Sonntagsheld (65) – Die Müh(l)en der Ebene

Hier werden die dicken Bretter gemahlen!

 Gastbeitrag

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Hier wer­den die dicken Bret­ter gemahlen!

Wie ein knis­tern­des Lauf­feu­er lodert in der Neu­en Rech­ten – noch hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand, aber zuneh­mend zwi­schen den nur noch spär­lich zusam­men­ge­hal­te­nen Fin­gern her­vor­fla­ckernd – die War­nung vor der “Frei­raum­fal­le” durch die Rei­hen. Das meint im Grun­de genom­men gleich zwei­er­lei: Zuerst, viel­leicht etwas holp­rig herbei­me­ta­pho­ri­siert, jener Frei­raum der sich vor uns erstre­cken­den Ebe­ne der Real­po­li­tik, an deren Rand wir nach dem müh­sa­men Dickicht­gang der letz­ten Jah­re ste­hen. Vor uns erstreckt sich ein wei­ter Raum, der genom­men wer­den will, des­sen Gren­zen wir aber nicht ken­nen und der sich also anschickt uns im kon­ti­nu­ier­li­chen Trab die Pus­te zu rau­ben. Im Moment geht es ganz gut vor­an, aber: Die Ebe­ne ist schwie­ri­ger zu ver­tei­di­gen als der Wald und des­halb wer­den wir den gewon­ne­nen poli­ti­schen Raum nur hal­ten, wenn wir ihn gewis­ser­ma­ßen meta­po­li­tisch kolo­nia­li­sie­ren. Für so eine Erobe­rung braucht es Stütz­punk­te, bei uns in Hal­le ist einer ent­stan­den, heu­te zieht man in Bran­den­burg nach.

Ich befin­de mich gera­de auf dem Sprung zur Ein­wei­hungs­fei­er der “Müh­le”, eines Infor­ma­ti­ons­bü­ros und Zen­trums des zivil­ge­sell­schaft­li­chen Wider­stands, das heu­te in Cott­bus eröff­net wird. Getra­gen wird der Info­la­den vom Bür­ger­bünd­nis “Zukunft Hei­mat”, das so gemein­sam mit der Bür­ger­initia­ti­ve Ein Pro­zent einen neu­en Kno­ten­punkt und einen rech­ten Frei­raum an einem der frucht­bars­ten Plät­ze der poli­ti­schen Land­schaft der Bun­des­re­pu­blik errich­tet. Die­sen Frei­raum zu hal­ten und nicht in die zwei­te Frei­raum­fal­le zu tap­pen – näm­lich die Beschrän­kung auf die Ver­eins­meie­rei in den eige­nen vier Wän­den, das sich-Ein­rich­ten im beque­men Stütz­punkt, obgleich der doch nur ein Fort, eine Zelt­stadt, eine Wagen­burg auf dem Weg nach Wes­ten ist, wird die ent­schei­den­de Auf­ga­be für die wach­sen­de Anzahl an patrio­ti­schen Zen­tren, die im Moment in Deutsch­land entsteht.

Ich wer­de nach­her, wenn ich aus Cott­bus wie­der zurück bin, die­sen Bericht um ein paar Ein­drü­cke von der Ein­wei­hungs­fei­er ergän­zen und auch einen klei­nen Aus­blick geben, wie den zwei Frei­raum­fal­len ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den kann. Bis dahin wün­sche ich mei­nen Lesern einst­wei­len einen geruh­sa­men Sonntag.
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Ein paar ereig­nis­rei­che Stun­den und Gesprä­che spä­ter ein kur­zer Nachbericht:
Die “Müh­le” ist ein Erfolg, soviel ist klar. Jedes ande­re Urteil wäre absurd und wür­de dem gro­ßen Besu­cher­an­drang zur Ein­wei­hung, dem feh­len­den Wider­stand der Gegen­sei­te und der ent­spre­chend nied­ri­gen Poli­zei­prä­senz (als wir, leicht ver­spä­tet, anka­men, stand noch ein Mann­schafts­wa­gen vor Ort, davon kön­nen wir in Hal­le im Moment nur träu­men) nicht gerecht wer­den. Mag es dar­an lie­gen, dass sich in Cott­bus inner­halb des letz­ten Jah­res ein sta­bi­les rech­tes Milieu gebil­det hat, oder dar­an, dass die poli­ti­sche Lin­ke dort seit den 90ern einen schwe­ren Stand hat – die “Müh­le” ist weni­ger ein dreis­ter, spon­ta­ner Wurf, son­dern viel­mehr ein gezielt gesetz­ter Schlüs­sel­stein mit­ten in der Innen­stadt, der das logi­sche Ende einer struk­tu­rel­len Ent­wick­lung abbildet.

