Sezession
12. Juni 2018

Hans-Helmuth Knütter: Die Faschismuskeule.

Gastbeitrag / 9 Kommentare

Gastautor Josef Schüßlburner rezensierte für uns Hans-Helmuth Knütters "Die Faschismuskeule":

Jüngst hat es die SPD als »Sauerei« bezeichnet, daß die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag in einem Beschluß die »Linke« mit der AfD gleichgestellt habe. Es müßte in der Tat Empörung auslösen, daß da die stärkste vom Volk gewählte Bundestagsopposition mit einer ehemaligen Diktaturpartei gleichgestellt wird. So ist aber die SPD-Kritik nicht gemeint, vielmehr setzen sich die Genossen, ohne auf Empörung zu stoßen, in alter antifaschistischer Verbundenheit für die sozialistische Bruderpartei ein. Der Beschluß der CDU, der nur als antiparlamentarisch kritisiert werden kann, nämlich im Bundestag nicht mit den gewählten Abgeordneten der AfD (wie auch nicht mit der Ex-SED) zusammenzuarbeiten, verhindert eine auf eine im weitesten Sinne rechte parlamentarische Mehrheit (Union, FDPund AfD) gestützte Regierungsbildung.

Dies ist letztlich eine aktuelle Konsequenz der Wirksamkeit der »Faschismuskeule«. Dieses »Herrschaftsinstrument der Linken« hat somit eine weitreichende Wirkung, die mittels der Instrumentarien des Parteienstaates gegen die Mechanismen der parlamentarischen Demokratie gerichtet sind. Dieser aktuelle CDU/CSU-Beschluß konnte im hier besprochenen Buch noch nicht angeführt werden; doch liefert die überarbeitete Neuauflage der Faschismuskeule, die mit einer Einleitung von Erik Lehnert versehen ist und durch eine kommentierte Bibliographie des Verfassers ergänzt ist, das analytische Rüstzeug, um derartige CDU-Beschlüsse, die diese Partei zu Linksbündnissen führen, richtig einordnen zu können.

Die Faschismuskeule, die in der ursprünglichen Buchauflage von 1994 letztlich unter dem Eindruck des DDR-Untergangs noch als das »letzte Aufgebot der deutschen Linken« angesprochen ist, hat sich mittlerweile zum maßgeblichen Herrschaftsinstrument in der Bundesrepublik etabliert, wie durch die Änderung des Buch-untertitels angemessen zum Ausdruck gebracht wird. Kern dieser Faschismuskeule ist die Diskreditierung alternativer nichtlinker Konzepte als »faschistisch«, was dann dazu führt, daß sich eine Union von der Linken politische Vorgaben machen läßt.

Die Tatsache, daß sich damit eine CDU wie schon zu Zeiten der Linksdiktatur »DDR«, zumindest ideologiepolitisch, wieder zu einer Art Blockpartei transformiert, zeigt die Effektivität dieses linken Herrschaftsinstruments. Dieser Antifaschismus, der dabei durchgesetzt wird, zeitigt zunehmende Unfreiheit, wachsende Bevormundung, die sich zugunsten linker Anliegen in der zur Verbotsdemokratie mutierten BRD gegen rechts richtet, wobei »rechts« alles ist, was nicht links ist oder sich zumindest nicht der linken Ideologie unterordnet (was zunehmend Charakteristikum der Mitte wird).

Das Instrument des Antifaschismus besteht dabei insbesondere unter dem Schlagwort »Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen« in der Kriminalisierung immer weiterer Meinungen, Gewohnheiten und Verhaltensweisen. Zu Recht warnt der Verfasser davor, gegen den Antifaschismus auf die Hoffnung zu setzen, daß alles einmal vorübergeht. Dafür ist die Faschismuskeule ein zu wirksames Herrschaftsinstrument, das nicht freiwillig aus der Hand gelegt wird. Vielmehr ist aktiver Widerstand gegen diesen Antifaschismus angezeigt.

Ansatzpunkt hierfür ist die Entlarvung des Antifaschismus als Pseudomoral und als diktaturaffin: Der Antifaschismus stellte ja in der Tat die wesentliche Legitimationsgrundlage des SED-Regimes dar. Diese Diktatur schützte sich vor dem Volk durch den »antifaschistischen Schutzwall«. Mit dieser architektonischen Meisterleistung linker Staatskunst, auf die aber immer wieder aufmerksam gemacht werden müßte, sollte sich in der Tat der Antifaschismus bereits hinreichend diskreditiert haben. Diese Legitimationsgrundlage einer Diktatur hat in einer parlamentarischen Demokratie nichts verloren. Knütters Faschismuskeule bietet gute Argumente, die Keulenschläge abzuweisen.

