Sezession
3. Juni 2018

Sonntagsheld (63) – Feuer frei!

Till-Lucas Wessels / 6 Kommentare

"Vielen Dank für Ihre Reise mit der Deutschen Bahn."

Es liegt in der bürokratischen Perfidie des bundesdeutschen Rechtsstaates, dass er gegen denjenigen, der seine Existenz durch den Einsatz der Schusswaffe perpetuiert, routinemäßig ein Verfahren eröffnet. So geschehen am vergangenen Mittwoch in Flensburg.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Was sagt das über das Verhältnis des Staates zu seinen Beamten aus und – fast noch wichtiger: Was sagt es über dieses Verhältnis aus, dass der Schusswaffeneinsatz offenbar eine mittelbare Folge des Versagens eben dieses Rechtsstaates war und zwar insofern, als dass eine Kontrolle die Einreise des nun Erschossenen aus dem sicheren Drittstaat Österreich und also womöglich auch sein vorzeitiges Ableben verhindert hätte?

Es ist wahrscheinlich ein typisch deutscher Ordnungsschauer, der uns über den Rücken läuft, wenn wir lesen, dass die Beamtin, die nach derzeitiger Sachlage gerade einen Angreifer in Notwehr erschossen hat, um ihres und das Leben anderer Unbeteiligter zu schützen, nun ihren Kollegen zum Verhör vorgeworfen wird. So abwegig erscheint es uns, den inzwischen technischen Vorgang der Volksbeschützung zur Heldentat zu verklären, dass es sich einige Maden nicht einmal nehmen ließen, sich über die Berliner Polizei zu beschweren, als die sich mit "Grazie" bei ihren italienischen Kollegen für die Liquidation des Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri an einem Mailänder Bahnhof bedankten.

Dabei folgen diese Vorgänge einer Logik, die für uns, die wir sie seit Jahren, zum Teil Jahrzehnten täglich sezieren, analysieren und offenlegen, fast physische Schmerzen, wenigstens jedoch eine inzwischen fast latente Erschöpfung hervorruft: Die hässlichen Bilder werden sich nicht vermeiden lassen. Will sagen: Keine Zäune an den Grenzen bedeuten Betonpoller in den Innenstädten, Keine Kontrolle am Rande des Staatsgebietes bedeutet Kontrolle auf dem Gebiet des Staates und jede Waffe, die sich nicht als Ultima Ratio an den Grenzen Europas gegen die richtet, die keinerlei Recht haben, unter uns zu sein, läuft Gefahr irgendwann in unserer Mitte blutige Gewissheit zu sprechen.

Vor ein paar Jahren sagte Frauke Petry, damals noch in der AfD, dass ein Grenzpolizist seinen Auftrag zum Schutz des Staatsgebietes zur Not mit dem Einsatz der Schusswaffe durchführen müsse. Das war im Jahr nachdem der namenlose Eritreer über eben die Grenze, die Petry zu schützen aufrief, nach Deutschland gekommen war. In der Zeit, die seit seiner Einreise bis vergangenen Mittwoch vergangen ist, hat selbiger es geschafft, als "polizeilich auffällig" zu gelten – Messer hier, Eisenstange da, manchmal ist es wie bei einem makabren Bingospiel.

Damals lösten die Äußerungen von Frau Petry einen sogenannten Sturm der Entrüstung aus, heute ist es nur eine Randnotiz wert, wenn an der kroatischen Grenze tatsächlich auf Illegale geschossen wird und das obwohl in diesem Fall tatsächlich die vielfach zitierten "Flüchtlingskinder" von den Kugeln der Grenzer getroffen und (zum Glück nur) verletzt wurden.

Wenn man die eingangs gestellten Fragen genau betrachtet, so ist es wohl gerade diese Normalisierung der Gewalt, das "part and parcel of living in a big city", die Terroranschläge, die wir zum Teil gar nicht mehr mitbekommen, die unzähligen Straftaten Illegaler, Abgetauchter, durch das lose Sieb des BAMF Gerutschter, in Kombination mit der vollen Härte des Rechtsstaates, die einen Polizisten trifft, der seine Waffe abfeuert, die sich zu einem absurden Mosaik der westlichen Gesellschaft fügt.