Wie also wei­ter für den Info­la­den, der mit dem direkt neben­an­lie­gen­den AfD-Büro ein patrio­ti­sches Tan­dem bil­det? Zuerst ein­mal, qua­si ad “Frei­raum I”: Ruhe bewah­ren und den eige­nen Stie­fel durch­zie­hen. Ob die Gro­Ko hält oder nicht, was Macron mit Mer­kel macht, wel­cher Hafen sich als nächs­tes dazu ernied­rigt ein Schlep­per­schiff inklu­si­ve Treib­gut auf­zu­neh­men – das alles ist in Cott­bus erst­mal egal. Die poli­ti­sche Groß­wet­ter­la­ge darf hier nur noch dann den Takt ange­ben, wenn sie die Stadt direkt betrifft. Die Cott­bu­ser Zivil­ge­sell­schaft hat die “Müh­le” ohne­hin bereits wohl­wol­lend auf­ge­nom­men – sei es bei der zufäl­li­gen Visi­ta­ti­on im Rah­men eines Brat­wurst­stand­be­su­ches, oder in Form von ein paar Fuß­ball­fans, die sich, ihre Zustim­mung nickend, hin­ter der hel­len Glas­fas­sa­de zum Kuchen­es­sen einfanden.

In so einem Milieu kann die eige­ne Bla­se gut gedei­hen, um so wich­ti­ger ist also die Bewäl­ti­gung von “Frei­raum II”: Das ist – wir in Hal­le spre­chen aus Erfah­rung – vor Allem eine täg­li­che Grat­wan­de­rung, die im Grun­de nur im Gespräch von Mensch zu Mensch gewon­nen wer­den kann. Denn dar­auf kommt es an, wenn man sich ver­or­tet: Die ~13.000 “Gefällt mir”, die “Zukunft Hei­mat” auf Face­book hat, wären nichts wert, wenn von die­sen 13.000 nicht eine Hand­voll bereit wäre, ihr Geld, ihre Zeit und ihr Gesicht für das Pro­jekt “Müh­le” zu opfern. Im Moment sieht es so aus, als ob das klappt – anspre­chen­de Pro­gramm­punk­te sind in Pla­nung, die Mann­schaft ist moti­viert und hete­ro­gen genug, um nicht in akti­vis­ti­scher Selbst­be­frie­di­gung zu ersti­cken. Gleich­zei­tig kön­nen die Orga­ni­sa­to­ren auf einen ent­schei­den­den Vor­sprung zurück­bli­cken: Das Wir­ken in die loka­le Gemein­schaft ist für “Zukunft Hei­mat” weni­ger Mar­ken­kern als viel mehr ech­te Essenz gewor­den – die Ver­net­zun­gen, Bekannt­schaf­ten, klei­nen und gro­ßen Zuschüs­se und ver­bun­den damit eine regel­rech­te patrio­ti­sche Will­kom­mens­kul­tur sind schon vor­han­den. Was kann man da als Rat mitgeben?

