Sezession
31. Mai 2018

Das Museum als volkspädagogische Anstalt

Michael Wiesberg / 34 Kommentare

Kolonialismus und koloniale Amnesie – in deutschen Museen liegt einiges im Argen.

Michael Wiesberg

Michael Wiesberg ist Lektor und freier Publizist.

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Jürgen Zimmerer, Professor für Globalgeschichte mit dem Schwerpunkt Afrika in Hamburg und Leiter der vom Hamburger Senat dort eingerichteten Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung“, gehört mit zu den Hauptanklägern, wenn es gilt, die angebliche „koloniale Amnesie in der deutschen Gesellschaft“ zu geißeln.

Besonders anstößig erscheint ihm in diesem Zusammenhang vor allem das Humboldt Forum, dessen „kolonialer Kern“ sich in einem Gebäude „manifestiere“, das „auch auf die im deutschen Kolonialreich verübten Greueltaten“ verweise. Der Genozid an den Herero und Nama sei im Namen des deutschen Kaisers Wilhelm II. verübt worden. Es wiege schwer, daß in der deutschen Hauptstadt „der Prunk der Monarchie feierliche Urstände“ feiere.

Aus seiner Sicht geht es bei der Debatte um das Humboldt Forum „um die großen Fragen der deutschen Geschichte und deutschen Identität“. Vor diesem Hintergrund erscheinen ihn das Humboldt Forum und das Stadtschloß auch als Versuch, die „deutsche Geschichte nach 1945 an die große, vermeintlich nicht-kontaminierte Geschichte des langen 19. Jahrhunderts rückzubinden“.

Die Geschichte des Kolonialismus „mit seinen inhärenten Praktiken des Rassismus und der Ausbeutung“ liege quer dazu. Die „Geschichte von Rassismus, Ungleichheit und Ausbeutung“ belaste das Humboldt Forum.

Wenn Zimmerer als Konsequenz daraus die „inhaltliche Dekolonialisierung des Museums“ einfordert und die Direktive ausgibt, man müsse sich der „Rolle der Sammlungen und Museen bei der Produktion des eurozentrischen Blicks, bei der Entstehung von Stereotypisierungen und Rassismen“ stellen, läuft das auf eine (gewünschte) Politisierung des Museumsbetriebes hinaus.

Wohin diese Politisierung führt, zeigt unter anderem das „Weltmuseum Wien“, das bis 2013 „Museum für Völkerkunde“ hieß. Welchem Geist dieses Museum heute folgt, brachte der Niederländer Steven Engelsman, bis Ende 2017 Leiter Direktor des Museums, wie folgt auf den Punkt:

200.000 Objekte mit Migrationshintergrund sind jetzt hier. Und zur gleichen Zeit wohnen hier in Wien 800.000 Menschen mit Migrationshintergrund auch aus der ganzen Welt. Und in gewissem Sinne ist das ihr kulturelles Erbe, was hier im Haus liegt.

Weiter erklärte Engelsman, der als „exzellenter internationaler Netzwerker auf dem Gebiet der europäischen und asiatischen Ethnologie“angepriesen wird:

Es gibt diese Menschen, die Migration verhindern wollen. Die Angst vor dem Fremden ist ein großes Thema in der Politik geworden und wird von nahezu allen Parteien aufgegriffen. Man kann diese nicht leugnen. Wir befassen uns genau damit in einem unserer Säle und gehen das Thema dort breit an. Es wird besonders für Schulklassen gut aufbereitet. Damit verstanden wird: Migration gehört zum Menschen wie Sonne und Regen zum Wetter. Und keine Partei kann verhindern, daß die Sonne scheint oder es regnet!

Seit seiner Wiedereröffnung sieht sich der Besucher nun mit indoktrinierenden Schautafeln konfrontiert, auf denen u. a. zu lesen steht:

„Wir leben in einer Welt in Bewegung. Migration ist heute ein natürlicher und guter Prozeß. Man sollte sie als etwas verstehen, das die Welt bereichert, und nicht unbedingt als Bedrohung sehen“

oder:

Viele museale Gegenstände werden mit kolonialer Macht, Zwang und Enteignung in Verbindung gebracht.

Auf diese Weise zeitgeistig aufdrapiert, wird das Museum zur volkspädagogischen Anstalt, zu einem Hort der offenen und verdeckten Selbstanklage bzw. zum Instrument der „Bewußtseinsveränderung“. Der Berliner Tagesspiegel ortete in diesem Konzept denn auch gleich eine „Blaupause für das Humboldt Forum“.

Der Kunsthistoriker Horst Bredekamp, einer der drei Gründungsintendanten des Humboldt Forums, brachte die damit verbundenen Botschaften in der Wochenzeitung Die Zeit wie folgt auf den Punkt:

Nicht die Wertschätzung der Exponate fremder Kulturen, sondern die hypostasierte Schuld, diese zu besitzen, steht gegenwärtig im Fokus.

Den „Postkolonialisten“ geht es freilich nicht nur um die „Schuld“ im Hinblick auf die möglicherweise zweifelhafte Herkunft mancher Exponate fremder Kulturen, sondern vor allem um die Dekonstruktion der „eurozentristischen Diskurse“ oder „Sichtweisen“.

Am Ende dieser Dekonstruktion steht dann in der Regel das, was vorausgesetzt wird, nämlich das Narrativ von Rassismus, Ungleichheit und Ausbeutung. Daß damit die eigene, spezifisch deutsch oder „weiß“ geprägte Kultur am Pranger steht, die das alles hervorgebracht haben soll, liegt in der Natur der Sache.

