Sezession
10. Juni 2018

Sonntagsheld (64) – Die Möglichkeit einer Insel

Till-Lucas Wessels / 12 Kommentare

"Eine Demonstration ist kein Ort um sich zu zählen..."

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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So ganz vom Tisch ist das Thema #FreeTommy für mich noch nicht: Zur Frage der Solidarität haben Kollege Poensgen und Raskolnikow auf ihre Weise alles gesagt, allerdings bin ich auf die in den Raum geworfene Frage "Was nun?" gewissermaßen eine Antwort schuldig geblieben und nachdem es sich bei diesem Sonntagshelden Nr. 62 um den meistkommentierten handelt, erlaube ich mir, die 20.000-Mann-Demonstration vom gestrigen Samstag als Anlass für ein paar lose Gedanken zu nehmen. Das hat auch den Grund, dass die Entwicklungen, die sich jetzt im Vereinigten Königreich andeuten, durchaus ein interessantes Beobachtungs- und Testgelände sein können für vergleichbare Fälle in Deutschland und Österreich, mit denen wir früher oder später rechnen müssen.

Um also direkt dort einzusteigen, wo ich im Artikel vom 27. Mai aufgehört habe: Was hat mich an den biergeschwängerten Unmutsbekundungen der aufgebrachten Robinson-Hooligans in der Downing Street so gestört? Soviel vorab: Es war keinesfalls die Dose Bier, die da über den Zaun gekippt wurde – solche Gesten können Charme haben, gehören aber vielleicht eher auf Beerdigungen von Rockstars, als auf politischen Demonstrationen. Viel mehr spielten – neben den quasi parallel entstandenen Partybildern der Abtreibungsbefürworter, die jedesmal kurze Verzweiflungs- und Ekelschübe verursachen, wenn ich sie mir ins Gedächtnis rufe – besonders zwei Faktoren für mich eine Rolle: Zum einen war es die mangelnde Informbringung der Demonstranten. In altbekannter Mob-Manier (hier soweit das geht wertfrei gemeint) standen sie vor dem Zaun, riefen ihre Parolen und drückten gegen die Polizeiketten, ohne ernsthafte Ambitionen zu haben oder ein sichtbares Ziel zu verfolgen. Der zweite Punkt hängt direkt mit dem ersten zusammen: Die mangelnde Bereitschaft zur ungehorsamen Kreativität. Man führe sich die Situation noch einmal vor Augen: Mehrere Hundert Männer im wehrfähigen Alter finden sich auf der Straße zusammen, um ihren Unmut kundzutun, alles was ihnen im Weg steht (zumindest als unmittelbares Symbol) ist ein Zaun und eine einreihige Kette aus Polizisten, die mit der Absicherung vollkommen überfordert und in absoluter Unterzahl ist. Da kann man doch auf Ideen kommen – zumal die vereinzelten Galgenvögel, die dann tatsächlich den Zaun hochkletterten, kaum daran gehindert werden konnten.

Nun also, zwei Wochen später 20.000 Menschen auf einer Demonstration mit UKIP-Chef Gerard Batten, Filip Dewinter vom Vlaams Belang und als "Stargast" dem liberalen Islamkritiker Geert Wilders. Und diesmal? Diesmal sah die Gemengelage noch ein wenig schärfer aus: Da die zwei übergeordneten Themen des sich momentan entwickelnden britischen Widerstandsmilieus, die Repression gegen patriotische Kräfte bei gleichzeitigem umfassenden Staats- und Polizeiversagen in den massenhaft ans Licht kommenden Fällen der systematisierten Zuwanderervergewaltigungen von der Menge symbolisch auf die eingesetzten Polizeikräfte übertragen wurden, entlud sich die Anspannung in vereinzelten Handgemengen, bei denen die Demonstranten "Shame on you" (zu deutsch etwa: "Wo wart Ihr Silvester?") skandierten, während die eingesetzten Polizisten sich mit Teleskopschlagstöcken zur Wehr setzten, wobei eigentlich auch egal ist, wer angefangen hat.

