Sezession
17. Juni 2018

Sonntagsheld (65) – Die Müh(l)en der Ebene

Till-Lucas Wessels / 1 Kommentar

Hier werden die dicken Bretter gemahlen!

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Wie ein knisterndes Lauffeuer lodert in der Neuen Rechten – noch hinter vorgehaltener Hand, aber zunehmend zwischen den nur noch spärlich zusammengehaltenen Fingern hervorflackernd – die Warnung vor der "Freiraumfalle" durch die Reihen. Das meint im Grunde genommen gleich zweierlei: Zuerst, vielleicht etwas holprig herbeimetaphorisiert, jener Freiraum der sich vor uns erstreckenden Ebene der Realpolitik, an deren Rand wir nach dem mühsamen Dickichtgang der letzten Jahre stehen. Vor uns erstreckt sich ein weiter Raum, der genommen werden will, dessen Grenzen wir aber nicht kennen und der sich also anschickt uns im kontinuierlichen Trab die Puste zu rauben. Im Moment geht es ganz gut voran, aber: Die Ebene ist schwieriger zu verteidigen als der Wald und deshalb werden wir den gewonnenen politischen Raum nur halten, wenn wir ihn gewissermaßen metapolitisch kolonialisieren. Für so eine Eroberung braucht es Stützpunkte, bei uns in Halle ist einer entstanden, heute zieht man in Brandenburg nach.

Ich befinde mich gerade auf dem Sprung zur Einweihungsfeier der "Mühle", eines Informationsbüros und Zentrums des zivilgesellschaftlichen Widerstands, das heute in Cottbus eröffnet wird. Getragen wird der Infoladen vom Bürgerbündnis "Zukunft Heimat", das so gemeinsam mit der Bürgerinitiative Ein Prozent einen neuen Knotenpunkt und einen rechten Freiraum an einem der fruchtbarsten Plätze der politischen Landschaft der Bundesrepublik errichtet. Diesen Freiraum zu halten und nicht in die zweite Freiraumfalle zu tappen – nämlich die Beschränkung auf die Vereinsmeierei in den eigenen vier Wänden, das sich-Einrichten im bequemen Stützpunkt, obgleich der doch nur ein Fort, eine Zeltstadt, eine Wagenburg auf dem Weg nach Westen ist, wird die entscheidende Aufgabe für die wachsende Anzahl an patriotischen Zentren, die im Moment in Deutschland entsteht.

Ich werde nachher, wenn ich aus Cottbus wieder zurück bin, diesen Bericht um ein paar Eindrücke von der Einweihungsfeier ergänzen und auch einen kleinen Ausblick geben, wie den zwei Freiraumfallen entgegengewirkt werden kann. Bis dahin wünsche ich meinen Lesern einstweilen einen geruhsamen Sonntag.
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Ein paar ereignisreiche Stunden und Gespräche später ein kurzer Nachbericht:
Die "Mühle" ist ein Erfolg, soviel ist klar. Jedes andere Urteil wäre absurd und würde dem großen Besucherandrang zur Einweihung, dem fehlenden Widerstand der Gegenseite und der entsprechend niedrigen Polizeipräsenz (als wir, leicht verspätet, ankamen, stand noch ein Mannschaftswagen vor Ort, davon können wir in Halle im Moment nur träumen) nicht gerecht werden. Mag es daran liegen, dass sich in Cottbus innerhalb des letzten Jahres ein stabiles rechtes Milieu gebildet hat, oder daran, dass die politische Linke dort seit den 90ern einen schweren Stand hat - die "Mühle" ist weniger ein dreister, spontaner Wurf, sondern vielmehr ein gezielt gesetzter Schlüsselstein mitten in der Innenstadt, der das logische Ende einer strukturellen Entwicklung abbildet.

Wie also weiter für den Infoladen, der mit dem direkt nebenanliegenden AfD-Büro ein patriotisches Tandem bildet? Zuerst einmal, quasi ad "Freiraum I": Ruhe bewahren und den eigenen Stiefel durchziehen. Ob die GroKo hält oder nicht, was Macron mit Merkel macht, welcher Hafen sich als nächstes dazu erniedrigt ein Schlepperschiff inklusive Treibgut aufzunehmen - das alles ist in Cottbus erstmal egal. Die politische Großwetterlage darf hier nur noch dann den Takt angeben, wenn sie die Stadt direkt betrifft. Die Cottbuser Zivilgesellschaft hat die "Mühle" ohnehin bereits wohlwollend aufgenommen - sei es bei der zufälligen Visitation im Rahmen eines Bratwurststandbesuches, oder in Form von ein paar Fußballfans, die sich, ihre Zustimmung nickend, hinter der hellen Glasfassade zum Kuchenessen einfanden.