Es geht unter dem Deckmantel der Aufarbeitung des Kolonialismus also um etwas Grundsätzlicheres, nämlich um das „Weißsein“ insgesamt, das u. a. die sogenannte „Kritische Weißseinsforschung“ („Critical Whiteness“, KWF) zum Agitationsfeld ihrer dekonstruierenden Diskurse gemacht hat.

Wie die Multikulturalismus- oder Gender-Diskurse mit ihren nicht mehr überblickbaren Filiationen handelt es sich auch hier vor allem um einen Theorieexport aus den USA, der auf europäische Verhältnisse „kontextualisiert“ wird.

Kolonialismus und Postkolonialismus sind ein wesentliches Anwendungsgebiet der KWF, die längst auch die deutschen Universitäten erreicht hat und nun wichtigtuerische, wiederkäuende Zweit- und Drittverwerter hervorbringt, die mit den ihnen eigenen Sprachspielen die „weiße Dominanz- und Hegemonialkultur“, deren angeblich „unreflektierte Normen“ zu schleifen sind, in immer neuen Anläufen geißeln.

Zu den deutschen Propagandisten der KWF gehört zum Beispiel die Anglistin und Afrikawissenschaftlerin Susan Arndt, u. a. Autorin eines Buches über die „101 wichtigsten Fragen zum Thema Rassismus“, die den vorsichtigen Einwand, daß diese „Forschungsrichtung“ doch wohl kaum auf deutsche Verhältnisse übertragen werden könne, mit der Rassismuskeule aus dem Feld schlägt:

Rassismus ist ein paneuropäisch-westliches Narrativ mit globaler Wirkung und immenser struktureller Macht. Weißsein ist auf der ganzen Welt eine Währung, an der ökonomische, gesellschaftliche und politische Privilegien hängen.

Daß diese Privilegien und vor allem die weißgeprägte Kultur, die sie möglich gemacht hat, nun „kritisch dekonstruiert“ werden müssen, damit die „Mitte der Gesellschaft“ endlich aus ihrem rassistisch verseuchten Tiefschlaf erwacht, versteht sich dabei von selbst. Das hat auch der Berliner Tagesspiegel begriffen, der brav seine Lektion herunterbetet:

Will man als ,weißer Deutscher‘ der rechten Kulturrevolution Einhalt gebieten, sollte man sich im Sinne der Critical Whiteness zunächst mit den eigenen Privilegien und Vorurteilen und vor allem mit der unbekannten Erfahrungswelt der Diskriminierten befassen. Die deutsch-weiß-christliche Normalität wird demgemäß nicht bloß durch AfD-Agitprop und Pegida-Parolen lanciert, sondern von der Mitte der Gesellschaft stillschweigend – und oft unwissentlich – vorausgesetzt.

Der britische Publizist Douglas Murray zählt das auch hier wieder mitschwingende Schuld-Narrativ in seinem gerade auf deutsch veröffentlichten Buch Der seltsame Tod Europas: Immigration, Identität, Islam neben der (islamischen) Masseneinwanderung, dem Verblassen der Bindekräfte des Christentums und der immer weitergehenden Einschränkung der Redefreiheit zu denjenigen Faktoren, die den Niedergang des Westens kennzeichnen.


Michael Wiesberg

Michael Wiesberg ist Lektor und freier Publizist.

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Kommentare (34)

Andreas Vonderach
31. Mai 2018 08:31

Das Buch von Susan Arndt, „101 wichtigsten Fragen zum Thema Rassismus" habe ich mal angelesen, die Frau ist vollkommen irre.

quarz
31. Mai 2018 08:35

Nichts ist eurozentristischer als der neurotische Wunsch, auf keinen Fall eurozentristisch zu sein. Undenkbar in China oder in arabischen Ländern.

RMH
31. Mai 2018 09:56

"Weißsein ist auf der ganzen Welt eine Währung, an der ökonomische, gesellschaftliche und politische Privilegien hängen."

O.K. - das erzähl ich das nächste mal meinem bleichgesichtigen Tankwart, wenn er mich als "Rassebruder" wieder so dreist zum bezahlen drängen will …. oder meinem Chef, wenn er den Mehrwert meiner Arbeitsleistung ganz alleine einsackt ... (kopfklatsch).
Noch nie in der Geschichte der Menschheit konnte man mit derartigem Phrasendreschen, wie oben zitiert, und bullshit-bingo sich irgendwo so einfach eine ökonomische Nische zum dahinvegetieren und zum Ausleben seiner Großhirn-Blähungen erheischen, wie in unserem Zeitalter, insbesondere, wenn man in vormals "weißen" Ländern und Gegenden lebt.

Der_Juergen
31. Mai 2018 10:02

Da mir zu Susan Arndt und Konsorten wirklich nichts einfällt (oder genauer gesagt nichts, was die Hausmeister freischalten würden), benutze ich den Anlass, einige Bemerkungen zu Douglas Murrays Buch "Der seltsame Tod Europas" anzubringen, auf das ich dank Martin Sellner aufmerksam geworden bin und das Michael Wiesberg in seinem höchst informativen Artikel erwähnt.

Es ist ein gutes Buch. Auch wer sich eingehend mit dem Thema des Grossen Austauschs befasst hat, wird dort noch eine Fülle neuer, nützlicher Informationen finden, denn Murray hat gründlich recherchiert.

Erstaunlicherweise wurde das Opus von der britischen Mainstream-Presse relativ günstig aufgenommen. Dies muss nun die Alarmglocken läuten lassen. Wie kommt es, dass ein Werk, welches das herrschende Narrativ von den Segnungen der Einwanderung radikal in Frage stellt, von den Trägern dieses Narrativs weder totgeschwiegen noch mit Schmutz übergossen, sondern halbwegs wohlwollend besprochen wird?