Das sorgt natürlich wieder für das bekannte bürgerliche Hygienejucken, für ein paar unansehnliche Flecken auf der weißen Weste des sich im vorgegebenen Diskursrahmen zu artikulieren habenden Protestes. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass jene sich formierende britische Zivilgesellschaft durchaus eine höhere Vehemenztoleranz aufweist, als man vielleicht glaubt; sonst hätte sie sich wohl kaum die Befreiung eines vorbestraften Hooligans auf die Fahnen geschrieben.
Hinzu kommt allerdings die berechtigte Frage: Steht das was ich hier schreibe im Widerspruch zu Sonntagshelden wie Arnaud Beltrame, oder der namenlosen Polizistin von letzter Woche?

Die aktivistische Erfahrung sagt: Der "Typ in der Uniform" ist für uns nicht das Meinhofsche Schwein. Aber er ist jemand, der einen Eid geleistet hat, die (Fehl-)entscheidungen der Politik zu verteidigen und der diese ununterbrochen verkörpert und durchsetzt, wenn er uns auf der Straße gegenübersteht. Als Träger dieser Fehlentscheidungen hat er sich uns gegenüber zu rechtfertigen und muss, wenn er zwischen uns und unserem Ziel steht, auf eine Art und Weise umflossen werden, die die zivilgesellschaftliche Narrensäumlichkeit, das beherzte Zwischen - also Schubsen, Drängeln, Beinestellen – nicht überschreitet und doch erfolgreich ist. Im Angesicht eines soliden Blocks aus breitgebauten BFE-Kloppern ist das nicht möglich, aber wenn es etwas gibt, das man von linken Demonstranten lernen kann, dann, dass es die Lücke nur zu finden gilt, die ohnehin vorhanden ist.

Das alles funktioniert natürlich nur, wenn man es schafft, die um sich greifende Energie der Erlebnisorientierten zu kanalisieren und wenn nötig auch zu drosseln. Hier kommen wir zum ersten Punkt ("Informbringung") zurück und die hat diesmal in England noch nicht funktioniert. Übrigens in beide Richtungen nicht. Dass sich ein windiger Typ wie der erwähnte UKIP-Chef von den "Idioten und Provokateuren" distanziert und sich bei der Polizei für ihren "marvellous job" bedankt, wäre durchaus Anlass genug, ihm den Raskolnikowschen Solidarischen Imperativ in einer zwiegesprächlichen Nachhilfestunde ganz im Sinne seiner Zweiseitigkeit bilateral und handwarm angedeihen zu lassen. Gleichzeitig gilt natürlich auch für die Seite derer, die losgehen: Körperlichkeit nutzt nur dort, wo sie auch etwas bewirken kann. Fliegende Bierdosen erfüllen diese Rechnung nicht, das beherzte Verhindern einer Ingewahrsamnahme schon.

Zuguterletzt braucht auch die in Form gebrachte Energie ein Ziel, das es zu erreichen gilt, ein Bild, das erzeugt werden soll, also: Eine Richtung. An der Stelle kann ich den britischen Kameraden wenig helfen, für eine konkrete Vorgabe kenne ich die Verhältnisse auf der Insel zu wenig. Mir bleibt nur festzustellen, was für ganz Westeuropa gilt:

Die ursprüngliche Öffentlichkeit, das ist die Straße. Und vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, an dem wir uns die Freiheit dieser Straße wieder und wieder nehmen müssen, weil jede andere Form der Öffentlichkeit uns durch Zensur und Marginalisierung verwehrt bleibt. So kommen wir zu dem Zitat vom Anfang zurück, es stammt (sinngemäß) aus der linksradikalen Schrift "Der kommende Aufstand": "Eine Demonstration ist kein Ort um sich zu zählen, aber es ist ein Ort um sich zu organisieren und gemeinsam zu handeln." Will sagen: Es kommt nicht auf die 20.000 an, sondern auf den Teil von ihnen, der bereit ist, im richtigen Moment in dieselbe Richtung zu rennen.