Es ist schade, dass ich an dieser Stelle wenig mehr tun kann, als Beifall von der falschen, weil leider rechtbehaltenden Seite zu spenden. Ich wünsche der Polizistin, die durch den Angreifer leicht verletzt wurde, dennoch eine rasche Genesung an Körper und Seele, die sie an den Ort ihres Dienstes zurückkehren lässt. Denn: Wir werden sie brauchen.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (6)

Bran
3. Juni 2018 22:55

Der Gott, der Eisen wachsen liess...
Alles Gute der Polizistin. Aber ansonsten: Was auch immer noch legal sein mag an Bewaffnung für deutsche Bürger, tragt es auf Euch. Benutzt es, wenn Ihr solchen Situationen gegenübersteht. Es muss keine Polizei sein, die eingreift. Es kann jeder sein. Notwehrrecht!
Der Krieg ist schon lange da.

Lotta Vorbeck
3. Juni 2018 23:14

"... Es ist schade, dass ich an dieser Stelle wenig mehr tun kann, als Beifall von der falschen, weil leider rechtbehaltenden Seite zu spenden. Ich wünsche der Polizistin, die durch den Angreifer leicht verletzt wurde, dennoch eine rasche Genesung an Körper und Seele, die sie an den Ort ihres Dienstes zurückkehren lässt. Denn: Wir werden sie brauchen."

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Und diese namenslose Frau von der Flensburger Polizei wird ebenfalls Beistand brauchen.

Läßt sie erkennen - in Folge ihrer mutigen Tat an einer seelischen Verletzung zu leiden - wird sie von ihren unmittelbaren Kollegen gemieden und von der Behördenleitung als "zu weich" angesehen werden ...

John Haase
4. Juni 2018 06:24

Ich mußte bei dem Flüchtlingsbingo laut auflachen. Ob man damit wohl wirklich ein Spiel hinbekäme? Das mittlere Feld könnte ja als „Illegale Einreise“ vorgegeben sein.

„Das erste Feld ist „Eisenstange“ meine Herrschaften, wer hat „Eisenstange“? Als nächstes zieht unsere bezaubernde Angela den/die/das... „mehrfachen Wechsel der Unterkunft“! Weiter geht es mit dem „Messer“! Na, das steht auf fast allen Spielfeldern, was hat die Angela denn jetzt in der Hand? „Brandstiftung“. Ich sehe einige Aufregung im Publikum. Nummer fünf: „Klage gegen Ablehnung des Asylantrages“. Gibt es schon ein Bingo? Na gut, weiter. Angela gibt uns „mehrfache Körperverletzung“. Oh, Sie sind wohl fast fertig gnädige Frau! Reicht Ihnen „bereits seit mehr als einem Jahr ausreisepflichtig“? Ja? Wir haben ein „Bingo“, Herrschaften! Gratulation an die Dame mit dem feschen roten Kurzhaarschnitt. Sie haben die Wochenendreise zu „Hinteruntergammelner breiten Bündnis gegen braune Nazis-Demo für Vielfalt“ gewonnen.“

RMH
4. Juni 2018 06:37

"... mit der vollen Härte des Rechtsstaates, die einen Polizisten trifft, der seine Waffe abfeuert,"

Jetzt mal bitte ein wenig die Kirche im Dorf lassen. Ein Ermittlungsverfahren hat - in normalen Rechtsstaaten! - auch bei "Anfangsverdacht" ergebnisoffen geführt zu werden und dient dazu, belastende aber auch entlastende Umstände zu ermitteln. Dass die Polizei bei Schusswaffengebrauch ein Ermittlungsverfahren einleitet, ist nicht die volle "Härte des Gesetzes", denn es kommt zum einen meistens keine Anklage dabei heraus und zum anderen entlastet die Behörde sich damit in erster Linie selber, in dem sie mit einem "amtlichen Ermittlungsverfahren" feststellt, dass alles ok war. Damit werden auch gerade Mythen und Legenden einer schießwütigen und alles vertuschenden Polizei, wie sie an anderer Stelle und bei anderen Anlässen gerne von der linken, "toleranten" Seite gepflegt werden, verhindert bzw. wird diesen vorgebeugt. Die "Härte des Gesetzes" dient hier also eher dem Schutz der Polizistin, als dass es sie ernsthaft belästigen würde.

