Douglas Murray: Der Selbstmord Europas – eine Rezension

von Felix Dirsch -- Zum Thema Migration, Islam und der damit verbundenen Veränderung der eigenen Identität gibt es viele Bücher.

 Gastbeitrag

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Da ist es schwie­rig, noch viel sub­stan­ti­ell Neu­es bezüg­lich der gro­ßen Lini­en die­ser Ent­wick­lung zu brin­gen. Mur­rays Stu­die, des­sen eng­li­sches Ori­gi­nal gro­ße Reso­nanz gefun­den hat, kann ihren jour­na­lis­ti­schen Hin­ter­grund kaum ver­ber­gen. Die Über­set­zung mutet an eini­gen Stel­len holp­rig an, daher ist es bes­ser, das eng­li­sche Ori­gi­nal heranzuziehen.

Den­noch ist erfreu­lich, daß ein wei­te­res Buch klar ver­ständ­lich und unge­schminkt die Fak­ten refe­riert und wer­tet. Mur­ray, Mit­her­aus­ge­ber des Spec­ta­tor, nimmt meh­re­re Län­der Euro­pas in den Blick und kann zei­gen, inwie­fern grund­sätz­li­che Über­ein­stim­mun­gen in punc­to Ver­harm­lo­sung und Inkauf­nah­me der Mas­sen­in­va­si­on und aller Fol­gen besteht – jeden­falls betrifft dies einen Groß­teil der domi­nan­ten Eli­ten in Poli­tik und Medien.

Mur­ray zeigt grund­le­gen­de Ten­den­zen, die als not­wen­di­ge, wenn­gleich nicht hin­rei­chen­de Vor­aus­set­zung der Mas­sen­ein­wan­de­rung fun­gie­ren: Der demo­gra­phi­sche Abschwung zählt eben­so dazu wie der wohl­stands­be­ding­te Indi­vi­dua­lis­mus, in des­sen Gefol­ge sich schon seit Jahr­zehn­ten ein uni­ver­sa­ler Huma­ni­ta­ris­mus und Belie­big­keits­li­be­ra­lis­mus aus­brei­tet. Basa­le natio­na­le wie reli­giö­se Tra­di­tio­nen ver­lie­ren an Bedeu­tung. Der bri­ti­sche Jour­na­list spart auch hei­ße Eisen wie den »gro­ßen Aus­tausch« oder die meist tabui­sier­te »Tyran­nei der Schuld« nicht aus.

Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist das Kapi­tel 16. Mur­ray ver­sucht eine knap­pe, aber ein­leuch­ten­de Kul­tur­kri­tik am »fla­chen« Leben West­eu­ro­pas. Bei­spiel­haft nennt er exzel­len­te Künst­ler wie Anselm Kie­fer und Ger­hard Rich­ter, aber auch Lite­ra­ten wie Max Frisch oder Michel Hou­el­le­becq. Letz­te­rer beschreibt in sei­nem Roman Unter­wer­fung den all­ge­mei­nen Geis­tes­zu­stand Euro­pas Mur­ray zufol­ge unnachahmlich.

Der Autor kommt zu einem skep­ti­schen Fazit. Trotz der Gewalt­ta­ten in ver­schie­de­nen euro­päi­schen Staa­ten betrach­tet er es als unwahr­schein­lich, daß Euro­pa nun­mehr sei­ne eige­nen Inter­es­sen mit Ver­ve ver­tei­digt. In der Tat gibt es für einen sol­chen Wan­del kei­ner­lei Hin­wei­se. Wenn sich die von Mur­ray vor­her­ge­sag­ten Sze­na­ri­en bestä­ti­gen, bleibt nur noch die Aus­wan­de­rung nach Ost­eu­ro­pa, wo es noch eif­ri­ge Strei­ter wider die Isla­mi­sie­rung gibt. Immer­hin ist es eine Ermu­ti­gung, daß nicht alle Tei­le unse­res Kon­ti­nents Lust am Sui­zid verspüren.

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Dou­glas Mur­rays Der Selbst­mord Euro­pas kann man hier bestel­len.

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Kommentare (3)

Gelddrucker

6. Juni 2018 21:14

Keinerlei Hinweise für einen Wandel?

Das sehe ich anders. Patriotische Bewegungen, Parteien, Facebookseiten etc. haben Zulauf.

Die Leute sind sich mittlerweile der Islamisierung bewusst. Was noch nicht in den Köpfen angekommen ist: Das eigentlich Problem, der Austausch der Bevölkerung. Da hilft nur trommeln, trommeln, trommeln. Auch über die "Umwege": Kriminalität, Islamisierung, Bildungsniveau etc.

Seemann

6. Juni 2018 22:30

Der österreichische Islamkritiker Michael Ley gibt Westeuropa verloren. Ich fürchte, dass er damit richtig liegt. Ob Osteuropa auf Dauer den Medien und der EU standhalten kann ist fraglich, denn ich sehe niemand, der hier entscheidend entgegenwirken könnte. Das was wir mit unseren bescheidenen Mitteln tun können, wird eh gemacht.

Valjean72

7. Juni 2018 11:03

@Seemann: "Michael Ley gibt Westeuropa verloren. Ich fürchte, dass er damit richtig liegt. Ob Osteuropa auf Dauer den Medien und der EU standhalten kann ist fraglich, ..."
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Zwischen West- und Osteuropa liegt ja noch das vergessene Mitteleuropa.

Das ländlich geprägte Bayern abseits der Groß- u. Mittelstädte, sowie Sachsen, Thüringen usw. sind noch längst nicht abzuschreiben.

Zumal ich durchaus auf verschiedenen Feldern ein Anwachsen traditionsinteressierter, patriotischer Strömungen wahrnehme und dieses Wiederbesinnen steht erst am Anfang.

Daher ist die Gegenseite mE auch versucht faktische Tatsachen zu schaffen und die Migrations-Schleusen weiterhin geöffnet zu halten.

So oder so, ich bin überzeugt dass dieser Prozess umkehrbar ist, wenn sich nur der Handlungswille hierzu manifestiert.

Dies kann geschehen, muss freilich auch innerhalb einer Frist von ein paar Jahren (max. 10?) geschehen, wenn das Ruder noch rumgerissen werden soll.

Ansonsten bleibt das Szenario eines vorübergehenden Rückzugs in die ländlichen Gebiete, vorzugsweise in der östlichen Hälfte der BRD.

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