Das alles ist kein Patentrezept, es sind ein paar Grübeleien zum Sonntagabend, der diesmal ohne einen Helden auskommen muss, ein bisschen Kramen in Fragen und Antworten, denen sich schon andere gegenübersahen und vielleicht auch ein kleines bisschen zähflüssige Zuversicht im Angesicht der sich entfaltenden Dynamiken.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (12)

Durendal
11. Juni 2018 19:33

"...in einer zwiegesprächlichen Nachhilfestunde ganz im Sinne seiner Zweiseitigkeit bilateral und handwarm angedeihen zu lassen..."

Wenn bestimmte Visionen der patriotischen Zukunft anfangen ähnlich zu klingen wie das, was man seit Jahren auf Indymedia liest, ist es Zeit, sich zu verabschieden.

halbautomat
11. Juni 2018 23:26

Sehr geehrter Herr Wessels,
aus meiner eigenen Zeit in der linksextremen Szene verfüge ich über umfangreiche Erfahrungen mit „robusten“ Demonstrationen.
(Formal sei hier festgehalten, dass ich A) selbstverständlich niemals Straftaten begangen habe und diese B) ansonsten auch längst verjährt wären - es ist 3 Jahrzehnte her).

Ich möchte zwei Aspekte zu bedenken geben.

Erstens:
Staat bedeutet im Kern das Monopol auf Gewalt. Diese Gewalt tritt uns in der Person des Uniformierten gegenüber. In dieser Funktion mag der Uniformierte als Gegner erscheinen, im schlimmsten Fall sogar als Feind.
Aber: Als Konservative und Rechte haben wir (im Gegensatz zu den Linksextremisten) viele Beamte in ihrer persönlichen politischen Überzeugung auf unserer Seite. Dieses Kapital - die grundsätzliche Sympathie der uniformierten Kräfte für unsere Anliegen - konnte von unseren Gegnern in den Institutionen nie aufgebraucht werden. Und wir sollten es unter keinen Umständen selbst aufbrauchen.

Der zweite Punkt:
Der „kommende Aufstand“ der Linksxtremisten wird nicht kommen. Deshalb ist auch deren Strategie, Demonstrationen als „Ort um gemeinsam zu handeln“ zu nutzen, nicht zielführend. Solange es ihnen nicht gelingt, den „Aufstand“ auf metapolitischer Ebene soweit vorzubereiten, dass er in der Bevölkerung anschlussfähig wird, ist eine in diesem Sinne „aktive“ Demonstration kontraproduktiv.
Gleiches gilt für uns - Ein Prozent Aktiver mag ausreichen um die Verhältnisse nachhaltig zu verändern. Aber nur mit der schweigenden Mehrheit auf unserer Seite. Und diese Mehrheit gewinnen wir nicht durch ein Auftreten, das den Bürgern mehr Angst als Hoffnung macht.

Kurzum: Ich halte die Bezugnahme auf die Strategien von Linksextremisten für kontraproduktiv.

Lotta Vorbeck
12. Juni 2018 06:20

@Durendal - 11. Juni 2018 - 07:33 PM

# Frage №.1:
Warum so mimosenhaft überempfindlich?

# Frage №.2:
Verabschieden - wohin?

John Haase
12. Juni 2018 07:45

@halbautomat

Zu „Erstens“.
Sicherlich hat man als Rechter viele der unteren Ränge auf seiner Seite, weswegen der ein oder andere Schlagstockhieb etwas milder ausfallen mag. Die oberen sind aber meist fest auf Seiten der real-existierenden FDGO und wenn deutsche Beamte eines sind, dann ist es gehorsam. Einen Schießbefehl mit scharfer Munition auf die „Feinde der Demokratie“ des „besten Deutschland, das wir je hatten“ (wir), würde man wohl verweigern, aber alles darunter wird pflichtbewußt und gnadenlos ausgeführt, insbesondere die sanfte Repression, die unser Staat in den letzten Jahren mehr und mehr für sich entdeckt hat.

