Sezession
19. Juni 2018

Das war’s. Diesmal: Wie wir mal Kinder abgeknallt haben

Ellen Kositza / 43 Kommentare

15. Juni -- Kindermund I. Die Kleine: „Übrigens, alle aus meiner Klasse hassen euch.“

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Ja, wieso denn das jetzt wieder? „Weil Ihr alle abgeknallt habt.“ Abgeknallt? Ach so! "Hassen" war ein bißchen flapsig gemeint:

Neulich war Klassenfest mit Sportspielen. Eltern gegen Kinder. Es gab (mitteldeutsch) Zweifelderball bzw. (westdeutsch) Völkerball, meinen Lieblingsmannschaftssport: Nostalgie pur. Kubitschek und ich haben uns nicht lumpen lassen. Die Alten haben die kleinen Angeber der reihe nach "abgeknallt", also vom Feld gefegt. Wenn schon Wettbewerb, dann richtig!

Kindermund II: Die noch Kleinere: „Wenn einer berühmt ist, ist dann auch die ganze Familie berühmt?“ – „Nein, normalerweise nicht.“ – „Also manchmal schon?“ – „Selten. Bei Königsfamilien kommt so was vor.“

Eine Minute Schweigen. Dann: „Geben Kinder von berühmten Leuten manchmal Interviews?“ – "Ja, manchmal. Wieso eigentlich diese Fragen?“ – „Ach, nur so.“

Kind geht spielen, kehrt bald zurück mit einer weiteren Frage: „Gibt es eigentlich Geld für Interviews?“

Eventueller Hintergrund: Die Frage nach einem Eis wurde heute abschlägig beschieden, was Protest nach sich zog. Die Sitte des „Taschengelds“ pflegen wir nicht. Vielleicht erklärt das etwas.

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16. Juni

Du liebe Güte, amazon.de hat grandiose Kategorien! Zum Beispiel diese: „Politische Geschenkbücher“. Das ist mal spannend. Produkte von Antaios finden sich hier, logisch, nicht, wäre ja auch noch schöner. Unter den Top Ten finde ich: Sehr gerne, Mama, du Arschbombe. Tiefenentspannt durch die Kinderjahre.  Das ist interessant, weil ich immer das Gefühl hatte, in den untersten Unterschichten schenke man sich eher Schnapsflaschen oder Nacktefrauenkalender.

Ebenfalls ganz oben gelistet ist ein Buch mit dem hübschen, neugierweckenden Titel Zwei links, zwei rechts – super Idee, feine Konstellation! Untertitel halt: Geschichten vom Stricken. Inwiefern das erneut politisch wäre, dürften die Algorithmen wissen.

Auf Platz Nummer eins ist das Jungefrauenbuch Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen, Hanser Verlag. „Politisches Geschenkbuch“ erscheint mir da als wahrhaftige Kategorisierung.

Vermutlich lecken sich weniger die jungen Mädels die Finger nach einem solchen Werk; es wird wohl  vor allem als Anschub und Indoktrinationsinstrument von alten Tanten für die Nichte oder von Müttern gekauft, die es eigentlich bedauerlich finden, daß das Töchterlein sich ständig die Sendungen von Bibi’s Beauty-Palace reinzieht. Motto: Schau mal, Du könntest eigentlich Ingenieurin werden! Astrophysikerin! Menschenrechtlerin! Wenigstens Künstlerin! Allermindestens ein Rebel Girl!

Jüngst hatten wir eine Einladung und sollten für das Mädchen, das gefeiert wurde, auf Nachfrage (Nachfrage bei der Mama, versteht sich) eine "Starke-Frauen-Biographie" mitbringen. Deshalb hab ich in der Buchhandlung in den (als Stapelware liegenden) Rebel Girls geblättert. Das Erwartbare: In Kürzestbiographien (opulent illustriert von „60 Frauen aus aller Welt“) werden Michelle Obama, Frida Kahlo und – quotengerecht – zahlreiche Afrikanerinnen vorgestellt, von denen frau zuvor kaum je gehört haben dürfte.

Auch deutsche Rebellinnen sind darunter: Angela Merkel und Steffi Graf, wer denn sonst?

Die Rezensentin des Staatsfunks „Deutschlandradio“ ergötzte sich besonders darüber, das auch Coy Mathis zu den Ikonen (sagt man: Ikoninnen?) zählt. Coy war beizeiten klar geworden, daß er im falschen Körper geboren ist und hat im Alter von sechs Jahren durchgesetzt, daß er/sie trotz Penis die Mädchentoilette besuchen darf. Wenn das nicht ein heroischer Akt ist! Warum das Buch über all diese wahnsinnig starken Ladies als „Politisches Geschenkbuch“ firmiert, ist also logisch. Aber warum „Gute-Nacht-Geschichten“? Auch klar. Immerhin verfügen die Verfasserinnen über Selbstironie.

Und doch (eigentlich auch logisch: viele Eltern freuen sich, wenn die Brut endlich einschläft) erfreut sich das Buch regen Zuspruchs. Die Kunden auf amazon.de sind enthusiasmiert, Durchschnittswert: fünf Sterne. Beispielskommentare:

Die Illustrationen haben bei meinem Sohn [oh wie cool, EK] nicht unbedingt Interesse geweckt und erscheinen überflüssig. (…) Trotzdem, sollte nicht in einer Kinderbibliothek fehlen, weil es einfach zu wenig feministische Sachbücher für Kinder gibt!

Oder:

Unsere Tochter (4 Jahre) mag die Zeichnungen sehr gerne. Viele Geschichten sind für die noch schwer verständlich, aber bei einigen fragt sie geziehlt nach und dann googeln wir gemeinsam nach mehr Infos. ["Gemeinsam googlen" ist das Geilste, was ich mir mit meiner vierjährigen Tochter hätt' vorstellen können, EK.] Besonders für PoC/Afro-deutsche Familien ist dieses Buch eine wertvolle Ergänzung für die Heimbibliothek.

Wir haben dann als Geschenk Melitta Gräfin Stauffenberg. Das Leben einer Fliegerin gekauft.

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17. Juni

Kindermund III: Manichäisches Weltbild des Kindes. Die Abendbrottafel soll gerade aufgehoben werden. Die Eltern sind müde vom Erziehen, die Kinder vom Erzogenwerden. Nur die unermüdliche Kleinste nicht. (Zuletzt ging es um Ölmalerei, um am-Tisch-sitzen mit breiten Armen, um Impfungen und letztlich um Volleyball, also quer durch.) Sie: „Eine Frage muß ich noch stellen: War Hitler eigentlich gut oder böse?“ Drei leicht müde Erwachsene schauen sich an, verziehen synchron das Gesicht, stocken synchron, sagen dann aus einem Mund: „Böse.“ Es wäre ein unglaublich reiner Dreiklang gewesen, wenn nicht eine pubertierende Stimme hineingesprochen hätte, es sei in Wahrheit aber viel komplizierter.

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18. Juni

Nennen Sie mich eine arrogante Sau, aber Texte von Leuten, die noch keine dreißig sind, lese ich nur dann ernsthaft, wenn sie aus einem vorigen Jahrhundert stammen.