-- -- --

Hans-Helmuth Knütters Die Faschismuskeule. Herrschaftsinstrument der Linken, (= Berliner Schriften zur Ideologienkunde, Band 6, hrsg. vom Institut für Staatspolitik), Schnellroda 2018. 233 S., 15€ kann man hier bestellen.


 Gastbeitrag

  • Sezession

Kommentare (9)

Andreas Walter
12. Juni 2018 22:06

Faschismuskeule? Die ziehe ich den Marxisten über den Schädel und verteidige damit mein Existenzrecht.

Einfach selbst in die Hand nehmen, dann wird sie zu Thors Hammer oder zur Keule des Herakles. So einfach ist das, mit meinem Recht auf Selbstverteidigung, und alles andere nur linkes, die Wahrheit verschleierndes Geschwätz. So wie auch Katyn und noch andere Sachen.

Folgendes ist darum die Antifa. Macht euch da nichts vor:

https://www.youtube.com/watch?v=N1aFsh5WLII

Gustav Grambauer
13. Juni 2018 00:37

Bin von 1990 bis etwa 2005, also bis sich glücklicherweise die ersten Ausbrüche aus dem 80er-Jahre-Mief der rechten Szene geltend machten, als Rechter heimatlos umhergeirrt. Habe damals mit zwei, drei Freunden teilweise mit Anreisen über 800 Kilometer unzählige Veranstaltungen in allen rechten Milieus von rechtsextremen bis rechtsliberal besucht, von NPD-Volksfesten über Vlotho über die Artgemeinschaft bis zu Schill und Hayek-Gesellschaft. Uns sind dabei im Hinblick auf die Haltung zum Kommunismus im Wesentlichen zwei Gruppen aufgefallen: die einen, die wir noch sehr gut verstehen konnten, hatten unter der DDR gelitten und haben voller Rachsucht ihren ganzen jahrzehntelang unterdrückten Haß ins Mikrofon geschrien. Die anderen kamen aus dem Westen, sind vor Selbstgefälligkeit als Besserwessis fast geplatzt und haben über die Verhältnisse im Osten befremded-befremdend doziert wie über ein Zoogehege. Das waren auch diejenigen, denen viel mehr als den ersteren die Nennung der drei Buchstaben "SED" den Schrecken in die Knochen und die Schweißperlen auf die Stirn trieb, wozu hatte man die BILD-Zeitung oder die PAZ abonniert. Es war damals unter dieser Käseglocke üblich, die PDS als die "ehemalige SED" zu bezeichnen, was für mich kein Ausdruck eines besonders hohen analytischen Anspruchsniveaus war und ist. Der Anspruch dabei mochte dem eines Peter Hintze entsprechen, der übrigens bis zu seinem Ende nicht begriffen hat, daß er mit seinem Vergangenheitsdeutungsvormund-Habitus nur unfreiwillig das Profil der PDS schärft. Aber was mir am meisten wehgetan hat und heute noch wehtut: in ihrer Dummheit und Borniertheit haben die damaligen Rechten Hunderttausende wenn nicht Millionen ihrer eigenen potentiellen Wähler, darunter so manche aus der Ex-SED, dem Altparteienkartell und vor allem der PDS in die Arme getrieben! Leute, begreift es: wenn die damalige Rechten nicht in dieser Mischung aus Sozialkunde-Proseminaristen, Bonner-Alleinvertretungsanspruchs-Onkels, Befreier-der-armen-Schwester-und-Brüder und letztlich Oberbesserbescheidwisser in Sachen Kommunismus aufgetreten wären, dann hätten wir damals ganz andere Verhältnisse im Bundestag gehabt, mit entsprechenden Folgen z. B. für 2015. Ich spreche das Ungeheuerliche aus: die damalige Fehleinschätzung, sich vom Rhein oder von sonstwo im Westen her als Befreier zu sehen, auf den die Ossis flehentlich gewartet hätten, war eine Katastrophe, das galt auch und gerade für die damalige rechte Szene! Ich zitiere Thorsten Hinz, der eigentlich zu einem ganz anderen Thema schreibt, aber dessen Einleitung hier so gut paßt, besten Dank nochmals Cocatum non est pictum:

"Die Verhältnisse waren klar: Die DDR war ein gescheiterter, die Bundesrepublik ein erfolgreicher Staat. Die DDR war die Abweichung, die Bundesrepublik der historische Normalfall. So erschien es nur natürlich, daß neben ihren Institutionen auch ihre Sprachregelungen und Diskurse auf das Gebiet der DDR ausgedehnt wurden.
Jürgen Habermas sprach 1990 der Mehrheit der Westdeutschen aus dem Herzen, als er den Sturz der kommunistischen Regime in Osteuropa als eine lediglich 'nachholende Revolution' interpretierte, die 'kein neues Licht auf unsere alten Probleme' werfe. Es handele sich um 'ein Ausgreifen der Moderne (...). Der Geist des Okzidents holt den Osten ein, nicht nur mit der technischen Zivilisation, sondern auch mit seiner demokratischen Tradition.' Die DDR-Bürger hatten den Modernisierungsrückstand aufzuholen, zum Bewußtseinsstand der Bundesdeutschen aufzuschließen und engagiert an der 'radikalreformistischen Selbstkritik einer kapitalistischen Gesellschaft' teilzunehmen. ... Doch nun bricht entlang der alten Demarkationslinie zwischen Ost und West ein politischer Konflikt auf ... "

https://cato-magazin.de/der-lange-weg-nach-osten-2/

Auch der "winzige" Unterschied zwischen Stalinisten und Kulturmarxisten scheint Herrn Schüßlburner bis heute unbekannt oder nicht erwähnenswert zu sein. Die Linken sind ihm da längst Lichtjahre voraus:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article167648972/Linke-Abgeordnete-erklaert-SED-zur-rechten-Partei.html

Ein paar klare Worte zu den Stalinisten: deren institutionalisierter Antifaschismus diente einem Großteil, ich würde schätzen 95 %, der Erlebnisgeneration in der DDR dazu, nachträglich noch den WK-II zu gewinnen. Die SED hat dies ganz bewußt gegen viele Widerstände ihrer eigenen alten Garde und ihrer eigenen aufmüpfigen Linksperipherie ermöglicht und gefördert, denn sie konnte keine psychologischen Kriegskrüppel und keine langen moralisierenden Schuld-Debatten brauchen, die "Werktätigen" sollten am Fließband in der Produktion fit sein. Ich will diese Lebenslüge nicht gutheißen, aber sie hat eine psychologische Immunität mit sich gebracht, die heute von hinter der Elbe her errettend für uns alle ist. Der Antifaschismus war auch bewußt so lebensfremd und alltagsenthoben ritualisiert, daß er klinisch isoliert und damit für wiederum 95 % viral unschädlich war. Ich sage es drastisch: die Genossen, teilweise sogar mir einem Vektor vom Pokitbüro her, haben ihn so zur Karikatur gemacht, daß sie ihn selbst möglichst gut abspalten konnten, und genauso, erneut die Zahl, 95 % des Volkes. (Dasselbe übrigens mit der institutionalisierten "Deutsch-Sowjetischen Freundschaft", die jede deutsch-sowjetische Freundschaft im Keim ersticken sollte usw.) Warum? Weil ihnen der Antifaschismus innerlich zuwider war. Ja, warum wurden denn in Buchenwald sogleich alle Baracken niedergerissen? Damit der Eindruck der Besucher möglichst steril und abstrakt - und damit innerlich unberührend sowie unnachdrücklich bleibt.

Hier schließt sich der Kreis: genau das ist es ja, was die Linken der SED vorwerfen.

Habe gerade eine Biographie über Brecht gelesen, mit der er für den Kulturmarxismus vereinnahmt werden soll. Nirgendwo fand ich jemals die Empörung über das mangelnde Auschwitz-Bewußtsein der DDR-Kulturpolitik so scharf akzenturiert und dessen Abwehr, z. B. an Brechts ästhetischem Antipoden Becher, der ja ebenfalls Antifaschist war, für Knopf allerdings - eben - nur nominell, so klar nachgezeichnet:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/bertolt-brecht-lebenskunst-in-finsteren-zeiten/978-3-446-24001-8/

Dieser Becher, immerhin Kulturminister der DDR, hat doch einfach nach Auschwitz munter weiter Gedichte geschrieben als wenn nichts gewesen wäre, noch dazu gräkophile Hymnen und Elegien auf den Staat und sogar auf das deutsche Volk!

- G. G.