Wie auch immer, im Übrigen natürlich richtig festgestellt: Wer seine Grenzen nicht schützt, muss dann umso mehr Aufwand im Inneren betreiben bzw. kann dann im Inneren nichts mehr groß verhindern. Die "Herrschaft des Unrechts" muss also endlich beendet werden.

Montesquieu
4. Juni 2018 10:11

Menschen sind sehr anpassungsfähig, was ihre Toleranz unangenehmer Zustände, aber auch die Flexibilität ihrer "Haltungen" betrifft.

Das Maß der Anpassungsfähigkeit wird unter anderem von der Dynamik der Veränderung beeinflusst. Das Bild vom apathisch sterbenden Frosch im sich erhitzenden Wasser ist zwar ganz konkret falsch, im übertragenen Sinne aber richtig.

Kritisch ist eigentlich nur die Überbrückung der Phase bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Mehrheit der Bevölkerung an "andere" Zustände gar nicht mehr erinnern kann, sie also in die grundsätzlich veränderten Umstände hineingeboren wurden.

Ich denke nicht, dass die zu erwartende Libanisierung Europas zukünftig auf substantiellen Widerstand der indigenen Bevölkerung stoßen wird.

Gotlandfahrer
4. Juni 2018 10:31

Scott Adams, der Schöpfer von Dilbert, Hypnotiseur und frühester Trump-Sieg-Vorhersager, hat, wie ich finde, in seinem frischen Werk ("Wie man Sie alle rumkriegt") auf köstliche und kompakte Weise die kognitionspsychologischen Erkenntnisse der Wissenschaft und damit eine gute Erklärung für das, woran wir uns hier alle seit Jahren abarbeiten, auf den Punkt gebracht: Die Evolution hat uns nicht danach selektiert, wie "wahr" wir die Umwelt interpretieren, sondern wie sehr uns unsere Interpretation ("Filter") hilft, uns erfolgreich fortzupflanzen. Die entscheidende Größe ist hierfür die Vorhersagegüte des Filters für das, was als nächstes passiert, nicht irgendwann passieren muss. Nebenbei wollen wir auch noch glücklich sein. Die Menschen nehmen also denjenigen der verfügbaren Filter an, der ihnen Glücksbestätigung verschafft UND eine hohe Wahrscheinlichkeit, im nächsten Schritt NICHTS UNMITTELBAR FALSCHES zu tun.

Das ist so ähnlich wie die Praxis, Unternehmensführung an Quartalsergebnissen auszurichten: Im Durchschnitt ist es für das Überleben des Unternehmens nicht verkehrt, nur von Quartal zu Quartal zu denken. Denn wenn man es schafft, immer das nächste Quartal zu erreichen, besteht man die maximal mögliche Zeit.

In der Evolution geht es analog darum, gerade noch da zu sein, um Nachwuchs zu schaffen und, falls erforderlich, noch bis zur Überlebensfähigkeit durchzuringen. Es geht nicht darum, mit 80 auf ein wahrhaftig geführtes Leben zurückzublicken.

Die Kehrseite ist natürlich, dass mit dieser Logik (also dem Filter) langfristig wirksame Entwicklungen nicht angemessen berücksichtigt werden (können). Denn ein Preis, der unter langfristigen Gesichtspunkten sinnvoll bereits in Quartal X gezahlt werden müsste, um ein Ereignis zu bewirken, das vielleicht einmal in einem ferneren Quartal eintritt, geht immer zu Lasten der Möglichkeiten, das Ziel für Quartal X + 1 zu erreichen.

So funktioniert auch der "Liberalismus-Filter", der sich in einer Zeit entwickelte, in der der Mensch bereits weitgehend entfremdet vom unmittelbaren Erleben der Entstehungszusammenhänge seine persönlichen Entscheidungen traf. Er macht glücklich, weil es schön ist, von den Mitmenschen bestätigt zu bekommen, was für ein feiner Kerl man ist und weil es sehr viel Mühe vermeidet, die man sich heute machen müsste, um jetzt oder kurzfristig Dinge "in Ordnung" zu halten.