Aber: Alle paar Tage scrolle ich die FAZ durch und bin nun nur deshalb an einem Text hängengeblieben, weil ich mich aufregen wollte. Er ist unter der Rubrik Studentenblog erschienen, und eigentlich wollte ich mich lesend nur über diese Loser namens Studenten echauffieren. Der Teaser des Textes von Autor Max Stange:

In einer Leipziger Mensa wurde vor dem WM-Auftakt der Nationalmannschaft eine Dekoration mit Deutschland-Wimpeln demoliert. Was steckt wohl hinter diesem Akt? Überlegungen in zerstörter Kulisse.

Hier führt einer klug die Feder!

Wie der ärgerliche alte Mann von Nebenan, der den Gästen eines Kindergeburtstags die Luftballons zerplatzt, weil es in dieser Welt nichts zu feiern gibt – so haben hier ärgerliche junge StudentInnen die Wimpel heruntergerissen. Um den falschen Schein zu zerstören?

Der junge Autor vermutet klug, daß die TäterInnen hier

wohl in der – eigentlich völlig harmlosen – Fähnchendekoration womöglich den Nationalsozialismus wieder auferstehen sehen. Sie witterten vielleicht eine heimliche Gesinnungsfront von Reichsbürgern, Mensa-Personal und ‚patriotischen’ Macho-Fans. Traurigerweise beweisen sie damit aber selbst nichts als Unverstand und mangelnde Urteilskraft. Ein inferenzieller Kurzschluss von Wimpel auf Wehrmacht und ‚verkehrtes weltanschauliches Bewusstsein’ zeugt eher von politischer und menschlicher Unreife als von ernsthaftem Interesse an politischem Handeln.

Den Begriff „Küchenfrauen“ (die wohl für das supernationalistische Drama verantwortlich waren) in seinem Liebreiz, seinen Konnotationen und seiner Lebenswirklichkeit (wieviel und vor allem was verdienen die eigentlich?) kann wohl nur ein Ossi oder ein gut Assimilierter in seiner ganzen Tiefe ermessen. Herr Stange:

Marodierende Pseudo-Moral und abstrakter Eigendünkel bereiten nur denen Kummer, die in bester Absicht und mühevoller Arbeit die Mensa dekoriert haben.(…) Die bekenntnishafte ‚Politisierung’ der eigenen Pubertät ist das billigste Surrogat für etwas, das wirklich politisch wäre. (…) So sinnloses Handeln wie das Abreißen von Deutschlandfähnchen in der Mensa gibt manchem vielleicht ein Gefühl von Allmacht. Tatsächlich beweisen die Protagonisten damit aber nur die allergrößte Ohnmacht.

Seit Don Alphonsos Abschied von der FAZ-Blogwelt hab ich dort selten so etwas Gescheites gelesen.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (43)

Monalisa
19. Juni 2018 13:49

Ich freue mich jede Woche auf's "Best-Of" Ihrer Jüngsten. Ist abgedroschen, aber trotzdem: genießen Sie die Zeit!

Hinter dem Arschbombenratgeber steckt übrigens ein populärer Muttiblog von "das nuf", einer gutverdienenden Akademikerin in Berlin/Prenzlauder Berg.
Ich lese sie sehr gern, obwohl brav links und feministisch. (Die geringe gesellschaftliche Wetschätzung für die Arbeitsleistung von Müttern ist außerdem ein reales Problem.)

Naja, mal eine kleine Kostprobe:

https://dasnuf.de/conni-das-mem/

Monalisa
19. Juni 2018 13:54

Stichwort Rebel Girls: Als Jugendliche moche ich sehr gerne "Das Unsichtbare Leben" von Rosa Montero.

Caroline Sommerfeld
19. Juni 2018 14:22

Unsere Kleinsten denken synchron ... Gestern schleppte ich ihn mit in eine Runde journalistisch tätiger rechter Herren. Das Gespräch kam - Godwin's Law eben - innerhalb von Minuten auf "das" Thema. Kind, leise an mich gewandt: "War Hitler eigentlich gut oder böse?" Ich:"Böse." Kind:"Sind die Männer hier alle für oder gegen Hitler?" Ich, entrüstet, etwas lauter:"Gegen!" Die Männer werden hellhörig. Kind: "Nicht verraten, nicht verraten. Ich glaube, es ist Erwachsenen peinlich, wenn ein Kind glaubt, sie wären für Hitler!"

Stil-Bluete
19. Juni 2018 14:26

'Radio Teddy': Nicht ausreichend, da sich die deutschen Lieder endlos wiederholen. Da merkt man, das echter Mangel herrscht. Aber mehr geht wohl nicht, in die Schatzkiste der Vergangenheit greift man nicht zurück. Die Texte sind oft erstaunlich poetisch, die Informationen einfallsreich, bereichernd.

RMH
19. Juni 2018 14:38

Beim Stichwort "Rebel Girls" hätte ich jetzt eher an Figuren wie Scarlett O’Hara oder andere Southern Belles gedacht - die wären auch heute wieder "Rebel".

Was ist an den typischen Petzen, teacher´s pets und ngo-girlies von heute denn bitte schön "Rebel"?

Stil-Bluete
19. Juni 2018 14:46

In der Kindheit im Osten (Stadtrand Dresden, also Osten)auf autofreier Straße'Völkerball' gespielt, endlos. Niemand wollte zum Abendbrot.

clivestaples
19. Juni 2018 15:03

Dazu fällt mir ein Botho Strauß Zitat ein :
„ Nichts was ich hörte von jungen Menschen konnte mich je beeindrucken“ aus „Herkunft“

Dennoch hier kommt etwas von einer 16!-jährigen, was in der Qualität so auch nicht alle Tage vorkommt ( ist allerdings inhaltlich nichts völlig neues): https://juergenfritz.com/2017/10/09/nationalismus/

Stil-Bluete
19. Juni 2018 15:22

In der Kindheit im Osten (Stadtrand Dresden, also Osten)auf autofreier Straße'Völkerball' gespielt, endlos. Niemand wollte zum Abendbrot.

#IIkone/ Ikoninnen Hach! Hier müssten, wie an vielen anderen Fällen, Männer Klage führen, denn Ikone ist ja schon feminin. ebenso bei 'die Person'. Also: der Ikonerich, der Personerich...

Männer vor: Mischt diesen Genderwahnsinn auf! Aber vielleicht wollten Sie, verehrte Ellen Kositza, indem Sie mit 'Ikoninnen noch eins draufsetzten, nichts anderes tun.

Utz
19. Juni 2018 17:16

Angela Merkel ein "Rebel Girl"? In anderen (stilloseren) Foren gibt es für solche Fälle so einen Würge-Smiley. Haben sich die Autoren keine Gedanken über den Begriff Rebell gemacht? Ellenbogen zu haben, alle Konkurrenten wegzubeißen, immer nur das zu tun, was die eigenen Macht erhält, ist nicht Mut, ist nicht Rebellentum, sondern immer noch nur Dreistigkeit.