Tatsächlich sind die Beispiele des politischen Kretinismus (Begriff Copyright by Alexander Wendt) in der BRD derart zum Himmel schreiend, daß kein Mann, der ehrlich zu sich selbst ist, ihr noch dienen kann. Man schaue sich nur die besetzten Häuser in bspw der Rigaer Str. in Berlin an. In jedem normalen Staat hätte man diesen Abschaum längst platt gemacht. Nicht so in der BRD. Hier wird so etwas toleriert und politisch respektiert. Die Tatsache, daß der Staat (oder das Land) Gewalt gegen seine Diener auf diese Weise auch noch fördert, bedeutet, daß der Durchschnittspolizist in seinem Weltbild mindestens ein wenig verdreht sein muß, sonst wäre er kein Polizist.

MARCEL
12. Juni 2018 08:34

Propagandistisch gesehen haben wir bislang nur Erfolge oder sagen wir es ruhig, Siege zu verzeichnen. Daher die blinde Wut der Antifa, fast wie im Stierkampf.
Drei Gegner haben wir insgesamt: Establishment (Regierungsapparat, Medien, Teile der Wirtschaft), Antifa und gewaltbereite Migranten zzgl. Erdogan-Muslime
Diese drei dürfen keine Allianz bilden (Versuche gibt es).
Einer dieser dreien muss so zermürbt werden, dass er als Gegner de facto ausfällt bzw. die Seite wechselt.
Die anderen muss man isolieren. Es ist überdies gut vorstellbar, dass Antifa und Muslime Bündnisse eingehen, da der Islam als Dritte-Welt-Ideologie angehimmelt wird.
Aber, wem sage ich das?
Wie dem auch sei: Es hat alles erst begonnen.
Auf die entschlossene Minderheit wird es, wie so oft in der Geschichte, ankommen.
Weiter so!
Grüße Marcel Kehlberg

Der Gehenkte
12. Juni 2018 09:54

Spielen wir das Gedankenexperiment weiter. Die Leute standen am Tor zur Downing Street. Nehmen wir an, sie schieben die Polizisten beiseite, entern das Tor und dann ... ?

Erzählen Sie, Herr Wessels. Mir fehlt die Phantasie, ich stünde ebenfalls bedeppert da und wüßte nicht, was zu tun. Und jener kleine Teil, der "im richtigen Moment in dieselbe Richtung zu rennen" weiß, was macht der dann? Sie haben die vor zwei Wochen gestellte Frage noch immer nicht beantwortet, aber Sie "raunen".

Texte, oder Subtexte, wie diese lassen mich schwer zweifeln ...

"Aber er ist jemand, der einen Eid geleistet hat, die (Fehl-)entscheidungen der Politik zu verteidigen" - "Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet." (Römer 13.1) Wo sind die Christen?

Durendal
12. Juni 2018 11:12

@Lotta Vorbeck
Das, was der Autor als „Typ in der Uniform“ bezeichnet, der „uns auf der Straße gegenübersteht“, dürfte bis in die unteren Ebenen des höheren Dienstes hinein überwiegend die hier angesprochenen Probleme sehr ähnlich sehen und wäre ein wichtiger Träger einer politischen Bewegung, die eine Wiederherstellung von Recht und Gesetz sowie der öffentlichen Ordnung, die Bekämpfung korrupter Strukturen in Politik und Öffentlichem Dienst und eine Gestaltung der Politik auf der Grundlage nationaler Interessen befürwortet.