Der Grund scheint mir auf der Hand zu liegen: Murray kritisiert die Masseneinwanderung und Islamisierung zwar recht heftig, tut dies jedoch vom Standpunkt eines Rechtsliberalen, der das herrschende System und seine Ideologie, von der "Multikultur" abgesehen, verteidigt. Als bekennender Homosexueller macht er sich grösste Sorgen um das Schicksal der Schwulen in einem islamisierten Europa, wo mit Gay Parades, Gay Marriage und dergleichen Scherzen natürlich flugs Schluss gemacht würde und die Homosexuellen Gefahr liefen, wie im Iran an Baukränen aufgehängt oder wie unter der IS-Herrschaft an Stühle gebunden von Hochhäusern hinabgeworfen zu werden.

Unendlich viele Sorgen macht sich Murray auch um die Juden. Die kardinale Frage, warum alle ins Gewicht fallenden jüdischen Organisationen die islamische Masseneinwanderung fanatisch unterstützen und Gift und Galle gegen ihre Kritiker speien (mögen letztere sich auch noch so projüdisch und proisraelisch geben), wirft Murray nicht auf, obgleich er angesichts seiner Belesenheit und Intelligenz über diese Dinge Bescheid wissen muss.

Murrays Kapitel über den Schuldkomplex der Europäer ist eines der lesenswertesten. Sein Wert wird allerdings dadurch gemindert, dass der Autor die behaupteten Taten, auf denen der Schuldkomplex beruht, axiomatisch und ohne die geringste Nachprüfung als geschehen betrachtet und lediglich ihren Missbrauch zur Erzeugung von Schuldkomplexen geisselt.

Kurzum, Murray argumentiert wie die Leute vom liberalen AFD-Flügel in Deutschland, wobei Alice Weidel, die mit ihm ja etliches gemeinsam hat, ein Musterbeispiel darstellt. In der BRD gilt auch diese Form von Islam- und Einwanderungskritik noch als inakzeptabel, aber das kann sich unter dem Druck der Verhältnisse ändern. Wenn die Dinge endgültig ausufern, wird man die "koscheren Konservativen" vielleicht noch als Hilfstruppen benötigen.

Diese Kritik ändert nichts daran, dass ich Murrays Buch mit gutem Gewissen empfehlen kann. Man muss es nur mit der gebotenen Distanz lesen und darf es nicht als Offenbarung betrachten.

Heraklit
31. Mai 2018 13:10

Beobachten wir hier Symptome des Untergangs des Abendlandes oder ist es doch nur der Niedergang des Liberalismus, dessen Auswürfe sich zunehmend als Marketingoffensiven für die patriotische Opposition entpuppen? Es bleibt spannend.

Weserlotse
31. Mai 2018 13:13

Es kann gar nicht genug betont werden, daß es hier nicht darum geht, früher irgrndwann mal vermeintlich Unterdrückten Genugtuung widerfahren zu lassen, sondern schlicht weg um die Zersetzung der Grundlagen unserer Kultur, Identität und Gesellschaftsordnung.

Dabei ist die deutsche Kolonialgeschichte weiß Gott nichts, wofür wir uns als Deutsche zu schämen haben. Nun gut, man würde es heute nicht mehr so machen. Nichtsdestotrotz waren die Deutschen damals völlig zu recht davon überzeugt, daß ihre Errungenschaften es wert sind, weiterverbreitet zu werden. Das kulturelle Gefälle zwischen ihnen und den vorgefundenen Zuständen in Afrika, wo man ja gewissermaßen auf vorneolithischem Standard lebte, kann gar nicht als groß genug vorgestellt werden. Der Herrschaftsanspruch erschien aus damaliger Sicht vollkommen plausibel. Und gleichwohl begegnete man der Kultur der Einheimischen mit einem wohlwollenden Interesse, und stelle deren Artefakte in seine besten Museen. Daß gewaltsamer Widerstand mit Gewalt gebrochen wurde, ist dagegen etwas, was weder Deutschland als Kolonialmacht noch die Gepflogenheiten der damaligen heraushebt.
Es bedarf nicht viel Prophetengabe, um sich vorzustellen: hätten die deutsche Kolonialherrschaft und das deutsche Kaiserreich bestand gehabt, dann genössen die Menschen in den betreffenden Ländern heute materiellen Wohlstand und politische Stabilität.

Martin Heinrich
31. Mai 2018 15:01

Es war nicht alles schlecht unter der dt. Kolonialherrschaft: Die "Liemba" (1913 gebaut, damals noch "Graf Goetzen") verkehrt heute noch und ist das größte Passagierschiff auf dem Tanganjikasee ...

Benno
31. Mai 2018 16:23

Was für blödsinn hier gequatscht wird, welches nachgeäffe amerikanischen universitären nonsens hier veranstaltet wird, bemerkt man schon am pleonasmus des "weissen europas". Abgesehen davon ist die hautfarbe in diesem zusammenhang plötzlich wieder ein guter indikator für schuld und was weiss der teufel noch was, während sie andernorts als etwas rein zufälliges erscheint, von dem man ja nichts ableiten darf. Wenn ihr uns europäer schon so hasst, sei euch das unbenommen, aber hört doch auf zu argumentieren, dass es den intellekt eines vierjährigen beleidigt. Der ganze antirassismus scheitert doch schon an der schizophrenie, dass etwas bekämpft wird, das auf einem angeblich inexistenten phänomen fusst... nur um an anderer stelle genau genau dieses kaninchen wieder aus dem hut zu zaubern. Ps: man entschuldige meine schreibweise, die ist meinem benutzerunfreundlichen gerät geschuldet.

Andreas Walter
31. Mai 2018 18:13

Danke für die überzeugend beschriebene Warnung.

Wobei Existenz und der Kampf darum immer ein zweischneidiges Schwert ist.