H. M. Richter
19. Juni 2018 18:04

Natürlich, Stil-Blüte wies dafür schon auf den Dresdener Raum hin, hieß es auch in Mitteldeutschland 'Völkerball'. Zur Stärkung des männlichen Nachwuchses wurde das beliebte Spiel dort an nicht wenigen Schulen ab einer bestimmten Klassenstufe mit einem mittelschweren Medinzinball ausgeführt, von dem jeder hoffte, mit diesem nicht - zumindest nicht aus Nahdistanz ... - 'abgeschossen' zu werden. Der Name ist nun auch in diesen Breiten zusammen mit dem Zigeunerschnitzel und dem Negerkuss seit 1989 rückläufig, - wobei gerade Sportlehrer durchaus widerständig sein können, auch wenn sie keine Nachbildungen von Stielhandgranaten mehr in ihren Vorbereitungsräumen liegen haben, mit denen bis Ende der 70er Jahre in der DDR noch flächendeckend im Sportunterricht die jugendliche Wurftechnik trainiert wurde.
___________________________________________

Die kindlichen Fragestellungen hinsichtlich einer möglichen Selbstfinanzierung sommerlicher Genüsse scheinen mir mindestens 'ein Eis' verdient zu haben ...

Mariaschaab
19. Juni 2018 20:01

Liebe Ellen,

beim Vorlesen mit den Kindern heute Abend musste ich an Sie denken.

Meine Mittlere hat sich in der Bücherei das Buch "Wie Frau B. so böse wurde... und warum sie jetzt wieder nett ist" ausgesucht. Eine typische Geschichte von heute: als kleines Mädchen wurde Frau B. geärgert, so musste sie böse werden... bis sie selbst ein kleines Mädchen traf, das ebenfalls geärgert wurde und anfing ihr zu helfen, so wurde sie wieder gut.

Ich dachte an Sie und stellte mir beim 100ten Mal Vorlesen ein Buch mit dem Titel: "Wie Herr H. so böse wurde... und warum er nie wieder gut wurde" vor.

Gruß und Segen, M.S.

Lotta Vorbeck
19. Juni 2018 21:54

@H. M. Richter - 19. Juni 2018 - 06:04 PM

"... Der Name ist nun auch in diesen Breiten zusammen mit dem Zigeunerschnitzel und dem Negerkuss seit 1989 rückläufig, - wobei gerade Sportlehrer durchaus widerständig sein können, auch wenn sie keine Nachbildungen von Stielhandgranaten mehr in ihren Vorbereitungsräumen liegen haben, mit denen bis Ende der 70er Jahre in der DDR noch flächendeckend im Sportunterricht die jugendliche Wurftechnik trainiert wurde."

_____________________

An der allgemeinbildenden Polytechnischen Oberschule des im Thüringischen gelegenen Heimatortes wurde, exakt so, wie von Ihnen beschrieben, mittels eines Medizinballes Völkerball im als "Sporthalle" ausgebauten Dachgeschoß des Schulgebäudes gespielt.

Während der sommers auf dem örtlichen Sportplatz (zugleich Fußballplatz) stattfindenden Sportstunden fungierten sowohl Stielhandgranatennachbildungen mit Metallkopf, als auch "F 60" genannte, delaborierte, meistens rot lackierte, stählerne Eierhandgranaten als Weitwurfübungsmaterial.

Während des Sport- und vormilitärischen Unterrichts in der Berufsschulzeit fanden Weitwurfübungen ausschließlich unter Verwendung der "F 60"-Eierhandgranaten statt.

ede
19. Juni 2018 22:16

Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen, hat meine Oma immer gesagt. Natürlich hatte sie Recht, wie immer. Das habe ich aber erst erkannt, als ich sie nicht mehr fragen konnte. Ihr Jüngster hatte mit 17 heimlich ans Wehrkreiskommando geschrieben, ob sie ihn vergessen hätten. 3 Monate später war er tot.

Übrigens stimme Ihnen zu, Don Alphonso ist die Referenz für Schönheit im Journalismus.
Gruß aus Erfurt

Stil-Bluete
19. Juni 2018 22:40

Völkerball, König-Bürger-Bauer-Bettelmann-Spiel, Räuber-und-"Schandiddel" (was 'Gendarm' bedeuten könnte) und, und, und... kindliche Spiele jegliche rArt sind nie von Schaden.

Lotta Vorbeck
19. Juni 2018 23:40

@ede - 19. Juni 2018 - 10:16 PM

"... 3 Monate später war er tot. ..."

_________________________

Falls Ihnen diese Frage nicht als zu indiskret erscheint:
Inwiefern stand das vorhergehende Schreiben Ihres Verwandten an das Wehrkreiskommando im Zusammenhang mit dessen Tod?

RMH
20. Juni 2018 09:30

@Lotta Vorbeck,

edes Beitrag ist selbst erklärend. Aus Sicht seiner Oma wäre der Sohn wohl ohne sein Schreiben nicht eingezogen worden und gefallen. Was gibt´s da groß nachzufragen?

Der miese Umgang und das Verheizen ganzer Generationen des eigenen Volkes einschließlich der Erschießungskommandos (wo Deutsche sich gegen Deutsche richteten) gegen die eigenen Truppen und Kindersoldaten am Ende des Krieges sollte auch denen, die im Übrigen ja jegliche sonstige "Verbrechen" aus dieser Zeit grundsätzlich raunend unter Propaganda-, fehlende Freiheit der Forschung, "man darf dazu ja nichts mehr sagen" etc. - Verdacht stellen, einmal zum nachdenken bringen, ob das alles wirklich so notwendig und clever war. Unterm Strich wurde Deutschland durch das eigene, damalige Regime und seinen Claqueuren zerstört (die anderen warteten ja geradezu auf die ns-induzierten Steilvorlagen und Anlässe zum "Germaniam esse delendam") und hat sich bis heute nicht davon erholt und heute wird Deutschland wieder zerstört, wenn auch nicht mit Bomben, Granaten und Erschießungskommandos - Claqueure und eine hetzende Propagandapresse gibt es aber schon wieder (aber ich schweife ab).

Ich persönlich bin - obwohl kein Antimilitarist - sehr froh, wenn es keine Frühmilitarisierung von Kindern und Jugendlichen aus Staatsinteresse mehr gibt. Hilfreicher wären ganz andere Überlebenstrainings und Schutzmaßnahmen. Das die Ossis mal wieder ihre vermeintlich schöne Jugend im Arbeiter und Bauernparadies abfeiern (Ätsch - wir im Westen hatten Völkerball nicht nötig und spielten mit guter Adidas-Markenware Fußball auf gepflegten Plätzen oder Tennis und hatten Ellesse oder Lacoste Shirts an :) ) zeigt nur, dass das hier und heute optimierungsbedürftig ist und genau daran sollten wir arbeiten.

Pit
20. Juni 2018 10:03

@RMH "Was ist an den [...] girlies von heute denn bitte schön "Rebel"?"

Die rebellieren durchaus: gegen die Natur. Gegen ihre Natur.
Ist auch gar nicht ungewöhnlich, jeder muß seiner "Natur" Schranken auferlegen im Zusammenleben mit anderen Menschen.
Jedenfalls: die Heuchler spüren wie jeder andere Mensch in sich den Impuls, daß der Fremde nicht zu uns gehört, daß es falsch ist, daß er hier ist. Aber der Heuchler hat sich eben einreden lassen, daß es irgendwie moralisch wäre, die eigene Identität zugunsten des Fremden aufzulösen. Das ist natürlich ein gravierender Akt, dem massiver innerer Widerstand entgegensteht: und gegen diesen inneren Widerstand rebellieren unsere heuchelnden Rebellen. Und fühlen sich heldenhaft, weil sie tatsächlich in einem schweren Kampf gewonnen haben: im Kampf gegen sich selbst.

ede
20. Juni 2018 10:33

Ihre Frage ist nicht indiskret, Lotta. Ganz im Gegenteil. Ich halte es für die Ursache des gestörten Verhältnis der heute lebenden Generationen zu ihren Vorfahren, dass solche Fragen millionenfach nicht gestellt wurden - oder nicht beantwortet wurden. Schock und Blendung.
Siehe auch Hinz: Psychologie der Niederlage.
Deswegen bin ich Walter Kempowski so dankbar und halte ihn für so wichtig (Deutsche Chronik, Echolot), er ersetzt die fehlenden Gespräche mit den nicht mehr lebenden eigenen Vorfahren.