Man kann den „Typ in Uniform“ nicht einerseits als Gegner betrachten und gleichzeitig hoffen, ihn als Verbündeten bei der Erneuerung dieses Staates zu gewinnen. In Dresden, Stuttgart, Kandel etc. hat man aus guten Gründen dafür gesorgt, dass der „Typ in Uniform“ jederzeit unterscheiden konnte, wer Freund und wer Feind ist.

Wenn der Autor stattdessen über die Polizei als Gegner und über "Körperlichkeit" gegen Polizisten und (UKIP)-Politiker schreibt, klingt das für mich vor diesem Hintergrund eher nach einem Ausdruck von Frust als nach einem Ausdruck strategischen Denkens.

John Haase
12. Juni 2018 11:27

@Der Gehenkte
https://www.ekmd.de/attachment/aa234c91bdabf36adbf227d333e5305b/ccb4cd119c5d942a929f59533a52c2d4/Gehorsam_ist_der_Christen_Schmuck.pdf

Zum Römerbrief, für den widerständlerischeren Christen.

Alveradis
12. Juni 2018 12:33

Wenn man ganz schnell so ein paar aktuelle Helden ( unvollständig) zusammenstellt die so im Angebot sind, dann sind da also TommyTommyTommy oh Tommy, Wilders, Trump, Bennon, Milo, Dugin, Putin, Sellner, Pettibone/Southern, Orban, die Lega usw. die allesamt sehr kritik- und gedankenlos verehrt werden und ihre Follower oder Bewunderer anführen oder als ihnen Hoffnungsträger gelten. Und irgendwie sollen dann irgendwann alle in die richtige Richtung losrennen, weil sich "Dynamiken entfalten"?

Die Mühelosigkeit mit der man sich im Internet mit der gewünschten Propaganda versorgen kann bzw. Propaganda aufgedrückt bekommt und sich durch Retweets und Likes als Teil einer Bewegung fühlen kann, scheint nicht nur einen Suchtcharakter zu erzeugen, sondern insgesamt das kritische Denken nach und nach abzuschaffen. Ereignis um Ereignis erzeugt reflexhafte und im Netz "reale" oder künstlich hergestellte Massenwirksamkeit und es wird unbequem und störend, sich mal selbst ein eigenes Urteil zu bilden, weil man ja z.B. auch die YouTube Persönlichkeiten hat, die sagen wo es gerade lang geht.

Zum Glück setzen wir uns hier in Deutschland noch nicht, wie in den USA, diese idiotischen Themenkappen auf aber so langsam fürchte ich, dass auch das noch kommt.

Übrigens laufen auch linke, sogar ganz reale Massenproteste in Leere, wenn die Ziele nicht denen der NWO entsprechen. Man kann sich die in Lächerlichkeit gescheiterte Occupy Bewegung oder die massiven anti- Kriegs Proteste ansehen, wenn Beispiele benötigt werden.

Allerdings gibt es ja auch die Beispiele für Mikoproteste, die im z.B. LGTB Bereich umgehend politische Veränderungen auslösen. "Offene Grenzen für alle" zu rufen ist ja auch sagenhaft wirksam. Na so was.

Ich möchte nicht von schwammigen Dynamiken angetrieben werden sondern sehr genau wissen, was gespielt wird. Ich möchte mir die Akteure ebenso genau ansehen, wie die Ideologien oder Förderer, der Figuren und deren Ziele. Ich frage mich, was ist gut für uns, für Deutschland und das ist mein Maßstab. Wie erreichen wir für uns das Beste und mit wem ist das möglich?

Der Gehenkte

"Spielen wir das Gedankenexperiment weiter. Die Leute standen am Tor zur Downing Street. Nehmen wir an, sie schieben die Polizisten beiseite, entern das Tor und dann ... ?