Beschäftigt man sich zum Beispiel mit Cabinda, hat mir bis vorgestern auch noch nichts gesagt, dann erkennt man ja die Problematik. Nur fliesst das viele Geld durch das Schwarze Gold ja nicht in die Taschen aller "Weissen Teufel" und nicht alle reichen "Weissen Teufel" sind automatisch dann auch Christen. Doch auch mit Cabinda, wie mit dem ganzen Kolonialismus, hat ja gerade Deutschland von allen ehemaligen Kolonialmächten am wenigsten zu tun.

Um so wichtiger scheint mir darum die Frage, wer jetzt hinter dieser Neuen Deutschen Welle der Reeducation steht. Da jenes beschriebene Phänomen jedoch nicht nur in Deutschland auftritt, sondern auch in den VSA, muss dahinter ein sowohl international tätiger wie auch rassistischer Agent stehen, der dazu Migration gutheisst.

Denn Deutschland als Standort ohne die Deutschen ist nur für ein Volk interessant, was bereits grosse Macht besitzt. Wie auch die Zerstörung oder Dauerstörung Deutschlands nur für manche Vorteile bringt.

Vielleicht ist es aber auch nur ein böser Geist aus der Vergangenheit, der hier transportiert durch Schrift und Schriftkundige bis heute sein Unwesen treibt. Seine Zielgruppe sind anscheinend Kinder, seine Botschaft:

„Wir leben in einer Welt in Bewegung. Migration ist heute ein natürlicher und guter Prozeß. Man sollte sie als etwas verstehen, das die Welt bereichert, und nicht unbedingt als Bedrohung sehen“

Erst "heute"? "Nicht unbedingt"? Ein bisschen also schon.

Sehr geheimnisvoll. Warum geben sie die Sachen dann nicht einfach denen zurück, denen sie angeblich gestohlen wurden? Oder waren es doch womöglich Geschenke, so von Häuptling zu Häuptling? Um die Freundschaft und guten internationalen Geschäftsbeziehungen dadurch zu betonen. Als Gesten jahre- oder sogar jahrzehntelang guter Zusammenarbeit und gegenseitigem Respekt.

Normalerweise werden nämlich die Kultstätten und Kultgegenstände fremder Völker zerstört, die man erobert. So machen es zumindest die Marxisten aber auch Muslime.

kakalu
31. Mai 2018 19:36

Viele Jahre habe ich in Afrika verbracht. Niemals bin ich auf Personen getroffen, die mir europäische oder speziell deutsche Schuld hätten vor Augen führen wollen. Eher im Gegenteil, in Togo traf ich bspw. in den 80er Jahren weit weg von der Haupstadt Leute, die mir auf deutsch freundlich "Willkommen!" zuriefen. In Burundi lobte man die offenbar unverwüstliche Stabilität einer von den Deutschen gebauten Brücke. In Benin erzählte man mir diesen Witz; fragt der Sohn seinen Papa: "Papa, wie lange dauert die Unabhängigkeit noch?"

Die Afrikaner haben es oft nicht leicht und schlicht keine Zeit, sich die im Aufsatz von Wiesberg skizzierte Neurose - auch wenn sie dort den Opferstatus zuerkannt bekommen - zu eigen zu machen. Da sollte die dt. "Entwicklungszusammenarbeit" wirklich besser aufpassen und schleunigst entsprechende "Fortbildungen" in ihre Programme einbauen.

Die Gedankenwelt von Zimmerer, Arndt usw. knüpft an nichts an, was Afrika und den Afrikanern guttut. Es ist bloß ein widerwärtiges, immer mehr boomendes Spezialgebiet in der großen Selbstabschaffung.

Ronny Licht
31. Mai 2018 21:01

"Daß damit die eigene, spezifisch deutsch oder „weiß“ geprägte Kultur am Pranger steht, die das alles hervorgebracht haben soll, liegt in der Natur der Sache. "

Wie viele Selbstzweifel sich in einem Satz verbergen können, zeigt der Autor. Die ewige rechte Mär vom "bedrohten weißen Mann" enbehrt jeglicher Grundlage. Aber ich bin auf Gegenmeinungen gespannt.

Interessant finde ich das Paradoxon: Mit welchem Maß hantiert der "weiße Mann", wenn er "Rassismus, Ungleichheit und Ausbeutung" der Schwarzafrikaner nicht anerkennt.

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@Weserlotse

"Und gleichwohl begegnete man der Kultur der Einheimischen mit einem wohlwollenden Interesse, und stelle deren Artefakte in seine besten Museen. "

+ 20- 25 Mio. Sklavenversandt in die neue Welt (Unter Mitarbeit von allen Kolonialmächten)
+ Abgehackte Gliedmaßen
+ Mord und Vergewaltigung ggü. den Unterdrückten

Wahnsinnig "wohlwollend".
Der Kolonialismus war Ausbeute und bedingte erst Rassismus (Ja, Herr Vonderach - Rassismus ist nix gut!)

Gotlandfahrer
31. Mai 2018 22:43

Ich sag mal so: Wenn Vadder Mist gebaut hat und das Haus verpfändet wird, was erzählt er seiner Familie? Was erzählt die Familie anderen? Dass Vadder Mist gebaut hat oder, dass andere Schuld sind? Was glaubt jeder in der Familie irgendwann sich selbst? Wie verhält sich die Familie gegenüber dem Gerichtsvollzieher oder dem Kläger?

Unsere europäische "globale" Elite, die in Wirklichkeit keine ist, weil ihr gerade der Hahn abgeklemmt wird, ist gerade dabei, ihre Insolvenzerklärung zu verschleppen. Ja nu.