Asenpriester
13. Juni 2018 02:48

Bei den PEGIDA-Demos waren sehr oft Transparente mit dem Zitat zu sehen:
"Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: , Nein, er wird sagen, "
Genauso verhalten sich alle linken Gruppierungen, wie z.B. ANTIFA, Gewerkschaften, SPD bis hin zu linken Christen (Judeo-Christen) und sonstige Gutmenschen, die alle nicht vor brutaler Gewalt zurückschrecken, was jeder PEGIDA-Demonstrant bezeugen kann.
Von den GEZ-Medien war da nie etwas zu hören, eher umgekehrt.

Andreas Walter
13. Juni 2018 09:03

Oder woran man merkt, dass auch manche Professoren keinen Funken Verstand besitzen? An Sätzen wie diesen:

"Die Partei [AfD] ist in einem Dilemma, weil sie beides will: Sie will die Rechtsextremen, die Neonazis, die Hooligans, die Gewaltbereiten und aber auch die bürgerlichen Kräfte."

Was für ein Blödsinn. Wie viele "die Rechtsextremen, die Neonazis, die Hooligans, die Gewaltbereiten" gibt es denn überhaupt in Deutschland? 10.000? 15.000? Doch lassen wir es von mir aus auch 20.000 oder sogar 25.000 sein. Von mir aus also so viele wie auch Antifanten, die aber auch nicht alle gewaltbereit sind.

Die AfD aber haben 5,9 Millionen Menschen 2017 gewählt. Ausgeschrieben ist das 5.900.000. Mit anderen Worten, für alle die Prozentrechnung beherrschen:

Mindestens 99,6% der AfD Wähler sind also bürgerliche Kräfte, ganz normale Bürger ohne einen besonderen Hang zu Gewalt oder Extremismus.

Wie kann also bitte so ein "Professor" dann "Experte" für Rechtsextremismus sein, wenn er nicht einmal einfachste Mathematik beherrscht. Wie ist der überhaupt Professor geworden, frage ich mich da sogar. Marxistische, akademische Seilschaften?

https://de.sputniknews.com/politik/20180612321134141-eu-rechtspopulismus-migranten-afd/

Denn ein unbeschriebenes, blütenreines Blatt ist der nicht. Er stammt nicht einmal aus einem neutralen Elternhaus:

http://www.prabelsblog.de/2016/09/die-dubiose-vergangenheit-von-hajo-funke/

Um so erstaunlicher, oder bezeichnenderweise auch nicht, wie ihn darum auch die Systempresse hofiert, ihm Sendezeit einräumt, denn Vorlesungszeit hat er ja auch schon so, an bestimmten Akademien. Bei Leuten wie dem ist klar, wovor der sich fürchtet, denn als Mitläufer kann der sich nicht mehr rausreden. Der diffamiert also womöglich sogar absichtlich.

Der_Juergen
13. Juni 2018 11:28

@Gustav Grambauer

Ihre lange Wortmeldung ist sehr nützlich. Sie als direkt Beteiligter bestätigen die Schlüsse, zu denen ich als aussenstehender Beobachter längst gekommen bin.

Dass manche PDS-Leute die SED heute als "rechte" Partei einstufen, ist eigentlich logisch. Das, was an der DDR positiv war, soll jetzt in den Schmutz gezogen werden. Es gab dort keine Scharen importierter Sozialschmarotzer, sondern nur Gastarbeiter und ausländische Studenten, die nach Ablauf ihrer Arbeitskontrakte bzw. ihres Studiums in ihre Heimat zurückkehrten. Wer von denen sich daneben benahm, flog raus. Auch wurde den Deutschen in der DDR nicht rund um die Uhr eingetrichtert, dass sie einem Verbrechervolk angehören. Die Vergangenheitsbewältigung war unbekannt; an ihre Stelle trat eine andere Form der Geschichtsfälschung, die besagte, das deutsche Volk sei das erste Opfer des "Hitlerfaschismus" gewesen und von den Sowjets befreit worden.

Wer, wie die koscheren Rechten von PI und anderswo, die PDS als Fortsetzung der SED und ihrer Politik darstellt, hat entweder nichts begriffen, oder aber er schwindelt.

Gustav Grambauer
13. Juni 2018 13:09

Der_Jürgen

Auch Ihnen besten Dank für Ihre Rückmeldung. Bin mir nicht sicher, ob Sie aus Ihrer Zeit in Rußland auch meine folgende Querbürstung der "Faschismuskeule" bestätigen werden.