Erzählen Sie, Herr Wessels. Mir fehlt die Phantasie, ich stünde ebenfalls bedeppert da und wüßte nicht, was zu tun. Und jener kleine Teil, der "im richtigen Moment in dieselbe Richtung zu rennen" weiß, was macht der dann? Sie haben die vor zwei Wochen gestellte Frage noch immer nicht beantwortet, aber Sie "raunen". "

Nun, bei einem gewaltsamen Eindringen würde es tote Märtyrer geben. Eine weitere Dynamik, die aus einer erzeugten Dynamik heraus entstanden ist, von der nicht recht klar ist, wohin es eigentlich gehen soll. Aber Wilders könnte die Grabrede halten und Churchills Jungs loben.

Andreas Walter
12. Juni 2018 17:34

Negativ. Keine Freigabe. Hören Sie? Keine Freigabe für eine Gefangenenbefreiung mit Gewalt.

Für unaufgelöste persönliche Spannungen und Konflikte gibt es den Fightclub. Und was ist die erste Regel des Fightclubs?

Richtig!

Ausserdem dieses Buch lesen und verinnerlichen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kunst_des_Krieges_(Sunzi)

Ende.

halbautomat
12. Juni 2018 17:44

@John Haase 12. Juni 2018 07:45

Die Gewaltfrage war einer der vielen Gründe, mich aus der genannten Szene zu verabschieden. Sicher war dies auch ein banaler Reifungsprozess - junge Männer wollen kämpfen, mit dem Alterungsprozess wird man(n) eben ruhiger. Aber es kam auch die politische Einsicht der völligen Sinnlosigkeit des eigenen Handelns hinzu.

Natürlich gibt es Situationen, in denen politisch motivierte Gewalt nicht nur legitim sondern geboten ist - Graf von Stauffenberg und die anderen Männer des 20. Juli gelten ja völlig zu recht als größte Helden der neueren Geschichte unseres Landes.
Von einer solchen Situation (und einer vergleichbaren Position) sind wir aber weit entfernt. Und gerade der Hinweis auf die „sanfte Repression“ macht dies deutlich. Ginge von neurechten Kreisen Gewalt aus, wäre es für die „Oberen“ ein Leichtes, mit großer Härte gegen den dann auf allen Kanälen zum Schrecken der Bürger verkündeten „neuen Nazi-Terror“ ins Feld zu ziehen.

Ihre Feststellung zu den oberen Rängen der Exekutive ist selbstverständlich zutreffend. Diese Karrierestufe erreichen Sie nur, wenn Sie ein hohes Maß an Stromlinienförmigkeit mitbringen. Genauso richtig ist m.E. die Einschätzung der „Fußtruppen“. Beim ersten Frauenmarsch in Berlin habe ich mit vielen Beamten gesprochen, und praktisch alle haben Ablehnung und Unverständnis für die von oben angeordneten Zurückhaltung gegenüber den „Autonomen“ geäußert.
Allein - sich mit diesen Beamten auf der Straße anzulegen, würde nichts besser machen. Im Gegenteil.

@Durendal, 12. Juni 2018 11:12
Ich sehe es genau wie Sie. Obwohl Frust und Wut natürlich nachvollziehbar sind, bleibt uns nichts anderes als strategische Disziplin.

Lotta Vorbeck
14. Juni 2018 12:19

@Durendal - 12. Juni 2018 - 11:12 AM

"Man kann den „Typ in Uniform“ nicht einerseits als Gegner betrachten und gleichzeitig hoffen, ihn als Verbündeten bei der Erneuerung dieses Staates zu gewinnen. In Dresden, Stuttgart, Kandel etc. hat man aus guten Gründen dafür gesorgt, dass der „Typ in Uniform“ jederzeit unterscheiden konnte, wer Freund und wer Feind ist."

__________________________

Neulich, irgendwo in der BRD:

https://i.pinimg.com/564x/1d/d1/2a/1dd12aacffea49194a85ce342e4a1d87.jpg

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