Zur Frage konkret: Ob das "Erinnerungsschreiben" ursächlich für die schnelle Einberufung meines Onkels Rolf war, weiß niemand mehr. Es genügt, wenn Mutter und Vater es befürchten. Es war Sommer 44.
Seine Schwester, meine Mutter, war 14. Ich pflege sie heute, ich will sie nochmal fragen.

H. M. Richter
20. Juni 2018 11:50

^ @RMH
"Das die Ossis mal wieder ihre vermeintlich schöne Jugend im Arbeiter und Bauernparadies abfeiern [...]"
_________________________________________________

Sie irren sich in hohem Maße, wenn Sie glauben, der Hinweis, daß es zu DDR-Zeiten in Mitteldeutschland 'Völkerball' hieß oder daß damals mit Stiel- und Eierhandgrantennachbildungen im Sportunterricht hantiert wurde, hätte irgendetwas mit "abfeiern" eines "vermeintlichen Arbeiter und Bauernparadieses" zu tun. Dieser
erfolgte lediglich, weil EK der Meinung war, in Mitteldeutschland hieße das Spiel im Gegensatz zu Westdeutschland "Zweifelderball", (- auch wenn es dort heute mehr und mehr so genannt werden mag).
Nehmen Sie dies also bitte als das, was damit gemeint war: Als Information.
So, und nicht anders, habe ich auch @Lotta Vorbecks Informationen über Völkerball in Thüringen aufgefaßt.

Ihr Hinweis, daß im Westteil unseres Vaterlandes zu damaliger Zeit "mit guter Adidas-Markenware Fußball [oder Tennis] auf gepflegten Plätzen" gespielt wurde und dies mit "Ellesse oder Lacoste Shirts" hat mich allerdings dann doch fragen lassen, ob es möglich ist, daß diese Gegenüberstellung zur Granaten(attrappen) werfenden Ostjugend nicht auch so manche Momente der gegenwärtigen (Widerstand-)Verfaßtheit des Landes erklären könnte.

RMH
20. Juni 2018 12:17

@ H.M. Richter,
das war ein ironischer Joke meinerseits, der gängige Klischees verarbeitete - deswegen auch das grinse :) . Also nix für ungut ...
Und Völkerball haben wir auch im Westen gespielt - stand regelmäßig in den unteren Jahrgangstufen im Schulsport an. Selbstredend hieß das auch Völkerball und nicht anders (der aktuelle daraus abstammende "Trendsport" made in English-Hausen nennt sich dann "Dodgeball" ^^ )

Sandstein
20. Juni 2018 12:41

@Lotta Vorbeck,

mit 17 wurde man in der Regeln nicht zur Wehrmacht eingezogen. Die Überlebenschancen als gemeiner Wehrmachtssoldat lagen bei ca. 30%.

Es sind natürlich auch Flakhelfer, Volkssturm und Freiwillige umgekommen. Die Wahrscheinlichkeit als Soldat zu sterben war ungleich höher.

Beantwortet das Ihre Frage? Ansonsten empfehle ich die Recherche der eigenen Familienhistorie, auch in Ihrer Familie dürfte ein Vater, Onkel, Bruder oder Cousin gefallen sein.
Nur beiläufig: die meisten Opfer in Kriegen sind männlich. Falls Ihnen das aus Ihrer Sicht entgangen sein sollte.

Nichts für ungut.

und damit ich noch was zu E.K. Text schreibe, und nicht ganz "off-topic" lande: Als Berliner kommt man an diesem Typus Frau nicht mehr vorbei: alleinerziehend, gutverdienend, bloggend. Die Trias der Selbstverwirklichung moderner Großstadtgeister.

Sandstein
20. Juni 2018 15:29

Dürfte ich um eine kleine aber wichtige Korrektur bitte: die Wahrscheinlichkeit als WMS getötet zu werden, lag bei knapp 33%, die Überlebenschance demzufolge bei knapp 66%..

Nicht dass mir gleich gemeine Kommentare ums Ohr gehauen werden ;)

Lotta Vorbeck
20. Juni 2018 17:17

@RMH - 20. Juni 2018 - 09:30 AM

"... Ich persönlich bin - obwohl kein Antimilitarist - sehr froh, wenn es keine Frühmilitarisierung von Kindern und Jugendlichen aus Staatsinteresse mehr gibt. Hilfreicher wären ganz andere Überlebenstrainings und Schutzmaßnahmen. ..."

# Für dem Kleinkindalter entwachsene Kinder beiderlei Geschlechts stellte es zu Ostzeiten just eine Mordsgaudi* dar, seine diesbezüglichen Fähigkeiten anläßlich des am 1. Juni begangenen Internationalen Kindertages beim Luftgewehrschießen zu messen.

Wenn im Haushalt vorhanden, sorgte ein einschüssiges, umgangssprachlich als "Knicker" bezeichnetes Luftgewehr - unter Aufsicht eines sachkundigen Erwachsenen - beim Luftgewehrschießen für den ultimativen Höhepunkt jeder Kindergeburtstagsfeier.

Sowohl in Kroatien, als auch Litauen und Rußland ist's gemäß eigener Beobachtung bis heute eine Selbstverständlichkeit geblieben, daß bereits Kinder ihre Fertigkeiten beim Luftgewehrschießen üben. Von Schülern der jeweiligen Lehranstalt mit Feuerwaffen angerichtete Schulmassaker sind dennoch bisher weder aus Kroatien, Litauen oder Rußland überliefert.

Wenn ein Staatsgebilde, respektive Staatsvolk jegliches Interesse am Fortbestand, notfalls auch der aktiven Verteidigung des eigenen Landes für überflüssig erachtet, ja dann kann man selbstverständlich auch jedewede Wehrertüchtigung Jugendlicher nonchalant für obsolet erklären.

*Mordsgaudi, die = sehr großer Spaß
[Duden]

_______________________________

"... Das die Ossis mal wieder ihre vermeintlich schöne Jugend im Arbeiter und Bauernparadies abfeiern (Ätsch - wir im Westen hatten Völkerball nicht nötig und spielten mit guter Adidas-Markenware Fußball auf gepflegten Plätzen oder Tennis und hatten Ellesse oder Lacoste Shirts an :) ..."

# Da wir gerade beim "Abfeiern der vermeintlich schönen Jugend im Arbeiter- und Bauerparadies" sind, sei an dieser Stelle eine kleine Korrektur nachgereicht:

Die offizielle Bezeichnung der zu Wurfübungen verwendeten, delaborierten Eierhandgranaten lautete "F1" und nicht wie irrtümlich angegeben "F60".