Man sollte bei allem, was selbstverständlich oben zu ihr als linkes Herrschaftsintrument von Herrn Schüßlburner sehr zutreffend gesagt ist, den Blick über die verschrobenen deutschen bzw. westlichen Sondergehirnwaschprogramme hinaus nicht vergessen. Die folgende Sicht auf den Faschismus wird sich m. E. früher oder später weltweit durchsetzen:

Die Anwendung dieses Begriffs auf die Nazis mag sachlich haarsträubend sein, aber in Rußland, von wo sie ja auch herkommt, ist sie gängig - falls man es nicht so sehen will, daß der Begriff von dorther ganz neu geprägt wurde. In Rußland gibt es jedenfalls bis auf eine Handvoll als Spinner belächelte Wlassow-, Bandera- und sonstige Nostalgiker niemanden, der diesen Begriff nicht als Schimpfwort auf die Nazis anwenden würde und es gibt somit außer denen auch niemanden, der kein Antifaschist wäre.

Dabei kann man nicht sagen, daß, wiederum abgesehen von ein paar Ausnahmen am Rande, der Antifaschismus von dorther

https://www.youtube.com/watch?v=dALYqGwS0pI

in irgendeiner Weise linksdrallig wäre.

Im Gegenteil, alles was für den Russen irgendwie nach Euromaidan riecht wird von ihm als vom "liberalen-offenen-progressiven" ergo linken Westen angezettelt gesehen. Dabei wird aber kaum der Rückgriff auf die Bandera-Tradition vergessen, verkörpert nicht nur in in Jarosch-Parubij-Ljaschko sondern im Hintergrund getragen von Soros (der die Nazi-Zeit als "die beste Zeit seines Lebens" bezeichnet hat, was in Rußland jedes Kind weiß), ansererseits von Brock, dem ganz speziellen Januskopf Steinmeier, Marieluise Beck, KAS, Böll-Stiftung, Goethe-Institut, Deutsche Welle & Co. pars pro toto, für deren Genotyp es in Rußland das Wort "Gowljeterj", "Gauleiter", gibt - womit der Begriff Faschismus (oder in hiesige Sprache übersetzt: Nazis), den viele Russen, wie oben dargelegt, im Westen auf den Kopf gestellt sehen, für sie immer noch auf den Füßen steht.

- G. G.

KlausD.
13. Juni 2018 18:21

@Gustav Grambauer
"Die SED ... konnte keine psychologischen Kriegskrüppel und keine langen moralisierenden Schuld-Debatten brauchen"

Deshalb auch war Faschismus (und alles was mit den ominösen 12 Jahren zusammenhängt) spätestes in den 80-er Jahren in der DDR kein großes öffentliches Thema mehr, wurde lediglich geschichtlich abgehandelt, lag weit zurück. Aber was mußte ich letztens bei dem Polizeiruf 110 "Big Band Time" von 1991 (eine der letzten vom DFF gedrehten Folgen) feststellen? Das Hintergrundthema waren plötzlich wieder Vorgänge aus dem WK 2 (Wehrmachtsfahnder, Deserteur, KZ u.a.).
Was sagt uns das (aus heutiger Sicht)? Unverzüglich nach der Wende wurde für die neuen Bundesbürger die Faschismuskeule ausgepackt und mit der Erziehung zum Schuldkult begonnen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Polizeiruf_110:_Big_Band_Time

Valjean72
14. Juni 2018 08:32

Zu den Beiträgen von G. Grambauer und Klaus D will ich folgende Anekdote beisteuern.

Vor einigen Jahren stieß ich auf YouTube auf ein Interview aus Mitte/Ende Neunziger Jahre, welches ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender mit Aljoscha Rompe (dem im Jahr 2000 verstorbenen Sänger der ehemaligen DDR-Punkband Feeling B, aus welcher später Rammstein hervorgingen) führte.

Der Reporter war ein Wessi und man sprach über das gespannte Ossi-Wessi-Verhältnis.

Folgende Aussage Rompes ließ mich aufhorchen: „Nicht wir haben uns verändert, ihr habt euch verändert!“

Überspitzt formuliert, verstand ich es folgendermaßen: Ihr seid amerikanisch geworden, wir sind deutsch geblieben. Ein krasser Widerspruch zur offiziellen Lesart, nach welcher 40 Jahre DDR-Diktatur die Ossis von den Alt-BRD'lern so entfremdet hätten.

Nein die „re-education“ hat die Westdeutschen deutlich mehr von den eigenen Wurzeln entfernt, als es die SED-Diktatur in Ihrem Machtbereich vermochte und wohl auch gar nicht beabsichtigte (man beachte nur allein das von der NVA übernommene Erbe angestammter preußisch-deutscher Militärtradition).