Solche Spielchen, Museen in Weltkulturorte umzubenennen, sind Makulatur. Ich nehme sie amüsiert wahr, weil sie ein untrügliches Indiz für den Abgesang sind. Mehr davon! Lasst uns den Reichstag in Welttag umbenennen und Russland, den USA, Israel, China, Polen und Nordkorea gleichzeitig den Krieg erklären!

Alveradis
1. Juni 2018 06:57

Offenbar bräuchten nur die (schuldbelasteten) europäischen Kulturen – und hier insbesondere die deutsche, wird man ergänzen müssen – Migration, um „vielfältiger“ oder „toleranter“ zu werden, außereuropäische (= schuldfreie) hingegen nicht.

Es stimmt, dass nur gegen uns die genetisch vererbbare Schuld angeführt wird aber die Zerstörung von Völkern oder Stammeskulturen ist nicht auf weiße Nationen beschränkt.
Sieht man nach Afrika, so sieht man auch dort und schon seit langer Zeit ausgelöste Migrationswellen, die Menschenmassen entwurzeln und Regionen völlig verändern.

Die erzwungene Trennung vom Boden der Vorfahren und damit die Auflösung der Erbrechte wie auch der spirituellen Bindung ist ein lange erprobter Mechanismus.

Ich denke, dass man beides sehen muss, die durch nicht endende Anklagen erzwungene Auflösung unserer völkischen Identität, wie auch die unablässige Verschiebung von Menschenmassen in der dritten Welt, die wie ich denke ein und derselben Ideologie entspringen und die globale Enteignung und Vernichtung der Völker/ Stämme zu Gunsten kleinster Eliten vorantreiben.

Ich denke schon, dass wir den Kolonialismus, das imperiale Denken speziell Großbritanniens in diesen Kontext stellen sollten. Eine besondere Schuld der europäischen Völker sehe ich nicht, denn es sind und waren nie die europäischen Völker, die die Pläne schmiedeten und sich grenzenlos bereicherten, sondern die, die die Macht die sie heute haben gerade auch aus den aufgespeicherten Vermögen der kolonialen Raubzeit in die Gegenwart hinüber zogen. Man denke nur mal an den Opiumhandel.

Wenn wir uns das Schicksal der Buren oder Iren anschauen, so fällt doch auf, dass die Enteignung, die Hungerwaffe ebenso gegen Weiße wie auch gegen nichtweiße Völker eingesetzt wurde.

Durch die Konstruktion der genetischen Schuld sollen wir gefügig gemacht werden, sollen die Nichtweißen gegen uns aufgebracht werden, aber dennoch können wir das was uns geschieht ins große Bild der globalen Aneignung von Land und Ressourcen einordnen.

Es gibt innerhalb der Rechten eine Tendenz, besonders das britische Weltreich als eine Blütezeit des Weißseins zu interpretieren - ich halte das für einen Irrtum.

Alveradis
1. Juni 2018 08:07

Der_Juergen
31. Mai 2018 10:02
Zur recht wohlwollenden Aufnahme Douglas Murrays - geben Sie mal Henry Jackson Society und oder Nina Rosenwald und Douglas Murray ein.
Bei "Right Web" (na ja) ist allerhand zu finden. Ich habe aber noch nicht die Zeit gehabt, all die einzelnen Aussagen dort selbst zu überprüfen.
Die Henry Jackson Society war mir z.B. überhaupt kein Begriff.

Aber es ist interessant, was man findet, wenn man ein paar Nahmen mit Robert Mercer , Robert Shillman oder Nina Rosenwald zusammen eingibt. Shillman Fellow "Tommy" hab ich ja schon in dem Tommy Strang erwähnt.

Einfach loslegen und sehen, was herunterfällt.

Curt Sachs
1. Juni 2018 08:09

Dank an Jürgen für seine Anmerkungen zur Einordnung von Murrays Buch "Der seltsame Tod Europas".

Gustav Grambauer
1. Juni 2018 08:37

Wähle mal ein anderes, wie ich finde treffenderes Gleichnis - nicht die Pädagogik sondern die Medizin.

Was lernen wir: das Thema Rassismus wird, nachdem es seit den 60er Jahren als nicht mehr klinisch galt, wieder provoziert, sondiert, diagnostiziert und sozusagen im Ärzteblatt geframed. Dazu werden dem Patienten in steigernden Dosen der linke Fieberprovokator und das linke Kontrastmittel verabreicht. Zimmerer, Engelsman, Bredekamp, Arndt sind die "Ärzte" (?), die dem Patienten schon mal das Röntgenbild zeigen.

Denn deren Chefs können ja nicht offen sagen: "wir sind Rassisten und wollen die weiße Rasse wieder in ihre alte Position bringen", sie müssen das auf indirektem Wege via Provokation erreichen.

Greife mal den C.-H.-Beck-Verlag heraus. Den hatten die Nazis zum Insider- und Monopolverlag für die Publikation ihrer Gesetze gemacht, zu einer Art erweitertem Reichsgesetzblatt-Verlag. Er hat insofern 1935 voller Stolz die Nürnberger Gesetze und den Kommentar von Globke dazu publiziert - heute gibt er "101 Fragen zum Rassismus" von Frau Arndt heraus! Leute, klingelt`s?!

- G. G.

Gustav Grambauer
1. Juni 2018 08:59

"101 Fragen zum Rassismus" - wer denkt da nicht an "Märchen aus tausendundeiner Nacht". Tiefer kann man das linke Augenlid zum Zwinkern gar nicht runterziehen.

Brief und Siegel: in absehbarer Zeit ist White Supremacy wieder Staatsdoktrin.

- G. G.

