Sezession
6. Juni 2018

Douglas Murray: Der Selbstmord Europas – eine Rezension

Gastbeitrag / 3 Kommentare

von Felix Dirsch -- Zum Thema Migration, Islam und der damit verbundenen Veränderung der eigenen Identität gibt es viele Bücher.

Da ist es schwierig, noch viel substantiell Neues bezüglich der großen Linien dieser Entwicklung zu bringen. Murrays Studie, dessen englisches Original große Resonanz gefunden hat, kann ihren journalistischen Hintergrund kaum verbergen. Die Übersetzung mutet an einigen Stellen holprig an, daher ist es besser, das englische Original heranzuziehen.

Dennoch ist erfreulich, daß ein weiteres Buch klar verständlich und ungeschminkt die Fakten referiert und wertet. Murray, Mitherausgeber des Spectator, nimmt mehrere Länder Europas in den Blick und kann zeigen, inwiefern grundsätzliche Übereinstimmungen in puncto Verharmlosung und Inkaufnahme der Masseninvasion und aller Folgen besteht – jedenfalls betrifft dies einen Großteil der dominanten Eliten in Politik und Medien.

Murray zeigt grundlegende Tendenzen, die als notwendige, wenngleich nicht hinreichende Voraussetzung der Masseneinwanderung fungieren: Der demographische Abschwung zählt ebenso dazu wie der wohlstandsbedingte Individualismus, in dessen Gefolge sich schon seit Jahrzehnten ein universaler Humanitarismus und Beliebigkeitsliberalismus ausbreitet. Basale nationale wie religiöse Traditionen verlieren an Bedeutung. Der britische Journalist spart auch heiße Eisen wie den »großen Austausch« oder die meist tabuisierte »Tyrannei der Schuld« nicht aus.

Besonders hervorzuheben ist das Kapitel 16. Murray versucht eine knappe, aber einleuchtende Kulturkritik am »flachen« Leben Westeuropas. Beispielhaft nennt er exzellente Künstler wie Anselm Kiefer und Gerhard Richter, aber auch Literaten wie Max Frisch oder Michel Houellebecq. Letzterer beschreibt in seinem Roman Unterwerfung den allgemeinen Geisteszustand Europas Murray zufolge unnachahmlich.

Der Autor kommt zu einem skeptischen Fazit. Trotz der Gewalttaten in verschiedenen europäischen Staaten betrachtet er es als unwahrscheinlich, daß Europa nunmehr seine eigenen Interessen mit Verve verteidigt. In der Tat gibt es für einen solchen Wandel keinerlei Hinweise. Wenn sich die von Murray vorhergesagten Szenarien bestätigen, bleibt nur noch die Auswanderung nach Osteuropa, wo es noch eifrige Streiter wider die Islamisierung gibt. Immerhin ist es eine Ermutigung, daß nicht alle Teile unseres Kontinents Lust am Suizid verspüren.

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Douglas Murrays Der Selbstmord Europas kann man hier bestellen.


 Gastbeitrag

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Kommentare (3)

Gelddrucker
6. Juni 2018 21:14

Keinerlei Hinweise für einen Wandel?

Das sehe ich anders. Patriotische Bewegungen, Parteien, Facebookseiten etc. haben Zulauf.

Die Leute sind sich mittlerweile der Islamisierung bewusst. Was noch nicht in den Köpfen angekommen ist: Das eigentlich Problem, der Austausch der Bevölkerung. Da hilft nur trommeln, trommeln, trommeln. Auch über die "Umwege": Kriminalität, Islamisierung, Bildungsniveau etc.

Seemann
6. Juni 2018 22:30

Der österreichische Islamkritiker Michael Ley gibt Westeuropa verloren. Ich fürchte, dass er damit richtig liegt. Ob Osteuropa auf Dauer den Medien und der EU standhalten kann ist fraglich, denn ich sehe niemand, der hier entscheidend entgegenwirken könnte. Das was wir mit unseren bescheidenen Mitteln tun können, wird eh gemacht.

Valjean72
7. Juni 2018 11:03

@Seemann: "Michael Ley gibt Westeuropa verloren. Ich fürchte, dass er damit richtig liegt. Ob Osteuropa auf Dauer den Medien und der EU standhalten kann ist fraglich, ..."
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Zwischen West- und Osteuropa liegt ja noch das vergessene Mitteleuropa.

Das ländlich geprägte Bayern abseits der Groß- u. Mittelstädte, sowie Sachsen, Thüringen usw. sind noch längst nicht abzuschreiben.

Zumal ich durchaus auf verschiedenen Feldern ein Anwachsen traditionsinteressierter, patriotischer Strömungen wahrnehme und dieses Wiederbesinnen steht erst am Anfang.

Daher ist die Gegenseite mE auch versucht faktische Tatsachen zu schaffen und die Migrations-Schleusen weiterhin geöffnet zu halten.

So oder so, ich bin überzeugt dass dieser Prozess umkehrbar ist, wenn sich nur der Handlungswille hierzu manifestiert.

Dies kann geschehen, muss freilich auch innerhalb einer Frist von ein paar Jahren (max. 10?) geschehen, wenn das Ruder noch rumgerissen werden soll.

Ansonsten bleibt das Szenario eines vorübergehenden Rückzugs in die ländlichen Gebiete, vorzugsweise in der östlichen Hälfte der BRD.

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