In so einem Milieu kann die eigene Blase gut gedeihen, um so wichtiger ist also die Bewältigung von "Freiraum II": Das ist - wir in Halle sprechen aus Erfahrung - vor Allem eine tägliche Gratwanderung, die im Grunde nur im Gespräch von Mensch zu Mensch gewonnen werden kann. Denn darauf kommt es an, wenn man sich verortet: Die ~13.000 "Gefällt mir", die "Zukunft Heimat" auf Facebook hat, wären nichts wert, wenn von diesen 13.000 nicht eine Handvoll bereit wäre, ihr Geld, ihre Zeit und ihr Gesicht für das Projekt "Mühle" zu opfern. Im Moment sieht es so aus, als ob das klappt - ansprechende Programmpunkte sind in Planung, die Mannschaft ist motiviert und heterogen genug, um nicht in aktivistischer Selbstbefriedigung zu ersticken. Gleichzeitig können die Organisatoren auf einen entscheidenden Vorsprung zurückblicken: Das Wirken in die lokale Gemeinschaft ist für "Zukunft Heimat" weniger Markenkern als viel mehr echte Essenz geworden - die Vernetzungen, Bekanntschaften, kleinen und großen Zuschüsse und verbunden damit eine regelrechte patriotische Willkommenskultur sind schon vorhanden. Was kann man da als Rat mitgeben?

Nun, vor allem: Hungrig bleiben, sich nicht zufrieden geben, den eigenen Auftrag und die eigene Chance ernstnehmen. Die Leuchttürme, die heute entstehen, sind einzigartig in der Geschichte der Bundesrepublik, sie alle eint die Erkenntnis, dass das Halten der Stellung zu wenig ist. Daher, mit den herzlichsten Grüßen nach Cottbus gesandt unsere Formel: Mehr Mitglieder, Bessere Veranstaltungen und vor Allem: Immer die nächste Raumnahme im Visier!


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (1)

Andreas Walter
17. Juni 2018 23:14

Sie wollen schon wieder zu schnell zu viel, Herr Wessels. Das ist mir schon neulich aufgefallen. Nur wird auch Ihnen im Notfall eine einzelne Keimzelle selbst in jeder Stadt nichts nützen. Ich zeige Ihnen darum jetzt ein Bild und frage Sie, was auch hier das Problem ist, wenn es hart auf hart kommt:

https://en.wikipedia.org/wiki/Demographics_of_South_Africa#/media/File:South_Africa_2011_dominant_population_group_map.svg

Richtig. Nicht zuviel, sondern zu wenig Apartheit. Haben auch zu viel gewollt, wollten und haben darum auch an zu vielen Orten gleichzeitig gegraben, gepflanzt und gemahlen. Ich habe mir die letzten Tage viele Gedanken gemacht über die White Minority in SA. Denn sie steht exemplarisch auch für den Rest in der Welt. Der ANC wusste darum schon, warum sie den Weissen nicht mal einen kleinen Teil des Landes überlassen wollten, den Volkstaat:

https://en.wikipedia.org/wiki/Volkstaat

Dabei gehört die im Wikipediaartikel abgebildete Region mit zu den "Ärmsten an Allem", die man in SA überhaupt finden kann. An solchen Zeichen aber kann man sie erkennen, auch die wahren Absichten des ANC. Regenbögen (und "blühende Landschaften") auch hier darum alles nur leere Versprechen.

Vielleicht betrachte ich die Dinge aber auch zu bodenständig, zu militärisch, nicht politisch und metapolitisch genug. Gebe zu, dass ich darum auch mehr Vertrauen in Gold und Diamanten habe als in Papier, schon als Kind darum von Yachten und Inseln fasziniert war. Mag alles auch an der Fremde liegen, die uns nicht immer freundlich gesinnt war, in der ich aufgewachsen bin. Ich setze mich darum auch überall lieber mit dem Rücken zur Wand. So etwas wie die Alpen oder der Himalaya im Rücken ist darum auch nie verkehrt, oder eine grosse Wüsste, auch Eiswüste, oder das Meer.

Sobald Sie daher einen bescheidenen Hausmeister suchen geben Sie mir bitte Bescheid. Bringe auch ein paar tontechnische Überraschungen mit, die in keiner Medienwerkstatt fehlen dürfen. Mehr kann ich derzeit leider nicht bieten, ausser mich selbst natürlich. Akademiker, drei Weltsprachen zumindest fliessend. Vielleicht aber gehöre ich auch zu den Abgehängten, das werden die nächsten 12 Monate zeigen. Doch so schnell gebe ich nicht auf. Für meine Gene wäre Ostdeutschland sogar eine Art Heimkehr. Nach 1000 Jahren. Auch wenn die geostrategische Lage auch dort nicht perfekt ist, noch nie war.

Heute den Film Dünkirchen gesehen, online. Darin kommt am Ende des Films ein sehr entlarvender Monolog vor, was die Briten betrifft. Ein sehr spanender, aber auch trauriger Film. Der beste Kampf ist darum der, den man vermeiden kann. Doch man bekommt nicht immer die Wahl. Manche meinen, sie müssten ihr Weltreich verteidigen, darunter läuft nichts.

https://www.youtube.com/watch?v=QeTF0MYjJVg

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