Gustav Grambauer
1. Juni 2018 09:44

Hier die Redaktion der FAZ, finde den Fehler:

https://www.faz.net/redaktion/s3.html?activeInputElement=&author=Name&queryK=Kürzel&resultsPerPage=20&sort=abc

Allein all die Vornamen, da gibts keine Jareds, Darrens, Liams geschweige denn Muhammads, Aptulahs, Ismails oder gar Mbekis. In der Szene der "Insel" (Sylt) werden Kasper wie Boris Becker oder Roberto Blanco lediglich zur Belustigung zugelassen. Aber vor dem Volk ganz dick einen auf Multikulti-Hypermoral machen!

Noch. Es ändert sich bereits spürbar.

- G. G.

KlausD.
1. Juni 2018 11:20

@Gustav Grambauer
"... in absehbarer Zeit ist White Supremacy wieder Staatsdoktrin ..."
Auf diesem Weg hin ist auch unbedingt die linke Indoktrination an den Schulen zu beenden, die gegenwärtig z.B. durch das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage"betrieben wird. Hier in Sachsen/Anhalt:
https://www.schule-ohne-rassismus.org/wer-wir-sind/landeskoordinationen/sachsen-anhalt/
Immerhin gibt es eine politische Kraft, die sich gegen diesen Irrsinn stemmt - die AfD. Hier die Rede von Dr. Hans-Thomas Tillschneider vor dem Landtag in Sachsen/Anhalt dazu:
https://www.youtube.com/watch?v=3h6DhMCi_NU

quarz
1. Juni 2018 11:27

@Ronny Licht

"Mit welchem Maß hantiert der "weiße Mann", wenn er "Rassismus, Ungleichheit und Ausbeutung" der Schwarzafrikaner nicht anerkennt."

"Maß" ist ein gutes Stichwort. Zum richtigen Maß gehört vor allem die Gewichtung. Und diese müßte zumindest berücksischtigen, dass

1.) die Versklavung von Schwarzen zunächst (und übrigens bereits lange vor der Kolonisierung) durch andere Schwarze betrieben wurde. Weiße wurden mit der Zeit dann Abnehmer der "Ware".

2.) die Versklavung der Schwarzen bereits lange bevor die europäischen Kolonialmächte die Bühne betraten in riesigem Ausmaß durch die Araber bertrieben wurde. Der islamische Kulturraum war ja überhaupt die wohl größte Sklavenhaltergesellschft der Menschheitsgeschichte, und er bediente sich vorwiegend in Afrika (aber immerhin auch über der Millionenmarke in Europa).

3.) es die europäischen Kolonialmächte waren, die im 19. Jahrhundert - sehr zum Unwillen der autochthonen Sklavereiindustrie - die Sklaverei in Afrika per Verbot beendet haben.

heinrichbrueck
1. Juni 2018 16:22

"Die ewige rechte Mär vom "bedrohten weißen Mann" entbehrt jeglicher Grundlage."

Die Bevölkerungsentwicklung verläuft nicht linear, sondern exponentiell. Und wer ist noch weiß?

Benno
1. Juni 2018 16:45

Ja, ronny, quarz hat ja schon etwas licht in die sache gebracht. Ihre zahl von 20 bis 25 millionen können sie getrost halbieren, dann sprechen wir etwa von der richtigen anzahl versklavter menschen, die beim transatlantischen sklavenhandel an der afrikanischen westküste von in europa ansässigen reedereien aufgekauft wurden. Interessant auch, dass der kolonialismus in afrika (einmal abgesehen von südafrika) erst in schwung kam, als der sklavenhandel im britischen weltreich zuerst verboten und aktiv unterbunden und die sklaverei später gänzlich abgeschafft wurde. Hören sie also auf, mit völlig übertriebenen behauptungen und anachronistischen darstellungen um sich zu werfen. Und nur zur info: es gibt auch theorien, in welchen die kolonisierung afrikas als direkte folge der unterbindung der sklaverei dargestellt werden. Mag so sein, mag vielleicht nicht so sein, ihre übertriebenen darstellungen können sie auf alle fälle in ihrer (marxistischen?) Schublade stecken lassen.

Stil-Bluete
2. Juni 2018 18:41

Gerne verweise ich auf das Standardwerk: Egon Flaig 'Weltgeschichte der Sklaverei, Verlag C.H.Beck, 2009'.

Wer hat sich in der Menschheitsgeschichte am meisten gegenseitig bekriegt? Die sog. Weißen. Wer hat sich am meisten ausgebeutet, Stichwort Leibeigene, Manchester-Kapitalismus, Kinderarbeit? Die sog. Weißen. Wer hat die sog. Sklavenhaltergesellschaft kultiviert? Die Griechen, also die sog. Weißen.

Wer hat aber gleichzeitig die nur mündlichen Sprachen in Afrika und Latainamerika in Schriftform gebracht? Die sog weißen Missionare. Es war ein schlesischer Unternehmer, der die Ausbeutung auf den Zuckerrohrplantagen unmenschlich fand und daher mit der Produktion der Zuckerrübe auf europäischem Boden begann.
Wer hat die Hieroglyphen entziffert, wer hat die Archäologie, die, die Ethnologie begründet? Die Weißen. Wer hat den lateinamerikanischen Völkern über die Entdeckung ihrer alten Kulturschätze ihre Identität bewahrt und zurückgegeben? Die sog. Weißen. Was war mit dem Mongolensturm? Die Gelben gegen die Weißen? Was war mit den Hunnen?

Hören wir auf, nur die negativen Beispiele aufzuzählen. Denken wir an Albert Schweizer. Denken wir an Mohamed Ali, der für eine strikte Rassentrennung war. Diese zu zitieren, bringt uns voran. Denkt auch an so kleine Zellen wie die nie in Frage gestellte 'Herrenhuter Brüdergemeine'. Denken wir an Karl-Heinz Böhm (gescheitert?). Denken wir an Organisationen, die Wald aktivieren.