Wikipedia vermerkt diesbezüglich:

Training
Die Körper dieser Handgranate wurden in sehr großer Zahl (rot lackiert) überall in der DDR zum Training eingesetzt, zum Beispiel im Schulsport, aber auch bei diversen Sportvereinen und Leichtathletikturnieren. Im Schulsport begannen die Kinder zunächst mit dem sog. Schlagball, wechselten dann in den höheren Klassenstufen zur F-1. Dabei ging es um Zielwurf und vor allem Weitwurf.

Quelle: F-1 (Handgranate) – Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/F-1_(Handgranate)

Photo:
https://www.co2air.de/attachment/149028-rote-wurfkoerper-jpg/?thumbnail=1

Lotta Vorbeck
20. Juni 2018 17:21

@ede - 20. Juni 2018 - 10:33 AM
Ihre Frage ist nicht indiskret, Lotta. Ganz im Gegenteil. ... Ich pflege sie heute, ich will sie nochmal fragen."

DANKE für Ihre Mühe, verehrter ede!

Lotta Vorbeck
20. Juni 2018 17:30

@Sandstein - 20. Juni 2018 - 12:41 PM

"... Beantwortet das Ihre Frage? Ansonsten empfehle ich die Recherche der eigenen Familienhistorie, auch in Ihrer Familie dürfte ein Vater, Onkel, Bruder oder Cousin gefallen sein.
Nur beiläufig: die meisten Opfer in Kriegen sind männlich. Falls Ihnen das aus Ihrer Sicht entgangen sein sollte. ..."

____________________

Ja, werter @Sandstein, auch in der eigenen Familie sind Vermisste, Gefallene und Kriegsversehrte zu verzeichnen.

Die Intention der Frage allerdings bezog sich speziell auf das Schicksal des von @ede erwähnten Siebzehnjährigen.

Stil-Bluete
20. Juni 2018 17:49

Familiengeschichten, Fotoalben zu Familienfesten herumreichen, schöne, witzige und traurige Erinnerungen austauschen. Auch Legenden von seltsamen Familienmitgliedern spinnen. 'Weißt du noch...' Ja doch.

ABER:

Die moderne Psychologie hat das natürliche, reaktive Vergessen schlimmer Erlebnisse oder Umwidmen in positive Legenden ausschließlich als negative V e r d r ä n g u ng bewertet. Mithin hat man nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, d i e W a h r h e i t zu finden, politische Verfehlungen innerhalb der Familie, auch wenn sie Jahrzehnte zurückliegen, der Öffentlichkeit, dem Therapeuten, den Nachkommen gnadenlos preiszugeben, zu hinterfragen oder sie anzuprangern.

Kinder von Nazis, die das Leben ihrer Eltern bzw. Großeltern öffentlich verdammt haben!, die sie über den Tod hinaus schuldig gesprochen haben, ohne dass sie sich wehren konnten.

Geben wir unsere Familien(-geheimnisse) nicht preis!

Der Lebenswille (der Heimkehrer, vergewaltigten Frauen, Ausgebombten, Vertriebenen) liegt in der Natur der Sache - ein natürlicher Reflex.

Das markanteste Symptom Trauma/traumatisiert ist die Apathie, hatten die Nachkriegsdeutschen (im Gegensatz z. B. zu den Kriegsopfern des Balkankrieges) nicht. Sie hatten Kraft gegen Tod und Teufel, Aufbauwillen, das Leben zu gestalten.Und genau das haben ihnen ihre Kinder, obwohl sie ihnen das Leben zu verdanken hatten, vorgeworfen. (Im Osten stand das nicht zur Debatte, die Kapitalisten waren schuld; Nazis gab es nur im Westen.)

Die vaterlandslosen Gesellen im Westen haben ihre Eltern persönlich bis auf's Blut gepeinigt. Es ging ihnen nicht um 'Wie war Oma, Opa' sondern um Schuld: 'Das hast du uns verschwiegen'.

Nicht einmal Gerichte fordern, dass Familienmitglieder gegen ihre Angehörigen aussagen müssen. Bei den arabischen, islamischen, semitischen Völkern gilt das ohnehin.

In von Kriegen verschont gebliebenen Ländern (z. B. Schweden, Schweiz) leben, wie ich beglückt, aber zugleich wehmütig erfahren durfte , Menschen, die gelassener, freundlicher, höflicher sind als bei uns; unbeschädigt.

Doch - langer Frieden, mit Wohlstand gepaart, macht er leichtsinnig, beschädigt er langfristig das Gemeinwohl mehr als er ihm nutzt?

Lotta Vorbeck
20. Juni 2018 17:58

@H. M. Richter - 20. Juni 2018 - 11:50 AM

# Ja, exaktamente genauso, wie von Ihnen gedeutet war's gemeint - DANKE, für die Richtigstellung!

@H. M. Richter - 20. Juni 2018 - 11:50 AM

"... Ihr Hinweis, daß im Westteil unseres Vaterlandes zu damaliger Zeit "mit guter Adidas-Markenware Fußball [oder Tennis] auf gepflegten Plätzen" gespielt wurde und dies mit "Ellesse oder Lacoste Shirts" hat mich allerdings dann doch fragen lassen, ob es möglich ist, daß diese Gegenüberstellung zur Granaten(attrappen) werfenden Ostjugend nicht auch so manche Momente der gegenwärtigen (Widerstand-)Verfaßtheit des Landes erklären könnte."

# Die Zentren des Widerstandes als solchem, sind in Mitteldeutschland angesiedelt, während die "Köpfe des Widerstandes" mehrheitlich westdeutscher Provenienz sind. Dennoch führte dieser Umstand am neurechten Ufer des 'Großen Flusses' - von gelegentlicher, scherzhaft gemeinter Frozzelei abgesehen, nirgends zu den von anderswo sattsam bekannten, exessiv geführten "Ossi-Wessi"-Diadochenkämpfen.

Die verlorenen Schlachten von vorvorgestern müssen wahrlich nun nicht abermals neu aufgewärmt und nochmals geschlagen werden.

Sie sagen es, werter @H. M. Richter:
Mit "Western von Gestern" läßt sich in der gegenwärtigen, existentiellen Auseinandersetzung im wahrsten Sinne des Wortes kein einziger Blumentopf mehr gewinnen.

RMH
20. Juni 2018 19:48

"Die vaterlandslosen Gesellen im Westen haben ihre Eltern persönlich bis auf's Blut gepeinigt. Es ging ihnen nicht um 'Wie war Oma, Opa' sondern um Schuld: 'Das hast du uns verschwiegen'. "

@Stil-Bluete,

gehen Sie einfach mal davon aus, dass außer bei ein paar Vorzeige-Selbstgeißlern (Frank & Co.) es auch im Westen die absolute Ausnahme war, dass man seinen eigenen Vorfahren ans Bein pinkelte. Ganz im Gegenteil - Das ganze Vergangenheits-Selbstbezichtigen ging erst nach der Wiedervereinigung richtig los. Meine Vermutung ist, dass das erst ab diesem Zeitpunkt so richtig orchestriert und instrumentalisiert wurde, um dem vereinten Deutschland vorsorglich alle diesbezüglichen "Zähne" zu ziehen. Zudem starben ab den 90er Jahren auch die Kriegsteilnehmer immer mehr aus und fielen damit als wichtige Wählerkreise, die man nicht vergraulen durfte, aus (war in den 70er und 80er Jahren noch ganz anders, wo bspw. die CSU stark bei Veteranenvereinen, Reservisten etc. unterwegs war). Noch in den 80er Jahren hätte ein Abgeordneter (West) ganz schön was zu hören bekommen, wenn er bspw. die Waffen SS pauschal als Verbrecherorganisation bezeichnete hätte, ganz zu schweigen von der Wehrmacht. Ich selber hatte noch ehem. aktive Kriegsteilnehmer als alte Stabsfeldwebel bei der BW und da hätte sich keiner auch nur gewagt, so einen Traditionserlass zu bringen, wie vor kurzem geschehen.