Nun, vor allem: Hung­rig blei­ben, sich nicht zufrie­den geben, den eige­nen Auf­trag und die eige­ne Chan­ce ernst­neh­men. Die Leucht­tür­me, die heu­te ent­ste­hen, sind ein­zig­ar­tig in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik, sie alle eint die Erkennt­nis, dass das Hal­ten der Stel­lung zu wenig ist. Daher, mit den herz­lichs­ten Grü­ßen nach Cott­bus gesandt unse­re For­mel: Mehr Mit­glie­der, Bes­se­re Ver­an­stal­tun­gen und vor Allem: Immer die nächs­te Raum­nah­me im Visier!

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Kommentare (1)

Andreas Walter

17. Juni 2018 23:14

Sie wollen schon wieder zu schnell zu viel, Herr Wessels. Das ist mir schon neulich aufgefallen. Nur wird auch Ihnen im Notfall eine einzelne Keimzelle selbst in jeder Stadt nichts nützen. Ich zeige Ihnen darum jetzt ein Bild und frage Sie, was auch hier das Problem ist, wenn es hart auf hart kommt:

https://en.wikipedia.org/wiki/Demographics_of_South_Africa#/media/File:South_Africa_2011_dominant_population_group_map.svg

Richtig. Nicht zuviel, sondern zu wenig Apartheit. Haben auch zu viel gewollt, wollten und haben darum auch an zu vielen Orten gleichzeitig gegraben, gepflanzt und gemahlen. Ich habe mir die letzten Tage viele Gedanken gemacht über die White Minority in SA. Denn sie steht exemplarisch auch für den Rest in der Welt. Der ANC wusste darum schon, warum sie den Weissen nicht mal einen kleinen Teil des Landes überlassen wollten, den Volkstaat:

https://en.wikipedia.org/wiki/Volkstaat

Dabei gehört die im Wikipediaartikel abgebildete Region mit zu den "Ärmsten an Allem", die man in SA überhaupt finden kann. An solchen Zeichen aber kann man sie erkennen, auch die wahren Absichten des ANC. Regenbögen (und "blühende Landschaften") auch hier darum alles nur leere Versprechen.

Vielleicht betrachte ich die Dinge aber auch zu bodenständig, zu militärisch, nicht politisch und metapolitisch genug. Gebe zu, dass ich darum auch mehr Vertrauen in Gold und Diamanten habe als in Papier, schon als Kind darum von Yachten und Inseln fasziniert war. Mag alles auch an der Fremde liegen, die uns nicht immer freundlich gesinnt war, in der ich aufgewachsen bin. Ich setze mich darum auch überall lieber mit dem Rücken zur Wand. So etwas wie die Alpen oder der Himalaya im Rücken ist darum auch nie verkehrt, oder eine grosse Wüsste, auch Eiswüste, oder das Meer.

Sobald Sie daher einen bescheidenen Hausmeister suchen geben Sie mir bitte Bescheid. Bringe auch ein paar tontechnische Überraschungen mit, die in keiner Medienwerkstatt fehlen dürfen. Mehr kann ich derzeit leider nicht bieten, ausser mich selbst natürlich. Akademiker, drei Weltsprachen zumindest fliessend. Vielleicht aber gehöre ich auch zu den Abgehängten, das werden die nächsten 12 Monate zeigen. Doch so schnell gebe ich nicht auf. Für meine Gene wäre Ostdeutschland sogar eine Art Heimkehr. Nach 1000 Jahren. Auch wenn die geostrategische Lage auch dort nicht perfekt ist, noch nie war.

Heute den Film Dünkirchen gesehen, online. Darin kommt am Ende des Films ein sehr entlarvender Monolog vor, was die Briten betrifft. Ein sehr spanender, aber auch trauriger Film. Der beste Kampf ist darum der, den man vermeiden kann. Doch man bekommt nicht immer die Wahl. Manche meinen, sie müssten ihr Weltreich verteidigen, darunter läuft nichts.

https://www.youtube.com/watch?v=QeTF0MYjJVg