Und das ist schließlich der Grund, weshalb ich auf die „Neuen Länder“ zähle, bezüglich eines Hoffens „das deutsche Zukunft heißt“.

Gustav Grambauer
14. Juni 2018 12:27

KlausD.

"... Polizeiruf 110 ..."

Ja, und zusätzlich fällt sehr auf, daß Kriminalfilme heute wieder in dem hohen Maße Umerziehungsinstrumente sind, was übrigens im Westen von Skandinavien, besonders von Schweden, her kommt.

Nehme die Gelegenheit, um einmal anhand des "Polizeiruf 110" die Tektonik von Kulturmarxisten und Stalinisten näher zu beleuchten:

Peter Hacks hat für sich errechnet, daß ihn seine Unterschrift gegen (!!!) Biermann nicht nur 3 Millionen D-Mark sondern auch fünfzigttausend DDR-Mark gekostet hat, weil seine Stücke auch in der DDR (!!!) sofort von den Spielplänen abgesetzt wurden. Denn die meisten Theater, Opern und die DEFA waren Bastionen der Kulturmarxisten, während das DDR-Fernsehen eine Bastion der Stalinisten war, mit Ausnahme des ständig gegen den Stachel löckenden Studios Dresden (welches von Günter Mittag mit der Entlassung von O. F. Weidling dafür einen Schuß vor den Bug bekam). Für Schauspieler, Regisseure usw., die schon einen Nimbus bei der DEFA oder gar beim Theater hatten, war es heikel, Aufträge vom Fernsehen anzunehmen, denn es bestand die Tendenz, daß sie daraufhin von vielen Theater- bzw. DEFA-Kollegen nicht nur als fachlich etwas deklassiert sondern auch politisch geächtet wurden. Schauspieler wie Drinda, Mellies oder Geschonnek (die bezeichnenderweise schon am Theater politisch rausgemobbt worden waren weil sie mit allen habituellen Konsequenzen Stalinisten waren und es übrigens auch nach 1989 blieben) saßen in Babelsberg in der Kantine allein wenn sie nicht ihresgleichen zur Tischgesellschaft fanden.

Der "Polizeiruf", der unter Supervision des Ministeriums des Inneren produziert wurde, war nochmal eine besonders harte Bastion der Stalinisten sogar innerhalb von Adlershof. Weil selbst viele Fernsehschauspieler dort nicht mitspielen wollten war das Ensemble so klein, daß diese Filme schon deshalb skurril waren ("Welchen Bösewicht spielt Henry Hübchen denn diesmal?"). Honecker hat Ende der 60er Jahre den Polizeiruf dafür benutzt, um Ulbrichts gelockerte Jugendpolitik zu diskreditieren, in der Zeit waren sehr gehäuft unangepaßte Jugendliche (lange Haare!) die Kriminellen, der Polizeiruf wurde dabei als Multiplikator für den Begriff "Rowdytum" genutzt, der damals ins Strafgesetzbuch eingeführt wurde. Der Clou ist, wie mit dem Polizeiruf die Untertanen (Fernsehzuschauer) wie Zirkusaffen im gewünschten Umgang mit der Volkspolizei dressiert werden sollten (gestandene Handwerksmeister mit Fingern an der Hosennaht: "Genosse Oberwachtmeister, gestatten sie, daß ich sie in einer dienstlichen Angelegenheit spreche"), was nachträglich an Boris Groys` Anmerkungen zur Vergötzung des Milizionärs in der Sowjetgesellschaft in "Gesamtkunstwerk Stalin" erinnert. Es gibt ja die (britischen) Dramaturgie-Regeln des Kriminalfilms, nach denen der Zuschauer, wenn er sehr aufmerksam ist, aufgrund irgendeiner sophistischen Kleinigkeit schon wissen kann, wer der Täter ist. Beim Polizeiruf wußte man`s aus einem ganz anderen Grund: es war immer der Intellektuelle, der Künstler, der Bohémien, der Handwerker, der kleine Ladenbesitzer oder die Hausfrau - niemals der Funktionär, der Arbeiter, der Sportler, der LPG-Bauer, der Lehrer, der Arzt (Ärztemangel und "Republikflucht"-Gefahr bei Ärzten, die wurden gepampert ...) oder gar jemand in Uniform und sei es der Portier.

- G. G.

Anmelden Registrieren