PS: Hätte nicht gedacht, dass hier oft recht wenig Humor vorhanden ist.

Thueringer
20. Juni 2018 20:20

Daß das noch niemand angesprochen hat: "Die Sitte des „Taschengelds“" bedeutet Freiheit sowohl für die Eltern als auch für die die Kinder. "Du willst Eis – kauf es Dir doch", "Du hast den Schule-USB-Stick verloren - naja, kauf Dir einen neuen", "Klar komme ich mit Dir auf den Ulmer Münster, die wollen 5€".

Die lieben Kleinen haben recht schnell Prioritäten erkannt, jedes auf seine Weise. Eines der Kinder spart auf Elektronikquatsch, ein anderes investiert das Geld vollständig in Schokolade (kein Problem, Ausdauersportlerin), das nächste kauft sich nur Bücher ohne Nachfrage bei uns.

Meine Erfahrung sagt mir, daß man Kindern eigenes Kapital zur Verfügung stellen sollte.

Kositza: Schon klar. Daß wir das Geldausgeben so autoritär handhaben, erweist uns als unzeitgenössische Relikte. Ich kenne außer uns keine Familie ohne "Taschengeld". Ich sehe durchaus die Nachteile in unserer (eigtl. ist es meine) Kein-Taschengeld-Politik. Zum einen liegt es an meiner antikonsumistischen Haltung. Ich hasse es, Geld für Nippes & Unnötiges auszugeben, eine Sturheit, die womöglich kritisierbar ist. Ich investiere hingegen gern in "Nachhaltiges", sprich Bildungsgüter, Mobiliar, kurz, in Dinge von Dauer. (Nebenbei spendiere ich meistens auch ein Eis o.ä., von Genußfeindlichkeit soll also nicht die Rede sein.) Aber mit "Ulmer Münster" treffen Sie den Punkt. Das müßte schon ein krasses Kind sein, das 5 € für den Münster -, Museums-, Theater- etc. - besuch investiert, wenn das bedeutet, dafür auf fünf, zehn und fünfzehn Kugeln Eis zu verzichten! (Ich glaub übrigens nicht, daß wir ohne Taschengeldausgabe "billiger kommen". Also, Geiz scheidet aus.)

Lotta Vorbeck
20. Juni 2018 22:14

@Thueringer - 20. Juni 2018 - 08:20 PM

"Daß das noch niemand angesprochen hat: "Die Sitte des „Taschengelds“" bedeutet Freiheit sowohl für die Eltern als auch für die die Kinder. ..."

______________

Angeblich bekamen die Kinder des Mr. Warren Buffett niemals Taschengeld ...

"... Buffett formuliert seine Faustregel für das Vererben an die Kinder so: „Es sollte genug Geld sein, damit sie das Gefühl haben, alles tun zu können – aber nicht so viel, dass sie meinen, nichts tun zu müssen“, sagte er zu „Fortune“. ..."

Quelle: Bill Gates und Warren Buffett denken ähnlich darüber, wie viel sie ihren Kindern vererben wollen
https://www.businessinsider.de/gates-und-buffett-denken-aehnlich-wie-viel-erbe-ihre-kindern-kriegen-2016-9
29.09.2016

Mauerbluemchen
20. Juni 2018 22:53

Bei uns hat es einmal einen verunglückten Einführungsversuch des Taschengeldwesens gegeben, doch bald sind diese Bemühungen, ausnahmsweise auch einmal so zu sein wie alle anderen, im sprichwörtlichen Sande verlaufen.

Die Institution des Taschengeldes vegetiert in einem erklärt nichtmaterialistischem, konsumdistanzierten Haushalt jämmerlich vor sich hin bis sie still krepiert.

Die Kinder sammelten beiläufig Geld an, ließen es irgendwo zuhause liegen, vergaßen regelmäßig das Vorhandensein ihrer Geldvorräte, die Einforderung der ihnen zustehenden Beträge - es war ein lästiges Gewürge für alle Beteiligten, das bald entnervt aufgegeben wurde.

Ein schlechtes Gewissen habe ich deswegen nicht, noch befürchte ich schlimmes für die Zukunft meiner Kinder. Es reicht doch Kindern beizubringen, 1. Daß man nur das Geld ausgibt, das man wirklich hat (also KEINE Kredite), 2. Daß man kein Gerümpel braucht und daß in einer Welt wie der unseren ziemlich viel in diese Kategorie fällt (zB technischer Spielkram, Trendspeisen und -getränke, Reisen, Klamotten, Ivents, Fahrzeuge und überhaupt dieser ganze Wohlstands- bzw. Lebensstandardskram) und 3. Daß die wesentlichen Dinge nicht käuflich sind.

Bislang hassen uns die Kinder nicht, daß wir ihnen ein so ausgefallenes Leben abverlangen ("nicht so wie die anderen"). Möglichen Einwänden gegen diese Form von Dissidententum begegnen wird mit dem Hinweis auf die Freiheiten des Erwachsenenalters: Unzufriedene müssen halt die Volljährigkeit abwarten und sich dann das nötige Geld für einen mondänen Lebenswandel selbst verdienen. Als Unmündiger hat man im Elternhause in Geldfragen nicht viel zu wollen (So wie man dieses irrsinnige System kennt, machen wir uns vielleicht mit dieser Haltung strafbar, weil Kinder mittlerweile ein verbrieftes Recht auf regelmäßige Taschengeldausschüttungen in einkommensgekoppelter Höhe haben - und wir mißachten es so rüde ...).

Caroline Sommerfeld
21. Juni 2018 08:14

"Die Kinder sammelten beiläufig Geld an, ließen es irgendwo zuhause liegen, vergaßen regelmäßig das Vorhandensein ihrer Geldvorräte, die Einforderung der ihnen zustehenden Beträge – es war ein lästiges Gewürge für alle Beteiligten, das bald entnervt aufgegeben wurde."

Ist bei uns genauso! Noch'ne quasi taschengeldlose Familie. Mit gelegentlichen horrenden Einforderungsgelüsten des Jüngsten ("Ich hab seit ... rechne ... bestimmt neun Wochen kein Taschengeld bekommen .... macht ... 18 Euro!" "Pustekuchen!"). Es wird einfach schnöde drauf vergessen. Ich sage immer: "Taschengeld ist Holschuld, nicht Bringschuld." Aber keiner kommt holen.
Dasselbe übrigens beim Mittleren (12) mit dem Handy. Bekam eins, von mir aus zähneknirschend, von ihm aus schwer herbeigesehnt, zu Weihnachten. Mit Aufladebon, ich hatte 10 Euro im Monat eingeplant. Wurde einmal aufgeladen, je nun, jetzt liegt es tot am Regal. Es ist ihm nicht wichtig! Echt.