Noch entscheidender für die Wahl des Liberalismus-Filters ist aber: Über Jahrzehnte lieferte dieser Filter stabile Vorhersagen dazu, was für den Einzelnen im nächsten Schritt nicht falsch ist. Wer Journalist, Lehrer, Hochschulprofessor oder was auch immer werden wollte, oder wer ohnehin in fast jeder Alltagssituation nicht von vornherein als Verlierer enden wollte, der lag mit Verwendung des Liberalismus-Filters immer richtig. So gesehen ist es eigentlich ein Wunder, dass es überhaupt Menschen gibt, die sowas wie die Sezession betreiben oder lesen.

Man darf, so mein Schluss, nicht nur, aber auch aus diesem Buch, nicht zu viel erwarten von den Menschen. Sie sind von der Natur nicht für die langfristige Sorge selektiert und geschaffen worden, jedenfalls nicht im Durchschnitt. Denn für den Durchschnitt ist es nicht falsch, mitzumachen und kurzfristig zu denken, weil ihn das glücklich macht, Kräfte spart und er durch die unmittelbaren und kurzfristigen Ergebnisse bestätigt wird.

Das Gute ist: Je geringer die Vorhersagegüte des Filters, desto nutzloser wird er und desto weniger glücklich macht er auch irgendwann. Das geht von alleine, weil sich die Wirklichkeit nicht um unsere Filter schert, sich daher die systematischen Entscheidungen durch Fehlinterpretationen summieren und irgendwann einen Punkt erreichen lassen, der zu sehr von ihr entfernt ist, als dass mit seiner Weiterverwendung nicht auch unmittelbar erlebbare Fehler gemacht würden. Das ist so wie mit dem "Weihnachtsmann-Filter", den Adams beschreibt: Zunächst macht er glücklich und liefert gute Prognosen (wird Geschenke geben). Irgendwann widerspricht er zu sehr den gemachten Erfahrungen und wird nutzlos. Was das einzelne Kind mit dem Weihnachtsmann-Filter erlebt, erlebt die westliche Gesellschaft mit ihrem Liberalismus-Filter: Den Minsky-Moment. Das ist an Börsen der Moment, wo die Investoren bemerken, dass sie an eine wertlose Blase geglaubt haben und alle gleichzeitig beginnen, den Schrott unter hohen Verlusten noch irgendwie loszuwerden. Der kommt mit dem Liberalismus-Filter auch, von ganz alleine, und er nähert sich mit immer größeren Schritten.

Adams beschreibt auch, was man tun kann, um dann einen Alternativ-Filter den Mitmenschen verfügbar zu machen (es ist genau das, was z.B. mit der Sezession getan wird): Den Widerpart am Leben halten, damit er zunehmend bekämpft wird. Denn dadurch (!) nimmt dieser zunehmend Raum im Bewusstsein der Menschen ein (ähnlich dem Overton-Window-Prinzip, aber nicht ganz das gleiche).

Für mich persönlich neu war an Scotts Beschreibungen (er erklärt Trumps Wirkung trotz all der Fakes und tatsächlich falschen Aussagen) das Prinzip, das Fehler in eigenen Aussagen gezielt gemacht werden sollten! Dadurch bringt man den Gegner durch Nutzung seines Beißreflex dazu, sich an den Fehlern immer wieder abzuarbeiten. Dies bewirkt genau die Raumnahme in ihrem Bewusstsein und dem des Auditoriums, die erforderlich ist, damit der Durchschnitt irgendwann den Alternativ-Filter annimmt. Mit dem im Detail tatsächlichen Schwachsinn einer Mauer zu Mexiko hat Trump das Thema Mauer und all die damit verbundenen anderen Aspekte erst zum Thema gemacht. Und je mehr er an Fehlern und Falschaussagen festhielt, um so mehr schmissen sich seine Gegner darauf und taten ihm damit genau den Gefallen, den er beabsichtigte.

Zum Bahnbeispiel des Artikels zurück: Dass die zunehmende Nutzlosigkeit und damit die Ablegung des Liberalismus-Filters, der ja auf Trugschluß eines Lebens ohne Gewalt und Tod basiert, nicht ohne schmerzlich erlebte Widersprüche von statten geht, ist zwangsläufig. Unser Filter liefert dazu weiterhin zutreffende Prognosen. Es besteht weniger Grund als jemals zuvor, ihn abzulegen.

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