Um diese Denkzettel noch mehr durcheinander zu bringen: Welche ehemaligen, auch deutschen Kolonien, die zum Commonwealth 'ge-hören', wo die Mitglieder der Königsfamilie bei ihren regelmäßigen Besuchen den mit archaischen Gesängen, Ketten u. a. Riten den Kasper 'Seid ihr alle da?' spielen.

Andreas Walter
2. Juni 2018 22:14

Unfassbar! Eben lese ich, dass ein englischer Mönch, Johannes de Sacrobosco, bereits 1220 fast richtig auch die Klimazonen der Erde im Süden auf einer Zeichnung beschrieben hat, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch kein Europäer jemals diesen Teil der Erde bereist hatte. Was man auch daran erkennt, dass auf seiner Zeichnung die tropisch-feuchte und bewohnbare Zone am Äquator noch völlig fehlt (zweites Bild):

“Zonas térmicas“, Wikipedia

Bereits 300 Jahre vor Kolumbus hat dieser Mann also geahnt, sogar gewusst, dass die Erde eine Spähre ist. Was er dann auch in seinem Buch “De sphaera mundi“ eindeutig 1230 beschreibt und auch erklärt warum. Als Druck kam das Buch aber erstmals 1472 in Italien in Ferrara in Umlauf:

“De sphaera mundi“ Wikipedia

Die ganze Geschichte ist darum voller Fehler und darum auch Lügen, ständiger Revisionismus und Überprüfung, Erweiterung ist darum unerlässlich.

Jetzt weiß ich darum auch, wie die Nilpferde (und auch "Schwarzen") bis nach England gekommen sind, gekommen sein könnten. Aus dem gleichen Grund nämlich, warum es auch archäologische Stätten bis zu theoretisch 120 Meter unter dem Meeresspiegel gibt, geben muss:

“Doggerland“, Wikipedia

Darum aber auch Vorsicht mit Halbwissen und sogar Unwahrheiten auch über die Kolonialzeit, die aber auch gerne als politische und propagandistische Waffe missbraucht wird, auch von den Feinden Deutschlands.

quarz
4. Juni 2018 07:30

"Bereits 300 Jahre vor Kolumbus hat dieser Mann also geahnt, sogar gewusst, dass die Erde eine Spähre ist."

Das ist im Abendland seit etwa 2500 Jahren die Standardauffassung. Sie tun ja gerade so, als wäre diese Idee etwas Revolutionäres gewesen.

Valjean72
4. Juni 2018 08:31

@Der_Juergen: “Als bekennender Homosexueller macht er sich grösste Sorgen um das Schicksal der Schwulen in einem islamisierten Europa, […]
Unendlich viele Sorgen macht sich Murray auch um die Juden.“

---
Gestern bin ich zufällig auf ein YouTube-Video gestoßen, bei welchem neben anderen mehrfach Douglas Murray zum Thema Antisemitismus zu Wort kam. Den größten Vorwurf den Mister Murray offenbar der Labor Party und an dessen Vorsitzenden Jeremy Corbyn auszumachen hat, ist der (von Murray konstatierte) latente bis offene Antisemitismus der Britischen Linken, der sich in israelfeindlicher Politik manifestiere.

Von solchen Patrioten, „Neurechten“ (Geert Wilders, Michael Stürzenberger, Henry Broder & Co.) halte ich mit Verlaub überhaupt nichts, da ich ihnen nicht über den Weg traue.

“Ich hoffe auf ein Deutschland, in dem ich meine jüdische Herkunft erwähnen kann, ohne nur als Jude wahrgenommen zu werden – so wie es mir als Kind meist ergangen ist. Wenn Deutschland multiethnischer wird, könnte sich das ändern. Ein Deutschland, in dem sich Juden wohlfühlen, ist ein Deutschland, in dem sich auch Muslime wohlfühlen […]

Im Experiment mit dem Pluralismus spielen wir Juden ungefähr die Rolle, die Kanarienvögel in Kohlegruben hatten. Braut sich eine Explosion zusammen, geht es uns zuerst an den Kragen […]

Vor allem geht es um mehr als ein kurzes, fremdenfreundliches Sommermärchen. In Westeuropa läuft ein Experiment, das in der Geschichte der Migration einzigartig ist: Länder, die sich als monoethnische, monokulturelle und monoreligiöse Nationen definiert haben, müssen ihre Identität wandeln. Wir wissen nicht, ob es funktioniert, wir wissen nur, dass es funktionieren muss.“

(Zitat von Yascha Mounk; Quelle: spiegel.de
; 26.09.2015)

Andreas Walter
4. Juni 2018 09:08

@quarz

Standardauffassung im Abendland seit 2500 Jahren?

Es wäre mir neu, dass so lange der Plebs bereits Latein zu lesen versteht. Selbst die Bibel ist erst 1534 übersetzt worden, und das auch nur mit Mühe und Not, eben genau darum.

Mir wurde noch beigebracht, und das nicht von meinen Eltern, dass Columbus als Kind mit seinem Vater oft am Hafen war und dort die hinter dem Horizont versinkenden Masten der Segelschiffe beobachtet hat, was ihn dann auf die Idee gebracht hätte mit der runden Erde.

Doch auch die Thora, die um etwa 500 vor Christus erstmals überhaupt niedergeschrieben wurde, enthält glaube ich keine solche Informationen und ist Nichtjuden eh verboten zu lesen.

Würde mich daher interessieren, wie Sie zu Ihrer Auffassung kommen. Meinen Sie vielleicht die Vorstellung, dass das Firmament (halb-)rund ist und die Sonne um die Erde kreist?