Ich glaube, daß Moralpredigten gegen Konsum, "den Scheiß" (Zitat mein Vater, 80er Jahre), und große begründende Mißbilligungen nichts ausrichten. Es ist wie immer: die Haltung. Ist es den Eltern nicht wichtig, ist es den Kindern nicht wichtig, und andersherum.
Dafür ist man bei uns allenthalben sehr erpicht auf gutes Essen und die eingeräumten ausgiebigen "Schautage" (Bildschirm). Alles vorgelebt ....

Gustav
21. Juni 2018 11:28

@ Stil-Bluete

Einen langen Krieg ertragen wenige, ohne seelisch zu verderben; einen langen Frieden erträgt niemand.

Oswald Spengler

Sandstein
21. Juni 2018 13:37

@ Stil-Blühte

es ist richtig, dass der Schuldkult in Deutschland für vieles heranzuziehen ist. Nun beobachtet man aber genau diese Entwicklung in Deutschland auch in anderen Ländern. Das von Ihnen so großzügig beschriebene Schweden zum Beispiel: keine Kriegsschuld, intakte Volksgeschichte ohne Brüche, intaktes Königshaus. Und? Eine der höchsten Vergewaltigungsraten weltweit, No-Go-Areas und Brennpunktbezirke, Masseneinwanderung, Gendergaga, falscher Umweltschutz und massive Frauenförderung bei gleichzeitiger Männerfeindlichkeit in Werbung Medien und Kultur.

Ergo kann die Entgleisung (Entartung wäre richtiger) unserer Gesellschaft nicht so monokausal erklärt werden, wie von Ihnen suggeriert.
Es scheint eher so, dass die gesamte westliche Lebensweise sich ad absurdum geführt hat.

Es ist bisschen wie mit der Pille, der Mann hat sie erfunden, und "nutzen" tut sie anderen. (Ich lehne Verhütung ab, und wenn dann ist es Männersache!)
Menschenrechte (die es nur ideal, nicht faktisch gibt ->Bild vom Mann im Meer), eine Kopfgeburt eines Beschäftigungslosen Westens, nützen heute denen, die sie gegen uns einsetzen.

Aktuelle Rechtssprechung in Einwanderungsfragen belegt das eindrucksvoll.

nom de guerre
21. Juni 2018 17:17

@ Stil-Bluete
"Die vaterlandslosen Gesellen im Westen haben ihre Eltern persönlich bis auf's Blut gepeinigt. Es ging ihnen nicht um 'Wie war Oma, Opa' sondern um Schuld: 'Das hast du uns verschwiegen'."
Das mag es gegeben haben, entspricht aber meiner persönlichen westdeutschen Erfahrung überhaupt nicht. Zum Beispiel kann ich mich nicht daran erinnern, dass in meiner Familie jemand mal die Version der älteren Männer von ihren Kriegserlebnissen hinterfragt hätte - vor allem nicht in deren Anwesenheit - und auch das Schweigen meines Urgroßvaters, der schon deutlich vor 33 in der NSDAP gewesen war (wohl aus Überzeugung), über eben diesen Umstand wie auch über den gesamten Krieg (nur von der langen russischen Gefangenschaft hat er manchmal gesprochen - allerdings ziemlich neutral) wurde allgemein akzeptiert. Im Übrigen sehe ich es ähnlich wie @ RMH, diese massive Diffamierung der älteren Generation, wonach es sich sogar bei der Wehrmacht um eine "Verbrecherorganisation" gehandelt habe (so vor ein paar Monaten wieder in der Zeit zu lesen), hat nach meiner Wahrnehmung erst vor vielleicht 20 Jahren richtig angefangen. Eine Zäsur könnte da die Wehrmachtsausstellung des Reemtsma-Instituts gewesen sein, gegen die es damals noch Proteste gab.

Was das Vergessen, Verdrängen und Umdeuten angeht: Dem kann ich nichts Positives abgewinnen. Mir fallen einige Beispiele aus meinem Umfeld ein, bei denen seelische Verletzungen im Zusammenhang mit den Kriegen (von zwei Generationen in Folge, die als kleine Kinder den Vater verloren haben, über Flucht und Vertreibung bis zur - mutmaßlichen, die betroffene alte Dame hat das nie so direkt gesagt - Vergewaltigung als Elfjährige) nicht nur den Betroffenen, sondern auch den Folgegenerationen im weitesten Sinne das Leben schwer gemacht haben - was vielleicht nicht passiert wäre, wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, offen über das Geschehene zu sprechen. Darüber sprechen bedeutet ja nicht, dass man jemanden anklagen muss!

Hartwig aus LG8
21. Juni 2018 18:30

Man lese das:
https://www.welt.de/vermischtes/article177962908/Bruder-von-Sophia-L-Nationalitaet-eines-moeglichen-Taeters-hat-nichts-mit-Taten-zu-tun.html

und dazu das:

https://www.danisch.de/blog/2018/06/19/ja-was-denn-nun/#more-23773

und man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Wie pflegt es H. Danisch auszudrücken: Es wird Zeit für das Zimmer mit der weichen Tapete.

starhemberg
22. Juni 2018 10:59

Wie immer alles dufte hier. Aber ich finde es bedauerlich, dass Sie "die Sitte des Taschengelds nicht pflegen." Etwas Kapitalismus üben schadet nicht. Ich war als Kind großer Bewunderer von Dagobert Duck.

Monika
22. Juni 2018 11:44

@ starhemberg
Etwas Kapitalismus üben schadet nicht.
Danke. Das sehe ich genauso. Mein Sohn mochte als Kind auch sehr Dagobert Duck. Er träumte davon, einmal im Geld zu schwimmen. Im Wortsinne. Er tat sich schon früh Einnahmequellen auf. Er wollte allerdings kein Taschengeld, sondern sein Geld selbst verdienen. Mit 10 Jahren brachte er sich das Jonglieren bei und übte zu meiner Verwunderung exzessiv.
Eines Tages kam er stolz mit 5 Euro aus der Schule, die er verdient habe. Er hatte sich in einer Freistunde in die Fußgängerzone gestellt und jongliert. Sein Kumpel ging mit einem Becher Geld einsammeln....
Mir gefiel auch immer die Szene in "Den Abenteuern des Tom Sawywer", wo Tom den Zaun streichen muß und aus der öden Arbeit eine Einnahmequelle macht.
Ich bin sicher, dass die kleine Tochter von Ellen Kositza bald ihr erstes Interview gibt !
Mein Sohn ist übgrigens kein Kapitalist geworden. Aber Einnahmequellen findet er immer wieder originelle.

Corbeau
23. Juni 2018 13:17

Zum Thema 'Taschengeld' nur mal so ins Unreine gedacht: Leisten Kinder/Jugendliche als Schüler nicht auch gesellschaftlich absolut notwendige Lernarbeit und hätten dafür (leistungsabhängig?) genau wie die 'Frau am Herd' auch eine Art Sold verdient (und keine milde, willkürliche Elterngabe); sei er gesellschaftlich normiert, sei er von den Eltern privat ausgezahlt aber ausdrücklich als Lernentgelt deklariert. 'Non scolae sed vitae' deklariert das Lernen leider zum reinen Privatvergnügen.
Zu "... und müde vom Erziehen", aber auch für einen ganz anderen Blick auf das Prinzip 'Erziehung' empfehle ich die Lektüre von Alice Miller: Im Anfang war Erziehung. Gibt auch eine wegweisende Antwort auf die Frage "war Hitler böse ?"