Hartwig aus LG8
4. Juni 2018 12:26

Jetzt wird's ernst, Leute. Vielleicht hat @G.G. ja recht.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/lafontaine-und-wagenknecht-sehnsucht-nach-schutz-durch-den-staat-ist-nicht-rechts/22631826.html

Gustav Grambauer
4. Juni 2018 15:19

Muß etwas klarstellen, was bereits zu einem dankenswerten da gleich coram publico auflösbaren Mißverständnis geführt hat. Wenn ich sage, daß m. E. White Supremacy in absehbarer Zeit wieder Staatsdoktrin sein wird, dann meine ich damit nicht, daß damit die Verhältnisse der Nazi-Zeit zurückkommen. Es wird so wie ich das voraussehe einen drastischen Unterschied geben: die große Nähe zum Kolonialgesinde, die im Fall von Nannies, Reinemachfrauen usw. sogar bis tief in den häuslichen Bereich führen wird, so wie das bei den Kolonialmächten mit Ausnahme von Deutschland und bei dem Amerikanern schon immer üblich war und ja auch schon zunehmend in Mitteleuropa üblich ist. So wie es hier in Zürich nur noch einen einzigen Taxifahrer gibt, der nicht nur "Schweizer" sondern auch Eidgenosse ist.

- G. G.

Gustav Grambauer
4. Juni 2018 16:49

Hartwig aus LG8

... ja, und hier werden die "Füchse" im Hühnerstall nicht nur bei ihrem Treiben erheblich gestört sondern ihnen wird immer deutlicher gesagt, daß auch sie nur Hühner sind:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/richard-grenell-us-botschafter-irritiert-bundesregierung-mit-interview-a-1211090.html

- G. G.

quarz
4. Juni 2018 19:13

@ Andreas Walter

"Standardauffassung im Abendland seit 2500 Jahren?"

Pythagoras hat die Kugelgestalt im naturphilosophischen Diskurs etabliert. Dank seines großen Einflusses ist daraus alsbald die Standardauffassung der Antike geworden. Eudoxos und Aristoteles haben sie ganz selbstverständlich in ihre Modellierung der Welt aufgenommen, Eratosthenes hat sogar schon erstaunlich genau den Erdumfang berechnet.

Im ganzen Mittealter war aufgrund dieser antiken Tradition die Kugelvorstellung der Erde eine Selbstverständlichkeit, und zwar nicht nur bei den Gelehrten, sondern auch beim illiteraten Volk, wie die vielen Verwendungen des Bildes der Erdkugel in Predigten zeigen.

Das Märchen von der mittelalterlichen Scheibenvorstellung wurde von "Aufklärern" in die Welt gesetzt, um sich selbst als Kontrast zum "finsteren Mittelalter" zu inszenieren.

Das Zustandekommen und die Weitergabe dieser Legende ist inzwischen selbst Gegenstand wissenschaftshistorischer Untersuchungen.

Lektüretipp:
Jürgen Wolf: "Die Moderne erfindet sich ihr Mittelalter - oder wie aus der 'mittelalterlichen Erdkugel' eine 'neuzeitliche Erdscheibe' wurde."

Der Spiegel weiß es inzwischen auch schon:
https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/mittelalter-und-moderne-wie-die-erde-zur-scheibe-wurde-a-381627.html

Andreas Walter
4. Juni 2018 20:16

OK, habe es schon selbst gefunden und bin jetzt wirklich erstaunt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Flache_Erde

Womöglich also ein Mythos aus dem 19. Jahrhundert, um die Kirche schlecht zu machen. Wie auch der ganze Unsinn über die Inquisition. Das passt (muss ich also auch fast schon gar nicht über die Täter nachdenken und nachforschen).

Allerdings steht hier in gebildeten Kreisen.

OK, das schaue ich mir genauer an und danke Ihnen für den Hinweis.

Stil-Bluete
5. Juni 2018 12:51

@ quarz
Danke für diese Aufklärung über unsere Erde.
Diesen Mythos, dass die Erde bis ins Mittelalter nur als Scheibe gedacht war, habe ich auch bis jetzt mit mir rumgetragen, nicht aber die Verleumdung der katholischen Kirche als Verleugner der Wissenschaft.

Was ich aber trotzdem seltsam finde, ist , daß sich unser Lebensgefühl nie verändert hat, wir diesen bewiesenen Tatsachen in unserem täglichen Leben nicht im geringsten entsprechen. Wir sprechen jeden Tag von Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Alles, aber auch alles ist auf Tag oder Nacht ausgerichtet, obwohl es diese Phänomene ja doch gar nicht gibt. Wir können der Erde beim Laufen, Fahren, Fliegen nicht das geringste Gefühl abgewinnen, daß sie eine Kugel ist. Wir haben keine Sensoren für ihre Dreh-Geschwindigkeit, nur die Geschwindigkeit der Autos usw. nehmen wir wahr.

quarz
5. Juni 2018 14:51

"Was ich aber trotzdem seltsam finde, ist , daß sich unser Lebensgefühl nie verändert hat, wir diesen bewiesenen Tatsachen in unserem täglichen Leben nicht im geringsten entsprechen."

Das wundert mich nicht und das finde ich auch nicht schlimm. Unsere eingeübte Perspektive liefert halt den einfachsten Bezugsrahmen für unser Alltagsleben. Diejenigen unter uns, die zum Mond fahren, können zu diesem Zweck ja vorübergehend diesen Bezugrahmen verlassen.

Die Diskussion der Begriffsrevision gibt es aber tatsächlich auch in der Wissenschaftstheorie. Paul und Patricia Churchland beispielsweise, die in Bezug auf das Psychische einen eliminativen Materialismus vertreten, glauben (und hoffen), dass wir mit der Zeit aufhören werden, über Gefühle zu reden und uns statt dessen nur noch über neuronale Zustände unterhalten. Ich frage mich immer, wie Paul wohl seinen Heiratsantrag an Patricia formuliert hat.

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