Sandstein
25. Juni 2018 12:29

@Corbeau

Sie widersprechen sich hier, respektive Ihnen entgeht etwas.

Deutschland hat bei einem Prokopfeinkommen von ca. 25.500 Euro Bildungsausgaben Prokopf von 1150 Euro, bei einem Durchschnitts-IQ von knapp 100 Punkten.

Das was sie hier als "Sold" einfordern, wird den Schülern, Studenten und Azubis in Form von Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten längst zur Verfügung gestellt. Nur zur Erinnerung, es gibt in Mittel- und Südamerika, Asien und Afrika genügend Länder, in denen es keine Schulen für die Kinder gibt. In anderen Ländern nehmen Schüler weite Wege in Kauf, um überhaupt lernen zu können.

In unserer Wohlfühlgesellschaft ist es ja aber schon ein Verbrechen am Kindswohl, wenn der Schulbus länger als 30 min fährt, wenn der Unterricht zu früh beginnt (8 Uhr, sic), und ganz arg wird es, wenn der Lehrer dann mal den Helikoptereltern erklärt, dass der Jan-Lukas oder die Mia-Sophie wohl doch keinen Nobelpreis für die Familie wird holen können...

genug der Polemik!

Sie haben es selber benannt: Erziehung. Eine Jugend, die in der Vorstellung erzogen wird, dass sie etwas zurückgeben muss an ihre Gesellschaft, ist der beste Weg, Bildungsausgaben rentabel zu machen. Leider ist es heute so, dass gut ausgebildete Deutsche das Land verlassen, während kaum bis gar nicht (aus-)gebildete Menschen zu uns strömen. Verantwortung ist eben kein Unterrichtsfach.

Es gibt genügend Prämien und Belohnungen in unserem Schweinesystem. Es gibt aber zuwenig Pflichtgefühl und Dankbarkeit in Demut.

Leider scheint auch Ihnen etwas abzugehen (mindestens der Blick dafür): das Selbstverständnis, dass man manchmal Dinge tut,tun muss, die nicht in Kategorien wie Profiten oder Erlösen berechnet werden können.

Gruß

nom de guerre
25. Juni 2018 15:21

@ Sandstein/alle
Eigentlich wollte ich mich hier nicht zu Wort melden, da mich die Erziehung von anderer Leute Kindern a) im Normalfall nichts angeht und ich mich b) in diesem Bereich nicht als Expertin betrachte. Nun aber doch: Im Kontext Schulbildung das Wort "Demut" zu verwenden, finde ich schon einigermaßen bizarr. Dankbarkeit dafür, in einem Land zu leben, in dem jeder zur Schule gehen darf (aber auch muss, egal ob er dort gemobbt wird oder was die Schule sonst an Nachteilen mit sich bringen kann - das ist eben die Kehrseite!), meinetwegen. Aber Demut? Das halte ich wirklich für ein bisschen übertrieben, zumal es an den Orten auf der Welt, an denen es praktisch keine Schulbildung gibt, halt auch entsprechend aussieht, d.h. (und ich denke, darauf wollte @ Corbeau hinaus), wer als Kind in der Schule etwas leistet, trägt mit dazu bei, dass wir den Wohlstand in diesem Land aufrechterhalten können. Ich finde, man kann schon der Meinung sein, dass das eine Belohnung wert ist.
Zum Thema Taschengeld an sich: Auch ich erhielt als Kind ein (moderates) Taschengeld und kann darin beim besten Willen keine Nachteile erkennen, lediglich ein Stück Eigenständigkeit und vor allem die Vorbereitung auf das "richtige" Leben, wenn man mit seinem Geld haushalten können muss (dazu gehört auch, mal etwas zu kaufen, das hinterher nur in der Ecke liegt; schon wegen der Erkenntnis, dass man das gleiche Geld nicht zweimal ausgeben kann), ohne dass Mama und Papa da sind, die einen auffangen bzw. entscheiden, was gekauft wird und was nicht. Schließlich lernt man ja auch Fahrradfahren idealerweise unter Aufsicht mit Stützrädern zu Hause auf dem Hof und nicht alleine mit einem Rennrad auf einer vielbefahrenen Straße.

Sandstein
25. Juni 2018 15:54

Tatsächlich habe ich unsauber formuliert. Mir ging es um Demut und Pflichtbewusstsein als Grundtugenden, die es zu beschulen gilt, nicht als Gegenleistung für Bildung. Tiefe Dankbarkeit ist allerdings die Vorstufe der Demut, so gesehen: ja, verdammt! Jeder von uns sollte dankbar sein, in diesem Land leben zu können. Und jeder Schüler, der unter Leistungsdruck steht, darf gern mal ein Semester in Japan verbringen.

Was das Taschengeld angeht..

Wenn jede Leistung des Kindes (ob jetzt vermeintlich oder tatsächlich, den Müll wegbringen als Hausarbeit zu bezeichnen halte ich für absurd!), von den Eltern entlohnt wird, dann braucht sich niemand wundern, wenn die Produkte dieser Erziehung a) nur aus Eigennutz handeln, und b) generell nicht bereit sind , ohne Aussicht auf einen persönlichen Benefit, überhaupt tätig zu werden.

Betrachten Sie unsere Gesellschaft, dann stellen auch Sie fest, das sehr lange sehr viel Taschengeld gezahlt sein worden muss.

Corbeau
26. Juni 2018 20:19

@Sandstein
Danke, @nom de guerre, für die Hilfestellung ! Es ging mir ja tatsächlich darum, den Erwerb von Bildung als gesellschaftlich notwendige und wertvolle Arbeit anzusehen und die erbrachten Leistungen entsprechend gesellschaftsüblich zu honorieren.
Das allgemein anerkannte Medium dafür ist das globale Tauschmittel Geld. Auch Pflichtbewusste fordern in der Regel für die Erfüllung ihrer Pflichten solches ein. Demut andererseits ist ein Wert, der wohl in der Produktions- und Reproduktionssphäre ziemlich unangebracht ist.
Mütter (man denke an die Diffamierung der 'Frauen am Herd') und die von ihnen betreuten Heranwachsenden unterliegen in unserer Gesellschaft in Bezug auf ihre Leistungen einer Infantilisierungsideologie, die sie außerhalb der üblichen Form für die Bewertung von Leistung stellt. (Symptomatisch dafür die almosenartige Gewährung oder Verweigerung von 'Taschengeld' für beide.)
Ich stimme @Sandstein darin zu, dass die Gesellschaft den Kindern dafür ja andererseits weitgehend kostenlos die Ressourcen für ihre Bildung und Ausbildung zur Verfügung stellt, meine aber, dass gerade darin die Infantilisierung zu sehen ist. Alternativ wäre z.B. ein - natürlich 'sozialverträglich' abgestuftes - Kostensystem (Schulgeld), aus dessen Mitteln Leistungen der Schüler entgolten werden könnten, die dann kein 'Taschengeld' mehr benötigen würden, sondern abgesehen von der 'Beschulung' von 'Tugenden' (@Sandstein) auch am materiellen Wertsystem der Gesellschaft beteiligt würden. Andererseits könnten sich dann die Kosten bei Nichtleistung natürlich auch erhöhen.

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